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Nr. 31.

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „BuchenblStter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. :-:

Dienstag, 7. Februar 1928.

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SS.Zahrg

-...zeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 5UL Reklamezeile: lokal 0,60 JLH, auswärts 0,80 fiJt. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Titulescu auf Reisen.

Der rumänische Außenminister Titulescu hat Ende Januar eine Reise angetreten, dis ihn über Rom nach Paris, London und Berlin füh­ren sollte. Die Station Rom hat er hinter sich, er weilt augenblicklich in Paris. Inzwischen scheinen aber seine Dispositionen geändert worden zu sein, er hat verzichtet, persönlich nach London zu fahren, sondern dorthin seinen Mitarbeiter im Außenmini­sterium Voresco entsandt, während er selbst an die Riviera reisen wird, um sich dort mit dem deut­schen Außenminister Stresemann zu treffen.

Die Zwecke dieser diplomatischen Reise sind noch nicht ganz klar. Rumänien gehört zur Kleinen Entente, einer Staatengruppierung, die als von Frankreich geführt gilt. Es hat darum einige Ver­wunderung geweckt, daß Titulescu, um nach Paris zu kommen, den Weg über Rom nahm, zumal in der letzten Zeit die Kleine Entente wegen der ent­deckten italienischen Waffenschiebung nach Ungarn über Mussolini nicht wenig empört war. Will Ru­mänien aus der Kleinen Entente ausbrechen und Anschluß an Italien suchen? Die drei Staaten der Kleinen Entente haben wegen der Waffenschiebun­gen nach Ungarn eine Beschwerdenote an den Völ- kerbundsrat abgefaßt, damit er eine Untersuchung inszeniere. Es heißt, daß die rumänische Rote er- erheblich sanfter ausgefallen sei, als die jugosla­wische und tschechische. In französischen Blättern hat der Besuch Titulescus bei Mussolini entspre­chend nervöse Kommentare gefunden. Aber jetzt weilt er in Paris und kann die Trostsprüche spre­chen, die ihm notwendig erscheinen.

Vor dem Kriege war Rumänien m i t D e u t s ch- l a n d verbündet, während des Krieges gab es den Bundesgenossen preis und ging zum' stärkeren Feinde über. Sollte Rumänien jetzt eine ähnliche Pcllitik gegenüber Frankreich verfolgen? Zwi­schen Rom und Bukarest gibt es im Augenblick keine politischen Spannungen, höchstens insofern in indirekter Form, als die ungarisch-rumänische Op­tantenfrage noch nicht gelöst ist und Ungarn mit Italien in einem Freundschaftsvertrage verbunden ist. Ader gerade dieser Freundschaftsvertrag hat den italienischen Einfluß auf dem Balkan gestärkt, wie es auch die Freundschaftsverträge mit Alba­nien und der Schiedsvertrag mit Griechenland ge­tan haben. Italiens Arm reicht weit hinein in den Balkan. Und mächtige Leute haben in der Poll- tik immer anziehende Kraft ausgeübt.

In Rom hat Titulescu einige öffentliche Erklär rungen abgegeben, aber sie sind so nichtssagend, wie sich das für einen Staatsmann, der etwas auf sich hält, nun einmal gehört. Er hat dort festge- stellt, daß zwischen Italien und Rumänien keine Gegensätze bestehen, und als Aufgabe der Kleinen Entente hingestellt, den Frieden auf dem Balkan im Rahmen der Friedensverträge aufrecht zu erhalten. Auch die italienisch-rumänische Freundschaft gründe sich auf der Notwendigkeit, den status quo auf­recht zu erhalten, und er freue sich, in Rom festge- stellt zu haben, daß die auf dem Wunfche nach Frie­den beruhende Politik Rumäniens in Italien Un­terstützung finde. Diese Worte waren zugleich als Beruhigungspillen fii- die aufgeregte fran.zösifche Presse gedacht, sie haben allerdings diese Wirkung nicht erreicht. Tatsächlich kann man aus ihnen her­auslesen, was man will. Die Formulierung der besonderen Aufgaben der Kleinen Entente hat al­lerdings in Prag verschnupft, wo Benesch antwor- tete, daß die Kleine Entente ein durchaus organi­sches Gebilde sei und auf dem Balkan weitere Auf­gaben habe, als nur die, den status quo zu garau- üeren. Vielleicht ist gerade an der Definierung dieser Aufgabe der Kleinen Entente kenntlich, was dev Besuch Titulescus in Rom bezweckte. Man weiß nämlich: daß er auch auf derSuche nach einer Anleihe ist, und die Geldfragen sind in der Rangfolge der politischen Werte sicherlich nicht die g> ringsten. So sprechen es denn englische Zei- tunge» ganz offen aus, daß auf dem Balkan eine eins nAige Umgestaltung der Orientierung der Mächte eintreten könnte, indem Rumänien in den Bannkr»is Italiens eintrete.

Es t itrb aber wohl zweckmäßig fein, mit sol­chen Perspektiven etwas vorsichtig zu bleiben, denn Titulescu ist inzwischen von Rom nach Paris ge­fahren, und es war wohl kaum anzunehmen, daß er dort eiten freundlichen Empfang finden würde, wenn er irgendwie Rumänien an Italien verkauft hätte. Vielleicht ist die Vermutung nicht unbe­gründet, diß die neue liberale Regierung in Buka­rest Unterstützung im Auslands sucht. Es könnte ein große:.' Erfolg für sie sein, wenn es ihr ge­lange, die Rivalität zwischen Paris und Rom aus dem Balkan etwas abzumildern. Eine solche Ver­sion ist auf dem englischen Auswärtigen Amt ver­breitet worden. Dort hat Sir William Tyrrell als den Zweck der Reife Titulescus bezeichnet, die freundschaftlichen Beziehungen zu den Westmächten Italien, Frankreich und England zu befestigen. Titulescus Wunsch fei es, daß England in den Kon­flikten und Stürmen Südosteuropas die Rolle des Vermittlers übernehme. Man weiß, daß sich feit der letzten Genfer Dölkerbundstaaung England um ein besseres Verhältnis zwischen Italien und Frankreich bemüht. An einer Bereinigung der Mißhelligkeiten hat seit der Machtverstärkung Mus­solinis auf dem Balkan auch Rumänien ein un­mittelbares Interesse, zumal England ja hinter der italienischen Politik zu stehen scheint. Im übrigen weiß man, wie gesagt, daß sich die neue Regierung in Bukarest in Geldnot befindet und dieser einfache Tatbestand wird wohl in allererster Linie die diplomatische Reise Titulescus veranlaßt haben.

* Der Herr Reichspräsident nahm am Samstag den Vortrag des Reichsministers des Auswärtigen, Dr. Stresemann, entgegen. Ferner empfing er den früheren preußischen Staatsminister Dr Boelitz, der ihm über den Verlauf seiner Reise nach Südamerika Bericht erstattete-

Führerbesprechungen über die Neuwahlen

Die Festsetzung der Reparationrschuld auf 121|2 Milliarden Dollars? - was der verlorene Krieg für Deutschland finanziell bedeutet.

Dem „Montag" zufolge haben in den letzten Tagen zwischen den maßgebenden Führern der Regierungsparteien die ersten unverbind­lichen Besprechungen über die Frage der Neuwahlen stattgesimden, die akut werden würde, wenn die Verhandlungen zwischen Zentrum und Deutscher Volkspartei über das Reichsschul­gesetz nach der Tagung des Reichsschulausschusses der Deutschen Volkspartei endgültig scheitern soll­ten.

*

Zu einer Meldung über eine Zusammenkunft zwischen dem Reichskanzler Dr. Marx und dem ehemaligen Reichskanzler Dr. Luther, in der die Frage über einen Rücktritt Dr. Luthers aus dem Verwaltungsrat der Deutschen Eisenbahngesellschaft besprochen worden sein soll, erfahren wir von einer Dr. Luther nahestehenden Seite, daß diese Nach­richt in vollem Umfange falsch fei. Insbesondere unbegründet sei das Gerücht, daß Dr. Luther an die leitende Stelle eines südwestdeutschen Jndustrie- konzerns treten solle.

Äahlhelmlag.

Der Landesverband Groß-Berlins des Stahlhelmbundes hielt am Sonntag im Krie­ge r v e r e i n s h a u s in der Chausseestraße in Ber­lin seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach der Erledigung der Tagesordnung sprach Bundes- suhrer Seldte über die Bedeutung und die Ziele des Stahchelm. Er forderte die Mitglieder auf, alle Kräfte zu sammeln und den Gedanken an die

deutsche Zukunft in steter Erinnerung an die große Tradition des deutschen Volles wieder aufzubauen. Der Berliner Verbandsvorsitzende von Stephani wandte sich besonders gegen die Zersetzungsarbeit der Parteien.

Die Versammlungsteilnehmer zogen dann in g e- schlossenem Zuge unter Begleitungeines außerordentlich starken Polizeiaufge­botes durch den Nordosten Berlins zum Lust­garten, wo sie unter den Klängen des Präsentier- Marsches im Paradeschritt an der Bundesleitung vorbeidefilierten. Der Umzug nahm im allgemei­nen dank des starken Polizeiaufgebotes einen ruhi­gen Verlauf. In der Wiesenstraße und in der Chausseestraße mußten die Polizeibeamten von ihren Gummiknüppeln Gebrauch machen, da die Zu­schauer die Absperrketten durchbrachen und den Zug zu stören versuchten. Aehnliches versuchten auch Rote Frontkämpfer in geschlossenen Trupps in der Greifswalderstraße und in der Königstraße, sie konnten aber zurückgedrängt werden. Die Ro­ten Frontkämpfer hatten vormittags aus vier Plätzen in den Arbeitervierteln Gegenkund­gebungen veranstaltet, die gleichfalls einen ruhigen Verlauf nahmen.

...... *

Aus Rewyork wird gemeldet: In einer Pariser Depesche der „Rewyork Times" wird die Höhe einer fixierten Reparationsschuld, wie Parker Gilbert sie für möglich halte, mit 12V, Milliarden Dollar angegeben.

Gedanken zum Konkordat.

Don Dr. Theod. Grentrup.

Unter den kulturpolitischen Fragen der letzten Zeit haben ohne Zweifel das Reichsschulgesetz und das Konkordat die stärksten Wellen in die deutsche Oeffentlichkeit entsandt. Gegenwärtig kommt von den Verhandlungen über das Schulgesetz das lau­teste Echo. Der Kampf um das Konkordat hat den Parteien eine Atempause gewährt, die zum Rück­blick und Ausblick anregt. Dr. Max Bierbaum, Privatdozent in Münster, bietet mit richtiger Ein­fühlung in die Zeitverhältnisse in seinem Buche über das Konkordat (Heft 19=20 der Schriften zur deutschen Politik, herausgegeben von Prof. Dr. Schreiber) dem Leser das eine und das andere. Folgen wir feinen Spuren!

Dreifach ist das Konkordat eingebettet: in die Kultur, die Politik und das Recht.

1. Konkordat und Kultur. Der innere Bestand an Glaubenssätzen, Sakramenten, Liturgie usw. kommen in einem Konkordat nie zur Ver­handlung, wohl aber die äußere Stellung und Wirksamkeit der Kirche mit Bezug auf das Kultur­leben eines Volkes. Daß die katholische Kirche ein reicher Quellgrund geistiger Kultur ist, wer wollte das leugnen? Aber sie vermittelt Kultur von einer bestimmten Prägung. Daran knüpft der Widerspruch an. Nicht die Kultur als solche, son­dern ihr römisch-katholisches Kolorit weist man von sich. Gegen das Konkordat stehen darum alle religiös und kulturell orientierten Verbände, die das Angesicht von Rom abwenden: Der religiöse Liberalismus, die bekenntnisfreie Pädagogik, die extremrasfige völkische Bewegung und der Pro- teftantismus. Meistens verbindet sich die Hand- erhebung gegen das Konkordat mit einer un­freundlichen oder ausgesprochenen feindseligen Geste gegen die katholische Kirche überhaupt.

Meistens, aber nicht immer! Selbst unter den deutschen Katholiken finden wir hie und da Persön­lichkeiten, die das Konkordat grundsätzlich ableh­nen. Es geschieht aus einem überquellenden Idealismus und einem ungewöhnlich feinen Ge­fühl für das absolute Freisein des Religiösen von jeglicher Bindung nach der weltlichen Seite hin. Geistig auserlesene Menschen, die in ihrer Art unentbehrlich sind, die aber in der Höhensteuerung ihres Gedankenfluges das rechte Augenmaß für die rauhe Wirklichkeit verlieren. Ihnen gegenüber macht der Geist nüchterner Zweckmäßigkeit gel­tend: Irgendwie müssen doch die kirchlichen Rechts- Verhältnisse geregelt werden und well die durch den Staat einseitig ausgestellte Ordnung keine Ge­währ für die ungeschmälerte Wahrung der kirch­lichen Interessen bietet, scheint ein gegenseitiges Einvernehmen zwischen Staat und Kirche ein durchaus geeignetes Mittel zu fein, um zum reli- gions-politischen Frieden zu gelangen. Man be­hauptet sonst immer, daß bei scheinbar entgegenge­setzten Ansprüchen eine ruhige Aussprache der Par­teien am leichtesten die mittlere Linie sichtbar mache ,die beiden Teilen gerecht wird. Warum sollte diese Methode nicht anwendbar sein auf das Verhältnis von Staat und Kirche?

2. Konkordat und Politik. Also Poli­tik will Rom mit den Konkordaten machen? Nicht doch. Aber das Konkordat wird verhandelt mit der Staatsregierung, die nach heutiger Verfassung von den politischen Parteien getragen wird, und so zwingt es die Vertreter der Politik zur Stellung, nähme. Was haltet ihr vom Konkordat? ist die Frage, die sie beantworten müssen. Die Antwort ist nicht immer eindeutig. Der Politiker und noch mehr die Gesamtheit der Partei besitzt — ohne jeden Arg sei es gesagt — häufig eine Doppelper- sönlichkeit. Einerseits hat der Politiker seine ei­gene individuelle Ueberzeugung, und andererseits muß er wirken aus dem Willen feiner Wähler her­aus. So kommt es, daß jene Parteien, deren Wählerfchaft in weltanschaulicher Beziehung die größte Geschlossenheit aufweist, dem Konkordat ge­genüber die am meisten einheitliche Stellung ein« nehmen, während die Parteien mit einer weltan­schaulich verschiedenartig. Wählermasse minder be­stimmt auftreten. Im Einzelnen sehen wir, daß die kommunistische Partei mit dem gewöhnten Radikalismus jedes Konkordat in Grund und Bo­den verdammt, das Zentrum und die Bayerische Volkspartei die Konkordatsidee verteidigen, die Sozialdemokraten bei aller grundsätzlichen Ableh­nung doch nicht versäumen, gelegentlich eine kleine Abschwächung ihres Standpunktes vorzunehmen, und die Demokraten, Volksparteiler sowie Deutsch­nationalen, wenn wir die Gesamtrichtung ihrer Steuerungen verfolgen, mit einem offenkundigen Zögern vorgehen.

3. K o n k o r d a t u n d R e ch t. In der äuße­ren Form bildet das Konkordat einen Posten im Rechtsmagazin. Es ist gleichzeitig Kirchenrecht, Staatsrecht und Völkerrecht. Letzteres wurde frei­lich häufig genug bestritten, indem man darauf hinwies, daß zwischen Papsttum und Staatsge­walt eine Kluft gähne, die eine völkerrechtliche Brücke nicht zulaste. Fortschreitend bricht sich aber die Erkenntnis Bahn, daß es unrecht fei, das Papsttum mit seiner kulturellen Vormachtstellung als Träger eines naturrechten Völkerrechts abzu­lehnen. Nicht nur ungerecht, auch unklug ist es, besonders von Seiten des deutschen Volkes. Die Deutschen in ihren völkerrechtlich geschmiedeten Ketten haben allen Grund, die übernationale Ver­bundenheit im Geiste eines sittlich unantastbaren Rechts zu betonen und alles zu fördern, was die Entwicklung nach dieser Richtung hin günftig beeinflussen kann. In demselben Maße, wie ein DE die geistigen Werte im Zusammenwirken mit auswärtigen Mächten, wo zu auch das Papst­tum gehört, zur Geltung bringt, gewinnt es vor sich und vor der Welt ein lebendiges Recht darauf, vor den Zugriffen einer brutalen Gewalt ge­schützt zu werden.

Das Konkordat darf nicht zum Gegenstand ei­nes Schlagwortes herabgewürdigt werden. Wer feine Bedeutung wirklich kennt, wird es zumindest achten, wer es nicht kennt, möge es studieren.

von den deutschen Bauernvereinen.

Zu der Meldung des Berliner Tageblatts, daß Reichsminister a. D. Hermes zum Präsidenten der Deutschen Bauernvereine ausersehen sei, erfah­ren wir, daß die Kandidatur von Dr. Hermes in der letzten Vorstandssitzung der Vereinigung der deutschen Bauernvereine einstimmig beschlos- s e n worden ist. Die endgültige Entscheidung über die Person des neuen Präsidenten soll in einer demnächst ftcttflnbenben Generalversammlung fal­len. Dr. Crone-Münzebrock, der, wie ge­meldet, die Geschäftsführung der Deutschen Bau­

ernvereine niedergelegt hat, ist in das Präsi­dium der Vereinigung eingetreten.

* Der König von Schweden wellte einige Stun­den in Berlin und reifte nach Rom weiter.

* Beginn des Skaaksanwalks-Plaldoyers gegen Barmat. In der am Montag kurz nach 10 Ühr eröffneten Sitzung im Berliner Barmat-Prozeß gann der Oberstaatsanwalt Dr. Krautmann mit fei­nem Plaidoyer gegen Barmat

Snti-Uboot-pakt?

Aus Washington wird gemeldet: Staats­sekretär Kellogg benachrichtigte den Ausschuß des Repräsentantenhauses für auswärtige Ange­legenheiten, daß die amerikanische Regierung bereit sei, einen Vertrag mit allen Weltmäch­ten zu unterzeichnen, durch den die Verwendung von Unterseebooten gänzlich verboten wird.

Kelloggs Erklärung über die Abschaffung bei U-Boote war veranlaßt durch eine im auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses vorliegende Entschließung des republikanischen Kongreßmitglie­des Frothingham, wonach der Bau von U-Booten untersagt werden soll. Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschustes hatte daraufhin den Staatssekretär um eine Meinungsäußerung er­sucht. Kellogg erklärte, gegen die Entschließung sei nichts einzuwenden, vorausgesetzt, daß der Kongreß sich dahin aussprechen wolle, daß die Unterseeboote abgeschafft und deren Bau für alle Nationen der Welt verboten werde. Selbstverständlich könne ein Land unmöglich feine Unterseeboote abschaffen, wenn deren Bau und Verwendung einem anderen Lande gestattet werde.

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wtb. London, 6. Febr. (Eig. Funkm.). Der Flottenberichterstatter des „Daliy Telegraph" fchreibt, es wäre unklug, Kelloggs Erklärung über die Abschaffung der Unterseeboote zu viel Bedeu­tung beizumessen. Seit der Washingtoner Kon­ferenz von 1921 habe sich die Lage bezüglich der Unterseebootstärke z u m R a ch t e i l der Dereimgten Staaten geändert. Japan besitze jetzt viel mehr große Unterseeboote als die Vereinigten Staaten. Angesichts der Unterseebootstärke der Großmächte scheine die Aussicht, daß die Unterseebootswaffe aufgegeben werde, nicht sehr hoffnungsvoll. Die Angriffsmacht der Unterseeboote bestehe unvermin­dert fort. Die Zahl der in Bau befindlichen Boote übersteige die Zahl der Unterseeboote, die vor dem Kriege gebaut wurden.

Elsaß - Lothringen.

Wie das Journal des Debats mitteilt, ist im Wahlkreis Saargemünd die erste Kandidatur eines Anhängers des Heimatbundes, die des Stadt­verordneten Schaaf, der das Heimatbundmani­fest unterschrieben hatte, offiziell für die Kammerwahlen ausgestellt worden.

Wie Havas aus Straßburg berichtet, wird B a ■ ron Claus Zorn von Bulach gegen feine Verurteilung zu 13 Monaten Gefängnis die N i ch- tigkeitsbefchwerde einreichen und ferner durch seinen Advokaten ein Gnadengesuch an den Präsidenten der Republik richten lassen.

Sm Verwaltungsreform.

Die Frage der Verwaltungsreform ist in die breite OeffentSichkeit geworfen und erfährt hier ein lebhaftes Interesse und die verschiedenste Aus­legung nach allen Richtungen hin. Auch im Ple­num des Preußißhen Landtags wird diese Frage bei der Bertaung des Etats des Ministeriums des Innern eine große Rolle spielen, was schon die Verhandlungen des Hauptausschusses gezeigt haben. Außer Herrn Abgeordneten Dr. Heß hat auch der Zentrumsabgeordnete Dr. Peucker im Hauptausfchuß zu dieser Frage und zu kommunal- politischen Fragen allgemein Stellung genommen, Er führte unter anderem aus:

Die Verwaltungsreform muß einer Verfas­sungsreform des Reichs und der Länder, di« wenn überhaupt, nur allmählich kommen werde, vorangehen. Die Grundsatz-Gesetzgebung des Rei­ches auf den verschiedensten Gebieten ist zwar rich­tig, darf aber nicht zu einer Aushöhlung der Kom­petenz der Länder führen. Reichsrechtliche Re­gelungen bergen die Gefahr in sich, daß die be­sonderen Verhältnisse einzelner Landesteile na­mentlich bezüglich ihrer wirffchaftlichen Struktur nicht genügend berücksichtigt werden. Das zeige sich beispielsweise beim Ärbeitslosen-Versicherungs- gefetz, dessen Tendenz durchaus richtig und segens­reich ist, dessen Auswirkungen aber speziell in landwirtschaftlichen Gegenden gewisse Bedenken Hervorrufen. Die Verwaltungs­reform, wie sie das preußische Zentrum fordert durch Zusammenlegung von Behörden. Abgren­zung von Verwaltungsbezirken, Instanzen - Ver­kürzung^ Beseitigung von Behörden und Besei­tigung von Enklaven fft zum Teil, wie auch der Innenminister später im Hauptausschuß bestätigte, angebahnt, bzw. im Gange, zum Teil muß sie schleunigst m Gang gebracht werden. Das Zen­trum will eben bei der ganzen Frage der Der- waltungsreform nicht nur zur Theorie, sondern so­fortige praktische Arbeit leisten.

Bei Aufhebung der Gutsbezirke allgemein dürfen die fiskalischen Gutsbezirke nicht anders behandelt werden als die priva­ten. Die Landkreise müssen bei Abgrenzung ihrer Verwaltungsbezirke bzw. bei Eingemeindun­gen in der Vertretung ihrer Interessen mit den Stadtkreisen gleichberechtigt fein und dürfen beim Finanzausgleich nicht noch schlechter gestellt wer­den als bisher. Die Sparkaffen haben, nament­lich bei Bereitstellung von Mitteln für den Woh­nungsbau, Hervorragendes geleistet und können eine Beschränkung ihres Tätigkeitsgebietes nicht hinnehmen. Das wohlwollende Interesse, das der Herr Innenminister Grezlnski den Sparkassen ent­gegenbringt, ist zu begrüßen. Mit den Privatban- ken werden die Sparkasfen ihren Frieden schlie­ßen. Wir brauchen nicht nur eine Reform der Bürokratie der Verwaltung, sondern vor allem eine Reform des Geistes der Verwaltung im Sinne unserer Weltanschauung