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Sonn tag, 26. Februar 1928.

Fuwaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda

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Der Sport entdeckt immer neue Möglichkeiten, die Menschheit in Atem zu halten. So geht durch die Presse die Nachricht von der Lady auf der Stange. Man hat nämlich in Amerika begonnen, aus dem Erklettern von Flaggenmasten eine Sen­sation zu machen. Den Rekord schlägt aber nicht der, der am behendesten hinaufklettert, sondern wer am längsten oben sitzen bleibt. Joe Pavers aus Chicago gelang es, 16 Tage sich in der Höhe zu halten. Aber es war ja vorauszusehen, daß — wo es doch ums Sitzenbleiben ging — eine Dame den Preis gewinnen mußte. In der Tat gelang es einer Lady bald darauf, 22 Tage oben auszuharren. Die Lebensmittel wurden an einer Leine herauf« gezogen, während nach dem Bericht der Vollzug der übrigen Lebensfunktionen bis heute ein <9e- h"imnis blieb. Die Rekordlady erhielt als Preis 2000 Dollar, genug, nm sogleich heiraten zu können. So halt du. liebes Vaterland, wieder ein ameri­kanisches Vorbild zur Nacheiferung, und die liberale Presse bekommt Gelegenheit, zu beweisen, daß die alten Stylithen, die zwischen Himmel und Erde auf ihren Säulen lebten, nicht den geringsten Vorzug mehr vor uns haben. Ich sehe schon, wie das Volk der Dichter und Denker sich in unfern Riesensporthallen versammelt und die Hälse reckt nach der germanischen Heldenjungfrau auf der Stange .... .

Dies zur Einleitung für ernstere Dinge. Mn Beamter, einer von den besten, soweit ich es aus feinem Schreiben schließen kann, hat nur ^geant­wortet vonwegen meiner Mahnung, man möge bei den vielen Härten, die schon im Gesetze selber liegen, doch den „Härteparagraphen" nicht Vergessen, den zum Trost der armen Untertanen eine Hohe Staats­regierung den Forderungen der Hackszinssteuer als guten Engel mitgegeben hat. Nun verstehe ich durchaus, wie jener Beamte sagt, daß es oft genug dem menschlichen Herzen widerstrebt, drückende Ge- seße durchzuführen. Gerne mahne auch ich meiner« feite, doch dem Beamten nicht vorzuwerfen, was er im Dienste des Gesetzes tut und tun muß. Ich bin gar nicht sentimental und meine, daß ein gutes Gesetz, auch wenn es hart ist, doch nur Siebe zur Allgemeinheit bedeutet. Aber, obwohl auf dem Monde, konnte ich doch beobachten, daß jene Mil­derungen, die der Wohlfahrtsminister selber mit Anweisungen versehen hat, in vielen Fällen nicht angewandt worden sinV. Ich habe selber solche Fälle erlebt, und zwar dutzendweise. Auf einige, die jeder selber nachprüfen kann, habe ich nament­lich hingewiesen. Ach, mir geht es ja nicht darum, Len Beamten, die es schwer genug haben, dar 'Leben noch zu erschweren oder billige Demagogie zu treiben. Ich wollte nur ganz bescheiden, well es eben nachweislich nicht immer geschehen ist, darum bitten, doch der Milderungen, die das Gesetz lelber an die Hand gibt, eingedenk zu sein Man möge mir glauben, daß ich immer nur einen ganz kleinen Bruchteil meines Materials und auch das noch tehr sanft vorlege, um ja nicht anzustohen, weil ich jedem gut will, sonst hätte ich beftimmt nicht der Versuchung widerstanden, etwa eine von den Bauernversammlungen zu schildern, wie sie massenweise stattgefunden haben. Die „Frank­furter Zeitung" sagt in einem ihrer letzten Leit­artikel, es wüßten die Parteien manchmal doch nicht recht, was im Lande vor gehe, und es habe auch die Volkspartei z. B. zu Anfang sich sehr da­rüber getäuscht, wie stark noch der liberale Ober­lehrer in Sachen der Schulpolitik auftreten könne. Mein^steils bin ich überzeugt, daß uns die neuen Wahlen große Ueberraschungen bringen werden.

Und nun eine noch ernstere Sache. In einem der großen demokratischen Blätter Nagt ein Sech­zehnjähriger über die sexuelle Not der deutschen Jugend und schlägt eine Lösung vor, die in der Richtung der Kameradschaftsehe liege, also einfach darin, daß Kameraden miteinander leben wie Ehe­leute. Es fei dabei nur der eine Uebelstand, daß die Jugend Abwechslung liebe und also bei diesem Snstem nicht ganz auf ihre Rechnung komme. Die „Vossische Zeitung" druckt das einfach alles ab, wie sie ja auch die Hauptakteure und -aktricen des Primanerprozesses so blendend wiedergibt, daß beim Anblick dieser Künstlervhotographien wohl manchem Jugendlichen die Lust anwandeln dürfte, bald in ähnlicher Weste wie Krantz und Genossinnen der Oeftentlichkeit 'vorgestellt zu werden. Dieses Schlagwort von der sexuellen Not der Jugend hört man oft, und es muß wirklich eine Antwort darauf versucht werden. Da ist einmal zu sagen, daß die Jugend aller Zeiten, ja vielfach sogar die Greife noch, mit allerlei sexueller Not hat ringen müssen. Im Christentum nennt man das einfach: Versuch­ungen haben. Der früheren Jugend hat man ge­sagt, daß man diese Versuchungen überwinden müsse, und daß es dazu vor allem der Mittel der Religion bedürfe. Und es gab und gibt Gott fei Dank noch eine große Zahl von Jugendlichen, die tapfer mit sich kämpfen und den schönsten Sieg er­ringen. Andere tauchen vielleicht auf und nieder, aber sie verzweifeln doch nicht, weil sie neben dem gerechten, auch den guten Gott kennen. Die Not von heute heißt einfach, daß man keine zugkräf­tigen Ideale und keine Heiligengeftalten mehr kennt, die man der Jugend als Vorbilder vor die Augen stellen könnte. Dann allerdings wird die Not groß und entsetzlich. Das zumal in einem Zeit- alter, das alles darauf ablegt, um die erotischen und sexuellen Gefühle herausfordern. Wie oft habe ich Jugendliche beobachtet, die sich in Gesell­schaft von Mädchen befanden, die am Ende guten Familien angehörten, aber ebenso gekleidet waren, daß sie wie eine lebendige Versuchung des Teufels herumgingen. Dazu kommt dann Alkohol und Nikotin, und man nennt das Ganre „die sexuelle Not der Jugend". Möchte wenigstens unser Ge­schlecht wieder ein bischen ehrlich werden und ruhig einräumen, daß es so etwas gibt wie Versuchungen. Möchte es weiterhin aufbörm mit der Klage über die sexuelle Not, wo doch alles geschieht, um diese Not nur noch zu vergrößern. Die Jugend ist hier überhaupt nicht in erster Linie anzuklagen, sondern die Estern und der ganze Zeitgeist. Auch vielleicht jene Guten die sich nicht über die Stimmungen der Verzweiflung Hinwegarbeiten, die sie in der Einsamkeit ihres gottliebenden Herzens wohl empljnden. Und es ist doch kein Grund zur Ver­zweiflung. Neulich traf ich einen Arzt, von dem ich wußte, daß er in der Jugend schwer zu ringen hatte, ja, daß er ganz in die Ketten der elenden Leidenschaft geschmiedet war. Ich fragte, wo er

weniger Kriegsschiffe.

Einschränkung des amerikanischen Floklenbau- Programms.

Aus Washington wird gemeldet: Der Marine­ausschuß des Repräsentantenhauses beschloß, den Bau von 15 Kreuzern und einem Flugzeugmutter­schiff anstelle der vom Marineminister beantragten 71 Kriegsfahrzeugen zu genehmigen. Die Kosten der Ausführung dieses stark eingeschränkten Pro­gramms werden auf 274 Millionen Dollars ver­anschlagt, während das Regierungsprogramm mit 740 Millionen gerechnet hatte. In diesen Beträgen sind jedoch die Kosten für Flugzeuge und für die Verstärkung der Schiffsmannschaften nicht enthal­ten. Der Ausschuß, der, wie sein Vorsitzender mit- teitte, feine Beschlüsse fast einstimmig faßte, be­stimmte außerdem, daß das erste der geplanten Schiffe innerhalb dreier Jahre von der Annahme des Programms auf Kiel gelegt werden solle und

so frisch vor mir stand, ein prächtiger Junggeselle, wie es ihm denn nun in dieser Hinsicht gehe. Er antwortete mit großartiger Einfachheit: Es geht mir gut, glanzend sogar . . . Wieso denn, fragte ich, alle Welt klagt doch über die sexuelle Not . . . Aber freilich, so antwortete er, ich gehe auch jeden Morgen zur heiligen Kommunion. Wer begreift mein Staunen, als ein Arzt des zwanzigsten Jahr­hunderts mir dergleichen sagte?! Ich fuhr dann fort zu fragen: Aber in außergewöhnlichen Fällen, wo schon eine Gewohnheit vorliegt, was dann, was sagen Sie als Arzt? — Er darauf: In außer­gewöhnlichen Fällen gibt es für gewöhnlich auch außergewöhnliche Gnade, wenn man zum Tische des Herrn geht . . . Für diesen Mann, der sich im übrigen keinem gesellschaftlichen Fest entzog, war also die sexuelle Not der Jugend behoben ....

Von Festen spreche ich da. Nun, einen Fast­nachtsball wird der Mann doch nicht mitgemacht haben. Volksfeste müssen sein. Aber das heute firtb keine Volksfeste mehr. Ich will nicht davon sprechen. Nur denen ein Wort des Dankes und der innigen Verehrung, die auch dieses Jahr in Scharen, während draußen die wilden Orgien gefeiert wurden, still und andächtig einer höheren und reineren Liebe gefolgt sind. Millionen als Tobernakelwacht... ja, das war schön . . .

Der Mann im Mondo.

Rund um die Woche.

Die Lady auf der Slange. — Der hSrleparagraph. — Die sexuelle 3tof der Jugend.

daß das gesamte Programm in sechs Jahren durch­geführt werden müßte.

*

In einem Schreiben an Senator Borah sicherte der Präsidentschaftskandidat Hoover zu, daß er sich für die A u f r e ch t e r h a l t u n g des Pro­hibitionsgesetzes einsetzen werde.

Vsdeutsamer Raffaelfunö.

Universitätsprofessor Dr. Plenge hat, wie die „Münsterische Zeitung" meldet, in Münster unter dem Bestand eines Münstexscheir Kunsthändlers einen bedeutsamen Raffaelsund gemacht, eine Madonna mit einem „schwebenden" Kind und Johannes im Hintergrund: die „Madonna des Jncarnatus", wie sie Professor Dr. Plenge nennt. Das Bild bedeutet für Raffael das „Meister­stück", mit dem er sich von feinen Vorbildern Michelangelo, Mantegna und Fra Bartolomeo los- macht. Das Münsterfche Bild ist außer leichten Schäden, einer früheren „Reingiung", vorzüglich erhalten, auch kaum übermalt.

* Aus dem Freistaat Hessen. Auf sein Nach­suchen wurde Pfarrer Karell zu Nieder-Jngel- heim mit Wirkung vorn 15. dieses Monats aus dem Dienst der Hessischen Landeskirche zwecks Ueber- nahme des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft entlassen.

* Die Ehrenkasse für die Hundertjährigen. Ob­wohl die Hundertjährigen in Deutschland wohl an den Fingern her zu zählen sind, scheinen manche Gemeindebehörden zuweilen übersehen zu haben, den 100. Geburtstag eines in ihrer Gemeinde An­sässigen den oberen Instanzen rechtzeitig zur Kennt­nis zu bringen. Der Preußische Innenminister er­innert jedenfalls die ihm Nachgeordneten Verwal­tungsbehörden daran, daß sie sich in ihrem Bezirk über derartige Ereignisse dauernd auf dem laufen­den zu halten haben, damit das Glückwunschschrei­ben der Regierung und die Ehrentasse dem Jubilar jeweils rechtzeitig zum Geburtstag zugestell: wer­den kann.

* Die THuffer holl ihren Sohn aus der Frem­denlegion zurück. Ein wohl einzig dastehendes Bei­spiel von aufopfernder Mutterliebe gab eine Frau aus der Elberfelder Gegend. Der Sohn einer Walder Fabrikantenfamilie verschwand im vori­gen Jahre, nachdem er sich erfolglos bei der Reichs­wehr beworben hatte. Alle anaeltellten Ermittlun­gen verliefen erfolglos. Schließlich erhielten die Eltern durch einen zurückgekehrten Fremdenlegio­när davon Kenntnis, daß ihr Sohn sich in der fran­

zösischen Fremdenlegion in Algier befinde. Die be­herzte Mutter machte sich mit dem zurückgekehrten Fremdenlegionär sofort auf den Weg nach Algier. Unter mannigfachen Schwierigkeiten gelang es ihr auch schließlich, ihn aufzufinden. Mit echt bergischer Zähigkeit verfolgte sie ihr Ziel, den Jungen aus der Fremdenlegion freizumachen Der Erfolg blieb ihr auch nicht versagt, so daß vor einigen Tagen Mutter und Sohn nach Ueberwrndung größter Schwierigkeiten wohlauf in Wald eintrafen.

Katholische Welt.

— Katholikentag 1930 in Münster. In einer Sitzung des Vorstandes und des Arbeitsausschusses des Katho­likenkomitees der Stadt Münster teilte Universitätspro­fessor Dr. Dönberg, Mitglied des zentralen Komitees der Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands, mit, daß mit dem Katholikenkomitee in Köln eine güt­liche Vereinbarung erfolgt sei, der zufolge der Katholi­kentag 1930 nunmehr Münster überlassen wird. Sta­tutengemäß kann die endgültige Wahl Münsters erst auf dem Katholikentag 1929 in Freiburg in Baden statt- finben.

= Von der hessischen Canbesunioerfifäf. Der au­ßerordentliche Professor ber Zoologie an der hessischen Lanbesuniversität Gießen, Dr. Erhard, hat ernen Ruf als ordentlicher Professor an der Universität Frei- bürg in der Schweiz erhalten und angenommen.

Unsere Zrauen-Zriedenskirche wächst

Gleich der Anfang der Arbeiten brachte eine große Schwierigkeit. Während in der Gegend nur Felsgrund ist, z. B. bei Pfarr- und Gemeindehaus der Fels schon eineinhalb Meter unter der Oberfläche liegt, fand sich unter dem Grundstück der Kirche ein Moor, das unter dem Turm 11—12 Meter tief war. 291 Pfähle, manche im Gewicht von 120 Zentner, mußten gerammt werden. Am 4. Januar, morgens %9 Uhr, wurden die letzten Pfähle versenkt und damit das Fundament der Kirche vollendet. Die dadurch entstandene Mehrausgabe be­trägt Über 50 000 Mk. Aber nun stehen die gewal­tigen Fundamente und der Bau steigt von Tag zu Tag. In gleichem Maße aber steigen unsere Sorgen. Wie bald wird unsere Kasse leer fein?

Nun heißt es deshalb mutig von neuem mit der Ar­beit beginnen. Der Bau kann und darf nicht ins Stocken geraten. Es besteht die Hoffnung, daß die Kirche zum 25. Jubiläum des Kath. Frauenbundes am 16. No- oember d. I. eingeweiht werden kann. Wenn wir alle jetzt nach Jahresfrist noch einmal dieselbe Spende geben, wenn alle, die bisher unsere Bitten nicht erfüllten, ein kleines Opfer brächten, dann wäre der Bau vollendet. Das Denkmal deutscher Frauen für unsere Helden würde durch Jahrhunderte Zeugnis geben von dem Opfermut der katholischen Frauen Deutschlands in schwerster Zeit.

Gaben nehmen die Vorsitzenden der Mütter- und Jungfrauenvereine, des Kath. Frauenbundes und bes Kath. Lehrerinnenvereins entgegen. Postscheckkonto Nr. 3378 Köln, Frankfurter Frauen-Friedenskirche, Köln, Roonstr. 36.

MEDOC heißt unferenweßMf

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eine CigaroHe die SieJoVa anders nickt befon/nten-Das ist ihr Ver­zug -Vergleichen $ie bitte diese ägarette tnit jeder 10 Mennig Cigarette der Kbnhurtenz-Illehr brauchen wir nidtf zu Jagen.