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JV» 36.

Sonntag, 12. Februar 1928

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNendruckerel, Fulda

Fuldaer fitflendrucKerel, Fulda

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„Wenn nicht alle Anzeichen trügen, Gelbfieber. Ich weiß nicht, welche Vorstellungen Sie mit diesem Wort verbinden. Aber es genügt ja wohl, wenn ich Ihnen mitteile, daß man diese Krankheit auch als die tropische Pest bezeichnet. Auch um Ihretwillen will ich nicht hinter dem Berge halten. Es war mir schon bedenklich, daß ich zum Zwecke des Transportes jemand mit dem Kranken in Verbindung bringen mußte."

„Also eine ansteckende Krankheit, die —*

„— die epidemisch werden kann", vollendete der Arzt Sibylles Worte.

„— und die unbedingt zum Tode führt?"

„Nicht unbedingt. Aber die Mehrzahl der Fälle ver­läuft allerdings tödlich. Nun, Fräulein Rieth, möchte ich Sie bitten, diesen Raum zu verlassen und ihn nicht wieder zu betreten. Dieser Kranke gehört nunmehr nur noch in meine Hände. Die Folgen könnten für Sie ge­fährlich sein."

Sibylle stand und sann einen Augenblick. Dann fragte sie: „Darf ich noch eine Frage tun?"

„Bitte!" T

„Gibt es Mittel gegen diese Krankheit?"

„Kaum! Ebensowenig wie gegen andere Tropenkrank­heiten, wie die gefährliche Schlafkrankheit zum Beispiel. Wir können beinahe nichts tun als den Kranken pflegen und abwarten."

„Der Fall ist natürlich auch für Sie mit Gefahr ver­bunden?"

„Selbstverständlich! Ein Arzt ist in solchen Fällen immer in Gefahr. Aber das ist eben unser Beruf. Sie dagegen —"

„Herr Doktor", sagte Sibylle darauf entschlossen, „Sie find der einzige Arzt auf dem Schiff. Wenn Sie einer Krankheit zum Opfer fallen, sind wir verloren. Ich da­gegen — kann ersetzt werden. Sie werden andere fin­den, die Ihnen ihre Dienste anbieten werden. Also ist das einzig Richtige, daß wir es jetzt umgekehrt machen: Sie stellen Ihre ärztliche Kunst den anderen Passagieren zur Verfügung, ich dagegen bleibe bei dem Kranken hier

und isolierte mich für einige Zeit. Bedenken Sie auch, in welche Gefahren Sie die anderen Passagiere bringen, wenn Sie, eben mit diesem Kranken hier beschäftigt, im nächsten Augenblick den anderen Ihre Dienste widmen. Dies ist meines Erachtens nach oiet weniger zu verant­worten."

Der Arzt sah sie lange an. Dann streckte er ihr die Hand entgegen. „Fräulein Rieth, ich kann nur eines wünschen, daß dieser Ihr heldenmütiger Vorschlag Ihnen nicht zum Verhängnis wird. Meiner Verehrung sind Sie sicher für immer."

Er hielt ihre Hand fest und sah ihr in die Augen.

Sie sagte: „Nur eins ist notwendig. Es darf natür­lich niemand wissen, wo ich bin. Sobald man dies weiß, ttiirb das Geheimnis der Krankheit schwer zu hüten sein. Diese Räume müssen verschlossen bleiben für jedermann außer Ihnen."

Sie hielt inne. „Allerdings Lydia" — Dann fuhr sie mit lauterer Stimme fort: „Nur Fräulein Gruham — kennen Sie sie vielleicht?"

Der Arzt bejahte.

„Also Fräulein Gruham müßte benachrichtigt werden. Sie ist unbedingt zuverlässig und wird ihr Schweigen nicht brechen. Bitte, würden Sie sie benachrchtigen?"

Der Arzt versprach es.

„So. Dann richte ich mich also darauf ein, hier zu bleiben. Wie lange das nötig sein wird, können Sie na­türlich nicht sagen?"

„Nein. Das Gelbfieber führt mitunter schon in ein bis zwei Tagen zum Tode. Mitunter geht auch eine Woche oder gar noch mehr hin. Allerdings scheint mir der Patient nicht gerade allzuviel Widerstandskraft zu haben."

„Nun gleichviel. Und die Baronin, nicht wahr —"

„Wird ferngehalten, selbstverständlich. Mit allen Mit­teln. Soweit ich sie beurteilen kann, wird sie schwerlich Verlangen danach tragen, ihren Mann zu sehen."

(Fortsetzung folgt)

Maschinen ohne Mann.

Roman von E. A. Stein.

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f „Ist Ihnen die Diagnose bereits klar?" fragte Si- bylle.

„Noch nicht so ganz," erwiderte er, „aber es könnte immerhin sein, daß wir uns auf ernste Dinge gefaßt Sachen müssen."

„Doch hoffentlich nicht etwas, was epidemisch wer­den könnte."

Der Arzt zuckte die Achseln. „Wir müssen jedenfalls auf der Stelle den Baron ganz unauffällig in einen der Isolierräume schaffen. Man kann nicht wissen, was daraus wird. Wie aber machen wir das?"

„Wir müssen zunächst die Einwilligung der Baronin haben. Das ist das Wichtigste. Natürlich wohl, ohne daß sie den eigentlichen Grund erfährt."

„Ich wäre Ihnen sehr dankbar, Fräulein Rieth, wenn Sie mit der Baronin sprechen würden. Ich werde unterdessen sehen, ob ich mir ein paar Helfer verschaffen kann. Denn wir werden den Baron auf eigenen Füßen kaum in den Jsolierraum bringen."

Sibylle trat in die Kabine der Baronin zurück. Sie fand sie in Tränen aufgelöst.

„2tlfo niemand kümmert sich um mich! Nicht einmal mein Mann! Ich bin nicht imstande, mir ein Glas Wasser zu holen. Ich bin krank, ach, ich bin krank."

»Frau Baronily Ihr Gatte ist aber nicht weniger krank als Sie! Wir gehen sogar mit dem Gedanken um, ihn an einen Ort zu schaffen, wo wir ihm eine bessere Pflege angedeihen lassen können — natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben. Wir lassen ihn Ihnen auch gern hier — nur wird es dann nötig sein, daß Sie von Zeit zu Zeit nach ihm sehen."

„Ich? Ich? So krank wie ich bin? Keinen Finger kann ich rühren, geschweige denn —"

Sibyll^ unterbrach sie. „So sind Sie also damit ein­verstanden?"

„Selbstverständlich! Bringen Sie ihn hin, wohin Sie wollen! Und pflegen Sie ihn meinetwegen selbst! Nur bitte ich mir aus, daß auch ich nicht hier meinem Schicksal überlassen bleibe!"

„In dieser Beziehung können Sie ganz beruhigt sein. Wir werden sofort jemand bitten, von Zeit zu Zeit nach Ihnen zu sehen."

Als Sibylle wieder in die Kabine des Barons ein­trat, fand sie dort schon Dr. Ruoff mit zwei jüngeren Herren, die sich anschickten, den Baron in einem Sessel, in den man ihn gesetzt hatte, hinwegzuschaffen. Sie winkte den Arzt beiseite und teilte ihm mit, daß sie es für nötig halte, die Baronin in dem Glauben, daß sie krank sei, zu belassen, vielleicht sogar zu bestärken, damit sie nicht etwa auf den Gedanken komme, ihren Gatten aufzusuchen und so den Zweck der Isolierung zunichte mache.

„Ich danke Ihnen, Fräulein Rieth," entgegnete der Arzt darauf. „Sie sind außerordentlich umsichtig und haben natürlich vollkommen recht. Unter Umständen muß man die Baronin sogar auf irgend eine ungefähr­liche Weise ein wenig ans Lager fesseln. Ich werde daran denken."

Als man sah, wie der Baron vorbeigetragen wurde, erhoben sich viele Fragen. Der Arzt erklärte darauf, daß der Baron erbstlich krank zu fein scheine und daß man ihn genauer beobachten muffe. Mit dieser Auskunft be­ruhigten sich die meisten.

Als der Arzt mit Sibylle in dem Isolierraum allein stand und der Baron gebettet worden war, trat er an Sibylle heran. Er vergewisserte sich, daß sie von niemand gehört wurden, und sagte: „Fräulein Rieth, ich will es Ihnen doch mitteilen — offen gesagt, ich bin auch nur ein schwacher Mensch und vermag die Befürchtungen allein nicht zu tragen. Wenigstens mit Ihnen möchte ich sie teilen. Ich fürchte, daß der Baron nicht mit dem Leben daoonkommt. Und ich glaube sogar, daß wir für uns alle fürchten müssen."

„Mso etwas Schlimmes?"

Das ProvisoriM -erMeiMWkei mit ötmMum

Die älteste Sparkasse des Regierungsbezirks

= Mündelsicher =

Monde ist. An jene Else muß ich denken, die ihren Ritter nicht fragen sollte, woher er sei. Liebste Else, frag nicht. Sonst muß ich ein Liedlein flö­ten, und dann kommt mein Schwan . . . Trägst du deine Maske, so laß mir auch die meine . . .

,< ■ Der Mann im Monde.

Vor einiger Zeit wohnte ich in einer Art Al­tersheim, wo man allerlei Seltsames erfahren konnte. Neben mir hauste in einem Zimmer die Kaiserin von Oesterreich, daneben wohnte die Prin­zessin von Sachsen. Das heißt, die beiden guten Alten bildeten sich dergleichen ein und betrugen sich auch darnach. Auch sonst gab es eine Reihe von Idioten und Halbidioten in diesem Heim, und noch sehe ich den Jungen vor mir, der arm und klein und krumm den ganzen Tag im Nebenhaus die Wendeltreppe auf- und abstieg. Nichts kann einen so traurig machen, als das Gebühren die­ser Unglücklichen, in denen das Licht des Geistes erloschen ist. Tröstlich war nur, daß unter ihnen eine Liebe waltete, die auch dieses Dunkel noch milde überstrahlte. Fromme Ordensschwestern hat­ten sich aus freier Liebe der Pflege dieser Alten gewidmet, betreuten sie, beteten mit ihnen und er­trugen geduldig ihre Schwächen. Ich fragte die eine Schwester, wie lange sie schon dort sei, und sie antwortete: „Schon über 20 Jahre, aber die Oberin bereits über 30." Dabei lächelte die Schwe­ster mit diesem guten Lächeln, das der Liebe eigen ist. Niemand kennt ihre Namen. Keine Behörde spendet Trost oder auch nur Anerkennung. Sie haben noch Sorge, daß ihr Haus überhaupt be­stehen kann. Ihr Essen ist einfach. Die Luft in einem solchen Hause ist trotz bester Lüftung fast unerträglich. Und sie lächeln doch. Sie sind glück­lich. Sie singen in ihrem Kirchlein wie die Engel • • • Und wie ich heraustrat, da war draußen der Fasching. , Masken grinsten mich an. Das Traurige, das ich soeben gesehen hatte, war hier in wilde Lustigkeit verwandelt. Aber das Narren­schiff des Lobens, wie es nun schon seit Monaten auf dem bewegten Meere der Zeit sich bewegt, konnte mich nicht froh machen. Es quälten mich die Vorstellungen von den Masken, die von den Menschen wirklich getragen werden. Der eine lobt den Staat und begeistert sich für ihn, während er ,n Wirklichkeit ihn ausnutzt. Der andere ist fromm, weil er damit etwas verdient, - während er im Grunde seines Herzens doch ein Teufel ist. Wer trägt nicht irgendeine Maske, auch wenn kein Fa- sschmg ist? Nein, ich werde nicht zum Maskenball Mn. Ich werde mich den Stillen im Lande an- ichließen, die gerade in diesen Tagen die Kirchen füllen und vor dem Ewigen Licht über die größte Liebe nachdenken. Da ist Ernst, da ist Wahrheit, da ist Mitleid. Da ist etwas von dem, was die gu­ten Schwestern hatten, die sich jener Idioten an- -^nahmen: Ein überirdisch schönes Land, eine wun­dersam das Herz beglückende Ruhe, eine Insel des Friedens mitten in der tollen Welt. Nein, ich werde nicht zum Maskenball gehen, denn ich würde ja doch den ganzen Abend denken müssen an jenen Knaben, der arm und klein und krumm die Treppe im Nebenhaus auf- und absteigt, den ganzen Tag ....

Wenn Vernünftige sich einmal austollen, dann verstehe ich das. Aber bei dem Geschlecht von heute hat man oft den Eindruck, es habe den Anspruch der Vernunft verwirkt. Zu viel geradezu Unver­nünftiges, was man schon mit Laienaugen als fol- ches erkennt, treibt doch heute fortgesetzt sein Un­wesen. Bereits am 14. Dezember — ich habe die Sache notiert — las ich in irgendeinem Bericht, der bestimmt auch den höchsten Stellen vorgelegen hat, den Satz: „Im Fleisch stehen wir mit der Selbsternährung vor dem Anfang, Sie können ruhig die Gefrierfleischeinfuhr vom 1. April 1927 an sperren." Man hat sich nicht darum geküm­mert, obwohl es doch offenbar war, daß der Mann Recht hatte. Wieder notierte ich am 26. Mai 1927 bei der Lesung ähnlicher Berichte: „Meine Her- ren, geben Sie acht. Die nächsten Wahlen wer-

Kunft und Literatur.

— Deutschlands literarische Produktion. Das Börsen­blatt für den deutschen Buchhandel bringt soeben eine Statistik über Deutschlands literarische Produktion im Jahre 1926. Danach gab es 519 Neuerscheinungen und 1012 Neuauflagen weniger als 1925. Die absoluten Zah­len betragen 23 557 Neuerscheinungen und 6307 Neuaus­lagen. Die Zahl der Zeitschriften vermehrte sich um 612 Einheiten. Die Gesamtzahl der Bücherproduktion bleibt mit diesen Zahlen immerhin noch höher als in einem der sechs Jahre von 1919—1924. Bemerkenswert ist, daß 1926 ein außergewöhnlich starker Rückgang auf dem Ge-

«Ische Masse

1825 FUldO 1825-

Bahnhofstrasse 5

den schwer durch das Rind- und Schweinevieh be­einflußt werden." Ich wartete, ob etwas geschehe, aber es geschah nichts. Und nun ist das Unglück da. Aehnlich ist es bei der Hauszinssteuer. Eine Reihe von Fällen, die in Flörsheim bei Hochheim am Main festgestellt wurden, zeigt handgreiflich, daß man sich um den Härteparagraphen und um die ministeriellen Ausführungsbestimmungen in der Anwendung des Gesetzes von der Hauszins- steuer gar nicht gekümmert hat. Wie ich so durch Nachfragen herausbekam, ist dergleichen nicht nur in Flörsheim zu beobachten. Wie töricht ist das alles! Unser Volk kann ja nicht zur Ruhe kom­men, wenn die Unvernunft so unnötige Härten auferlegt. Gewiß gibt es viele Beamte, die sich in schöner Hingabe dem Wohle des Volkes wid­men. Aber einige wenige vielleicht, die in solcher Stellung Materialisten geworden sind und es an Wohlwollen fehlen lassen, schaden ungeheuer. Der Raum reicht nicht aus, aber man könnte sehr wohl dartun, daß die meisten Schäden, die wir heule haben, darauf zurückgehen, daß man die Gottes­ordnung nicht mehr zur Grundlage der Ordnung unter den Menschen macht. Dieser schöne Aufbau der Welt, wo jede einzelne Kraft das Ihre tut und dann aus dem Zusammenspiel aller das Wohl der Gesamtheit erwächst, ist nicht mehr Vorbild für uns. Wir haben zuviel Leerlauf in den mo­dernen Staaten, die auf dem Wege der Verord­nung zu erreichen suchen, was die frische Initiative des Einzelnen viel besser und billiger machte. Es wird heute noch mehr geschrieben als früher, und ich kenne einen Landrat, der einen eigenen An­gestellten hat, der nur die Verordnungen liest und einregistriert. Außer diesem liest kein Mensch dort die Sachen, und es scheint sogar, daß man sich gut dabei steht.

Diese Auffassung der Dinge muß auch eine Rolle spielen bei der Neuordnung des Staates. Wir wünschen alle die Einheit, aber es muß eine leben­dige werden. Wir wollen keine Maschine, die die freie Persönlichkeit und das wirklich (ebensträftige Einzelland zu Rädchen und Rädern werden läßt. Mein Weg hat mich gerade in letzter Zeit wieder durch die verschiedensten Provinzen geführt. Da ist mir erneut aufgegangen, wie reich das Seben da immer noch ist und wie mannigfaltig. Was uns fehlt, ist nur, daß wir uns nicht genug um ein­ander kümmern. Wie freuen sich zum Beispiel un­sere Brüder und Schwestern in Oberschlesien, wenn einer aus dem Westen freundlich zu ihnen kommt. Wüßten alle bei uns Bescheid darüber, wie es dort steht, der Minister würde sich lächerlich ma­chen, der auch nur mit einer Andeutung die lieber« flüssigkeit der neuen Provinz Oberschlesien streifte. In der Tat gibt es heute kaum eine Provinz, der wir so viel Liebe zuwenden sollten, als Ober- schlesien. Das Gleiche gilt fast vom Saargebiet, wo ebenfalls eine so tief religiöse und echt deutsche Bevölkerung sitzt. Die Mensihen, die im Reben­lande des Rheingaues wohnen oder jene, die zwi­schen den freundlichen Hügeln des Neckartales zu Hause sind und jene wieder, die in den einsamen Eifelbergen oder in der Rhön oder im Taunus oder an der Ems ihr Leben fristen, sind anders, als jene, die in den großen Industriestädten des Westens zusammengedrängt sind. Wenn man’s so betrachtet, dann freut man sich immer des Reich­tums unserer Volksseele, die überall den Geist einer eigentümlichen Landschaft atmet. Möchte doch ein an der Bewunderung der herrlichen Got­teswelt geschulter Instinkt auch die Neufchöpfung unseres Reiches beherrschen.

Noch eine Kleinigkeit. Liebes Publikum, du willst immer wieder wissen, wer der Mann im

biete der neuen Sprachen und der schönen Lateratur ein­getreten ist. Dieser Rückgang ist zweifellos nicht nur auf die Wirtschaftskrise, sondern au chaus Kino und Radio zurückzuführen. Dagegen hat die Klasse „Schulbücher und Stenographie" einen relativ hohen Zuwachs zu verzeich­nen, wohl ein Zeichen dafür, wie sehr bei uns äugen-

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in Sdiwarzdruck und einfarbigem Buntdrude, sowie in Mehrfarbendrude liefert schnell und billig

Rund um die Woche.

Fasching. — Idioten. — Schwestern. — Hauszinssteuer. — Gefrierflelfch-Einfnhr.

Landschaft, Volk und Staat. — Liebste Else. . . .

Zwischen der tschechoslowakischen Regierung und dem Vatikan ist eine Vereinbarung zustande- gekommen, die als Provisorium bezeichnet wird. Voraussichtlich wird dieses Provisorium von lan­ger Dauer sein. Denn ein Definitivum in kirchen­politischen Fragen nach der positiven oder nach der negativen Seite hin ist in der Tschechoslowakei un­ter den gegenwärtigen Verhältnissen ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man darunter ein Konkordat oder die Trennung der Kirche vom Staat versteht. Sowohl die katholikenfeindlichen als auch die ka­tholischen Tendenzen sind in der Bevölkerung so stark, daß jede der beiden Lösungen schwere Er­schütterungen mit sich bringen und jede Regierung ernstlich gefährden könnte. Ein Konkordat unter Verzichtleistung auf das geringste staatliche Ho­heitsrecht gäbe den sozialistischen Parteien die er­wünschte Nahrung für die Entfaltung einer mäch­tigen und aussichtsreichen Propaganda gegen die Regierung, die von den linksstehenden bürgerli­chen Gruppen unterstützt würde; eine Lösung im radikal entgegengesetzten Sinne wieder stieße auf den schärfften Widerstand der seit dem Kriege er­starkten tschechisch-katholischen Volkspartei, würde insbesondere in der Slowakei die gegen Prag und gegen den tschechischen Zentralismus gerichtete Be­wegung, die eigentlich bisher noch nicht recht zum Stillstand gekommen ist, aufs neuen entfachen. Man ist in Prag glücklich, daß die Hlinka-Slowa- ken in der Regierung vertreten sind, sodaß wenig­stens nach außen hin die Gegensätze verwischt wurden, und man hütet sich wohl, den Kampf aufs neue zu entfachen.

So sah sich Dr. Benesch gezwungen, einen rich­tigen Eiertanz aufzuführen. Belastet ist das Pro­blem überdies mit Prestigefragen, die sich so sehr in den Vordergrund drängen, daß die Polemik über diesen Gegenstand oft die Grundthemen, um die es sich hier handelt, ganz vergißt. Enfftanden ist bekanntlich der Streit dadurch, daß der päpst­liche Nunitius Marmaggi im Juli 1996 plötzlich aus Prag abreifte. Er wollte damit fei.iem Miß­fallen darüber Ausdruck geben, daß die Hus-Feier- lichkeiten in großem Stil unter offizieller Teil­nahme der tfchecho-flowakischen Regierung statt- fanden, weil er — mit Recht — in dieser beton­ten Verherrlichung des tschechischen Märtyrers eine gegen den Vatikan gerichtete Spitze erblickte. Diese vielleicht demonstrative Abreise des Nuntius rief in der tschechischen Oeffentlickkeit „Entrüstung" hervor, man sprach, wie das in solchen Fällen fast immer geschieht, von einer „Provokation des tsche­chischen Volkes, und insbesondere die Nationalso­zialisten — die Partei, der der Außenminister Be­nesch selbst angehört — konnten sich in Angriffen gegen den Vatikan nicht genug tun. Beneschs Stel­lung in der Regierung wurde dadurch, daß sich die Nationalsozialisten als die schärfste Oppositions­partei gebärdeten, natürlich nicht erleichtert.

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V' Schwingungen.

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blicklich mit Reformversuchen auf diesem Gebiete experi­mentiert wird. Vom 1. Oktober 1926 bis 30. September 1927 wurden 4034 Doktordissertationen veröffentlicht, ge­gen 2547 im Jahre 1925-26. Fast in allen Wirtschafts­gebieten ist ein Zuwachs an akademischen Arbeiten zu verzeichnen.

Dies war auch der Ausgangspunkt der mühe­vollen Verhandlungen, die zwischen der tschechi­schen Regierung und dem Vatikan geführt wurden und die man auf tschechischer Seite in die Hände des früheren Wiener Gesandten Krofta, eines der geschicktesten und bedächtigsten Diplomaten gelegt hatte. Der Vatikan verlangt, daß Marmaggi auf seinem Prager Platz — und sei es auch nur auf einige Wochen — zurückkehrt, während die Regie­rung mit Rücksicht auf die Stimmungen der Haupfftadt die Rückkehr lieber vermieden sähe. Hier steht Presttge gegen Prestige, und die Ge­sichte zeigt zur Genüge, wie schwer für die Diplo­matie Konflikte, die aus der Verletzung des Selbst­bewußtseins von Staaten und Völkern entstehen, zu überbrücken sind.

Das Problem Marmaggi bildete in der Tat das Haupthindernis bei den zuerst auf die Wie» deranknupfung der abgebrochenen Beziehungen eingeschränkten Verhandlungen. In den übrigen, also den wesentlichen Themen, die einer Regelung bedürfen, wählte Dr. Venesch jene Methode, die man als die Eigenart feiner Politik bezeichnen darf, und die in der Tat schon vielfach gute Früchte getragen hat. Dr. Benesch liebt es, jedes Problem womöglich des prinzipiellen Mantels zu entkleiden, es sorgfältig in seine Bestandteile zu zerlegen und dann jeden Bestandteil gesondert zu behandeln, und zu einer Lösung zu bringen. Es ist dies eine Methode, die seinem nüchternen Na­turell entspricht und der Äerhandlungstaktik der Exponenten der Wirtschaft und der Finanz abge­lauscht ist. Der Vatikan hat unter der Berücksich­tigung der besonderen Verhältnisse in der Tschecho­slowakei bei den Verhandlungen dieser Art der Behandlung großes Verständnis entgegengebracht. In der Tschechoslowakei dreht es sich bei einem Abkommen mit dem päpstlichen Stuhl vornehm­lich um die Ernennung der Bischöfe und die Ab­grenzung der Diözesen. Bemerkt sei, daß bei der Hus-Feier im letzten Sommer die Regierung be­reits in weniger ostentativer Form hervorgetreten ist.

Wenn es aber auch jetzt gelang, normale und erträgliche Beziehungen zum Vatikan zu schaffen, so ist damit selbverständlich das Verhältnis der Kirche zum Staat noch lange nicht endgültig ge­regelt. Die Kulturkampfparole der „antiklerika­len" Bewegung im Sinne der „fchechofiowakischen Nationalkirche", wie sie sich nach dem Umsturz äußerte, ist zwar längst vorüber; nichtsdestoweni­ger dürften die Schulfragen große Reibungen Her­vorrufen. Und es gäbe längst die heftigsten Kämpfe, wenn es nicht geglückt wäre, durch den Hinweis auf die ungarische Jrredenta in der Slo­wakei und den inneren Feind in den deutschen Gebieten der alten Kronländer die Kampfparole zum Schweigen zu bringen.___________________

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