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uld aerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreis blatt.

Nr. 28.

55.Zahrg.

Meikag, 3. Februar 1928.

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on links bis rechts Vertrauen zu Ctresemann.

Nur völkische und Kommunisten stimmen für das Mißtrauensvotum gegen den Nutzenminister. — Stresemann über die deutschnationalen Etatsreden. — Dr. Wirth über die Feinde einer deutsch-französischen

Verständigung.

Beschstagsfltzung am Mittwoch hielten zunächst die radikalen Vertreter, Stöcker von den . ommumsten^und Urbahns von den „linken Kommunisten sowie Graf Reventlow und ^h;#rra » ?on i>en verschiedenen völkischen Sekten aoikale Reden gegen die Außenpolitik. Dann er- krifs zum zweitenmal

Außenminister Dr. Stresemann

®r begann mit der Feststellung, daß er um °uf die sozialdemokratische Frage zu S 61 3U tun gedenke, um zu verhin- ®°B die Feinde Deutschlands unsere Außen- 0l5n «weideutig und verlogen hin- Abg. v. Lindeiner hat erklärt, die Aus- Myrungen seines „Fraktionsgenossen v. Freytagh- Loringhoven" seien eine „wertvolle Ergänzung" meiner eigenen Rede gewesen. Ich bedauere, so sagt Stresemann, daß ich diese Anschauung nicht teilen kann. Die Deutschnationalen haben ^watnopoiitif nicht etwa terminiert anerkannt. Ihr Vertreter Dr. Hoetzsch hat in Genf loyal mit­gearbeitet. Wenn Abg. v. Freytagh eine Ab- Le b r v on der deutsch-fanzösischen Verständigungspolitik fordert, so liegt dann ein Gegensatz zu dieser Haltung.

Seine Behauptung, daß diese Politik in eine Sack- g° se geführt hätte, trifft nicht zu. Herr v. Freytagh ^ot nicht den neuen Weg angegeben, den wir nach seiner Meinung einschlagen sollen. Den Rechtsgedanken im Lolkerbund durchzusetzen, ist immer unser Bestreben gewesen, das wäre also nicht ein neuer Weg unserer Politik. Wir haben mit der obligatorischen Schieds- lerichtsverpflichtung den übrigen Großmächten ein Peifpicl gegeben und uns den Beifall der kleineren Staaten errungen. Wir wollen die Politik der gegen­seitigen Verständigung nicht verlassen. Der Locarnover- :rag hat uns die Freiheit des Luftverkehrs und viele an­dere Erleichterungen gebracht. Der Fortschritt geht na­türlich nur schrittweise.

Ich habe stets darauf hingewlesen, daß es sich in Lo- -arna nicht nur um das Vertragswert handeln sollte, iondern um den Anfang einer gemeinsamen Politik zur Erhaltung des Friedens. Deutschland ist schon um fei­ler Selbsterhaltung willen zu einer solchen Politik ge­nötigt.

Natürlich ist seit Locarno noch nicht jede Spannung beseitigt: aber ich betrachte es als meine Aufgabe, daran ?u arbeiten. Darum kann ich auch an die französische Adresse die Mahnung richten, nun tut auch das Eure, »aß die Idee von Locarno Gemeingut des deutschen Vol­kes werden kann. (Beifall.)

Ein französischer Senator hat gesagt, Deutschland habe durch den Versailler Vertrag das modernste Heer der Welt bekommen. (Lachen.) Wir empfehlen allen Mächten der Welt, sich ein modernes Heer die - ier Art anzuschaffen. (Sehr gut.)

Die von französischer Seite gegen eine Rheinlandräu­mung angeführten Argumente treffen nicht den Kern. Ganz unverständlich ist die Erklärung, Deutschland müßte erst seine Reparationsverpflichtungen erfüllen. Die Rheinlandbefetzung soll doch auch nach dem Versailler Vertrag nicht so lange dauern, bis die letzte Million bezahlt ist. Wenn aber Frankreich die Fortdauer der Besetzung als einen Machtfaktor betrachtet, so wäre nicht zu verstehen, daß es diesen Machtfaktor für irgend eine Gegenleistung aus der Hand geben will.

Wir hoffen, daß die leitenden französischen Kreise zu der Einsicht kommen, daß eine schnelle Räumung des Rheinlandes die allerbeste Wirkung für die Ver­ständigungspolitik haben würde. Es ist nicht zu verkennen, daß der Gedanke der Verständigungspoli­tik feit der Bildung der jetzigen Regierung im deutschen Volke wesentliche Fortschritte gemacht hat.

Dieses wachsende Verständnis wird nicht erschüttert werden durch eine parlamentarische Entglei­sung, wie wir sie gestern hier erlebt haben. Der „Vor­wärts" sollte diese Angelegenheit nicht allzu tragisch nehmen. Der sozialdemokratische Fraktionsoorsitzende hat ja erst vor kurzem den Abg. v. Freytagh-Lo- ringhoven als Beispiel dafür genannt, daß ein Red­ner nicht in jedem Falle die Meinung sei­ner Fraktion zu vertreten braucht.

Wenn der „Vorwärts" sagt, Herr v. Lindeiner habe für die deutschnationale Fraktion den Ausführungen des Abg. v. Freytagh zugestimmt, so muß man berücksichti­gen, in welcher Eile sich Abg. o. Lindeiner auf seine Rede präparieren mußte (Heiterkeit). Ich hoffe, daß es uns gelingen wird, bald die letzten Hemmnisse zu beseitigen, die einer wirkungsvollen Zusammenarbeit mit Frankreich am Werke des Weltfriedens noch ent- gegenstehen (Beifall).

Abg. Dr. v. Breitschcid (Soz.) weist die Aus­führungen des Abg. v. Rheinbaben über die Resolution der Internationalen sozialistischen Konferenz in Luxem­burg zurück. Wer jetzt noch aus dieser Resolution ein Entgegenkommen an den französischen Standpunkt her­auslesen wolle, der verrate einen Mangel an Intelligenz oder an Loyalität. Abg. v. Freytagh habe in einem Teil seiner Rede vollständig das verleugnet, was er in seiner Völkerbundsbroschüre geschrieben habe. Er sollte dieser Broschüre jetzt den Titel geben „Der Weg von Jerusalem nach Damaskus". (Heiterkeit.) Das Aus­wärtige Amt fordert der Redner auf, dagegen einzu- fdjreiten, daß in der offiziellen Wochenschrift der deut­schen Marine von Offizieren Außenpolitik auf eigene Faust getrieben werde.

Abg. Dr. Wirth (Ztr.): In Gesprächen unter vier Augen fragt man, wie es mit dem parlamentari­schen System in Deutschland steht. Diese Frage hat nicht nur theoretischen Wert und ist nicht nur interessant für die Mitglieder dieses Hauses, die über die Verfas­sung von Weimar hervorragende Kommentare geschrie­ben haben, sondern sie ist eine Lebensfrage des deutschen Volkes: denn der politische Charakter des deutschen Vol­kes findet feine Ausprägung in dem parlamentarischen System, und das Urteil des Auslandes über den poli­tischen Wert des deutschen Volkes wird darin zum Aus­druck kommen. Wer die heutigen Ereignisse hier ver­folgt hat, wird zu einem pessimistischen Urteil kommen. Rechter Hand und linker Hand ist eine gewisse

Vertauschung eingetreten. Herr Minister Stresemann, wir begrüßen Sie als den

Minister der loyalen Opposition! (Große Heiterkeit.) Wenn der Außenminister im Namen oer Regierung spricht, so muß er in der Lage fein, im Tcamen der Parteien zu sprechen, die hinter der Regierung stehen. Wenn er das nicht kann, so ist das Friedenswerk des deutschen Volkes nicht nur kompri- mittiert, sondern sogar sabotiert. (Beifall links und im Zentrum.) Die deutschnationalen Agita­tionsreden draußen liefern das Mate- ri al, mit dem die französischen Reaktio­näre und Militaristen die Ehrlichkeit der deutschen Verständigungspolitik verdäch­tigen. (Beifall.) Wir, die wir in Opposition zu der jetzigen Regierung stehen (Bewegung), wir wollen das parlamentarische System in Deutschland zu einem brauch­baren Instrument der Außenpolitik machen.

Die Welt ist willens, auf dem Wege der Verhand­lung mit dem deutschen Volk voranzuschreiten. Wir, die wir zur jetzigen Regierung in loyaler Opposition stehen (hört! hört!), wir halten uns fern von jener Verbitte­rung, die aus den Reden der Deutschnationalen und vie­ler Volksparteiler tritt. Diese Verbitterung stört das Friedenswerk des Außenministers und stärkt die Re­aktion in Frankreich.

Die Politik des Außenministers wird getragen von der großen Mehrheit des deutschen Volkes, sie stützt sich auf die

Regierung der großen Koalition, die außenpolitisch schon vorhanden ist!

Das ist der beste Beweis für die Notwendigkeit, schleunigst mit der jetzt nur noch formell bestehenden Re- gierungstoalition Schluß zu machen. Das liegt im Interesse des deutschen Volkes und des Friedens unter den Völkern. (Beifall links und im Zentrum.)

Abg. Dr. Schnee (D. 23p.) kritisiert die englische Politik in den ehemals deutschen Kolonien in Afrika. Diese Politik widerspreche den festgelegten Grundsätzen des Völkerbundes für die Mandatsmächte. Reichsaußen- mnifter Dr. Stresemann erklärt dazu, die deutsche Re­gierung werde sich gegen eine Verletzung der Mandats­grundsätze wenden.

Damit schließt die Aussprache

Von den Kommunisten ist ein Mißtrauensan­trag gegen den Außenminister eingebracht worden, der gegen die Antragsteller und die Völkischen abgelehnt wird.

Der Etat wird nach den Vorschlägen des Ausschusses mit den Ausschuß-Entschließungen angenommen.

Ohne Aussprache wird der Gesetzentwurf über die Anrusung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag in erster und zweiter Beratung angenommen.

Am Donnerstag stehen auf der Tagesordnung die Einsprüche gegen die Ausweisung der Kommunisten Flo­rin und Bertz und der Etat der besetzten Gebiete.,

Wie die „Germania" erfährt, trifft die Mittei­lung, daß der vom Abgeordneten Ulitzka vorge­brachte Angriff den Absichten des Zentrums nicht entsprochen habe, in keiner Weise zu. Die Zen- trumsfraktion des Reichstages war vielmehr über die vom Abgeordneten Ulitzka vorgetragene Ver­wahrung vorher unterrichtet und hat sie durch­aus gebilligt. Es ist ferner unrichtig, daß von führender Stelle des Zentrums eine Mittei­lung des obigen Inhaltes gemacht worden ist. Die ganze Angelegenheit war vielmehr für die Zen­trumspartei mit der Erwiderung des Abgeordne­ten v. Lindeiner-Wildau erledigt. Graf Westarp ist durch den Zentrumsführer v. Guerard veran­laßt worden, die vom deutschnationalen Pressedienst herausgegebene, in obigem Sinne abgefaßte Dar­stellung, zurückzuziehen.

Die zwiespältigen Deutschnationalen.

Die konservative „K r e u z z e i t u n g" bemerkt zu den neuen Ausführungen Dr. Stresemanns im Reichstage: Bei aller Betonung des Gemeinsamen in der Beurteilung der außenpolitischen Lage mußte er doch bald an dem Punkte ankommen, an dem sich die W e g e scheiden: Festhalten an der Lo- carnopolitik oder Neuorientierung. Er glaubt noch immer an die Möglichkeit, auf dem Wege von Lo­carno zur Verständigung zu kommen, und da schei­den sich die ©elfter. Wir unterschreiben voll und ganz die Fesfftellungen des Frech. v. Freytagh- Loringhoven, daß wir mit Locarno in eine Sack­gasse geraten sind und neue Wege gehen müssen.

Anders urteilt die gleichfalls deutschnationale „Deutsche Tagesztg.": Gewiß suchte er in einzelnen Punkten sich von den Auffassungen des deutsch­nationalen Redners zu distanzieren, anstatt sie zur Verstärkung der von ihm auch gestern wieder an die französische Adresse gerichteten Mahnungen zu be­nutzen. Aber er bagatellisierte doch zugleich die Differenzpunkte und hob verschiedentlich das Ge­meinsame hervor.

Die „DAZ" hebt hervor, daß am Schluß der außenpolitischen Reichstagsdebatte das einzige kom­munistische Mißtrauensvotum gegen eine Handvoll Radikaler abgelehnt, also mit einer kompakten Mehrheit, der man demnach — trotz aller Vor­gänge — einen gemeinsamen Willen unterstellen muß, etwas Positives: die Billigung der Grund­linien unserer Außenpolitik.

Aehnlich betont die „Tägl. Rundschau", daß, nachdem Dr. Streseman unter stärkstem Beifall des ganzen Hauses geendet hatte, die weitreichende Uebeveinstimmung über das Wesen und die Ziele der Außenpolitik wieder hergestellt war.

Die „Germania" begrüßt es aufrichtig, daß Stresemann nochmals so k l a r und unmißver­ständlich den Weg der deutschen Außenpolitik gezeigt hat, und der Beifall der Mehrheit des Hau­ses dürfte auch den Herren in Paris deutlich ma­

chen, daß wir es mit unserer Friedenspolitik ernst­haft meinen. Nun aber hat Frankreich das Wort.

Der Reichskanzler erkrankt.

VDZ.Berlin, 2 Febr. (Gig. Funkm.). Da Reichskanzler Dr. Marx durch eine rheuma­tische Erkrankung an das Bett gefeffelt fft, so wird in der heute um 12 beginnenden Reichs­tagssitzung der Staatssekretär des Ministeriums für die besetzten Gebiete, Schmid, den Etat des Ministeriums mit einer kurzen Begründung ein­bringen.

Bei der Krankheit des KanAers handelt es sich um einen Hexenschuß.

Der preis der Räumung.

Ein „Times"-Leikarkikel zur Slresemann-Rede.

wtb. London, 2. Febr. (Eig. Funkm.) „Times" sagt in einem Leitartikel zur Stresernannrede: Wir haben jeden Anlaß, mit den realen und sichtbaren Wirkungen des wichtigen britischen Anteils am Locarno-Vertrag zufrieden zu sein. Unter anderem hat er das allmähliche Heranrücken der französisch-deutschen Verständi­gung ermöglicht, wobei Herrn Stresemanns letzte Rede eine wichtige Etappe bezeichnet. Einer der Hauptgründe, aus denen Groß-Britannien diese Verpflichtung übernahm, war der Wunsch, einen direkten und sogar freundlichen Der - kehr Mischen Frankreich und Deutschland zu er­leichtern. Das ist bereits in erheblichem Maße g e- s ch e h e n. Dieser Prozeß interessiert uns stark, aber wir können jetzt wenig tun, um ihn zu fördern oder zu behindern. Für Frankreich ist die Be­setzung nicht nur ein militärischer Vorteil, sondern auch ein Tauschgegenstand, den es aus Klugheitsgründen nicht preisgeben will, wenn Deutschland nicht etwas wirklich Wertvolles dafür bietet. Stresemann erkennt offenbar diesen wesent­lichen Faktor in der französischen Haltung und ist bereit, etwas zu gewähren, um einen Tausch zu­stande zu bringen. Viel interessanter als die Be­reitschaft, einer Völkerbundskontrolle im Rhein­land bis 1935 zuzustimmen, ist die Anregung, daß die Frage der Räumung mit einer allgemeinen Lösung der verbleibenden wirffchastlichen und fi­nanziellen Verpflichtungen verbunden werden könnte. Diese vorsichtige Andeutung ausgedehnter wirtschaftlicher Möglichkeiten müßte der ganzen Erörterung eine neue Wendung geben.

Die „Newyorker „World" erklärt, wenn Strese­mann die Fortdauer der Rheinlandbesatzung als dem Locarnogeist zuwiderlaufend betrachte, so fei diese Haltung theoretisch unangreifbar. Indessen sei zu berücksichtigen, daß Frankreichs wirklicher Beweggrund ein materieller, nämlich die Repara­tionsfrage, sei. Frankreich wisse, daß die Räu­mung der Rheinlande für das deutsche Kabinett eine Prestigefrage darstelle. Es wisse aber auch, daß dieses Jahr das Jahr der ersten Probe auf den Dawesplan sei, und daß unter Umständen eine Re­vision der Reparationen nach unten notwendig werden könne. Jedenfalls werde die Festlegung des Reparationsbetrages in nächster Zu­kunft Gegenstand von Verhandlungen fein. Frank­reich sichere sich daher durch die Besetzung ein Han­delsobjekt. Deshalb liege es französischerseits durch­aus nicht in der Absicht, vor Locarno den Rücken zu drehen.

Brianö in Verlegenheit.

Die Rede Stresemanns, so schreibt das „Echo de Paris", hat Briand ernstlich in Verlegenheit gebracht. Man bemertt dies an der Vertagung der Rede, die er im Senat hätte halten sollen. Das Blatt sagt, Stresemann habe Briand vor die Mter- native gefteTW: Entweder ist der Locarno-Vertrag etwas wert, und in diesem Falle tft die Sicher­heit Frankreichs garantiert und die Rheinlandräu­mung muß in Kürze erfolgen oder aber die Rhem- landbesetzung bleibt bestehen und Locarno ist als wert- und wirkungslos anerkannt worden. Man müsse zu geben, daß dieses Argument der Stärke nicht entbehre.

Russisches Echo.

Die Moskauer „Jswestija" bezeichnet in einer Besprechung der Rede Stresemanns als besonders beachtenswert die Erllärung des Minffters über mögliche Befürchtungen der öffentlichen Meinung bezüglich des wirklichen Wesens der Sicher­heit s f r a g e. Das Blatt hebt hervor, daß Strese­mann keine konkreten Maßnahmen genannt habe, mit welchen er diese Befürchtungen zu zerstreuen beabsichtige. Solche Maßnahmen seien auch in dem deutschen Memorandum nicht erwähnt, welches den entschiedenen Eindruck erwecke, daß in der Sicher- heitsftage Deutschland sich dem Standpuntte Eng­lands cm geschlossen habe, und die Rede Sttese­manns zerstöre diesen Eindruck nicht. Unter Hin­weis auf die von Sttesemann gegebene Charak­teristik der deutsch-französischen Beziehungen schreibt das Blatt, unter den bestehenden Machtverhält- nissen auf dem europäischen Schauplatz sei die Bemerkung des Ministers über die Macht Eng­lands als Garanten von Locarno von besonderem Interesse.

Das Reichsschulgesetz.

Laut „Germania" hat am Dienstag zwischen Reichskanzler Marx und Reichsaußenminister Stresemann eine Besprechung stattgefunden, deren Gegenstand das Reichsschulgesetz war. Es handelt sich dabei bekannttich in erster Linie um die §§ 9, 14 und 20. Die zu diesen Paragraphen erhobenen Forderungen sind schriftlich formuliert worden und sollen die Grundlage der weiteren Verhandlungen hüben, die nun innerhalb der Re­gierung und der Regierungsparteien geführt wer­

den sollen. Sollte die Deutsche Volkspartei auf ihren im Ausschuß angenommenen Antrag zu § 20 bestehen und den Forderungen des Zentrums allo nicht gerecht werden, so hat die Zentrumsfrakiwn an weiteren Verhandlungen kein Interesse mehr. Es wird also dann zu einer zweiten Lesung der Vor­lage im Ausschuß überhaupt nicht mehr kommen. Wenn aber hier eine für die Zentrumspartei trag­bare Verständigung erzielt werden sollte, so wer­den die Verhandlungen im Bildungsau s- ausschuß selbst wieder ausgenommen werden, wo dann auch versucht werden wird, über die 88 9 nd 14 der Vorlage eine Verständigung zu erzielen.

Das Nriegsschädenschluhgesetz.

Das Reichskabinett hat sich, dem „Lok.-Anz." zufolge, wieder mit dem Kriegsschädsnschlußgefstz beschäftigt, da es nach den bisher ergebnislos ge­bliebenen Verhandlungen des für diele Frage ein­gesetzten Reichstagsausschusies notwendig erscheint, gewisse Aenderungen in der Vorlage vor­zunehmen. Dor allem ist die Höhe der Ent­schädigungssumme für Liguidationsgläubiger stark umstritten, ebenso die Grenze, bei welcher ein so­genannter Besserungsschein gewährt werden kann.

Zur Rgrar-ttrise.

In Vertretung des e r k r a n k i en Reßhskanz lers empfing der Vizekanzler H e r g t im Beiseir der Reichsminister Schiele, Eurttus und Branns und des preußischen Landwirffchaftsministers Stei­ger, die Vertreter der deutschen Baue m» öereinsorganisationen, in deren Namen der Vizepräsident der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Hofbesitzer Stamerjohann, Schleswig-Holstein, sofortige Hilfsmaßnahmen for. berte. Alle anwesenden Mitglieder der Reichs­regierung sagten angesichts der Notlage der Land- wirtschaft zu, geeignete Maßnahmen unverzüglich in die Wege zu leiten.

Rm Donnerstag.

Der Einspruch der kommunistischen Abgeord« neten Florin und Batz gegen ihre vom Vizepräsi­denten Graes verfügte Ausweisung aus der Sitzung vom 27. Januar wurde zu Beginn der Reichstags- Sitzung am Donnerstag gegen die Stimmen der Kommunisten, Sozialdemokraten und Demokraten abgelehnt.

Dann wird in dritter Beratung der Gesetzent­wurf über Deutschlands Beteiligung am internatto- nalen Schiedsgerichtshof im Haag angenom­men.

Es folgt die 2. Beratung des Haushaltes des Reichsministeriums

für die besetzten Gebiete.

Abg. Witte (Soz.) führt Klage darüber, daß dae Auftreten der Besetzungsbehörden noch immer die schwersten wirtschaftlichen Schäden für die Bevöl- herung dieses Gebietes zur Folge habe. Die Ar- heitslofenzahl fei dort um 30 bis 50 Prozent höher als im übrigen Reich. Reich und Staat sollten diesem Gebiet wirksamere Hilfe leisten, vor allem durch eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und des ganz unhaltbaren Zustandes der Straßen. Bei der Verteilung des Kulturfonds sollte das be­setzte Gebiet gerechter berücksichtigt werden. Wir ersehnen den Tag, an dem anStellederTri- kolore am Rhein unsere schwarz-rot- gol­dene Reichsfahne flattert.

Staatssettetär Schmid vom Reichsministerium für die besetzten Gebiete erklätt zunächst, daß der Reichskanzler leider durch Krankheit verhindert sei, den Etat selbst zu vertreten. Die Regierung bemühe sich, dm schweren wirtschaftlichen Druck, der auf der Bevölkerung des besetzten Gebietes lastet, zu mildern. Wünschenswert wäre es, wenn auch die Länder diesem Gebiet öffentliche Aufträge in grö­ßerem Umfange zuweisen würden. Die Besatzungs­verminderung hat zur Freigabe von 436 Wohnun- gen geführt, denen aber immer noch über 8600 beschlagnahmte Wohnungen gegenüberstehen (Hört, Hört). Die ftanzösische MMärjustiz rief noch immer jährlich rund 1500 deutsche Bürger vor ihre Schranken, meist wegen Bagatell-Sachen, lieber 200 Ausschreitungen fremder Soldaten waren auch 1927 zu verzeichnen. Der Staatssekretär geht dann auf den Kulturfonds ein, der verstärkt wer­den solle, um ben Fortbestand der Theater m* Orchester im besetzten Gebiet zu sicher».

Vaterland.

Aus München wird gemeldet: Im Hau*« haltungsausschuß des bayerischen Landtages bean­tragten die Kommunisten bet Beratung des Kultusetats die Stteichung des ersten Zuschusses zur Förderung der vaterländischen Jugendpflege wobei der Sprecher es unbegreiflich fand, daß die Sozialdemokratie der Forderung zu - stimme, obwohl sie vom Kaiser seinerzeit'als va­terlandslose Gesellen bezeichnet worden seien. Von sozialdemokratischer Seite wurde hierauf erwidert, daß die Sozialdemokratische Partei eine staats- bejahende Partei fei und den Begriff des Va­terlandes keinesfalls verneine. Der kommunistische Antrag wurde darauf mit allen gegen die kom­munistischen Stimmen ab gelehnt.

Der Reichspräsident auf der „Grünen Woche".

wtb. Berlin, 2. Febr. (Eig. Funkm.). Heute vormittag 9 Uhr besuchte der Herr Reichspräsident in Begleitung des Henn Reichsernährungsmini­sters S chi e le und des Majors von Hindenburg die „Grüne Woche". Er wurde in der neuen Ausstel­lungshalle im Namen der Stadt Berlin von Ober­bürgermeister Dr. Böß, Direktor Dr. Schick vom Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamt Berlin, sowie von dorn Leiter der „Grünen Woche",