Freitag, 27. Januar 1928.
Nr. 22
Der Sparsamkeitsausschuß tagt
Dor«
Die Rentnerversorgung.
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
Bei der Beratung des Rentneroersorgungs- Uesetzes im sozialen Ausschuß des Reichstages wurde in der Mittwochssitzung nach einer längeren Debatte über die Zuständigkeitsfrage und nach Ausführungen des Vertreters vom Reichsjustiz» Ministerium mit Mehrheit beschlossen, daß das Gesetz nach wie vor im sozialpolitischen Ausschuß weiter beraten und nicht dem Rechtsaus- , schuß überwiesen werden solle. Bei dieser Geschäftsordnung erklärten sowohl die Vertreter der Deutschen Volkspartei, wie die der Demokratischen Partei klar und eindeutig, daß sie den vorliegenden Gesetzentwurf in erster Linie als Ergänzung zur Aufwerrungsgesetzgebung betrachten und deshalb von einem bestimmten Kapitalvermögen an erst den Rechtsspruch bejahen müßten. In der sachlichen Beratung wurde der § 1 behandelt, der den Kreis der Rentenberechtigten umschreiben soll. Vier Anträge standen zur Aussprache. Die Kommunisten hatten den gleichen Rentnerkreis beantragt, der im § 2 des Kleinrentnerfürsorgegesetzes von 1923 umschrieben fft. Die S o z i a l d e m o k r a t en hatten einen Antrag gestellt, der den Rechtsanspruch auf eine Rente schon für den Besitzer eines Kapitalvermögens von. 1000 Mark ab aufwärts fordert. Die §§ 1, wie sie im demokratischen Entwurf und durch Abänderungs- antraq der Deutschen Volkspartei gewünscht tmtr= den, sind durch Presseveröffentlichung schon bekannt gemacht worden und decken sich insofern, als nur Kapitalbesitzer von 10 000 Mark an aufwärts bzw. mit 50Ö Mark Iahresrentenzinseinkommen den Rechtsanspruch erhalten sollten. Zu den vorliegenden Anträgen machte seitens des Zentrums der Abgeordnete Gerig folgende Ausführungen:
Wenn der Ausschuß sich dafür entscheidet, daß hier ein neuer Rentnertyp geschaffen werden soll
Volkspartei, 8 Sozialdemokraten, 2 Kommunisten) dieser im demokratischen und deutschvolkspartei- lichen Antrag geforderte Grundsatz a b g e l e h n t. Die Fortsetzung der Beratungen wird die Folgerungen aus dieser Abstimmung beweisen.
In Warschau ist der Termin der Einbringung der Reichslisten der Parteien, die sich zur Sejm wähl stellen, abgelaufen. Insgesamtwur- den 33 verschiedene Listen angemeldet.
„Epoka" verzeichnet das Gerücht, daß die Liste der Kommunisten und die Liste der Linkssoziali- sten von der Hauptwahlkommission wahrscheinlich als ungültig erklärt werden müssen, angeblich, weil ein großer Teil der gesetzlich erforderlichen Unterschriften gefälscht worden sind bzw. von einer Hand herrübren.
Wie erinnerlich ist die kommunistische Liste auch bei den Warschauer und Lodzscher Stadtratswahlen seinerzeit für ungültig erklärt worden.
aus denjerligen Kreisen, die durch die Inflation ihre Sparkapitalien verloren haben und denen in Ergänzung der ungenügenden Aufwertung geholfen werden soll, können die Vertreter des Zentrums sich nicht bereit finden, diese Veredelung der Aufwertung nur für solche Staatsbürger zu bejahen, die ein Vermögen von 10000 Mark und mehr hatten. Er wies daraufhin, daß die Mehrheit der mittelständischen und kleineren Sparkasserüxnlehen und ähnliche Vermögenswerte besessen hatten, die unter 10 000 Mark liegen. Das ginge insbesondere auch daraus hervor, daß die Dermögensanlagen bzw. die Beschaffung eines Sparkapitals für das Alter doch vielfach in dem Abschluß einer Lebensversicherung oder einer ähnlichen Anlage bestanden hätte, die sich meist um 5 oder 6000, bei geringerem Einkommen um etwa 3000 Mark herum bewege. Aus diesen Gründen könne die Zentrums- fra'ktion nicht der im demokratischen und volksparteilichen Antrag geforderten Rentnerversor- gung für die früher Besser gestellten zustimmen, sondern sie müßte auch eine billige Berücksichti- grrng der kleinen Rentner und Sparer fordern. Der verlorengegangene Wert eines Sparbuches einer altgewordenen Haus- hälterin mit nur 3000 Mark geht ihr ebenso sehr nahe wie der Verlust eines Kapitalbesitzes von 15 oder 20 000 Mark.
Die Abstimmung des § 1 brachte eine grundsätzliche Entscheidung über die Frage. Dem Grundgedanken, daß nur Personen unter das Gesetz fallen sollen, die 10 000 Mark und mehr Kapitalvermögen besessen hatten, stimmten die 2 Mitglieder der Demokraten, die 3 Mitglieder der Deut- schen Dolkspartei, ein Mitglied der Deutschnqtio- nalen Volkspartei und das eine Mitglied der Wirtschaftlichen Vereinigung zu.
Gegen diese 7 Stimmen wurde mit 17 Stim- m en (2 Deutschnationale, 4 Zentrum, 1 Bayerische
* Der Kampf gegen die kakholische Schule In Mexiko. Die Polizei in Mexiko hat eine katholische Schule geschlossen und im Zusammenhang damit 20 Lehrpersonen verhaftet, die der Verteilung von Propagandaschriften gegen die Regierung beschuldigt werden. Einige von ihnen stammen aus angesehenen Familien des Landes.
das Berl. Tagebl. meldet, den bisherigen sitzenden der Vereinigung, Führ. Kerkerinck zu Borg, veranlaßt, seinen Vorsitz niederzulegen.
33 Listen für die polnischen Wahlen (Ein abschreckendes Verspiel für die deutschen Wahlen.
• Botschafter o. Prittwitz und Gaffron, der neue Vertreter Deutschlands ht Nordamerika, ist in New Nork eingetroffen. Die amerikanische Presseschenkt dem neuen Botschafter größte Aufmerksamkeit.
Die Lage in Rumänien.
Verhaftung eines Mitglieds des rumänischen Parlaments?
Das rumänische Parlament wurde eröffnet. In den Wandelgängen ging das Gerücht um, daß der der Naticmalpartei angehörende Abgeordnete B o cu, Präsident der Parteiorganisation im Komitat Te- mes, wegen eines aufreizenden Aufrufes verhaftet worden sei. In dem Auftuf fuhrt Bocu aus, er sei nach Temes gekommen, um >e Massen gegen eine Regierung aufzurühren, die sich dem Lande, ja sogar, wie es scheint, selbst dem Regent- schaftsrat widersetze. Die nationale Bauernpartei beschuldigt die Regierung des Vaterlandsverrats und fordert jeden auf, sich um den König zu scharen, die Regierung zu vertreiben und das Land zu verteidigen.
Nommunalpolitisches.
= Canbrat a. D. Dr. Conffanfin f. Der Leiter des Deutschen und Preußischen Landkreistages, Land- rat a. D. Dr. Constantin, ist am 25. Januar früh verstör- ben. Der Tod dieses Mannes reiht in die Reihen aller . deutschen Kreise und ihrer in den einzelnen Ländern und Provinzen bestehenden Unterverbände, denen er ein stets bereiter und sachverständiger Berater war, eine empfindliche Lücke; auch eine große Zahl von Verbänden, Organi- sationen und Vereinen, die kommunale und kommunal- politische Fragen behandeln und denen er angehörte, beklagen durch sein Hinscheiden den Verlust der Mitarbeit eines kommunalen Führers von besonderer Bedeutung.
In interessanter Weise entwickelt sich der Wahlkampf in Polen, dessen Ausgang von Interesse ist, weil Marschall P i l s u d s k i sich auf parlamentari- schem Wege eine absolute Mehrheit für seine Politik schaffen dürfte. Außenpolitisch hat Pilsudski im Gegensatz zu den Befürchtungen der Nationaldemokraten, nicht nur die Freundschaft mit Frankreich zu wahren verstanden, sondern er ist auch von Seiten des Foreign Office geschätzt; darüber hinaus vermochte Pilsudski die wirtschaftlichen Beziehungen mit Deutschland in Fluß zu bringen, sodaß taktisch eine nicht ungünstige Lage besteht, auch wenn die Zukunftswolken ungeschwächt Polen überschatten.
Immerhin bemerkenswert ist die Art und Weise, wie Pilsudski den Wahlkampf ausgenommen hat, dessen Ergebnis auch zu einer besseren Behandlung der Minoritäten führen könnte, da di« Regierung zur Erreichung der Drelfünftelmaiorität im neuen Sejm diese Gruppen nicht umgehen kann. Dor allem werden die Ukrainer ihre Wahlenthaltung aufgeben, was in den Ostgebieten von großer Bedeutung ist. Ein großer Teil der Ruthe- nen ist — taktisch — für die Regierung gewonnen, da diese in den ruthenischen Gebieten die nithenische Sprache als gleichberechtigte Sprache und sogar als Pflichtgegenstand auch in den dortigen polnischen Schulen dekredierte. Der Minoritätenblock, der im Entstehen begriffen war, sieht daher wieder seinem Zerfall entgegen, da auch die Nationalitätengruppen der Sozialdemo- krasischen Partei uneinig in ihrem Vorgehen sind. Vollends die Juden machen Anstalten, sich für die Regierungspolitik zu erklären.
Das „Ordnungsregime" soll, wie der Ministerpräsident erklärte, einer von Feinden bedrohten Festung gleichen, in die sich die Blüte der Nation zurückziehe, um von dort aus vereinigt den siegreichen Ausfall zu unternehmen. Im Sinne dieses Programms bezeichnet sich die„regierungsfeindliche Festungsbesetzung" als „parteiloser Block, der mit der Regierung zusammenarbeitet". Um der heterogenen Zusammensetzung zu entsprechen, tituliert sich Pilsudski als überparteilich u. kandidiert nicht. An der Liste der erwähnten Blockliste stehen alle Minister mit Ausnahme des Ministerpräsidenten und des Außenministers. In der Regierungsliste sind bekannte Persönlichkeiten der verschiedensten politischen Richtungen vertreten, darunter Konservative, Demokraten, Sozialdemokraten und Bauern. Solcherart figuriert auf den Listen auch der Arbeitsminister Moraczewski, den die Sozialdemokratische Partei verleugnet, weil sie aus par-
ttlatsch über Stegerwald.
In einem Wiener Blatt sind angebliche Aeußerungen des Abgeordneten Stegerwald über seine Stellung zum Zentrum gebracht worden, die sich auf eine Information Stegerwalds an den Vertreter dieser Zeitung stützen sollten. Diese Mitteilungen sind von Blättern der deuffchen Großstädte, namentlich auch in Berlin, übernommen worden. Wir können fesfftellen, daß die betreffenden Auslassungen absolut unrichtig sind, daß es sich nicht um eine Unterredung handelte, die der Abgeordnete Stegerwald einem Vertreter solcher Zeitungen gegeben hätte, und daß es sich um eine durchaus falsche Auslegung bestimmter Ausführungen handelt, die Abgeordneter Stegerwald in engerem Kreise gemacht hat. Stegerwald hat dabei lediglich festgestellt, daß die persönlichen Schwierigkeiten, die zwischen ihm und Marx bestünden, auf loyale Weise aus der Welt geschafft worden sind und daß die noch bestehenden sachlichen Differenzpunkte Gegenstand von Erörterungen auf der nächsten Tagung des Reichsparteiausschusses sein werden. In diese Mitteilungen hat man nun Dinge hinein pomponiert und kombiniert, die nicht Gegenstand von Erörterungen gewesen sind, die aber nur dazu angetan sind, das Zentrum wieder einmal in den Mittelpunkt von Sensationen zu stellen, nachdem den betreffenden Organen offenbar garnichts anderes mehr einfällt, als nur immer wieder an den Zentrumstüren herumzuhorchen.
Der Justizetat.
In der Plenarsitzung des Reichstages am Mittwoch wurde in dis zweite Beratung des Etats des Reichsjustizministeriums eingetreten, die Reichsjustizminister Hergt durch Ausführungen über die allgemeine Lags des Iustizwesens einleitete. Don sozialdemokratischer Seite wird im Verlauf der Sitzung scharfe Kritik geübt an den verschiedenen Urteilen des Reichsgerichts. Als Reichsjustizminister Hergt diese Angriffe zu widerlegen oer- sucht, wirt» es im Hause etwas erregter und die Ausführungen des Ministers werden durch Zwi» chenrufe sowohl von rechts als auch von links des öfteren unterbrochen. Nachdem dann noch das zweite Gesetz über wertbeständige Hypotheken in allen drei Lesungen debattelos an. genommen worden ist, wird die Weiterberatung des Etats auf Donnerstag vertagt.
(Ein Er olg des Zentrums.
In der Dienstags-Sitzung des Reichstags hat das Zentrum bei der Abstimmung über den Ausschußbericht bänglich der Ruhrkredite einen starken Erfolg errungen. Während nämlich bisher di« beiden Rechtsparteien dem Votum des Untersuchungsausschusses nicht beigetreten waren, wonach die Etatüberschreitung festgestellt und erklärt worden ist, daß die Enffchädigungen an die erwerbenden Schichten, insbesondere an den Mittelstands nicht ausreichend, jedenfalls geringer seien als di« der Industrie gewährten, ist durch den Zentrumsantrag nunmehr durch den gesamten Reichstag mit Ausnahme der Kommunisten diese Feststellung gemacht worden. Das bedeutet einen wesentlichen Fortschritt im Sinne der Auffassung des Zentrums in diesen Dingen. Daraus werden aber auch bestimmte Folgerungen hinsichtlich eines gerechten Ausgleichs für die Beteiligten, insbesondere die Arbeiterschaft, Handwerks-, Gewerbe- und Mittelstand sich ergeben müssen.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagxn. „Die Welt im Bild" und „Buchenblätier . yotatwnSbrud unb Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. x Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.________x
teitaktischen Gründen dem Ministerpräsidenten — aber nur scheinbar — oppositionell gegenübersteht. Die größte Sensation ist aber, daß die Liste den Namen des Grafen Äninski, des Wojoden von Pofen, der nationaldemokratischen Hochburg, enthält. Graf Bninski war es bekanntlich, der den mliitärifchen Widerstand gegen Pilsudski organisieren wollte und wochenlang dem neuen Regime den Gehorsam zu verweigern suchte, ja sogar als Kandidat für die Präsidentschaft gegen den Kandidaten Pilsudski genannt wurde. Daß sogar Graf Bninski, der zweifellos ein Ehrenmann ist. sich reumütig bekehrte, dürfte der Sache des Marschalls außerordentlich nützen. An die Reue des Piasten- führers Witos glaubte Pilsudski allerdings nicht und wies diesen schroff zurück, was dieser nun mit Dementierungsversuchen des Kanossaganges zu bemänteln versucht. Es steht aber fest, daß zumindest achtzehn bisherige Abgeordnete der Piast- partei unter Führung des Senators Bojko sich Pilsudski angeschlossen haben und sich um die wohlentscheidende Bildung eines regierungsfreundlichen Bauernblocks, mit Einbeziehung der Gruvpe Strenniciwo, Chlopske und eines Teiles der Wy- zwolenie (radikale Bauerngruppe) bemühen. Mied- zinski, der Postminister, entstammt übrigens dieser Partei. Aus der Liste der sogenannten Parteilosen Blocks stehen auch Fürst Radziwill, Fürst Lubomirski, und der Rektor der Warschauer Universität, Kochanowski.
Das Programm des Blocks enthält folgende wichtige Punkte: Unterordnung des Parteiinteresses unter das Staatsinterefle; wirffchaftliche Star bilisierung als entscheidendes Moment vor politi* schen Fragen; Kampf mit der Korruption und moralische Gesundung; Aenderung der Verfassung im Sinn« einer Störkung der exekutiven Macht. Als Vorbild soll da« amerikanische Muster dienen.
Dem Marschall ist er sonach nicht nur gelungen, den Reaktionären die Stutzen zu entziehen, die sie im Hochadel, bei den Großagrariern und bei der Großindustrie besaßen, sondern er vermochte auch die Sympathien des Vatikans zu erringen, wodurch einige Bischöfe, die sich zu einer für die Nationaldemokraten günstigen Kundgebung ver» leiten ließen, desavouiert wurden. Die Kirche wird kaum offen in den Wahlkampf eingreifen, jedoch hat es auf die Katholiken tiefen Eindruck gemacht, daß der Papst, der von seiner ehemaligen Tätigkeit als Nuntius in Warschau den derzeitigen Ministerpräsidenten sehr hoch schätzt, diesem durch den Bischof Przedowiecky ein überaus herzliches Handschreiben überreichen ließ. Bekannt ist ferner, daß der Fürstprimas von Polen, der neue Kardinal Hlond, ein entschiedener Anhänger Pil- sudskis ist. Da ferner die christlichen Demokraten durch die Panama-Affäre ihres bisherigen Führers Korfanty arg kompromittiert erscheinen, dürfte Pilsudski große Unterstützung durch den Klerus erhalten.
Don den Äegnern find die gefährlichsten uneinig. Sogar prominente Nationaldemokraten sind zu Pstsudski übergegangen und ebenso weist die nationale Arbeitspartei regierungsfreundliche Gruppen auf. Auch der Parteihader an und für sich wird der Regierungsfront nützen. Bisher gab es 56 Parteien, von denen 20 im Sejm vertrete» waren.
♦ Indien und die englische Sludienkommission. Der gesetzgebende Rat von Madras hat nach zweitägiger Beratung mit 64 gegen 28 Stimmen beschlossen, die englische Kommission zum Stu- dium der indischen Derfassungsfragen zu boykottieren. ____________
Deutschland und Litauen.
Der litauische Ministerpräsident W o l d e m a - ras weilt in Berlin und wurde von Dr. Strese- mann empfangen. Woldemaras äußert sich in der B. Z. über die deutsch-litauischen Beziehungen:
Das wichtigste Problem für Litauen ist nach der Wilna-Frage 'gewiß die deutsche Frage. Wir sind uns der Notwendigkeit durchaus bewußt, unseren deutschen Staatsbürgern im Rahmen der Verfassung in jeder Weise entgegenzukommen. Die litauische Regierung weiß sich frei von jeder Feindseligkeit gegen die deutsche Minderheit. Tausende, die für Deutschland optiert haben, halten sich noch im Memelgebiet auf, ohne daß wir ihnen die geringsten Schwierigkeiten in den Weg legen. Nur wo es sich um Beamte handelt, müßen sie natürlich ausgetauscht werden. Ich versichere, daß wir in Zukunft Uebergriffe einzelner Stellen gegen das Deutschtum in Litauen noch weniger dulden werden. Ich selber werde mich wegen jeder einzelnen Klage, die mir zum Gehör kommt, in Verbindung setzen. Persönlich übernehme ich die Verantwortung dafür, daß unsere deutschen Staatsbürger keinen Grund mehr zu Klagen haben werden. Wie sehr die litauische Regierung die deutsche Kultur zu schätzen weiß, hat sie durch Errichtung und Erhaltung eines deutschen Gymnasiums in Kowno bewiesen. Darüber hinaus wünschen wir aufrichtige politische Zusammenarbeit mit dem Deuffchen Reiche.
Der Ausschuß zur Prüfung von Maßnahmen ftur Sicherstellung sparsamster Finanzgebahrung in Reich, Ländern und Gemeinden ist von feinem Vorsitzenden, dem Herrn Reichsminister der Finanzen Dr. Köhler, zu einer Sitzung auf den 2. Februar 1928 nach Berlin berufen worden. Dem Ausschuß gehören der preußische, der badische und der thüringische Finanzminister und der Präses der hamburgischen Finanzdeputation an.
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Die Rerchstagsfraktivn der deutschen demokratischen Partei hat folgende Entschließung eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, mögllchst bald dke Prüfung der Frage der Uebernahme der Justizverwaltungen der Länder auf das Reich vorzunehmen und dem Reichstag über das Ergebnis Bericht zu erstatten. *
Das Reichskabinett beschäftigte sich am Mittwoch ft. D. A. Z. nicht nur mit dem Problem der landwirtschaftlichen Nothllfe, sondern auch mit Fragen der Außenpolitik, insbesondere Dölkerbunds- ftagen und ferner mit der Vorbereitung der Em- setz'ng des von der Länderkonferenz ht Aussicht gcnetmeneit achtzehnköpfigen Verfaf- fungsausschuß für die Reichsreform. Aks letzter Punkt stand auf der Tagesordnung das Liquidatkmisschädenschlußgesetz, zu dem die Regierungsparteien neue Vorschläge angekündigt haben.
Nur die Ruhe!
Die Deuffchnalionalen drohen mit Revolution!
Im Reichshaushaltsausschuß hat sich am Mittwoch ein außerordentlich bemerkenswerter Vorfall vollzogen. Bei Erörterung der Notmaßnahmen für die Landwirtschaft erklärte zunächst einmal der Bauernbündler Kling, daß die Bauern, wenn ihnen ihre Wünsche nicht erfüllt würden, große Straßendemonstrationen veranstalten würden, und daß es dann sicherlich auch zur Zerstörung der Finanzämter käme. Diese Aeußerung übertrumpfte nun der deutschnationale Abgeordnete I a n d r e y, indem er sagte, das Pulverfaß werde bald zur Explosion kommen, und als daraufhin ein Zwischenruf von den Sozialdemokraten erfolgte, fuhr der Redner fo/t: „Sie (die Sozialdemokraten) werden doch nicht glauben, daß Sie die Revolution allein gepachtet haben!"
Gegen diese bedenkliche Aeußerung, die gerade in dem jetzigen Augenblick außerordentlich gefährlich wirken müsse, hat der Zentrumsabgeordnete E r s i n g sofort Einspruch erhoben. Tatsächlich wird mit solchen Worten der zweifellos schwerlei- venden Landwirtschaft am allerwenigsten gedient. Nur in ruhiger und sachlicher Ueberlegung kann den Landwirten die notwendige Hilfe zuteil werden, und die Wege dafür hat das Zentrum durch seine eingehenden Vorschläge gewiesen.
Die Mahnung zur ruhigen und sachlichen Behandlung der landwirtschaftlichen Fragen sollte innerhalb und außerhalb des Parlaments gehört werden. Zweifellos besteht die Gefahr, daß die Bauern, wenn sie nicht Kaltblütigkeit bewahren, an anderer Leute Wagen gespannt werden. — Namentlich sollten sich die westdeutschen Bauern sehr vorsehen, daß sie nicht den o st preußischen Großgrundbesitzern die Kastanien aus dem Feuer holen und sich dabei selbst die Finger verbrennen.
Rücktrstt des Präsidenten der Dauernveremigang, Frhr. Kerkerinck.
Die Differenzen, die seft einiger Zeit rnnerhakb her Deutschen Bauernvereine bestanden, haben, wie
HnzeltiMiner 1V M (mit Mir. 15 M.) FuldaerZertung Anzeioer für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
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