Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Jutda. Amtliches Kreisblakt
Nr. 61.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. :-: Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. :•:
Dienstag, 13. März 1928.
Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUl, auswärts 0,20 JUt. Reklamezeile: lokal 0,60 5LH, auswärts 0,80 5Ut. Bei Wiederholungen Rabatt. x Postscheckkonto Frankfurt a. M. 9tr. 4051. :-:
55.Zahrg.
Der Phöbusbericht des Reichskanzlers.
Die Veröffentlichung ist erfolgt.
Der Phöbus-Bericht des Reichskanzlers ist Montag vormittag den Mitgliedern des Haushaltsausschusses des Reichstages als Drucksache übergeben worden. Er soll, wie das Nachrichtenbüro des VDZ. erfährt, in der Dienstagsvormittags- sitzung bes Ausschusses besprochen werden.
Eine Inhaltsangabe des inzwischen veröffentlichten Berichtes finden unsere Leser unter den „Letz- ren Nachrichten".
vor Ztresemannr Rückkehr.
Am Samstag sind die Verhandlungen des Völkerbundes in Genf zu Ende geführt worden. Der Dölkerbundsrat nahm den vorläufigen Bericht des Dreierkomitees des Rates zur Jnvestigations- klage der Kleinen Entente gegen Ungarn a n. In dem Bericht wird darauf hmgewiesen, daß die Arbeiten des Ratskomitees noch nicht abgeschlossen werden konnten. Den endgültigen Bericht wird das Ratskomitee auf der nächsten Tagung im Juni nach weiteren Erhebungen aufgrund noch vorzulegender Dokumente und weiterer Auskünfte erstatten. In der Zwischenzeit soll das Komitee weiter tagen und wenn es dies für notwendig hält, auch durch technische Sachverständige des Völkerbundes Erhebungen an Ort und Stelle vornehmen lassen können.
Ferner vollzog der Rat die Wahl 2>es Bürgermeisters von Helsingfors, Ehrenroth, zum Mitglied der Regierungskommission des Saargebiets und bestätigte den Präsidenten, Sir Ernest Wilton, und die übrigen Mitglieder der Regierungskommission auf ein weiteres Jahr in ihren Aemtern. Mit der Wahl Ehrenroths, der Statsangehöriger einer neutralen Macht und gründlicher Kenner von Finanz-, Handels und Verwaltungsfragen ist, anstelle des ausscheidenden belgischen Mitgliedes Lambert, ist einem langjährigen Wunsch der Saarbevölke- rung vom Rat nunmehr Rechnung getragen worden.
*
Die 49. Ratstagung ist am Samstag nachmit- tag geschloffen worden. Briand ist bereits wieder in Paris, Chamberlain in London eingetroffen. Dr. Stresemann wird am Dienstag in Berlin erwartet.
Rsichsminister Dr. Stresemann hatte am Sonntag nachmittag mit dem rumänischen Minister des Aeußern, Titulosco, in Gegenwart von Ministerialdirektor Dr. Ritter eine dreistündige Unterredung, bei der die zwischen den beiden Ländern bestehenden Fragen insbesondere auch wirtschaftspolitischer
Art durchgesprochen wurden. Es ist anzunehmen, daß der rumänische Minister des Aeußern zur Fortsetzung der Verhandlungen nach Berlin kommt.
Am Samstag abend hatte Stresemann mit dem polnischen Außenminister Z a! e s k i eine eingehende Besprechung über die mit der Fortsetzung der deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen im Zusammenhang stehenden Fragen. Ebenso hatte er mit dem ungarischen Außenminister W a l k o eine längere Unterredung, bei der das Ergebnis der Tagung und die beide Länder betreffenden Fragen erörtert wurden.
Die Gerüchte über eine bevorstehende Begegnung zwischen Dr. Stresemann und dem russischen stellvertretenden Volkskommissar Litwinow in Genf sind durch ein Mißverständnis entstanden.
Reich und Länder.
Die Richtlinien des Zentrums zur Reichsreform haben auch in der Nichtzentrumspresse ein lebhaftes Echo gefunden. In der „Deutschen Allgmeinen Zeitung" wird ausgesprochen, daß diese Richtlinien der f ö d e r a l i st i s ch en Ueberzeugung der blutsverwandten Bayerischen Dolkspartei weitgehend Rechnung tragen. Keine Partei sei so sehr dazu berufen, für ein Vertrauensverhältnis zwischen Reich und Preußen zu wirken, wie gerade das Zentrum, das in der ganzen Frage der Reichsreform ein gewichtiges Wort zu sprechen haben werde. Umso bedeutsamer erscheine es, daß das Zentrum in seinen Richtlinien sich keineswegs für den schematischen Einheitsstaat der Linken einsetze, sondern für eine o r g a n i sch e Fortbildung des Bestehenden, so daß sich auch auf diesem Gebiete die Möglichkeit gemeinsamer vaterländischer Arbeit mit der Rechten ergebe.
Der Handels- und Jndustriebeirat der badischen und württembergischen Zentrumspartei hat, wie der „Badische Beobachter" meldet, in einer gemeinsamen Tagung in Pforzheim zu dem Verhältnis zwischen Reich imb Ländern eingehend Stellung genommen. Die Grundsätze und hUchllinien der Deutschen Zentrumspartei werden für maßgebend anerkannt. Die potitifdje und wirtschaftliche Entwicklung erfordere jedoch, daß die südwestdeutschen Länder zu einem o r g a- nischen Staat vereinigt werden. Es wird erwartet, daß sich der Gesetzgeber auf diese Gedanken einstellen wird.
EineKundgebungsürdenBölker-Frieden.
Zu Ehren der beiden Träger des Friedens- Nobelpreises, Prof. B u i f f o n - Frankreich und Prof. Q u i d d e - Deutschland veranstaltete der badische Landesverband der Deutschen Friedensgesellschaft im Freiburger Stadttheater eine Feier, die neben der Ehrung der beiden greisen Vorkämpfer der Friedensbewegung der Förderung der deutsch-französischen Annäherung galt. Nach kurzer Begrüßung durch den zweiten Vorsitzenden des badischen Landesverbandes, Abg. Haebler, überbrachte Staatspräsident Dr. R e m m e l e der Versammlung die Grüße der badischen Staatsregierung, die den Bestrebungen der Völker immer mehr zü- eiiiander zu dringen, mit voller Sympathie gegen- überstehe. Er beglückwünschte danach die beiden Verfechter der Friedensbewegung dazu, daß sie nun doch noch den Lohn ihrer Arbeit ernten können, ein Glückwunsch, dem sich auch das Auswärtige Amt der deutschen Reichsregierung anschließe, das er gleichzeitig vertrete. Baden als Grenzland bringe diesen Bestrebungen besonderes Interesse entgegen. Er könne nur wünschen, daß sie von Erfolg gefrönt feien.
Für die Stadt Freiburg betonte den gleichen Gedanken der Oberbürgermeister Dr. Bender unter besonderem Hinweis auf die Lage der Stadt Freiburg unweit der Grenze und des Rhein- stroms, der in der Zukunft kein Trennungsstrich zwischen- den Völkern sein dürfe, sondern ein Bindeglied.
, ^ür bie sozialdemokratische Reichstagsfraktion sprach Abg. Dr. V r e i t s ch e i d, der unter dem Beifall der Versammlung darauf hinwies, daß die deutsch-französische Verständigung die Grundlage der Völkerversöhnung bilde, aber diese deutsch- französische Verständigung werde erst dann ihre volle Kraft entfalten können, wenn das deutsche Gebiet von fremder Besatzung geräumt und der Druck der Besetzung verschwunden sei.
Auch Dr. Haas, der für die Deutschdemokrati- lche Reichstagsfraktion sprach, hob diese Notwendigkeit hervor, während Prof. Dr Baumgartner für den überwiegenden Teil des Badischen Landtages und für die Reichstagsfraktion des Zentrums auch die Forderung aufstellte, daß das deutsche Volk befreit werde von dem seelischen Druck der Alleinschuld am Kriege. Ein wahrer Völkerfrieden könne nur dann \eintreten, wenn auch diese Voraussetzung erfüllt sei.
Mit lebhaftem Beifall begrüßt sprachen die beiden Friedenspreisträger, Prof. Buifson und Prof. Quidde über die Voraussetzungen zur Herbeiführung einer Verständigung und des Friedens. Sie betonten dabei, daß der Friede der einzige Zustand fei, der der menschlichen Gesell- schäft würdig sei.
Der Feier, der weitere Reichstagsabgeordnets, Abgeordnete des Badischen Landtages, sowie Der- freier der Universitäten und der Geistlichkeit
beider Konfessionen, Vertreter kultureller Organisationen und wirtschaftlicher Verbände beiwohnten, wurde durch Darbietungen des städtischen Orchesters unter Leitung des Generalmusikdirektors Lindemann eine würdige Umrahmung gegeben.
Die französischen Frontkämpfer.
wtb. Daris, 12. März. (Eig. Funkm.) Der Verband der ehem. Frontkämpfer, der gestern in Paris tagte, hat u. a. eine Entschließung betr. den Frieden angenommen, in der es heißt: In dem Bewußtsein dessen, was der Krieg gekostet hat, wollen die ehern. Frontkämpfer denFrie- d e n, Ueberzeugt davon, daß die internationale Solidarität — weit davon entfernt, die Formel eines vagen Idealismus zu fein — eine unbestreitbare wirtschaftliche und moralische Wahrheit ausdrückt, gedenken die ehern. Frontkämpfer, den wahren Frieden zu verwirklichen und wünschen einen Völkerbund, der stark genug ist, um sicher zu stellen: Ein Sicherheitssystem, das die Rüstungsbeschränkung vorbereitet, ein Kontroll- system, das die Aufrechterhaltung der Abrüstung sichert, ein Ausgleichs- und Schiedsgerichtsfystem, das die Lösung der internationalen Streittgkesten gestattet.
Aus London wird gemeldet: General 6 i r Jan Hamilton sprach sich in einer Rede anläßlich der Enthüllung eines Denkmals für die Zurückziehung der britischen Truppen vom Rhein aus und fügte hinzu, wenn England diesen Schrift täte, würden die anderen Besatzungsmächte notwendigerweise das gleiche tun müssen.
Internationale Freundschaft.
Aus Prag wird gemeldet: Die Minister Dr. Benesch und Dr. Hodza haben das Ehrenpräsidium eines vorbereitenden Ausschusses übernommen, der eine Welfkonferenz des Bundes für internationale Freundschaft für Ende August in Prag vorbereitet. Der Leitgedanke der Konferenz soll ,cher Weg zum Weltfrieden" fein, wozu verschiedene Faktoren des geistigen Lebens beitragen können: Religion und Kirche, Wissenschaft und Kunst, Volkswirtschaft und Sozialentwicklung, insbesondere aber die Erziehung. Minister Dr. Benesch wird auf der Konferenz einen Vortrag über das Thema „sozialer Fortschritt und Weltfrieden" halten.
* Ein griechisches Torpedoboot gesunken. Das griechische Torpedoboot Panormos scheiterte an den Klippen der Insel Aegina und sank. Die Besatzung wurde gerettet. Der Kommandant versuchte, sich zu erschießen.
Die Freigabebill rechtskräftig.
Präsident Coolidge hat die Freigabe- Dill unterzeichnet.
Damit ist die letzte Instanz passiert, deren Zustimmung noch erforderlich war, um die Freigabe- Bill in Kraft treten zu lassen.
Jetzt treten alle Verfahrensvorschriften in Kraft, insbesondere die Erteilung von Vollmachten für Anwälte, da die alten erloschen sind und vom Verwalter nicht anerkannt werden. Jeder deutsche Eigentümer kann auch direkt mit dem Verwalter in Verbindung treten. Zu diesem Zweck find Formulare ausgearbeitet worden, aber es dürste sich empfehlen, daß in Amerika ansässige Personen mit der Wahrnehmung der Interessen der (Eigentümer beauftragt werden.
Wann die ersten Gelder zurückfließen, ist nicht sicher. Die bisher genannte Frist von 14 Tagen dürfte weit überschritten werden. Man muß damit rechnen, daß vor rund drei Monaten nicht daran gedacht werden kann, weil zunächst die Werte (z. B. von Aktien, Bonds, Grundstücken) festgestellt werden müssen. Am schnellsten wird die Rückzahlung der Bargelder erfolgen können.
Für Sparsamkeit beim Heer.
Der Reichshaushaltsausfchuß fordert in einer Entschließung zum Haushalt des Reichswehrministeriums die Reichsregierung auf, eine umfassende Prüfung aller Möglichkeiten zu erheblichen Ersparnissen im Haushalt des Reichswehrmini st eriums vorzunehmen. Hierbei ist insbesondere, gegebenenfalls im Benehmen mit Sachverständigen aus der Wirtschaft, die Frage zu prüfen, ob nicht für erhebliche Lieferungen der verschiedensten Art Preise bewilligt werden, die berechtigte Ansprüche wesentlich überschreiten; weiter wird die Regierung ersucht, prüfen zu wollen, wie die Reichsbürgschaft, die augenblicklich durch den hohen Zinsfuß unwirksam geworden ist, umgestaltet werden kann, damit sie tatsächlich wieder für die Versorgungsmöglichkeit von Reichswehrangehörigen verwendbar wird.
Ferner soll die Regierung alljährlich zur Beratung des Haushaltsplans dem Reichstag eine Uebersicht darüber vorlegen, wie sich die Unterbringung der Dersorgungsberechtig- ten gestalter hat, insbesondere wie groß die Zahl der nicht hn öffentlichen Dienst unter gebrachten Versorgungberechtigten jeweils ist.
Wer treibt Wahlpolitik?
Vor einigen Tagen wurden wir in der Kreuz- zeitung (Nr. 108) darüber belehrt, daß die Zentrumspartei ebenso wie „in noch verstärkterem Maße die Opposition" Wahlpolitik treibt, während die Deutschnationale Dolkspartei sich bisher loyale Zurückhaltung auferlegt habe. Diese zweifellos überraschende Feststellung wird mit dem Hinweis illustriert, daß das Zentrum beim Pensionsetat in einem Gegensatz zu den bisherigen Koalittonsge- noffen getreten fei, und gemeinsam mit den Sozialdemokraten für ein neues Pensionskürzungsge- setz gestimmt habe. Außerdem habe das Zentrum neue Beweise seiner Beamtenfeindlichkeit gegeben, indem es einer, wie man sagt, von deutschnationaler Seite propagierten Höherstufung einiger Reichsbeamten entgegen getreten sei. Zum Schluß werden dann persönliche Angriffe gegen den Vorsitzenden der Reichstagssraktion des Zentrums gerichtet, die sich in ihrer Tonart so wenig von den in der deutfchnationalen Presse seit Jahren gewohnten unterscheiden, daß es die Mühe nicht lohnt, auf diese persönlichen Verdächtigungen hier näher einzugehen. '
Die angeblich so loyale Kreuzzeitung muß uns schon die Frage gestatten, was ihre beiden oben zunächst angeführten „Feststellungen" denn eigentlich anderes sind als Wahlpolitik, als Behauptungen, die gewisse Tatibeftände so einfärben, daß sie ohne Rücksicht auf die Wahrheit für ihre Väter werbende Wirkung gewinnen. Oder ist einfach alles das „Wahlpolittk", was der Deutschnationalen Dolkspartei nicht genetym ist?
Der Pensionskürzung, die im übrigen auch oom Zentrum nicht als Endlösung der ganzen Frage betrachtet wird, ist die Fraktton aus dem ganz und gar sachlichen Grunde beigetreten, well sie es mit der weitverbreiteten Not unseres Volkes und der ungeheueren Anspannung unserer finanziellen Kräfte nicht für vereinbart hält, wenn hohe politische Beamte, um andere handelt es sich garnicht, die nach ihrem Ausscheiden aus dem Staatsdienst vielfach hohe Stellungen in der Pri- oatwirttchast bekommen, obendrein noch verhältnismäßig holst Pensionen beziehen. Und was den zweiten Vorwurf angeht, so entspricht die Haltung des Zentrumsführers nicht irgend einer Art von Deamtenfeindschaft, sondern allein der Besorgnis, eine Partei, die im Begriff ist, zur Opposition zu- rückzukehren, möchte versuchen, in den letzten Minuten ihrer Regierungsgewalt noch Weideplätze für ihre Anhänger zu schaffen.
* Ludendorff will nicht mehr. Wie wir im „Vorwärts" (Nr. 113) lesen, hat Ludendorsf seinen Anhängern „rund um das Hakenkreuz" einen Ukas zugehsn lassen, in dem er sich „die Inanspruchnahme seinerPerson für die Partei" ne r b t tt et und die Absicht bekundet, „außerhalb jeder Partei" seine politischen Feldzüge fortzusetzen. Er will also nicht mehr kandidieren. Für das politisch-parlamentarische Lehen in Deutschland.wird Ludendorffs Verzicht bestimmt kein Verlust sein, wahrscheinlich nicht einmal für das Häuslein der Völkischen. Denn blendendes Aushängeschild und wirksames Zugmittel ist der Name dieses verwirrten Mannes nicht mehr.
Ztadtverordnetenwahl in Potsdam.
Die Sozialdemokraten gewinnen 9 Mandate. — Abermals völliges Fiasko der Splitterparteien.
Sie gehen alle leer aus.
Die Potsdamer Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung haben folgende Zahlen erbracht: Deutschnationale 11352 (1924: 11969), Sozial-- demokraten 9891 (3393), Deutschsoziale Partei 2253 (2462), Kommunisten 1590 (2290), Deutsche Sozialistenpartei (Kunze) 291 (1756), Demokraten 1173 (1363), Zentrum 893 (988), Bodenreform 677 (0). Reichspartei für Aufwertung und Recht 270 (0). Christl.-Soziale Volkspartei 489 (0), Nationalsozialfftische Arbeiterpartei 481 (0), Handel, Gewerbe, Grundbesitz, Mittelstand 3537 (4000), Reich spartet für Dolksrecht und Auswertung 125 (0).
Die Verteilung der Mandate für die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung wird sich wie folgt gestalten: Deutschnationale 16 (1924: 19). Sozialdemokraten 14 (5), Deutsche Volkspartei 3- (3), Kommunistische Partei 2 (3), Deutsche Soziale Partei 0 (2), Deutsche Demokratische Partei 1 (2), Zentrum 1 (1), Bodenreform 1 (0), Reichspartei für Aufwertung und Recht 0 (0), Christl.-Soziale Partei 0 (0), Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 0 (0), £ anbei, Gewerbe, Grundbesitz, Mittelstand 5 (6), Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung 0 (0).
Die Senatswahl in polen.
wtb. Warschau, 12. März. (Eig. Funkm.) Bei den gesttigen Senatswahlen waren insgesamt 111 Sitze zu vergeben, von denen 93 auf die Wahlkreise und 18 auf die Landesliste entfallen. Die Wahlen sind km allgemeinen ruhig verlausen und dürften an dem Bild, wie es durch die Landtagswahlen geschaffen wurde, nicht viel ändern. Schon die ersten Teilergebnffie zeigen, daß der Regie-- rungsblock wieoer große Erfolge errungen hat. In dem rein ukrainischen Wahlbezirk Wolhynien fft es dem Regierungsblock infolge der bereits von den Sejmwahlen her bekannten Machenschaften gelungen, von 5 Mandaten 4 zu erhalten, während nur eins auf die Ukrainer fällt.
Ausbeutung der Bauernnot.
Die der Landbund die Rot der Bauern für seine Parteizwecke ausschlachtet.
Bekanntlich Hat die Reichsregierung vor ungefähr einem Monat unter der Führung sämtlicher landwirtschaftlicher Spitzenverbände zahl- reiche Abgesandte der Landwirte aus allen Teilen Deutschlands, aus Süden und Norden, Osten und Westen empfangen und mit ihnen in eingehender Aussprache über die Notlage der Landwirffchaft verhandelt. Darüber hinaus haben einzelne Minister noch kleine und große Deputationen empfangen, die von Provinzen oder Kreisen entsandt waren.
Neuerdings betrieb der Bund der Landwirte die Fortsetzung solcher Deputationen, obschon die einschlägigen Maßnahmen der Regierung bekannt sind und zurzeit im Reichstag zur Debatte stehen. Daraus ergibt sich dann folgendes Bild:
Lehnt der einzelne Minister oder Abgeordnete auf Grund der oben beschriebenen Tatsachen die Fortsetzung dar wiederholten Empfänge ab, so wird er auf Grund dieser Ablehnung polttisch gebraute markt. Empfängt er aber die Deputation und spricht sich offen mit ihr aus, so folgen Kundgebungen des Bundes der Landwirte in der Heimat der De- putation mit einer parteipolitisch aufgezogenen Berichterstattung und unwahren Behauptungen gegenüber Teilnehmern an der Besprechung, die nicht zur Partei des Bundes der Landwirte gehören. Die Angegriffenen sind dann genötigt, sich auf Grund des Preßgesetzes gegen solche herabsetzen- den Ausführungen zu wehren. Zu solchem Vorgehen ist beispielsweise der Reichsarbeitsminister schon in zwei Fällen, gegenüber einer Versammlung im Kreise Bentheim und in Schlesien genötigt gewesen.
Uebler kann man die Wahlagitation kaum betreiben. Den landwirtschaftlichen Interessen wird damit ein schlechter Dienst erwiesen. Man bestärkt vielmehr die den landwirtschaftlichen Forderungen ablehnend gegenüberstehenden Kreise da- mit in ihrer ablehnenden Haltung. Man macht es so den Kreisen allzu leicht, ihre ablehnende Haltung mit der parteipolitischen Propaganda des Landbundes zu begründen.
Die Untersuchung der Verschuldungsverhaltnisse der deutschen Landwirtschaft.
Wie die „Doff. Zig." meldet, Hai der Enquete- Ausschuß des Reichswirffchaftsrates, der im Januar im Reichstag ersucht worden war, die Derschul- dungsverhöltnisse der deutschen Landwirffchaft zu prüfen und Vorschläge für ein Sanierungsprogramm auszuarbeiten, das Ergebnis feiner Untersuchung nunmehr dem Reichstag zügeleitet
* Fehlbeträge bei der Konsumgenossenschaft der Reichsbank. Wie eine Berliner Korrespondenz er- ährt, hat die Staatsanwaltschaft gegenroärtig eine Untersuchung gegen den Letter einer Berliner Filiale des Konsumvereins der Reichsbank, sowie gegen einige Mitglieder des Vorstandes eingeleitet. Es handelt sich darum, daß bei einer Filiale des Reichsbankkonfumvereins Fehlbeträge festge- tellt worden sind, die dem Aufsichtsrat nicht zur Kenntnis gebracht worden sind, und die auch in der Bilanz nicht zum Ausdruck gekommen sind.