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Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatsi

Nr. 71

Samstag, 24. März 1928

Vie ZinanzpoliliK für 1928.

Chamberlain über den Völkerbund

Gewerkschaftliches.

Renta-

Die Agentur Jndo-Pacifique meldet aus To­kio, daß dortigen Blättern zufolge die Sowjets ge­genwärtig versuchten, die Schiebungen zu China wieder aufzunehmen und zu diesem Zweck Tschang-Tso-lin eine Anleihe von 10 000 Sen an­geboten hätten.

* Ein aufständischer mexikanischer General er­schossen. Aus Veracruz wird gemeldet: Ge­neral Kurzain, der beschuldigt wird, in den Auf- stand vom Oktober des vergangenen Jahres ver­wickelt gewesen zu fein, wurde auf der Straße von Bundestruppen erschossen. Wie lange er sich in der Stadt aufgehalten hat, ist nicht bekannt.

Der türkische Botschafter in Baris, Fethi Bei, trifft zu persönlichen Besprechungen mit dem tür­kischen Außenminister Tewfik Ruschdi Bei in Genf ein. Sein Aufenthalt wird sich voraussichtlich auf mehrere Tage erstrecken. Es handelt sich bekannt­lich um den Eintritt der Türkei in den Völkerbund

* Dor der Ernennung eines Schiedsrichters aufgrund des Freigabegeseßes. Präsident Caolidge hat die Ernennung des gegenwärtigen Vorsitzen- den der deutsch-amerikanischen gemischten Kommis­sion, Edwin Parker, zu dem im Freigabegesetz vorgesehenen Schiedsrichter in der Frage der Ent­schädigung für deutsche Schiffe und Patente dem Senat zur Bestätigung vorgelegt. Die Entschei- düng des Senats ist noch zweifelhaft, da gewisse Kreise für die Ernennung des gegenwärtigen Ver- Walters des beschlagnahmten Eigentums, Suther­land, eintreten.

* Frau de Margerie gestorben. Die Gattin des französischen Botschafters in Berlin, Frau de Mar- Serie, ist einem Leiden erleegn, das sie sich bei der Geburt ihres letzten tot zur Welt gekommenen Kinds zugezogen hatte. Anläßlich des Todes der Gattin des französischen Botschafters tjat der Reichspräsident dem Botschafter in einem eigen­händigen Schreiben seine Teilnahme zum Aus- druck gebracht. Der Reichskanzler, der Reichsmini­ster des Auswärtigen, sowie der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes haben dem Herrn Bot­schafter gleichfalls ihre Teilnahme bekundet.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

_________Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Aus Madrid wird gemeldet: Die spa­nische Regierung antwortete auf die Einladung des Präsidenten des Völkerbundrates zur Wieder­aufnahme der Mitarbeit Spaniens am Völkerbund im wesentlichen folgendes: Die Ausdrücke der Sympathie, in denen Ihr Schreiben gehalten ist, das alles vermeidet, was den Anschein eines Hin­weises auf unsere nationalen Ansprüche haben könnte, und nur dem Wunsche Ausdruck gibt, daß Spanien nickt aus dem Völkerbund austrete, da­mit es weiterhin an dessen großen und hingebungs. vollem Werke mitarbeiten könne, hat ihren Ein­druck auf die spanische Regierung nicht verfehlt. Svanien das im Lause dieser Jahre nicht aufge­hört hat, an dem erhabenen Ziele des Völkerbun­des mitzuarbeiten, in dem es verschiedenen Län­dern Ausgleichs- und Schiedsverträge vorschlug und solche mit ihnen abschloß, weiß die Einladung des Rates wohl zu würdigen. Seine Regierung ist der Auffassung, daß es keine andere Antwort gibt, als eine dankbare bedingungslose und vorbe­haltlose Zustimmung zu der ehrenvollen Aufforde­rung.

Litwinow gegen England.

Die Sowjets haben am Donnerstag dem Völ­kerbünde zu einem „Großen Tag" verhalfen oder der Völkerbund ihnen. Es war eine große Abrech­nung Moskaus mit der englischen Politik, die die Rede des russischen Delegationsführers Litwinows ausfüllte. Litwinow begann fast jeden zweiten Satz mit dem Zitat: „Der ehrenwerte Vertreter Großbritanniens hat gesagt . .

verwahrte sich gegen die Untersuchung öer Motive, aus denen heraus die Sowjetregie- yu*}9 eine Delegation nach Genf geschickt habe, und bestritt der englischen Delegation das Recht zur Anzweiflung der Gründe, aus denen Sowjetruß­land nach Genf gekommen ist. „Ich würde das­selbe Recht haben", sagte Litwinow, „den englischen Delegierten zu fragen, ob denn er von feiner Re- gterung wesentlich aus pazifistischen Grün- ben nach Genf geschickt worden ist." Aber, so fuhr Litwinow fort, „er wolle das gar nicht unter­suchen, nur betonen, daß die Sowjetregierung stets eine friedsiche Politik betrieben habe und niemals

Rückblick auf die deutsche Sozialpolitik

Erfreuliche Feststellungen.

kriegerische. Wenn sie an den ersten Tagungen dieser Kommission nicht teilgenommen habe, so sei bas bie Schuld des Völkerbundes. Natürlich ist Sowjetrußland nicht Mitglied des Völkerbun­des. ober wenn Lord Cushendun, der Vertreter Englands, wissen will, was uns bewogen hat, hier­her zu kommen, so kann ich es ihm sagen: Es ist der Wunsch, die Staaten von den Lasten der Rü-

Litwinow unterließ es natürlich auch nicht, die englische Politik in China und Sinojews Brief zu erwähnen und daraus gegen feinen englischen Gegner Kapital zu schlagen, und als er schließlich auf die Abrüstungskonoention zurückkam, erklärte er, er verstehe nickt, warum denn Lord Cushendun das russische Projekt überhaupt in Erwägung zie­hen wolle, wenn es doch so unvereinbar mit den Prinzipien des Völkerbundes fei.

In einer Entgegnung gab der französische De­legierte Clauzel feinem Bedauern über die fast per­sönlichen Auseinandersetzungen Ausdruck. Dage­gen bezeichnete er die Kontrollbestimmungen des russischen Projektes als besonders beachtenswert und machte den Vorschlag, daß das Generalfekre- tariat für die zweite Lesung des kombinierten eng­lisch-französischen Entwurfes eine Gegenüberstel­lung mit dem russischen Entwürfe ausarbeiten solle. Desgleichen soll der deutsche Antrag auf vollständige Offenlegung aller Rüstungen für die zweite ßefuna verarbeitet werden, die na® dem Wunsche des französischen Vertreters noch vor der nächsten Völkerbundsversammlung ftattfinöen sollte. Graf Bernstorfs stellte fest, baß bereits wie­derholt bei ber Aussprache des russischen Projektes bie Frage des Zeitpunktes der zweiten Lesung aufgeworfen worden sei. Er habe zu dieser Frage, wie zu dem ganzen dritten Punkte der Tagesord­nung, dem Stand der Arbeiten des Abrüstungs­ausschusses selbst, noch sehr viel vorzubringen. Der Vorsitzende Loudon gab Graf Bernstorff bie Ver­sicherung, daß er in ber nächsten Woche uneinge­schränkt seine Gedanken zum dritten Punkt der Tagesordnung werde entwickeln können.

i flbg. Rheinländer gestorben.

D.D.Z. Berlin, 23. 3. ((Fig. Funkm.) Der tai Wahlkreis Westfalen-Süd gewählte Zentruinsabgo» ordnete Schulrat Anton Rheinländer aus Münster i. W. ist, wie das Nachrichtenbüro des V.D.Z. erfährt, heute früh um 5 Uhr einem Herz­schlag erlegen. Rheinländer, der aus ber Lehrer­schaft hervorgegangen ist unb in der Organisation der katholischen Lehrer führend tätig war, ist in'- letzter Zeit besonders bekannt geworden durch feine Beteiligung an der Beratung des gefdjeiteitertT Reichsfchulgefetzentwurfes. Er Hat nur ein Alter von 62 Jahren erreicht. *

Diese Nachricht von dem plötzlichen Tod des' Abg. Rheinländer wird in den Kreisen der Zen- trumspartei, namentlich aber auch in den Kreisen ber Katholischen Lehrerschaft tiefe Trauer her. vorrufen. Rheinlänber war ein Mann, der aus innerster Ueberzeugung unb mit heiliger Begeiste» rung für bie Sache bes katholischen Volkes kämpfte Er war mit ganzem Herzen dabei, wenn es galt, im Schulkampf die Rechte der christlichen Eltern sicher zu stellen. Unvergessen bleibt, wie er auf bem letzten Katholikentag in Dortmund gelegen!»' sich bet Versammlung des Augustinusvereins bie schulpolitische Sage auseinandersetzte und jeder Hä, rer erkannte, wie sehr in jede Einzelheit bet Schulpolitik und der Rechtslage auf bem Gebiett der Schicke Rheinlänber eingeweiht wat. Leiber hat er erleben müssen, daß die mühselige Arbeit am Schulgesetz wieder einmal umsonst war und nun ist er so plötzlich von der irdischen Kämpft bühne hinweggerufen worden. Die Erinnerung an ihn und feine selbstlose Arbeit wirb aber sicherlich gerade in den Reihen der katholischen Lehrerschaft vielen ein Ansporn fein, ebenso treu und ritterlich und aus echt katholischem Herzen heraus, in bem Schulkampf mitzufechten, der ja weiter geführt werden muß und wird bis eine befriedigende Sage im Geiste christlicher Schulideale erftritten ist.

bilitat nur mit vielen Vorbehalten angewandt werden. „Der heutige Preisstand läßt," so schließt die Denkschrift, „nach UeberzevAung des Gewerkschaftsringes noch ge­nügend freien Spielraum für Erhöhungen der Nominal­löhne und Gehälter ohne Preiserhöhungen. Die bis­her geübte, zumeist von privatwirtschaftlichem Gewinn­streben diktierte Preispolitik zwänge zur Sicherung des Lebensstandards der Arbeitnehmer durch lohnpolitische

Moknabmeu."

* Die Völkischen und der Eid. Dieser Tage hat sich ein interessanter Vorgang vor dem Amtsge­richt Berlin-Mitte ereignet. Dort war unter an­derem auch Herr von Graefe, der Führer der Völkischen im Reichstag, als Zeuge erschienen. Als ihm ber Vorsitzenbe die Frage vorlegte, ob er den Eid in religiöser oder nichtreligiöser Form ablegen wollte, antwortete von Graefe: Solange die heutige Staatsform besteht, schwöre ich nicht unter Anru­fung Gottes! Er leistete dann auch tatsächlich ben Eib in weltlicher Form. Die Völkischen haben schon viel fertiggebracht. Aber ihnen ist es jetzt doch vorbehaltengeblieben, unseren Herrgott mit der Völkischen Partei und der Auffassung die­ser Partei vom Staate in Verbindung zu bringen.

* Der Lukhersilm für ganz Deutschland zngelas- sen. In der letzten Sitzung der Film-Oberprüf- stelle wurde nach mehr als vierstündiger Derhand- lung! die Zulassung des Sutherfilms für ganz Deutschland, und zwar auch für Jugendliche, nach Vornahme einiger Streichungen bestätigt. Der Antrag des bayerischen Stagtsminiüiriuma. den

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w Am Mittwoch hat ber Reichsfinanzminister Dr. hohler einen Gesamtüberblick über die Finanz­lage des Reiches gegeben. Er war teilweise pole- inischer Natur, infofern er bie Kritik der Opposition zuruckweisen mußte. Hinsichtlich des Haushalts der allgemeinen Finanzverwaltung für das kommende 3af)r glaubte er die Auffassung vertreten zu können, daß er, wenn er auch durch das Notprogramm der Reichsregierung eine starke Anspannung erfahren habe, doch geordnet sei. Durch den Ergänzungs­etat für 1928 steht der neue Haushalt zunächst mit emem Defizit von rund 500 Millionen Mark da, doch ist der Finanzminister der Auffassung, daß das Steueraufkommen dieses Defizit decken werde. Dem- enffprechend sind denn auch gewisse Höher- schätzungen des Steueraufkommens bereits vor- genommen worden. Es hat natürlich nicht an Kritik folcher rein buchmäßigen Höherschätzungen gefepit, doch war es die Meinung des Finanz­ministers, daß man für solche Schätzungen sich Wohl mehr auf die Unterlagen im Ministerium ver­lassen könne als auf die Meinung der Oesfentlich- keit. Natürlich seien Schätzungen im Grunde ge­nommen nicht mehr als Schätzungen, doch habe es den Anschein, daß das Tempo des Konjunktur- anstiegs sich zwar etwas abschwächen, aber dennoch keine Katastrophe befürchten liehe. Reserven sind für das Jahr 1928 nicht mehr vorhanden.

FinanFninister Köhler hat in seiner Rede durch- ollcken lassen, daß die Verantwortung für den kommenden Etat mehr als sonst den Parteien des Hauses zusalle, die die Ausgaben verlangen Er meinte aber auch, daß die im Notprogramm I geforderten Mittel den Abschluß des von allen Regierungen sortgeführten Werkes des Wieder - ausbanes der durch Krieg und Inflation zerstörten .Werte und Kräfte bildeten. Der Gedanke der Zoll­senkung sei nicht dadurch erledigt, daß bei den Zöllen die Einstellung einer Reserve erfolgt ist, sondern dadurch, daß der Reichstag sich in den nächsten Monaten nicht mehr an die Zollsenkungs- arbeit machen könne. Würde aber Köhler die fest einem Jahre von ihm angekündigte Zollsenkung in diesem Augenblick noch befürworten können? Wo der Geldbedarf so groß wird? Er erinnerte daran, daß die Hälfte der Kosten des Notprogramms eine einmalige Ausgabe darstelle, während die andere I Häffte durch Ausgestaltung des Spritmonopols und der Ziggrettenfteuer hereingebracht werden könne. I

Cs ist nicht nur die eigentliche Opposition gewe- I fett, die die jetzige Ausgabenpolitik des Reiches I für recht bedenklich gehalten hat, Dr. Köhler beruft sich aber nicht ohne Berechtigung auf ein Wort I fernes Vorgängers, daß man den Etat „hart an der Grenze des Defizits" vorbeifüh- ren dürfe. Trotzdem ist die Situation insofern I anders geworden, als sich zu Zeiten Dr. Reinholds die Wirffchastskonjunktur in ansteigender Linie be- wegte, deren finanzielle Früchte der Reichskasse im letzten Etatzahr zugesallen sind, während sich seit einigen Monaten unsere Wirtschaftskonjunktur wie- I feer etwas abwärts bewegt, wie die Arbeits- loseiHiffer ja deutlich zeigt, so daß kaum zu erwarten I jft, daß das Steuererträgnis im kommenden Jahr I bem des vergangenen die Waage halten wird. So wett in den Erklärungen Dr. Köhlers der Gedanke verborgen lag, daß seit Auslösung der Regiernnqs- koalttwn die eigentliche Verantzvortung für die Ausgabenwirtschaft weniger mehr dem jetzigen Ka­binett aufgebürdet sei als den Parteien, die die Ausgaben wollten, muß ergänzt werden, daß solche Auffassung formal richtig ist. Es darf aber auch Acht übersehen werden, daß die Parteien auf oie Auskünfte des Finanzministeriums an- I gewiesen sind und sich natürlich auch nach diesen I Auskünften richten werden. Insofern liegt nach wie toor die Verantwortung des Finanzministers fest I gumal das Notprogramm die Billigung des Kabi- I netts gesunden hat.

Film für ganz Deutschland ober wenigstens für Bayern zu verbieten, wurde abgelehnt. Zur Sit­zung ber Obervrüfstelle waren neben ben Veisitzern . als Sachverständige ber evangelische unb ber ka- | Äolischen Kircke Dr. DhlemüIIer unb Kurätus «sienfen sowie als Vertreter ber bayerischen Staatsregierung ein Ministerialbirektor erschie­nen. Die Auffassung ber Oberfilmprüfstelle ging bamn, baß ber Film in feiner veränderten norm keinen Anlaß mehr ge b e, bas ka­tholisch? Empfinden zu verletzen.

* Ein rumänisch-griechischer Richlangriffsver- trag. Aus Genf wird gemeldet: Der rumänische Außenminister Titulescu und der griechische Außen­minister Mickalakovulos. die beide feit der Rats­tagung krankheitshalber noch in Genf weilen, haben am Mittwoch abend einen Nichtangriffspakt unterzeichnet, in dem ihre beiden Länder auch die Verpflichtung übernehmen, etwa zwischen ihnen enfftehende Streitigkeiten auf dem Wege des Ver­gleichs ober durch Anwendung eines Schiedsver- fahrens -u regeln.

Immerhin ist es ein eigentümlicher Zustand, daß die Parteien, die mit finanziellen Reserven nicht «W recknen können, Ausgaben zulassen, deren Deckung letzten Endes einer ungewissen Zu kunft anheimgestellt bleibt. Man wird darum kaum er­warten len, daß die Oppositionsparteien die sich offenbar mtt dem Gedanken tragen, nach den Wahlen die Regierung zu übernehmen, diesem Etat ihre Zustimmung geben werden. In der schwierigsten Situation befindet sich die Zentrums- parter, von der man Wohl annehmen kann, daß sie, wie auch immer die kommenden Wahlen ausfallen l^^baN' nicht daran vorbeikommen wird, auch im nächsten Reichstag wieder zur Regierungskoalittvn zu gehören. Vielleicht wird sie sogar wieder den Fmanzmlnlster stellen. Dr. Köhler selbst hat un- IaÄ ^ner Parteiversammlung in Freiburg mit Recht erklärt, daß es in einem parlamentarisch regierten Staat aus die Dauer unerttäglich werde, wenn die Minister zu häusig wechselten, da alsdann die Herrschast ber Bürokratie über das L^,rlamentdie man bereits seit langem mit

WA sich uniner mehr festigen würde. Man AMWnrte so auslegen, daß Finanzminister

@ .W mit der Hoffnung trägt, auch im I nächsten Kabinett wieder sein bisheriges Amt ver- sehen zu tonnen. In dieser persönlichen Hoffnung

Falsters darf uns wohl eine gewisse Garantie I seiner Finanzgebarung, «nch wenn sie m den letzten Wochen stark unter bem Druck der m der Wahlstimmung sich befinden- mit großer Zuversicht gegen-

Sr wurde wohl schwerlich eine gefähr­de Ausgabmwirtschast treiben, wenn er damit ferne künftige Verantwortung übermäßig belastet sähe.

* rMnisterialdirektor z. t>. Edler von Stockham­wern gestorben. Ministerialdirektor im Auswür­fen Amt z. D, Geh. Legationsrat Edler von Stockhammern, ist am 20. Märr im Wter von 58 Jahren gestorben« l

In einer Rede, die der englische Außenminister Chamberlain in Oldham hielt, erklärte er, daß er ein gläubiger Anhänger bes Völkerbunbes fei, er habe jeboch zuweilen mehr Angst vor ben begei­sterten Freunben bes Völkerbunbes, als vor dessen entfdiiebenen Gegnern. Der Völkerbunb müsse noch einen weiten Weg gehen, ehe er den Krieg verhinbern könne. - Man dürfe nicht übersehen, daß er jetzt noch nickt einmal imstande gewesen Jet, in der Abrüstungsfrage einen Erfolg zu erzielen.

— Eine Denkschrift der Gewerkschaften zur Lohnbe­wegung. Die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberver- bände hat im vorigen Monat der Oeffenttichkeit eine im Auszug auch in der Fuldaer Zeitung mitgeteilte Denk­schrift zur Lohnbewegung unterbreitet. Nunmehr liegt I eine Denkschrift des G e w e r k s ch a s i s r i n g e s d e ut- scher Arbeiter-, Angestellten, und Beam- tenverbände zum gleichen Thema vor. Es heißt darin u. a.: Es fei ein Irrtum, zu glauben, daß der in ben letzten beiden Jahren oder feit der Stabilisierung der Währung ftattgefunbenen Heraufsetzung der Storni- nallöhne eine Realwerterhöhung im selben Ausmaße gleichgelaufen sei. Der seit Anfang 1924 eingetretenen Nominallohnsteigerung stände zunächst eine Verminde­rung der Kaufkraft des Geldes von etwa 20 bis 25 Pro- Zent entgegen. (Lebenshaltungsindex: 1. Vierteljahr 1924: 122,6; 4. Vierteljahr 1927: 150,7 — 23 Prozent Steigerung.) Es sei ferner zu berücksichtigen, daß nach Beendigung der Inflationszeit die ersten Goldmark­gehälter und Löhne aus verschiedenen Gründen so un­natürlich tief feftgelegt wurden, daß ein Beibehalten auf längere Zeit hin gänzlich unmöglich war. Von der Jahreswende 1925-26 an sei nach der amtlichen Tarif­lohnstatistik keine Verbesserung des Arbeitnehmerein­kommens vor sich gegangen. Die Erfolge aus den letz­ten beiden Jahren stürmischer, nunmehr in ruhigeres Fahrwasser gelangender Rationalisierung seien bei wei­tem noch nicht voll in Erscheinung getreten. Die volle finanzielle Auswirkung in ber inneren Wirtschaft stände vielmehr noch bevor. Als Beweis werden dafür die Dividendenquoten von 274 Aktiengesellschaften (Berliner Börse) aus den Jahren 1926 und 1927 vergleichsweise angeführt. Die tatsächliche Lage der Prioätunterneh- mungen sei noch weit günstiger, als sie die Dividenden- quoten ergeben. Bei den heute geübten Bilanzierungs- methoben könnte die Gleichung Dioidendensatz — “ bilität nur mit vielen Vorbehalten angewandt 1

sowie bas Zusatzabkommen zum beutsch-sitauischen Handelsvertrag an. Nunmehr folgt ber münbliche Bericht bes parlamentarischen Untersuchungsaus- fchuffes über bie Ursachen bes inneren Zusammen­bruchs' im Weltkriege. Ohne weitere Aussprache stimmt bas Haus ber Ausschußentschließung, in ber bie Ergebnisse ber Untersuchung zusammenge­faßt finb, zu. Nachdem noch die zweite Lesung bes Haushalts bes Reichsministeriums bes Innern be­gonnen worben war, vertagte fick bas Haus auf Freitag 14 Uhr.

Preußischer Landtag.

Ohne Aussprache überweist ber Preußische Lanbtag in feiner Sitzung am Donnerstag bie Ge­setze über bie Volks-. Mittel-. Gewerbe- unb Han- belsschullehrer-Besolbung bem Hauptausschuß unb geht zur Beratung bes Ausschußantrages über, ber zur Behebung ber landwirtschaftlichen Not bie Zusammenfassung einer großen Reihe von An- trägen eine Fassung vorschlägt, wonach bqs Staats- minifterium im Benehmen mit ber Reichsrehie- rung eine allgemeine Umfchulbung bes laudwirt- schaftlichen Krebits mit bem Ziel burchzuführen hat, baß größere Personalschulden tunlichst in Re- alfchulben umgeroanbelt werben zu einem erträg­lichen Zinsfuß. Die Ausschußanträge werben be­stätigt. Die nun folgenbe Beratung bes Entwurfs einer neuen Geschäftsordnung für ben Lanbtag wirb unterbrochen, unb das Haus vertagt sich auf Montag 12 Uhr.

VDZ Berlin, 23. März. (Eig. Funkm.). In ber heutigen Sitzung bes sozialpolitischen Aus- icyufses, bie aller Voraussicht nach bie letzte in dieser ßegislaturperiobe ist, gedachte ber Vorsit­zenbe E sser ber Arbeit, bie der Ausschuß auf bem Gebiete ber sozialen Gesetzgebung geleistet hat. Die Gesetze feien mit einer Einmütigkeit angenommen worben, bie im Reichstage selten fei. Mit ber Regierung habe sich ein gewisses Vertrau­ensverhältnis herausgestellt. Reichsarbeitsmini- fter Dr. Brauns bankte ben MitFiedern bes Ausschusses für bie überaus fruchtbare Zusammen- arbeit mit bem Ministerium, befonbers bem Abg. Hoch (Soz. Dem.), ber sich burch feine Sachkennt­nis unb seine Tätigkeit als Etatsreferent um bie Förberung ber Sozialgesetzgebung große Ver­bimste erworben habe.

ftus den Parlamenten.

Reickskaa.

Die Plenarsitzung bes Reichstages nahm am Donnerstag in allen drei Lesungen das Gesetz über ben Gebietsaustausch zwischen Sachsen unb Thü­ringen sowie bas deutsch-fpanische Luftverkehrsab­kommen ohne Aussprache, bann in zweiter unb britter Lesung bie beutsch-französifche Vereinbarung über ben Warenaustausch zwischen bem Saarge- biet unb bem beutschen Zollgebiet unb außerdem ebenfalls in zweiter unb britter Beratung ben beutsch-polnischen Vertrag über polnische Arbeiter