Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Arelsblakk.
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Nr. 55.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer dlctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. x Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
Dienstag, 6. Mürz 1928.
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äö.Zahrg.
Die Wahlergebnisse in Polen.
wtb. Warschau, 5. März (Eig. Funkm.) Da die Wahlergebnisse aus den Landkreisen nur sehr fragmentarisch vorliegen, ist es noch nicht möglich, ein sicheres Bild über die Veränderungen, die durch die gestrigen Sejm-Wahlen hervorgerufen worden sind, zu gewinnen. Sicher ist, daß in den Städten Kongreß-Polens, Galliens und des Osten» die Pilfudski-Regierungsliste große Erfolge errungen hat. In Warschau hat sie sechs Mandate errungen. Auch in Wilna, Lublin, Lemberg und Krakau hat die Regierungsliste gut abgeschnitten.
Für diese Erfolge des Regierungsblocks haben nach den bisherigen Zählungen vor allen Dingen die Rechte und die Sozialisten bezahlen müssen. So haben in Warschau sowohl Rechte als auch Sozialisten ungefähr 40 Prozent ihrer bei den Sejm-Wahlen im Jahre 1922 gewonnenen Stimmen abgeben müssen. 3m Gegen- saß hierzu haben die Sozialisten in Lodz einen wirklichen Erfolg errungen und haben dort drei Mandate zu buchen. Auch in Westgalizien, der einstigen Hochburg der polnischen Sozialisten, scheinen sie sich im Großen und Ganzen behauptet zu haben. Hingegen dürften sie in Lemberg Mandate verloren haben.
In Posen und in Pommerellen hat die Rechte ihren Desißstand im allgemeinen behauptet. Dort hat die Pilsudski-Liste sehr unbedeutende Erfolge erringen können. Die Deutschen scheinen
in Vosen und Pommerellen ausgesprochen g u t a b- geschnitten zu haben. Jedenfalls wird 'N polnischen Meldungen — wahrscheinlich nicht ohne propagandische Nebenabsichten die starke Wahlbeteiligung der deutschen Bevölkerung hervorgehoben. ■
Stark gewonnen haben auch die Äommun t»' sten, vor allem in den Städten und in dem Koh- lenrevier von Dombrowa.
Die Wahlbeteiligung war ungleich, mäßig. Sie schwankt in den einzelnen Kreisen zwischen 60—90 Prozent, in Wartschau betrug sie 72 Prozent. Die höchsten Beteiligungszisfern meldet der Westen des Landes, so Kctttowitz unb' BronKerg mit je 90 Prozent, Griesen 85 Prozent und Graudenz je 80 Prozent.
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Der Wahlgang, der um 9 Mir abends abge- schlosien wurde, hatte im ganzen Lande einen ruhigen Verlauf. Die Ordnung wurde nirgends gestört. Unbedeutende Zwischenfälle sind, ohne daß die Polizei einzuqreifen brauchte, beigelegt worden. Nur in Krakau wurden elf Personen wegen unerlaubter Organisation innerhalb der Bannmeile der Wahllokale sistiert.
Das wahlrrsnllat In Osl-Oberschlesien.
wtb. Warschau, 5. 3. (Gig. Funkm.) In allen drei oberlchlesischen Wahl-Kreisen, welche zusammen 17 Mandate zählen, hat der Minderheitenblock 6 Mandate, die Regierungsliste 7 Mandate, die polnischen und deutschen Sozialisten 1 Mandat. Korfanti) 3 Mandate.
Ter Zentrumsparteitag in Baden.
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Mussolinis Antwortrede an Seipel
4kes au» dem Ganzen heraus zu sehen und r» m pfleglich zu behandeln: drittens darin, baß
Stegerwald spricht in Duisburg
Kundgebung bet rheinisch-westfälischen Zentrumsarbeiter.
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Tor der vollbeseßien italienischen Kammer hielt am Samstag nachmittag Mussolini seine Ant-, wortrede an Seipel. Der Ministerpräsident betonte, daß er mit seiner Antwort sehr lange gezögert habe, weil er zuvor die Rede im offiziellen Text lesen wollte, ferner weil er mit dem Gesandten in Wien konferieren wollte und endlich, weil er der Angelegenheit nicht allzugroße Bedeutung geben wollte, denn Italien sei ein großes starkes Land von 42 Millionen Einwohnern und Oesterreich sei eben das, was es sei. Wenn Seipel, der so manche hervorragende Eigenschaften habe, nicht selbst das Wort ergriffen hätte, hätte er die Sache schwimmen lassen, aber heute antwortete er zum letzten Male, denn wenn solch ein Vorfall sich noch einmal wiederholen sollte, würden die Tatsachen reden, und daß möge genügen.
Nach dieser Einleitung begann der Ministerpräsident mit der Polemik, die lediglich die Gedanken wiedergab, welche die italienische Presje in der vergangenen Woche ausgeführt hatte. So zählte er die Wohltaten auf, die Italien Oesterreich in politischer wie in anderer Hinsicht erwiesen hätte. Er erinnerte an die Schulden Oesterreichs gegenüber Italien und wietv-holte die Ausführungen der Presse, daß die Südtiroler eine verschwindende Minderheit gegenüber der gesamten Bevölkerung Atari-ns bildeten.
Don besonderer Bedeutung war die unter lau- kem Beis„ss abo-g-bene feierliche Erklärung, daß fcte faschistisch? Regierung die Versprechungen früherer italienischer Staatsmann-! nicht anerkenne. Alsdann leugnete er jedwede schlechte Behandlung der Sudtum'-r ab, sagte aber kein Wort über den deutschen Drinatunterricht und ebenso auch nicht uher das Verbot des Religionsunterrichtes in der Muttersprache. Ferner verbat sich der Minister- nräsid-nt '"de -n^ländische Einmischung in dieser Angelegenheit. Er drohte damit, daß sämtliche deutschen Zeitungen in Südtirol verboten werden würd-n. Fern»r teilte er mit, daß die Beamten aus früherer Zeit, von denen sich noch mehrere Hundert im Dienste befänden, entweder zugeben wüßt-n. nach d-m Innern Italiens versetzt,' oder «'--gesetzt -u werden.
testgestellt. Gutem Vernehmen nach verläßt der iugostawische Außenminister Marinkowitsch bereits Montag und der tlchecho-slowakische Außenminister Benesch Dienstag Genf.
Im weiteren Verlaufe derRede schilderte er, wie die Italienisierung Fortschritte mache. Er sagte, daß das Geschrei nördlich des Brenners daher rühre, daß man bis jetzt überall überzeugt sei, daß das Deutschtum in Südtirol die Partie verloren habe. Zum Schluß leugnete Mussolini, daß die Angelegenheit vor den Völkerbund gebracht werden könne. Italien wolle mit dem Deusichtum gut stehen, unter der Bedingung, daß die Brennergrenze nicht an getastet werde.
Nachdem der Ministerpräsident gesprochen hatte, erscholl in der Kammer ein gewaltiger Beifall, und die Abgeordneten stimmten das Faschistenlied an.
Der deutsche Klerus in Südtirol zum verbot des deutschsprachigen Religionsunterrichtes.
Der deutsche Klerus der Diözese Trient hat an den Fürstbischof Edrizzs das Ersuchen gerichtet, beim Vatikan einen Visitator für Südtirol zu erbitten. Diese: müsse politisch neutral sein und die deutsche Svrache können sowie womöglich einem neutralen Staate angehören, damit er das Vertrauen gewinne. In der Konferenz der deutschen Dekane der Diözese Trient erklärten sämtliche Anwesenden dem Fürstbischof, daß die Erteilung des R eligionsu nterrichtes in i ta IIeni. scher Svrache von der gesamten deutschen Geistlichkeit abgelehnt werde. Die Dekane ersuchten den Fürstbischof um Intervention beim Vatikan. Der Klerus des Dekanats Mals hat beschlossen, sich durch kein Verbot von der Erteiluna des Religionsunterrichtes in der Muttersprache abbringen zu lasten.
verbot der „vossischen Zeitung- In Italien.
Die „Dossische Zeitung" ist durch Verfügung der italienischen Behörde für das ganze italienische Staatsgebiet verboten worden. Als Grund wurde dem Korrespondenten des Blattes die „anti- italienische und antifaschistische" Haltung der „Dos- fischen Zeitung" angegeben. Verlag und Redaktion haben sich beschwerdeführend mit der Bitte um j Schutz und Vermittelung an das Auswärtige Amt gewendet.
Jur Genfer Tagung.
Die ersten vefprechungen.
Entgegen mancher Erwartung brachte der Sonntag außer einer Zusammenkunft der Kleinen Entente keine weiteren Besvrochungen der bereits vollz'chlig hier anwesenden Ratsmitglieder, lieber das Ergebnis dieser zweistündigen Zusammenkunft wurde ein Communique ausgegeben, das besagt, daß Venesch, Marinkowitsch und Titulescu einen Gedankenaustausch über die allgemeine politische Lage hatten und sich über die von ihnen in den Fragen von aktuellem Intereste einzuhaltende Linie verständigt haben. Sie haben dabei von neuem Äie absolute Uebereinsümmung ihrer Auffassungen
tagsfraktion unter Fühlungnahme Landespartei hätte gehen müssen.
Bei der Besprechung deS Reick wurde verlangt, daß aus Baden
Reichsm'nister des Aeßeren Dr. (strefe- mann ist in Begleitung von Staatssekretär Dr. v. Schubert Sonntag mittag 11J4 Uhr von der französischen Riviera kommend in Genf eingetroffen Auch der englische Außenminister Ehamberlain traf am Sonntag vormittag von Paris kommend, wo er aus dem Bahnhof von Sri« and und dem englischen Botschafter empfangen wurde, in Genf ein.
1 auch übet die Frage des ReichS- sprochen worden ist. Reichskanzler _________
rth betonte hierbei, seine Schritte | ttum zu
Wirth steht in der Demokratie nickt dasselbe mie die Arbeiterz en truwswäbker. Wirth siebt stark unter dem Einfluß der sranzäsiscken demokratiscken •fenwett. Eine deutsch, Demokratie ist n-ech frg"'hMch. englischem oder auch amerikanischem Muster nicht möglich. Franzosen, Enaländer und Amerikaner kamen nnm Individualismus und pnm nationalen OhNinfen h-- >ur Demokratie.- Wir nu-flen. dem deutschen Mesen ent. ipreAenb und im .Hinblick aus die deutsche Geschichte von der Korporation her,
von der Familie her, vom alten deutschen Gonofsenschaftsgeist her zum Volks- gebauten,
zum nationalen Gedanken kommen. Wir haben oas parlamentarische Regierungssystem. Dem Wirth'schen
kommen. Heute heißt es, sich freudig in den Dienst des Staates stellen und den Staat so ausgestalten, daß alle Volksgenossen sich in ihm heimisch und wohlsüblen und in ihm auch die religiösen Kräfte sich frei entfalten und auswirken können. Im deutschen Katholizismus liegen ohne Zweifel starke gemeinschastsbildende Kräfte, die in den letzten Jahrzehnten, wo Staat und Katholizismus sich fremd, wenn nicht feindlich gegenüberstanden, stch nicht auswirken konnten. Und nun stehen wir vor her.; Frage, ob diese Kräfte im gemeinsamen Zusammenmir- ken für Volk, Staat und öffentliches Leben etwas Gro-s ßes schaffen können und sollen, oder ob sie auf zwei vokittsche ßaaer verteilt und damit zur Bedeutunaslostg. tert für die Gestaltung des deutschen Volks- und Staats.
ersten» darin, daß ein großer Teil der Zentrumsan» gehörigen sich in Sie veränderte politische und soziolo» gische Umwelt, im Vergleich zu früher, noch ni*t herein, versetzt hat; zweitens darin, daß mindestens 90 Prozent ber Zentrumsangehörigen parteipolitisch neutralen Berufs, und «standesorganisationen angehören, in denen meist rein materiell orientierte SiandeSpolitik ohne jedwede ethische Grundeinstellung betrieben wird und zahllose Cinzelfragen jede für sich beurteilt werden nn- statt, wie eine politische Partei es tun muß, das Leb->n eines Volkes au» dem Ganzen heraus zu leben und es
tretet in den Reichstag entsandt werden dürsten, die sich verpflichteten, mit aller Kraft die Wahlreform zu betreiben. Von Arbeiterseite wurde unter allgemeiner Zustimmung Geschlossenheit und Disziplin verlangt und die Haltung Dr. Wirths der Gewerkschaftsbewegung gegenüber auf das entschiedenste v er urteilt.
I Die Arbeiterwählerschaft bet rheinisch-westM- I schen Zentrumspartei veranstaltete am Sonntagvor» I Duisburg «ine große Kundgebung unter
I dem Thema:
»Der Kampf der christlichen Arbeiterschaft mn den sozialen Dolksstaat".
Ms Referenten waren Ministerpräsident a. D. I Dr. Stegerwald und WohlsahrtsrnmisterHirt- I fieser gewonnen. Ferner sah man unter den Anwesenden Mrende Politiker des chemrst^wesMii- schen Zentrums, u. a. Minister a. D. Gke«° | bertS, die Abgeordneten Jmbusch und JooS, sowie Prälat Dr. Müller.
MS Hauptreferent verwies Stegerwald darauf, | daß die deutsche Staats- und Privatwirtschaft noch star nicht gefestigt und gesichert sei. Auch die I Revision des DawesplaneS, die kommen müsse und I kommen werd«, werde Deutschland nicht nur Dor- I teile, sondern auch Nachteil« bringen, da die Siche- mng der deutschen Währung, die er enthalte, nach I der Revision uns selbst zufalle. Der Redner legte dann noch einmal seine bekannte Stellung in der | Frage der Beamtenbesoldung dar undMr dann fort:
Di« Seamtenbeifotbungefrafle kann selbstverständlich nicht dauernd Mittelpunkt aller deutschen Politik bleiben Spahn und Wirth, die die beiden äußersten Rechts, und Links-Exponneuten unter den deutschen Kacholiken des öffentlichen Lebens darstellen, beschäftigen stch schon seit langem mit dem Zentrums Problem in Der. binbung mit der deutschen Polittk Im ganzen. Beide wollen in der Zentrums parket starke Zerfallserscheinungen sehen. Spahn möchte die Zentrumspartei zu einer aroßen reckten, Wirth umaekehrt zu einer dauernden Links-Gruppierung hinübergezogen rafften Der eine I sieht in den kvnftrvatto gerichteten Dolkekräften da. All. Heil-Mtttel, der gndere glaubt In der gegenwärtigen Staatsform, in der Republik, da» Kernstück und den Mittelpunkt aller deutschen Polittk sehen zu fallen S-ibe wollen in neuerer Zett übereinstimmend ein starke» Ab- gleiten ber Zentrumsarbeiter nach links beobachtet ha- ben. 5n Wahrheit sehen beide schief. Sie bleiben an Aeußerlichkeiten und teilweise an temporären Auqen- erscheinungen haften. Darüber bin ich mit beiden einig, daß sich die Zentrumspartei gegenwärtig in einer großen historischen Stunde befindet. Es ist ricktta, daß von der Unruhe, die gegenwärtig durch die breitesten Schichten, inebefonb. durch die Arbeiterschaft, geht, die Zentrum». Partei stark betroffen ist. Das Hf aber noch nickt, Ilnge. mühnlickes: bas Ist eigentlich etwa» Selbswerständflcke». DI« Zentrumspartei ist die einzige Partei die ähnlich zusammengrietzt ist wie da, deutsche Soff in seiner Gesamtheit. Di« Arbeiter. schäft stellt in ihr die größte Gruppe, bann kommen die Landwirte und nach diesen der Mittskskmb. Da» sind jene Schichten, die gegenwärtig von ber allgemeinen Not am stärksten betroffen sind. Dann ist Me Zentrumspartei bie einzige Partei, hie feit der Staat,umronl. -ung ununterbrochen In der Regierungsverantwortung im Reich misgehatten hat. Wenn bie Zentrumspartei, ähnlich mie andere Parteien, zeitweise In brr Opposition gestanden hätte, wären ihr manche Schwierigkeiten erspart geblieben. Als sie 190fi von Bütow in hie Opposition gebrannt mürbe, hat sie die böckste Sttmmenzohl aufgebracht seit ihrem bl, bahin 36fäbrig. Bestehen. Die Zentrumspartei ist sodann au, einer aan.z anderen gHW. gen und politischen Atmosphäre entstanden und mußte unter dem alten Regime meist in einer ganz anderen Froof kämpfen als In heutiger Zeit.
In den neunziger Ighren des vorigen und Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhundert, waren durch bas preußl. fche Dreiklasienwahlreckt und durch die Wabckreisrintri« lu,ng im Reich die ft8bfif*en und inbustri-llen Wähler der Zentrumspartei weitgehend totgeteilt. Run kam b'e Staatsumwälzung mit dem aleicken Wahlrecht zu allen öffentlichen Körperlckaften und mit her Verhältniswahl. Jetzt zählten alle Stimmen gleichmäßig. Von 4.1 Mil Stimmen, b'e hie Zentrumspartei bei her De,embermaHl 1974 zum Reickstaa aufgebracht hat, entfallen auf Ar- Mter und Angestellte in Stadt und Land 1K bis 1*4 Millionen, allo 40 bis SO Vrozenf aller für bie Zentrumsportei abgeoebenen Stimmen. Bei folcker Looe ergibt sich ganz von selbst die zwingende Tatsacke: „Die Zentrumspartei und her beutsche Katholizismus werden sozial ober beide werben nicht sein."
Die Zentrumspartei muß heute auf einer unvergleichlich bretteren Front kämpfen, als zurzeit des Kulturkampfes. Damals konnte weiterhin ein freunbliches Verhält"« der Kacholiken zum neuen Staat nicht auf. I
in der Schulfrage seien lediglich bet Sorge über die Zweckmäßigkeit der eingeschlagenen Taktik entsprungen. Ihm wurde nach dem offiziellen Bericht entgegengebalten, daß bann der Weg nicht über das „Berliner Tageblatt" und „Die deutsche Republik", nicht über die Bekämpfung des Gesetzentwurfes, sondern über die
trag ausgriprochen, daß das 20. Jahrhundert ein Zrjt*. ajtw des Ausgleichs fein müsse. Da, Ist auch meine Auffassung. Die nächsten Jahre und Jahrzehnte müllen den Ausgleich zwischen Kapitalismus und Sozialismus»' zwischen Inbividugkismu, und Gemeinsckaftswollen.l zwischen Arbeiter und Unternehmer, zwischen Stabt' unb Land bringen, roernt wir uns als Volk und Staat erhalten und vorwärts schreiten wollen.
Entweder da, deutsche Volk steigt gemein- sam auf oder es geht gemeinsam unter.
dieser Kardinalfrage gibt es keine Klagen und Stände und keine Konfessionen. Die Streitfrage ist nur, tuv roefdjer Stelle die einzelnen Gruppen nm erfolgreichsten für das Ganze kämpfen können
Die Hauptschwlerigkelten der Zentrumspartei sehe ich gegenwärtig in dreierlei und zwar
n>tb. Freiburg, 5. März. (Eig. Funkm.). Der Vandesparteftag der badischen Zentrumspartei, der am Sonntag hier im katholischen Dereinshause stattfand, hatte sich eines sehr guten Besuches aus dem ganzen Lande zu erfreuen. Er wurde vom Parteichef des badischen Zentrums, Prälat Schäfer, mit einer Ansprache eröffnet. Prälat Schofer zeichnete kn kurzen Strichen das Wesen des Zentrums als christliche soziale Partei und ermahnte zur Treue gegenüber ben Führern, die et (Sieb- stet) untereinander einig sehen will. Der Parteitag stimmte. dann den neuen Statuten zu, die eine ueue Einteilung der Partei aufgrund des neuen badischen Wahlgesetzes bringt. Die vom Zentralkomitee Vorgelegen Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Sie betreffen die Schule, die Steuerfragen, die Landwirtschafts-, WirtschaftS- und Sozialpolitik, das Wahlrecht, das Verhältnis zwischen Reich und Ländern und den Wahlaufruf für die kommenden Reichstagswahlen. Die Entschließungen legen die bekannte prinzipielle Haltung der Partei zu den erwähnten Fragen fest.
2m Verlauf der Aussprache ergriff auch der frühere Reichskanzler Dr. Wirth daS Wort, um bei großer Aufmerksamkeit Ausführungen in dem Sinne zu machen, daß eS heute keine Rivalität zwischen Beamten und Arbeitern und den übrigen Ständen geben dürfe. Man müsse vielmehr eine gemeinsame Front schaffen zum Ausbau des sozialen deutschen Volksstaates. Zum Schluß nahm nochmals der Reichssinanzmmister Dr. Köhler das Wort, um zur gegenwärtigen Lage zu sprechen. Seine Darlegungen deckten sich im wesentlichen mit den Ausführungen am Samstag. Auch Dr. Köhler betonte, daß er volle Einigkeit unter den Führern sehen wolle. Der Parteitag nahm einen durchaus disziplinierten Verlauf bei ganz offener Aussprache. Die endgültige Aufftellung der Kandidat«! für die Reichstagswahlen bleibt einer künftigen Sitzung des Landesausschusses Vorbehalten.
Das badische Zentrum und Dr. Wirth
Heber die am Samstag m Freiburg abgehaltene Sitzung des Zenttalkomitees der badischen Zentrumspartei, das tn Vorbereitung des am Sonntag dort veranstalteten Parteitages zusammentrat,
im Mnzen ......................
ein Test ber Zentrumspresie sich immer mehr zum Ge- neralonzeiger-Tnp entwickelt und dabei die universelle Herausstellung ber Zentrumsldee vernachlässigt, anstatt, wie die falarnt:f*e Presse es auf ihre Art tut, sich auch planmäßig auf Sesinnungspfkege einzustellen.
Die Zentrumspartei muß In Ihrer Führung Ne*er Verzweigung klar In» Auge sehen. Einer klugen und [troffen Führung muß und roirb es gelingen, alle Mefe Strömungen In ein gemeinsame» Bett zu leiten, umsomehr, al» olri guter Wille in ben aller- breitesten Z en t r u m, k re I se n vorhanden I ft Rach Späh n'fcher und Wirt h'scker (9runhefn* Mutig und Methode ist diese Ausgabe freilich nickt m lösen. Spahn will von ber westeuropäilcken Demokratie nickst, wisien und möchte, ähnlich wie in Enalanh. bie Aristokratie verstärkt mit her Dails, unb Stoots- fühning betraut wissen. Darüber könnte man im einzelnen reden. Aber wo Ist benn bie beuttcke no'iftf^e Aristokratie? Wo Ist die heutfthe Finanz-Aristokratie? Die Menschen die bis 1918 in hem preußil»en Drei- Nallenwahlsnstem ber Weisheit hörigen Schluß sehen, kann man doch nickt als politische Ari'wkrntte anfpre- «ben. Unb glaubt Spohn, die beuffthe Geschichte in ben letzten Jahrzehnten vor Ausbruch bes Krieges cks unoe- f«heben auslöschen zu können, als ob bie Zeit, in ber das alte Regime bie katholischen Grenzgebiet- des O''-"s unb Westens verwaltungsmäßig unb teilweise auch kulturell glaubte, als Kolonien behandeln zu sollen, nie he- ftanben hätte? Als ob es nie eine Zeit geoeben hätte, in ber ein plumpes Herrenmensckenttim in ber Stt-tta. Führung, in der Verwaltung, fm fieer. in her W-rtt^fi, auf ben Unfnerfitäten ufm. feine Orgien o-feterf hgl?
Am Samstag sprach Reichsfincmzuiinisier Dr. Kühler in Freiburg int Rahmen des Landesparteitages des badischen Zentrums über die politische Lage und betonte habet, daß die seit 1927 bestehende Koalition erledigt sei. Die am Zentrum wegen seiner Teilnahme daran geübte Kritik sei vollkommen ungerechtfertigt, denn es habe weder sachlich noch grundsätzlich irgendetwas preisgegeben. Noch weniger habe das Zenttum eine Politik der deutsch- nationalen Fraktion gemacht. Der Minister geht dann auf das Re ichsschulaesetz ein und stellte fest, daß dieses Gesetz an der unbelehrbaren und unbekehrbaren Haltung der deutschen Volks- Partei gescheitert sei. DaS ReichSscbulgesetz werd« auch in Zukunft eine der wesentlichsten Forderungen deS Zentrums sein. Aus das Problem „Retch und Länder" eingehend, lehnte der Minister den liberaldemokratischen Einheitsstaat entschieden ab. Ebenso wichtig wie die Reform der Verwaltung fei eine sokhe deS Reichstagswahlrechts, eine Frage, die eventuell durch Volks- entscheid geregelt werden müsse. Der Minister be- sprach sodann die Finanzpolitik deS Reich e s, die eine wirtschaftliche Polittk sein müsse und bei der auf strengste Sparsamkeit gesehen werden müßte. Auf ben Reichsetat eingehend, erklärte der Minister, daß trotz der erhöhten ReparationS- lasten es mittels stärkster Abstriche gelungen sei, den Etat von 1928 ins Gleichgewicht zu bringen. Dr. Köhler schloß mit der Aufforderung, auch in Zukunft Einigkeit und Entschlossenheit im Zentrum zu bewahren.