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Tonn lag, 19. Februar 1928.
Fuldaer Zeitung
S. Blatt.
Drutf bet Fuldaer Actiendruckerei, Fulda
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HALPAUS-CIGARETTEN-FABRIK G.M.B.H. KÖLN
schwer versündigt, aber einmal hat jeder Stand seine Sünden und zweitens ist es nicht unsere Sache, heute darüber zu richten und schadenfroh zu fein. Im Gegenteil werden wir uns daran erinnern, welch wichtige Rolle das Bauerntum im Volksganzen spielt. Durch den Bauern ist es mir den nährenden Wurzeln der Natur verbunden. Im Bauern liegen die starken erhaltenden Kräfte. Liefert auch diesen Stand noch der Bewegung und der Anarchie aus, und es wird bald keine friedliche Stätte mehr in Deutschland geben. Die Bewegung der Dauern ist ein neues Glied in einer Kette. Ein Stand nach dem andern steht auf wider den Staat. Die Politik ist daran, zu kapitulieren vor den wirtschaftlichen Forderungen der einzelnen Stände. In dem Augenblick, wo das politische Parlament vor der Wirtschaft die Waffen streckt, steht aber das staatliche Leben still. Ja, es ist ein s ch w e r b e > lastetes Erbe, das unsere Jugend zu übernehmen hat. Auch von dieser Seite aus gesehen, ist der Primanerprozeß eine höchst traurige Sache.
DerMann im Monde.
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wirtschaftliche Kampfbewegungen.
= Umfassende Lhnverhandlungen im Frühjahr. Nach der bei der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände geführten Tarifstatistik über etwa 380 Tarifverträge, die sich auf rund 5,3 Millionen industrieller Arbeiter belaufen, können zu Ende der Monate Februar, März und April 247 Tarifverträge für rund 3,2 Millionen Arbeiter fast aller wichtigen Industriezweige gekündigt werden. Im Februar laufen ab, 33 Tarife mit 217 000 Arbeitern, im März 171 Tarife mit 2170 000 Arbeitern und int April 43 Tarife mit 808000 Arbeitern, darunter etwa 436 000 Bergarbeitern. Nach den Aeußerungen der Gewerkschaftspresse ist anzunehmen, daß die Kündigungen durchweg alle erfolgen werden. Die Wirtschaft wird also in größtem Umfange mit dem Abschluß neuer Tarifverträge zu rechnen haben.
Howe in Südafrika, die Apostol. Präfektur Lindi in Ostafrika bilden heute die Kongregation der Missionsbenediktiner von St. Ottilien, deren Leiter unter dem Titel (Ergabt der Jubilar ist. Abt Norbert ist bekannt geworden durch seine Bücyer über Korea. Dank der wissenschaftlichen Ausbildungsmöglichkeiten, die er manchen begabten Patres verschaffte, sind aus der Schule von St. Ottilien wertvolle theologische und sprachwissenschast- liche Arbeiten hervorgegangen.
er die militärischen Verhandlungen als sehr gefährlich bezeichnete, weil sie bei den Alliierten gewisse Erwartungen erweckten. Aber Lord Grey beruhigte ihn mit der schriftlichen Antwort, dies sei freilich richtig, aber er sehe nicht ein, wie dies vermieden werden könne. Damit ließ sich Asquith beschwichtigen, denn er stand wie die anderen unter dem Eindruck der deutschen Flottenpolitik. Das Wort Churchills, die deutsche Flotte sei eine Art von Luxus, fand Asquith, wie er in seinem eigenen Kriegsbuch schreibt, nicht ganz glücklich gewählt, aber wenn Churchill erläuternd hinzusetzte, die Flotte sei für England eine Existenzfrage, dagegen sei ihr Ziel in Deutschland die außenpolitische Expansion ,dann empfand auch Asquith dies als eine offensichtliche Wahrheit, und er wollte keine Expansion solcherart dulden, da sie notwendigerweise die englischen Kreise störte. Heber diese Dinge geht die englische Kritik heute hinweg. Aber ‘in der „Times" liest man doch den nachdenklichen Satz:
Im Sommer 1914 habe sich Asquith nicht frei gefühlt, die Erklärung abzugeben, die den Krieg möglicherweise endgültig hinausgezogen hätte, nämlich die Erklärung, daß England im Falle eines deutschen Angriffes auf der Seite Frankreichs stehen werde. Die „Times" meint, Asquith sei an einer solchen Erklärung durch die pazifistische Richtung im Kabinett verhindert gewesen. Asquith selbst gehörte allerdings zu der Minderheit, die fest davon überzeugt war, daß der Krieg nicht mehr zu vermeiden war, und daß England daran teilnehmen müsse.
Die Begründung der „Times" ist sicherlich richtig, aber es gibt noch einen anderen Grund, warum jede Erklärung unterblieb, nämlich die Befürchtung, daß sie für die Kriegsparteien in Rußland und Frankreich eine willkommene Hilfe gewesen wäre, während umgekehrt die Ungewißheit über die Haltung Englands in Moskau und Paris dämpfend wirken sollte.
Das Räuberwefen in China.
Die älfeffe Mission der Sieglet in China von Räubern ausgeplünberf.
Kürzlich ging durch die Presse die Meldung von einem räuberischen Ueberfall auf eine deutsche Missionsstation in China. Nach brieflichen Nachrichten, die jetzt bei der Generalleitung der Gesellschaft des Göttlichen Wortes in Siegt eingelaufen sind, betrifft der Ueberfall die älteste Mifstonsstation der Siegler Missionare im Heidenlande, Puoli in Südschantung.
Der Generalprokurator der Ordensgesellschaft teilt uns über den Ueberfall folgende Einzelheiten mit: Arn Sonntag abend, den 14. Januar dieses Jahres, gegen 8 Uhr, während der Abendandacht wurde diese Station von einer über 100 Köpfe starken Räuberbande überfallen, ausgeplündert und besetzt. Der in der Mission anwesende Pater wurde gezwungen, die Räuber in den Gebäuden der Mission herumzuführen und ihnen Waffen und Geld zu übergeben. Es gelang ihm, zu ent- wischen und sich zu verstecken, aber nach einigen Tagen nötigten ihn Hunger und Kälte, sein Versteck zu verlassen. Er wurde ergriffen, mißhandelt und geschlagen. Die beiden Missionsbrüder wurden gleich beim Ueberfall geknebelt, einer von ihnen empfindlich durchgepeitscht. Die Wohnung der Priester und Brüder wurde zerstört.
Rund um die Woche.
Die Schuldfrage im primaner-prozetz. — Etwas von Kardinal Hlond. — Der Bauern-Srieg.
Rsquith und der Krieg.
Der Londoner Korrespondent der Frankfurter Zeitung schreibt seinem Blatt:
Die spaltenlangen rückblickenden Artikel, die in der Presse aller Richtungen anläßlich des Todes Lord Oxfords, erschienen, bringen wenig Neues, und sie sind besonders zurückhaltend bezüglich der Dinge, die uns Deutsche am meisten interessieren. Die Außenpolitik wird fast ausschließlich nicht be- rührt. So falsch es wäre, den persönlichen Anteil Asquiths an der Vorkriegspolitik Englands als zu hoch zu veranschlagen, so wissen wir doch durch sein eigenes Zeugnis und aus den Memorien Lord Greys, daß die intimen militärischen Abmachungen Mischen England und seinen Alliierten mit der Kenntnis Asquiths getroffen wurden, und zwar mit seiner Kenntnis in einer Zeit, wo diese Dinge dem Kabinett noch vorenthalten wurden. Am 5. September 1911 schrieb Asquith, wie wir aus Greys Buch wissen, an diesen einen Brief, in dem
Katholische Welt.
— Ein Jubiläum. Am 1. Februar d. I. feierte Ergabt Dr. Norbert Weber sein 25jähriges Jubiläum als Abt des Benediktinerklosters von St. Ottilien in Oberbagern. Als er die Leitung des Klosters übernahm, hatte die Abtei 80 Ordensleute: heute zählt sie 577 Mitglieder! Große Neubauten sind entstanden. Die Felder die einst 80 Menschen kaum ernährten, geben jetzt das Brot für 700 Personen. Von St. Ottilien aus wurden zwei neue Abteien in Deutschland gegründet. Die drei Klöster St. Ottilien, Münsterschwarzach, Schweiklberg, die Abtei Tokwon in Korea, das Apostol. Vikariat Es-
Berlm hat seinen Primaner-Prozeß gehabt und , Wien einen ähnlichen aus der Welt der jungen I Mädchen. Diel ist bei dieser Gelegenheit gegen un- I fere Jugend zu Felde gezogen worden. Auch ich I denke nicht daran, diese Jungen und diese Mädchen, I am wenigsten die reiferen von ihnen, zu verteidi- I gen. Aber bie eigentlich Schuldigen sind diese Jun- I gen und diese Mädel nicht. Die eigentlich Schul- I feigen sind jene erwachsenen Menschen, die der Ju- I »end das schlechte Beispiel geben. Hätten diese inngen Menschen das Vorbild vor Augen gehabt, I wie es manche von uns, die wir uns besser zu Hal- I ten geneigt sind, in ihrer Generation noch gehabt I haben, sie wären vielleicht brave und tüchtige'Men- I scheu geworden. Kennen manche Gesellschaftskreise heute nichts mehr als die verführerische Atmosphäre I von Alkohol, Erotik und Nikotin, so ist einfach die Lust für alle verdorben, und die schwache und ihrer I selbst noch nicht sichere Jugend ist das unschuldigste Opfer noch. Schuld an solchen Katastrophen ist das Elternhaus, das seine Tore nicht fetten dem Leicht- sinn geöffnet hat und wahllos hereinläßt, was immer sich über die Schwelle drängt. In wieviel Fa- I mitten ist das heute zudem so, daß der Vater mei- I stens im Geschäft ist, womöglich noch außerhalb I des Hauses, daß die Mutter vielleicht auch einen Erwerb hat, der sie dem Heim entfremdet. Die I AuZend bleibt sich selbst überlassen, und das sind I noch nicht die schlimmsten Fälle. Man nehme hinzu, | was die Statistik der Ehescheidungen sagt. Eine lede Scheidung hat doch ihre Vorgeschichte. Ihre nächsten Zuschauer sind die eigenen Kinder! Wie leichtsinnig sind auch manche Eltern! Man kann I es heute erleben, wie es mir tatsächlich gegangen t|t, daß man, morgens etwa von der Bahn heirn- kommerch, ganze Scharen von jungen Mädchen, un- I reifen Gymnasiasten oder Studenten, aus den Lo» I ralen ftrömen sieht. Wird man es begrüßen, daß I feie Eltern vielfach noch dabei sind, so fragt man r-‘Vr°ArtFieber' WK sie dergleichen dulden können? <vchuw ist vor allem auch jene ungeheure Masse I ^n Stteratur aller Art, die das Sexuelle in feen ^"elpunkt stellt,"jene Illustrierten, die sich fortgesetzt an feen Grenzen des Pikanten bewegen. Die Jugend ttest das doch und verschlingt es sogar. Die Leute, die sich heute mit Recht darüber entrüsten. I wenn Prozesse dieser Art zur Sensatton gemacht I werden, handeln wenig folgerichtig, wenn sie nicht I waleicher Weise gegen diese Erzeugnisse verdor- I bener Phantasien vorgehen. Man kann überhaupt I fragen, rore es denn jungen Menschen noch möglich I fern soll, m einer Oeffentlichkeit, wie wir sie heute I haben, rem unb unverdorben zu bleiben. |
Schuld ist auch die Schule, feie sich von der t Jieltgton emanzipiert hat. Wir wollen uns doch I gans klar darüber sein, daß Lehrer, feie Freigeist« | l- ' l“Lleb<?n wirksamen Mittels begeben haben, I öie sittliche Haltung feer Jugend zu gewährleisten. I M wenig die Verhältnisse an manchen I Tochterschulen etwa studiert hat, dem stehen doch I geradezu die Haare zu Berge. Wie sagte doch jener | A^b'^eL^ e,nem freigebigen Kameraden? der I für i«e weltliche Schule schwärmte? Er sagte: Herr I Kollege, ich will Ihnen ja gut, aber wollte ich bos- I baft fern, so wünschte ich Ihnen ein Dutzend Kin- I
d'e alle m Sferer weltlichen Schule erzogen | Wurden, Ihnen aber das Alter, daß sie die Früchte I Mer Erziehung noch erlebten! ... Wir «rieben I
Mt€l<£5' ®enn einer der Primaner sagte, daß I ftanbpn rDOn .^n meisten Lehrern nicht ver- I ÄÄ s? wird dergleichen in der Zukunft I der Fall fein. Wenn nämlich bas I n übt mX' rEllkNöse Gefühl Lehrer und Jugend I nubt mehr nut einanber verbindet, so wird feie I ÄL5Tinien®-eib€n geradezu unüberbrückbar. Am I mnM frhnn • K'"?es wurde es Vater und Mutter I ftor' was sie diesem Kinde schul- I
Tränen -uniLw flössen bann bittere I
( e m feie allzunatürlichen des |
Schmerzes. Unser Volk fteht boroit« X.™ I Massengrabe seiner Jugend Es Monierten I wen «. Mwiß aber es nimmt dieses Grab niZ ernst. Das ist das Tragische der ouaenblitffirhpn I SÄ _®lr Ä Ä Ä -•r^°VieJen Blättern herzlich begrüßt ist der vol- I msche Kardinal Hlond durch unfer^Lanb gerefft ® a Aarer” inzwischen von ihm erfahren daß er I emft Salesianer gewesen ist, also aus feer herttichen I Schar der Junger des Don Bosco. In Wien hat er 12 Jahre gewirkt, und man sagt von ihm, daß er I dort em zweiter Clemens Hofbauer gewesen^ I Seru.Pri-,S05 von Polen spricht ausgezeichnet I Deutsch, sst als 47jähriger ein noch Derbe;-' 3, I "^Wr lunger Kardinal unb vereinigt Enecaie I n?t Leutseligkeit. Wir fragten ihn bei einem Inter- I viem nach allen möglichen Dingen, so zum Beispiel I nach der Gefahr des Bolschewismus in Polen. Er I !"b'"le, daß dergleichen, zumal bei feem fortfchrei. tenden Aufstieg der Wirtschaft dort, n i ch t zu fürch. I ten sei. Auch werde in Polen Kommunismus und I Sozialismus mehr wirtschaftlich genommen. So | tagte ein Kommunist einmal dem Erzbffchof: „Nun I * latholisch, aber im Bauch bin I
J? *SÄ * --.^we Eminenz erzählt berglei- |
der größten Anmut unb begrüßte auch I feie Vertreter ber polnischen Arbeiter, feie vorgesteM I SSfS mTs *ftr politische Konstellation einer I SrCt « Laus Englanb, Frankreich und Polen für I wcht angenehm, gewiß bleiben da noch tief- I gehende Differenzen in feer Behandlung feer Mi- I nontaten, aber bas muß man boch sagen, daß ein I ° ®s Ud) ,eines Kirchenfürsten in jebem Falle I ^^tuenb wirkt. Die Politik schweigt, unb es re- I den feie hohen Interessen und Ideale, bie alle Welt I einigen konnten. Möge sich die bekannte verjün- I genfee und lebenverlängernde Kraft des römischen Purpurs auch an biefem Kirchenfürsten bewähren. I ~‘°9e er dermkehrenfe unfern deuffchen Brüdern in I Zo en behilflich fein, mit ihrem Volkstum auch ihre I Religion zu bewahren. I
Und da ist noch ber Bauernkrieg, ber i nach unb nach größere Greife zieht. Mit ber Sache > ift nicht 3U spaßen. Der Bauer ist ein ruhiges Element. Geht er aber einmal los, so wissen mir ?.“3 der Geschichte der Bauernkriege, was bann die Uhr geschlagen hat. Schon oft haben wir auf bie Elfach ganz unnatürlichen Verhältnisse in ben modernen Staaten, bie sich vom Mattenboben feer Vernunft entfernt haben, hingewiesen. Das spielt im Untergrund ber neuen Bewegungen mit, bie ich für wichtiger unb wuchtiger zu halten geneigt bin, als manche Politiker es tun. Gewiß haben manche Bauern in feen Tagen der vatcrländiichen Not sich
Mi$chung: leicht, duflsüf*, aromatisch! . j
P ackung fachlich.
ALSO:VERSUCHEN!
IN NEUER MISCHUNG UND NEUER PACKUNG!