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Beilage l5M)

^«Zeiger für die Stadt Aulda und den Landkreis Aulda. Amtliches Kreisblatt

Nr. 59

Samstag, 10. März 1928

55.Zahrss

Monatlicher Dezuasprgis 1,80 Mk.

MiliiSnsche Vorbereitung in Transjorbanien

die

Talles wittert Attentat.

aus

äsen-

lebens von einem hohen, ichsüchtigem Interesse in keiner Weise dienstbaren Standpunkt aus gegeben werden, wenn neben und über der körperlichen Wohlfahrt auch die seelischen und geistigen Wünsche des Gefamtvolkes gefördert werden, wenn hinsicht­lich des Materiellen sich jeder Staatsbürger der Wahrheit des Satzes bewußt bleibt: Vor- überg-ehend kann man sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichen, aber die dauernde Wohlfahrt des Einzelnen ist unweiger­lich abhängig von der dauernden Wohl- fahrt des Ganzen. Staatspolitik ist also nur möglich, wenn sie von Parteien geführt wird, deren Handeln von weltanschaulichen, idealistischen Grund­sätzen geleitet wird.

Die konsequente Durchführung des standespar- teilichen Gdankens fiihrt zur Atomisierung der po­litischen Kräfte, zur rücksichtslosen Auslieferung des Schwachen an den Starken. Die Angehörigen des Mittelstandes, die von der Wirtschaftspartei oder ähnlichen Parteiasbilden ihr Heil erwarten, sollen sich einmal das Schicksal ausmalen, das ihnen be­reitet würde, wenn beispielsweise die über ganz an­ders Mittel verfügenden Gruppen des Großkapi­tals und der Großindustrie sich zu gleich isoliertem -Vorgehen entschließen würden, wenn von diesen Gruppen die Klammern abfielen, die ihnen von den weltanschaulich fundierten Parteien angelegt sind und die sie zwingen, nationalpolitische und ge- samtstaatliche Gesichtspunkte nicht ganz außer Ächt ZU lassen.

Der standesparteiliche Gedanke ist der Vater der Parteizersplitterung und damit der Krisenerschei­nungen, die unser heutiges staatliches Leben un­zweifelhaft aufweist. Wer einen Mick auf die Rsichs- tagsverbandlungen der letzten Jahre wirft, wird zweierlei bemerken. Er wird erkennen, daß die Sckwierigkeiten, die einer schnellen und guten Er­ledigung wichtiger Beratungsgegenstände so oft be­reitet worden sind, zum größten Teil auf das Konto desStandesegoismus gehören, und er wird zweitens einsehen, daß der Standesegoismus gar mwt in der Lage ist, kompakte Kraftzentren zu schüfen, sondern, daß er mit Naturnotwendigkeit zur Eigenbrödet«i und Zersplitterung führt. Wann jemals hat die Wirtschaftspartei, die doch das größte standessgoistische Parteigedilde ist, das unser po­litisches Leben bisher aufzuweisen hatte, geschlossen abgestimmt. Wann haben die kleineren Partei­gruppen dieler Art es jemals vermocht, auf den Gang der politischen Geschehnisse irgendeinen Ein­fluß zu üben. Was anderes ist der tiefere Grund für die Schwierigkeiten innerhalb der sozialdemo­kratischen Partei als das ständige Streben ihres linken Flüaels nach rein standesegoistischer Ein­stellung. Wo man auch hinblickt, erweist sich das standesparteiliche Prinzip als ein Hemmschuh der politischen Fortentwicklung.

Aus London wird gemeldet: Don den Gren­zen Arabiens liegen ernstere Nachrichten vor, die darauf hindeuten, daß im nördlichen Gebiet die kriegerischen Wababiten bereits den von Ibn Saüd verkündigten Heiligen Krieg begonnen ha­ben. Eine britische Abteilung von 10 Panzerwagen, zehn Flugzeugen und einer Anzahl von Transport­wagen ist in der Nähe der Grenze von Nedschd südwestlich von Basra stationiert, Marinetruppen und Matrosen des Kriegsschiffes „Emerald" durch- ziehen täglich die Straßen. Cs wird berichtet, daß kleine Abteilungen von Wcchabiten Dörfer im Transjordanland angegriffen und besetzt haben, und daß die Automobilstraße von Bagdad nach Damaskus zeitweilig unterbrochen fei.

wtb. Jerusalem, 9. März. (Cig. Funkm.) Einem Bericht aus Amman (Transjordänien) zufolge sol­len drei Wahabiten-Lager, und zwar in Sazul, unter dem Befehl von Faisal ed Dowisch in Temai sowie in Tabuk unter anderen Führern festgestellt worden sein. Die Eingeborenen fürchten, daß ein Angriff auf Transjordanland von drei Seiten aus erfolgt. An amtlicher Stelle werden diese Nachrichten jedoch auf die begreifliche Ner­vosität der Beduinen zurückgeführt und nicht für zutreffend gehalten. „Times" berichtet aus Jerusalem: Alle Mitglieder der Grenzstreitkräfte, die sich auf Urlaub befanden, sind zurückberufen worden. Der größte Teil der britischen Luftstreit­kräfte wurde von Surafend in der Nähe von Jaffa nach dem Transsordanland gesandt.

Vie Indier und England.

Der Swarajistenführer Pandit Motilal Nehm erklärte in der .gesetzgebenden Versammlung in New Dehli: Es sei richtig, daß das Militärbudget der Sowsetregierung angewachsen sei; dies sei je« doch auf die Tatsache zurückzusübren, daß ö:e Russen tn dauernder Gefahr davor leben müßten, daß England einen Krieg gegen sie anftifte. Nehm kritisierte die Verwendung von indischen Soldaten gegen ihren Wunsch in China. Er schloß mit den Worten: „Ich sage Großbritannien, daß der Tag der Abrechnung nicht mehr fern ist." Der mohammedanisch« Führer Jinnah erklärte, die britische Regierung verhindere Indien am Besitz eines nationalen Heeres.

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Sn der Ratssitzung am Freitagmorgen machte Chamberlain in einer längeren Rede den Versuch, die Einigung zwischen Rumänien und Ungarn herbeizuführen. Er richtete einen feierlichen Aufruf an den guten Willen der beiden Parteien, sich zu verständigen.

Das Echo in Spanien.

wtb. Madrid, 8. März. (Cig. Funkm.) Nach der Beendigung des heute abgehaltenen Minister­rats erklärte Ministerpräsident Primo de Ri­vera: Wir haben mit Genugtuung erfahren, daß sich der Völkerbund mit der Frage des Wie­dereintritts S p a n i e ns in den Völkerbund beschäftigt hat. Wir haben zwar noch keine amt- liehe Mitteilung hierüber erhalten, freuen uns aber, daß Spanien als ein nützliches Mitglied des Völkerbundes angesehen wird.

Staatspolitik oder Standesegoismus

2)as Ringen der Parteien um die Seele der Wählerschaft befindet sich gegenwärtig noch im Sta­dium einer mehr oder weniger sorgfältigen Vor- vEreitung. Das Kampfgelände wird fondiert, dte Stoßtrupps gebildet, der Nachschub geregelt und durch gelegentliche Vorstöße der Aufrnaflch der Geg- ner zu stören gesucht. Dies Vorpoftengeplänkel Dauert schon Wochen und weitere Wochen werden Ms Land gehen, bis diese gelegentliche Effekt­hascherei zur Nebensache wird und die Hauptihlacht beginnt. Nur eine Gruppe von Gegnern das heu­tigen Staatsaufbaues scheint ihre Offensive bereits planmäßig beginnen zu wollen, eine ganz isolierte ®n2pP.e’ E iwn Mitteln einer primitiven und besfjalb etwas beleidigenden Demagogie die Wähler- massen entpolitisieren will. Denn etwas anderes bedeutet das Ziel nicht, daß von den Ver- freiem des reinen Standesegoismus, von den Agi­tatoren tL’r Standesparteien empfohlen wird. Diese Leute predigen die Abkehr von der Weltan- schauungspartei. Sie verlangen den Zusammen­schluß nach grob-materialistischen Gesichtspunkten und sind eifrig bemüht, die Unzufriedenheit, die sich hier und da angesammelt hat, auf die Schultern der alten politischen Parteien zu wälzen.

Die von den Drahtziehern der Standesparteien betriebene Agitation ist unwahrhaftig, well sie den Splitter im Auge des anderen vergröbert und den Balken im eigenen vollständig leugnet; sie ist unpoli­tisch weil sie den in erster Linie das volklZche Leben vorwärtstreibenden Kräften nicht den Rang ein« räumt, der ihnen gebührt, und sie ist schließlich un- natwnal, weil sie in konsequenter Durchführung das Gefühl der Volksverbundenheit aufheben und einen krassen Machtkampf innerhalb der Nation an dessen Stelle setzen muß.

Wirkliche Politik ist überall, ganz besonders bei uns in Deutschland nur denkbar als Staatspolitik, d. h. ein erträgliches Zusammenleben aller Schich­ten eines Volkes in dem ihm gegebenen Raum ist nur möglich, roemi die Richtlinien dieses Zusammen»

Die Genfer Verhandlungen

..„ Zu her Geheimsitzung des Völkerbundsrates über die rumänifch-ungarische Optanten« frage erfährt bet Sonderberichterstatter desVDZ-, Büros aus Kreisen der fremden Delegationen, daß wenig Neigung vorhanden sei, die Angelegen- ye:t 'm irgend einer Form dem ständigen inter­nationalen Gerichtshof im Haag zu überweisen, da bei der gegensätzlichen Auffassung der beiden Par- i5'E,,.du°lllrchkelten zur juristischen Lösung des Konfliktes kaum mehr vorhanden seien. Es habe nunmehr den Anschein, daß man im weiteren Ver­laufe der Beratung nach der Möglichkeit einer finanziellen Transaktion suche, mit der sich Ungarn einverstanden erklären könnte, andernsalls bliebe für diese Tagung kaum etwas anderes als die wei- ter« Vertagung der Frage übrig.

kenden Studenten zu Unruhen. Wie ver­lautet, wurde nur ein Ausländer verletzt, und zwar, der Leiter der amerikanischen Hochschule in Ass' ut, Dr. Russe, dessen Studenten die Teil­nahme an dem Streik ablehnten, nachdem sie dazu von den Studenten der Scheich-Schule aufgefordert worden waren. Letztere griffen das Schulgebäude an und zertrümmerten die Fensterscheiben mit Stemwürfen, konnten jedoch zurückgedränqt wer­den.

Die Londoner „Evening News" bezeichnet die Ausschreitungen in Kairo als ernst. Die Zahl der Aufständigen, die b<e Polizei angriffen und mrt Steinen beworfen haben, betrug 1500. Die Polizei trug Stahlhelme und Schilder als Schutz gegen den Steinhagel. Unter den 28 verwundeten Stud-rnten befinden sich d r e i Sch w e r v e r l e tzte Me Tore des Hauptquartiers der nationalistischen Partei wurden von Studenten gestürmt. Der in­zwischen emgetrosfene Vorsitzende der Kammer und ssuhrer des Wafd, Nahas Pascha, beschwor die Studenten, sich nach Hause zu begeben. Nach wei­teren Ausschreitungen wurde fein Rat befolgt und die Mehrheit der Studenten zerstreute sich. Dem Blatt zufolge werde in amtlichen Kreisen in Lon­don die Lage in Aegypten mit Besorgnis verfolgt.

In T a n t a h verbrannten Studenten drei Auto­mobile, darunter das des ägyptischen Kommandan­ten.

wtb. London, 9. März. (Eig. Funkm.) Die Lage in den Provinzen scheint bedrohlich zii sein. Der Sckmuplatz der ernsten Unruhen ist Tanta. Der Pöbel steckte dort drei Lastkrakt-

Der Parteioorstand des Zentrums setzte am Freitag im Reichstage feine Beratungen fort

Das Notprogramm.

Rentenbankkredikanstalk und Preußenkasie.

Von dem Notprogramm der Reichsregierunq ist die Novelle zum Gesetz über die Rentenbank­kreditanstalt noch sehr umstritten. Es handelt sich bei dieser Novelle bekanntlich darum, daß der Ge- schäftskreis der Rentenbankkreditanstalt durch die Zulassung kurzfristiger Personal, kredite erweitert werden soll. Die preußische Regierung, die in der Novelle eine Aktion gegen die Preußenkasse erblickt, wird gegen die Novelle stimmen. Aber auch noch einige andere Staaten, darunter Bayern, werden, wie die „Voss. Ztg." wissen will, der Novelle die Zustimmung ver­sagen. Das Blatt hält daher die Ablehnung der Novelle im Reichsrat für wahrscheinlich, was, wie das Blatt weiter ausführt, nicht ohne Einfluß auf das Schicksal dieser Vorlage und damit des gan­zen Notprogramms wäre, da dieses ja als ein- h e i t l i ch e s Ganzes behandelt werden soll. Der ,,DAZ.„ zufolge sind Einigungsbestrebungen in die- fer Frage im Gange.

Nus Öen Parlamenten.

Deutschnakionale und Deutsche Volkspartei streifen sich um die Bildung.

Die Plenarsitzung des Reichstages am Don­nerstag war lediglich der Fortsetzung der zweiten Beratung des Haushalts des R e i ch s v e r - kehrsministeriums gewidmet. Die Sit- zung, die von nicht allzu langer Dauer war und Ziemlich ruhig verlief, wurde nur kurz durch einen Zweimaligen Ordnungsruf gestört, den sich der Redner der Nationalsozialisten wegen einiger parlamentarischen Entgleisungen gefallen lassen mußte.

Der hier schon gewürdigte Angriff des Dolks- parteilers Dr. Mittelmann gegen den Reichsver­kehrsminister Koch hatte ein Nachspiel:

Abg. Dr. Ouaatz (Din.) mantite sich gegen die Be­merkung des Abg. Dr. Mittelmann gegen den Ver­kehrsminister, daß mit dem Amt nicht das nötige Wissen übertragen worden sei und daß deswegen seit dem Ausscheiden des Ministers Dr. Kröhne das Ser« kehrsminilterium Hz Schätzung der OefjenllichM

rott. London, 9. März. (Eig. Funkm.) Der bekannte brttische Arabienkenner St. John Philby, der britischer Hauptvertreter im Trans­jordanland von 1921—1924 war, drahtet der „Daily News" und „Westminister Gazette" aus Dscheddah über die Lage an der Irakgrenze: Zuverlässigen Informationen zufolge hat das Bestehen der Be- Hörden des Iraks und des Transjordanlandes auf den Bau von Forts an der ganzen Wüsten- grenze den Beduinenstammen ernste Besorgnis verursacht. Die augenblickliche Beunruhigung ist allein auf den Bau des Busaiya-Forts an der ®re»3e von Nedschd zurückzuführen. Der allge­meine Eindruck in Dscheddah ist, daß Großbritan­nien wünscht, die Vertragsgrenzen auszudeh- nen für den Bau einer strategischen Eisenbahn von Apaba nach Basra. Die Verwirklichung einer solchen Absicht würde allgemeine Erregung ver­ursachen und Ibn Sauds Bemühungen, Stämme zu beruhigen, erschweren.

Der Pöbel steckte dort drei Lastkraft­wagen in Brand, die für den Transport der Poli- ,zei gebraucht wurden. Die Volizeimannschaften ga­ben Schreckschüsse ab, um die wütende Menge zu zerstreuen. Laut „Daily Mail" besteht die Mög­lichkeit der Bidung eines Ministeriums mit Te w- ' i k N e l l i rn P a s ch a, der bereits früher ein­mal Premierminister war.

sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Duchenblätter". Rotationsdruck und Verlag oer Fuldaer Actiendrnckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Die Lage in Hegppfen.

3n Kairo, Assiut und T a n t a h kam es am Donnerstag bei Demonstrationen der strei -

Der Reichsparteivorstand des Zentmms hielt aeme.nsam mft den Vorsitzenden der Landesver­bände und den Generalsekretären eine Sitzung ab, an der auch Reichsftnanzminister Dr. Köhler, Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und Dr. Wirth teilnahmen. Dr. Stegerwald, der die Sitzung leitete, überbrachte die Grüße des ersten Vorsitzen­den, Reichskanzlers Dr. Marx, dessen Gesund­heitszustand noch immer nicht so ist, daß er an den Verhandlungen teilnehmen konnte.

Den größten Teil des einleitenden Referates Dr. Stegerwalds nahm die Erörterung des Pro­blems Reich und Länder ein. Der Partei­vorstand genehmigte dte von einem Ausschuß aus­gestellten Grundlinien, die das Problem unter oem Gesichtspunkte der föderativen Grundeinst ü- hing der Zentrumspartei behandeln. Dte politische Aussprache wurde mit einem Referat des General­sekretärs Dr. Vockel eingeleitet, der die Aus­gaben des kommenden Wahlkampfes umriß. Zur Vorbereitung des Wahlaufrufes wurde eine Kommission eingesetzt. Der Ausruf soll am 12. April dem Reichsparteiausschuß vorgelegt wer­den.

Die endgültigen Wahllisten sollen bis zum 11. April fertig gestellt fein. Ein Parteitag findet vor den Wahlen nichtmehr statt.

Der Tod unter der Erde.

rotb. Bunzlau, 9. März. (Eig. Funkm.) Ein schweres Grubenunglück ereignete sich ge- stern auf der benachbarten Grube Herschelswal- dau. Bei der Auftahrt eines Förderstuhles t!ß das Seil, und der Förderkorb, der von einem Be­amten verbotwidriq zum Befördern von Holz be­nutzt wurde, stürzte ab. Der Beamte erlitt hierbei schwere Verletzungen. Das schadhafte Gestell, das von der Rettungsmannschaft verbotwidrig zur Bergung des Verunglückten benutzt wurde, stürzte bei der folgenden Ausfahrt abermals ab, wobei der schwerverletzte Beamte und ein Beramarm sofort getötet wurden und ein weiterer Bergmann so schwere Verletzungen erlitt, daß an seinem Aufkom­men gezweifelt wird.

* Steuerhinterziehungen bei der Verwaltung des Prinzen Friedrich von Hohenwllern? Das „B. T." meldet aus Sigmaringen: Die Steuerbehörde hat große Steuerhinterziehungen und Verschleierungen bei der Verwaltung des Prinzen Friedrich von Hohenzollern im Zusammenhang mit Holzqesell- schaften entdeckt. Die Finanzbehörde hat die Akten beschlagnahmt^ Der Prinz, der zurzeit in Freiburg ift, ist nach Sigmaringen.zurückberufen worden.

* Die Erweiterung des Stimmrechts für Frauen in England. Den- englischen Blättern zu­folge hat das Kabinett den Gesetzentwurf über die Ausdehnung des Frauenstimmrechts auf die Zeit vom 21. Lebensjahre ab endgültig gebilligt.

* Die Mitglied erzähl der kommunistischen Par­tei der Sowjetunion. Nach Angaben des Zen­tralkomitees der kommunistischen Partei der Sow­jetunion b einig die Mikgliederzahl am 1. Oktober 1927 1120 000, davon 630 000 Arbeiter, 252 000 Sauern und 213000 Angestellte und 24000 an­deren Serufen Angehörende.

üstb. Meriko, 8. März. (Eig. Funkm ). Zu der deutschen Holund meb ®°J- es fei geplant gewesen, 1 “^Itepek, das dem Präsidenten

Calles als Wohnsitz dient, vom rJ^°mbCK $u bergen und öl|Cll, bahnzuge, m denen Calles oder Obrigon etwa Die Polizei hat auch eine weitere Person wegen angeblicher Teilnahme an dieser Beschwörung vechastet. Die beiden Verhafteten «mären, daß fit von der ganzen Ange­legenheit nichts wüßten. a

" Ms des Zentrums, verloren habe. Es komme nicht darauf an, welche Schule ein Mann durchläuft, sondern wie er sich in der Schule des Lebens bewährt. (Beifall bei den Dtn. und links.) Er kenne keine n häßlicheren Hoch­mut als den Hochmut der Bildung. <Er- neute lebh. Zustimmung links.) Was die wissenschaft­liche Bedeutung betrifft, so habe der jetzige Verkehrs- Minister den Ehrendottorhut einer Universität erhalten, eine Auszeichnung, auf die Dr. Mittelmann, wohl noch sehr lange werd« warten muffen. (Heiterkeit.) Gerade bei der Beteiligung an den Kraftverkehrsgesellschaften und bei anderen von Dr. Mittelmann besonders scharf kritisierten Dingen habe der . jetzige Minister nur die Politik seines Vorgängers fortgesetzt. In anderen Fragen habe er erfolgreicher arbeiten können als Dr. Kröhne, der einen gewissen Ressorfpartikularismus zeigte. Es sei manchmal recht gut, wenn der Minister kein Fachmann sei.

Abg. Dr. M ittelmann (D. Dp.) erwiderte dem Abg. Dr. Quaatz, er habe bei seinen Aeußerungen gegen den Reichsverkehrsminister nur für seine Person ge­sprochen. Der Redner fuhr fort: Sehr interessant war mir die Bemerkung des Abg. Dr. Quaatz, daß es weni­ger auf die Schulbildung ankomme als auf die Schule des Lebens. Ich habe dazu aus vollem Herzen bravo! und lehr richtig! gerufen, denn das ist auch mein Standpunkt. Herr Dr. Quaatz hat aber diesen Standpunkt nicht immer eingenommen. (Sehr wahr! links.) Ich erinnere daran, wie er und die Deutschna­tionalen über den „Sattlergesellen" Ebert und den „Schlosser" Severing hergefallen sind (Stürmische Zustimmung links), wie sie sich entrüstet haben, wenn ein Arbeitersekretär Landrat wurde (Sehr wahr! links). Ich habe die Heranziehung tüchtiger Arbeiter zu sol­chen Posten immer begrüßt. So weit gehe ich aller­dings nicht, daß ich fachmännische Qualitäten für über­flüssig oder gar schädlich bei einem Minister halte. So hat auch Herr Dr. Quaatz nicht gedacht, als er Mit­glied unserer Fraktion war: das hat er erst bei den Deutschnationalen gelernt. (Heiterkeit.)

Arn Freitag 14 Uhr wird die Weiterberatung des Derkehrsetats fortgesetzt.

Preußischer Landtag.

Vor Eintritt in die Tagesordnung ehren die Abgeordneten di« Opfer der neu erlich en Eruben- katastrophe durch Erheben von den Sitzen. Han- delsminister Dr. Schreiber gibt zu dem Unglück eine Erklärung ab. Alsdann wird die Aussprache über den Handelsetat fortgesetzt und beendet. Die Abstimmungen werden auf bett 15. März verscho­ben. In rascher Folge erledigt dann das Haus oie Abstimmungen zum Bergetat, das Aussührungsge- setz zum Viehseuchengesetz, die zweite Beratung des Tierärztekammergesetzes, den Haushast der See- handlung und di« restlichen Titel zum Wohlsahrts- etat. Schließlich wird noch die zweite Lesung des Justizetats abgeschlossen. Um 16 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag 10 Uhr: Zweite Bera­tung des Haushalts des Staatsministeriums.

Gegen die Familienfideikommisse.

Die demokratische Fraktion im Preu­ßischen Landtag beantragte eine Entschließung, die auf beschleunige Auflösung der Familien-Fidei- kommisse hrnwirft. Es wird gefordert, daß ein bestimmter Endtermin für die Durchführung der Auflösung festgesetzt und die Umwandlung der Familien-Fideikommisse in Besitzungen, die prak­tisch auf eine Umgehung des Auflvsungsgefetzes hinauskommen kann, verhindert wird. Vor allem aber wird verlangt, daß die Gläubiger der Fidei- kommißbesitzer angemessener geschützt werden,, zum mindesten dadurch, daß dem Besitzer.ein freier und damit dem Zugrifl der Gläubiger unterliegender Anteil schon vor der Auflösung gewährt wird.

Zurzeit bestehen in Preußen noch 980Fami- lien-Fideikpmmisse mit einem Gesamtareal von 1760 000 Hektar, die noch aus Jahrzehnte durch ein Sonderrecht als Latifundien erhaltenblei- den.