Einzelbild herunterladen
 

Anzeigen.Preise: Äleinzeile < Colonel» lokal 0,15 JUt auswärts 0,20 SUt. Reklamezeile: lokal 0,60 JUt. re ouStoöttS 0,80 JUL. Bei Wiederholungen Rabatt. UU» tunrCL :•: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Nr. 53

Samstag, 3. März 1928

-ru -

Kein sozialdemokratischer Parteitag vor den Wahlen. Der Parteiausschuß der sozialÄemokrati- trarte! hat beschlossen, den für dieses Jahr vorge- leyenen Parteitag fallen zu lassen. Begründet dieser Entschluß damit, daß Zeit und Geld un- Eelbar tm Wablkamvf nützlicher verwandt wer- w/.Lti11611' außerdem könne es gar keinen belferen zu den Wahlen als den Kieler Parteitag „öen Beschluß mitbestimmend war nach flnTi/r; "f-ro?rts" ferner „die Erwägung, daß diesem 2LahIfruhiahr ein Sommer folgt, in dem der Briis- *e , r ^rnernationale %ongre^ und die Borbereitun- tI,m öie Kräfte der Partei stark in Ansvruch nehmen werden". Selbstverständlich stehe die Möq- r-Nkeit osten, einen außerordentlichen Par- tettag emzuberufen, falls besondere Umstände dies erfordern sollten. ^Andernfalls würde der nächste Parteitag erst im Frühjahr des nächsten Jahres ab- gehalten werden.

* Die bayerischen Parteien und die Beamten- besoldunqsvorlage. Aus München wird gemeldet: Die Fraktionen der Deutschnationalen und der Bayerischen Volkspartei befaßten sich erneut mit der durch die ablehnende Haltung des Bauem-

Vorschau auf die Ratstagung.

Laut „D.A.Z." begibt sich der Dirigent der Ost­abteilung im Auswärtigen Amt. Geheimrat v. D i r k f e n, nach Genf, um an der Völkerbundsrats­sitzung teilzunehmen, da voraussichtlich verschiedene Ostfragen zur Verhandlung kommen werden.

Wie den Blättern mitgeteilt wird, wird Mini­sterialdirektor Zechlin als Vertreter der Presse­abteilung nach Genf gehen.

■ *

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Ferkstprccher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. :•:

daß der Internationale Gerichtshof ■ Zwiste

Der Wehrminister zu Phöbus-Affäre und Panzerschiffbau Erklärung im Rerchstags-Haushaltrausschuh.

uns nicht einem Diktat von anderer Seite unter­werfen. Die Landkräfte allein können die Auf­gabe des Schutzes Ostpreußens nicht übernehmen. Der Einwand, man könne Ostpreußen besser auf wirtschaftlichem Gebiete helfen, ist nicht stichhaltig, denn wirtschaftliche Maßnahmen allein beseitigen nicht die. Gefahr, die durch kriegerische Verwick­lungen drohen, ohne daß wir daran aktiv beteiligt frnbf

Ostpreußen wird auf den Schutz seiner Seever­bindungen nicht verzichten können und wollen. Was die etwaigen außenpolitischen Wirkungen angeht, so sind wir in Hebe rein ft immune mit dem Auswärtigen Amte. Natürlich wird ein solcher neuer Typ der „Panzerschiffe" alle Fach» reute interessieren, aber daß wir unsere 28 Jahre alten überalterten Schiffe ersetzen, wird jedes Land verstehen. Graf Monteglas zitierte kürzlich das Wort eines belgischen Völker! echtslehrers: Der Völ­kerbund in Genf will nur Völker, die sich zu weh. ren wissen! Die schwierige finanzielle Lage darf Notwendiges nicht verhindern. Wir dürfen uns freiwillig nicht noch mehr ent- waffnen als wir dazu gezwungen sind. Bauen wir das Panzerschiff setzt nicht, würden wir zu sehr erheblich unproduktiven Ausgaben in den näch. sten Jahren gezwungen sein. Alle Gründe militä- rischer, politischer und wirstchaftlicher Art fördern den Bau. Wir sind nach meiner Ueberzeugung mit dem neuen Schiff auf dem richtigen Wege. Ich bitte dringend um die Genehmigung.

Rus den Parlamenten.

Reichstag.

Der Reichstag trat am Donnerstag zu einer kurzen Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Weiterberatung des Haushalts des Reichsministeriun's für Ernährung und Landwirstchaft. Reichsernährung-;. Minister Schiele ergriff wiederum das Wort und be- grüßte die Objektivität, mit der der sozialdemokratische Abgeordnete das Regierunqsprogramm behandelt habe. Um 17 Uhr wurde die Sitzung bereits geschloßen und die Meiterberatung auf Freitag vertagt. Auf der Ta- qessrdnunq steht weiter die Beratung des Reichem irt- schaftsministeriums.

Preußischer Landtag.

Der Landtag nahm am Donnerstag feine Plenar- fitzungen wieder auf. Präsident Bartels teilt dem Hause, während sich die Abgeordneten von ihren Sitzen erheben, mit, daß sich eine schwere Grubenerplolion auf her Zeche Ewald ereignet hat, bei der 14 Bergleute ge­lötet worden sind. Von Seiten der Kommunisten wird dieser Anlaß zu heftigen Angriffen gegen den Handels­minister benutzt, der Auskunft geben soll, warum nicht endlich das Prämienfystem irri Bergbau abgeschafft werde. Das .Haus wendet sich dann der dritten Bera­tung des Gesetzentwurfes über die Gewährung von Zwischenkrediten bei Rentengutsgründungen zu. Das Gesetz wurde schließlich in der Schlußabstimmung mit großer Mehrheit angenommen. Nach der Beratung des Abschnitt zum Haushalt des Innnenministers über die Polizei wurde die allgemeine Aussprache geschlossen. Einnahmen und Ausgaben zum Haushalt des Innen­ministeriums werden bis auf die angefochtenen Titel festgestellt. Die Abstimmungen finden am Freitag statt.

kleltestenrat der Reichstages.

DDZ. Berlin, 2. März. (Eig. Funkm.). Der Aeltestenrat des Reichstages traf in seiner heutigen Sitzung die Dispositionen für die Arbeiten im Ple­num während der nächsten Tage. Zunächst werden beraten werden der W i r t s ch'a f t s e t a t, das Ge­setz über die Erhöhung der Jnvalidenrenten und der Derkedrsetat .Samstag, der 10. und Montag, der 12. März, bleiben von Plenarsitzungen frei, um dem Haushaltsausschuß für seine Arbeiten größeren Raum zu geben. Sodann soll ein Kon- tingentierungsplan aufgestellt werden, der alle Ge­genstände umfaßt, die noch bis zum 31. März er- ledigt werden sollen, so daß endgültig an diesem Termin der Reichstag seine Tagung abschließen kann.

chen ein großes Revirement zum 1. April erforder­lich- bei dem außer dem neuen Polizeikommandeur nicht weniger als acht Polizeioebrsten und vierzehn Polizejoberstleutnants sowie eine große Zahl von Majoren und Offhi<*ren der unteren Dienstgrade ernannt werden müssen.

Italien mit, da ja die Stellung Frankreichs zwi- Wen England und Italien und schließlich auch Spanien im Hinblick aus etwa geplante Mittekmeer- Verhandlungen besonders schwierig ist. So wird die Frühjahrstagung des Rates zwar nicht aus ihrem offiziellen Betätigungskreis, wohl aber aus den ®2$önblun(jen der Außenminister wertvolle Schlüsse aus die demnächstigen Vorgänge in der großen europäischen Politik ermöglichen.

deren Führer die Verpflichtunzen der gegenwär­tigen Regierung nicht anerkennen wollen, noch nicht geklärt sind. Schließlich sind noch zwei Punkte von besonderem Interesse, nämlich die Tatsache, daß der Internationale Gerichtshof im Haag den Völkerbund ersucht hat, gewisse Pstnkte seiner Jmmunitätsstellung zu fixieren und der Wunsch der englischen Regierung, dem Irak den Beitritt zu den internationalen Kon­ventionen über den Durchgangsverkehr von 1921 und über die Ordnung der Meereshäfen von 1923 zu ermöglichen, ein Wunsch, der wohl • als ein vorbereitender Schritt für die Ausnahme des Irak in den Völkerbund angesehen werden mag, der aber zugleich als eine Aktion Englands gelten muß, diesem noch auf unbestimmte Zeit unter seiner Vor­mundschaft stehenden Staat eine gewisse Vormacht­stellung gegenüber seinem arabischen Nachbarn zu geben.

Obwohl Briand mit seinem altvertrauten flnd bewährten Mitarbeiter Berthelot, dem General­sekretär des sranzösischen Außenministeriums, in Gens erscheinen wird, was auf besonders eingehende Behandlung wichtigster Materien schließen läßt, dürsten entscheidende Besprechungen über die Frage der Rheinlandräumung nicht stattsinden, da die innerpolitische Situation jenseits wie dies­seits des Rheins angesichts der Wahlen gar zu ungeklärt ist. Wahrscheinlich bringt Briand seinen sachlich glänzend informierten Mitarbeiter in erster Linie für die Verhandlungen mit England und

_ * ^chHiqen ln der luxemburgischen Kammer. Der der Besprechung des von der Untersuchungs­kommission vorgelegten Berichtes über eine von d^!s.^dikal«n Abgeordneten Flesch gegen den sozia­listischen Abgeordneten Krieps vorgebrachte Be- stchrldigung, wonach sich Krieps unberechtigterweise Kriegsschädengekder angeeignet hätte, geriet letzterer tn blinde Wut, stürzte sich auf Flesch und versetzte rhm Ohrfeigen. Die anderen Abgeordneten trennten die beiden (Segnet. Bei Wiederaufnahme der Sitzung beschloß die Kammer, das Ehrengericht mit der Angelegenheit Krievs zu befassen.

* Dahsen bei der Diener Sicherheitswache. Wie eine Lokalkorrespondenz meldet, erhielt bei der Wahl zur Personalvertretung der Wiener Sicher- beitswache die wirtschaftliche Organisation der Wachbeamten 117 und die freigewerkschaftliche Or­ganisation acht Mandate.

c„ * Das britische heeresbudget. Der Voranschlag für das Heeresbudget.1928 sieht Ausgaben in Ge- samthöhe von 41 Millionen Pfund vor, was eine Verminderung um 515 000 Pfund gegenüber dem Vorjahre bedeutet. Die Stärke des Heeres ist auf 153 000 Mann festgesetzt gegen 166 500 im vergan­genen Jahre. Die Kosten für die nach Ehino ge» sandten Truppen werden im EraänzunüLbuds^ aufgeführt.

Die cm Montag, den 5. März, beginnende Frühjahrstagung des Völkerbundrates wird, wie man es allmählich gewohnt ist, voraussichtlich in erster Lime Mittel ^um Zweck fein, zum Zweck nämlich von ausführlichen Besprechungen zwischen den Außenministern der G r o ß- m ä ch t e. Man wird ihr darum die Aufmerksam­keit nicht versagen dürfen. Gerade der kommendeii Ratstagung am allerwenigsten, weil sich hinter den Kulissen diesmal voraussichtlich ganz besonders wichtige Dinge vorbereiten werden. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß die so heftig entbrannte -schlacht um Südtirol mit solchem Aufwand von diplomatischer Mäßigung wieder abgebrochen wurde, ohne daß sogar Mussolini Gelegenheit nahm, eme_ seiner berühmten Reden zu halten. Man bemüht sich — und London hat ganz unzweifel­haft seine Hand hier im Spiele gehabt — um eine Vorbereitung der Atmosphäre in einem für freund­schaftliche Besprechungen günstigen Sinne. Dcr- crtige fteundschastliche Besprechungen werden zu­nächst einmal zwischen dem französischen und dem südslawischen Außenminister und Mussolini statt­finden, wobei man optimistisch genug ist, auf die Anbahnung der Bildung eines französisch-italie- nisch-südslawischen Freundschaftsverhältnisses zu hossen. Man geht aber wohl nicht fehl, wenn man diesen Komplex der Sonderbesprechungen der Außenminister nur als die Vorbereitung einer grö­ßeren Aktion ansieht, die — wie vorläufig nur gerüchtweise verlautet — in bet Einberufung einer Mittelmeerkonferenz zwischen England, Frankreich, Italien und Spanien gipfeln dürste.

Das etwa ist die allgemeine Atmosphäre, in deren Zeichen die Ratstagung stehen wird, und man weiß ja bereits aus Erfahrung, daß die großen Regisseure dieser Tagungen dem Laus der Dinge im allgemeinen die Richtung zu geben imstande sind, die sie als ihren besonderen Absichten nützlich an- sehm. Ta südslawiens Außenminister möglicher­weise nach der geplanten Zusammenkunft mit seinen Kollegen von den Staaten der Kleinen Entente mit emem gewissen Aktivum bei Mussolini erscheinen wird, wird man annehmen dürfen, daß die eine „ $cuptfragen des vorliegenden Programms, namach der ungarisch-rumänische Optanten streit, wenn mcht wieder vertagt, so doch in einer Weise behandelt werden wird, die auf keiner Seite allzu schwere Mißstimmungen erregt. Bei der zähen Wahrung der wirklichen und vermeintlichen Rechte auf beiden Seiten wird allerdings die abermalige Vertagung des Problems die letztmögliche Lösung fern. Die Schwierigkeiten, mit denen der andere Hauptprogrammpunkt,, die Frage der Anwendung des ^nvestigationsversährens gegen Ungarn we­gen der Wassenaffäre von Szent Gotthard zu dro­hen scheint, dürsten in Wirklichkeit nicht so schwer aus der Welt zu räumen sein, da das Vorgehen des bisherigen Ratspräsidenten Tschenglv wohl in der Tat über die offiziellen Befugnisse des Rats­präsidenten hinausging und Italien, das ja an der Nichtanwendung des Jnvestigationsrechtes in die­sem Fall interessiert sein dürfte, wohl im Hinblick auf die anderen Fragen Briand wird veranlassen können, diese Gelegenheit zur Schaffung eines spä­ter etwa gegen Deutschland in Anwendung zu brin­genden Präzedenzfalles ungenutzt zu lassen. Im übrigen stehen noch 23 Geschäftspunkte auf dem Programm, von denen — wie der ungarisch... mänische Optantenstreit, die Danziger Fragen und die Verhandlungen über das Saargebiet — der größere Teil allerdings zu jenen Problemen ge­hört, die seit langem zum eisernen Aufgabenbestand der Ratstagungen gehören, ohne bisher sonderlich gefördert zu fein. Die Frage der Gewährung von Völkerbundsanleihen an Bulgarien und Portugal dürfte wenigstens theoretisch gelöst werden, obwohl bei Bulgarien das Problem der Umwandlung der bulgarischen Nationalbank, bei Portugal die Frage der politischen Sicherheit des Landes selbst, wo ja vor Jungem erst wieder eine Revolution drohte,

Wie mitgeteilt, wurde im Hauptausschutz ues Reichstages am Donnerstag beschlossen, die Vorlage des Sämlsch-Berickts über den Phöbus-Skandal zu verlangen. Das Reichskabinett hat sich bereits am Donnerstag nachmittag mit den Vorgängen beschäf­tigt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dem An­träge auf Veröffentlichung des Sämischberichtes keineFolgezu geben.

In den Besprechungen mit den Parteifüh­rern, die sich an die Sitzung des Reichskabinelts anschlossen und in denen den Parteiführern der ab­lehnende Beschluß dos Reichskabinetts hinsichtlich der Veröffentlichung des Phöbus-Berichts mitge- teilt wurde, erklärten sich alle Parteiführer damit einverstanden, daß dem Reichskanzler Dr. Marx persönlich die Weiterführung der Angele­genheit vorbehalten bleibt.

Die Phöbusangelegenheit kam am Donnerstag auch in der Sitzung des Reichsrates bei der Beratung des Nachtragshabshalts für 1927 zur Sprache. Zur Abwicklung der Phöbus A.-G. hat das Reich in diesem Etat 7 Millionen angefordert, trotzdem die Garantieübernahme nur 6,5 Millionen betrage. Von den Ausschüssen sind folgende Ent­schließungen vorgetragen:

Der Reichsrat ersucht die Reichsregierung, noch jetzt zu prüfen, ob sich nicht durch eine andere Form der Abwicklung der Phöbusangelegenheit ein günstigeres Ergebnis für das Reich erzielen läßt, indem auch die anderen Gläubiger der Phöbus A.-G. an dem Schaden teilnehmen und nicht durch das Reich voll befriedigt werden.

Im übrigen empfahlen die Ausschüsse, die etat­rechtliche Seite der Phöbusangelegenheit mit fol­gender Entschließung abzuschließen:

„Der Reichsrat bedauert, daß es zu den da; Reich verpflichtenden Verhandlungen des Reichswehrministe­riums mit der Phöbus A.-G. hat kommen können. Er nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, daß der Reichswehrminister in seiner Erklärung vor dem Haus­haltsausschuß des Reichstages die Garantie dafür über­nommen hat, daß derartige Fälle von illegaler Selb­ständigkeit nicht mehr vorkommen werden. Abgese­hen von den nötigen zugesagten strengeren Kontrollmaß­nahmen zur Vermeidung von Gefetzeswideigkeiten er­sucht der Reichsrat die Reichsregierung, dafür zu sorgen, daß Fragen der inhaltlichen Einflußnahme auf deutsche Filme einschließlich der Behandlung von Auftragsfilmen zu Aufklärungszwecken nicht für jedes Ministerium selb­ständig für sein Sachgebiet, sondern vom Reichsministe­rium des Innern in technischer, geschäftlicher und innen­politischer Hinsicht einheitlich für alle Ministerien bear- beiiet werde."

Der Reichsrat stimmte diesen Entschließungen zu.

Die Erklärung Gröners.

VDZ. Berlin, 2. März. (Eig. Funkm.). Bei der fortgesetzten Beratung des Marineetats gab der Reichswehrminister Dr. Gröner am Freitag vormittag im Haushaltsausschuß seine mit Span­nung erwartete Erklärung zur Phöbus-Angelegen- heit ab. Er führte aus:

„Der Haushaltsausschuß hat gestern in der Phöbus-Angelegenheit den Beschluß gefaßt, die Rkichsregierung zu ersuchen, den Bericht über das bisherige Ergebnis der Untersuchung des Staats­ministers Samisch dem Ausschuß sofort vorzulegen. Die Reichsregierung hat sich gestern nachmittag mit der Angelegenheit befaßt. Die Berichterstattung d?s Staatsministers Sümisch ist vom Herrn Reichs­kanzler, der ihn zu seinem persönlichen Kommissar bestimmt batte, ein gefordert worden und ist auch ihm gegenüber erfolgt. Bei der politischen Bedeu­tung der Angelegenheit legt der Herr Reichskanzler besonderen Wert darauf, daß ihre parlamentarische Erledigung auch weiterhin im engsten Einverneh­men mit i h in persönlich erfolgt. Mit Rück­sicht'auf den derzeitigen Gesundheitszustand des Herrn Reichskanzlers bittet die Reichsregierung wegen der erforderlichen Fühlungnahme mit dem Herrn Reichskanzler die Beratung der Angelegen­heit im Ausschuß kür einige Tage zurück-

3U ft eilen und inzwischen in der Beratung des Mvrineetats fortzufahren.

Gegenüber verfchiedentlichen Angriffen gegen meine persönliche Stellungnahme 'zur Phöbus- Angelegenheit sehe ich mich außerdem zu folgender Erklärung veranlaßt: z

1. Ich mißbillige die Transaktionen des Kapitäns Lohmann auf das schärfste und muß der Kritik des Abg. Heinig in vielen Punkten durchaus recht geb/n.

2. Ich bin entschlossen, mit allen derarti­gen illegalen Unternehmungen gründlich aufzuräu­men. *

3. Ich werde Vorsorge treffen, daß derartige Vorkommnisse sich nicht wiederholen können.

Was den Vorwurf anbetrifft, ich ließe mich ein wickeln und hinters Licht führen, so wird die Zukunft das Unberechtigte dieser Vorwürfe erwei­sen. Allerdings verspreche ich mir nichts von Presse- Kampagnen und Versammlungsreden. Ich bin fein Freund von starken Worten, sondern pflege zu handeln. Kritisieren Sie später biefe Handlungen. Bis dahin darf ich aber wohl eine gewisse Z u - rückhaltung in vorschneller Kritik erwarten."

Zur Geschäftsordnung ersucht Abg. Müller- Franken (Soz.) die Angelegenheit entsprechend der neuen Sachlage, die durch die Erklärung des Ministers geschaffen worden ist, einige Tage zurück­zustellen. Mit Befriedigung habe seine Frak­tion Kenntnis von der Erklärung genommen, daß der Minister mit allen derartigen illegalen Unter­nehmungen gründlich aufräumen wolle.

Abg. Stöcker (Kom.) nennt diese Erklärungen eine Verschleppung, einen Versuch, Zeit zu gewin­nen, um die Vorlegung des geforderten Berichtes trotz des Beschlusses zu'verhindern. Er sehe auch in der Erklöning des Reichswbhrministers den Versuch einer Verdunkelung und Verschleierung.

Abg. Dr. Haas (Dem.) widerspricht dem Vor- redner. Dem Wunsche des Reichskanzlers, per­sönlich mit den Parteien zu verhandeln, müsse ent­sprochen werden.

Es wirh beschlossen» die. Beratung, fori.zusetzen, aber die Beschlußfassung über die beanstandeten Titel auszusetzen.

Zum M a r i n e e t a t führte darauf Minister Gröner aus: Kernstück der Marine im Etat ist

das Panzerschiff A,

das angefordert ist als erster Ersatz der alten Li­nienschiffe. Das Lebensalter ist nach dem Versail­ler Vertrag und dem Washingtoner Abkommen auf 20 Jahre bemessen. Bis dieses Panzerschiff gebaut rft, ist unser ältestes Linienschiff 28, das jüngste 24 Ähre alt. Die Linienschiffe sämtlicher anderer Staaten sind weit jünger. Der Gedanke, nur mit Kreuzern auszukommen, ist absolut abwegig. Wir -denken dabei nicht daran, wieder eine Seeschlacht großen Stiles zu führen, ober Seestreitkräfte ohne Ausbildung der Kampfkraft können nur von sekun­därer Bedeutung fein. Die Kreuzer sind unzurei­chend im Gefecht. Sie sind eingestellt auf den mili­tärisch besonders schädlichen Gedanken, „sich frühzei­tig aus dem Gefecht zu ziehen". Wir wollen doch hoffen, daß die Ostsee eine freie Ostsee bleibt. Die leichten Seestreitkräfte brauchen einen Rück­halt an Kampfschiffen, sonst ist die Seekrieasfüh- rung nichts anderes als eine „Flucht in den schützen­den Hafen". Ein Blick auf die Karte beweist die Wichtigkeit der freien Ostsee und ihre leichte Ge­fährdung. Welche Aufgaben hat unsere Flotte? Es handelt sich 1. um den Schutz unserer Küsten, 2. um die Sicherung für uns lebenswichtiger Ver­bindungen über hie Ostsee, 3. um das Offenhalten her Ostseehäfen Königsberg, Stettin. Lübeck, Kiel. 4. Die Scherung unserer Verbindung mit Ostpreu­ßen. Sie ist wichftg in militärischer, politischer und wirffchaftlicher Beziehung. 5. Die Sicherung unferer Neutralität. Wir dürfen uns nicht der Willkür Fremder ohne weiteres preisgeben und

bundes zur neuen Beamtenbesoldungsvorlage ge­soffenen Lage. Das Ergebnis der Beratung der Bayerischen Volkspartet war, der Regierung zu empfehlen, trotz der Stellungnahme des Bauern- bundes die Vorlage im Landtag einzubringen. Die Regierung wird nun, nachdem auch der Mittister- rat sich auf diesen Standpunkt gestellt hat, eine Entscheidung über diese Vorlage in offener Parlamentsschlacht herbeifiihren lassen. Es wird damit gerechnet, daß ein großer Teil der Parteien, die nicht in der Regierung fitzen, für die Vorlage stimmt und auch ohne koalitionsmäßige Mehrheit die Vorlage durchgebracht werden kann. Man rechnet 'also für die Durchsetzung der Ge­haltssteigerungen auch für die höheren Beamten, denen der Bauernbund widerspricht, auf die Stim­men aus demokratischem und sozial­demokratischem Lager.

* Revirement ln der Schutzpolizei. Im Offiziers­korps der preußischen Schutzpolizei stehen, wie die „Voss. Ztg." erfährt, in nächster Zeit sehr umfang« reiche und bedeutsame Veränderungen bevor. Auf Grund des Ende vorigen Jahres vom Landtag ver­abschiedeten Polizeibeamtengesetzes werden am 1. April zahlreiche Offiziere, die diesem Gesetz ent­sprechend die Altersgrenze erreicht haben, aus der Schupo ausscheiden. Unter diesen befinden sich einer von den beiden Kommandeuren der preußischen Schutzpolizei in Essen, der Kommandeur Oberst Thusius, sowie die Poilzeiobersten de le Roy in Bochum-Gelsenkirchen, Kronau in Breslau und Kuhlmann in Recklinghausen. Das Ausscheiden dieser und anderer höherer Offiziere sowie eine Uteibe sonst noch erforderlicher Veränderungen ma-

FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.