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verheerende Brande.

Sn Hohen-Reinkendors Kreis Ran­dow) brach am Mittwoch nachmittag auf dem Ge­höft des Bauernhofbesitzers Ernst Laubs Feuer aus, das schnell große Ausdehnung annahm. Die mit Frucht und landwirtschaftlichen Geräten gefüllte Scheune brannte nieder. Ferner wurden ein Schup­pen und zwei Ställe ein Raub der Flammen, während die beiden Wohnhäuser durch Löschwasser usw. schwer beschädigt wurden. Trotz angestrengter Arbett der Feuerwehren aus der Umgegend, auch aus Gartz, griff der Brand auch auf die benachbarten Scheunen zweier Bauernhofbesitzer über. Beide Gebäude wurden eben­falls vernichtet. Schließlich brannte noch ein Scheu­nen- und Stallgebäude, das drei Familien gemeinsam gehört, nieder. Insgesamt sind also sieben Ge­bäude niedergebrannt. Ueber die Ursache des Feuers konnte noch nichts festgestellt werden.

Großseuer Im kreise Schleswig.

In einer Gastwirtschaft in S i l b e r st e d t (Schles- wig) brach ein Feuer aus, das bei scharfem Ostwinde schnell einen großen Umfang annahm. Durch Funken- flug geriet ein zweiter Besitz in Brand und wurde eben­falls vernichtet. Die Rettung eines dritten Anwesens war nur durch angestrengteste Arbeit der Wehren mög- lich. Einiges Vieh ist mitverbrannt. Das Feuer soll durch ein kleines Kind verursacht worden sein.

*

Der Kairoer Luxuszug traf am Mittwoch mit vier Stunden Verspätung ein. Zwei Wagen waren unterwegs verbrannt. Glücklicherweise sind Menschen nicht zu Schaden gekommen. In dem über­füllten Zuge fuhren zum großen Teil amerikanische Touristen. Die Paflagiere verließen fluchtartig die in Brand geratenen Wagen, die abgehängt wurden. Die Passagiere dieser beiden Wagen, unter denen sich auch der amerikanische Millionär Eastman befand, büßten ihre Kleider und ihr Gepäck ein und besaßen bei ihrer Ankunft in Kairo nur noch chre Schlafanzüge.

* Empfang beim Neichsbankprasidenten. Der Reichsbairkpräsident und seine Gemahlin veranstal­teten am Mittwoch abend anläßlich der Jahresver­sammlung der Reichsbank einen Enrrana, cm dem u. a. die Minister Dr. Curtius, Dr. Köhler, Schiele, Brauns, die Staatssekretäre Dr. Pünder, Zweigert, Gutbrod, Sautter, Joel, ferner der Generalagent für Reparationszahlungen, Parker Gilbert, der Kommissar für die RcrchsbahnvbTigationen, Le- verve, die in- und ausländischen Mitglieder des Eeneralrates der Reichsbank, die Mitglieder des Zentralausschusses und des Direktoriums, ferner eine große Zahl führender in- und ausländischer Männer der Finanz, der Industrie, des Parlaments und der Presse teilnahmen.

* Eröffnung der Voruntersuchung gegen den warmer Langkipp. Von der Staatsanwaltschaft ist beim Untersuchungsrichter des Berliner Land­gerichtes II Antrag auf Eröffnung der Vorunter­suchung gegen den früheren ostafrikanischen Farmer Heinrich Langkopp, dessen Verteidigung Rechts­anwalt Dr. Frey führt, wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz, räuberischer Erpressung und Mordversuches gestellt worden.

* Das Mordmesser dcr Anthony gefunden. Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, hat die Kri­minalpolizei auf dem Grunde der Kanalisation im Norden Berlins das Messer gefunden, das die Kontoristin Anthony zu ihrer Mordtat benutzt batte. Es handelt sich um ein Messer, wie es in Schlächtereien zum Tranchieren verwendet wird. Es war noch in Zeitungspapier eingewickelt, das aber den Schmutz von der Scheide nicht fern ge- haltm hatte, sodaß die Blutspuren verdeckt waren. Anscheinend ist das Messer noch neu. — Nach den bisherigen Feststellungen darf angenommen werden, daß die Kontoristin den Mord an der Aufwarte­frau Schüler mit voller Ueberlegung begangen hat, um die Mitwisserin ihres Verhältnisses aus der Welt zu schaffen. Die Kontoristin hatte die Auf­wartefrau am Montag nach Geschästsschluß unter irgend einem Vorwande nochmals nach dem Büro kommen lassen.

* Schwerer Einbruch in einer Ortskrankenkasse.

der Nacht zum Dienstag drangen Einbrecher in die Geschäftsräume der Allgemeinen Ortskranken­kasse zu Staßfurt ein und nahmen den etwa zwei Zentner schweren Geldschrank, der etwa 1300 Mark bares Geld sowie Sparkassen und Bankbücher mit Schecks, Ueberweisungsformularen, Steuermar­ken, Versiä/erungspolicen usw. enthielt, mit sich. Don den Tätern fehlt noch jede Spur.

* Mbrennen — der billigste Ausweg» Vor kur­zem wurde von der Besatzungsbehörde das Kriegs- gefangencn-Lazarett in Worms geräumt und zu­rückgegeben. Die Anstalt befand sich aber in einem derartig verwahrlosten Zustand, daß die Reichs- vermögensverwaltung sie abbrennen ließ, da hie Wiederherftellungs- und Reinigungskosten zu hoch Leworden wären.

* Ein F s: st ii P ri> ermord ft. Ein ft Paris cer faszytischen Partei angehöriger Italiener, S a - v^orelli, wurde in der Wohnung eines seiner freunde mit drei Schußwunden tot aufgefunden.

Das fjaus der Zukunft.

Sius Fachkreisen wird uns geschrieben:

Stahl«

übliche bei ei-

2>ie Jn Sltnerita seit einer Reihe von Jahren --oaumethode, zwecks Kosten- und Zeitersparnis nem fiaule als tragende Konstruktion ein oram»

Holzwchwerkgerippe zu erstellen, welches später .Mauerwerk ausgefüllt wird bezw. die durch diese ^Itoiftion zu Tage getretenen Erfolge haben auch ^/„.^utsche Baustoffindustrie veranlaßt, auf diese Kon- stnn« c?en na^ ?inzugehen, bezw. hierfür geeignete Baustoffe zu fabrizieren. Als solche wohlgelungen? Fabrikate mochte ich die bekannten „Torf oleum p'°"en" und „Tekton Leichtdielen" bezeich­nen. -Bet einem mit Mauerwerk ausgefüllten Stcchl- gerippe oder Holzfachwerk-Konstruktion sind die Außen­wände natürlich zu dünn, um im Sommer und Winter ausrechend gegen Wärme und Kälte (sowie gegen Schwitzwasser) 3U schützen. Die baupolizeilichen Be­stimmungen erfordern für Außenmauern ein Mindest- P?°6 von 38 Zentimeter (VA Stein). Maßgebend für We Bestimmungen sind die Standsicherheit, sowie

und Warweschutz. Torfoleu.mplatten sind 0.50 mal 1.00 Meter große Platten aus Torf, welche durch besondere Kermmprägnierung gegen Brennbarkeit und Wasseraufnahme geschützt sind. Das Raumgewickt der Torfoleump'atten beträgt zirka 160-180 Kilo pro Ku- bskmeter bei größter Dichtigkeit im Materialgefüge. ,^hsi?nschafUiche Untersuchungen bei den verschiedensten Prufungsämtern, Hockschulen. Laboratorien usw er­gaben die geringe Wärmeleitzahl x gleich 0.0335 (als Vergleich Ziegelmauerwerk y gleich 0,75 bei 1800 Kilo ©erotcht pro Kubikmeter) d. h. 3 Zentimeter Torfoleum bietet den gle,^ Wärme- und Kälteschutz wie 56 Zen- t'meter Ziegelmauerwerk bei Außenmauern. Bei Ver­bindung der Stahl- ober stolzgerippe-Konstruktion mit Torfoleum wird also ein sehr hoher Isolierwert geg°n Kölle und Wärme geschaffen, der weit über die bau- pol. Bestimmungen hinausgeht (38 Zentimeter): wird doch ein Kälte- und Wärmeschutz aebfmffen van ausg»= mauertes Gerippe 15 Zentimeter gleich 71 Zentimeter

Man nimmt cm, daß der geflüchtete Täter aus politischen Gründen gehandelt hat. Savorefli soll in der fascistischen Partei in Paris großes Ansehen genossen und sich politisch stark betätigt haben. — Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung in der Mordaffaire Savorelli scheinen zu bestätigen, daß es sich um ein politisches Attentat handelt. Savo- reM war, ehe er vor einigen Jahren zum Facis- mus übertrat, Sekretär einer äußerst linksstehenden ftalienischen Zeitung. Sein politischer Meinungs­wechsel soll ihm in den Kreisen kommunistischen oder anarchistischen Tendenzen huldigender italie­nischer Emigranten Feinde geschaffen haben. Von dem Täter fehlt immer noch jede Spur.

Landwirtschaftlicher.

— Geld, das für Obff ins Ausland gehl. Die Ein­fuhr von Südfrüchten ist von Jahr zu Jahr im Steigen begriffen. Im letzten Jahr zeigte sich bei der Bananen­einfuhr eine Steigerung von 21 Millionen Reichsmark, für Apfelsinen von 11,5 Mill. Rm., für Feigen von 6,9 Mill. Rm., für Datteln von 1,1 Mill. Rm., "für Ananas von rund 3 Mill. Rm., für Tafeltrauben von 11,1 Mill. Rm., für Aepsel von 8.8 Mill. Rm., für Birnen von 2,2 Mill. Rm.. für Pfirsiche von 2,1 Mill. Rm., für Zwetfchen von 1.9 Mill. Rm. und für frische Blumen von 3,3 Mill. Rm.

Tarifwesen.

= Lohnforderungen in der chemischen Industrie. Don den am Tarifvertrag für die chemische Industrie betei­ligten Arbeitnehmergewerkschasten ist der Tarifvertrag 3um 31. März gekündigt worden. Nunmehr sind dem Arbeitgeberverband für die chemische Industrie auch die spezifizierten Forderungen der Arbeitnehmerorganisatio­nen zugegangen. Wie wir erfahren, wird eine E r - Höhung des bisherigen Tariflohnes um 20 Proz. gefordert. Die erste Verhandlung zwischen den Par­teien findet in den nächsten Tagen statt. e

— Neuer Antrag der Reichsbahn auf Einleitung eines Schlichtungsverfahrens. Zur Vermeidung einer Gefährdung des Arbeitsfriedens hatte die Deutsche Reichsbahngesellschaft den Reichsarbeitsminister um die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens in ihrem Lohn­streit mit den Tarifgewerkschaften ersucht, weil die Reichs­bahngesellschaft den sehr weitgehenden Forderungen der Gewerkschaften gegenüber eine ablehnende Stellung ein­nahm. Auf Anregung des Reichsarbeitsministers ist am Dienstag nochmals mit den Gewerkschaften über deren Forderungen verhandelt worden. Da beide Teile von ihrem früheren Standpunkt trotz eingehender Erörte­rung aller Gesichtspunkte nicht abgingen, kam eine Ver­ständigung nicht zustande. Die Deutsche Reichsbahn hat deshalb ihren Antrag auf Einleitung eines Schlichtungs­verfahrens wiederholt.

— Die Verhandlungen über das Rlehrarbeiksabkom- men im Ruhrbergbau. Die Verhandlungen zwischen dem Zechenverband und den Bergarbeiterverbänden über

das Mehrarbeifsabkommen wurden nach mehrstündiger Dauer auf den 20. März vertagt. Die Arbeitgeberver­treter vertreten den Standpunkt, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit wirtschaftlich nicht tragbar sei. Die Ar- beitnebmerverbände Haven sich diesem Standpunkte nicht angeschlossen. Zu den neuen Verhandlungen soll der Schlichter hinzugezogen werden.

Altersaufbau und Familienstand.

Der Altersaufbau eines Volkes ist vor allem be­stimmt durch die jährliche Zahl der Geburten und durch den Tribut, den die einzelnen Altersjahrgänge an den Tod entrichten müssen. In den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege hat Zahl und Altersaufbau irr deut­schen Bevölkerung eine verhältnismäßig gleich­förmige Entwicklung genommen. Dieser gleichmäßige Verlauf der Bevölkerungsentwicklung, in dem sich aller- dings schon in den letzten Jahren vor dem Kriege durch ein beginnendes Sinken der Geburtenziffern Verände­rungen andeuteten, ist durch den Krieg und seine Fol­gen jäh unterbrochen worden. Der außerordentlich große Geburtenausfall der Kriegsiahre und der Gebur­tenrückgang der Nachkriegszeit sowie die Verluste an wehrfähigen Männern haben die Alterszusammenset­zung grundlegend verändert. Vor allem wird der Ge­burtenausfall mit dem Altern der von ihm betroffenen Jahrgänge sich auf den verschiedensten Gebieten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens bemerkbar ma­chen. So ist z. B. der Einfluß auf - die Schülerzahl be­reits heute vorhanden; die Lehrlingszahi wird etwa vom Jahre 1930 ab durch den Geburtenausfall beein­trächtigt werden und in etwa 10 Jahren wird durch einen Rückgang der Zahl der Eheschließenden der Bau- und Wohnungsmarkt beeinflußt werden. Das Ausmaß der Einwirkungen von Geburt und Tod auf die Stärke der einzelnen Altersjahrgänge tritt am deutlichsten bei einem Vergleich des Altersaufbaues der Bevölkerung im Jahre 1925 mit dem der Bevöl­kerung auf dem heutigen Reichsgebiet im Jahre 1910 in Erscheinung.

Der Altersaufbau der Bevölkerung betrug nach der Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" 1925 und 1910 (letztere Zahl in Klammern): Unter 5 Jahren 5 871 517 (6 968 883), 5 bis unter 10 Jahren 3 986 512 (6 519152), 10 bis unter 15 Jahren 6 214 074 (6 095 694), 15 bis unter 20 Jahren 6 543 941 (5 576 630), 20 bis unter 25 Jahren 6 150 043 (4 966 691), 25 bis unter 30 Jahren 5 307 198 (4 530 980), 30 bis unter 35 fahren 4 579 452 (4 349 884), 35 bis unter 40 Iabren 4 283 2-50 (3 770 823) 40.bis unter 45 Jahren 3 907 556 (3 287 205), 45 bis unter 50 Jahren 3 846 710 (2 807 109), 50 bis mster 55 Jahren 3 233 036 (2 442 470), 55 bis unter 60 Jahren 2 727 414 (1979 815), 60 bis unter 65 Iabren 2165 709 (1 641 322), 65 bis unter 70 Jahr. 1616 673 (1 226 012), 70 bis unter 75 Iabren 1 057 711 (857 876), 75 bis un­ter 80 Jahren 584 208 (467 227), 80 uni) darüber 335 615 (270 652).

Die Verschiebungen im Altersaufbau wirken natur­gemäß auch auf die Gliederung nach dem Fa­rn i l i e n st a n d zurück. Der geringe Anteil der Kinder und Jugendlichen mußte zu einer Senkung des Anteils

Aufruf an die deutschen Katholiken!

Der Reichsausschuß deutscher Katholiken gegen den Alkoholmißbrauch erläßt folgenden Aufruf an die deutschen Katholiken:

„Aus allen Teilen unseres Vaterlandes und aus allen Schichten unseres Volkes mehren sich die Klagen über den zunehmenden Mißbrauch des Alkohols . . . Angesichts der Riesengröße des Hebels der Unmäfjigteit erachten wir es als eine heilige und dringende Pflicht, ein ge­meinsames ernstes Hirtenwort über die Verwerflichkeit dieses Lasters an euch zu richten und euch nachdrücklich hinzuweifen auf das Gebot der Selbstverleugnung und Entsagung, das Christus feinen Jüngern gegeben hat und das auch heute noch seine volle Geltung hat.*

So sprachen die deutschen Bischöfe über die jetzige Alkoholnot in dem gemeinsamen Hirtenschreiben vom 24. Juni 1927. Im Geiste dieser bischöflichen Mahnung rufen wir alle Katholiken Deutschlands im März 1928 zu einer Aufklärungswoche über die Alko­hol f r a g e.

Wir wollen die große Not sehen lernen, die durch den Alkoholmißbrauch auf unserem Volk lastet, und die großen Schäden, die hierdurch auch der Kirche Gottes zugesügt werden.

Dem sinnlosen Genuß setzen wir in freier Selbstbe­stimmung die Opfertat einer Fastenwoche mit völli­ger Alkoholenthaltsamkeit entgegen.

Was wir ersparen, soll den Notleidenden geschenkt sein.

*

Der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz, Kardinal Bertram, schreibt zur Aufklä­rungswoche über die Alkoholfrage:

„Caritas Christi urget nos! Die Liebe Christi. drängt uns!" (2. Cor. 5, 14.) Das ist die Losung aller Bestrebungen zur Bekämpfung des Alkohol­mißbrauches. Wie rief doch der Heilands „Mich erbarmt des Volkes!" Das ist die Empfindung, dis im Herzen der Hirten der Kirche lebt. Wir sehen Millionen leiden unter der körperlichen und seeli­schen Not, die aus der Alkoholsucht entspringen. Wir wollen unser Volk stark und gesund, arbeits­fähig und froh, sittlich gebildet und glücklich sehen. Daher der Kampf gegen die Feinde der Volkskraft, daher unsere Sorge um Gesundung und sittlichen Adel der Jugend. Daher der Aufruf zur Enthal­tung von verderblichen Giften.

Wer das Volk und die Jugend liebt, kann un- möglich teilnahmlos bleiben, wenn es gilt, die hohe

Tugend der Enthaltsamkeit und strengen Mäßig­keit gegen die verderbliche Alkoholsucht zu schützen.

*

Prof. Dr. Brauer, der Präsident des Reichs­ausschusses deutscher Katholiken gegen den Alko- l-olmißbrauch, schreibt:

Nach den ungeheuren Opfern, die Krieg und In­flationszeit von der Masse unserer Menschen gefor­dert, ist das Wort Opfer vielen geradezu verhaßt geworden. Dcrgnügungsgier hat uns gepackt, es muß gefeiert und gefestigt werden, fci's auch mst dem letzten Groschen! Anlässe und Gelegenheit finden sich immer, sonst erfindet man sie. So wer­den wir von Extrem zu Extrem gerissen.

Da soll unsere Aufklärungswoche über die Al­koholfrage zur Besinnung führen, zur Besinnung darauf, was Natur und geregeltes Leben vom Ein­zelnen wie von der Gesamtheit erwarten. Der Pulsschlag unseres Lebens geht zu schnell und die hektische Röte zeigt Krankheit an, nicht Gesundheit. Eine Woche der Besinnung und des solidarischen Einstehens für diejenigen, die der Taumel hart am Weg zusammenbrechen läßt, wird zu einer Tat nationaler Erhebung. Möge das katho­lische deutsche Volk die innere Kraft dazu finden!

*

Reichskanzler Dr. Marx widmet der Aufklä- rungswoche folgendes Geleitwort:

Die Aufklärungswoche, die der Reichsausschuß deutscher Katholiken gegen den Alkoholmißbrauch veranstaltet» wünsche ich einen vollen Erfolg. Wer weiß, welch unermeßliche physische und mo­ralische Schäden der unmäßige Genuß von Alkohol in weitesten Volkskreisen verursacht, wer das durch Alkoholmißbrauch erzeugte Elend kennt, das in den Trinkerheilstätten und Arbeitsanstalten, in den Ir­ren- und Krankenhäusern herrscht, kann um der Zukunft unseres Volkes und Vaterlandes willen den Kampf gegen den Alkoholmißbrauch nicht ernst genug nehmen.

Mägen die deutschen Katholiken, an deren Ein­sicht und Pflichtgefühl sich der Reichsausschuß in diesen Tagen wendet, dem Rufe Folge leisten und die Opfertat einer Fastenwoche mit völliger Alko­holenthaltsamkeit vollbringen.

Ziegelmauerwerk, 3 Zentimeter Torfvleum 56 Zenti­meter gleich 71 Zentimeter Ziegelmauerwerk.

Es ist hierdurch ein behaglicheres Wohnen in den mit Torfvleum isolierten Räumen gewährleistet als in einem Haufe mit 38 Zentimeter Umfassungsmauern, da die Räume im Winter wärmer und im Sommer kühler sind. Diese letztere Tatsache geht auch aus mir vorlie­genden unzähligen Gutachten, speziell aus dem Aachener Bezirk hervor, wonach zur Verbesserung des Wärme- und Kälteschutzes sogar 38 Zentimeter' starke Außen- mauern mit Torsoleum isoliert wurden; u. a. haben ver- ; schiedene Baukapazitäten der Stadt Aachen. Baurat von Lammerz, Arch. B. D. A. Prof. Karow, Reg. Bau­rat Daßers (1905 ausgeführt), Reg. Bau rat Knoop (zurzeit noch im Bau begriffen) für sich privat frei­stehende Wohnhäuier aus 13 Zentimeter starkem Holz­sachwerkgerippe mit Ausmauerung plus 3 Zentimeter starker Torfoleumisolierung errichtet, über welche Kon- i struktion sie ihre vollste Zufriedenheit ausdrücken. Die ! Baukosten eines solchen Hauses stellen sich je nach den j örtlichen Lerbältnissen 20 und mehr Prozent billi­ger als Massivbauten; die Bauzeit ist eine bedeutend kürzere, die Beziechbarkeit eine schnellere; durch die künstliche Verbesserung des Wärmeschutzes kann die Heizungsanlage (bezw. Defen) kleiner angelegt werden; es treten fortlaufend Ersparnisse im Verbrauch von Heizungsstosfen ein; etwa von außen einbringenbes Scklagwasser wird durch die impräanierte Tortoleum- isolierung abgehalten. wodurch die Räume im Innern stets trocken sind und berg!. Vorteile mehr. Bei der „Torfoleum-Bauweise" kann das Eisen- ober Hotz- aerippe natürlich überputzt werden, wodurch der Bau sich in keinem äußeren Ansehen in keiner Weise von einem Masfivhaus unterscheidet.

Eine andere Art der wärmedichten Ausgestaltung stellen die bekannten „Tekton Leichtdielen" dar. Tekton Leichtdielen sind 0,50 mal 3,50 Meter große Bauplat­ten aus Holzwolle mit eingebetteten hölzernen Gangs» leisten, welche den Platten eine hohe Stabilität sichern. Durch besondere Kernimprägnierung sind sie in bau­polizeilichem Sinne als feuerhemmend anerkannt. Als Bindemittel ist ein solches gewählt, welches keine uner­

wünschten chemischen Reaktionen beim Zusammentref- ien mit Eisen, Holz, Putz oder anderen Baustoffen em- stehen läßt. Die Tekton Leicktdielen haben ein mitt­leres Raumgewicht von zirka 250 Kilo pro Kubikmeter (Ziegelmauerwerk 1800 Kilo). Sie sind shr feinporig unb haben nach wissenschaftlichen Feststellungen die niedrige Wärmeleitzahl von n gleich 0,056 d. h. bei Ver­gleich mit Ziegelmauerwerk bietet 1 Zentimeter Tekton den gleichen Wärme- bezw. Kälteschutz wie 10,7 Zenti­meter volles Zieaelmauerwerk bei Außenmauern. Die „Tekton-Bauweise" besteht nun darin, daß das Eisen­oder Holzgerippe von innen und außen mit Tekton Leichtdielen verkleidet und verputzt wird; die Ersen- ober Holzkonstruktion wird nicht ausgemauert, sondern es verbleibt zwischen den beiden Dielen ein wiederum iso­lierender Luftraum. Bei Verwendung von z. B. außen 4 Zentimeter und innen 3 Zentimeter Tekton Leichtdie­len mit einem dazwischen verbleibenden Luftraum ergibt sich ein Wärme- bezw. Kälteschutz von 94 Zentimeter Ziegelmauerwerk. Diese Konstruktion stellt sich im Vreise je nach den örtlichen Verhältnissen 20 und mehr Proz. billiger als Ziegelmauerwerk. Zwecks Kosten- und Raumersparnis werden auch im Innern des Tektonhau- ses statt evtl. 38 Zentimeter starker Tragwände nur dünne, statisch errechnete, nicht ausgemauerte Hchzfach- werkwände erstellt, welche beiber’eitig mit Tekton Leicht­dielen benagelt und verputzt werden; neben Kosten- und Raumersparnis wird hierbei außerdem ein hoher Schall­schutz erzielt. Die Tekton-Bauweise ist in ganz Deutsch­land eingeführt. Es sind ganze Tekton-Siedlungen ent­standen; so hat z. B. die Gemeinde Westenau, Hessm, in den Jahren 1924-25 80 Tektonwobnunaen in kürze­ster Zeit hergestellt und'errichtet auf Grund ihrer gistea Erfahrungen noch andauernd neue. Die häufigen An­fragen der Bürgermeisterei Weisenau haben dieselbe veranlaßt, Gutachten über die Bewährung der Tekton- bauten und die Ausschreibungensunterlagen nebst Zeich­nungen drucken zu lassen, um dieselben an Interessenten gegen Erstattung der Selbstkosten abnuaeben. Diele Handlungsweise der hessischen Bürgermeisterei Weffe- nau läßt wohl gewisse Rückschlüsse über die Güte der Teltonlxmten zu. In einem mir vorliegenden Gut­

der Lebigen führen, während andererseits die Zunahme an Erwachsenen den Anteil der Verheirateten an der Gesamtbevölkerung erhöhte. Die Zahl der Ledigen weist gegenüber der Zählung von 1910 beim männli­chen Geschlecht eine Abnahme um rund % Millionen oder um 4,4 v. H. auf, beim weiblichen Geschlecht zeigt sich eine geringe Zunahme um 26000 oder um 0.2 v. H. Die Reichsbevölkerung gliederte sich noch dem Familien­stand 1925 und 1910 (letztere Zahl in Klammern) wie folgt: Ledig 33 010132' (33 740 339), Verheiratet 25 436 695 (20 847 036), Verwitwet 3 680 663 (3 082 410) Geschieden 283 129 (128 633), davon männlich ledig 16 493 417 (17 249 630), Verheir. 12 726 624 (10417 217), Verwitwet 876189 (777112), Geschiebe« 100 593 (45 887), weiblich ledig 16 516 715 (16 490 709), Verhei­ratet 12 710 071 (10 428 819), Verwitwet 2 804 474 (2 305 307), Geschieben 182 536 (82 746).

Rechtsfragen.

— Die versicherungspslicht für Lehrlinge. Vielfach besteht Unklarheit barüber, wie Handlungslehrlinge hin­sichtlich der Angestelltenversicherungspflicht zu behandeln sind. Von zuständiger Seite wird dazu mitgeteift, daß Handlungslehrlinge ohne Rücksicht auf ihr Alter und Geschlecht angestelltenoersicheruugspflichtig sind, wenn sie ein Entgelt beziehen. Bleibt der monatliche Entgelt unter 10 RM. und betrachten die Beteiligten ihn ledig­lich als Taschengeld, so wird die Versicherungspflicht zur Angestelltenversicherung verneint. Dies gilt auch bann, wenn neben dem Entgelt freier Unterhalt gewährt wird. Nach Paragraph 168 Ms. 2 Satz 2 des Angestelltenver­sicherungsgesetzes hat der Arbeitgeber für Lehrlinge im Falle der Versicherungspflicht die vollen Beiträge zu tragen. _______________________

Soziales. '

— Gefährdetensürsorge, eine wichtige Frauenaus, gäbe. Man schreibt uns: Das im Oktober vorigen Jah­res in Kraft getretene Gesetz zur Bekämpfung der Ge­schlechtskrankheiten stellt an die Mitarbeit der fyrauey, innerhalb bet freien Wohlfahrtspflege sehr große An­forderungen. Die GMndheitsbehörde kann i)ie aus dem Gesetz sich ergebenden Ausgaben nur durchführen mit einem Pflegeamt und mit Hilfe eines Stabes gut geschulter ehrenamtlicher Kräfte, die den beruflich täti­gen Fürsorgerinnen des Pflegeamtes ergänzend zur Seite treten. Der Deutsch-Ev Frauenbund hat sich seit Jahrzehnten für eine Neuregelung der gesetzlichen Be­stimmungen im Kamps gegen die Prostitution eingesetzt, in Wort und Schrift für die Abschaffung der Reglemen­tierung und der fonenannten Sittenpolizei eintretend und durch praktische Vrarbeit den Weg bahnend zu einer neuen Form der Fürsorge für die entgleisten Frauen und Mädchen. Für das Zustandekommen des obenge­nannten Gesetzes, in dessen Rahmen sich nunmehr diese Auffassung auswirken kann, Haben sich alle Kreist der deutschen Frauenbewegung stark eingesetzt, in führender Stellung die. Reich stagsab g eord n ete Paula Müller- Otfried, Vorsitzende des Deutsch-Evangelischen Fraiien- ,bundes, als Vorsitzende des bevölkerungspolitischen Ausschusses des Reichstages. Es ist selbstverständlich, daß nunmehr die Mitglieder des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes ihre Pflicht auch darin erkennen, ihre Kraft für die Durchführung der neuen Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Durch ihren Zusammenschluß im Deutsch-Evangelischen Frauenverband für Gefährdeten­fürsorge, Vorsitzende Gräfin 6. von her Gröben, Han­nover, bringen sie diesen Willen zum Ausdruck. Der

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Verband hat sich das Ziel gesttzt, die in der (Befährbe- tenfürforge unentbehrlichen ehrenamtlichen Kräfte zu schulen und sie in ihrer praktischen Arbeit (Sichtungs- Heime und dergleichen) zu fördern soweit möglich. Ende Februar fand in Hannover ein Schulungskursus für Gefährdetenfürsorge mit 45 Teilnehmerinnen statt. Die allen Vorträgen folgenden Aussprachen zeigten, daß nicht nur starkes Verantwortlichkeitsgefühl die Mit­glieder erfüllte, sondern bereits von guter sachlicher Arbeit berichtet werden konnte.

— Das heilstätlenwesen in der Invalidenversicherung. Beim Inkrafttreten des Jnoalidenversicherungsgesetzes vom Jahre 1899 bestanden zwölf Heilstätten, nämlich acht Lungenheilstätten und vier Heilanstalten (Genesungs- Heime, Krankenhäuser usw.). Bis zum Schluß des Jahres 1913 hatten die Versicherungsanstalten 42 Lungenheil­stätten und 42 Anstalten mit zusammen 9163 Betten ent- weder erworben ober gemietet. Ende 1926 besaßen sie 108 Heilanstalten mit 12 324 Betten für Erwachsene und 1522 für Kinder. Außerdem haben sie etwa 970 fremde Heilstätten benutzt._____________________

Kurstellungswe'en.

— Ausstellung „Dege zur Lebenshaltung". Eine Ausstellung, die der neuerdings bekannt gewordenen Rohkost Platz einräumt, ist die vom 25. März bis 1. April d. Js. im Huuse Werkbund, Stöbt. Messegelände, Frankfurt a M., stattfindende Ausstellung „Wege zur Lebensgestaltung". Die Veranstalter führen die Ergebnisse der neuzeitlichen Ernährungswissenscha't durch Modelle, Bildtafeln und fertige Gerichte in den verschiedensten Formen dem Besucher vor Augen. Außerdem werden weniger bekannte Methoden der Körperpflege und die Grundlagen zu individueller Le­bensweise sowie Hilfsmittel zur vereinfachten Hauswirt- schäft gezeigt.

achten erkennen sämtliche Bewohner der Siedlung Weisenau an, daß ihre Tektonpohnungen selbst im strengsten Winter wärmer sind als Steinbauten mit doppelter Wandstärke. Auch Behörden sind dazu, über­gegangen, Tekton Leichtdielen in umfangreichem Maße bei ihren Bauten zu verwenden, so hat z. B. im ver­gangenen Jahre die Stadt Stolberg ein größeres 8 Familienwohnhaus errichtet, und zwar in rund 3 Mo­naten. Zu Tektvnbauten werden Hauszinssteuerhypo- theken in voller Höhe gegeben; die Feuerversicherung erhöht ihre Prämiensätze nicht, da sie die Tektonhäuser infolge der feuerbemmenden Eigenschaft der Dielen wie MMvbauten bewertet. In ihrem Aeußern unterschei­den sich die Tektvnbauten auch nicht von Massivbauten.

Die Vorteile des „Hauses der Zukunft" in Verbin­dung mit „Torfoleum" bezw. „Tekton" lassen sich kurz wie folgt zusammensassen:

1. Bedeutend kürzere Bauzeit der Häuser, in Ver­bindung hiermit frühere Beziehbarkeit u. Zinsersparnis.

2 Größte Jsolierwirkung gegen Kälte und Wärme, daher ein behagliches Wohnen.

3. Ersparnisse im Anschaffungswert der Heizungs­oder Ofen-Anlagen, da der Wärmeschutz künstlich ver­größert.

4. Fortlaufende Ersparnis im Verbrauch von Heiz- stofsen.

5, Evfparnisie an Baukosten, da Torfoleum bezw. Tekton den B dars an Baumaterialien (Steinen, Eisen. Beton, Holz usw.) vermindert, da das Eilen- ober Holz­gerippe nur so stark ausaeführt zu werden brauet, daß es in Bezug auf Standstcherheit genügt, der Wärme schütz dagegen durch Torsoleum bezw. Tekton sicherge­stellt wird.

Es dürfte noch interessieren, daß auch die Stahlhäu- ser der Vereinigten Stahlwerke Duisburg, ebenfalls zur Verbesserung des Kälte- und Wärmeschutzes nur Torsoleum bezw. Tekton verwenden. (Siebe auch „Mo­derne Bauformen, Heft 7, Jahrgang 1927 im Verlage Julius Hoffmann, Stuttgart). Aus dem oben Gesagten dürfte hervorgehen, baß es für jeben Baulustiaen -weck, mäßig ist, einer wärmedichten Ausgestaltung seiner Hauses erhöhte Beachtung zu schenken.