Nr. 65.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
Samstag, 17. März 1928.
Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JIM auswärts 0,20 5Ut. Reklamezeile: lokal 0,60 JU. auswärts 0,80 JLH. Bei Wiederholungen Rabatt.
Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051 :»:
55.Zahrg<
MVerWtllchUgdersrallzöMenAiegsdMmente
wtb. Paris, 16. März. (Eig. Funkm.). lieber -ie gestrige erste Sitzung des durch Dekret vom 28. Jan'. 1928 unter dem Vorsitz des Rektors der Universität Paris, Charlety, gebildeten Ausschuß zur Vorbereitung der Veröffentlichung der Dokumente bstr. den Ursprung des Krieges 1914=18 wird folgender Bericht verbreitet: Der Minister des Aeu- ßern hat dem Ausschuß mitteilen lassen, daß sie alle Dokumente für seine Arbeit, die in einem rein geschichtlichen Geiste erfolgen soll, ermittelt, gleichviel ob sich diese Dokumente in den Archiven des Ministeriums, bei den Dienststellen oder bei den diplomatischen oder Konsular en-Stellen befinden. Der Ausschuß beschloß, daß sich die Veröffentlichung aus den ganzen Zeitraum von 1871—1914 beziehen soll. Die Serie 1871—1900 soll erst später bearbeitet werden. Was die Periode 1901—1914 betrifft, so wird die Veröffentlichung in zwei Teilen erfolgen, der eine von 1901 bis 1911 und der andere vom November 1911 bis August 1914, die gleichzeitig erscheinen sollen. Der Ausschuß hat die unverzügliche Vorbereitung eines Bandes für jede dieser beiden Abteilungen beschlossen. * «
Um den Untikriegrpakt.
wtb. Chicago, 16. März. (Eig. Funkm.) „Chicago Tribüne" meldet aus London, das britische Kabinett habe sich entschlossen, den Antikriegspakt Kel- loggs anzunehmen. Man suche nach einer Formel, die die britische Verpflichtungen dem Völker
bund gegenüber nicht verletzt und doch Kelloggs Vorschlag gerecht werde.
Amerikas Zlottenpläne.
wtb. Washington, 16. März. (Eig. Funkm.). Das Repräsentantenhaus verhandelt noch immer über das Bauprogramm, das nach dem Beschluß des Komitees auf fünfzehn 10 000 Tonnenkreuzer zu je 17 Millionen Dollar Baukosten und ein Flugzeugmutterschiff zu 19 Millionen Dollar Baukosten beschränkt werden soll. Marinesekretär Wilburg, der den Verhandlungen beiwohnte und inmitten der Abgeordneten Platz nahm, wurde von den Demokraten heftig angegriffen, ohne jedoch nach der Geschäftsordnung des Repräsentantenhauses auf diese Angriffe antworten zu können.
* Stapellauf und Taufe von vier Torpedobooten. In Wilhelmshaven fand der Stapellauf und die Taufe von vier neuen Torpedobooten der Reichsmarine statt, die die Namen „Tiger", „Lux, „Jaguar" und „Leopard" erhielten.
* Amerikareise des afghanischen Sönigspaares. Der diplomatisch» Berichterstatter der „Mor- ningpost" schreibt, es bestehe die Möglichkeit, wenn nicht Wahrscheinlichkeit, daß das afghanische Königspaar nach seinem Aufenthalt in England die Vereinigten Staaten besuchen und über Japan Heimreisen werde.
„Vernünftigen Pazifismus" wollen sie nicht.
(Entriiftungsfturm der Rechtsradikalen gegen den Reichswehrminister Groener. - Ruch die deutschnationale Presse ist wütend. — Der Wehretat wird aber mit großer Mehrheit bewilligt.
Im Reichstag hat General Groener das Wort Dom gesunden, vernünftigen Pazifismus, d. h. von der vernünftigen Friedens- .liebe geprägt. Dieses Wort wird in den politischen Debatten zweifellos eine starke Rolle spielen. Die deutschnationale Presse wendet sich recht heftig gegen diese Aeußerung.
So sagt die „Kreuzzeitung": „Ganz unglaublich klingt aus dem Munde des berufenen Hüters des Wehrgedankens das Bekenntnis zu einem „gesunden und vernünftigen Pazifismus". Das Wort bat nun einmal als politisches Schlagwort einen odiösen Beigeschmack bekommen. Damit wird der militärische Geist einfach zerschlagen, dessen unsere kleine Wehrmacht besonders bedarf."
Der „Berliner Lokalanzeiger" meint: „Wenn es auch nichts Ungewöhnliches war, was Groener sagte, so war es doch deutlich genug. So deutlich, daß man darüber nachzudenken vergaß, wie die Pflichten des Soldaten und Soldatenerziehers thit Pazifismus, mit vernünftigem oder unvernünftigem Pazifismus unter einen Hut zu bringen seien." Noch mehr erregt ist der deutschnationale „Tag", der folgendes schreibt:
„Heer und Flotte seien im übrigen ein reines Frie- pensinftrument; selbst die Kriegsteilnehmer seien doch fast durchweg Pazifisten. (Ausnahmen bilden vor allem diejenigen „Kriegsteilnehmer", die bei Proviantämtern,. Etappenkommandos und heimatlichen Ersatztruppenteilen „gestanden" haben. Die Schriftl.).
Gott sei Dank, nun ist es heraus. Die Linke traut zwar ihrem Groener nicht über den Weg, aber schöner hatte das auch Quidde nicht sagen können.
Niemand fühlt alte Narben brennen, niemand sehnt 0en Tag herbei, wo Frankreich niedergeschlagen und -Deutschland wieder aufgerichtet wird; wir sind Pazifisten und wünschten, daß nicht nur die „Erziehung der fugend im Geiste der Völkeroersühnung" in der Vereisung verlangt würde, sondern auch die Erziehung der Wehrmacht in gleichem Sinne. So ist es. Groener be. kennt sich auch zum „Primat der Außenpolitik", also ra?U'«. unsere Soldaten und Offiziere im festen Glauben an den Silberstreifen am Horizont und an die Allmacht der Schiedsgerichtsverträge felig entschlafen sollen.
So viel hat nicht einmal Geßler den Wölfen hinge- toorfen."
Nach maßloser waren die 2lusfölle, die von den Rechtsradikalen im Plenum des Reichstages am Donnerstag unternommen wurden.
Bor allem war es der Hitlerioner Straffer, der sich 3u den schärfsten Ausfällen verstieg. Unter anderem behauvtete er, Geßler und v. Seeckt seien auf Wunsch Vriands verabschiedet worden. Der Reichsaußenminister
• sesemann habe bei seiner Zusammenarbeit mit Briand bewußten Landesverrat getrieben.
Bei diesen Worten entstand große Unruhe im Hause. Auf der Publikumstribüne wird Beifall geklaffcht.
Präsident Lobe erteilt dem Redner einen Ordnungsruf und ersucht den Beifallsrufer, die Publikumstribüne zu verlassen. Als dieser der Aufforderung nicht folgt, wird er von einem Diener entfernt.
Abg. Straffer versucht an dem Verhalten des Präsidenten Kritik zu üben, was sich dieser verbittet. Der Redner wendet sich dann in heftigen Ausdrücken gegen den Minister Groener. Die Nationalsozialisten würden mit den Kommunisten gegen das Ministergehalt und für den Mißtrauensantrag stimmen. Wir sehen in Groeners Ministergehalt nichts anderes als die dreißig Silberlinge, die Judas für feinen Verrat erhielt.
Präsident Cöbe schwingt nach diesen Worten dauernd die Glocke. Von den Sitzen der Mehrheit kommen stürmische Psui-Rufe, von den Nationalsozialisten Heil- Rufe. In diesem Lärm gehen die letzten Worte des Abg. Strasser verloren.
Abg. Henning (Völk.) richtete an den Minister die Frage, gh der Chef der Heeresleitung Heye Freimaurer fei. Es bestehe die Gefahr, daß öi».
aus einem Instrument des deutschen Volkes zu einem Instrument des Völkerbundes gemacht werde.
Abg. BteM, der Führer der Wirtschastspartei, erklärte: Die vom Minister für den Panzerkreuzer gegebene Begründung sei ganz anbeiS gewesen als die erste im Ausschuß. Früher sei auch im Ausschuß von den Vertretern des Ministeriums immer auseinandergesetzt worden, warum die Lanzen unentbehrlich seien. Jetzt höre man plötzlich, daß die Lanzen längst abge - schafft seien. In einem künftigen Kriege werden ganz andere Waffen verwandt werden als im Weltkrieg, ganz andere Waffen auch, als sie unsere kleine Reichswehr hat. Deutschland wird von anderen Mächten als Bunüesgeno^e nicht gesucht werden wegen seiner militärischen Kräfte, sondern nur, wenn es seine inneren wirtschaftlichen Kräfte entwickelt. Selbst die alte deutsche Armee, die die beste der Welt war, konnte niemals den Weltkrieg gegen eine Uebermacht gewinnen. Der Weltkrieg war schon verloren unter der Reichskanzlerschaft Bülows, als sich das Netz der internationalen Bündnisse um Deutschland zusammenzog.
Abg. Schneller (Kam.) sieht in der Phoebusaffcire und anderen Angelegenheiten den Beweis dasür, daß mit Zustimmung der Entente das deutsche Reichswehrministerium an der Aufrüstung arbeite mit dem Ziel des großen Ueberfalls der kapitalistischen Völkerbundsmächte auf das proletarische Sowjet-Rußland.
Reichswehrminister Groener: Die Worte des Abg. von Schulenburg waren mir aus dem Herzen gesprochen In der Frage des Offiziers-Ersatzes stehe ich' ganz auf dem Boden Scharnhorsts. Scharnhorst fchaffte die Privilegien ab und ließ die Borbildung entscheidend fein für die Beförderung zum Offizier. Ich muß daran festhalten, daß nur nach dem erfolgreichen Besuch einer Waffenschule jemand zum Offizier gemacht werden kann. Die Vorbildung muß entscheidend sein, nicht die gesellschaftliche Stellung. Ich lege Wert auf eine einheitliche Auffassung der Offiziere, nicht aber ihrer Vät->r, Onkels und Tanten. (Zehr gut!) Die materielle Not der jungen Offiziere wird von uns mit Aufmerksamkeit beachtet, und wir bemühen uns, sie abzustellen. Ohne Abiturium sind im letzten Jahre 12 v. H. der Gesamtzahl Offizier geworden.
Der Minister geht dann auf einige vom Abg. Künstler (Soz.) angeführten Einzelfälle ein und trägt Vernehmungsprotokolle vor, die der Darstellung des Abg. Künstler widersprechen. (Rufe links: „Sie werden angelogen!" — Rufe rechts: „Nennen Sie doch die Namen Ihrer Zeugen!" — Rufe links: „Sann werden die auch eingefperrt!" — Rufe rechts: „Wir sind doch nicht in Rußland!" — Ein Kommunist ruft: „Da werden die anderen eingesperrt!" — Heiterkeit.) Als Hauptursache der zahlreichen Selbstmorde in der Reichswehr bezeichnet der Minister den Zwang der zwölfjährigen Dienstzeit.
Der Abg. Haas hat zwei Fragen an mich gestellt. Die erste lautet: Wird der Vorstand des K y f f Häuserbundes die Kraft haben, sich mit einer verständigen, parteipolitisch neutralen, staatsbejahenden Auffassung auch innerhalb des Bundes durchzusetzen? Ich habe schon in meiner Erklärung im Ausschuß diese Frage beantwortet dahin, daß ich in der Zusammensetzung des Vorstandes des Kyffhäuserbundes eine völlige Gewähr für die Einhaltung dieser Richtlinien erblicke. Was die Stellungnahme eines Bezirksverbandes des Kyffhäuser- bundes anlangt, so habe ich mich mit dem Vorstand des Kyffhäuserbundes in Verbindung gesetzt.
Die zweite Frage lautete: Wird der Offizier politisch in verständiger Weise belehrt und wie geschieht das? Daß ich eine solche Belehrung für erforderlich halte, habe ich auch schon im Ausschuß gesagt. Ich halte sie für notwendig, weil nur ein politisch gebildeter Offizier überparteilich handeln kann. Im Sinne dieser politischen Belehrung finden in nächster Zeit auf den Wasfenschulen Vorträge durch Offiziere statt, die vom Reichswehrministerium besonders ausgesucht sind. Im übrigen werden die Wehrkreiskommandeure fowie alle höheren Offiziere und die Offiziere des Ministeriums selbst von Zeit zu Zeit über die politische Sage ins Bild gesetzt. (Zuruf bei den Soz.: Pon wem und wie?)
Unterstreichen möchte ich zum Schluß noch einmal, was Dr. Haas über die Stellung des Volkes zur Reichswehr gefegt hat und dabei hinzufügen, *i4i js .hnrAaus -wtimistisch denke.
Denn im Grunde liebt der Deutsche sein Heer und ist stolz darauf. Wenn die Bevölkerung durch die Manöver mehr mit der Reichswehr in Berührung kommt, wenn sie die schnellen Notmaßnahmen sieht, die die Reichswehr bei allgemeinen Notständen trifft, so glaube ich, daß man in absehbarer Zeit überhaupt nur noch mit Freude an unsere Reichswehr denken wird. (Beifall.) Von allen Rednern ist übrigens in so sympathischer Weise von und über die Reichswehr gesprochen worden, daß ich das nur mit wärmstem Dank quittieren kann. (Erneuter Beifall bei der Mehrheit.)
Damit schließt die Aussprache.
Der kommunistische Antrag auf Streichung des Ministergehalts und der kommuni st ische Mißtrauensantrag werden gegen die Antragsteller und die völkischen Gruppen abgelehnt.
Die sozialdemokratischen Streichungsanträgc werden gegen Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt.
Der Etat des Landheeres wird bewilligt.
*
Kriegsschaden bis zu 5000 Mark wird nach der nunmehr zweiten Lesung des Kriegsschä- dengesetzes in voller Höhe gewährt. Die ursprüngliche Regierungsvorlage sah bekanntlich 4000 Mark für diese Vollentschädigung vor, im Notprogramm war der Betrag auf 4500 Mark erhöht worden und nun ist die Vollgrenze auf 5000 Mark festgesetzt worden. Die dafür erforderlichen erhöhten Mittel sollen durch eine Hinausschiebung des Verzinsungsbeginns bei der Eintragung rm Reichsschuldbuch gewonnen werden.
Wie der „Tägl. Rundschau" zufolge verlautet, haben zwischen den Parteien neue Verhandlungen stattgefunden, die sich mit der Schaffung von B e» förderungs stellen beschäftigen. Bei den ersten Besprechungen ist bekanntlich der Vorschlag eines solchen Personalergänzungstats gescheitert. Welchen Ausgang die neuen Verhandlungen nehmen werden, läßt sich noch nicht voraussehen.
*
Die Zentrumsfraktion des Reichstages beschloß, der Herabsetzung des Gefrierfleisch- Kontingents auf 50 000 Tonnen zuzustimmen. Das Zentrum verlangt aber, daß bei Eintritt eines Notstandes in der Fleischversorgung von der Ermächtigung Gebrauch gemacht wird, das Kontingent zu erhöhen.
3um Schulgesetz.
Der zu seiner Frühjahrssitzung in Berlin zusammengetreten? Deutsche Evangelische Ki r ch e n a u s s ch u ß, das verfassungsmäßige Der- tretungsorgan des Bundes der deutschen evangelischen Landeskirchen, hat nach eingehenden Erörterungen zu der durch das Scheitern des Reichsschulgesetzes geschaffenen Lage die folgende Entschließung gefaßt:
Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß ist von dem Scheitern der Verhandlungen über das Reichsschulgesetz schmerzlich enttäuscht.
Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß erwartet, daß alles versucht wird, sobald als möglich ein Rcichsschulgesetz zustande zu bringen, das den: Schulprogramm des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Stuttgart vom Jahre 1921 Rechnung trägt und unter voller Wahrung der Staatshoheit Gewissensfreiheit, evangelische Erziehung und Elternrecht gewährleistet. *
Nach der Volksschule in der Sonneburger Straße in B e r I i n, die, wir wir berichteten, in eine Sammelschule umgewandelt werden soll, hatte die Elternschaft, die sich für die Erhaltung der Schule in
der bisherigen Form eingesetzt, eine Versammlung einberufen, um gegen den Beschluß der zuständigen Deputation erneut zu protestieren und die weitere Stellungnahme in dem Konflikt, der bekanntlich zu einem Schulstreik geführt hat, zu erörtern.
Der Leiter der Versammlung teilte mit, daß die Kinder von Montag ab wieder am Unterricht teil- nehmen werden. Sollten unverzügliche Verhandlungen mit den in Betracht kommend m Behörden nicht zu befriedigenden Ergebnissen führen, so würde man zu weiteren Maßnahmen greifen.
Reichskanzler Marx.
Er erfüllt seine Pflicht bis zum Letzten.
Zu der Wiederherstellung des Kanzlers meldet die „Germania": Es war zunächst auf ärzlichen Rat beabsichtigt, daß der Reichskanzler sich sofort zur Erholung auf Urlaub begeben sollte. Bei 'der durch die bevorstehende Auflösung des Reichstages immerhin politisch bedeutsamen Gesamtlage hat sich Dr. Marx jedoch dazu entschlossen, seinen Erholungsurlaub er ft nach der Auflösung de» Reichstages anzunehmen.
*
Im Befinden v. K e u d e l l s ist eine erheblich Besserung eingetreten, sodaß er wahrscheinlich in den nächsten Tagen seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen wird.
*
wtb. Berlin, 16. März. (Cgi. Funkm.). De« Herr Reichspräsident empfing heute den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns zum Vortrag.
preußischer Landtag.
Nach Erledigung verschiedener kleiner Vorlagen sowie nach Annahme sämtlicher Aenderungsanträge wurde am Donnerstag die Kultusdebatte fortgesetzt, jedoch einige Male durch die Vornahme zurückgestellter Abstimmungen zum Handelsetat und zum Etat des Staatsministeriums und des Ministerpräsidenten unterbrochen.
Die genannten drei Haushalle.wurden angenommen. In namentlicher Abstimmung wird ein kommunistischer Antrag, der dem Staats» m i n i st e r i u m das Vertrauen entziehen will, mit den Stimmen der Antragsteller und der Völkischen abgelehnt. Deutschnationale und Deuffchs Dolkspartei beteiligten sich nicht an der Abstimmung. Wiederum steht die Schulfrage im Brenn- punkt der Debatte. Nach Schluß der Aussprache vertagt bas Haus die Weiterberatung auf Freitag 12 Uhr. __________
Tarifwesen.
— Schlichtungsverhandlungen für die Reichsbahn, Die Schlichtunasverhandlungen zur Beilegung des Lohnstreits bei der Reichsbahn beginnen, wie der „Vorwärts" meldet, am kommenden Dienstag.
= Die Lohnbewegung im Buchdruckgewerbe. Der Schiedsspruch im Lohnstreit des deutschen Buchdruckgewerbes ist von den Prinzipalen angenommen worden. Sie haben Derbindlichkeitserklärung des Spruches beantragt. Die Verhandlungen über diesen Antrag finden Anfang der nächsten Woche statt. — Der „Roten Fahne" zufolge nahm die Generalversammlung der Buchdrucker Berlins einen Antrag an, der an dem geforderten Satz von 10 Mark festhält und im Falle einer Verbindlichkeitserklärung die Aufnahme des Kampfes mit allen Mitteln fordert.
— Schiedsspruch für die Berliner Brauinduslrie. (Eig. Funkm.) Der Schlichtungsausschuh stellte am Donnerstag nach ergebnislosen Verhandlungen zwischen-Arbeitgebern und Arbeitnehmern den Groß-B erlin er Brauereien einen Schiedsspruch, der vom 1. März 1928 auf ein Jahr gilt und für sämtliche Arbeiter in der Groß-Berliner Brauindustrie eine wöchentliche Zulage von 3 Mk. vorschreibt.
SanDtao und die mexikanische Kacholikenoersolgung.
Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben:
Pius XL hat vor kurzem darüber geklagt, daß bezüglich der Katholikenverfolgungen in Mexiko eine offenbar sfillschweigende Vereinbarung in der internationalen Presse bestehe, die dortigen Der- hältniffe einfach totzuschweigen, um sich auf diese Weise Unbequemlichkeiten zu entziehen. Man muß gestehen, daß diese Methode bisher glänzend befolgt worden ist und daß sich über den Heldenkampf der mexikanischen Katholiken und über die gegen sie verübten Greuel ein Schleier legt, durch den niemand durchdringt, der nicht den ernsten Willen hat, die Wahrheit zu sehen.
Umso erfreulicher war es, daß einzelne Parlamente, in denen die Katholiken Bedeutung haben, sich diesem Schweigen nicht angeschlvssen, sondern offen gesprochen haben. So geschah es auch im Preußischen Landtage, wo der Redner des Zentrums dies Komplott des Schweigens geißelte, offen sprach und der Wahrheit Zeugnis gab. Er anerkannte dabei mit vorbildlicher Gerechtigkeit die Verdienste Mexikos um Deutschland im Kriege, seine loyale und freundliche Haltung, die es gegen uns als eine der wenigen Nationen eingenommen hat. Aber gerade deshalb konnte der Redner des Zentrums umso wirkungsvoller die Greuel bezeichnen, die einer Kulturnation unwürdig sind und die eine Schmach des 20. Jahrhunderts genannt werden müssen.
Veranlassung zu dem Vorgehen des Zeittrmns- redners bot die Taffache der Schenkung einer kunstgewerblichen Sammlung cm das preußische Kultusministerium durch den Präsidenten Calles. Es ist sicher bedauerlich, wenn die deutschen Katholiken genötigt sind, so ihrer Meinung Ausdruck zu geben, aber sie können es nicht anders, und auch die Mexikaner sollen es wissen, daß mindestens ein Drittel des deutschen Volkes den Heldenkampf des mexikanischen Katbolirismus mit dem lebbaf-
। testen Interesse und Mitgefühl verfolgt, und daß I über unsere eigenen Reihen hinaus Leute genug da sind, die ihr Gefiihl für Gerechtigkeit nicht verloren haben, und die es bedauern, einem an sich befreundeten Volke so bittere Wahrheiten sagen zu müssen.
Die Ausführungen des ZentmmsrednerS machten auf das Hans sichtlichen Eindmck, und es fielen keinerlei Zwischenrufe, ein Beweis dafür, daß man die Berechtigung des Protestes anerkannte und ihm mit Achttlng begegnete. Möge er nicht ungehört bleiben!
Aufgabe der deutschen Katholiken wird es weiter sein, von sichtbarster Stelle her ihre Meinung zu sagen. In diesem Sinne ist das Vorgehen oes Zentrums im Preußischen Landtage ebenso wie die bereits im bayerischen Landtag erfolgte Behandlung dieser Frage vorbildlich, und die deutschen Katholiken danken es ihren parlamentarischen Vertretern, daß sie dieses „Komplott des Schweigens" durchbrochen haben! Im Verein mit der beginnenden Versammlungstätigkeit ist es eine gute Gelegenheit, unseren bedrängten Glaubensgenossen in dem fernen tropischen Lande zu Hilfe zu kommen und das Unfrige dazu beizutragen, ihre schweren Leiden zu lindern. Je ärger das Komplott des Schweigens gehandhabt wird und je dichtet der Schleier ist, den die Weltpresse über Mexiko und die dortigen Katholikenverfolgungen legt, desto lauter müssen wir sprechen. Wenn man für Saeco und Vanzetti eine journalistische Revoluttonentfachen konnte, dann sollte es doch möglich sein, Gerechtigkeit für Hunderte von gefallenen, und zwar unschuldig gefallenen Katholiken zu fordert! und zu erreichen! Oder nicht? Wir bezweifeln zwar anläßlich der offenbar bestehenden Absicht, aber das kann uns nicht hindern zu sagen, was Recht und Gerechtigkeit ist und das zu brandmarke«, was aebrandmarkt werden mufd