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Nr. 35.

§uldaer Reifung sämtliches Kreisblaft).

Donnerstag, 9. Sebruar 1928.

VIeIndianersraoern Latein-Kmerika

Don Dr. W e n z - Fulda.

In unserer an weltpolitischen Vorgängen so überreichen Zeit wendet sich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit mit Vorliebe den großen Er­eignissen 3u, die durch die Wucht der Tatsachen die überstürzende Umwälzung in der Weltgestal- tung offenbaren. Man üoersieht zu leicht, daß un- merklich fast an anderen Stellen unseres Planeten neue Welten nut neuen Problemen emportauchen, und beachtet sie kaum, weil sie nicht von den tö­nenden Klängen des Kriegsgottes begleitet sind. Eine solche emporsteigende Welt ist Südamerika oder, wie wir es richtiger unter Einschluß von Mittel-Amerika nennen wollen, Latein-Amerika. Hier haben wir ein Gebiet vor uns, das durch seine natürlichen Reichtümer, die das tropische und sub­tropische Klima und der an Erzen, Kohle und Pe­troleum reichen Boden in üppiger Fülle ihm bie­tet, berufen ist, in der Weltwirtschaft und vielleicht auch einmal in der Weltvolitik eine bedeutende Rolle zu spielen. Das Land hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen ungeahnten Aufschwung genommen. Wir Deutschen hatten uns in der Vorkriegszeit bereits daran gewöhnt, Latein- Amerika als ein Zukunftslend deutscher Wirt- schaftsbetatlgung zu betrachten. Zum Glück konnte uns der Krieg nur in unserem Einflüsse in Latein- Amerika hemmen: die geistigen Fäden, die sich zwilchen der deutschen Wissenschaft und dem süd- amerikanilchen Geistesleben gesponnen hatten, er- wiesen sich als zugfester als die materiellen Fäden. ~an‘ ?uf geistigen Austausch aufgebauten Freundschaft ist es uns verhältnismäßig rasch ge­lungen, auch in geschäftlicher Hinsicht den Boden wieder zuruckzuerobern, den uns Krämergeist strei- ng gemacht hatte. Wenn wir auch gegenüber der Stoßkraft der amerikanischen Dollars Zurückbleiben werden, so ist es doch heute schon sicher, daß Deutschland ein wichtiger Faktor bei der Entfal­tung Südamerikas sein wird.

Wichtig für die Zukunft Latein-Amerikas ist me Arbeiterfrage. Der naturgegebene Arbeiter ist der Indianer. Im weitesten Umfange sind bereits die Indianer als Arbeiter gewonnen, bllden sie doch in Mittel- und Südamerika auch heute noch einen sehr hohen Prozentsatz, in manchen Staaten sogar die Mehrheit der Bevölkerung. Bisher stell­ten die Indianer eine große träge Masse dar, die sowohl in der Politik als auch im Wirtschaftsleben gar keine Bedeutung hatte. Infolge der Bedürf­nislosigkeit des indianischen Arbeiters und des pa­triarchalischen Systems, das auf den riesigen Gü­tern herrschte, trat der proletarische Zustand der indianischen Masse nicht in die Erscheinung; ganz Latein-Amerika lebte ja noch in einer Art Bieder­maierzeit. Die reinrassigen Nachkommen der ein- gewanderten Spanier, die Kreolen, waren die Her­ren, die ihre Geschicke und die Geschicke des Landes nach eigenen Interessen leiteten. Die küm­merten sich nicht um die Hebung der chnen anver­trauten Jndianermasjen; denn eine soziale Frage kannte man nicht.

Daß die Indianer einstmals ganz hervorragende stagtsbürgcrliche Fähigkeiten hatten, bezeugen Staatsform und Verfassung der alten Kulturreiche Mexikos, Mittel- und Südamerikas. Und daß diese Öligkeiten unter dem Einfluß der Kultur noch nicht ganz geschwunden sind, beweist das gelegent- lrchs Auftreten bedeutender Staatsmänn-r aus der Reih; der reinen Indianer wie zum Beispiel • p'!ltrer(J in Guatemala oder Benito Iuarez in Mexiko. Die Anpassungsfähigkeit an die euro- I pcüdie Kultur ist im allgemeinen aering; vor al­lem fehlt den Indianern zum Glück für die Wei­ßen, der weite Blick, der sie auf wirtschaftlichem Gebiete als Kaufleute oder Pflanzer vorankom­men ließe, aber sie haben inzwischen von den Weißen doch sehr viel gelernt. Man muß berück­sichtigen, daß wenigstens theoretisch das Prinzip der allgemeinen Gleichheit herrscht, wenn auch in

der Praxis ein großer Unterschied zwischen den Angehörigen der oberen und der unteren Bevöl- kerungsklassen gemacht wird. Und diese Gleichheit in der Verfassung ermöglicht es doch manchem Indianer, sich aus dem tiefen Niveau seiner Raste emporzuarbeiten und den tiefstehenden Stammes- genossen als leuchtendes, nachahmungswertes Bei­spiel zu dienen.

Gegenwärtig spielen zwei Fragen in Latein- Amerika eine Rolle, deren Bedeutung in den nächsten Jahrzehnten die Geschicke der einzelnen Staaten entscheidend beeinflußen werden. Es ist dies die Frage der zunehmenden Industrialisie­rung und die Einschaltung der braunen Rasse in den Staatsorganismus aus. Die Industrialisierung schafft ein Arbeiterp'-oletariat und in Verbindung damit eine soziale Frage. Sozialismus, Bolsche­wismus und Kommunismus sind darrun heute in Latein-Amerika nicht mehr unbefannt. Am wei­testen sind diese Ideen in Mexiko vorgeschritten, wo allerdings auch die Rnb’-ftrie am frühesten Eingang gefunden hat. In Verbindung mit die­ser Industrialisierung steht die unsoziale Verteilung des Landbesitzes, die gebieterisch nach einer tief­greifenden Bodenreform verlangte. Das Uebel der Latifundien, der ungleichmäßigen, ungerechten Verteilung des Grund- und Bodens, ist über aanz

Latein-Amerika verbreitet; wenn es sich auch in Mexiko infolge der dichteren Besiedelung und der fortgeschrittenen Entwicklung am stärksten zuge­spitzt hat. Ebenso ist auch die Syndikalisierung der Arbeiter am weitesten in Mexiko entwickelt und ihr Vertreter, der Generalsekretär D. Tre- vinon, führt eine deutliche Sprache: „Wir sind ernst zu nehmen. Unsere Feinde sind die Kapi- talisten die da sagen es fehle unserer Organi­sation der Ernst, die Fähigkeit und Zucht, unsere Vläne zu verwirklichen, um die Lage der arbei­tenden Klasse zu verbessern. Unser Programm fällt zusammen mit dem Revolutionsprogramm, aus d-m auch Ealles hervorgegangen ist." Die fo-ialistilchen B'strebungen sind nicht auf Mexiko ^"schränkt g-blich-en, sie haben so"ar in manchen Teilen Lglew-Ameriegs einen ähnlich Meriko überaus günstigen Boden at’funben. Die B"sitz- nerteilung in Ar"e"tinien. Elul? und auch in Bra­silien bWnt genü"lgm Angriffsflächen für solche Id-x-n. Eharakteriftisch für die Einschätzung der nerf*Rhenen Schattierungen Smüglismirs sind die Sch'itzmaßnahmen der A^E-Staaten. die die ^inwanderuna^kontrolle und di» U^h-wwachung der Arbeiterorganisationen verschärft haben.

Warum sollen bi; so-ialistisch»n Ideen gerade hier gefährlicher sein als in europäischen Staaten?

AWe siir VeruWcklW in der MMliWstklier.

Nach § 16 des Einkommensteuergesetzes vom 10. Aug. 1925 sind hei der Festsetzung b’s Ein­kommens von den Einnahmen insbesondere die Werbungskosten abzugfähig. Werbungskost en sind die zur Erwerbung. Sickerung und Erhal­tung der Einkünfte gemachten Aufwendungen. Zu den Werbungskosten gehören insbesondere auch die Aufwendungen für Arbeitsmittel (Werkzeuge und Btgsufskleidung). Trotz dieser gesetzlichen Bestim­mung ist die Frage der Abzugsfähigkeit der Auf­wendungen für die Berufskleidung keineswegs völ­lig geklärt.

Der Entwurf des Emkornmensteuergefetzes sah zunächst die Aizugsfahigkeit für Berufskleidung nicht vor. Bei der ersten Lesung des 6. Ausschusses (Gteuerfragen des Reichstages) vom 13. Mai 1925 lag ein Antrag 53a vor, der eine Erweiterung der Bestimmungen über die Werbunaskosten da­hingehend vorsah, daß zu den Werbungskosten auch dis Aufwendungen für Werkzeuge, Berufs­kleidung und Fortbildungzwecke gehören. Staats­sekretär Dr. Popitz erklärte ru diesem Antrag, es sei selbstverständlich, daß die Aufweudungm für Werkzeuge zu den Werbunaskosten gehörtem Wenn ferner jemand neben seinen gewöhnlichen Klei­dern noch eine besondere Berufskleidung habe, so dürfe er die Aulwendungen für diese Be­rufskleidung ^ziehen. Di- Aufnahme einer be­sonderen Dorichrist über bi; Stnfroenbunaen für Werkzeuge und Berufskleidung hielt der Staats­sekretär nicht für erforderlich. In der zweiten Lesuv" des Gesetzes j-doch wurde eine diesbezüg- liche Bestimmung in den Eefetzestext ausgenom­men.

Bezüglich des llmfanr?« der Definition d's B-- ariffes ..Berufskleidung" sind beachtenswert zwei Entscheidungen des Preußiichen Oberve rwaltunosg-richts in Staats- teu-rfachen. Im ersten Tatze (Entscheidung des 6 Senats vom 10. Ian. 1900) beantragte ein Ge- chäft-r-isenl-er einen Abzua für den ihm auf sei­nen Geschäftsreil-n erwachsenden Mehraufwand ür Kleidung. Das Oberverwaltungsgericht kam zu dem Ergebnis, daß, sofern es firf/ in Fällen, wie d-m vorliegenden, um Bekleidungsstück" ban­dele, die, wie beirDiefcmeife ein Reisepelz, Fußsack und deraleichen, ausschließlich Reis-zewecken dienen, die Unkosten des Steuerpsichtigen für derartige Sa­chen gemäß § 9 I 1 bes (alten) Einkommen­

steuergesetzes als zur Erwerbung seines Einkom­mens verwendet angesehen werben könnten.

Bei dem zweiten Urteil des Oberverwaltunas- gerichts vom 5. Juli 1900 hatte ein Steuerpflich- liner von der von ihm auf 1800 Rm. angegebenen Gesamtjahreseinnahme als Oberkellner einen Ab- äug von 410 Rm. für die von ihm in dieser Siel- inng zu machenden besonderen Aufwendungen für Kleidung und Wäsch» beansprucht; er hatte des Näheren ausgeführt, daß er täglich frische Leib­wäsche anleqen müsse, was jährlich 270 Rm. Kosten verursache, während er unter anderen Verhältnis- fen höchstens 90 Rm. derartiger Ausgaben heben würde, und daß er alle drei Monate einen Frack für 75 Rm. anschaffen müsse, während ihn in an­derer Lebensstellung für ein ganzes Jahr ein Geh- rorf zu 70 Rm. genügen würde. In der Berufs- entscheidung war der diesbezügliche Abzug zurück- gewi-sen mit dem Bemerken, daß Abzüge für lei­nen Aufwand an Kleidung und Wasche unbegrün­det seien. Demgegenüber kann das Oberverwal­tungsgericht zu dem Beschluß, es fei davon aus­gegangen. daß, soweit die fraglichen Aufwendun­gen im Sinne des S 9 I 1 des (alten) Einkom- mensteuerg-jetzes als Ausgaben anzusehen sind, die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung des Einkommens verwendet werden, deren Abzug be­gründet erscheint. Wenn nach dem für eine Stel- Hing, wie sie der Steu-rpflichtige innehat, fest- stehenden geschäftlichen Gebrauche od»r nach aus­drücklicher Abmachung zwischen dem Keschäftsherrn und dem betreffenden Gewer^egehilfen dieser ver­pflichtet ist, bestimmt; Aufwendungen für Kleidung und Wäsche zu wachen, so sind die durch dieses Mehr bedingte Kosten nicht für die persönlichen Bedürfnisse des betreffenden aufa-wendet, sondern sie gehören zu den für die G»Währung des Ein­kommens ftinulierten Gegenleistungen. ' Ihre Auf- Wendung bildet also eine Bedingung für die Erlan­gung d»s fraglichen Einkommens . . . Sie dier-en alsdann allo zur Erwerbung und Erhaltung des fraglichen Einkommens und sind deshalb abzugs­fähig.

Auch für die Landwirtschaft sind diese Entscheidungen von Wichtigkeit. Besonders a'ezugs» fähig sind für die buchführenden Betriebe die Auf- wendunaen für die neben der gewöhnlichen Klei­dung erforderliche besondere Berufskleidung. Da­hin gehören in der Landwirtschaft besonders Sir,>«

fei, Gamaschen, die etwa beim Pflügen eine beson­dere Abnutzung erfahren, Regen- und Wet.er- möntel, besondere Kleidung für das Kunstdünger­ausstreuen und dergleichen. Man darf aber fer­ner mit Recht annehmen, daß, sofern Aufwendun­gen für Kleidung-stücke, die eiaens zu diesem Zwecke bestimmt sind, nicht gemacht werden, eu< entfvrechender Betrag für die durch derartige Ar­beiten bedingten außerordentlichen Abmachungen der gewöhnlichen Kleidung berechtigt sind. Dr. H.

vermischtes.

* Verurteilung eines früheren Kreisbank-Gene» raldirektors. In dem Prozeß gegen den früheren Generaldirektor der Lebuser Kreisbank, Klee- mann, wurde der Angeklagte wegen Untreue in Tateinheit mit Unterschlagung und wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug zu zwei Jahren sechs Monollen Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt. Der Angeklagte gab zu. 50 030 Mark unterschlagen und für insgesamt 75 009 Belege gefälscht zu haben. Kleemann ha"e für die Kreisbank das Touristenheim „Tannenhorst" im Niesengebirge erworben, dieses Hans mit gro­ßem Aufwande ausgebaut und seine Geliebte und deren Vater dort als Geschäftsführer angestellt. Durch den Erwerb dieses Hauses kam die Kreis- bank in Schwierigkeiten.

* Auf den fahrenden Zug gesprungen! Einen schrecklichen Tod fand in der Nacht zum Mittwoch der 33 Jahre alte Expedient Georg Peter aus Elbing. Peter wollte gegen. 12.15 Uhr nachts auf dem schlesischen Bahnhof in Berlin einen bereits in Fahrt befindlichen Zug besteigen. Dabei glitt er aus und stürzte zwischen zwei Wagen auf die Schienen. Die Näder rollten über ihn hinweg, trennten den Kopf vom Rumpfe und zermalmten den Körper. Die Leiche wurde nach dem Leichen­schauhaus gebracht. Es liegt lediglich ein Unglücks­fall infolge eigener Unvorsichtigkeit vor.

* Star ellauf eines neuen Hapagdampfers. Auf b»r Werft der Bremer Vulkan Schiffbau- und Ma­schinenfabrik Vegesack lief am Dienstagnachmittag das 9500 Bruttoregistertonnen große Doppelschrau- benvassagier- und Frachtmotorschisf „Orinoev" glücklich vom Stapel. Das Schiff ist für den West­indiendienst der Hamburg-Amerika-Linie bestimmt. Tie Festrede beim Stapellauf hielt der venezuelischs Gesandte Dr. Dagirino, seine Tochter vollzog den Taufakt.

IMUe 3enlrnm5porlei

Ortsgruppe Fulda

1. Bezirk

(unpassend die Straßen: Augustaftraße, am Bachrain, Bonisaiiusplotz. Boroiasstraße, Buieckstraße, Butrermarkt, Daldcr.strafe. Toll. Fwrengasse, am FranzosenwäldMen, Fiitdensstiaße, Friedl chsmarkr, Friedrichstraße, Kai'er- piatz, Künzelierwea, Marltstroße, kleine Marktstraße. Nonnen­naffe, Odmsttaße, Peterstor, Sack, Schiachthausaasje, Schloß- straße, Schulstraße, Schweinemarkt, Steinweg.)

Am greifag, den 10. sffebr. 1928, abends 8 Uhr veranstaltet unjer Bezirk im Salh. GeseUenhause einen MieiM mit m sikalische« und gesanzlischen vaebiekuage«. Im Laute des Abends fpi icht Schriitleiter Dr. Kramer üben Ue Mitte Wenluno Des Mm M

Wir laden alle unsere Ienirumssreunde zu dieser Der» anstallung hierdurch herziich ein.

Eintritt frei! Der vorslanv.

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unferes neuen Jahrikfebäudes wird nun bald zu den Wahrzeichen Dresdens gehö­ren. Über 42 m ho ch, umfaßter A Stocks merke. Die letzten drei. Stockwerke werden