uld aerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreis blatt.
Nr. 28.
55.Zahrg.
Meikag, 3. Februar 1928.
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on links bis rechts Vertrauen zu Ctresemann.
Nur völkische und Kommunisten stimmen für das Mißtrauensvotum gegen den Nutzenminister. — Stresemann über die deutschnationalen Etatsreden. — Dr. Wirth über die Feinde einer deutsch-französischen
Verständigung.
Beschstagsfltzung am Mittwoch hielten zunächst die radikalen Vertreter, Stöcker von den . ommumsten^und Urbahns von den „linken Kommunisten sowie Graf Reventlow und ^h;#rra » ?on i>en verschiedenen völkischen Sekten aoikale Reden gegen die Außenpolitik. Dann er- krifs zum zweitenmal
Außenminister Dr. Stresemann
®r begann mit der Feststellung, daß er um °uf die sozialdemokratische Frage zu S 61 3U tun gedenke, um zu verhin- ®°B die Feinde Deutschlands unsere Außen- 0l5n «weideutig und verlogen hin- Abg. v. Lindeiner hat erklärt, die Aus- Myrungen seines „Fraktionsgenossen v. Freytagh- Loringhoven" seien eine „wertvolle Ergänzung" meiner eigenen Rede gewesen. Ich bedauere, so sagt Stresemann, daß ich diese Anschauung nicht teilen kann. Die Deutschnationalen haben ^watnopoiitif nicht etwa terminiert anerkannt. Ihr Vertreter Dr. Hoetzsch hat in Genf loyal mitgearbeitet. Wenn Abg. v. Freytagh eine Ab- Le b r v on der deutsch-fanzösischen Verständigungspolitik fordert, so liegt dann ein Gegensatz zu dieser Haltung.
Seine Behauptung, daß diese Politik in eine Sack- g° se geführt hätte, trifft nicht zu. Herr v. Freytagh ^ot nicht den neuen Weg angegeben, den wir nach seiner Meinung einschlagen sollen. Den Rechtsgedanken im Lolkerbund durchzusetzen, ist immer unser Bestreben gewesen, das wäre also nicht ein neuer Weg unserer Politik. Wir haben mit der obligatorischen Schieds- lerichtsverpflichtung den übrigen Großmächten ein Peifpicl gegeben und uns den Beifall der kleineren Staaten errungen. Wir wollen die Politik der gegenseitigen Verständigung nicht verlassen. Der Locarnover- :rag hat uns die Freiheit des Luftverkehrs und viele andere Erleichterungen gebracht. Der Fortschritt geht natürlich nur schrittweise.
Ich habe stets darauf hingewlesen, daß es sich in Lo- -arna nicht nur um das Vertragswert handeln sollte, iondern um den Anfang einer gemeinsamen Politik zur Erhaltung des Friedens. Deutschland ist schon um feiler Selbsterhaltung willen zu einer solchen Politik genötigt.
Natürlich ist seit Locarno noch nicht jede Spannung beseitigt: aber ich betrachte es als meine Aufgabe, daran ?u arbeiten. Darum kann ich auch an die französische Adresse die Mahnung richten, nun tut auch das Eure, »aß die Idee von Locarno Gemeingut des deutschen Volkes werden kann. (Beifall.)
Ein französischer Senator hat gesagt, Deutschland habe durch den Versailler Vertrag das modernste Heer der Welt bekommen. (Lachen.) Wir empfehlen allen Mächten der Welt, sich ein modernes Heer die - ier Art anzuschaffen. (Sehr gut.)
Die von französischer Seite gegen eine Rheinlandräumung angeführten Argumente treffen nicht den Kern. Ganz unverständlich ist die Erklärung, Deutschland müßte erst seine Reparationsverpflichtungen erfüllen. Die Rheinlandbefetzung soll doch auch nach dem Versailler Vertrag nicht so lange dauern, bis die letzte Million bezahlt ist. Wenn aber Frankreich die Fortdauer der Besetzung als einen Machtfaktor betrachtet, so wäre nicht zu verstehen, daß es diesen Machtfaktor für irgend eine Gegenleistung aus der Hand geben will.
Wir hoffen, daß die leitenden französischen Kreise zu der Einsicht kommen, daß eine schnelle Räumung des Rheinlandes die allerbeste Wirkung für die Verständigungspolitik haben würde. Es ist nicht zu verkennen, daß der Gedanke der Verständigungspolitik feit der Bildung der jetzigen Regierung im deutschen Volke wesentliche Fortschritte gemacht hat.
Dieses wachsende Verständnis wird nicht erschüttert werden durch eine parlamentarische Entgleisung, wie wir sie gestern hier erlebt haben. Der „Vorwärts" sollte diese Angelegenheit nicht allzu tragisch nehmen. Der sozialdemokratische Fraktionsoorsitzende hat ja erst vor kurzem den Abg. v. Freytagh-Lo- ringhoven als Beispiel dafür genannt, daß ein Redner nicht in jedem Falle die Meinung seiner Fraktion zu vertreten braucht.
Wenn der „Vorwärts" sagt, Herr v. Lindeiner habe für die deutschnationale Fraktion den Ausführungen des Abg. v. Freytagh zugestimmt, so muß man berücksichtigen, in welcher Eile sich Abg. o. Lindeiner auf seine Rede präparieren mußte (Heiterkeit). Ich hoffe, daß es uns gelingen wird, bald die letzten Hemmnisse zu beseitigen, die einer wirkungsvollen Zusammenarbeit mit Frankreich am Werke des Weltfriedens noch ent- gegenstehen (Beifall).
Abg. Dr. v. Breitschcid (Soz.) weist die Ausführungen des Abg. v. Rheinbaben über die Resolution der Internationalen sozialistischen Konferenz in Luxemburg zurück. Wer jetzt noch aus dieser Resolution ein Entgegenkommen an den französischen Standpunkt herauslesen wolle, der verrate einen Mangel an Intelligenz oder an Loyalität. Abg. v. Freytagh habe in einem Teil seiner Rede vollständig das verleugnet, was er in seiner Völkerbundsbroschüre geschrieben habe. Er sollte dieser Broschüre jetzt den Titel geben „Der Weg von Jerusalem nach Damaskus". (Heiterkeit.) Das Auswärtige Amt fordert der Redner auf, dagegen einzu- fdjreiten, daß in der offiziellen Wochenschrift der deutschen Marine von Offizieren Außenpolitik auf eigene Faust getrieben werde.
Abg. Dr. Wirth (Ztr.): In Gesprächen unter vier Augen fragt man, wie es mit dem parlamentarischen System in Deutschland steht. Diese Frage hat nicht nur theoretischen Wert und ist nicht nur interessant für die Mitglieder dieses Hauses, die über die Verfassung von Weimar hervorragende Kommentare geschrieben haben, sondern sie ist eine Lebensfrage des deutschen Volkes: denn der politische Charakter des deutschen Volkes findet feine Ausprägung in dem parlamentarischen System, und das Urteil des Auslandes über den politischen Wert des deutschen Volkes wird darin zum Ausdruck kommen. Wer die heutigen Ereignisse hier verfolgt hat, wird zu einem pessimistischen Urteil kommen. Rechter Hand und linker Hand ist eine gewisse
Vertauschung eingetreten. Herr Minister Stresemann, wir begrüßen Sie als den
Minister der loyalen Opposition! (Große Heiterkeit.) Wenn der Außenminister im Namen oer Regierung spricht, so muß er in der Lage fein, im Tcamen der Parteien zu sprechen, die hinter der Regierung stehen. Wenn er das nicht kann, so ist das Friedenswerk des deutschen Volkes nicht nur kompri- mittiert, sondern sogar sabotiert. (Beifall links und im Zentrum.) Die deutschnationalen Agitationsreden draußen liefern das Mate- ri al, mit dem die französischen Reaktionäre und Militaristen die Ehrlichkeit der deutschen Verständigungspolitik verdächtigen. (Beifall.) Wir, die wir in Opposition zu der jetzigen Regierung stehen (Bewegung), wir wollen das parlamentarische System in Deutschland zu einem brauchbaren Instrument der Außenpolitik machen.
Die Welt ist willens, auf dem Wege der Verhandlung mit dem deutschen Volk voranzuschreiten. Wir, die wir zur jetzigen Regierung in loyaler Opposition stehen (hört! hört!), wir halten uns fern von jener Verbitterung, die aus den Reden der Deutschnationalen und vieler Volksparteiler tritt. Diese Verbitterung stört das Friedenswerk des Außenministers und stärkt die Reaktion in Frankreich.
Die Politik des Außenministers wird getragen von der großen Mehrheit des deutschen Volkes, sie stützt sich auf die
Regierung der großen Koalition, die außenpolitisch schon vorhanden ist!
Das ist der beste Beweis für die Notwendigkeit, schleunigst mit der jetzt nur noch formell bestehenden Re- gierungstoalition Schluß zu machen. Das liegt im Interesse des deutschen Volkes und des Friedens unter den Völkern. (Beifall links und im Zentrum.)
Abg. Dr. Schnee (D. 23p.) kritisiert die englische Politik in den ehemals deutschen Kolonien in Afrika. Diese Politik widerspreche den festgelegten Grundsätzen des Völkerbundes für die Mandatsmächte. Reichsaußen- mnifter Dr. Stresemann erklärt dazu, die deutsche Regierung werde sich gegen eine Verletzung der Mandatsgrundsätze wenden.
Damit schließt die Aussprache
Von den Kommunisten ist ein Mißtrauensantrag gegen den Außenminister eingebracht worden, der gegen die Antragsteller und die Völkischen abgelehnt wird.
Der Etat wird nach den Vorschlägen des Ausschusses mit den Ausschuß-Entschließungen angenommen.
Ohne Aussprache wird der Gesetzentwurf über die Anrusung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag in erster und zweiter Beratung angenommen.
Am Donnerstag stehen auf der Tagesordnung die Einsprüche gegen die Ausweisung der Kommunisten Florin und Bertz und der Etat der besetzten Gebiete.,
Wie die „Germania" erfährt, trifft die Mitteilung, daß der vom Abgeordneten Ulitzka vorgebrachte Angriff den Absichten des Zentrums nicht entsprochen habe, in keiner Weise zu. Die Zen- trumsfraktion des Reichstages war vielmehr über die vom Abgeordneten Ulitzka vorgetragene Verwahrung vorher unterrichtet und hat sie durchaus gebilligt. Es ist ferner unrichtig, daß von führender Stelle des Zentrums eine Mitteilung des obigen Inhaltes gemacht worden ist. Die ganze Angelegenheit war vielmehr für die Zentrumspartei mit der Erwiderung des Abgeordneten v. Lindeiner-Wildau erledigt. Graf Westarp ist durch den Zentrumsführer v. Guerard veranlaßt worden, die vom deutschnationalen Pressedienst herausgegebene, in obigem Sinne abgefaßte Darstellung, zurückzuziehen.
Die zwiespältigen Deutschnationalen.
Die konservative „K r e u z z e i t u n g" bemerkt zu den neuen Ausführungen Dr. Stresemanns im Reichstage: Bei aller Betonung des Gemeinsamen in der Beurteilung der außenpolitischen Lage mußte er doch bald an dem Punkte ankommen, an dem sich die W e g e scheiden: Festhalten an der Lo- carnopolitik oder Neuorientierung. Er glaubt noch immer an die Möglichkeit, auf dem Wege von Locarno zur Verständigung zu kommen, und da scheiden sich die ©elfter. Wir unterschreiben voll und ganz die Fesfftellungen des Frech. v. Freytagh- Loringhoven, daß wir mit Locarno in eine Sackgasse geraten sind und neue Wege gehen müssen.
Anders urteilt die gleichfalls deutschnationale „Deutsche Tagesztg.": Gewiß suchte er in einzelnen Punkten sich von den Auffassungen des deutschnationalen Redners zu distanzieren, anstatt sie zur Verstärkung der von ihm auch gestern wieder an die französische Adresse gerichteten Mahnungen zu benutzen. Aber er bagatellisierte doch zugleich die Differenzpunkte und hob verschiedentlich das Gemeinsame hervor.
Die „DAZ" hebt hervor, daß am Schluß der außenpolitischen Reichstagsdebatte das einzige kommunistische Mißtrauensvotum gegen eine Handvoll Radikaler abgelehnt, also mit einer kompakten Mehrheit, der man demnach — trotz aller Vorgänge — einen gemeinsamen Willen unterstellen muß, etwas Positives: die Billigung der Grundlinien unserer Außenpolitik.
Aehnlich betont die „Tägl. Rundschau", daß, nachdem Dr. Streseman unter stärkstem Beifall des ganzen Hauses geendet hatte, die weitreichende Uebeveinstimmung über das Wesen und die Ziele der Außenpolitik wieder hergestellt war.
Die „Germania" begrüßt es aufrichtig, daß Stresemann nochmals so k l a r und unmißverständlich den Weg der deutschen Außenpolitik gezeigt hat, und der Beifall der Mehrheit des Hauses dürfte auch den Herren in Paris deutlich ma
chen, daß wir es mit unserer Friedenspolitik ernsthaft meinen. Nun aber hat Frankreich das Wort.
Der Reichskanzler erkrankt.
VDZ.Berlin, 2 Febr. (Gig. Funkm.). Da Reichskanzler Dr. Marx durch eine rheumatische Erkrankung an das Bett gefeffelt fft, so wird in der heute um 12 beginnenden Reichstagssitzung der Staatssekretär des Ministeriums für die besetzten Gebiete, Schmid, den Etat des Ministeriums mit einer kurzen Begründung einbringen.
Bei der Krankheit des KanAers handelt es sich um einen Hexenschuß.
Der preis der Räumung.
Ein „Times"-Leikarkikel zur Slresemann-Rede.
wtb. London, 2. Febr. (Eig. Funkm.) „Times" sagt in einem Leitartikel zur Stresernannrede: Wir haben jeden Anlaß, mit den realen und sichtbaren Wirkungen des wichtigen britischen Anteils am Locarno-Vertrag zufrieden zu sein. Unter anderem hat er das allmähliche Heranrücken der französisch-deutschen Verständigung ermöglicht, wobei Herrn Stresemanns letzte Rede eine wichtige Etappe bezeichnet. Einer der Hauptgründe, aus denen Groß-Britannien diese Verpflichtung übernahm, war der Wunsch, einen direkten und sogar freundlichen Der - kehr Mischen Frankreich und Deutschland zu erleichtern. Das ist bereits in erheblichem Maße g e- s ch e h e n. Dieser Prozeß interessiert uns stark, aber wir können jetzt wenig tun, um ihn zu fördern oder zu behindern. Für Frankreich ist die Besetzung nicht nur ein militärischer Vorteil, sondern auch ein Tauschgegenstand, den es aus Klugheitsgründen nicht preisgeben will, wenn Deutschland nicht etwas wirklich Wertvolles dafür bietet. Stresemann erkennt offenbar diesen wesentlichen Faktor in der französischen Haltung und ist bereit, etwas zu gewähren, um einen Tausch zustande zu bringen. Viel interessanter als die Bereitschaft, einer Völkerbundskontrolle im Rheinland bis 1935 zuzustimmen, ist die Anregung, daß die Frage der Räumung mit einer allgemeinen Lösung der verbleibenden wirffchastlichen und finanziellen Verpflichtungen verbunden werden könnte. Diese vorsichtige Andeutung ausgedehnter wirtschaftlicher Möglichkeiten müßte der ganzen Erörterung eine neue Wendung geben.
Die „Newyorker „World" erklärt, wenn Stresemann die Fortdauer der Rheinlandbesatzung als dem Locarnogeist zuwiderlaufend betrachte, so fei diese Haltung theoretisch unangreifbar. Indessen sei zu berücksichtigen, daß Frankreichs wirklicher Beweggrund ein materieller, nämlich die Reparationsfrage, sei. Frankreich wisse, daß die Räumung der Rheinlande für das deutsche Kabinett eine Prestigefrage darstelle. Es wisse aber auch, daß dieses Jahr das Jahr der ersten Probe auf den Dawesplan sei, und daß unter Umständen eine Revision der Reparationen nach unten notwendig werden könne. Jedenfalls werde die Festlegung des Reparationsbetrages in nächster Zukunft Gegenstand von Verhandlungen fein. Frankreich sichere sich daher durch die Besetzung ein Handelsobjekt. Deshalb liege es französischerseits durchaus nicht in der Absicht, vor Locarno den Rücken zu drehen.
Brianö in Verlegenheit.
Die Rede Stresemanns, so schreibt das „Echo de Paris", hat Briand ernstlich in Verlegenheit gebracht. Man bemertt dies an der Vertagung der Rede, die er im Senat hätte halten sollen. Das Blatt sagt, Stresemann habe Briand vor die Mter- native gefteTW: Entweder ist der Locarno-Vertrag etwas wert, und in diesem Falle tft die Sicherheit Frankreichs garantiert und die Rheinlandräumung muß in Kürze erfolgen oder aber die Rhem- landbesetzung bleibt bestehen und Locarno ist als wert- und wirkungslos anerkannt worden. Man müsse zu geben, daß dieses Argument der Stärke nicht entbehre.
Russisches Echo.
Die Moskauer „Jswestija" bezeichnet in einer Besprechung der Rede Stresemanns als besonders beachtenswert die Erllärung des Minffters über mögliche Befürchtungen der öffentlichen Meinung bezüglich des wirklichen Wesens der Sicherheit s f r a g e. Das Blatt hebt hervor, daß Stresemann keine konkreten Maßnahmen genannt habe, mit welchen er diese Befürchtungen zu zerstreuen beabsichtige. Solche Maßnahmen seien auch in dem deutschen Memorandum nicht erwähnt, welches den entschiedenen Eindruck erwecke, daß in der Sicher- heitsftage Deutschland sich dem Standpuntte Englands cm geschlossen habe, und die Rede Sttesemanns zerstöre diesen Eindruck nicht. Unter Hinweis auf die von Sttesemann gegebene Charakteristik der deutsch-französischen Beziehungen schreibt das Blatt, unter den bestehenden Machtverhält- nissen auf dem europäischen Schauplatz sei die Bemerkung des Ministers über die Macht Englands als Garanten von Locarno von besonderem Interesse.
Das Reichsschulgesetz.
Laut „Germania" hat am Dienstag zwischen Reichskanzler Marx und Reichsaußenminister Stresemann eine Besprechung stattgefunden, deren Gegenstand das Reichsschulgesetz war. Es handelt sich dabei bekannttich in erster Linie um die §§ 9, 14 und 20. Die zu diesen Paragraphen erhobenen Forderungen sind schriftlich formuliert worden und sollen die Grundlage der weiteren Verhandlungen hüben, die nun innerhalb der Regierung und der Regierungsparteien geführt wer
den sollen. Sollte die Deutsche Volkspartei auf ihren im Ausschuß angenommenen Antrag zu § 20 bestehen und den Forderungen des Zentrums allo nicht gerecht werden, so hat die Zentrumsfrakiwn an weiteren Verhandlungen kein Interesse mehr. Es wird also dann zu einer zweiten Lesung der Vorlage im Ausschuß überhaupt nicht mehr kommen. Wenn aber hier eine für die Zentrumspartei tragbare Verständigung erzielt werden sollte, so werden die Verhandlungen im Bildungsau s- ausschuß selbst wieder ausgenommen werden, wo dann auch versucht werden wird, über die 88 9 nd 14 der Vorlage eine Verständigung zu erzielen.
Das Nriegsschädenschluhgesetz.
Das Reichskabinett hat sich, dem „Lok.-Anz." zufolge, wieder mit dem Kriegsschädsnschlußgefstz beschäftigt, da es nach den bisher ergebnislos gebliebenen Verhandlungen des für diele Frage eingesetzten Reichstagsausschusies notwendig erscheint, gewisse Aenderungen in der Vorlage vorzunehmen. Dor allem ist die Höhe der Entschädigungssumme für Liguidationsgläubiger stark umstritten, ebenso die Grenze, bei welcher ein sogenannter Besserungsschein gewährt werden kann.
Zur Rgrar-ttrise.
In Vertretung des e r k r a n k i en Reßhskanz lers empfing der Vizekanzler H e r g t im Beiseir der Reichsminister Schiele, Eurttus und Branns und des preußischen Landwirffchaftsministers Steiger, die Vertreter der deutschen Baue m» öereinsorganisationen, in deren Namen der Vizepräsident der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Hofbesitzer Stamerjohann, Schleswig-Holstein, sofortige Hilfsmaßnahmen for. berte. Alle anwesenden Mitglieder der Reichsregierung sagten angesichts der Notlage der Land- wirtschaft zu, geeignete Maßnahmen unverzüglich in die Wege zu leiten.
Rm Donnerstag.
Der Einspruch der kommunistischen Abgeord« neten Florin und Batz gegen ihre vom Vizepräsidenten Graes verfügte Ausweisung aus der Sitzung vom 27. Januar wurde zu Beginn der Reichstags- Sitzung am Donnerstag gegen die Stimmen der Kommunisten, Sozialdemokraten und Demokraten abgelehnt.
Dann wird in dritter Beratung der Gesetzentwurf über Deutschlands Beteiligung am internatto- nalen Schiedsgerichtshof im Haag angenommen.
Es folgt die 2. Beratung des Haushaltes des Reichsministeriums
für die besetzten Gebiete.
Abg. Witte (Soz.) führt Klage darüber, daß dae Auftreten der Besetzungsbehörden noch immer die schwersten wirtschaftlichen Schäden für die Bevöl- herung dieses Gebietes zur Folge habe. Die Ar- heitslofenzahl fei dort um 30 bis 50 Prozent höher als im übrigen Reich. Reich und Staat sollten diesem Gebiet wirksamere Hilfe leisten, vor allem durch eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und des ganz unhaltbaren Zustandes der Straßen. Bei der Verteilung des Kulturfonds sollte das besetzte Gebiet gerechter berücksichtigt werden. Wir ersehnen den Tag, an dem anStellederTri- kolore am Rhein unsere schwarz-rot- goldene Reichsfahne flattert.
Staatssettetär Schmid vom Reichsministerium für die besetzten Gebiete erklätt zunächst, daß der Reichskanzler leider durch Krankheit verhindert sei, den Etat selbst zu vertreten. Die Regierung bemühe sich, dm schweren wirtschaftlichen Druck, der auf der Bevölkerung des besetzten Gebietes lastet, zu mildern. Wünschenswert wäre es, wenn auch die Länder diesem Gebiet öffentliche Aufträge in größerem Umfange zuweisen würden. Die Besatzungsverminderung hat zur Freigabe von 436 Wohnun- gen geführt, denen aber immer noch über 8600 beschlagnahmte Wohnungen gegenüberstehen (Hört, Hört). Die ftanzösische MMärjustiz rief noch immer jährlich rund 1500 deutsche Bürger vor ihre Schranken, meist wegen Bagatell-Sachen, lieber 200 Ausschreitungen fremder Soldaten waren auch 1927 zu verzeichnen. Der Staatssekretär geht dann auf den Kulturfonds ein, der verstärkt werden solle, um ben Fortbestand der Theater m* Orchester im besetzten Gebiet zu sicher».
Vaterland.
Aus München wird gemeldet: Im Hau*« haltungsausschuß des bayerischen Landtages beantragten die Kommunisten bet Beratung des Kultusetats die Stteichung des ersten Zuschusses zur Förderung der vaterländischen Jugendpflege wobei der Sprecher es unbegreiflich fand, daß die Sozialdemokratie der Forderung zu - stimme, obwohl sie vom Kaiser seinerzeit'als vaterlandslose Gesellen bezeichnet worden seien. Von sozialdemokratischer Seite wurde hierauf erwidert, daß die Sozialdemokratische Partei eine staats- bejahende Partei fei und den Begriff des Vaterlandes keinesfalls verneine. Der kommunistische Antrag wurde darauf mit allen gegen die kommunistischen Stimmen ab gelehnt.
Der Reichspräsident auf der „Grünen Woche".
wtb. Berlin, 2. Febr. (Eig. Funkm.). Heute vormittag 9 Uhr besuchte der Herr Reichspräsident in Begleitung des Henn Reichsernährungsministers S chi e le und des Majors von Hindenburg die „Grüne Woche". Er wurde in der neuen Ausstellungshalle im Namen der Stadt Berlin von Oberbürgermeister Dr. Böß, Direktor Dr. Schick vom Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamt Berlin, sowie von dorn Leiter der „Grünen Woche",