M 59.
Tamslag, 10. MSr, 1928
Fuldaer Zeitung
2. Blati.
Dnttf »et Fuldaer AcNeudrurkerel, Fulda
Begebenheiten
Das Glück des Lehrers.
Das Große Los der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie von 500 000 Mark des, wie gemeldet, am Mittwoch mit der Nummer 305845 gezogen wurde, fiel in der einen Abteilung auf einen verheirateten, 38 Jahre alten Lehrer, der in einem größeren Dorfe zwischen Pforzheim und Karlsruhe wohnt. Der Lehrer hatte bisher immer nur ein Achtel gespielt. Da er stets mit dem Einsatz herausgekommen war, faßte er Mut und kaufte sich ein ganzes Los, auf das jetzt der Haupttreffer gefallen ist.
* Tragischer Tod einer Winzerin. Bei der Herstellung einer aus Schwefelkohlenstoff bestehenden Flüssigkeit zur Schädlingsbekämpfung, die ein Winzer mit seiner Ehefrau in Neustadt a. d. H. vornahm, entzündeten sich wahrscheinlich durch das Pfeiferauchen des Mannes Gase, die den Behälter zur Explosion brachten. Die Frau erlitt so schwere Brandwunden, daß sie wenige Minuten darauf stack.
Der Wahnsinn geht wieder los.
Transozeanflug einer englischen Fliegerin.
Daily Expreß zufolge beabsichtigt die englische Fliegerin Elise M a ck a i gemeinsam mit dem Flieger, Hauptmann Hinchcliffs, von dem Flugplatz Cranwell (Lincolnshire) aus in einem ameri- kanischenEindecker aufzusteigen, um den Atlantischen Ozean m westlicher Richtung zu überqueren, falls das Wetter günstig ist. Die Fliegerin ist die dritte Tochter des bekannten Schiffsreeders Lord Inchcape. __________
Nächtlicher Lisenbahnfrevel.
3n der Nacht vom 7. zum 8. März wurde zwischen den Stattonen Densheim und Heppenheim der Strecke Frankfurt—Heidelberg von bisher unbekannten Tätern versucht, die Sch i e n en zu lockern. Der diensttuende Beamte aus dem Stellwerk II der Station Bensheim bemerkte, wie Mit Lichtern auf der Gleisanlage der Strecke Densheim—Heppenheim hantiert wurde. Auf seine sofortige Anzeige hin begaben sich mehrere Eisen- i Dahnbeamte mittels Lokomotive nach der betreffen»
aus aller Welt.
den Stelle. Das Herannahen der Lokomotive veranlaßte die Täter, ihr Borhaben aufzugeben und zu enstliehen. Es konnte festgestellt werden, daß bei einer Schienenlasche bereits zwei Schrauben entfernt und die andere schon gelockert war. Der Schaden konnte sofort ausgebessert werden, so daß der Zugverkehr keinerlei Unterbrechung erlitt. Eine noch in der Nacht aufgenommene Verfolgung der Svur ergab, daß die Täter von dem hoch gelegenen Eisenbahndamm über Wiesen- und Ackergelände nach der Provinzialstraße Bensheim—Heppenheim entflohen sind. Bon dort scheinen die Täter ihre Flucht mit Fahrrädern fortgesetzt zu haben. Die Untersuchung wird mit aller Sorgfalt geführt. Die Eisenbahnverwaltung legt Wert darauf, daß zu einer Beunruhigung des reisenden Publikums keinerlei Anlaß vorliegt. Die Schwellenbefestigung der Schienen hätte selbst bei völliger Laschenentfernung die Betriebssicherheit nicht zu beeinträchtigen vermocht. Der Aufmerksamkeit des Stellwerksbeamten gebührt besondere Anerkennung.
* Große Unterschlagungen bei der französischen Derqwerksdirektion in Saarbrücken. Bei der französischen Dergwerksdirektion in Saarbrücken ist man großen Unterschlagungen auf die Spur ge- kommen. Ein französischer Angestellter, der auch die Buchhaltung unter sich hatte, hat Geldbeträge, die er auf das Bankkonto der Bergverwaltung einzahlen sollte, für sich verwendet, die Zinsen aber regelmäßig abgezahlt. Welche Beträge ver- untreut worden sind, ist nicht genau festzustellen. Man spricht von 320 000 Franks. Als unterschlagen ist bisher ein Bettag von 90000 Franks festqestellt. Bereits am Donnerstag soll die Verhaftung des Täters erfolgt und die Sache dem Gericht üSergeben worden sein.
Eingesandt.
Für die hier erfolgenden Veröffentlichungen übernimmt die Schristleitung nur die durch das Preßgesetz oorge- schriebene Derantwottuna.
Reitbahn als Markthalle. Voraussichtlich wird im Laufe des Sommers die frühere Reitbahn in der Schloß- straße frei. Ich mache den Vorschlag, dort eine Markthalle zu errichten. Wer die Zustände am hiesigen Ge- > müsemarkt kennt, wird ohne Weiteres zugeben, daß es I so nicht weiter geht. Die Reithalle als Marktplatz würde I in sanitärer Hinsicht eine große Verbesserung bringen. 1
Die Unkosten der Verwendung würben durch Standgeld halle große Lob spenden und die Hausfrauen, die die zu decken sein, das jeder Händler, wenn er einen taube- I Markthalle besuchen und ihre Einkäufe besorgen, wären ren Platz für sein Gemüse hat, gerne bezahlt. Der Stadt- I entzückt von der schönen Einrichtung.
Verwaltung würde man für die Einrichtung der Markt- 1 (Folgt Unterschrift.)
Gottesdienstordnuna.
llatholischer Gottesdienst.
Sonntag, den 11. März 1928. stnlda. vom 1. Veichtgelegenheiten sind: Samstag moraen» von ‘/»ß Uhr ab; nachmittags non 2—3 für Kinder; von '/-S—7 und von ViR Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von */*6 übt ab. 2. SonntagSaotteSdtentte: V.6, 6, V.7 und 7 Ubr HI. Messen mit Gelegenheit zum Empfana der hl. Kommunion. 7«7 HI. Messe und Komm, des Jugend- und Junomännerverein» in der Marienkapelle. 8 Pfarramt mit Predigt, Komm, der Kinder des 7. Schuljahres. V«10 Kathedralamt mit Predigt, ’/.ll Christen!, der Jünglinge. V.12 letzte HI. Messe mit Predigt. >/,2 Andacht zum bl. Herzen Mariä. 2 Christenl. der Jungfr. 4 Uhr Fostenprediat mit Segen. Um 7 Uhr Andacht mit Segen in der Marienkapelle. 3. WerktaaSgotteSdienste: Jeden Morgen von V,g—7 Uhr halbstündlich hl. Messen mst Austeilung der hl. Kom. V«8 Uhr Pfarrgottesdienst mit hl. Kommunion. 9 Uhr letzte hl. Messe mit Austeilung der hl. Kommun,on. Montag 5 Fastenandacht. Donnerstag 8 Uhr Fasten- predigt mit Seaen. Freitag und Samktag um 5 Uhr Andacht zu Ehren de» hl. Joseph mit Segen. — stadtvfgrrkirche. Beichtgelegenherten: Samstag nach, mittags von 3—7, 71/*—81/*, Sonntag früh von 5V»—7 Ubr. SonntagSgotteSdienste: 5‘/< Uhr hl. Messe und Komm, der Dienstmädchen, 6'/« hl. Messe und Komm, der Jünglinge. 8 Uhr erster Schulgottesdienst, Predigt und Komm, des 7. Schuljahres. 9Vi Pfarramt und Predigt. 11 zweiter Schulgottesdienst und Prediat. 9V« Andacht der JünglingSsodaliiät in der Severikirche. IV, Christenl. der Jungfr. 2’/, Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn. Um 4 Uhr Andacht für die Dienstinädchenkongreg. in der Severikirche. Die hl. Komm, wird von 51/,—7Vi jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8V, u. 9>/« Uhr. WerktagSgotteSvienste: 8.6'/», 7'1« u. 8 Uhr. Mittwoch, Freitag, Samstag früh 6 Beichte. Mittwoch 5 Kreuzwegandacht. Freitag 8 Fastenpredigt. Freitag Abend nach der Fastenpredigt und am Samstag Nachmittag um 5 Uhr ist Andacht zum hl. Joseph. — vfarriirche zum heiligen Geist. 7 Uhr Frühmesse mit Ansprache. 8 Hochamt und Predigt, Um VelQ Klnder» gottesdienst und Ansprache. (Die SodalitätSmesse fällt au8). »(.11 hl. Messe; in derselben erste Pred. als Einleitung fürdiereligiöseWocheder Männer und Jungmänner. 5 Andacht. 8 abends 2. Predigt der religiösen Woche. Während der ganzen Woche allabendlich um 8 Uhr Predigt und sakram. Segen. Bor der Schulmeffe, die 7'/« Uhr beginnt, noch eine hl. Messe um 6V« Uhr früh täglich. Beichte: An allen Wochen, tagen eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst, an den
Tagen vor Sonn- m. Feiertagen von 4—6 Uhr abends. Kommunion-AuStlg.: An Werktagen vor und nach dem Gottesdienst, an Sonn- u. Feiertagen auch im Hochamt. — St. Stnrmius-viarrNrche v.8 Kommunion. Austeilung. ‘/*8 Frühmesse mit Predigt. Komm, der Jün'linge und der Kinder de» 7. Schuljahres. V,10 Hochamt mit Predigt. »'«11 Christenl. Um '/«2 Segensandacht. Gelegenheit zur bl. Beichte iss SamStag und Sonntag Moraen von 6 Uhr an, Samstag Nachmittag Beicht- aeleaenhett ab 4 Uhr. — klbteikirche der Benebihtinerinnen Sonntag» 6 Konventamt, 8 Vesper, Werktag» 6 hl. Messe, V«9 Konventamt, 10 Uhr Vesper. — yerz - Zelu - Seim. 9 Hochamt und Predigt. 2 Segensandacht. Werktags 7 Uhr hl. Messe, Mittwoch abends 8 Uhr SegenS- andacht. Freitag abend» um 8 Uhr Kreuzweg. — Severikirche. 7 hl. Messe. 8 Oberrealschul-wtiesdienst. — ssriebhofrkapelle am zranzolenwäldchrn. Sonntag: 6V« hl. Messe mit Anfvrache und Komm.-AuStlg. Werktag?: 71/« Ubr hl. Messe mit Kommunion. Austeilung, — Frauenberg. Hl. Messen von 5 bis 7 Uhr. 8 Sin imeffe mit Predigt und JofephSandacht, 9 Hochamt mit Pred. V,8 Andacht für die Mitglieder de» Franziskaner- MrssionSderein».
Neuenberg. 7*9 Amt mit Predigt. — Lehner;. Um 8V« Uhr Amt mit Predigt. — Vieterrhan. Um 10 Uhr Amt mit Predigt.
Dienstag, den 13. März. $raueeberg. 4. DienZ- tag der Novene zu Ehren des hl. Antonius. Aussetzung de» Allerhlst. von morgen» 5 Uhr bi» zum Schluß des Hochamtes. 7*8 61. Messe mit AntoniuSandacht. V,9 Levitenamt, darauf Fassenvreditt und Kreuzwegaiidacht. Nachm. 7*5 Ugi AntoniuSandacht.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 11. März. Zulda. Vorm. 91/! Har Gnp. Ruhl. 11 Uhr KintzerootteSdienst. 6 Uhr abends Pfr. Weber. Amtswoche Sup. Ruhl. — Großenlüder. Vorm. 9V* Uhr Pfarrer Weber. — Bab Salzschlirf. Vorm. 9*/* Uhr Pfarrer Hühner, Langenschwarz.
Dienstag, 13. März. Znlba. Abends 8 Uhr Kirchenchor.
Mittwoch, 14. März. $a!ba. Um 8 Uhr abends Passionsgottesdienst in der Kirche.
Lvangel. lande,stirchl. Gemeinschaft, 5«Ida, Buttlarstr. 17.
Sonntag, 11. März, abend» 8 Uhr Evangelisotions. Vortrag. Dienstag abend 8*'< Uhr Bibel, und Geber- stunde. ES ist jedermann herzlichst eingeladen.
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Das Kreuz im Moor.
Roman von Fritz G a n tz e r.
12] ---------
Nicht nur das von ihr in seiner Ursache wohlverstandene impulsive Berühren ihres Hauptes hatte ihn erzeugt. Zu seinem Erstehen hatte die ganze sich daran lulueßende Kette eines scheuen Liebeswerbens geholfen.
Denn bet Hinnerk war es nicht nur ein flüchtiges Aufflammen gewesen, was ihn für sein Weib hatte empfinden lassen, sondern der lohende Brand einer tiefen Leidenschaft. Aber ttotz aller Tiefe und Gewalt dieses Gefühls war es Monate hindurch bei kaum merklichen Beweisen seiner Liebe und einem fast nicht erkennbaren Werben um die ihre geblieben. Es war gewesen, als ob sich Hinnerk gefürchtet, die Ungültigkeit seines einst an Gesine gerichteten Wortes: Will ich deine Liebe? Ich sage dir: Nein! zu bekennen.
Aber gerade sein ängstliches, scheues Zaudern und das deshalb so häufig zum Durchbruch kommende zärtliche Leuchten seiner Augen hatten ihn verraten und Gesines Trotz entflammt.
Ja, es war bei ihr am Ende sogar mehr als ein trotziges Jnsichverschließen. Vielleicht fast ein Widerwillen gegen ihn, eine entschiedene Abwehr seiner Bemühungen ganz sicher. Sie wollte und konnte nicht erwidern, was er ihr so plötzlich und unerwartet entgegenbrachte.
Hinnerk empfand bald und gewiß: Sie will dich nicht. Und er sagte sich: Cs ist nutzlos, was du tust. Dennoch gab er sein Hoffen nicht auf, nährte es vielmehr in aller Heimlichkeit und Stille, daß es wuchs und erstarkte, seiner Liebe Sonnenschein und Tau ward, um schließlich alle Scheu zu überwinden und das unabweisbare Bedürfnis nach einem offenen Bekenntnis zu bringen.
Es war um die Zeit, da der jungstarke Frühling im Werden stand und wie ein reisiger Held mit dem zähen, nur Schritt vor Schritt weichenden Winter um das Herrschaftsrecht als Siegespreis im Kampfe lag. In einem erbitterten, harten Kampfe, dessen Ausgang un- gewiß schien. Aber endlich rang sich das kraftstrotzende grüne Leben des Neuen, Kommenden doch durch, und
dem in Bann und Tod Zwingenden war der Fuß in den Nacken gesetzt und das zuckende Herz zertteten, daß sein gebrechliches Leben verrann.
Und nun war ein einzig Sonnenleuchten über der grünen Marsch. Ein heimliches Düsten von ersten Veilchen, die im Schutze dorniger Hecken ihre holden Augen glückselig öffneten und ihr süßes Atmen verbreiteten, schwebte in der Luft und verband sich in keuscher Hingabe mit dem würzigen, erdigen Brodern, der den im Frühdunst der Märztage dampfenden Feldern entstieg.
Und die Lerchen jauchzten.
Hinnerk schritt einen Ackerrain hinab. Seit Tagen schon suchte er die verborgene Stille einsamer Pfade und hing mit suchenden, lernenden Augen an der Landschaft. Er hatte den Frühling schon so oft kommen sehen. Immer, wie ihn der Landmann sieht: mit dem begutachtenden, prüfenden Blick, ob die Saat gut durch den Winter gekommen sei und Hoffnung auf eine reiche Ernte gewährleiste. Und daneben wohl auch ein zufriedenes Freuen oder ein sorgendurchfurchtes Gesicht. Je nach dem Befunde.
Heuer sah er den Lenz nur als Mensch, der eine Liebe im Herzen trägt. Die grünende, sich ihrem Befreier aus dunkler Kammer an die Brust schmiegende Marsch war ihm das Sinnbild seines mondealten Sehnens, das nach dem Herzen seines Weibes ttachtete; das sieghafte Licht der dem Höhepuntt ihrer Bahn zustreben- den Sonne deuchte ihn seines Begehrens Stärke und Kraft. Ueberhaupt: alles Leben ringsum mit der Fülle von Liebe und Glück, sein Leben, wie es ihm blühen würde, wenn Gesine erst voll und ganz fein eigen.
Seit Wochen rang er mit sich. An jedem Morgen erhob er sich mit dem Vorsatze, es im Laufe des Tages zu einer endlichen Entscheidung kommen zu lassen. Und der Lauf des Tages erwürgte mit der Nüchternheit feiner Geschäfte den jedesmaligen Vorsatz. Vielleicht waren es auch die kalten Augen Gesines, die Hinnerk immer wieder zum Aufschieben veranlaßten.
Wie lange sollte diese Unentschlossenheit, dieses zaudernde Ueb erlegen noch währen? War es nicht endlich an der Zeit, sich von aller Ungewißheit zu befreien mit einem energischen Ruck und einem erlösenden Ab schütteln?
Hinnerk blieb aufatmend stehen und reckte sich. Ja, es war eine Torheit, dem feigen Zaudern noch länger Gefolgschaft zu leisten. Hinweg mit allem, und zur Stunde noch ein offenes Wort!
Und Hinnerk Jörnsen wandte sich stracks, um zu feinem Weibe zu gehen und zu ihm von seiner Liebe zu reden.
Das plötzliche Entschließen gereute ihn während he» ganzen Heimweges nicht, ja, es gewann im Angesicht der lebensgrünen Marsch noch an Stärke und Freudigkeit. Seine Augen glänzten, als er auf den Hof trat und verloren auch dann noch nichts von ihrem hellen Schein, als er mit festen Schritten über die Diele ging.
Aber bei seinem Eintritt in das Wohnzimmer erlosch das Licht in ihnen und etwas Eisiges packte ihn mit harten Fingern ans Herz.
Da stand Gesine vor dem Totenschein an Der Wand und schmückte ihn mit einem Veilchenkranze . . ,
Ganz versunken war sie in ihre Tättgkett. Ihre wohl- gerundeten, bis zu den Ellenbogen entblößten weißen Arme hatte sie erhoben, um den Kranz zu befestigen. Leicht nach hinten übergeneigt war ihre schlanke, ebenmäßige Gestalt. Und das schöne Haupt lag in dem stolzen Nacken: Sie war wie der lachende, lebensgesegnete Frühling draußen in der Marsch.
Hinnerk stand immer noch schweratmend in der Tür und wagte sich nicht hinzu. Aber ehe der letzte Rest seines gewissen freudigen Willens schwand, ehe es zu einem scheuen Zurücktreten kam, rissen ihn all seine Sinne zurecht.
Verdiente er überhaupt noch, Mann zu heißen, wenn sein Mut abermals kläglich in sich zusammensank?
Mochte es enden, wie es wollte! Aber Klarheit, Gewißheit jetzt auf jeden Fall!
Mit zwei großen, hatten Schtttten trat er hinzu und nannte Gesines Namen mit vor (Erregung zitternder Stimme.
Sie blickte sich schnell um, ohne erschrocken zu fein, und sah ihn mit Augen, in denen der alte kalte, abweisende Blick war, wie er ihn seit langem kannte, an. Und kein Wort kam über die hart aufeinandergepreßten Lippen. Dann ttchtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder \ auf das Befestisen des Peilchenkrgnzes. Erft als sie
diese Tättgkett zu ihrer Zufttedenheit beendet hatte und inzwischen der Klang ihres Namens von neuem über Hinnerks Lippen gegangen war, wandte sie sich ihrem Manne zu.
„Was fall'», DhrnerfT
„Ich will mit dir reden, GSstne. Ich muß dir etwas sagen. Setze dich dott auf den Stuhl oder auf jenen, ober wo du willst . . ,*
„Laß doch/ unterbrach sie herb, „ich werd's im Stehen auch anhören können, was du mir zu sagen haft." Sie trat ein paar Schritte zur Seite und lehnt» sich leicht gegen den Tisch. Was es sein würde, das Hinnerk reden wollte, glaubte sie zu wissen. Sein ganges aufgeregtes Wesen, seine zittrige Stimme und vor allem bas flackernde Licht seiner Augen waren gewisse Verräter.
Sie streifte dm Totenschein an der Wand mit einem Blick, der zu sagen schien: Sei nur gakrz unbesorgt, du ferner Toter, du mein Klaus! Meines Herzens Sim nen war und bleibt dein.
Hinnerk beobachtete da» flüchtige Hinübereilen ihrer Augen nach der Wand und krampfte seine Hände.
„Zhi bist immerfort bei dem, was tot ist, Gesine," Hub er mit einem leisen Dorwurfe im Ton an. „Du schenkst ihm die ersten und letzten Blumen des Jahres, du sinnst ihm nach und vergißt das Leben neben dir.' Sie wollte ihn unterbrechen. Aber er erhob abwehrend die Hand und redete mtt festerer Stimme weiter. „Es ist etwas Gutes um die (Erinnerung. Ganz ge> wiß. Und ich hab' dir die Treue, die du meinem Bruder beweist, immer gedankt. Seit langem aber schon vermag ich's nicht mehr. Es macht mich krank, daß du dem Alten nachhängst. Und mein Herz zittert, wenn du so fremd an mir vorübergehst Tag für Tag und Woche um Woche, nun schon über ein langes Jahr."
„Du wolltest es einst so. Denke an die Stunde, da bu vor mir standest und mich zum Weibe begehrtest." Gesine kreuzte die Arme über die Brust und blickte noch abweisender denn vorhin.
„Jjaft bu bas vergessen?"
- (Fortsetzung folgt).