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Nr. 37.

Dienstag, 14. Februar 1928

55.Zahrg

* Die veriaaung der panamerikanischen Konfe­renz. Aus Havanna wird gemeldet: Die paname­rikanische Kdnferenz beschloß, sich am 20. Februar zu vertagen, obwohl die Lösung des Interventions- Problems vorläufig nicht in Aussicht steht.

Wie Associated Preß aus Washington meldet, werden die DerHiigten Staaten Deutschland ein­laden, einen Schiedsvertrag nach dem Muster des französisch-amerikanischen Schieds­vertrags abzuschließen.

Staatssekretär Kellogg erklärte, die ..Verhand­lungen mit den verschiedenen Ländern, btt Schieds­verträge mit Amerika haben, würden je nach Ab- laufszeit der Verträge begonnen und da Deutsch­land keinen solchen Vertrag mit den Vereinige ten Staaten habe, werde Deutschland eingeladen, einen sollen abzuschließen.

die Stellung von Monsignore Marmaggi, des früheren päpstlichen Nuntius in Prag, zur Zu­friedenheit beider Teile gelöst worden sei. Die tschechoslowakische Regierung werde dem Präsiden­ten der Republik Vorschlägen, Monsignore Mar­maggi eine sehr hohe Auszeichnung zuteil werden zu lassen. Er habe davon dem päpstlichen Staats- sekretariat in einem für Marmaggi sehr schmeichel­haften Schreiben Mitteilung gemacht.

* Die Reise Trotzkis in die Verbannung. Der Berichterstatter der Telegraphenagentur der Sow­jetunion teilt aus F r u n s e an.der. Kirgisenstepoe

Eine Einladung an Deutschland.

Amerika wünscht den Abschluß eines Schiedsver­trages.

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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Rr. 4051.

Vatikan und die Tschechoflowakei. Der „Osser- oatore Romano" schreibt über die Beziehungen des Heiligen Stuhles zu der Tschechoflowakei, daß

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Das Kabinett Marx löst sich aus?

vor der Entscheidung. — Ein Geschäftskabinett soll nach dem Scheitern des Schulgesetzes die Entwurfsreste aufarbeiten.

(vormals Pisckwek) über die Ankunft Trotzkis mit, I Trotzki fei in Begleitung keiner Familie im Son­derschlafwagen aus Moskau in Frunfe ein­getroffen. Das Publikum sei über die große Menge Gepäck und den herrschaftlichen Komfort erstaunt gewesen, mit der der aus Moskau verschickte Trotzki gereist sei.

* Hoover republikanischer Präsidentschaftskan­didat. Aus Washington wird gemeldet: Handels- sekretär Hoover kündigt an, daß er beabsichtige, sich von der Republikanischen Partei als Präsidem- jchaftskandtzat aufstellen zu lassen.

Honen unterstützt, aber damit nicht verhindert, daß der Bergarbeiterstreik dennoch ausbrach und der früher so stolze englische Bergbau in die größte Zerrüttung geriet. Es ist bemerkenswert, daß, sich die engliscke Arbeiterpartei auf ihrem letz- • ten Parteitag zu Blackpool für eine Berabaure- form im Sinne eines Fusionszwanges und der Einrichtung von Verkaufssyndikaten ausgespro­chen hat, obwohl damit die Zahl der Arbeitslosen vorübergehend wohl wachsen müßte. Der engli­sche Bergbau selbst hat — fast bis in die letzte Zeit — nichts getan, um der notwendigen Reform gerecht zu werden. Er versucht es mit der Schleu­derkonkurrenz.

Man könnte wohl meinen, fofcb» englische Politik der Unterbietung der Kohlenpreise grund­sätzlich begrüßt werden könnte, insofern als sich wieder fr e i e Konkurrenz geltend machte und da­mit der deutsche Konsument zu billigen Kohlen käme. Aber das ist n i ch t der Fall. Der Gewinn bei diesem Wettbewerb fällt nicht dem Konsumen­ten in den Schoß, sondern bleibt im Zwischen­handel stecken. Auf der anderen Seite wird das deutsche Kohlensyndikat seinen Verlust auf die Ei­se n p r e i s e schlagen können, da der größere Teil der deutschen Zechenbesitzer zugleich Eisenhütten­besitzer sind. Die Eisenpreise sind inzwischen auch schon erhöht worden, ohne daß es unsere Regie­rung fertig brückte, diese Erhöhungen zu verbieten. Solange aber dieser Kohlenkrieg dauert, werden die deutschen Zechenbesitzer immer wieder Grund haben, darauf zu verweisen, daß sie der englischen Schleuderkonkurrenz, nicht gewachsen seien, daß sie infolgedessen die Löhne herabsetzen und die Ar­beitszeit verlängern müßten. Man weiß, daß die Klagen dieser mächtigen Industrieherren in Deutschland nur zu leicht Gehör finden, man weiß auch .daß, wenn sie nicht gleich Gehör finden, kei­nerlei Kampfesmethoden gescheut werden. Es liegt daher nicht nur ein Unternehmerinteresse vor, daß sich der englische Kohlenbergbau fusio­niert und eine verhandlungsfähige Gemeinschaft wird, mit der der deutsche Kohlenbergbau Preis- und Absatzkonventionen treffen könnte. Aber — und das erscheint uns außerordentlich wichtig, es wuß Vorsorge getroffen werden, daß solche inter­nationalen Preiskonoentionen unter st a a t l i - wer Kontrolle bleiben. Die deutsche Regie­rung muß sich Machtmittel sichern, um auf die Prelskestfeßungen den Einfluß ausüben zu kön­nen, den sie heute noch über die Preispolitik des deutschen Kohlenspndikats besitzt. Es geht nicht an, daß diese Preisfestsetzungen lediglich dem Gut­dünken des internationalen Kohlen- und Eisenka­pitalismus ausgeliefert sind.

Allerdings, noch sind diese Preiskonventionen nicht möglich. Und es wird wohl noch lange Zeit dauern, ehe der englische Bergbau derart durchra­tionalisiert und in seinem organisatorischen Auf­bau derart geschlossen ist, daß er gewissermaßen als vertragsfähige Persönlichkeit auftreten könnte. Immerhin bleibt es bedeutsam, daß jetzt gerade aus konservativen Reihen im englischen Unter- bause der Appell zum Zusammenschluß und zur Verständigung mit dem Kontinent laut geworden ist. Es wäre allerdings verkehrt, zu meinen, daß bei den englischen Grubenbesitzern die Notw'rdig- keit eines Zusammenschlusses und eines gemeinsa­men wirtschaftlichen Aktionsplanes nicht auch er­kannt würde. In einzelner Grubenbezirken ist man l?:t einigen Monaten dabei, diesen Zusam­menschluß durchzuführen. Die Schleuderpolitik hat nämlich bereits zu einer Stillegung von mehreren funbert kleinen Gruben in England geführt.

V. D. Z. Berlin, 13. Febr. (Cig. Funkm.). Zur Vorbereitung der für Montagnachmittag 4 Uhr in Aussicht genommenen Sitzung des interftak- tionellen Ausschusses der Regierungsparteien im Roichstag, die sich mit der Schulgesetzkrise be­schäftigen soll, hat der Vorsitzende der Zentrums« Fraktion, von Guerard, wie das Nachrichten­büro des D. D. Z. hört, am Montagvormittag einen Bries an den Vorsitzenden deS interftaktio- nellen Ausschusses, den Grasen Westarp, geschrie­ben. Der Bries dürfte den Wunsch des Zentrums nach Auflösung der Reichstagskoalition und Weiterführunq der Arbeiten durch ein nur ge­schäftsführendes Kabinett zum Ausdruck bringen. Wie das Nachrichtenbüro weiter hört, stehen dir Deutschnationalen diesem Wunsch einstweilen ablchnend gegenüber.

Das Nrregsschädengesetz.

Nachdem der Reichspräsident in dem Brief auf die Dringlichkeit des Kriegsschädengesetzes hinge­wiesen hat, haben mehrere Mitglieder des 22. Aus­schusses die Wiederaufnahme der Sera, tungen gefordert. Daraufhin hat laut „Vor­wärts" der Vorsitzende dieses Ausschusses, Schir­mer, an den F i n a n z m i n i st e r geschrieben, und um eine Erklärung gebeten, weshalb bis zur Stunde die notwendige Grundlage für die Weiter­beratung des Gesetzes noch nicht zustande gekom­men ist.

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Im Reichstage wurde am Samstag die zweite Lesung des Haushaltes des Reichsarbeits- Ministeriums fortgesetzt. Abg. Haeden - kamp (Deutschnat.) polemisiert gegen die in­ternationalen Arbeits-Abkommen. I Deutschlands Reparationslasten hätten- setzt schon den anderen Industriestaaten einen wichtigen wirt­schaftlichen Vorsprung gegeben, der durch dieses Abkommen noch vergrößert werde. Abg. Thiel (D .Vvt.) weist darauf hin, daß die Ersparung von 400 Millionen keinen sozialen Rückschritt bedeute, sondern darauf zurückzuführen sei, daß die lieber- gangsmittel für die Arbeitslosenversicherung in die­sem Jahre nicht mehr notwendig feien. Abg. Rädel (Kom.) erklärt, daß er von der vom Arbeitsminister behaupteten Verbesserung der sozialen Verhältnisse nichts bemerkte. Darauf werden die Beratungen abgebrochen und von dem Abg. Dr. Mumm (Dn.) mit Rücksicht auf die Berichterstattung in einem Berliner Prozeß beantragt: Prozeßberichte, die ge= I eignet sind, das Geschlechtsgefühl der Jugend zu überreizen oder irrezuleiten sind verboten. Abg I Dittmann (6.) widerspricht diesem Verlangen. Es handele sich nicht um die Frage der Prozeßbericht- I erstattung, sondern um eine Frage der Prozeßfüh- runq. Da hiermit Widerspruch erhoben ist, schlägt Präsident ßoebe vor, daß der Aeltestenrat am Dienstag darüber Beschluß fasse, wann der Antrag I beraten werden solle. Weiterberatung am Mon- I tag um 14 Uhr.

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Dem Reichstag ist eine Denkschrift über Unter­stützungen für die ehemaligen Heeres- und Marine- arbeitet und Angestellten zugegangen. Zur Zeit werden für 25 000 Invaliden und Hinterbliebene fast 16 Millionen Mark jährlich aufgewendet. Für I die Zukunft soll in Anlehnung an die Postversor- I gungsfaffe eine Zusatzversorgungskasse für die Ar­beiter des Reiches und der Länder errichtet werden, die auf Beitragszahlung aufgebaut wird.

Zu den Verhandlungen der Fraktionen über die Möglichkeit einer Erledigung des Schulgesetzenb- wurfes schreibt die „D. A. Z.": Kommt bei" ben interfraktionellen Verhandlungen keine Einigung zu­stande, so ergeben sich zwei Möglichkeiten: Ent­weder die sofortige Auslösung, d. h. gegen Ende der nächsten Woche und mit einem verkürzten Wahl- termin, etwa den 25. März, oder die Befolgung jener Pläne, die der Reichspräsident für die ord­nungsmäßige Abwickelung der Aufgaben des Reichs­tages ausgestellt hat. Deutsche Volkspartei und Deutschnationale haben, dem genannten Blatt zufolge, diesem Plan zugestimmt, die Deutschnatio­nalen unter dem Hinzufügen, daß die Fixierung eines neuen Koalitionsprogramms über die Restarbeit erwünscht sei.

Auch der Berl. Lokalanzeiger verzeichnet Mei­nungsäußerungen parlamentarischer Kreise, die be­sagen, daß garnichts anderes übrig bleibe, als un­verzüglich den Reichstag aufzulösen, sodaß die Wahlen noch im März stattfinden können. Der April scheide als Wahlmonat wegen der Feier­tage aus. Andere Kreise rechnen, wie das Blatt schreibt, damit, daß der Reichspräsident einen Druck auf die Parteien nach der Richtung ausüben werde, sich für den Fall der Nichteinigung über das Schul­gesetz erneut über eine Koalitionsbildung und »bin» düng bis zum Februar 1929, dem verfassungs­mäßigen Termin für die Neuwahlen, zu entscheiden. Das Blatt spricht auch von der Möglichkeit der Kabinettsbildung mit einem Vertrauensmann, der dann im wesentlichen ein Beamtenkabinett dem Reichstag vorstellen wird.

Die Tägl. Rundschau äußert zu den Vorgängen: Man kann sich dem Eindruck nicht entziehen, "daß alle diese Manöver mehr oder weniger daraus be­rechnet sind, die Deutsche Volk spartet in ihrer Entscheidung zu beeinflussen. Alle derartigen Versuche sind vergeblich, wie auch das Ergebnis der Tagung des Reichsschulausschusses beweisen wird.

Doss. Ztg. und Beil. Tageblatt rechnen mit der Möglichkeit, daß das Zentrum nun seinerseits die Konsequmzen aus dem Schulgesetz ziehen und sei­nen formellen Austritt aus der Koalition er­klären werde, aber gleichzeistg bereit sei, in diesem Reichstag an der Verabschiedung des Etats mit­zuwirken, unter der Voraussetzung, daß von der Regierung zugesagt werde, den Reichstag nach der Erledigung des Etats aufzulösen. Für diesen Fall nennt die Voss. Ztg. den Mai als Wahlmonat.

Die Forderung des evangelischen Llternbundes.

Die unter starker Beteiligung aus dem ganzen Reiche unter dem Vorsitz von Unterstaatssekretär a. D. Dr. Conze in Berlin zusammengetretene Vorstandsmitglieder und Führer des Reichsverban­des evangelischer Eltern und Volksbünde (Reichs- elteinbunb) haben eine Kundgebung beschlossen, wo­nach der evangelische Reichselternbunb im Namen von Millionen evangelischer Eltern an Reichsregie­rung und Reichstag die dringende Forderung rich­tet. die so weit geförderte Arbeit am Reichsfchul- äesetz zuEndezusühten. In weitesten Krei- sen des deutschen Volkes würde e« nicht verstanden werden, wenn nach achtjährigem Ringen auch dies­mal fein Weg der Einigung gefitnben würde. Der Gewissensnot der christlichen Eltern müsse Hilfe werden. Die Sckmle brauche Rechtssicherheit und Befriedung. Reicksregieruna und Reichstag dürf­ten sich der Verantwortung hierfür nicht entziehen.

Da die Deutsche V o l k s p a r t e i die früher getroffenen Abmachungen nicht erfüllen will und sich unnachgiebig zeigt, ist die Aussicht aus Verab­schiedung des Gesetzes leider auch weiterhin gering.

Die Volkspartei kehrt nicht um.

Der Brief hindenburas Hal feine Wirkung verfehlt.

Auf der nun abgehastenen Tagung des Reichs- schulausschrlsses bet Deutschen Volkspartei, bie aus bem gesamten Reiche stark besucht war, legte Dr. Runkel, in einem Referate bie Richtlinien bar, die für bie Deutsche Vollspartei bei der Stellung­nahme in der Frage des Reichsschulgesetzes maß- gebenb waren. Der Redner erklärte am Schluß zu dem bekannten Brief Hindenburgs: Wir wollen keine Koalitionsschwierigkeiten machen, wft wollen nur unseren Standpunkt herausarbeiten. Der Vor­sitzende der Reichstagsftaktion der Deutschen Volks- Partei, Reichsminister a. D. Dr. Scholz, bekrÄs- tigte die Ausführungen des Vorredners und be­zeichnete es als bedauerlich, daß bie beutsch - nationalen Vertreter im Brldungsausschuß bes Reichstages sich immer nur auf bie Seite bes Zentrums stellten unb nicht ein einziges Mal bie Forderungen der Deutschen Dolkspartei unter­stützt hätten.

Sodann sprach der Vorsitzende bet Landtags­fraktion D. D. v. Campe. Er äußerte, das

„Differenzen" im Zentrum?

Man schreibt uns aus parlamentarischen Kreisen:

Nachdem die sensationslüsterne Presse den Neichzausschuß der deutschen Zentrumspartei in Berlin tagen sah, hat sich ihrer eine merkwürdige Unruhe bemächtigt. Man hatte vor dieser Tagung so viel von Schwierigkeiten unb Differenzen im Zentrum gesprochen, baß schließlich bas Ergebnis für ben denkenden Leser doch reichlich kärglich war. Ist man mit bem Berliner. Tage nicht auf seine Kosten gekommen, so sucht man aus bem von Köln unb Hamm Nutzen zu schlagen. Nun redet man wieder von „Differenzen"!

Es ist nicht uninteressant, diese Kommentare zu verfolgen. Jede deutsche Partei hat heute innere Differenzen unb Spannungen. Man sollte bas mehr nehmen als eine Erscheinung einer besonde­ren Krisenzeit, nicht aber als eine gewöhnliche Er- scheinung. Das Zentrum hat doch wohl dasselbe Recht, mit denselben Maßstäben, wie die anderen Parteien, gemessen zu werden!

Aber noch etwas anderes ist interessant. Wie unbeliebt sind wir doch im allgemeinen! Man nimmt unsere Arbeit, wo man sie nicht entbehren kann, aber wir erwerben damit nirgendwo Dank. Im Gegenteil, man hat den Eindruck, als seien wie gerade wegen der besonderen praktischen Arbeit, wie wir geleistet haben, besonders unbe­liebt. Oder ist es nicht so ,daß auch aus Kreisen, die uns nicht so fern stehen sollten, eine Beurtei­lung entgegenkommt, die nicht erfreulich ist. Man hat deutlich die Empfindung, als wenn man uns eine Niederlage gönnte und als wenn man eigent­lich froh wäre, mit einem weniger starken Zen­trum rechnen zu können.

Das alles muß man sich merken! Wir sind in der Tat die unentbehrlichste, aber auch die am meisten bekämpfte Partei in Deutschland. Man sollte meinen, auch die Folgerungen aus die­ser Tatsache seien sehr einfach zu ziehen. Man würde mit den von uns vertretenen Ideen schön umspringen, wenn wir nicht mehr da wären, und sie mit einer starken Partei schützten.

Gerade bie Art, wie bie Gegner unsere soge­nannten Differenzen • behanbeln, ist in dieser Be­ziehung außerordentlich lehrreich. Sie beweist nämlich, wie notwendig es ist, zusammenzu- bleiben und die angeblichen Differenzen jach»

ttohlenkrieg.

In der Freitag-Sitzung bes englischen Unter­hauses hat der konservative Abgeordnete Boothby, der als inoffizieller Regierungskommissar vor ei-» nigen Monaten ins Ruhrgebiet geschickt wor- den war, sensationelle Mitteilungen über ben Koh­lenkrieg gemacht, ben die englischen Zechenbesitzer eingeleitet haben, um die Absatzgebiete wieberzu» geminnen, die sie durch den halbjährigen Bergar­beiterstreik im Sommer und Herbst 1926 verloren haben. Der Abgeordnete erklärte, daß der engli­sche Kohlenbergbau unb Kohlenhandel eine ge­radezu verbrecherische Schleuderpolitik be­treibe, um ohne Rücksicht auf bie Wirtschaftlichkeit der Kohlenpreise bie an Deutschland verlorenen Absatzgebiete wiederzugewinnen. Die englischen Kohlenhändler hätten in Deutschland selbst Abneh­mern des deutschen Kohlensyndikats die Konven­tionalstrafen bezahlt, bie diese bem Ruhrkohlensyn- bikat für ben Fall schuldig geworden waren, daß sie vorzeitig von ben Verträgen mit bem deutschen Syndikat zurücktraten. Die ganze Politik des eng­lischen Kohlenbergbaus und Kohlenhandels sei un­fair und planlos und werde Deutschland zu den nhärfften Gez-nmaßnahmen nötigen. Er mahme bie englische Schwerindustrie mit Deutschland zu einem Wirtschafts-Locarno zu kommen. Die deutsche Schwerindustrie wünsche die Verstän­digung, sie könne allerdings keine Vorschläge ma­chen, weil es in England keinen gleichwertigen Verhandln ngspariner gebe.

i Der konservative Boothby sprach also für die Konzentration der englischen Kohlenindustrie, die ^bisher nicht zustandegekommen ist, vor allem wohl Deshalb, weil bie englischen Eigentumsgesetze ein gewisses Hindernis sind. Er appellierte dabei an /die Banken, damit sie mit ihrer Kreditpolitik einen solchen Zusammenschluß förderten.

Die Frage der Konzentration und Rationali­sierung des Bergbaus spielt in England seit meh­reren Jahren eine wichtige Rolle, unb obwohl mehrfach Kommissionen eingesetzt worden sind, bie diese Frage prüfen sollten, hat bie konservative Regierung nichts getan, um das Ziel zu fördern. Sie hat 1925 den Bergbau mit staatlichen Subven-

setz in seiner gegenwärtigen Gestalt finde bei kei­ner Partei Zustimmung, auch nicht beim Zentrum und den Deutschnationalen. Nach einer Diskussion nahm die Versammlung einstimmig eine Entschlie­ßung an, in der der Politik der Reichstagsftaktion in der Schulgesetzfrage Anerkennung ausge­sprochen wird.

Was wird?

Die für Montag angesetzte Sitzung des interfraktionellen Ausschusses, der man in parlamentarischen Kreise für bie weitere Entwicklung ber politischen Lage erhebliche Bedeu­tung beimißt, findet um 4 Uhr statt. Inzwischen haben die Fraktionen die in der Freitagssitzung des interfraktionellen Ausschusses vorgelegten Ver­mittlungsvorschläge des Reichsinnenministers ge­prüft. Wie wir von unterrichteter parlamentari­scher Seite erfahren, können diese Vorschläge aber bereits als erledigt gelten, da maßgebende Parteifaktoren in ihnen keine Basis einer Einigung sehen. Don deutschnationaler Seite verlautet, daß vor Beginn ber Sitzung bes inter­fraktionellen Ausschusses noch einmal ein Eini­gungsversuch unternommen werden soll. Aus Deutschvolksparteilichen Kreisen hören wir hierzu, daß man einen solchen Versuch auf dieser Seite aber ebenfalls als durchaus aussichtslos be­urteilt.

\^F Ä. Ä — NnzeliiMintt 10 W. (mH Mir. Mw 15 W.)

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amkliches kreisblakk.

poincarö in Strasburg.

Der französische Ministerpräsident Poincar- hielt Sonntag mittag auf einem von den elsässischen Bür- gerhteiffern in Straßburg veranstalteten Bankett eine Rede, in der er auf die Autonomiste n- beroegung zu sprechen kam unb erklärte:

Wenn in der nächsten Schwurgerichtsperiode dis traurigen Gesellen, bie unter Anklage stehen, sich verantworten müssen, werde bas Elsaß erstaunt sein über die Infamie, die dabei enthüllt werde. Das Elsaß werde dann nicht mehr zulassen, daß unter dem Vorwand, bie weitgehendste Freiheit zu fordern, verdächtige Agenten Zeitungen verbrei­ten, die von ausländischen Quellen gespeist würden und die mit ausländischen Organen Fühlung nah­men und unter dem Deckmantel bre Autonomie bes Elsaß eine neue Amputation Frankreichs vorberei­teten. Es müsse jeder fremdländische Einfluß, bie sich in die Verwaltung der französischen innerere Angelegenheiten einmische, abgelehnt werden. Das Elsaß habe sich selbst schon wiederholt über sein Schicksal ausgesprochen. Poincar^ verlas hierauf eine Anzahl von Depeschen, die er von Präfekten des Unterelsaß in seiner Eigenschaft als Präsident der Republik erhalten habe unb schloß seine Rede wie folgt: Seid ihr Franzosen, rückhaltlos Franzo­sen, bedingungslos Franzosen, ohne Hinterhalt Franzosen? Diejenigen, die nicht klar antworten werden, die den Mut haben sollten, sich hinter Wenn und Aber zu verschanzen, sie werden, davon bin ich überzeugt, mit Schärfe vom Elsaß ab ge­lehnt werden.

Wie Haoas aus Straßburg berichtet, kam es bei ber Abfahrt Poincar^s zu einem Zwischen, fall. Als Poincar^ ben Zug bestieg, rief ber kommunistische Abgeordnete Hueber auf bem Dahn. Hofsplatz: .„Nieder mit Poincar«!", und einige feiner Freunde stimmten ein Pfeifkonzeri an. Die Menge stürzte sich, so heißt es in der Havasmeldung weiter, auf sie, und bie Polizei hatte große Mühe, sie zu schützen. Sie mußte sie, von ber Menge stark belästigt, bis in bas Gebäude der kommunistischen Gewerkschaften begleiten. Die Straße wurde schließlich geräumt, worauf bie Ruhe wieder her gestellt wurde. Es ist k e i n e D e rh a s. tu n & vorgenommen worden.