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Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblalk.

Ur. 43.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. x Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. x

Dienstag, 21. Februar 1928.

Anzeigen-Preise: Klein-chle (Colonel) lokal 0,15 JUt auswärts 0,20 5MI. Reklamezeile: lokal 0,60 JUt auswärts 0,80 5Ut. Bei Wiederbolungen Rabatt. :< Poftfcheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051

55.Zahrg.

neue

drei anderen

Zer Ausgang Her Hamburger MgerschaDmahleu 80 Prozent Wahlbeteiligung statt 75 Prozent am 9. Oktober 1927__

Ueberraschender Erfolg der Demokraten. — Stimmrückgänge der Deutsch- nationalen und Sozialdemokraten. — Katastrophe der Splitterparteien.

Deutschnationale Demokraten Kommunisten Deutsche Volkspartei Zentrum Volksrechtspartei Nationalsozialisten Mittelstandspartei Zusammen

(18) ( 2) ( 1) ( 2) ( 6) Sitze

Die bisherigen Regierungsparteien: Demokra­ten, Sozialdemokraten und Volkspartei haben eine sichere Mehrheit.

Sunt Schulgesetz.

Sn einer Kundgebung zu der durch das Schei- tern des Reichsschulgesetzes entstandenen Lage gibt der Beirat des Evangelischen Reichs- elternbundes der tiefsten Erregung der El. ternschaft darüber Ausdruck, daß nach vielmonat­licher intensivster Arbeit die Erledigung des seit neun Jahren erstrebten und von der gegenwärtigen Reichsregierung und den an ihr beteiligten Par. teien in aller Form zugesagten Reichsschulgesetzes erneut aufgegeben ist.

„Wir können", so heißt es weiter, „unter keinen Umständen zugeben, daß der Keudell'sche Entwurf, wie er vom Bildungsausschuß in erster Lesung verabschiedet worden ist, eine Ueberspannung des

Elternrechts enthielt, oder zu einer Leistungsminde- rung der deutschen Volksschule geführt hätte. Wir lassen uns in der Forderung nach einem Reichs- schulgesetz nicht beirren, das uns Eltern aufgrund des in der Reichsverfassung feierlich verbrieften El» ternreckts die Freiheit gibt, rinsere Kinder nach un­serer Wahl in evangelische Staatsschulen zu schik- ken." Es gäbe für die Elternschaft nur eine Lo­sung: „Die Fortsetzung des Kampfes bis zum End­ziel! Sicherung der evangelischen Schule durch ein Reichsschulgesetz!"

Auftakt zur Neichstagsroahl.

Die sozialdemokratische Partei eröffnete rnKiel den Wahlkampf mit einer großen offiziellen Kund­gebung, in der Reichstagspräfrdent L ö b e eine Rede hielt. Er führt« u. a. aus:

Die Parole, unter der die Sozialdemokraten in den Wahlkampf ziehen werden, fft einmal nach außen hm: die Wahl soll zeigen, daß in Deutsch- landeinfriedlicheS, ein kriegsfeindliches Volk lebt. Wir müssen den Erfolg erringen, damit im Innern der soziale Gedanke kn der Repu­blik den Sieg davonträgt über den kapitalistischen Gedanken. Wir wollen eine Lknksvepublik, die den Blick vorwärts richtet in die Zukunft zu einem freien deuffchen Staate. Unser drittes Ziel ist der Bund der gegenseitigen Hilfe. Unser Volk muß inne werden, daß heute kein Staat mehr seine Poli­tik und seine Wirtschaft unabhängig führen kann von seinen Nachbarn. Wir wollen Frieden mit Frankreich, trotz allem, was in der Besetzung ge­schehen ist, deshalb haben wir auch Dr. Strese- mann unterstützt. Weiter erklärte der Reichstags- Präsident: Wir sind kein Feind der Religion, aber die Schule gehört dem Staate, der Dolksgemein- K, in der viele Ueberzeugungen nebeneinander müssen. Die Sozialdemokratie ist gewillt, der Notlage gewisser Schichten des Bauernstan­des die ihr geeignet erscheinenden Mittel end- gegenzusetzen. Wenn es sich erweisen sollte, daß der ostpreußische Großgrundbesitz unhaltbar ist, dann sind wir bereit, diese Ländereien dem Großgrundbesitz zu nehmen und sie den B a u e rn zu geben. Zur Reichswehrfrage erklärte der Redner: Wir setzen alles daran, aus diesem In­strument des Staates einen zuverlässigen Schutz für die Deutsche Republik zu machen.

Anschließend sprach die Reichstagsabgeordnete Frau Schröder. Nach Schluß der Kundgebung zog die Versammlung nach dem Neumarkt, wo der preußische Minister a. D. Severing eine Ansprache hielt.

Der frühere Reichsernährunasminffter, Reichs, tagsabgeordneter Fehr, Mitglied deS Bayrischer Bauernbundes, hat mit den drei anderen Abgeord­

neten dieses Bundes die Fraktionsgemein- schäft mit der Wirtschaftspartei ge- l ö st, um eine eigen« Deutsch« Bauernpartei zu be- gründen. Der bekannt gewordene Austritt der drei deutschnationalen Dauernabgeordneten aus der deutschnationalen Vollspartei zur Begrün­dung einer „Christlich-Nationalen Bauernpartei" stellt sich, wie die „Voss. Ztg." schreibt, als ein Konkurrenzmanöver gegen diese Fehr'sche Gründung dar. Die drei Dezessionksten sind zu der Neugründung abkommandiert worden. Sie haben den Schritt im Auftrage des Reichslandbundes vollzogen. Die ganze Aktion wurde bei der letz- ten Tagung des ReichslandbundeS in Berlin m geheimen Besprechungen in allen Einzelheiten vor- bereitet. Der Reichslandbund hat damals auch da­für Vorsorge getroffen, daß in den verschiedenen Tellen des Reiches für die kommenden Wahlen einige Kandidaten für di« „Bauernpartei" bereit stehen.

Die Pressestelle des Reichslandbundes test mit: Der erweiterte Bundesvorstand des Reichskand- bundes nahm zur Gründung der christlich-nationalen Bauernpartei Stellung. Der Reichslandbund in seiner Gesamtheit lehnt nach wie vor grundsätzlich jeden Anschluß an eine bestimmte politische Par- tei ab. Er stcht daher der christlich-nationalen Bauernpartei ebenso selbständig gegenüber wie allen anderen poMischen Parteien und wird sie lediglich nach ihrem Eintreten für das Wohl der deutschen Landwirtschaft und des Vaterlandes beurteilen.

Für die kommenden Wahlen gibt der Bundes- vorstcmd des Reichslandbund es den einzelnen Land»

Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis der Hamburger Bürgerschaft verteilen sich die Sitze auf die einzelnen Parteien wie folgt:

Sozialdemokraten 59 Sitze (6-3)

23 21 27

20

2 1

3

Am Sonntag fanden in Bürgerschaftswahlen statt. Bekanntlich war die Hamburger Bürgerschaft erst am 9. Oktober des vergangenen Jahres neu gewählt worden. Die sogenannte „V o l k s r e ch t s p a r t e i", eine In­teressenvertretung derjenigen Kreise, die sich durch die Inflation besonders stark geschädigt fühlen, hatte die Wahl angefochten, worauf tatsächlich vom Staatsgerichtshof die Ungültigkeit der Wahl Sesprochen wurde. Dadurch wurde die jetzige l erforderlich. Die Volksrechtspartei hatte offenbar geglaubt, bei einer Wiederholung der Wahl große Vorteile zu erzielen. Sie ist aber schwer hereingefallen. Das letzte Mal hatte sie 7762 Stimmen erzielt, am Sonntag hat lle es nur noch auf 5593 Stimmen gebracht. Da die Wahlbeteiligung sehr stark war und 80 Pro­zent betrug, gegenüber 75 Prozent bei der letzten Wahl, hätte die Dolksrechtspartei beinahe das eine Mandat, das sie im voriger. Herbst erzielte, wieder verloren. In Hamburg waren neben dieser Volksrechtspartei diesmal noch zahlreiche andere neue Parteien merkwürdigster Art in die Erscheinung getreten. Nicht nur eine Mieterschutz, und Wohnungspartei, sondern auch eine Woh- mungssucher- und Neubaumieterpartei u. a. m. 'Sie haben durchweg eine Katastrophe erlebt. Die Mieterpartei brachte in ganz Hamburg nur 715 und die Neubaumieterpartei 546 Stimmen auf. Mandate erzielten sie nicht. Ein Beweis dafür, daß bei einer politisch aufgeklärten Wählerschaft, wie sie in Hamburg zweifellos vorhanden ist, mit solchen kleinlichen Wahlparolen kein Geschäft zu machen ist.

Was die politische Seite der Hamburger Wahl angeht, so ist es bemerkenswert, daß die Demo­krat e n, von denen man in der letzten Zeit nur Mißerfolge zu hören gewohnt war, ihre Stimmen nicht unerheblich vermehrt haben. Auch die Deut­sche Volkspartei hat eine Steigerung ihrer Stim- men erzielt, während die Wirtschaftspartei ver­dientermaßen einen Rückgang erfuhr. Weder die Sozial-Demokraten noch die Deutschnationalen haben ihre frühere Stimmenzahl ganz zu behauv- ten vermocht. Die größere Wahlbetelligung scheint demnach den Mittelparteien zugute gekom­men zu sein. Auch das enthält für die kommenden -ueichstagswahlen eine bemerkenswerte Lehre. Die Stimmen der Wahlmüden gehen den Mittel- p.arteien verloren und die radikalen Elemente älehen daraus ihre Vorteile. Deshalb ist eine der wichtigsten Wahlfragen: „Bekämpft die politische Gleichgültigkeit, Wahlmüdigkeit und Wahlfaul-

Das Hamburger Wahlergebnis stellt sich nach den vorläufigen Fesfftellungen im einzelnen fol­gendermaßen dar:

Demokraten 87 522 (Wahl vom 9. Oft: 65 295);

Sozialdemokraten 246 630 (247 469)*

Zentrum 9393 (9774);

Deutsche Volkspartei 85 471 (72 432)*

Mittelstands. (Wirtschafts-)part. 20048 (27163);

Deutschnationale 94 030 (98 817)* Nationalsozialisten 14 739 (9754)'- Kommunisten 114 223 (110 239);’ Fortschritts. (Aufwertungs-) Partei 5535 (7762). Diese Parteien erzielten Mandate. Die fol- genden Splitterparteien gehen leer aus:

Mieterschutz-Wohnungsnot 715,

Angestellte und Beamte 1601, Republikanische Partei Deutschlands 115 Hermann Abel (Bekämpfung der Straßen- und Wirtshausprostitution) 201,

Unabhäng. Sozialdem. Partei 666, Internationale Kommunisten (Arbeiteroppo­sition) 741,

Deutsche Reformpartei 712,

Reichspartei für Aufwertung und Recht 1376, Wohnungssucher und Neubaumieter 546, Freiwirtschaftl. Arbeitspartei 1034, Völkisch-sozialer Block 666.

In einer öffentlichen sozialdemokratischen Ver­sammlung in Frankfurt a. M. svrach Sonntag vormittag Reichstaqsabgevrdneter Phllivp Scheide­mann über die politische Lage. Da es in Deutsch­land unmöglich sei, daß eine Partei die Regierung bild«, setzte sich der Redner für eine Koalition der Sozialdemokratie mit den Parteien ein, mit denen sie ein Stück Weges gemeinsam gehen könne. Durch diese Mitarbeit könne sie praktisch das LoS des schaffenden Volles verbessern. Die Sozialdemo­kratie werde sich für die Erledigung des Etats «m- fetzen, jedoch habe sie große Bedenken dagegen, daß man für die Landwirffchast Hilfsmaßnahmen fordert, die indirekt den Lebensunterhalt der brei- ten Massen Verteilern. Zum Schluß seiner mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen wandte sich Scheidemann scharf gegen die Kommunisten, und forderte die Arbeiterschaft auf, geschlossen zu marschieren, wenn sie schließlich dereinst einmal die Macht haben wolle.

Bauern und Parteien.

bünden das technische Vorgehen frei. Von den Landbünden wird aber gefordert, daß sie ang«. sichtS des NotkampfeS der deutschen Landwirtschaft die nach Lage der einzelnen Gebiete stärksten fötitte. ergreifen, um die gebührende machtvolle Vertre­tung des LandbundeS und damit der Landwirtschaft in den Parlamenten zu erzwingen.

•

Die katholischen Bauern können den merk­würdigen Manövern, die von den großagrarisch eingestellten Kreisen zurzeit unternommen werden, um die Bauern bei der Stange zu hallen, mst Ruhe zusehen. Das Zentrum hat immer gute Bauern Politik getrieben und braucht auch ange­sichts der kommenden Wahl keine Köder cmszu- tegen.

Sozialdemokraten un& Kommunisten

Je näher Sozialdemokraten und Kommunisten die Reichstagswahlen glauben, um so schär­fer befehden sich diese feindlichen Brüder.

DieK ommunisten machen den Sozialdemo, traten zum Vorwurf, keine echten Sozialisten mehr zu sein und rechnen sie öffentlich zum „Bürger­block", vor dem man die Arbeiter bei den nächsten Wahlen retten müsie. Die Sozialdemokra­ten suchen sich dafür zu revanchieren mit dem Hinweis auf die Konzesiionen, die der Bolschewis- mus in Rußland selbst an den internationalen Ka­pitalismus gemacht habe. Darüber schreibt H. Krätzig in der sozialdemokratischen Tagespresse („Rheinische Zeitung" Nr. 24): „Dieselben Leute, die vor nunmehr reichlich zehn Jahren die Arbei- ter anfeuerten, mit der „Knarre" in der Hand die Kapitalisten zum Teufel zu jagen, bitten jetzt die Großmutter des Teufels um gut Wetter und dar­um, ihnen doch wieder recht schwere Kapitalisten ins Land hineinzusenden, damit sie Konzessionen auf Menschenalter geben. Sie nehmen sie, wo sie nur zu kriegen sind. Krupp (Esien), Harrimann (Amerika), italienisch« Kohlenhändler, die Stan» dard-Oil-Comp., alle spazieren sie hinein, gar nicht von Sorg« geplagt, daß sie von den Kommuni­sten mit der „Knarre" in der Hand zum Teufel gejagt werden könnten. O nein! Jetzt jagt man dort andere zum Teufel. Den Trotzki, den Ra­kowski und Dutzende von denen, die 1917 den Ar- beitem rieten, die Kapitalisten zum Teufel zu jagen, die werden, rote zu des Zaren Zeiten, in die Schnee- und Eisfelder Mütterchen Rußlands ver­bannt."

Aber es wird nicht bloß so heute seitens des Kommunismus mit doppeltem Maße gemessen, son- dem dieser gebt in seinem Entgegenkom­men an den Kapitalismus noch weiter, indem er den Gewerkschaften aufgibt, diesen Kapitalismus nur ja recht schonend zu behandeln. „Die russi- schen Proletarier", so fährt Krätzig fort, „die be­kommen nicht mehr die „Knarre" in die Hand, sondern einen Ukas des Zentralrates der russischen Gewerkschaften, der alle Scharfmacher in Deutsch­land vor Neid zum Serfter bringen wird. 3n diesem Ukas steht, daß di« Interesien des Kon- Zessionskapitals sorgsam zu schonen und die beson­deren Arbeitsbedingungen in den Privatwirtschaft- lichen Betrieben streng zu berücksichtigen sind. Und warum? Na, In Rußland wird jetzt auch begon­nen, die Wirtschaft zu raHonatifieren; aber nicht etwa die sozialistische Wirtschaft, sondern die kapi­talistische. Und deshalb heißt es in dem Ukas des Zentralrates der rusiischen Gewerkschaften*. „Die Gewerkschaften dürfen daher keine Fordern n- g en stellen, die zu einer Liquidierung der Un- temebmrnaen sichren können, und sie dürfen unter keinen Umständen die Konzessionäre hindern, voll­kommenere Arbeitsmethoden anzuwenden, selbst wenn deren Einführnng mit einer Verminderung der Arbeiterzahl verbunden ist."

Und damst endlich nicht etwa doch einige schwarze Schale den Jndustriefrieden im herrlichen Sowjet- paradies für Kapitalisten stören, ist den Ortsver» waltungen der russischen Gewerkschaften das Recht genommen worden, selbständig überhaupt irgend­welche Forderungen an die Konzessionsbetriebe zu stellen. Während also! n Deutschland die Kommu­nisten die Gewerkschaften zu Instrumenten des schärfsten Kampfes gegen den Kapitalismus machen und auf feinen Trümmern die sozialistische Wirtschaft aufzurichten, handeln in Rußland die Kommunisten umgekehrt. Sie bekennen sich zu den Gesetzen der heutigen Wirtschaft, suchen deren Lei­stungen zu steigern, indem sie vor allem fremdes Kapital als unerläßliche Vorbedingung einer fol- chen Leistungsverftärkung heranzuziehen suchen und machen den Gewerkschaften eine vorsichtige Rücksichtnahme auf die Rentabilität der Betrieb« zur Pflicht. Ja, sie fallen den Gewerkschaften so­gar teilweise in die Arme, indem unter Umstän­den die oberste Wirtschaftsbehörde eingreift zum „Schutze der Unlemehmerinteressen".

Die deutschen Sozialdemokraten haben aber recht wenig Veranlassung, den rnffischen Kommunisten ihr Umlernen zum Vorwurf zu machen. Denn auch sie haben vielfach früher einen Standpunkt eingenommen wie der russische Kriegskommunis- mus, auch sie haben später umgelernt und erst recht heute, wenn sie gestehen, daß R a t! o n a l i- ieren vor Sozialisieren kommt.

♦

Wie die Vossische Zeitung erfahren haben wM, fft als spätester Termin für die Neuwahlen öer­lauf ig d«r 20. Mai tn Aussicht genommen worden. _________

♦ Afrikareise des italienischen Kronprinzen. Aus Asmara (Erytrea) wird gemeldet: Der ita­lienische Kronprinz ist hier, von der italienischen und der eingeborenen Bevölkerung herzlich be­grüßt, eingetroffen und hat sich in das Palais des Gouverneurs begeben, wo er die Behörden, Ver­treter der Faski und die Eingeborenenhäuptlinge empfing, die ihm kostbare Geschenke überreichten.

Schluß in Havanna.

2üe Panamerikanische Konferenz beschloß, die nächste Konferenz in Montevideo abzuhalten. Die Konferenz in Havanna geht am Montag zu Ende.

In einer Vollsitzung wurden drei Konventionen angenommen. Die erste Konvention betrifft die Neutralität zur See, bei der die Vereinigten Staa­ten Vorbehalte machten gegen die Klausel, die die Bewaffnung von Handelsschiffen zu Derteidigungs- zwecken in Kriegszeiten verbietet und als Strafe den Verlust des Rechtes, als neutral angesehen zu werden, vorsieht. Die zweite Konvention bezieht sich auf die Aufenthaltsrechte der Ausländer. Auch -hier machten die Bertreter der Vereinigten Staa­ten einen Vorbehalt. Die dritte Konvention gilt dem Recht der Ausländer. Hier macht die Regie­rung der Vereinigten Staaten einen Vorbehalt in bezug auf die Klausel, die es verbietet, die Auslän­der zum Militärdienst heranzuziehen.

Auch die neue Konvention der panamerifani« fchen Union, die am meisten umstritten war und die den Anlaß zum Rücktritt des argentinischen Ver­treters gab, wurde angenommen.

* Hindenburg bei Nuntius Pacelli Anläßlich der Wiederkehr des Krönungstages Papst Pius XI. gab der Apostolisch« Nuntius Pacelli ein Diner, das vorn Reichspräsidenten von Hindenbrug mit feiner Anwesenheit beehrt wurde. Ferner nahmen an dem Diner teil die Reichsminister Dr. Keudell und Dr. Schätze!, Staatsminister Dr. Becker, Weih­bischof Dr. Deitmer, die Staatssekretäre Dr. Meiß- ner, Dr. Püder, Dr. v. Schubert und Dr. Weiß­mann, sowie verschiedene Gesandte der Länder. Außerdem waren erschienen die Botschafter von Frankreich, Amerika, Japan und Spanien und einige ausländische Gesandte. Ferner sah man den Chef des Protokolls Köster, Ministerialdirektor Trendelenburg und zahlreiche Reichs- und Land- taasabaeordnete. w

Der Metall-Zchie-sspruch abgelehnt.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer dagegen.

wtb. Halle, 20. Febr. (Eig. Funkin.). Bis zum Ablauf der Erklärungsftist am Montagmittag ist «ine Erklärung seitens der Metallarbeiter, deren Funktionäre um 11 Uhr in Halle zusammengetre­ten find, zu dem am Samstagnachmittag von der Schllchterkammer gefällten Schiedsspruch nicht er­folgt. Der Vorstand plaidiette für Ablehnung des Schiedsspruchs.

Da die Arbeitgeber den Schiedsspruch abgelehnt haben und die Arbeitnehmer sich bis zum Ablauf der Erklärungsfrist nicht erklärt habens ist der Schiedsspruch also abgelehnt.

*

Nach der üblichen Praxis des deutschen Schlich- tungsverfahren dürste nunmehr mit der Ver - bindlichkeitSerklärung des Schiedsspruches durch das Reichsarbeitsminffterium zu rechnen sein.

Der unter dem Vorsitz des Ministerialrats Dr. Hauschild von der Schlichterkammer im mittel, deuffchen Metallarbeiterkonflikt gefällte Schieds­spruch sah eine Lohnerhöhung von 5 Pfg. pro Stunde vor und zwar für alle drei m.ttel- deutschen Tarifgebiete. Für Anhalt sollte eine be­sondere Regelung wegen der Sicherung der Leb- stungszulage getroffen werden. Der Streik, bezw. die Aussperrung sollen nicht als Arbeitsunter­brechung angesehen werden und außerdem sollten keine Maßregelungen der am Stiel beteiligten Metallarbeiter vorgenommen werden. Gegenüber dem am 12. Januar ergangenen Spruch des Magdeburger Schlichters betrug die Erhöhung der Löhn« weitere 2 Pfg.

Lin Schritt des Reichsarbeitsministers.

wtb. Berlin, 20. Fein*. Eig. Funkm.) Wie mir von unterrichteter Stelle erfahren, hat der Reichsarbeitsminister die Vertreter der Arbeit­geber und Arbeitnehmer der mitteldeutschen Metall, industri« nochmals zu Dienstag 10 Uhr zu einer unverbindlichen Sitzung zwecks evtt. Derbindlichkeitserklärung des Schiedfpruches im Mitteldeutschen Metallarbeiter« streik einaeladen.

* Der neue britische Botschafter in Paris. Aus London wird gemeldet: Der ständige Unterstaats­sekretär im Ministerium des Auswärtigen S'r William Tyrell wurde zum Botschafter Groß- Britannien in Paris ernannt.

♦ Der Boykott der Slmon-ßornmiffion. Aus Reu-Delhi wird gemeldet: Die gesetzgebende Versammlung hat mit 68 gegen 62 Stimmen einen Antrag angenommen, der für den Boykott der zum Studium der Derfasiungsfragen nach Indien ent­sandten englischen Parlamentskommission eintritt.

Die Regierungskrise in 5üdslawren.

Aus Belgrad wird gemeldet:

Die Regierungskrise, die bereits durch die be­vorstehende Bildung eines Koalitionskabinetts der Radikalen, der Demokraten, der Slowenischen Volkspartei und derMohammedaner beiaeleat fchian, st in ein neues Stadium getreten. Der Führer her Slowenischen Bauernpartei, Stephan Radi' sch, der von der Krone bereits mit der Bildung eines Konzentrationskabinetts betraut worden war. ist in königlicher Audienz empfangen worden. Ratittch chlua dem König vor. nötigenfalls eine Perfönlich- ’ett, die außerhalb desParlaments steht, mit d»r Bildung eines Konrentrationskabinetts auf breitester Grundlage zu betrauen.