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Siir unsere Frauenwelt.

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Nr. 24 vom 29. Januar 1928.

ttmderaugen.

©ernt ich in Mnj>eraugen sehe, schau'n mich an

M« Märchenstern«

Lu» eine» Frühlingstraum«» blütenweichem Glanz, Dan» macht' ich sacht beiseite geh«,.

Du lieber Gott,

Dan» weint' ich gern«.

Dann bin ich füll und fühle meine Sehnsucht ganz.

Maria Lenz-Husen.

Vie Frage der Eheberatung.

Zur Würdigung der überaus schwierigen und vieloer- zahnten Frage der Eheberatungsstelle legte Frau Mini­sterialrat Helene Weber auf der Tagung des Katholischen Frauenbundes in Beuron in ihrem Referat die gei­stigen und sozialen Grundlagen.

Der Staat ist «uf dem Weg, sich vom Ordnungsstaat zum sozialen Staat zu entwickeln, und damit kommt er «uch dazu, sich mH den Problemen der Ehe zu beschäf­tigen. Bei der weltanschaulichen Zerrissenheit unseres Volkes aber werden hierbei wesentliche weltanschauliche Differenzen aurgelöst. Dir sind kein christlicher Staat mehr, für weite Streife sind die kulturellen und sittlichen Güter de, Christentums und namentlich de» Katholizis- mu, zwar historisch wertvolle und interesiante Erschei- nungsformen, aber sie erkennen sie »icht »1, sittllch ver- pflichtend an. Da, läßt sich auch vom christlichen, vom katholischen Ehebegriff feststelle».

Aber man sieht die Gefahr für die Che und sucht ihr jeweils vom besonderen Standpunkt zu begegnen. Die «inen kommen vom mediz., die anderen vom rassischen und eugenischen, die anderen vom rein Humanitären her. Entsprechend sind dann auch die Srundforderungen für die Tätigkeit und Gestaltung der Eheberatungsstellen. Auch wir haben unsere besondere Einstellung, und aus dieser heraus müssen wir prüfen, was wir billigen kön­nen, was wir fordern und was wir ablehnen müssen.

Der Forderung, daß obligatorisch Gesundheitszeug- nisie erstellt werden müßten, und daß von ihrem Aus­fall die standesamtliche Trauung abhängig gemacht wer­den solle, stimmen wir nicht zu, so sehr wir deren Aus­tausch wünschen. Sehr ernst nehmen wir auch gewisse Gefahren in bezug auf die künstliche Geburtenregelung. Der preußische Minister für Dolkswohlfahrt hat Richt­linien herausgegeben für die öffentlichen Eheberatungs­stellen, die solche Mißbräuche durch die Berater ver­hüten sollen. Aber eine wirklich auch für uns befrie­digende Gestaltung kann für di« Dauer nur dann ver­bürgt werden, wenn eine öffentliche Meinung geschaffen wird, die klar und deutlich ihre Forderungen aufstellt und über deren Erfüllung auch wacht. Mitarbeit an der Durchführung der Gesetze muß vom Volke geleistet wer­den, sonst sind sie toter Buchstabe. Die Rednerin wies dies schlagend am Beispiel des Gesetzes zum Schutze der Jugend gegen Schmutz und Schund nach und rief di« Frauen zu dieser gestaltenden Mitarbeit an der Schaffung der öffentlichen Meinung auf.

Frau Landtagsabgeordnet« Heßberger ging in ihrem Referat mehr auf die praktische Durchführung ein. Sie erwähnte ein Schreiben von maßgebender Seite, das dem Frauenbund und dem Caritasverband die Schaffung von privaten Cheberatungsstellen zur Aufgabe macht. Für ihre Notwendigkeit gab sie überzeugende Beweise an Hand einer Serfiner Ehe- scheldungsstatistik, die zeigt, wie tief auch schon die Zer- rüttung und der Scheidungsgedanke in rein katholische Ehen der Großstadt gedrungen sind. Und aus der Praxis der sozialistischen Eheberatungsstellen gab sie an Hand der Frauenbeiloge desVorwärts" geradezu erschüt­ternde Bilder, deren Folg« eine ungeheure Verwilde­rung der Moralbegriffe sein kann.

Darum ist für uns die Schaffung von Eheberatung». stellen eine der wichtigsten Aufgaben. Am besten ge­stalten wir sie aus als Gütestellen zur Sanierung von zerrütteten und bedrohten Ehen. In Hamburg hat man damit die besten Erfahrungen gemacht. Die Stel- len können örtlich ganz verschieden eingerichtet fein. Bei vielen Zweigvereinen wird es sich empfehlen, sie als Tell einer allgemeinen Rechtsauskunftsstelle aufzu­führen, andere wählen die BezeichnungBeratungs­stelle für Lebensschwierigkeiten" usw. Auch die Zusam- menarbeit mit dem Earitasverband bleibt örtllcheu Ver- hältnisien überlasten. Die Leiterin muß natürlich eine feinfühlige und erfahren« Frau fein. Daneben sichert man sich geistliche und suristifche Fachhils«. Sehr wich­tig ist auch die hauswirtschaftliche Beratung der hilfe­suchenden Frauen.

Die Mittelbeschaffung hält die Referentin nicht für allzu schwierig.

Die Aussprache vertiefte und erweiterte die in den Referaten gegebenen praktischen Anregungen. K. PH.

Kus der Frauenwelt.

f. Erwerbstätige Frauen In England gibt es gegen* bärtig über 5 Millionen. 392 haben sich an englischen Universitäten den Doktortitel erworben, rund 44 000 menden sich der Musik, der Malerei und anderen Kim- lten zu, 212300 sind Lehrerinnen, ca. 818 000 widmen sich dem Handel, die übrigen sind Angestellte, Ar­beiterinnen usw. Don den erwerbstätigen Frauen sind 260 000 Witwen und fast 1 Million Unverheiratete im Älter von mehr als 35 Jahren, 77 000 sind Ehefrauen, der Rest sind Unverheiratete bis zu 35 Jahren.

wann reden Kinder?

Von I. Mittelberger -Bregenz.

Ich fuhr einmal mit der Bahn und traf da mit einer jungen Bäuerin zusammen, die ihr Kind bei sich hatte, das ich annähernd auf ein Jahr schätzte. Später stieg eine städtisch gekleidete Frau ein und begann sofort mit dem Kinde zu spielen, machte ihm Fingerspiele vor und plauderte mit ihm und zeigte sich außerordentlich kin- derliebend.Wie alt bist du denn, kleine Maus? Wie heißt du denn?. Sag schön bitte, dann geb ich dir was."

In dieser Weise ging es fort, die Kleine lochte, haschte mit den Händchen, biß in den gespendeten Zwieback, war sehr vergnügt, aber die Antwort auf die vielen Fragen blieb sie natürlich schuldig. Schließlich wandte sich die Frau an die Mutter und fragte, wie alt das Kind sei.Dreizehn Monate," war die Antwort. Da sagte die andere voll Mitleid und Entsetzen:Da tröste Sie Gott, arme Frau, da haben Sie ein taubstummes Kind."

Run war das Entsetzen an mir, erstens über die bodenlose Härte, mit der man der Frau das ins Gesicht schleuderte und zweitens über die noch viel größere Dummheit der Betreffenden, die ein Kind für taub­stumm erklärte, weil es mit dreizehn Monaten noch nicht sagen konnte, wie alt es sei und wie es heiße. Die Mutter war aber, gottlob, klüger, sie lachte und meinte sehr aufrichtig:Reden Sie nit so närrisch! Mit drei­zehn Monaten redet kein Kind. Wieviel Kinder haben denn Sie?"Erlauben Sie," fuhr die andere empört auf,ich bin ledig." Damit stieg sie wütend aus ins nächste Kupee. Die Bauersfrau und ich unterhielten uns dann noch länger über diese Frage, die sicher auch schon mancher jungen Mutter Kopfzerbrechen gemacht hat. Im allgemeinen reden Mädchen früher als Kna­ben, spätere Kinder früher als das erste. Vielleicht stoße ich da auf Widerspruch und man hält mir ent­gegen, daß man sich mit ersten oder gar einzigen Sin* bern vielmehr beschäftigt als mit den späteren, wo oft den Müttern die Zeit dazu abgeht.

Mir kommt das Reden so wohl dressierter Kinder oft nicht ganzecht" vor. Wenn das Fräulein, die Mutter, die Kinderfrau usw. ewig in das kleine Geschöpf hineinreden:Sog schön guten Tag," so dünkt mir das immer als eine Art Vergewaltigung.

34 selbst habe acht Kinder und also Beobachtungs­material genug. Einer meiner Buben redete mit drei Jahren noch kein verständliches Wort, während seine vierzehn Monate jüngere Schwester schon alles mögliche kauderwelschte. Der Bub ist aber absolut nicht kränk­lich oder zurückgeblieben, er hat heute ein Mundwerk, das schier nicht zu stopfen ist. Der älteste Bub sprach lange nur in unvollständigen Sätzen, er brachte nur Hauptwörter und etliche Zeitwörter daher. Alles Ver­bindende fehlle lange, auch er ist heute ein sehr beredter Heiner Student. Der Jüngst« dagegen, dem sieben Ge­schwister schon um die Wiege schnatterten, entwickelte schon mit zwei Jahren eine Zungenfertigkeit, die be­ängstigend wird. Was wird aus dem Hosenmatz wer­den, wenn er älter ist?

Man wird überhaupt beobachten, daß ältere Ge­schwister die besten Redelehrer sind und daß Kinder von Kindern das Meiste annehmen und lernen. Der Kleine verwechselt regelmäßig zwei Wörter: Altane und San- dalen. Uns Großen ist das natürlich unbegreiflich, aber «r hat für beides das WortSaldane" erfunden. Ich möchte zur Erklärung nur einfügen, daß hierzulande ieöer WirtschaftsbalkonAltane" genannt wird und bas WortBalkon" fast ganz fremb ist.

Er zieht also dieSaldane" an und er spielt auf derSaldane". Da kann nun die sechsjährige Schwester die längst« Zeit bei ihm sitzen:Guck, das ist die Allane und bas sinb dein« Sanbaien." Ich glaube, ber Erwach­sen« hätte nie bie Gedtttb, 20, 30mal zu sagen:Sag Sandalen." Ich wette, sie bringt es ihm bei.

Biele Mütter meinen, wenn Kinder sich einmal auf. richten, müssen sie auch schon reden. Seine Spur, da geht oft noch lange Zeit hin. Man darf auch nicht glauben, daß spätes Reden das Zeichen eines zurück­gebliebenen Geistes ober einer Krankheit fei. Das Ver­stehen eilt bem Selbstreben wett voraus: es gibt genug gesund«, lebhafte Kinder, bie alles mit Interesse ver­folgen, aber nicht reben. Die geistige Regsamkeit merkt man ihnen schon an ben Augen an.

Also nur nicht verzagt, wenn ber Heine Liebling mit eineinhalb Jahren noch fein Volksredner ist es kommt schon. Wir Mütter freilich könnens ja kaum erwarten, bis bas erste gescheite Wort kommt, aber auch ba heißt es sich in Gedulb fassen. Gebulb bringt Rosen unb kleine Plappermäulchen!

Die Frau als Erzieherin.

f. Die Abneigung ber Kinder gegen gewisse Speisen kann / in körperlichen Ursachen begründet liegen; ber Körper wehrt sich, eine ihm nicht zuträgliche Nahrung aufzunehmen. Macht sich bei Kindern ein auffallender Widerwille gegen einwandfreie Speisen bemerkbar, so ist ber Arzt zu befragen, bamit er bie Ursache des lie­bel», ivenn möglich, feststellt. Häufig hat die Abneigung hn Geruch ber Speisen oder in ihren Bestandteilen chren Grund; ist es doch manchem Erwachsenen nicht möglich, bas in Ostpreußen so beliebteKönigsberger Fieck" zu genießen. Der Wiberwille, ber aus über­mäßiger oder fortgesetzter Aufnahme eines Nahrungs- mittels gegen diese» auftritt, ist nur eine natürliche Reaktion des Körper» und verfchwinbet bei längerer

Enthaltung von ber Speise, die man sichübergegessen" hat. Das Mäkeln ber Kinder aber bei Tisch, da» Sd)ei­ten über die Zubereitung der Speisen ist eine üble An­gewohnheit, bie die Kinder von den Erwachsenen über­nehmen. Dem Hilst nur bas gute Beispiel ber Erzieher ab und, wenn nötig, ein Höherhängen des Brotkorbes. Denn junger ist der beste Koch."

Das Auffällige in der Mode.

Von Dr. Norbert Stern, München.

nicht nur Kostbarkeit, sondern kann auch am einfachsten Kleidchen zur viel bewunderten Ausprägung kommen. Sie liegt nicht nur im Material des äußeren Stoffe» ober Schmuckes; vielmehr beruht wahre Schönheit der Klei­dung auf dem lebendigen Zusammenklang de» äußeren mit dem inneren Menschen. Ist dieser Einklang kein voll­ständiger, so wird aus ber Kleidung immer etwas her­vortreten, was einen unangenehm-auffälligen Eindruck hinterläßt. Das Auffällige soll unter ber Schwelle bes Bewußtseins bleiben; wo es zum Bewußtsein kommt, wirkt es bestimmt abstoßend. Kleider wollen Magnete fein, die Zuneigung und nicht Abneigung heroorrufenk

Es soll nicht behauptet werden, bas Auffällige in ber SRobe fei unerlaubt. Wohl vermeidet bie wahre Ele­ganz alles, was auch nur im entferntesten einen auf­fälligen Einbruck macht; aber ber Schick, ber jüngere Bru- ber der Eleganz bevorzugt bis zu einem gewissen Grade das, was am Kleide auffällt. Das Auffallende ist ein Kind des Gegensatzes und Widerstreites. Da» Unauf­fälligste kann auffällig werden, wenn es aus feiner Um­gebung heraus an eine Stelle gesetzt wird, wo es un­passend wirkt. Eine rote Rose am Gürtel bietet einen erfreulichen Anblick. Wie aber, wenn es einer Dame einfiele, dieselbe Rose mitten auf bem Rücken zu tragen? Unmöglich!" würde bas allgemeine Urteil lauten. Das Kleid ist schön, bie Rose ist schon; aber ber Ort, an dem sie zu sehen ist, gibt ber Rose ein sehr auffällige» Gepräge und wacht ihre Trägerin lächerlich. Das Auffällige darf eben nur als eine Art Würze dem Kleide beigegeben werden; bann wirkt es sehr erfrischend. Eine Kleidung, in der das Auffallende zu selbstherrlich hervortritt, macht den Eindruck de» Vordringlichen. Das Ausfällige bars nicht tonangebend fein; es wirkt nur bann ästhetisch, wenn es, gleich den Sonnenreflexen auf den bewegten Wellen, neckisch, spielend, tänzelnd und fröhlich schäkernd an das Auge herantritt. Dies ist nicht zuletzt Sache bes Charakters unb bes Temperament». Doch in erster Linie entscheidet das ungeschriebene Gesetz bes Taktes über Grad und Ausmaß des Auffallenden. Ruhige, in sich ausgeglichene Menschen weisen es grundsätzlich ab. Ihr Gewand trägt ein zurückhaltendes Gepräge, zurück­haltend in Musterung, Farbigkeit und Form. Unter­nehmungslustige Naturen dagegen fühlen sich zum Auf­fallenden geradezu hingezogen; daher spielt es ganz be­sonders in der wagemutigen Sportswelt eine sichtbare Rolle. Die Mode unserer Tage ist überhaupt reich an Auffälligkeiten. Dies ist kein Zufall. Der schwere Kampf ums Dasein zwingt ben Einzelnen, sich um jeden Preis bemerkbar zu machen. In die vorderste Linie dieses sozialen Kampfe» stellt sich natürlich auch die weibliche und männliche Kleidung; sie gibt durch auffallende Kleid­zeichen unb Kleibformen zu erkennen, baß ihre Träger bamit rechnen, nicht übersehen zu werben.

Je lebhafter da» Temperament, befto großer bie innere Zuneigung zum Auffälligen. Für temperamentvolle Naturen ist es nicht immer leicht, sich ben strengen Sit­ten unb Gebräuchen ber Gesellschaft ruhig unterzuord­nen. Temperament unb Gesetz leben ja überall mitein« anber im Krieg. Das lebhafte Temperament will sich nicht ohne weitere» ben Gesetzen ber Mode beugen. Es liebt bas Zufällige unb Auffällige; es betont an ber Klelbung Dinge, über bie eine nüchterne Frau hinweg- sieht. Die Nüchternheit nimmt bie vornehme Eleganz, das Temperament jedoch den vorwitzigen Schick zum Kleidausdruck des inneren Wesens. Eine temperament­volle junge Dame kann sich sehr wohl Auffälligkeiten an ihrer Kleidung gestatten, die an der Toilette einer gesetzten Frau unfein wirken. Dasselbe Kleid, dieselbe Modeform, derselbe Ausputz mag die eine Dame ganz ausgezeichnet kleiden, die andere jedoch verunstalten. Auf­fällig kann eine an sich noch so dezente Toilette wirken, wenn sie an eine Trägerin gerät, für die sie nicht ge­schaffen ist.

Letzten Endes unterscheidet der Takt darüber, ob die Kleidung auffällig, geschmackvoll oder geschmacklos, rei­zend oder plump wirkt. Der Takt ist Herzensgebieter über alle Kleidung; Takt, Geist unb Geschmack sind bie unsichtbaren Beherrscher ber Mode. Wenn einer von ben Dreien fehlt, bann verhindert es auch bie vollkommen ästhetische Wirkung eines Kleides. Ein Gewand kann nämlich auch dadurch auffällig wirken, baß ihm etwa» Wesentliches fehlt. Wo sich ein solcher Mangel bem Auge funb tut, beweist er, daß bie geistvolle Beherrschung von Form und Stoff eine nur unvollkommene ist. Die Mode ist Ueberfluß an allem, was zum Schmucke ber Kleidung bient. Sie schüttet ihre reichen Gaben über Jung unb Alt, über Hoch und Niedrig aus. Sie scheint nur zu sagen:Da, nehmt mich hin, wie Ich bin; olles ist (Euer, was ich habe." Die Mode verlangt nur, baß ihr jebes Alter, jebes Geschlecht, jebes Temperament und feiges Milieu das entnehme, was ihm am besten zu Figur, Gesicht und Charakter paßt. Man kann die Mode nicht launenhaft, nicht herausfordernd, nicht schon und nicht unschön nennen; sie ist passiv und wird erst an jeder einzelnen Trägerin lebendig. Darum kann die Mode nicht verantworttich gemacht werden für die vielen Aus- chreitungen, Entgleisungen unb Auffälligkeiten, die man ihr fälschlicherweise zur Last legt. Jede einzelne Dame ist selbst für ihr Modekleid verantwortlich. Wirkt dieses auffallend statt harmonisch, so fehlt eben der über­legene Geschmack. Die Mode herrscht zwar über bie Allgemeinheit ber Damenwelt, sie will aber von jeber einzelnen Frau wiederum taktvoll beherrscht fein. Wer bie Mobe gedankenlos sklavisch mitmacht, ist sicher feiten gut gekleidet. ,

Man mag über den Wert ber schönen Kleidung den­ken wie man will. Eins ist gewiß: Schönheit bedeutet

Ueder die Frau.

Von (Berta Staabs- Görlitz.

Den Wert einer Frau kann man aus dem Grad ihres Mutterseins erkennen. Dos hohe Glück der Mutterschaft besitzen oder nicht, ist Schicksal. Den Muttersinn aber in jeder Lebenslage betätigen ist ernste und schönste Frauenpflicht.

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Das bessere Selbst in uns und unseren Mitmenschen unterdrücken, um äußerer Vorteile willen ist Sund« wider den heiligen Geist.

Was ein Kind geschenkt erhält, ist verhältnismäßig gleichgültig; es kommt nur darauf an, die Phantasie des Kindes wohltätig anzuregen, bie in bem unschein­barsten oft die größten Wunder sieht.

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Die Frau kann garnicht fromm genug sein, aber sie kann auch garnicht wenig genug davon sprechen; echte Frömmigkeit liegt nicht auf den Sippen, sie strahlt heiter, beglückend aus den Augen und regt die Händ' zu aufopferungsvoller Arbeit.

Die vermännlichte Frau, die durch vom Schicksal aufgezwungene Mannesarbeit ihre Weiblichkeit verloren hat, ist ein schmerzlicher Anblick; widerlich unb lächerlich zugleich aber wirkt die Frau, bie vorübergehenber Mobl stöhnend, ihre Weiblichkeit abstreift und von dem an­deren Geschlecht in sinnloser Nachahmung Kleiderformer borgt, bie niemals zu ihr passen werben, ba sie wider­natürlich sind..

Die Frau als Hausarzt.

f- Zur Zahn- unb Mundpflege genügt eigentlich vollkommen ein Reinigen der Zähne, des Gaumens und ber Zunge mit starkem Salzwafser, täglich früh vor dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen. An der Geschmack gewohnt man sich sehr bald und so sehr, baß man dieses einfache Mittel gar nicht mehr entbehren mochte. Zur Erfrischung kann man dem Salzwafser einen Tropfen Pfeffernnnzefsenz zugeben.

Die Frau in der Nüche.

f. Beim Braten von Fischen achte man stets darauf, daß das Fett wirklich siebet, ehe man den Fisch hinein- gibt: er wirb sonst fettig, weich unb unverdaulich. Um knusperig gebackene Fische zu erhalten, muß man war­ten, bis ein bläulicher Rauch von dem Fett auffteigt, ehe man mit bem Backen beginnt

Praktische Winke.

f. Lackierte Gegenstände reinigt man am besten mit Del, dem etwa» Mehl zugesetzt ist. Man verfährt so, baß man die Gegenständ« mit der Mischung unter Zu­hilfenahme eines wollenen Lappen» abreibt. Warme» Wasser zum Reinigen lackierter Sachen zu benutzen, ist grundfalsch, da dieses den Lack erweicht und so die Ge­genstände ruiniert. In ber oben angegebenen Weise lassen sich alle Unreinlichkeiten leicht entfernen, ohne daß der Lack oder bie vielleicht vorhandene Vergoldung irgendwie angegriffen wird.

Zeitschriften für Frauen.

Sonnenlonb. Ein Mädchendlalt. Erscheint am 1 unb 15. jeden Monats. Leitung: Maria Domanig. Bezugspreis pro Vierteljahr 2,15 Rin. Verlagsanstalt Tyrolia, Jnnsbruck-Wien-München. Heft 7. Beiträge des neuen Heftes: Zum neuen Jahr. Gedicht von Else Gradinger. Leben. Von M. Domanig. Unter dem Chriftbaum. Gedicht. Wege durch Münster. Von Hans Bäcker. Liebfrauen. Gedicht von Hans Bäcker. Der Beruf der Fürsorgerin. Von Berta Rathsam. Ewiges Strömen. Gedicht von Elise Hasst. Eredo". Von Jassy Torrund. Wllhelm Hauff. Zum 100jährigen Todestag. Von Theod. Knauthe. Heimat des Herzens. Von M. Schenk (6). Kreuzworträtsel. Handarbeiten. Sonnenlandpost.

Leichter kann -der Hausfrau bas Luppekochen nicht gemacht werben, als mit Maggl's Suppen ir Würfeln, die bekannillch schon alles enthalten, was zu einer outen Suppe gehört. Deshalb kocht man fit nur notf mit Wasser, aber nicht etwa nach Gutdünken, sondern genau nach ber Anweisung auf jedem Würfel. Naturgemäß kanr man bei ben vielen Sorten nicht in gleicher Weise verfahren Die eine Ist schon nach 5 Minuten Kochdauer fertig, bii andere muß vorher zu dünnem Brei angerührt roerbet und 15, 20 ober 25 Minuten kochen. Hierauf Ist zu achten wenn man belikate Suppen haben will.

Don chinesischen Frauennamen.

Bon Hertha Jtzilie Zrnbt

Die Namengebung hat im Leben ber Menschen im­mer eine große Nolle gespielt; sie war eine hell. Hand­lung, bie feierliche Zeremonien begleiteten. Es ist heute noch etwas Besonderes um die Nennung des Nomens eine» lieben Menschen, den man oft nur scheu auszu­sprechen wagt. Diese Scheu findet ihren Höhepunkt in bem religiösen Satz:Du sollst chn nicht beim Namen nennen

(T f> i n a hat Im Verhältnis zu anderen Völkern trotz seiner Riesendimensionen nur eine klein« Anzahl von Familiennamen, so baß leicht Verwechslungen enfftehen könnten, wenn ber Einzelne nicht noch andere Namen führen würde. Die Familiennamen Wang' unb Schanz finden sich noch öfter als bei uns Müller unb 3leier, unb alle anderen häufen sich genau so. Aber KefeVornamen" der Chinesen (an sich stehen sie übri- Sens hinter dem Familiennamen) sind besonderer Art. Zunächst bekommt der Chinese eine Art Kindheit»- namen, den ihm bie Eltern geben; später erhält er Dom Lehrer einen Schülernamen, den er während bes ganzen Studium», bei allen, in China so ausgisbi- S«n Prüfungen und während feiner etwaigen Beamten« laufbabn führt; außerdem bekommt er, wenn er erwach- len ift, vom Vater einen Mannesnamen, den er lonberittb im Verkehr mit Freunden und Verwandten Wrt. Ferner benutzt er noch einen Beinamen, ber «nerft irgendein Motto fürs Leben enthält unb ben er

I sich meistens selbst wählt ober seltener von ben Mern empfängt. Als Schriftsteller ober Künstler pfle- I gen die Chinesen ihre Werke immer mit diesem Bei­namen und bem Familiennamen zusammen zu zeichnen. Ganz besonders verdiente Männer erhalten überdies auch noch nach dem Tode einen besonderen Ehren­namen.

Bisher hat man in China das weibliche Geschlecht »vch nicht eine» posthumen Ehrennamens würdig er­achtet; ober es ist wohl anzunehmen, daß dies auch noch kommt, da in ber sonstigen Namennennung dieselben Gebräuche wie bei demstarken Geschlecht" herrschen. Was ben weiblichen Kindheitsnamen anbetrifft, so ent- spricht er allgemein bem europäischen Kosenamen wie Süßes",Liebling"Sonnenschein". So erhallen bie kleinen Ehinesenmädchen bie NamenPhönix",Mond- blüte ,Nephrylschatz" usw.; mit diesen Namen werden sie denn auch von älteren Verwandten offiziell gerufen. Allerdings bleibt bas Mädchen für jüngere Verwandt« bii«Schwesterchen", für Dienstboten baskleine Fräulein".

SJlit ber Verlobung, die früher meistens pünktlich am fünfzehnten Geburtstage ftattfanb, erhält bas Mädchen feinen Erwachsenennamen, ber bem Mannes« namen entspricht und mit dem sie späterhin auch ihr Ehemann anzureben pflegt, falls «r es nicht vorzieht, ihren Be i n a m e n, den sie sich meist selbst wähll, zu de- nutzen. Solche Sinnsprüche enthaltenden Namen sind etwa:Gleiche bem weißen Nephryt",Behüte deinen Ruf",Gedenke deiner Mutter",Sei eine farbenpräch- tige Wolke" unb andere mehr. In ber modernen Zett

hat auch ber Schülername für bas weibliche Geschlecht an Bedeutung gewonnen, mit ihm nennen sich auch bie Mitschülerinnen, unb er wirb oft bis ins Alter beide- hatten; so z. B.Die Fleißige",Beständige". Fliegende".

Im Grunde sind all diese Namen nicht bem Sinne nach verschieden. So ist es durchaus möglich, daß der Erwachsenenname ber einen der Schü- lemame ber anderen ist. Der Kindheitsname allerdings drückt immer aus, daß man das kleine Geschöpf als eine Kostbarkeit betrachtet. Auch bie anderen Namen ent­halten jedoch ost genug Werturteile. Eine Eigenart, bie der Europäer nicht so schnell begreift, ist, daß ber Er­wachsenen- unb Schülername berfelben Person irgenb- mie korrespondieren, ja, daß weiterhin die Namen aller Familienangehörigen einer Generation ebenfalls korres­pondieren, so daß man gleichfalls bie Verwandtschaft er­kennen kann.

Sehr häufig findet man Namen wie:Orchidee", die eine besondere Rolle in der chinesischen Blumenwelt spielt; sie ist die Königin ber Blumen. DannKeusch­heit",Die Reine",Blumenduft",Liebliches Gesicht", Fleiß",Treue",Sanftmut",Koralle", dann für chinesische Begriffe etwas besonders Wertvolle» wie Nephryt",bläulicher Eisvogel",Die Leuchtende", Edle Stickerei", .Kirschblüte" unb ungezählte ähnliche oder verwandte.

Schon in frühen Zeiten wurden auch, wie bei uns, manche Namen für beide Geschlechter benutzt. Es scheint neuerdings sogar immer mehr um sich zu greifen, daß ausschliehttch weibliche Namen verdrängt werden. In

der Geschichte finden sich nun öfter Frauen mit aus­gesprochen männlichen Namen, besonders bei einigen Königinnen. Aber es gibt auch für beide Geschlechter geltende Namen wie:Talent",Mut",Menschlichkeit", Flamme",Edelstein" unb auch, besonders in neuerer Zeit:Am Gürtel schwebender Duft",Dreifüßiges Weihrauchbecken",Vollkommenheit" unb viele andere. Die religiösen Strömungen, die dort viel stärker waren, als es gemeinhin bekannt ist, gewannen natürlich einen starken Einfluß auf die Namengebung; so findet man unter den sprichwortreichen Beinamen viele buddhisti. scher Abstammung. Ebenso hat auch da» Christentum eine Einführung ausgesprochen christlicher Namen zur Folg«, bie aber nur in chren Grundzügen zu erkennen sind, mehr bem Laut als dem Sinne nach (Wie, so ne­benbei, Berlin auf Chinesischbo-lin" heißt, was aber dem Zeichen nachZypressenhain" bedeutet.)

E» kommt nicht nur vor, daß Frauen ausschließlich für Männer bestimmte Namen geführt haben, sondern wir finden natürlich auch das.Gegenteil. Hiervon ist ein Fall besonders amüsant, weil es sich um einen wert unb breit als besonders tapferen unb kühnen Tiger- fänger von geradezu riesenhafter Statur handelt, ber aber ben niedlichen Namen .Zarteste Kirfchbläte" trug. Wie wir hieraus ersehen, läßt sich auch heute keine grundsätzliche Regel aufstellen; man muh schon so einen Mordskerl mit chinesischen Augen ansehen, um ihm einen solch zarten Namen geben zu können. Jedenfalls kann ich mir nicht recht vorstellen, d«ß man einen europäi­schen SchwergewichtsmeisterGretel" nennen mürbe.