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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

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Nr. 64.

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Freitag, ie. Mär; 1928.

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55.Zahrg.

Iie vorbereitenden,L ”

wtb. Genf. 15. März. (Gig. Funkm.) Der vor­bereitende Ausschuß für die Abrüstungskonferenz ist heute unter dem Vorsitz des Holländers Laudon und unter Teilnahme von 24 Staaten, unter denen sich als Nichtmitglieder des Völkerbundes die Ver­einigten Staaten von Amerika, Sow­jet-Rußland und die Türkei befinden, zu seiner 5. Tagung zusammengetreten. Die deutsche Delegation steht unter Führung des Grafen Bernstorfs. Laudon hob besonders hervor, daß bei den vom Sicherheitskomitee vorgeschlagenen regionalen Sicherheitspakten sorgfältig vermieden wurde, ihnen den Charakter von Defensiv-Bünd- nissen gegen Dritte, außerhalb eines Paktes stehen­den Völkerbundsmitgliedern zu geben und daß bei den vorgeschlagenen Sicherheitsmaßnahmen j e - der Zwang ausgeschaltet wurde. Nach einer Charakterisierung der Aufgaben der späteren 2. Lesung der Vorschläge des Sicherheitskomitee erklärte Laudon zu dem russischen Abrü- stungsvorschlag, der Ausschuß werde prü­fen müssen, ob diese Vorschläge den heute gege­benen politischen Verhältnissen und dem Geiste des Völkerbundes genügende Rechnung tragen und überhaupt zu verwirklichen seien. " Trotzdem verdienten sie eine sehr sorgfältige Erwä- 5 un g. Bekanntlich verlangen die Russen s o so r- tige radikale Abrüstung.

Rußland und die Abrüstungsoerhandlungen.

„ wtb. Genf, 15. März. (Gig. Funkm.) Ein fran­zösischen Kreisen sehr nahestehendes Genfer Morgen- Aatt will wissen, daß die utssische Delegation im Kalle der Ablehnung ihrer Abrüstungsvorschläge eurch den vorbereitenden Abrüstungsausschuß von diesem die P r ü f u n g eines Kriegsächtungs-

: in Gens.

pa ktes verlangen würde, der den Anregungen des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg entspräche. Von russischer Seite wird dem Ver­treter des Wtb. auf Anfrage auf das Bestimmteste erklärt, daß derartige Absichten nicht bestehen.

Lin Hntrag Graf Lernstoff.

wtb. Genf. 15. März. (Gig. Funkm.) Gra Bernstorfs hat im vorbereitenden Abrüstungsaus­schuß schriftlich einen Antrag über die vollkom­mene Offenlegung aller die Rüstungen be­treffenden Zahlen als einzige Möglichkeit zur schrittweisen Grmöglichung der Abrüstung einge­bracht. Dieser Antrag, der sich auf Artikel 8, § 6 der Völkerbundssatzung, über die allgemeine, aber bis heute noch nicht erfüllte Verpflichtung zur Offenlegung der Rüstungszahlen bezieht, wird bei Behandlung des dritten Punktes der Tagesord­nung des Abrüstungsausschusses zur Debatte ge­stellt werden.

Es wird gemeldet: Nach einer int Einvernehmen zwischen dem Reichsfinanzminister und dem Reichs­sparkommissar vorgenommenen Prüfung der bei dem Reichskommissariat für die Reparationsliefe­rungen noch zu erledigenden Aufgaben, soll diese Behörde zum 1. April 1928 ausgelöst werden, da insbesondere nach der bevorstehenden Pauschal­regelung der an Frankreich zu zahlenden 26 »/o- igen Abgabe die Zahl der beim Reichskommissariat noch benötigten Kräfte dessen Fortbestehen als selb­ständige Behörde nicht gerechtfertigt erscheinen läßt. Die verbleibenden Aufgaben werden vom 1. April ab int Reichsausgleichsamt erledigt werden.

Meutsme Aussprache im Reichstag und Landtag.

In den zurzeit tagenden Berliner Parlamenten krachte der Mittwoch bemerkenswerte Ausspra- hen, die durch Ministerreden eingeleitet wur- jsn.

3m Reichstag

eegann die zweite Beratung des Haushalts les Reichswehrmini st eriums, die sich zu­rächst auf das Landheer beschränkt.

Reichswehrminister G r o e n e r nahm grundsätz- sich Zu den Hauptproblemen der Reichswehr Stel- nng. Der Redner bekennt sich vor allem zu /er Ansicht, daß nicht die militärischen,- son­dern die politischen Gesichtspunkte maßge­bend und tonangebend seien. Nicht die militäri­schen Sachverständigen hätten über das Heerwesen zu entscheiden,sondern Regier»ng, Reichstag u. R e i ch s r a t. Der Minister bekennt sich zu einem gesunden, vernünftigen Pazifismus, al­lerdings nicht zu dem, der einer knechtigen Gesin­nung entspreche. Die Wehrpolitik sei die Dienerin der Außenpolitik. Im An­schluß hieran tritt Reichstvehrminister Groener in warmen Worten für die Bewilligung des Panzerkreuzers ein, den er im Interesse der Landesverteidigung für unumgänglich notwendig hält.

In der sich anschließenden Debatte treten die Sozialdemokraten für Abstriche in Höhe von 50 Millionen am Wehretat und für Verkleine­rung des Reichswehrministeriums ein.

Der sozialdemokratische Abg. Künstler bemängelt die Ausgaben des Reichswehretats als viel zu hoch. In einer Zeit, in der die dringendsten kultur- und sozialpoliti­schen Fordernugen wegen der schlechten Finanzlage ab­gelehnt werden, dürfe man nicht 145 Millionen für Be­waffnung und Ausbildung bewilligen oder teure und nutzlose Panzerkreuzer bauen. Für die Mannschaften sei gute Pflege und gute Behandlung zu fordern. Der Redner fordert bessere Bersorgungsmöglichkeit für die entlassenen Reichswehrangehörigen und bessere Bedin­gungen für die Arbeiter der Heeresverwaltung. Der i n- ternationale Militarismus sei ein gefähr­licher Feind des Friedens. Die ehemaligen Feind- kaaten sollten nach der Entwaffnung Deutschlands end- tch auch ihrerseits mit der Abrüstung beginnen.

Abg. Graf von der Schulenburg (Dnatl.) führte u. a. aus: Die für die Manöver und Hebungen aller Art an« geforderten Mittel erscheinen für unser kleines Heer ver­hältnismäßig hoch. Im Hinblick auf die schwere Aufgabe, r s D?n ‘3er Reichswehr einmal gefordert werden kann,

Jte. aber notwendig. In der so wünschenswerten oNlziersbeförderung aus dem Unteroffi- -).*e r 511 ,n,n d e stehen wir vor einem höchst bedauer- Iicben Dilemma. Die aus dem Hnteroffiziersstande kommenden Bewerber unterliegen meistens in der Kon­kurrenz um die wissenschaftliche Bewertung. Wir hof- e^-?. iT' ?? ± "llch Ausnahmen gemacht und überragend vefahigte Unteroffiziere zu Offizieren befördert werden. Der Adel soll nichts voraus haben, er soll aber auch nicht schlechter behandelt werden. Mit politischer Betätigung will das Heer, wollen die Offiziere nichts zu tun haben. Monarchie oder Republik ist nicht die Tagesfrage. Aus Gottesfurcht und Mannesehre hält der deutsche Soldat seinen Eid bis zum Tode um des Vaterlandes willen. Auch meine Partei stimmt einer friedlichen Verständigung durchaus zu. Wir Der« engen keine Machtpolitik, sondern eine Sicherheitspolitik.

Abg. ffirfing (Zentr.) dankt im Namen des Zen- rums dem aus dem Amte geschiedenen Minister Geß- er der die schwierige Aufgabe des Neuaufbaues der neichswehr zu bewältigen hatte und dieser Aufgabe ge­recht geworden sei. Wenn seine Amtsführung manchmal charfe Kritik sand, so sei das erklärlich durch die beson­deren Verhältnisse der schwierigen Uebergangszeit. Das ^Zentrum hoffe, daß General Gröner das Werk der Aus­gestaltung unserer kleinen Wehrmacht mit dem gleichen Pflichtbewußtsein wie sein Vorgänger fortsetzen werde. Die vom Reichsrat unter preußischem Einfluß beantrag­ten Abstriche beim Wehretat seien wohl in der Haupt- fache nicht auf den Willen zur Sparsamkeit zurückzufüh­ren. Die preußische Regierung sei im eigenen .kaufe auch nicht sehr sparsam. Der Streichungsbeschluß des 1

Reichsrates entspringe weniger sachlichen als politi­schen Motiven. Deutschland habe die Abrüstung voll­kommen durchgeführt, jetzt müßten auch Frankreich und die übrigen Staaten endlich damit einen Anfang machen. Die sozialdemokratifchen Streichungsanträge würden dazu führen, daß die Reichswehr schlecht ausgerüstet ist. Dann wäre es fonfeguenfer, Überhaupt die Abschaffung der Reichswehr zu beantragen. Die Zahl der Selbstmorde in der Reichswehr fei leider .mmer noch recht hoch. Er­freulicherweise sei die unerquickliche Periode der s ch w ar- 3 e n Reichswehr nun endlich überwunden. Das Bekennt­nis zur Erziehung der Reichswehr zur Staatsgefinnung sei zu begrüßen. Wenn die Reichswehrangehörigen wei­ter ihre Staatstreue betätigen, so werde die Reichswehr das uneingeschränkte Vertrauen des ganzen Volkes ge­nießen.

Abg. Brüninghaus (D. Vpt.) erklärt das Einverständ­nis feiner Freunde mit den vorn Minister Gröner ver­tretenen Auffassungen über seine Aufgaben. Bei der Zusammensetzung des Offizierkorps dürfe kein Stand be­vorzugt werden. Die in der Vorkriegszeit übliche Unter­scheidung zwischen „vornehmen" und anderen Regimen­tern dürfe nicht wiederkehren. Parteipolitik müsse aus der Reichswehr ferngehalten werden.

Abg. Dr. Haas erklärt: Vielleicht hätte sich die Reichs­wehr besser entwickeln können, wenn nach dem Kapp- Putsch nicht die Sozialdemokraten den Rücktritt Noskes als Wehrminister verlangt hätten. Dem neuen Minister Gröner bringen wir ien hohes Maß von Vertrauen ent­gegen, weil er in schwerer Zeit sich als Mann bewährt, Mut bewiesen und Verdienste um Volk und Vaterland erworben hat. Ebenso wie früher die Monarchie die monarchistische Zuverlässigkeit für die Offiziere verlangte, so muß die Republik verlangen, daß die An­gehörigen ihrer Wehrmacht aufrichtige Republika­ner sind. In der Reichswehr muß mit der Erziehung zur Republik endlich Ernst gemacht werden. Wirr wollen die Wehrmacht nicht politisieren, aber die Offiziere müs­sen mit dem Wesen des republikanisch-demokratischen Staates vertraut gemacht werden, damit sie stolz sein können auf den Staat und die Staatsform, die sie ver­teidigen fallen.

Abg. Leibl (Bayer. Vpt.) begrüßt die Ausführungen des Ministers Gröner und unterstreicht die Erklärung, daß die Kriegsteilnehmer sich zu einem gefunden Pazifismus bekennen ,der keinesfalls den Willen zur Landesverteidigung ausschließt. Die Reichswehr müsse in jeder Beziehung eine Elitetruppe fein. Geprüft werden muß allerdings, ob die Preise, die von der Hee­resverwaltung verlangt werden, gezahlt werden müssen und nicht herabgesetzt werden können.

Don den Sozialdemokraten sind Anträge einge­bracht worden, nach denen bei den fortdauernden Ausgaben rund 37 Millionen, bei den einmaligen Ausgaben 6,6 Millionen im Kapitel Landesheer ge­strichen werden sollen. Außerdem werden die So­zialdemokraten bei der Marine Abstriche der Mittel für den Panzerkreuzer in Höhe von 9 Millionen beantragen. In einer sozialdemokratischen Entschlie­ßung wird die Regierung erlucht, für 1929 die Ausgaben so zu beschränken, daß der Zuschußbe­darf 500 Millionen nicht überschreitet.

Um 19)4 Uhr wird die Weiterberatung aus Donnerstag 13 Uhr vertagt.

Der Phoebus-Kusschuh.

Die Untersuchungen des Lohmann-Unterausschus­ses werden sich dem „B. T." zufolge nach drei Rich- hingen hin bewegen. Zunächst soll der Ursprung aller Geldmittel festgestellt werden, die Kapitän Lohmann zur Verfügung standen; dann soll die Vollmacht geprüft werden, aufgrund deren Loh­mann gehandelt hat. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Verantwort!ich keit aller an der Ausstellung oder Verlängerung der Vollmacht be­teiligten Personen zu prüfen sein. Schließlich wird die Frage aufgeworfen, wie Kapitän Lohmann die Mittel im einzelnen verwendet hat, wobei der ganze Kreis der Lohmann-Unternehmungen und ihre Zu- ämmenbänae hurrhi»n^et werden soll. Bei dieser Untersuchung wird auch festzustellen sein, in welcher Höhe Vermittler und „Treuhänder" Provisionen be.

zogen haben und das Reich Regreßansprüche gel­tend machen kann.

Zum B e r i ch t e r st a t t e r ist vom Ausschuß einstimmig der sozialdemokratische Abg. H e i n i g gewählt worden. V o r s i tz e n d er ist der Zen­trumsabgeordnete P e r l i t i u s.

*

Die „Kölnische Volkszeitung" schreibt zum Phö- bus-Skandal: „Daß im Jahre 1923 derartige Dinge vor sich gehen konnten, ist vielleicht noch verständ­lich. Aber unbegreiflich bleibt es, daß sie sich jahrelang anscheinend unbeanstandet hin- ziehen konnten. Das läßt auf Zustände im Wehrministerium schließen, die, wenn sie etwa in einer Tragikomödie auf der Bühne erschei­nen, als Produkt einer dichterischen Phantasie herz­lich belacht werden würden. Aber leider ist alles harte Wirklichkeit und für den politischen Unverstand einiger Militärs darf das deutsche Volk etliche Millionen zahlen. Es waren ja öffentliche Mittel, dis hier sinnlos verwirtschaftet worden sind. Alles wurde abgestritten, nichts wollte man wahr haben. Die Glaubenswürdigkeit zu amt- lichen Versicherungen hah dadurch einen schweren Stoß erhalten. Der jetzt endlich herausgegebene Be­richt ist alles andere als erschöpfend. Gr sieht fast aus wie eine verkürzte Ausgabe des Originilbe- richts für die reifere Jugend.

Admiral Zenker.

Von mehreren Blättern wird die Aeußerung des Reichswehrministers Groener zur Lohmann-Ange­legenheit, er könne es nicht billigen, daß irgend ein Vorgesetzter einem Untergebenen eine?, so weit­gehende Vollmacht gibt, und er erwarte, daß ein Vorgesetzter die Verantwortung nicht ablehnt, mit dem Bevorstehen weiterer Personalveränderungen in der Marine in Zusammenhang gebracht. In den Blättern wird das Gerücht verzeichnet, daß der Rücktritt des Chefs der Marineleitung, Admiral Zenker, zu dessen Verfügung Kapitän Lohmann nach seiner Enthebung vom Dienste gestanden hat, bevorstehe. Im „Börsencourier" heißt es, daß diese Gerüchte nicht einer gewissen Begründung entbehr­ten. Praktisch sei jedoch noch nichts geschehen, um den sofortigen Rücktritt zu veranlassen. Die „DAZ." berichtet übrigens aus Wilhelmshaven, daß Ad­miral Zenker entgegen feiner ursprünglichen Ab­sicht nicht an dem Empfang der „Emden" teilnimmt, ebensowenig an der Taufe der vier neuen Torpedo­boote am nächsten Tage. Das „Achtuhrabendblatt" will, allerdings wissen, daß man nicht mit dem Rücktritt des Admirals Zenker für absehbare Zeit rechnet. Es fei aber nicht ausgeschlossen, daß Ad­miral Zenker nach einiger Zeit den Wunsch äußern dürfte, von seinem Posten zu scheiden, wobei viel­leicht auch der Umstand mitspielt, daß Admiral Zen­ker nicht mehr allzuweit von der Altersgrenze ent­fernt ist.

preußischer Landtag.

Im Preußischen Landtage stand auf der Ta­gesordnung die zweite Lesung des Kul­tus e t a t s. Damit verbunden ist eine große An­frage der Deutschnationalen über den Fall Krantz und mehrere Schülerselbstmorde.

Kultusminister Becker legte in längeren Ausführungen die Grundlinien feiner Politik dar und tritt vor allem für die restlose Förderung des republikanischen Staatsgedankens ein. Es wäre unbedingt notwendig, daß wir nunmehr auch in die uns gegebene republikanische Staatsform geistig hineinwachsen. Bezüglich der deutschnatio­nalen Anfrage stellt der Minister fest, daß auf allen Gebieten kein Ansteigen, sondern ein Nach­lassen der Kriminalität gegenüber der Vor­kriegszeit in die Erscheinung träte. Der zu füh- rende ernste Kampf um die Versittlichung des deut­schen Volkes müsse auf dem Glauben an die im Volke vorhandenen Kräfte der Sittlichkeit und Ge­sundheit, die in hohem Maße in unserer Jugend lebendig seien, basieren. Die Staatsregierung müsse es daher ablehnen, von den bisher von ihr verfolgten Erziehungsgrundsätzen abzugehen.

Anschließend an die Rede des Kultusministers trug

Abg. fiönig-©roinenrünbe (Soz.) eine Reihe von Fäl. len vor, um zu zeigen, wie wenig entschlossene republi- kantsche Politik getrieben wird. Seine Partei wünsche auch eine pädagogische Akademie, die jedem ohne Rücksicht aus feine weltanschauliche Stellung die Tore öffne.

Abg. Frau Lehmann (Dn.): Widerspruchsvoll sei die fiühere und die jetzige Haltung des Ministers in der Frage des Reichsschulgesetzentwurfes. Warum habe Preußen in den verschiedensten Punkten Schwierigkei- ien bereitet? Gerade das, was der Gesetzentwurf ge­bracht habe, habe den Forderungen des Ministers ent­sprochen.

Abg. Dr. Lauscher (Z.) erklärt zu den Verhandlungen über das Reichsschulgesetz, das preußische Bei­spiel habe leider ansteckend auf die anderen deutschen Länder gewirkt, wie dies bei der Bedeutung Preußens auch zu erwarten gewesen sei. So sei die bescheidene Dreizahl der früheren Simultanschufländer Baden, Hes­sen und Nassau unglaublich stark angewachsen. Auch habe der Kultusminister seine persönliche Haltung gegenüber dem Reichsschulgesetz jetzt geändert. Als Er­folg fei das katastrophale Ergebnis zu bezeichnen, bgß nun 13 von den 18 deutschen Ländern Simultanschul­länder fein wollten. (Hört! hört! im Zentrum.) Solle es wirklich Schicksal des deutschen Volkes sein, daß es über den Zustand des latenten Religionskrieges nie hinauskomme? Es sei bedauerlich, daß der Liberalis­mus seine alten kulturkämpferischen Tendenzen nicht aufgegeben .habe. Auch bei der Lehrerbildung habe sich dies gezeigt. Der Minister habe die pädagogische Akademie für Lehrerinnen mit der Begründung abge­lehnt, daß grundsätzlich beide Geschlechter zusammen ausgebildet werden sollen. Weite Teile des Volkes wünschten tatsächlich aber eine Trennung der Ge­schlechter in der Ausbildung, und der Minister sollte in der Zurückstellung von solchen Grundsätzen bei den Sozialdemokraten lernen. Auch die ablehnende Haltung der Deutschnationalen fei unver­ständlich. wenn auch die Akademie nur für katholische

Lehrerinnen bestimmt fein sollte; die Parität hätte j( ohne weiteres gewahrt werden können. Sorge müssi man um die Erhaltung des.hu rn anistischen G y m. n a f i u m s haben. Es sei kleinlich und gehässig, sogai den wahlfreien hebräischen Unterricht dort zu verbieten Der Redner verlangt noch, daß an staatlichen Bildungs anstalten das Alumnat konfessionell eingerichtei werde, damit auch der katholische Volksteil partizipiere» könne. Den Privatschulen müsse ausreichende« Rechtsschutz gewährt werden. Dies müsse gerade bei katholische Volksteil fordern, dem die Hälfte der beste henden privaten höheren Schulen gehöre, während ihn nur ein Viertel der Subventionen zugebilligt würde Ein Zentrumsredner hätte vor einiger Zeit den Finanz Minister Höpker-Aschofs als katholikenfeinblick hingestellt. Wenn diese schwerwiegende Behauptunf eines Beweises bedürfte, dann würde er auch in bie'ei Subventionspolitik gegeben fein. (Lebhaft, Zustimmung im Zentrum). Der Redner tritt noch füi den kulturellen Grenzschutz ein. Bisher habe mal nur drei Millionen für den Westen übrig gehabt, füt den „Grenzschutz" gegen Hamburg dagegen 13 Millio neu. Zum Schluß gibt der Redner feiner Verwunde rung Ausdruck, daß bei der Kultusdebatte kein Menicl den Namen des mexikanischen Staatspräsidenten Cal« l e s genannt habe, obwohl Calles dem preußischen Kul tusminifterium ein kunstgewerbliches Geschenk gemach hat. Man müsse offen aüssprechen, daß ein großer Tel des deutschen Volkes die Methoden Calles bei seine« Katholikenhetze kennt, verabscheut und oerur teilt. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.)

Abg. Schwarzhaupl (Dvp.) weist den Vorwurf bei Zentrums zurück, daß ber Liberalismus fchulb sei an Scheitern bes Schulgesetzes. Vielleicht finbe sich eil Ausgleich in der Formulierung des umstrittenen Arti kels 146 der Reichsverfassung, der absichtlich unklar ge faßt sei. Die deutsche Volkspartei fei gegen jede Herab Würdigung der Republik und ihrer Symbole, verlang, aber auch die Aufrechterhaltung der politischen Mek nungsfreiheit der Beamten.

Äbg. Dr. Bohnert (D.) betont, daß feine Fraktioi keinen Anlaß habe, über das Scheitern des Reichsfchul gefetzes ttaurig zu sein. Mit der Volkspartei verehrter die Demokraten den Reichspräsidenten als das Mustei eines republikanischen Beamten, ber die schwarz-rot-gol bene Flagge führe, die untergeordnete Beamte zu ze» gen, sich weigerten.

Weiterberatung am Donnerstag.

Sitzung des Reichskabinetts.

rvtb. Berlin, 15. März. (Gig. Funkm.). Wie wir erfahrren, trat das Reichskabinett Donnerstag vormittag um 11 Uhr zusammen. Auf der Tages­ordnung stehen u. a. eine Reihe von Fragen, die n a ch d e r R ü ck k e h r D r. S t r e s e m a r: ns a k- tuell geworden sind, so die deutsch-polnischen Grenzfragen und Wirtschaftsverhandlungen, über rie Dr. Stresemann in GenGf mit dem polnischen Außenminister gesprochen hat. Ferner ist anzuneh. men, daß das Kabinett sich auch mit der V e r h a f- tu n g der deutschen Ingenieure in Rußland beschäftigen wird. Hierzu liegen Mit­teilungen, die über das Schicksal der Verhafteten nähere Ginzelheiten geben, immer n o ch n i ch t vor. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, daß nach dem sowjetrussischen Recht niemand zu den Unter­suchungsgefangenen zugelassen wird, ehe die An­klage fertiggestellt ist. Wie im Reichstag verlautet; wird das Kabinett im übrigen auch noch die Fra­gen besprechen, die mit der weiteren parla­mentarischen Entwicklung zusammenhän- gen. Auch der Reichssparkommissar Säm'sch ift zu der Sitzung e i n g e l a d e n. Bei der u tzfang- reichen Tagesordnung rechnet man damit, < laß die Beratungen längereZeitin Anspruch 1 ehmen.

Die Verhandlungen mit Rußland.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages toiri in den nächsten Tagen einen Bericht über die letzt« Tagung des Völkerbundsrates entgegenne inten. Aus Wunsch der Sozialdemokraten soll laut J lorwärts" die Tagesordnung um einen weiteren ) «unkt, der „gegenwärtigen Stand der d eu tsch -rrussisch er Verhandlungen" ergänzt werden.

Die Wahrung der Staatsautoritm.

Bei der Eröffnung des Provinziallandtages dei Provinz Hannover hielt Oberpräsident N o s k i eine Ansprache, in der er sich auch zu den Kund­gebungen des Hannoverschen Landvolkes äußerte) Der Oberpräsident begrüßte zunächst alle wirk samen Maßnahmen zur Hebung der deutscher Landwirffchaft. Dazu werde nicht gehören, das man die Konsumfähigkeit der Massen in den Städi ten herabsetze. Die großen Demonstrationen bei hannoverschen Landvolkes verdienten ernsteste Be­achtung. Wo größere Schuldsummen hoch ver­zinst werden müßten, könne der wirtschaftliche Zu­sammenbruch eintreten. Nachdrücklich betonte dei Oberpräsident, daß er bemüht sein werde, von der zur Linderung und Beseitigung von Notstände« bereitgestellten Mitteln einen möglich st gro­ßen Anteil in die Provinz hineinzu- bekommen. Oberpräsident Noske sagte weiter« Agitatorische Uebertre io ungen, die in de« Protestversammlungen in den letzten Wochen faul geworden sind, habe ich so bewertet, wie sie e« verdienten. Mit dem Gedanken, daß das Zer­schlagen von Fenstern in den Finanz­ämtern Hilst, sollte man sich und andere nichi betrügen. Gin Redner hat es als möglich bezeich­net, daß einmal die Parole lauten könnte: „D i < weiße Armee steht bei Göttingen!" Mir erscheint das wenig wahrscheinlich. Gr sol! hinzugesetzt haben: „Dann weiß jeder, daß er fein« Pflicht zu tun hat!" Was meine Pflicht in einem solchen Falle wäre, und die Schuldigkeit der Poli- zei und Landjägerei, unterliegt nicht dem gering­sten Zweifel. Eine weiße Armee, d. h. eine revol­tierende Menge, würde nicht lange bei Göttingen stehen, sondern laufen, und zwar schnell nach Hause, ausgenommen die ins G e f ä n g< n i s gesteckten Rädelsführer.

Mit der Frühjahrsbestellung und den Hilfsmaß­nahmen werde die Stimmung in den landwirt­schaftlichen Kreisen ruhiger werden. Weitere Be>