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3. Wohl am meisten wird die Hausfrau und Mutter Verständnis und Hilfe bei Maria suchen und finden. Hat doch Maria 30 Jahre lang die Mühen und Sorgen einer Frau und Mutter nach Gottes Willen gi tragen. Maria weiß, was Wohnungsnot bedeutet: muß: sie doch iy Bethlehem mit dem armen, kalten Stall zu
zuüben. Sie eilt ins Gebirge zu Elisabeth, der Mutter des Vorläufers, und bringt durch ihren Gruß Heiligung und Frohlocken dem Kinde und der Mutter.
In der Grotte zu Bethlehem schenkt Maria der Welt das göttliche Kind. Sie reicht es den frommen Hirten und den Weifen aus dem Morgenland. Sie erfüllt bei der Darstellung im Tempel das Sehnen des greisen Simeon und der Prophetin Anna.
Das ganze Kindes- und Iugendleben des Erlösers ist Maria anvertraut. Sie nährt und bewahrt, sie schützt und erzieht das Heil der Welt, sei es in der Armut von Bethlehem, sei es in der Verbannung Aegyptens, sei es in der Stille von Nazareth. So erweist sie der Quelle der Gnaden jeden mütterlichen Dienst. Sie ist in der Tat die „Mutter der göttlichen Gnade". —
Während der drei Jahre, die der Heiland besonders dem öffentlichen Lehramt widmet, tritt Maria in den Hintergrund: sie sebst war ja nicht berufen, öffentlich zu
Nähere Auskunft über Einreisebedingungen u. Abfahrten erteilt1
Edmund Russack, Fulda, Sturmiusstraße 9.
In Geisa: Wilhelm Marschall, Hauptstraße 49. // In Hünfeld: Joseph Lehmer, Hauptstraße 50. // In Gersfeld: Andreas Schußler, Schloßstraße 13.
Alsbald beginnt Matta, x._l, ...
Sohnes, ihr heiliges Amt als Mittlerin der Gnade aus-
Gebot des Heilandes, daß der Hirt feine Schoflem kennt und die Schäflein den Hirten, ließ sich in den mehr bodenständigen und übersichtlichen Gemeinden leichter erfüllen. Heute haben sich die Anforderungen, die an Seelsorge und Priester gestellt werden, wesentlich geändert und sind schwerer zu erfüllen.
Weite Kreise unserer Landbevölkerung sind genötigt, die ganze Woche in der Industriestadt in schwerer Arbeit und in nicht geringen Gefahren für Glaube und^sitte zu verbringen, so daß der Seelsorger sie nur am Sonntag erreichen kann. Häufigerer Gottesdienst, öftere Predigt, leichtere Gelegenheit' zum Empfang der heiligen Sakramente sind unbedingt nötig, um an dem einzigen Ruhetag diesen Seelen wirksam helfen zu können. In den Städten sind manche Psarrgemeinden in kurzer Zeit auf die doppelle, ja dreifache Zahl ihrer Mitglieder angeWachsen, während die Zahl der Seelsorger die gleiche bleiben mußte. So ertönte denn aus weiten Streifen der Ruf zum Bischof: „Sende uns mehr Priester, sende uns mehr Priester!" . •
Wem könnten wir nun diese Not mit mehr Vertrauen empfehlen, als Maria, der „Königin der Apostel"? Nach der Himmelfahrt des Herrn wdr sie es ja, die durch ihr Wort, Beispiel und Gebet die Apostel auf den Empfang des Heiligen Geistes vorbereitete und dem hl. Matthias den Beruf zum Apostelamte-erflehte. Sie blieb als die geistliche Mutier des hl. Johannes mit den Aposteln aufs innigste vereinigt, nahm innigen Anteil an ihren Arbeiten und Sorgen für die junge Kirche und war ihr Trost und ihre Stütze. So wird sie auch, wofern wir nur in Opfer und vor allem in Geb et ausharren, die Gnade des Priesterberufes recht vielen und frommen und fähigen Knaben und Jünglingen erflehen, wird in edlen Seelen opferwilliges Verständnis für unser Priesterseminar und seine Alumnen wecken: sie wird auch den Seelsorgern Trost und Stärke in ihrem verantwortungsvollen Berufe vermitteln.
Darum, geliebte Diözesanen, so oft ihr in der laurc- tanischen Litanei die Anrufungen betet: „Mutter der göttlichen Gnade", „Königin der Apostel, bitte für uns", gedenket jener, die als unsere Apostel die Gnade Christi ausspenden sollen! Betet für eure Priester, betet um den priesterlichen Nachwuchs! Gedenket auch unserer katholischen Lehrer und Lehrerinnen, die der göttlichen Gnade mit den Priestern die Wege bereiten. Sie sind in berufen, den Kindern all das zu erzählen und zu erklären, was nur Maria aus der Jugendgeschichte des göttlichen Kindes „in ihrem Herzen bewahrt" (Luk. 2, 19. 51) und den Aposteln und Evangelisten nutgctctlt hat.
5. Bei unserem Gebet zu Maria in unseren Privat-, Familien- und Diözesananliegen wollen mir aber nicht vergessen, den Hl. Vater in seinen großen Sorgen zu unterstützen. Er ruft uns auf zum Gebet für die Bekehrung der Heiden, für die Wiedervereinigung der getrennten Christen, für die rechte, auf Liebe und Gehorsam beruhende Einheit der katholischen Christen untereinander und mit der von Christus bestellten Lehr- und Hirten- gemalt der Kirche. Wie gern wird Maria gerade dieses Gebet aufnehmen, das so ganz übereinftimmt mit dem hohepriesterlichen Gebet ihres göttlichen Sohnes vor seinem Gang zum blutigen Opfer. (Job. 17.)
6. Gelegentlich zum beharrlichen Gebet in all' diese, Angelegenheiten bietet uns der duftende Kranz der schönen Muttergottesfeste im Laufe des Kirchenjahre^ Feiert sie gern, geliebte Diözesanen, auch wenn sie nickst gebotene Feiertage sind, durch Besuch der hl. Messe und Empfang der hl. Sakramente!
Sodann widmet die Kirche zwei Monate des Jahres der ganz besonderen Verehrung und Anrufung Marias, den lieblichen Mai und den er'nsten Oktober. Besuchet eifrig allesamt .ohne Unterschied des Standes und Alters, die Maiandacht und das gemeinsame Rosenkranzgebet. Aber auch zu anderen Zeiten betet gern den Rosenkranz und betrachtet fromm seine Geheimnisse!
~ "lJn jeder Woche ist sodann der Samstag der Tag der Muttergottes. Fromme Katholiken versäumen es nicht, diesen Tag ihrer himmlischen Königin zu weihen, ihr Liebe und Verehrung zu bezeigen, und ihre Hilfe wenigstens durch Beten der Lauretanischen Litanei zu erflehen.
An jedem Tage endlich rufen euch die Glocken dreimal auf. im „Engel des Herrn" Maria zu grüßen und anzurufen. .Verschließet euer Ohr und Herz nicht dem eindringlichen Ruf von unfern Türmen! Wie schön war doch die alte Sitte, beim Läuten der Aveglocke jede Arbeit, jedes Gespräch, jedes Vergnügen zu unterbrechen und den „Engel des Herrn" entblößten Hauptes zu beten.
In Christo geliebte Diözesanen!
Wenn wir so unser ganzes Leben in den Dienst, dis Verehrung und Anrufung der Mutter Gottes gestellt haben, wenn wir jeden Tag andächtig zu ihr gerufen haben: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres T o- d e s", wenn wir vor allem uns nach Kräften bemüht haben, durch unseren Wandel ihr zu gefallen —, dann dürfen wir die sichere Zuversicht haben, daß die Mutter der göttlichen Gnade uns nicht verlassen wird in der letz- ten Not, in der wir die göttliche Gnade am meisten bedürfen, in der Stunde, die über unsere Ewigkeit entscheidet. Dann wird sich an uns das tröstliche Wort des hl. Vernarb erfüllen: „Per Marium ad Jefum, Durch Maria zu Jesus". Amen.
Es segne euch der allmächtige Gott t der Vater und f der Sohn und t der Heilige Geist. Amen.
Fulda, am Feste der Erscheinung der Unbefleckten Jungfrau Maria in Lourdes, 11. Februar 1,928.
t Joseph Damian.
Bischof.
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frieden sein. — Sie kennt die Sorge um Nahrung und Kleidung: hat sie doch das Brot der Verbannung' in Aegypten gegessen. — Sie hat erfahren, wie wehe es tun kann, wenn Gott ein geliebtes Kind für sich verlangt, fei es durch vorzeitigen Tod, fei es durch Beruf zum Stande der Vollkommenheit. Mußte sie doch 3 Tage lang mit dem heiligen Joseph das göttliche Kind mit Schmerzen suchen und bann, als sie im Tempel wiedergefunden, aus feinem Mund das Wort hören: „Warum habt ihr mich gesucht ? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?" (Luk. 2, 49.) So kennt sie mitfühlend, was immer ein Frauen- und Mutterherz bedrücken kann.
Deshalb, katholische Frauen, suchet vor allem in euern Zweifeln, Hilfe in euern Anliegen, Trost in jedem Leid bei der Mutter der göttlichen Gnade! Euer Standes- verein, der Verein der christlichen Mütter, N pflegt ja so eifrig die Verehrung und Anrufung der Schmerzensmutter Maria. Möchten doch alle katholischen Frauen schon beim Eintritt in den Ehestand diesem Verein, dem wichtigsten in jeder Pfarrgemeinde, sich anschließen und die üblichen Versammlungen gewissenhaft und treu besuchen. Das gemeinsame Gebet zur gemeinsamen Mutter wird sicher reichen Segen in alle Familien leiten.
4. Wenn die gute Standeswahl, echtes Familienleben und treue Erfüllung des Mutterberufes den Bestand der menschlichen Gesellschaft sichern müssen, so ist die Pflege des Priesterberufes die notwendige Voraussetzung für den Bestand der Kirche. Mit ernster Sorge sehen daher die Oberhirten der Kirche, wie noch immer die Ernte so groß ist, der Arbeiter aber so wenige sind. In früheren, weniger bewegten Zeiten genügten die vorhandenen Gotteshäuser und Seelsorgestellen. Ein gesunderes Geschlecht scheute selbst weite Wege nicht, um dem pflicht- I gemäßen Gottesdienste beizuwohnen. Der früher weniger häufige Sakramentenempfang stellte geringere Anforderungen an die Zeit und Arbeitskraft des Priesters. Das
In Christo geliebte Diözesanen!
lleberaus schwer sind die Kämpfe, welche die streitende Kirche Christi heute zu bestehen hat, zahlreich die Feinde, die sie von allen Seiten umringen, groß die Gefahren, die den höchsten Gütern der menschlichen Gesellschaft, Glaube und Sitte drohen. Darum sind auch groß die Sorgen der Kirche, vor allem des Stellvertreters Christi, des heiligen Vaters, und der Bischöfe. Blicket besonders hin auf Pius XI. Wie eindringlich schildert er den Zustand der Welt in feinen Rundschreiben über das Königtum Christi, über das Jubeljahr, über den heiligen Franziskus und den heiligen Aloysius und zuletzt über die wahre ^.höfische Einheit. Blicket hin auf die Oberhirten der Diözesen, denen die Zeitlage so schwere Sorgen bereitet. Umso größer sind ihre Sorgen, als sie sehen müssen, wie ihre Worte von vielen nicht beachtet werden und wie so viele zaghaft und mutlos geworden sind.
Darum hat der Hl. Vater Pius XI. in seinem letzten Rundschreiben über die Einheit der Kirche seine treuen Kinder auf ein sicheres Mittel aufmerksam gemacht, das tn der Geschichte der Kirche sich so oft als heilend und rettend erwiesen hat, auf das vertrauensvolle Gebet zur heiligen Gottesmutter. Sie, die den bedeutungsvollen Titel hat „Mutter der Göttlichen Gnade", ist von Gott berufen, uns die Gnade in reicher Fülle zu erflehen. Maria ist von Gott auserwählt, nach dem göttlichen Heiland unsere Mittlerin zu sein, und sie übt dieses Amt auch in mütterlicher Siebe aus. Sie verdient daher gerade in der heutigen Zeit unser kindlicher Vertrauen. Maria, die Mutter der göttlichen Gnade, sei daher der Gegenstand meines diesjährigen Fastenhirtenbriefes.
Er soll euch darlegen 1. wie wohl begründet der Glaube der Kirche an die Gnadenvermittlung Marias ist und 2. wie wir in den besonderen Nöten der Gegenwart zu ihr unsere Zuflucht nehmen sollen. So werden auch wir einstimmen können in das altehrwürdige, dankbare Bekenntnis der Kirche: „Siehe, Maria war unsere Hoffnung. Zu Ihr nahmen wir alle unsere Zuflucht, und sie kam uns zu Hilfe."
I.
Geliebte Diözesanen!
Wenn der Hl. Vater so eindringlich mahnt, zu Maria unsere Zuflucht zu nehmen, und sie als die „Mutter der göttlichen Gnade" uns vorstellt, vergißt er da nicht das feierliche Wort des Völkerapostels: „Es gibt nur einen unö einen Mittler zwischen Gott und den Menschen: den Menschen Christus Jesus" (1. Tim. 2, 5)? — Gewiß kennt der katholische Glaube nur einen Mittler, den Heiland Jesus Christus, den menschgewordenen Gottessohn: aber wir wissen auch aus demselben Glauben, daß der himmlische Vater in den Plan der Menschwerdung seines Sohnes Maria als dessen menschliche Mutter ausgenommen hat. Durch sie sollte wie durch einen Kanal uns zufließen die Fülle der Gnade, deren Quelle Christus ist. Wie er Adam, dem leiblichen Stammvater des Menschengeschlechtes, im Paradiese Eva als „Mutter der Leben- higen" zugesellte, so sollte an die Seite Christi, des „neuen Adam", in feiner Mutter Maria die neue geistige Mutter her Lebendigen als zweite Eva treten. So ist es lieber» zeugung der Kirche seit den Tagen der Apostel. So verkünden es die Väter und Lehrer der Kirche mit begeisterten Worten.
1. Es mar eine für das Los der ganzen Menschheit entscheidende Stunde, als der gefallene Engel in Schlangengestalt mit Eva im Paradiese verhandelte und sie, von ihm getäuscht, in die Sünde einwilligte. Sie brachte auch den Adam zu Falle, und so kam durch sie Sünde, Elend und Tod über das ganze Menschengeschlecht. Die „Mutter der Lebendigen" wurde zur Mutter der Toten.
Auf dem ersten Blatt des Evangeliums finden wir wiederum eine Frau in Unterredung mit einem Engel: Gabriel, von Gott gesandt, verkündet der Jungfrau Maria in Nazareth den Plan der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Durch ihre Einwilligung in den göttlichen Plan soll sie die Mutter Ves Erlösers werden. Durch sie soll derjenige, der die Fülle aller Gnaden ist ,der Erde geschenkt werden. Einer schweren Entscheidung sieht sich die Jungfrau gegenübergestellt. Sie weiß aus den Schriften der Propheten, daß der kommende Erlöser „Der Mann der Schmerzen" sein wird (Js. 53, 3), und daß darum auch seine Mutter die Mutter der Schmerzen werden soll. Aber sie erbarmt sich der gefallenen sündigen Menschheit und stimmt gehorsam dem Rufe Gottes mit den Worten zu: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn" (Luk. 1, 38). Q erhabenes Wort, das dem Fluche der Erbschuld Einhalt gebietet, das den Himmel öffnet und das ewige Wort, den Eingeborenen des Vaters, von feinem göttlichen Throne herabrust und zu unserem Bruder macht! „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh. 1, 14). Sei uns darum gegrüßt, Maria, du „Mutter der göttlichen Gnade"!
mung aus irdischen Rücksichten versagt, wenn sie nur an sich und irdisches Glück gedacht hätte? Wie gern wird sie darum auch allen in der Schwierigkeit der Standeswahl helfen das zu wählen, was dem göttlichen Willen entspricht. Möchte sie dann von aller Lippen jenes Wort hören, das sie in der entscheidenden Stunde ihrer Standeswahl gesprochen: „Siehe ich bin die Magd des Herrn!"
Gar vielen ist die Zugehörigkeit zur Mariani- schen Jünglings- oder Iungfrauen-Kon- g r e g a t i o n die Schule dieser rechten Gesinnung geworden. Die Jugend unserer Zeit hat zwar verschiedentlich versucht, auf neuen Wegen ein neues Glück zu finden. Schmerzliche Enttäuschung hat der Jugend und ihren Führern die Augen geöffnet, so daß sie gern wieder dem bewährten Wege des Mariendienstes sich zuwenden.
Mochten doch die bestehenden Marianischen Sodalitä- ten immer mehr zu Pflanzstätten der Hingabe an die Ideale der Gottesmutter werden! Mochten alle Jünglinge und Jungfrauen dort Licht und Kraft schöpfen zu einer reinen Jugend und einer glücklichen, gottgefälligen Standeswahl! Dann wird sich an ihnen das Wort erfüllen. „Wer mich findet, findet Leben und erlangt Heil von dem Herrn" (Spr. 8,35).
2. Für die meisten der Menschen wird der Ehestand der 'gottgewollte Lebensberuf sein. Wie viele Schwierigkeiten aber stellen sich in unseren Tagen der Wohnungsnot, der Arbeitslosigkeit und anderer wirtschaftlicher Notstände des öfteren dem Abschluß einer Ehe entgegen. Die Qual der Ungewißheit so mancher Brautleute hat die jungfräuliche Gottesmutter empfunden, als sie nicht wußte, ob der heilige Joseph sie als Gattin heimführen oder entlassen würde. Von ihr dürfen deshalb die Brautleute in ähnlichen Lagen Hilfe und Trost erwarten, bis Gottes Vorsehung auch ihnen den Weg zum Eintritt in den Ehestand ebnet. —
Die Hilfsbereitschaft Marias für die Eheleute zeigt deutlich ihr Verhalten auf der H o ch z e i t z u K a n a. In teilnehmender Sorge gewahrt sie bald die Verlegenheit des jungen Ehepaares, als der Wein ausging (Joh. 2. 3). Wenn die Gottesmutter in unsere Häuser käme, würde sie da nicht, wenn auch in anderem Sinn, manchmal ihr Wort wiederholen müssen: „Sie haben keinen Wein"? Es fehlt an. dem echten .starken Geist christkatholischer Auffassung der Ehe. Da ist z. B. eine Ehe unglücklich geworden, weil Mann und Frau im Glauben getrennt sind und einander nicht verstehen. Dort ist das Eheglück zerstört, weil der Mißbrauch gottverliehener heiliger Rechte den Fluch Gottes herausfordert. Ein anderes Paar trägt die furchtbare Verantwortung der Zerstörung werdenden Menschenlebens. Wieder andere leben in Verbindungen, die vor Gott und feiner Kirche keine Gültigkeit haben können, weil vielleicht ein früheres Eheband zwar vom weltlichen Richter für gelost erklärt wurde, vor Gott aber noch fortbesteht, oder weil sie nur vor dem weltlichen Beamten ihren Bund geschlossen haben. Gott sei es geklagt: solch traurige Zustände, die unfern frommen, treukatholischen Vorfahren unbekannt waren, mehren sich auch in ganz katholischen Gegenden, nicht bloß in den Städten, sondern auch auf dem Land. Wir konnten den Mut verlieren, wüßten wir nicht, daß unsere himmlische Mutter auch für diese eiternde Wunde der Menschheit die heilende Gnade erflehen wird, wenn wir alle mit heißem vertrauensvollen Gebete sie bestürmen. Darum, liebe katholische Eheleute, wenn euer Stand Opfer und Entsagung verlangt und der moderne gottfeindliche Geist mit seinen Ratschlagen an euch herantritt, rufet Maria an, die „Mutter der göttlichen Gnade"! Sie wird euch den Geist des Opfers, der Entsagung und Geduld erlangen.
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lehren und zu wirken. Von Bedeutung ist es aber, daß sie auf der Hochzeit zu Kana durch ihr Gebet das erste Wunder des Herrn erflehte, jenes Wunder, das nicht nur der Verlegenheit der Brautleute zu Hilfe kam, sondern auch vorzüglich bestimmt war, den Glauben der ersten Jünger an die Gottheit ihres Meisters zu begründen. So dürfen wir auch gewiß fein, daß Maria während der übrigen Zeit des öffentlichen Lebens Jesu die Tätigkeit ihres göttlichen Sohnes durch ihr Gebet und ihre stillen Opfer begleitete.
Tätigen Anteil an dem Erlöferwerk nimmt Maria erst wieder, wo der Heiland sich anfchickt, durch fein Leiden und Sterben die Erlösung der Menschheit zu vollenden.
2. Geliebte Diözesanen! Auf Golgotha sehen wir den Opferaltar des Kreuzes aufgerichtet. Angenagelt an Händen und Füßen ist das „Lamm, das hinwegnimmt die Sünden der Welt". In Strömen fließt das Erlöserblut zur Erde. Da steht bei dem Kreuze Jesu seine Mutter. Petrus und die übrigen Apostel sind geflohen; nur Johannes hält mit Maria bei dem Opfer aus. O, daß uns ein Blick gestattet wäre in das Herz der Erfäfermutter! Jetzt hat sich ja erfüllt, was sie in der Stunde der Verkündigung vorausgeahnt. Nun wird sie inne, welche Bedeutung jenes Wort: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn" nach dem Plane des himmlischen Vaters haben sollte. Wiederum willigt sie in demütigem Gehorsam gegen Gott und in opferwilliger, erbarmender Liebe zu den Menschen ein, Mutter zu werden, geistige Mutter aller jener, die ihr Sohn durch seinen Tod, seines gött- lichen Lebens ,ber Gotteskindschaft teilhaftig machen will. Sie steht wie eine Priesterin neben dem Altar des Kreuzes: das gleiche Opfer, das ihr Sohn in feinem Blute barbringt, ist ja auch i h r Opfer. Auch sie gibt in ihm ihr Bestes, ihr Alles hin für die Seelen, benen ihr Sohn bie göttliche Gnade erkauft. Wie das Blut des sterbenden Erlösers zum Vater hinaufruft um Gnade und Erbarmen, so auch rufen mit ihm Marias Seufzer und Tränen. ,
Jetzt verstehen wir auch das letzte Wort des Heilandes, fein Testament für die Menschheit, durch das er seine Mutter als Mutter aller Erlösten einsetzt. „Siehe da, dein Sohn!" spricht er zu ihr, und zu Johannes: „Siehe da, deine Mutter!" (Joh. 19, 26. 27.) Hier ist Johannes, wie die Kirche seit Jahrhunderten glaubt und lehrt der Stellvertreter der erlösten Menschheit. Wir begreifen aber auch, wie bie Kirche im Namen ber erlösten Menschheit nicht mübe wirb, burch ben Munb ihrer größten Lehrer zu verkünben unb Tag für Tag, ja Stunbe um Stunbe, in ihren Gebeten zu bekennen, baß sie jebe Gnadenhilse burch Marias Vermittlung erhofft.
Wenn also Maria schon durch ihre Einwilligung in bie Menschwerdung Christi die „Mutter der göttlichen Gnade" geworden ist, so erst recht durch bas Opfer, bas sie unter bem Kreuz mit ihrem Sohne vollendet hat. Wer so wie sie mitwirkt an der Erwerbung der Gnade, muß auch Mitwirken dürfen bei ihrer Ausspendung unb Mitteilung. Die frommen Kinber ber Kirche haben barum recht, wenn sie Maria, bie erste nach Christus in ber himmlischen Glorie, auch ben ersten Anteil an bem Werke Christi ber Zuwendung der Erlösung nehmen lassen. Fest begründet ist die katholische Ueberzeugung, daß ihr als der „bittenden Allmacht" keine Bitte abgeschlagen wird, daß alle durch sie den sicheren Weg zur Quelle der Gnade zu Jesus, finden, wie der große Marienverehrer, der heilige Bernard, so schon sagt: „Per Mariam ab Jesum, Durch Maria zu Jesus."
Diese Ueberzeugung von ber Stellung Marias bei ber Ausspenbung ber Gnabe zeigt sich in bem letzten Wort, bas uns» in ber Apostelgeschichte über Maria berichtet wirb: „Diese alle (die Apostel) verharrten einmütig im Gebete mit . . . Maria, ber Mutter Jesu" (Apg. 1,14). In biefem Gebet erfleht sie ber Kirche anstelle bes unglückseligen Jubas ben neuen Apostel Matthias. Sie erfleht bie Fülle bes Heiligen Geistes ben Aposteln unb Jüngern des Herrn. Ihrem Gebete dürfen wir es auch zuschreiben, daß Petrus, der noch nnr kurzem in feiner. Schwachheit den Herrn verleugnet hat, jetzt mutig und unerschrocken vor Tausenden den Glauben an Christus verkündigt. Ihrer Fürbitte verdankt es die junge Kirche In Jerusalem, daß ihre Gläubigen „verharrten in der Lehre der Apostel, in ber Gemeinschaft bes Brotbrechens unb in den Gebeten" (Apg. 2, 42).
Glückselig daher die Gemeinde in Jerusalem, bie mit Maria betet unb an ihrer Seite unb in ihrem Geiste bem heiligen Opfer beiwohnt unb ben Leib bes Herrn empfängt. Glückselig aber auch die katholische Kirche unserer Tage, bie bei jebem heiligen Opfer auch Marias Gedacht, nis feiert unb burch ihre Fürbitte überreiche ©naben- aus den Quellen des Erlösers schöpft. Möchten doch wir alle, in Welt unb Kloster, im Priester- unb Baienftanb, in diesem altkirchlichen Geiste gerade in unserer Zeit das Heil finden durch Maria, die Mutter der göttlichen Gnade.
II.
Geliebte Diözesanen!
Wie wir gesehen haben, findet die Kirche unb alle ihre Kinber im Vertrauen auf bie Fürbitte der Mutter Gottes Ermutigung, Hilfe und Trost in ihren schweren Aufgaben. Maria ist ja von Gott auserwählt und bestimmt, als .„Mutter ber göttlichen Gnabe" ben unerschöpflichen Schatz der Verdienste Christi auszuteilen. Um so mehr dürfen wir jetzt auch auf ihre Hilfe vertrauen, als sie in ihren Lebensschicksalen die Note unserer Tage durchgekostet unb überrounben hat.
1. Wie wichtig ist z. B. für jeben Menschen bieWahl bes Lebens st anbes. Hängt doch davon in den meisten Fällen nicht nur das zeitliche Wohlergehen, son- bem auch ber Friede unb das Heil der Seele, ja sogar bie Erlangung ber ewigen Seligkeit ab. Was wäre wohl aus Maria geworben, wenn sie in ber entscheibungsvollen Stunde, da der Beruf zur Mutter bes Erlösers ihr vom Engel im Auftrage Gottes angeboten würbe, ihre Zustim
Lichtbildervortrag ■■ ■iihiiii ■imwii m des Herrn Domkapitulars, Professor Dr, Richter am Mittwoch, den 29. Februar 1928, 20.15 Uhr, in der Aula der Aufbauschule überwMwi
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Es wird gebeten, bas Holz vorher zu besichtigen, ba nachträgliche Beanstandungen nicht berücksichtigt werden können.
Stockhausen, 23. Februar 1928.
Freiherrlich Riedeselsche Revierverwattung.