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Fuldaer Zeitung

Sonntag, 11« März 1928.

Kind, noch .

Ideale ist untergegangen, und ein Kramladen ist übrig geblieben. Der freundliche Gruß, den sich Menschen geben, die in edler Kameradschaftlichkeit einer großen Sache dienen, ist einer Stimmung des Mißtrauens gewichen. Man sieht keine Menschen mehr um sich, sondern nur Konkurrenten.

Nicht viel besser steht es im wirtschaftlichen Le­ben. Kaum ist ein Streik beigelegt, da droht eine Aussperrung, und hat man sich künstlich geeinigt, so wartet mon doch nur auf einen neuen Anlaß zur .Zwietracht. Man hat sich förmlich daran ge­wöhnt, nicht mehr mit Liebe und alles nur mit Ge­walt zu machen. Man handelt wie manche Schuld­ner, die grundsätzlich erst dann zahlen, wenn der Rechtsanwalt droht. Auch da fehlt die Sonne, die Wärme gibt und Licht, gemeinsame Freude und lächelnde Hilfsbereitschaft. An den Wänden hän­gen Tar sie, auf den Tischen liegen Tarife, und in Kopf und Herz gibt es am Ende auch nur Tarife. Bilanzen und Tarife, das ist das Dasein, als hätte Gott dem Menschen nur Hirn und Herz gegeben, damit sie sich mit Zahlen und Rechnungen beschäf­tigen. Käme doch die Sonne wieder! Erfüllte sich doch der Raum, in dem wir leben, wieder mit ihrem strahlenden Licht. Wollten wir doch wieder Worte des Verstehens sprechen, Worte gemeinsamer Freuden und Leiden. Lauschten wir doch wieder dem sanften We-hen der Frühlingswinde und dem jubelnden Schlag der Kirchenglocken.

Diese Zeilen schreibe ich auf dem H r a d s ch i n in Prag. Nur wenige Zeitungen habe ich hier ge­lesen, und wie verblaßt das alles vor einem einzi­gen Blick von der Höhe herab auf die funkelnde Stadt, aus der sich Kirchen und Kuppeln und Türmchen ohne Zahl hervorheben, wo zwischen den Häusern die Moldau blitzt und wo alles durchdrun­gen und umklungen ist von weicher Musik, alles verhängt von mystischen Schleiern, und wo im Ge- heimnis des Unaussprechlichen noch die Volksseele lebt. Am Nachmittag sind wir zusammen in eine Art Studenten kneipe gestiegen. So etwas gibt es bei uns kaum mehr, nicht einmal in Heidelberg. Man geht in ein verlorenes Gäßchen. Man klettert auf gefährlichen Treppen über verbogene, schief hängende Gänge. So windet man sich langsam durch ein wahres Labyrinth aufwärts. Die nisde- ren Dächer bleiben unter einem mitsamt den Kat­zen, die dort um die trocknende Wäsche schleichen. Nun, und endlich ist man oben in einem lustigen

(BottesMenftorfonnna.

5riedho'kkapell« am zranzosenwS dchen. Montag V»8 Uhr Gottesdienst.

Raum, in dem Holztische um einen mächtigen Ka­chelofen herumstehen. Mit freundlichem Gruß bringt eine gute Frau den Tee und Zitronen. End­lich einmal, so dachte ich mir, ein Plätzchen, wo es keine Kultur gibt, sondern nur Gemütlichkeit. Ein- fache bescheidene Gemütlichkeit. Wo von den Wän­den noch das Echo froher Studentenweifen klingt. Ja, hier ist gut sein. Hier spricht nur noch das Herz, dieses so schnell zufriedene Herz, das ja gar nicht der großen Sportplätze, der lärmenden Bör­sen bedarf, das schon glücklich ist, wenn es mit dem Freundesherzen den gleichen Schlag fühlt. Gegen­über nisten ein paar Tauben, und der Herr Täu­berich gurrt kopfknickend feinen guten Tag.

Immer denke ich hier: Wären doch die Menschen bei uns nur etwas gemütlicher. Wollten sie doch nur ihre Aktenmappe einmal zu Hause liegen las­sen. Zwei mal zwei ist vier, das ist so wahr wie langweilig. Und ist Pünktlichkeit auch eine Tugend, so legt alles Vornehme auf der Welt doch Wert darauf, ein wenig zu spät zu kommen. Geh in Prag irgendwo um Mitternacht in ein Lokal, wo es echtes Pilsener aibt. Ta sitzen drei friedliche Bür­ger, trinken ihr Schövvlein und reden über das Schicksal des Lebens. Die Polizei schaut herein, ein behelmter Kopf, und sagt lachend, es sei nun die Polizeistunde gekommen. Die aber reden weiter über das Schicksal, und wenn der Wirt nt drohen beginnt, nun, dann geben sie ihm eine köstliche Zi­garre. Es wird schon damit enden, daß sie zuguter­letzt zu fünfen dafitzen: die drei Stammgäste, der Wirt und die Polizei. So verschieden sind die Völ­ker! Das eine ist pünktlich, und das andere ist ge= mütlich. Gäbe eins dem andern, was ihm fehlt, wie alücklich könnten wir fein.

Ach. was sich da begibt in Volitik uni) Wirschaft, ich weiß wohl, es ist aus der Welt geboren. Ohme ernste Arbeit geht es nirgendwo. Aber ich weiß auch, wie viel leichter es uns allen würde, wollten wir nur mehr Menschen fein, uns an der Sonne freuen, einander Sonne fdienfen und einander die Sonne gönnen. 85 Sabre icihlt der freundliche Bischof, der mir hier Gastfreundschaft gewährt. Fast ein Jahrhundert bewegtester europäischer Ge­schichte liegt in lebendigen Erinnerungen vor ihm, wie es wo bl einst bei SBafer Homer gewesen ist. ^fber der Weihbischof Dr. Frind, einer der edelsten und tapfersten Deutschen in Prag, von allen, auch den Teschen, bewundert und geliebt, ist ein Opti­mist geblieben, und der kindliche Glaube an die Vorsehung feuchtet aus dem Süngfingsauge des Greises. Als wir gestern abend die Treppen vom Hradfchin hinunterstiegen, da nahm er fünf, sechs Tritte im Galopp, hüpfend wie ein übermütiges

Schriftleiter: Dr. phil Johannes Kramer, Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. P a r z e l l e r.

durch die dem Sterben geweihte Pracht des leise wogen- den wie bang erzitternden Halmenmeeres und streckte Schwaden um Schwaden zu Boden.

Die Höfe lagen während des Tages fast wie aus- gestorben. Nur die Bäuerin war zu Hause, um die Mahlzeiten herzurichten und das Bieh zu besorgen. Außer ihr fand man höchstens noch das gebrechlichste Alter und die unmündigste Jugend.

Auch Gesine war mit dem Kinde allein daheim. Nis Jörnsen hatte vor einer Stunde das Mittagessen zu den im Felde Arbeitenden hinausgefahren und war noch nicht zurück.

Erschöpft und erhitzt hatte sich Gesine für kurze Zeit auf einem hart am Eingänge zur Diele stehenden Sche­mel niedergelassen, um sich zu ruhen. Sie hatte die Arme auf die Knie gestützt, den Kopf in die Hände ge­legt und die Augen in der Anwandlung einer plötzlicher. Ermüdung geschlossen.

Fünf Minuten mochte sie so in halbwachem Zustande gesessen haben, als ein schlürfender Tritt auf dem flie- senbelegten Gange von der Gartenpforte her ihre Auf­merksamkeit lebendig machte und sie erschrocken hoch­fahren ließ.

Wenige Schritte vor ihr, im prallen Sonnenlicht, stand ein Männchen mit grinsendem Fuchsgesicht und bot in halber Verbindlichkeit einen Gruß, daraus seinen Namen nennend: ,Hch heiße John Meyer.'

Gesine war dieser Name nur dunkel in der Erinne­rung. Sie glaubte, ihn hin und wieder daheim ge­sprächsweise gehört zu haben, wenn einmal von Hypo­thekengeschäften und Prozessen die Rede gewesen war, und vermutete, daß der Mann in einer ähnlichen An­gelegenheit käme. Damit schwand das Gefühl einer eigentümlichen Beklemmung, das sie bei dem unerwarte­ten Anblick des Besuchers gepackt und ihr pressend auf der Brust gelegen. Sie erhob sich, erwiderte John Meyers Gruß knapp und erkundigte sich nach seinem Be- gehr.

Der Gefragte strich seine Hakennase und grinst«. „Lebt der Nis Jörnsen noch oder hat der Alte schon für immer Abschied genommen?“

(Sortierung folgt.)

Wir hatten einige sonnige Tage, die sich um die Mittagszeit geradezu wie ein Vorfrühling ausnah­men. Wenn ich mich in solchen Tagen in die Schön­heit der strahlenden Welt vertiefte, bis dann am Spätnachmittage die Dämmerung niedersank» dann kamen mir Gedanken, die mir Licht gaben, um un­ser heutiges Leben zu verstehen. Solange nämlich die herrliche Sonne einer Königin gleich am Firma­ment steht, erscheinen Menschen und Dinge wie in ein Wunder getaucht, und es ist jeder Misthaufen poch schön. Ueberaö verschwindet das Häßliche im seligen, verklärenden Licht. Sobald es aber dun­kelt, fühlt man wieder die Kälte, sieht man wieder die widerlichen Dinge und taucht man zurück in die wirren Verhältnisse unseres gegenwärtigen Daseins. Wie mit der Sonne am Himmel so geht es aber auch mit den Idealen der Seele. Leuchten sie in den Tiefen des Gemütes, dann bleibt man selber ruhig und klar; verschwinden sie, dann schrecken einen sogleich die Gespenster der Nöte.

Wir stehen wieder einmal unter schwerem politi­schen Druck. Der Arbeiter, der Beamte, der Mittel- ständler, der Bauer, jeder Stand und jede Gruppe flogt und räsoniert. Man betrachtet die Polisik nur noch von seinem Standpunkt aus, von dem Umstand, ob es einem selber gut geht oder nicht. Einzig die Vertretung seiner Interessen fordert man von dem Abgeordneten, dem man seine Stimme gibt Darum auch soll der Abgeordnete möglichst ein Arbeiter, ein Bauer, ein Mittelständ­ler, ein Beamter, jedenfalls einer des eigenen Stan- des fein, weil man nämlich meint, nur ein solcher werde die Interessen des betreffenden Standes nachdrücklich vertreten. Da es aber überall nur bloß um die Interessen der eigenen Gruppe geht, so weicht nach und nach jeder Schwung aus dem politischen Leben. Man schachert miteinander» man ist zänkisch und neidisch» und der Schauplatz des öffentlichen Lebens füllt sich mit den Tischen bet Wechsler unb Geschäftemacher. Die jBonne der großen deutschen und europäischen

Schwingungen,

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Hiunerk straffte seinen Körper. Ein Schein mühsam zusammengebrachten Entschlossenseins war als mattes Licht in seinen Augen» die Gesines schwarze Sterne such­ten. Und seine Stimme klang weich und bittend, als er sagte: „Gesine, ich will dich nicht zur Stunde drängen, sondern dir Zeit lassen zum Besinnen. Es mag ein Jahr sein, es mögen ihrer mehrere verrinnen. Wie du willst. Ja, ich will Jahre warten, Gesine. Und wenn du mir dann sagen wirst: Ich hab' dich lieb, Hinnerkl so will ich froh sein und all der Zeit, die ich ohne deine Liebe fein mußte, nicht gedenken. Wollen wir es so halten, liebe Gesine?“ Sie empfand eine tiefe Rüh­rung. Ja, er tat ihr leid, unendlich leid! Es war etwas wie ein heimliches Weinen in ihrer Seele. Sie trat ganz nahe zu ihm heran, legte ihre Rechte lose auf seine Schulter und sagte weich: „Du meinst es ehrlich, Hinnerk. Ganz gewiß. Vielleicht — vielleicht ehrlicher als es dein Bruder meinte, der mich drei lange Jahre allein ließ und mir niemals einen einzigen Gruß sandte. Aber dennoch muß ich dir sagen: Gib dein Hoffen aus; denn es wird nutzlos sein . . ."

„Es darf nicht, Gesine!“ stöhnte er.

Sie beobachtete seinen Einwurf gar nicht und fuhr fort: „Ich habe dir bisher kaum ein steundliches Wort gesagt. Ich ging dir aus dem Wege, wo ich konnte. Das war nicht recht. Wir gehören nun einmal zusam­men und müssen zusammen bleiben. Und es soll nun anders werden zwischen uns."

Hinnerk lächelte traurig vor sich hin. „Was soll mir dies Wort? Was soll überhaupt unser ganzes weiteres Reden?“ Er sah mit einem abwesenden Blick durch das Fenster in die grüne Marsch, durch die er vorhin mit so gewiß hassenden Herzen gewandert. Und da packte es ihn noch einmal mit voller Wucht, und er schrie es fast, als er sorstuhr: „Ich will deine Liebe! Und die gibst du mir nicht."

„Nein, ich vermag es nicht!“ stieß sie leidenschaftlich hervor. Und mit weicherer, fast zärtlich klingender Stimme redete sie dann nach einem kurzen Schweigen weiter: „Ich will dir Freundlichkeit und Gehorsam und Fleiß und alles geben, was du willst. Nur meine Liebe nicht. Damtt mußt du dich begnügen."

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Actiendruckerei, Fulda

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Jpielen Sie doch

SUPERIA-QUÜRTET1

die Karten dazu finden Sie in den Schachteln vön

Sehen Sie", so sagte er, „das kann ich ., aber freilich geht es leichter wie auf- roärts, wie beim Treppensteigen, so in der Tu­gend DerMann imMonde.

„Und wenn ich das nicht kann?“

Sie erwiderte nichts. Nur ein mitleidiger Blick ging verstohlen zu seinem traurigen Gesicht.

Und auch Hinnerks Mund blieb geschlossen.

Das auf beiden Seiten mit so vieler Leidenschaftlich­keit begonnene Gespräch war sterbend in sich zusam­mengesunken unb hatte kaum zu einem knappen Sich- näherkornrnen geholfen.

Hinnerks sehusüchttges Begehren nach Erwiderung seiner Liebe lag zerschellt am Boden, und er war nicht die Natur, um es sofort neu zu formen und zu grün­den. Ja, seine eigene Liebe schien ihm klein und gegen­standslos geworden.

Verschlossene und in sich gekehrter denn je war er seit diesem Tage. Gesine beobachtete ihn oft heimlich. Er tat ihr leid in seiner stillen Traurigkeit, und sie gab sich Mühe, nicht mehr hart und abweisend gegen ihn zu sein. Sie hatte jetzt mitunter ein freundliches Lächeln für ihn und setzte sich an weichen Frühlingsabenden manchmal zu ihm auf die Bank im Vorgarten, was sie bisher nie getan . . .

Der Deilchenkranz, mit dem sie den Totenschein ge­schmückt hatte, war längst verdorrt und duftete nicht mehr. Und eines Tages wehte ihn ein Windstoß, der durch die geöffneten Fenster ins Zimmer sprang, zu Boden.

Gesine hob ihn nicht auf. Am nächsten Morgen wanderte er mit auf den Kehrichthaufen. Und einen neuen Schmuck bekam das eingerahmte Dokument nicht . . .

Als abermals Wochen vergangen waren, fanden Hinnerks Augen den Platz an der Wand, den der Schein bisher eingenommen, teer. Gesine hatte das von dem schwarzen Rahmen eingefaßte Schriftstück in eine Truhe geschloffen.

Von diesem Tage an begann Hinnerks Hoffen ein neues Leben. Er stand auf in alter Kraft und tröstete feine wartende Liebe.

wie wird das Wetter?

Das nördliche Hochdruckgebiet hat sich verstärkt und besonders ostwärts ausgebreitet. Deutfch'and befindet sich daher im Bereich einer Nord- bis Ostströmung, die stärkere Abkühlung bedingt. Zunächst bringen flache Ausläufer eines südlichen Tiefgebiets vielfach noch leichte Schneefälle. Späterhin ist mit Lockerung der Bewöl­kung zu rechnen.

Witterungsaussichten bis Sonntag: Wolkig bis auf­heiternd, trocken, leichter Frost, östliche Winde.

..SUPERIA

der neuen charaktervollen Zigarette

5.

Die heiße Julisonne brütete über der Marsch und bräunte den Schnittern im Felde die sehnigen Arme. Rauschend ging der von ihnen geführte glänzende Stahl

Han-werkerfrayen.

— Die Berücksichtigung des Mittelstandes bei der Vergebung von Aufträgen fordert eine Entschließung, die von den Zentrumsabgeordneten Dr. P e r I i t i u s, Sonn er und Genossen im Reichstage eingobracht wor­den ist. Darin wird die Reichsregierung ersucht, einem Ausschuß des Reichstags alsbald eine Ueberfidjt über die Grundsätze und Richtlinien vorzulegen, nach welchen 1. die Vergebung der Aufträge im Reicbseisen- bahnzentralami an die einzelnen Firmen er­folgt, 2. dieser Ueberfidjt auch eine Mitteilung darüber anzuschließen, in welchem Umfange die einze'nen Lan­desteile und 3. der gewerbliche Mittelstand hierbei be­rücksichtigt worden ist.

Rund um die Woche.

Sonnige Tage. — Sonne, Politik unb wirtschaft. — Pünktlichkeit unb Gemütlichkeit. — Ein junger Greis.

Kommunalpolitifd)es.

— 26 Millionen im Berliner haushalt ungedeckt. Der Haushaltsausschuß der Berliner Stadtverordnetenver­sammlung hat sich am Freitag nachmittag mit dem Be­richt des Unterausschusses beschäftigt, der den ursprüng­lichen Fehlbetrag von 52 auf 10 Millionen herabgedrückt hatte. Der Hauptausschuß hat sich dem Standpunkte des Unterausschusses nicht angeschlosien, daß schon ietzt mit einer bestimmten erhöhten Beteiligung Berlins am Finanzausgleich gerechnet werden könne. Außerdem konnte der Hauptausschuß die Kürzung des Etats der Wohlfahrtspstege um 5 Millionen, die der Streichungs- ausschuß vorgenommen hatte, mit Rücksicht auf die ge­spannte Wirtschaftslage der breiten Massen nicht billigen.

Das Kreuz im Moor.

- s Roman von Fritz G a n tz e r.

13] ---------

»Zch weih, Gesine. Aber es ist nun alles ganz an- bers geworden in mir. Es ist sacht gekommen, aber desto gewisser. Und daß du's nun endlich weißt, Gesine: ich Hobe dich , .

Sie lehnte sich weit zurück und unterbrach zitternd, keuchend: „Sage das Wort nicht! Ich will es nicht hören!“

Seine Augen flimmerten und der Atem ging in tur= gen Stößen über feine Lippen: „Du mußt es hören! Ich sag dir s doch, daß ich dich lieb, unsagbar lieb habe, Gesine."

Ihr Gesicht wurde bleich und schien verzerrt, als sein Geständnis den Weg zu ihrem Ohr gefunden hatte. Mit gefchlossenen Augen stand sie vor ihm wie eine Tote.

Und er redete auf fix ein, ergriff ihre Hände mit emem pressenden Drucke und gab feiner Stimme einen zärtlichen Klang.

»2ch hab's einst nimmer gewollt. Und ich hab's nicht gewußt, was Siebe ist. Nun weiß jch'z. Sie ist mehr als Geld, mehr als Wohlergehen. Viel mehr! Man könnt' ihretwegen zum Mörder werden und alles hinter sich» werfen. Sie ist . .. Gesine, ich weiß nicht, wie sie

Gesine befreite ihre Hände mit einer sachten Be­wegung aus den feinen und sah verloren an ihm vor­über. Und ganz leise und langsam sagte sie: „Sie ist ohne Verblühen, wo sie einmal Wurzel geschlagen. Sie kann nimmer verwelken und sterben. So ist die Liebe, Hinnerk." Sie schwieg und sah ihn an. Und als sie beobachtete, wie sein Kopf tief auf die Brust sank, wie er so zerschlagen und aller Hoffnung beraubt vor ihr stand, fuhr sie, wärmer sprechend, fort: „Ich wußte längst um deine Liebe, Hinnerk. Und ich wußte, daß die Stunde, in der du zu mir von ihr sprechen wür­dest, kommen mußte. Nun ist sie da. Und ich muß dir sagen: Ich kann dir meine Liebe nicht geben,"

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