Fuldaer Zeitung
JV2 66.
Donnta-, 18. Mär, 1928.
2. Blatt.
*♦"** Drott der Fuldaer Actiendrutterei, Fulda
vom Rummel der Sechslaoerennen
Keiil HM ohne Hidaer ZeiiiiW!
I
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lieber den Wert eines Zirkus, ob groß ober klein, Ann man geteilter Ansicht fein. Aber er ist in seinem
Land der Seele neu zu entdecken, und es wird in allen Landen ein neuer Frühling kommen.
Nun fürchte ich, wie mir neulich ein „Gebil- beter" sagte, wieder einmal viel zu ungebildet geredet zu haben. Nun, ich bitte um Verzeihung. Um Verzeihung bitte ich auch, wenn ich fo nebenbei etwas Besonderes übrig habe für die Armen und Kleinen, für die Kutscher, die Köchinnen, die Portiers, die Waschfrauen, ach und sogar noch für eine Reihe von Existenzen, die so am Wegrande zu finden sind, uiti) überdem noch für solche, in denen das Bild des ewigen Gottes beinahe nicht mehr erkennbar ist. Ich fühle mich da halt etwas verwandt. Habt also Geduld. Und wenn ich den Gebildeten chre „Bildung" verzeihe, fo verzeiht ihr mir meine „Unbildung" und laßt mir die kleine Sünde,, daß ich mich besonders darüber freue, daß manch arme Köcknn meine Plaudereien mit dankbarer Freude lieft, wenn sie am Sonntag nachmittag einsam in der Küche sitzt .. . beim himm- lichen Gastmahl müssen wir uns ja doch daran gewöhnen, daß auch dis Köchinnen dabei sind . . .
Der Mann im Monde.
Dann ein weiter Welzenschlag. Ohne Zögern begannen sie mit dem mühsamen Durchqueren. Die triefend nasse Fülle der ährenschweren Halme schmiegte sich ihnen aufenthaltheischend um den Leib. Das zettretene Gewirr am Boden umstrickte die Füße und ließ den des Wan- derns schon auf ebenen Wegen ungewohnten Klaus weit zurück. HInnerk kam stolpernd zu Fall. Nun überholte ihn der andere. Jtomml* keuchte er nur im Dorüberhasten. Dann eilten sie wieder nebeneinander dahin. Noch sekundenlang.
~ Endlich die letzten Schritte ttn Halmenmeer. Aufatmend, das Hervorbrechen zahlloser Schweißperlen auf ihren erhitzten Körpern empfindend, blieben sie einen Augenblick stehen. Dor ihnen breitete sich die Bruch- wiese wie ein« endlose, düstere Einsamkeit. Und wieder gellte ein Schrei auf. Gar nicht weit von ihnen.
„Es wat das Rufen eines Nachtvogels," flüstert« Hinnerk, trotz der Schweißfülle einen Kälteschauer empfindend.
„Stein, nein," bestritt Klans. Seine scharfen, durch so manches Auslugen auf nächtlicher Schiffswache geübten Augen hatten ein gut Stück vorwärts die wild dahinstürmende Gestalt des Irren bemerkt. Er wie» in die Dunkelheit hinein. „Dort hinüber müssen wir."
Hinnerk hatte sich ttotz seiner furchtbaren Aufregung schnell orientiert. In der Richtung, nach der Klaus wies, lag eine Kette grundloser Moorlöcher, der Teufelsstrich genannt. Mele kaum meterbreit und mit Binsen trügerisch überwuchert. Andere fast hundert Schritte lang, von einem seichten nicht mehr als fußtiefen Wasser bedeckt. Aber allen eins gemein: die unmeßbare, schaurige Tiefe schwarzen Schlammes. Wer in der Dunkelheit sich ihnen näherte, mußte mit der Möglichkeit rechnen, 'rettungslos in einem von ihnen zu versinken. Diese Darstellung zuckte durch Hinnerks Hirn.
„Olein, da hinaus nicht," wehrte er ab, Klaus am Arme zurückhallend, „wir geraten auf den Teufelsstrich."
„Der vor uns auch. Ich sah ihn eben noch. Er läuft gerade darauf zu. Komm, wir müssen versuchen, ihn noch vorher zu erreichen."
„Und wenn wir beide mit ihm . . ."
(Fortsetzung folgt). "
nach dem mühsamen Hinwegreißen der alle Sinne überrumpelnden Erkenntnis: Klaus ist heimgekommen, dieses vergeblich nach Antworten und Auswegen suchende Fragen: Was soll nun werden? Um Gott, was soll nun werden? trieb das furchtbare Erlebnis der letzten Sekunden zurückscheuchend in den Hintergrund des Ge- fühlslebens, wo es als etwas vorläufig zur Nebenfäch- lichkeit Gewordenes in sich zusammensank. Und da» andere, diese» Furchtbare, das Blut zum Erstarren Bringende, reckte sich auf wie etwas, da» Riesenfäuste drohend erhebt, aus glühend leuchtenden Augen zuckende Blitze schießt und mit gellender Stimme schreit: Dieser Irrsinnige Mörderll
Schweratmend standen die Brüder sekundenlang. Hart aneinander gepreßt. Sie schienen keines Gedankens und keiner Bewegung mehr fähig.
Endlich stieß Klaus mühsam hervor: „Mr wollen ihm nach! Wir müssen ihn finden und heimholen!"
Hinnerk formte ein tonloses „3a!", ohne schon die Möglichkeit zu besitzen, seine Füße vorwärts zu bewegen. Erst als Klaus auffordernd an feinem Arm zerrte und ihm ein herrisches „Äomm!" zurief, gewann er die Beherrschung über sich zurück. Taumelnd folgte er dem hastig Dorausschreitenden.
Mit schweren Füßen, und fast stolpernden Bewegungen eilten beide ein kurzes Stück den Weg hinab, um dann plötzlich ,wie einer stillen Vereinbarung folgend, stehen zu bleiben und ratlos in das Dunkel zu starren.
„Wo hinaus?" keuchte Hinnerk mit schwerem Atmen.
„Wir finden seine Spur nicht."
„Warte!" befahl Klaus und beugte sich lauschend vor.
„Er wird wieder ... Da, hast du gehört?"
„Ja, den alten Schrei."
„Er tarn aus der Richtung nach der Bruchwiese hin.
Wir wollen hinüber."
„Komm!"
Sie bogen scharf recht» ab. Die ersten hastenden Schritte gingen über ein bereits gemähtes Roggenfeld. Zu beiden Seiten tauchten in gespenstischer Undeutlichkeit die zu kleinen Diemen zusammengestellten Garben auf. Von einem erhob sich eine Eule und strich mit lautlosen Flügelschlägen dicht über den Köpfen der Brüder hin» «eg. ' ' ' '
hat, und nur fo können die Werke des Menschen gedeihen. So follte es doch fein, es sollten alle unsere Verhältnisse ein Bild des Menschen dar stellen. Der Staat, die Wirtschaft, die Politik, unb was es immer gibt, es sollte in seinem stolzen Bau das Antlitz einer in Gott verankerten und zum Höchsten berufenen Menschheit zeigen, statt daß heute fast alles zu einer Teuselsfratze geworden ist, wo denn wilde Leidenschaften ihr Höllenspiel treiben.
Und da ist ein zweites Wort von einem Volks- führer, dessen Namen ich nicht nennen will, obwohl dieser Name weithin bekannt ist. Er sagte jungen, heiratslustigen Männern wohl: „Fraget, wenn ihr Euch die Braut erwählt, vor allem darnach, ob dieses Mädchen einmal die Mutter eines Priesters fein könnte." Ob solche Mädchen heute nicht seltener geworden sind gegenüber früher? Wie schön aber ist doch ein Familienleben, das immer damit rechnet, es fei vielleicht die Stätte, die einem Auserwählten Gottes und einem mit heiligem Del Geweihten Wiege und Heimat fein wird. In dem kleinen Holland, das etwa zwei Millionen Katholiken zählt, hat ein frommes Familienleben nicht zuletzt dazu beigetragen, daß heute 1200 holländische Missionare draußen im Reiche Gottes tätig sind. Wir in Deutschland zählen nicht zwei, sondern über zwanzig Millionen Katholiken, während an deutschen Missionären nur 600 wirklich draußen sind. Bringen wir da auch noch so viele mildernde Umstände in Anschlag, es bleibt doch ein furchtbares Mißverhältnis, das handgreiflich zeigt, wie in der deutschen Familie der Sinn für die Religion und für die gnadenvolle Berufung zum Dienste am Allerhöchsten zurückgegangen ist.
Wir wollen nicht Schwarz in Schwarz malen und wir dürfen nicht vergessen, daß überall im Lande die Zahl der Menschen wächst, die einsehen, um was es heute geht. Ihnen mag ein Wort Dr. Seipels, das in Paris auf einer Tagung der übernationalen Arbeitsgemeinschaft der katholischen Studentenverbnäde, der Pax Romana, bei der Tho- masfeier jüngst gesprochen wurde, neuen Mut geben: „Die größte Anklage, die man gegen die Christen unserer Zeit erheben könnte, wäre, wenn man vor ihnen sagen müßte, sie kennten nur ein altes und gealtertes Christentum, weil sie sich einbilden, das Christentum unserer Zeit sei ein solch gealtertes Christentum und weil sie es für ihre Person bequem finden, gerade noch an den äußer? ften Peripherien des Christentums zu bleiben und sich von ihm nur hier und da bedrängen und stoßen zu lassen. Das Christentum, jung auch in unserer Zeit!" An die Stelle des Grübelns will der unermüdliche Bundeskanzler die Tat setzen. Nicht aber gemeint ist die äußerliche Tat, die so oft in einem noch fo gut gemeinten feurigen Programm stecken bleibt, sondern jene Tat, die aus dem Leben selbst hervorgeht, aus dem Leben in der Religion, aus der Erfülltheit nut den Geheimnissen der Schöpfung und Erlösung, aus der Verbundenheit mit dem ewig alten und doch immer jungen Gott, dessen mächtiger Odem unter dem Himmelsgewölbe der Natur weht wie auch im Wunderbau seiner Kirche. Regt euch doch, ihr Frommen. Sprecht von dem, was eure Seele erquickt. Laßt die Menschen fühlen, daß ihr Sonne im Herzen habt. Und morgen wird man ein Wunder erleben. Man wird wieder Gott sehen. Man wird die Dinge dieser Zeit und alle die scheinbar unentwirrbaren Wirren spielend auflösen. Wir müssen aufbrechen, das
geteilter Ansicht fein. Aber er ist in feinem ir. Er läßt Künste vorführen und bezeichnet >n. Die Menschen, die feine
Pr. Eckener über den Luftfernverkehr
Ebener sprach am Donnerstag abend in 51 a ch e n über das Problem des Luftfernverkehrs mit Zeppelinluftschiffen. Er legte im einzelnen dar, daß die Fahrt im Luftschiff heulte ebenso ungefährlich fei, wie mit jedem anderen Verkehrsmittel. Er verwahrte sich gegen den Gedanken, einer Gegenüberstellung von Luft- schiss und Flugzeug. Der Bau der Dornierflug» zeuge in Friedrichshafen beweise seine Auffassung, daß beide nebeneinander bestehen könnten. Nach dem heutigen Stande der Technik und innerhalb der der weiteren Entwicklung der Technik nach menschlichem Ermessen gezogenen Grenzen könne die Derwendunqsfähigkeit des Flugzeuges noch gesteigert werden, vor allem durch die Verlegung der Flüge in größere Höhen. Stuf große Strecken und tm lieber fee dienst werde bas Luftschiff wirtschaftlicher als das Flugzeug fein. An Hand von Lichtbildern zeigt er dann ben Bau des Luftschiffes L. Z. 127. Zweck des Luftschiffes fei, werbend zu wirken und dazutun, daß das Luftschiff das gegebene Instrument für den Transozeanverkehr fei. Nach der in Aussicht genommenenSlmerifareife liege ihm her Plan einer Weltreise besonders nahe, den er glaube in drei bis vier Etappen ausführen zu können.
Nach Schluß legte Dr. Eckener bei einem Empfang der Presse über die Frage der Landungsplätze dar, diese könnten nicht nach dem Wunsche der Großstädte errichtet werden, sondern die Anlage von Flughäfen müßte sich in erster Linie nach den meteorologischen Verhältnissen richten. Die Wünsche, die als deutschen Flughafen einen Platz in der norddeutschen Tiefebene befürworteten, müßten zurücktreten vor Gegenden im Rheinland, deren windgeschützte Lage durchaus' vormziehen sei. Er werde mehrere solcher Gegenden durch feinen Aufenthalt an Ort und Stelle prüfen und u. a. auch Aachen in den Bereich feiner Beobachtungen einbeziehen. Die vielverbreitete Meinung, der Bau des L. Z. 127 stehe im Wettbewerb mit dem Bau eines englischen Luftschiffes, wies Dr. Eckener ausdrücklich zurück.
* Die leerstehenden Wohnungen in preußischen Großstädten. Daß trotz der allgemeinen Wohnungsnot namentlich in den Großstädten noch immer Wohnungen leer stehen, ist eine groteske lat» ^ache. Nach amtlichen statistischen Ermittlungen waren am 16. Mai 1927 in den preußischen Großstädten nicht weniger als 9 763 Wohnungen unbewohnt, von denen aber nur 5 427 als Leerbe- stand im eigentlichen Sinne gelten können. Von den ersteren entfallen 3 984, von den letzteren 2 434 allein auf Berlin Die genaue Zahl der leerftehen- den Neubauwohnungen, denn um diese meist unerschwingliche Wohnräume handelt es sich hauptsäch- lich, konnte nicht erfaßt werden; sie wird auf 25 Prozent des gesamten Leerwohnungsbestandes geschätzt.
* Heberfragbate Krankheiten in Preußen. Sn Preußen sind in der Zeit vom 15. 1. bis 11. 2. ds . As. amtlich gemeldet an Todeslällen bei Diph- tene 2529 (135), Genickstarre 44 (30), Kinbettfieber .90 (52), nach Fehlgeburt 141 (64), Lungentuberkulose 3910 (1965), Scharlach 7204 (59).
„Nein, Hinnerk." Klaus erhob sich, hart in die Höhe fahrend. „Er irrt im Felde umher. Ich habe ihn gesehen, als er John Meyer erwürgt hatte . . ."
Hinnerk fuhr herum. „Was redest du da! Bist du von Sinnen?"
„Ich wollte, ich wäre es, wenn es dadurch anders fein könnte . . . Aber so laß meinen. Arm los, Hinnerk! Es ist nicht anders: auch der Vater ist uns verloren gegangen."
„Ich sage dir, du bist von Sinnen, du hast Gespenster gesehen , . . lleberhaupt die ganze Nacht scheint voll Gespenster . . . Hörtest du den Schrei eben?"
Sie lauschten beide in die Stille hinein. Ja, da war der Schrei wieder, ganz in der Nähe.
,„Ich habe es gehört," sagte Klaus dumpf. „Was war das?"
„Cs war ein Mensch. Es schien wie Lachen und Weinen in einem Ton. Es mar grausig."
„Und jetzt kommen Schritte. Hörst du?"
Ehe Hinnerk erwidern konnte, tauchte vor der Gartenpforte eine Gestalt auf, die taumelnd hindurchtrat, stolpernd der Haustür zustrebte und, die Brüder nicht beachtend, vor ihr stehen blieb.
Nis Jörnfen war’s. Leise lachend und unverständliche Laute murmelnd, starrte er auf die dunkle Diele. Dann ließ er wieder den gellenden Schrei hören, wandte sich ab und verschwand mit tierähnlichen Bewegungen, ein heiseres Lachen ausstoßend, in der Dunkelheit.
Hinnerks Hände fuhren im maßlosen Grauen nach des Bruders Arm und klammerten sich an ihm fest. Der Aeltere fprang vor, Hinnerk mit sich fortreißend, als wolle er dem in der Nacht Verschwundenen sofort nach. Aber dann lähmte auch wohl seine Bewegungen das Entsetzen. Noch ehe er die Gartenpforte erreichte, blieb er regungslos stehen. Und seine Sippen formten keuchend und mit zitterndem Klange:
-Hast du nun gesehen, daß ich die Wahrheit sprach? Der Geist des Toten hockt ihm im Nacken und hat ihn irrsinnig gemacht."
Hinnerk brachte kein Wort hervor und stöhnte nur auf, daß ein erschütternder Laut an das Geheimnis erlauschende Ohr der Nacht klang. Das,, was vorhin, vor knappen Minuten noch, hart am Ausbruch qest^pden.
Von den Hochschulen,
„..T T^°fesior Horn Nachfolger Flamm» an der ledj- nifajen Hochschule Berlin. (Gig. Funkm.) Die durch bas Ausscheiden Professor Stamms frei gewordene Pro- fei|or fur Schiffsbau an der Technischen Hochschule Berlins ist Professor Dr. Jng. Fritz Horn übertragen wor- Den.
Ist da» nicht ein Hohn? Ein Spott auf echte Pflege der Leibesübungen, derartige Profitgier mit Sport zu bezeichnen? Haben die Verbände im Reichsausschuß für Leibesübungen denn keine Mittel der Abwehr? — Wir wollen einen starken Trennungsstrich ziehen zwischen dem Sport im Dienste des Volkes und dem Geschäftsrummel des Sechstagerennens. Wenn das Sechstagerennen jagt, es sei Sport — so ist bas Lüge!
_ ........,T sogenannten füh-
ng für Sport: „Und gerade in Sechstagerennen ein sich ständig lilb bieten, muh es Jagden „garantieren", zahlreiche, immer neue Ueberrunbungen bringen, u m zu ziehen". Und für einen solchen Verlaus ist die Zusammenstellung des Berliner Sechstagefeldes einigermaßen günstig."
Meine Schutzmarke
verbürgt
Wesen w a n _ . _ ,
sich als Geschäftsunternehmen. Die Menschen, die seine Art lieben und wollen, kommen wohl auf ihre Kosten. Keiner wird sagen, er sei dabei betrogen.
So vieles hat sich in den letzten Wochen begeben, daß der kritische Betrachter kaum mitkommen kann. Es gewittert über der arabischen Wüste und in Aegypten, über dem eigenen Lande liegt die drückende Schwüle und die Stift ist erfüllt von Gerüchten, die von Aussperrungen sprechen, von wilder Wahlbewegung und von zunehmender Not. Aus Italien her hörte man wieder die grelle Stimme Mussolinis, und der Terror der polnischen Wahlen, die gewiß einen Sieg der Deutschen brach- ten, aber zugleich eine Vergewaltigung der Minderheiten und einen bedenklichen Zuwachs an kommunistischen Stimmen. Vom Aquarium des Döl- kerbundes in Genf wäre ebenfalls zu reden, und auch das werd mir heute schwer, weiß ich doch noch immer nicht, ob die Fische darin Delphine sind, die man an ihren schönen Friedensliedern erkennt, oder aber ob es doch die alten Haifische geblieben, die ihren Appetit nur schlecht verbergen. Alles das ist wichtig, aber Wichtigeres drängt sich mir heute auf. .
Obwohl ich nicht zu denen gehöre, die überall Sias wittern und lüstern nach Skandälchen sind, fo hatte ich doch jüngst mehrfach Gelegenheit, im Innersten zu erschrecken. Don irgendwelchen Primanern in irgendeiner Stadt hörte ich, wie sie mit gleichaltrigen Lyzeistinnen sich eine Bude gemietet hatten, um die tollsten Orgien zu feiern, nicht einen Abend nut, sondern viele. Und die Folgen waren fürchterlich. Don einer halben Untersekunda kam mir zu Ohren, die den zweifelhaftesten Männer- bünben verfallen war. Und fo immer Neues von dieser Art. Wir wollen die früheren Zeiten nicht zuungunsten der unfern vergolden, aber es zeigt sich doch hier eine Zersetzung, die alle ernsten Menschen auf den Plan rufen muß. Alle die Krankheiten, die wir im politischen, im wirtschaftlichen und im Familienleben heute sich ausbreiten sehen, haben ihre tiefere Ursache eben in einer tieferen Schicht, die unter jenen Interessensphären liegt, ich meine: in der Seele des modernen Menschen. Diese Seele ist krank, bei Unzähligen todkrank. Sie kann nicht mehr glauben, nicht mehr hoffen und nicht mehr lieben, sie ist zerbrochen, wie ein dürres Rohr, sie hat aufgehört, der Ouellgrund frischen und starken Lebens zu sein. Und darum heute ein paar Worte an die Seele, wie sie von Männern gesprochen wurden, die etwas gelten.
Der große Künstler Jan Toorop ist gestorben, und die Blätter haben ihm ehrenvolle Nachrufe gewidmet. Mir blieb ein Wort aus ihnen tief im Herzen stecken, so wie ein glühender Pfeil. Es sagte Jan Toorop einmal: „Beim Zeichnen meiner Porträts will ich die Seele der Person sehen durch Gott und in meinem Gebet mich mit ihm einen, der sie schuf. Wenn der Künstler nur mit natürlichen Blüten die Seele der Person betrachtet, fo liefert et schlechte Bilder mit wenig Ausdruck." Lies, mein bester Freund, nur nicht zu schnell über dieses Wort hinweg. Wenn eine Menschheit nämlich einmal mit Gott gebrochen hat, dann ist sie bald auch beim gebrochenen Menschen angelangt. So schön schreibt Handel-Mazetti in ihrem neuesten Werk, das den Tod des deutschen Dichters Johannes Günther darstellt und zwar in einer einzig herrlichen und ergreifenden Weise, in der langen Einführung zu dieser ihrer Meisternovelle von ihrem eigenen Schaffen. Man muß ihr dankbar dafür fein, daß sie uns so tiefe Blicke in eine reiche Seele hat tun lassen. Man fühlt auch bei ihr, wie sie sich menschliches Schöpfertum mit göttlichem immer verbunden
Qualität ußdPrelswardlakelt.
Joseph Schmitt, Fulda,
Weingroßhandlung.
Rund um die Woche.
Drei Worte von der Seele, eines von Toorop, eines von einem Bolksmanne nnd eines vom L,nndeskanzler Seipel.
NussteUungswesen.
--- Zur Kölner internationale« preffeaasftellung. Auf das von der Internationalen Presseausstellung Köln 1928 vor längerer Zett erlassene Preisausschreiben zur Erlangung eines Sketsches „(Eine Stunde Tageszeitung" waren 80 zum Teil sehr umfangreiche Arbeiten eingegangen. Nack Ansicht de» Preisrichterkolleaiums, bas am 14. Marz zur letzte» Entscheidung zusammentrat, befand sich unter den ein- sandten Arbeiten zwar außerordentlich beachtenswert tes Material, jedoch war keine Arbeit so beschaffen» daß sie in jeder Beziehung den ge st eilten An- forderungen entspricht und sich zur Aufführung eignet. — Der französische Senat bewilligt» einen Kredit von 400 000 Franken als Subvention für die Teilnahme Frankreichs an der Internationalen Presseausstellung Köln.
Anders ist das aber beim Sechstagerennen, gleich, in welcher sensationssüchtigen Stadt es sich abfpieU. Es nennt sich Sport. Was ist denn Sport? Sport ist doch ein Ringen um Veredelung von Leib und Seele. Don Seele brauchen wir beim Sechstagerennen wirklich nicht zu sprechen. Ganz verbohrte Menschen bringen es vielleicht noch fertig, die Seele in der Sensation zu sehen. — Ist es vielleicht noch wenigstens Sport für den Leib? Nein, niemals! Der Sport ist und bleibt immer eine gewisse Art Erziehung. Doch das ist ein Begriff, der in den Hallen des Sechstage-Tobens wahrlick nicht zu Hause ist. Das Sechstagerennen ist eben nichts anderes als ein brutales Croßgeschäft. Wie lasen wir doch erst noch vor einigen Tagen in einer sogenannten führenden deutschen Zeitung für Sport: „Und gerade in Berlin muß heute ein Sechs änderndes Bi.....
Das Kreuz im Moor.
| Roman von Fritz Gantzer.
19] ---------
„Tot?" schrie Klaus auf, den zu Boden starrenden «rüder hart an den Arm fassend.
warf^-it brC’ 3a^rcn bald, als du kaum ein Jahr fort
Sl.aVs schlug die Hände vor bas Gesicht. Da war er nun heimgekommen mit so vieler Sehnsucht, und Stunde riß ein Stück nach dem anderen unerfüllt uno unvescledigt hinweg. Die Mutter gestorben und der Vater ein .. Mörder.
$onnte er f^ 'N feiner Aufregung ? S ' Qlien? chatte er vielleicht falsch gesehen? Die Möglichkeit eines Irrtums war nur wie etwas Un- ?a?rf™inr^SJn 'hm- Dennoch klammerte er sich an biefe Mog.ichkett und versuchte, sie als eine Gewißheit 3U betraditen. Und Hinnerk sollte sie ihm als solche betätigen. 1 '
„Aber der Vater lebt nod)?< fragte er aus seiner traurigen Niedergeschlagenheit heraus.
„Ja."
„Schläft er schon lange?" forschte er weiter und & U(rte, 'ne 'fjtn bas Herz bei dieser Frage bis zum Halse hinauf schlug.
„Er ist noch gar nicht daheim," entgegnete Hinnerk mit der alten Schwerfälligkeit, als sei ihm die Zunge ge- lahmt. „Ich wartete vorhin auf ihn. Er ist nach Delmenhorst hinüber. John Meyer war am Nachmittag mer. Sie müssen beide ein Geschäft vorhaben."
Also doch! schrie es in Klaus. Also kein Irrtum. Der Vater wirklich ein Mörder! Und die Mutter tot. Wäre er doch nimmer heimgekommen!
Als er das sagte, nickte Hinnerk. „Ja, es wäre besser gewesen," flüsterte er unverständlich.
Mit einer schweren Bewegung erhob er sich. „Wir mollen nicht länger warten. Komm ins Haus, du kannst in Vaters Bett schlafen. Er wirb in Delmenborti geblieben fein," ■ - - ■ • x