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Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Ar. 13.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Dienstag, 17. Januar 1928.

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Der sechste Pan-Amerikanische Kongreß

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ie begonnen,

Die Revision des Sachverständigenplanes

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wdb. Berlin. 16. Jan. (B rivatinformation). Heute vormittag 10 Uhr begann in der Reichskanz­lei unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Marx die Konferenz der Ländervertreker, die sich mit den Fragen der Verwaltungs- und Versassungsreform beschäftigen soll. Die Ministerpräsidenten und die zuständigen Ressortminister der Länder sind voll­ständig erschienen, so daß etwa 100 Personen an den Verhandlungen teilnehmen. Zu Beginn der Konferenz hielt Reichskanzler Dr. Marx eine l ä n- gere Begrüßungsansprache. Man rech- net damit, daß die Verhandlungen mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen, wahrscheinlich aber so­gar bis Mitte der Woche dauern werden.

Am Montag nahm die Konferenz der LSnder- dertteter, die auf eine Verwaltungsreform abzielt, in Berlin ihren Anfang. Die Reichs­regierung will chre Bereitwilligkeit zum Ausdruck bringen, den Ländern, die die Last der Verwaltung allein nicht mehr tragen können, eine Hilfe da­durch zu gewähren, haß sie, falls das von den Ländern gewünscht wird, einzelne Verwal- tunaszweige übernimmt. Der Ai'

Wilson trotzdem in den Weltkrieg eintrat, tat er das mit der Bemerkung, daß ein deutscher Sieg die amerikanischen Interessen gefährden und da­mit der Monroe-Doktrin^ zuwiderlaufen würde, dieses poli--

Icchr fremde Basonette auf dem Boden des Landes verbleiben, das, trotzdem es unterlegen ist, jeden Gedanken an Rache preis gegeben hat und sich dem Werke des Friedens widmet.

Bertram, von der hessischen Regierung, vom Reichsminister a. D. Stingl, dem Oberbürgermeister

Bayerischer Hufruf.

DieMünchner Neuesten Nachrichten" veröffent­lichen unter der Ueberschrist:Der Kampf um Bayern" einen Aufruf, der von einer großen

DerBeginnderBerlinerLänderkonferenz

Eine bayerische Kundgebung.

Im Jahre 1823 hat der amerikanische Präsi­dent Monroe den Grundsatz aufgestellt, daß die europäischen Staaten kein Recht besäßen, auf dem amerikanischen Kontin-nt machtpolitische und kolonisatorische Entfaltung zu suchen. Diese Mon- roe-Doktr>n, wie sie genannt wird, ist seitdem die Grundlehre bei amerikanischen Machtpolitrk ge­worden S»e enthielt allerdings auch den Grund­satz, daß sich die amerikanische Politik nicht in eu­ropäische Streitigkeiten einmischen dürfe. Als

Wenige Fahre nach der Verkündigung tischen Grundsatzes haben die Versuch, Nord- und Südamerika nicht nur in der Abwehr europäischer Machtentfaltung, sondern auch in der autonomen Selbstaestaltung a ls Ein­heit zusammenzufassen und zu entwickeln. Die­sem Ziele bfenten auch die pan-amerikanischen Kongresse, deren 6. am 16. Januar stattfindet. Diese Kongresse haben immer unter dem politischen Rebergewicht Amerikas gestanden, was schon des­halb nahelag, weil Nordamerika einen geschlos­senen Staat darstellt, während die südamerikani- schen Staaten in sich uneins sind, in dieser ihrer Uneinigkeit natürlich nicht verhüten konnten, daß sich Amerika in ihre Streitigkeiten einmischte, und

finanzverwaltung statt. Dieser Gedanke braucht sich nach Ansicht der Reichsregierung nicht allein auf die Organe der Finanzverwaltung zu beschränken, sondern lasse sich auch noch auf andere Verwal­tungszweige erstrecken.

Ebenso wird die Reichsregierung Vorschläge hin­sichtlich der Beseitigung der Enklaven und Ex­klaven machen, und schließlich sollen bestimmte Sparsamkeitsmaßnahmen vorgeschlagen werden, die

bei den lateinischen Staaten das politische und wirtschaftliche Vordringen der Vereinigten Staa­ten am Pacific, insbesondere in Mexiko auf Nica­ragua nur mit Unwillen sieht. Die Folge ist, daß sich die lateinischen Staaten stärker zum Völ­kerbund in Genf hingezogen fühlen, also zu einer Einrichtung, die nach nordamerikanischer Auffas­sung in der Hauptsache europäischen Cha- ratter trägt. Das bedeutet nicht, daß die südame- rikanischen Staaten sich als die besonderen Freunde und Beschützer der zentralamerikanischen Republiken fühlten. Der Zug nach Europa ist für Südamerika gewissermaßen schon in dem Gefühl einer durch die gemeinsame Sprache begründeten Kutturverwandtschast gegeben.

Daß der amerikanische Präsident in so großer diplomatischer Aufmachung nach Havanna kommt, daß er so ostentativ die Gemeinsamkeit der pan­amerikanischen Interessen demonstriert, wird ge­wiß auf die mittel- und füdamerikanischen Staa­ten feinen Eindruck nicht verfehlen. Man kann wohl annehmen, daß dieser Schachzug eine Aus­gleichung schaffen wird gegenüber den Anträgen, die in gleichlautender Form einige latein-amerika­nische Staaten beschlossen haben sollen, wonach je­her Mitgliedsstaat der pan-amerikanischen Union, der sich in die Angelegenheit eines anderen ameri­kanischen Staates mit Gewaltmittel einmischt, sei es durch Gebietsbesetzung oder durch irgendeine andere Form einer bewaffneten Intervention, ohne weiteres feiner Mitgliedschaft verlustig gehen und die Verantwortung vor dritten Par­teien tragen solle. Dieser Beschluß gegen die In­terventionstaktik der Vereinigten Staaten in Mit­telamerika ist so hart und weitgehend, daß ihm ein Erfolg nicht in Aussicht gestellt werden kann. Er zielt letzten Endes auf die Auflösung Pan-Amerika ab, wenn er überhaupt ernst gemeint ist. Man kann zu der Protektionspolitik Washingtons in den mittelamerikanischen Staaten stehen wie man will, man kann insbesondere ihre Methoden ablehnen, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß gerade in Mittelamerika die ßebensintereffen des nord- amerikanischen Staates wie in ihrem Herzpunkt bloßgestellt sind.

Die amerikanischen Operationen in Nicaragua.

Die amerikanischen Operationen in Nicaragua gegen Sandino sollen vorzugsweise mit Hilfe von Flugzeugen fortgefichrt werden, da man befürchtet, das Marinekotps werde, falls es einge­setzt würde, in einen Hinterhalt geraten.

Bei dem Angriff eines Marineflug- zeuggeschwaders auf die Festung des Ge­nerals Sandino El Chipote, bei dem die Flug­zeuge teilweise Handgranaten benutzten, wurden

* Reichskanzler Dr. Marx, der langjährige Füh­rer des Zentrums, der Mann des Ausgleichs, der rschiitterliche Kämpfer für christliche Grundsätze öffentlichen Leben, ist am Sonntag 6 5 Iahre t geworden. Aus Anlaß dieses Geburtstages stattete ihm in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meißner der Reichspräsident v. Hinden­burg, der bereits vorher eine Blumenspende über­sandt hatte, um persönlich feine Glückwünsche zu übermitteln. Irn Anschlüsse an den Besuch des Reichspräsidenten überbrachten ihre Glückwünsche Reichstagspräsident Löbe und Vizepräsident Dr. R i e ß e r für den Reichstag, Exzellenz H e r g t mit dem Gefamtkabinett für die Reichsregierung, die Staatssekretäre Weismann, Exzellenz v. Prä­ger und Exzellenz Boden für den Reichsrat und Generaldirektor Dorpmüller für die Reichsbahn. Dem Reichskanzler gingen aus Anlaß feines 65. Geburtstages noch Glückwunschtelegramme zu von Reichsgerichtspräsident Dr. Simons, Kardinal

Zahl führender Männer aller Kreise unterzeichnet ist und für die Auftechterhaltung und Ausgestal­tung des bundesstaatlichen Charakters des Reiches eintritt.

In dem Aufruf heißt es u. a : Ohne eine gewisse wirtschaftliche Macht als Rückhalt ist eine eigene freie, im Heimatboden und in seiner Bevölkerung wurzelnde kulturelle Entwicklung und Blüte nicht möglich, und ohne eine gewisse politische bundes­staatliche Selbstbestimmung mit einer Gesetzgebungs­kompetenz und Finanzverwaltung ist eine ent­sprechend günstige Wirtschastsentfaltung auf Grund der eigenen Vorbedingungen des Landes und seiner Bevölkerung in Bayern und ähnlich in den anderen Bundesstaaten auch nicht möglich. Das ist der Kernpunkt des Problems. Nur auf dem Wege des Bundesstaatsgedankens wird die Einigkeit und na­tionale Einheit aller Deutschen gesichert einer bodenständigen, wirklichen Kultur int ganzen deut­schen Volke die Entwicklung ermöglicht und für eine unbegrenzte Heimat- und Vaterlandsliebe aller Deutschen die Grundlage geschaffen, und auch nur so bei wirklich bundesstaatlicher Struktur des Rei­ches und seiner Verfassung ist bann der Zusammen­schluß mit Deutsch-Oesterreich und die Wie­dergewinnung der verloren gegangenen deutsch­sprachigen Gebiete und des allgemeinen Ansehens Deuffchlands in der Welt möglich.

west schließlich die süddeutschen Staaten durchweg von Nordamerika wirtschaftlich und finanziell sehr abhängig sind.

Der 6. pan-amerikanische Kongreß findet auf Euba in Havanna statt. Während die südame­rikanischen Staaten durch Delegierte vertreten sind, die gewissermaßen nur eine zweite Garnitur dar­bieten, ist für Nordamerika Coolidge, das Staatsoberhaupt, selbst mit drei Kabinettsmit­gliedern und einem großen diplomatischen Stob zu diesem Kongreß gefahren. In der Hauptsache wird man wohl den Nicaragua-Fall erör­tern, der für die nordamerikanische Politik deshalb besonders bedeutend ist, weil sich in Nicaragua ge­wissermaßen die Vorvostenstellung des strategi­schen Verteidigungssystems der Vereinigten Staa­ten am Atlantischen und Stillen Ozean befindet. Es gibt aber noch eine Reihe anderer Fragen, de­ren Lösung Eoolidge anstreben muß, wenn diese Vorpostenstellung einigermaßen gesichert bleiben soll. So z. B. die zwischen Chile und Peru spielenden Streitfragen um den Besitz von Tacna und Arica. Dann aber wird Eoolidge auch daran liegen, das amerikanische Gefühl bei den südameri­kanischen Staaten, d. h. das Presttge der Monroe- Doktrin in Südamerika selbst zu stärken. Es be­steht eine gewiffe Rivalität zwischen Süd- und Nordamerika, die ihren Grund dann hat, daß man

einfach anwendbar. Aus der Weiterentwicklung öffentlicher Verausgabungen und Kreditbeanspruch­ungen wird bald offenbar werden, ob wirklich Re­formen durch geführt worden sind oder nicht.

Naturgemäß ist es bei der Urteilsbildung er­forderlich, nicht nur den innewohnenden Schwierig­keiten der etwa in Betracht kommenden Fragen in­terner Art, sondern auch den innewohnenden Schwä­chen jedes Schutzsystems Rechnung zu tragen. So wirkt z. B. gerade das Vorhandensein des Trans­ferschutzes in der Richtung, die deutschen öffent­lichen Stellen vor einigen Folgen ihrer eigenen Taten zu bewahren, während andererseits gleich­zeitig die Ungewißheit über den Gesamtbetrag der Reparationsverbindlichkeiten unweigerlich überall in Deutschland dahin wirkt, den normalen Antrieb da­zu zu verringern, diejenigen Dinge zu tun und diejenigen Reformen durchzuführen, welche offen­sichtlich im eigenen Interesse des Landes liegen würden.

Die Sachverständigen betrachten das von dem Plane eingesetzte Schutzsystem als ein Mittel, ein dringendes Problem der Lösung zuzuführen und praktische Ergebnisse zu erzielen. Die einzige Alter- native hierzu ist die endgültige Festsetzung der Re- varationsverbindlichkeiten Deutschlands auf einer absoluten Grundlage, welche keinerlei Ausmaß von Transferschutz in Bettacht zieht. Die Sachverstän­digen haben nicht angegeben, wann ihrer Meinung nach bei fairer Berücksichtigung der Interesse aller Beteiligten eine solche Regelung möglich fein würde.

........ Infang fei

zwischen dem Reich und Thüringen gemacht. Hier finden Verhandlungen wegen der Uebernahme eines Teiles der S t e u e r v e r w a l t u n g auf die Reichs-

u. a. den Zustand der Doppelkompetenzen beseitigen sollen Weiter berichtet dieVoss. Ztg.", daß Staatssekretär Pünder, der auf Seiten der Reichs­regierung sich um die Vorbereitung der Länder- konserenz bemüht hat, gezwungen ist, den Ver­handlungen fern zu bleiben, da er an einer Blind­darmreizung erkrankt ist. Neben den einzelnen Staatssekretären wird auch der Reichssparkommis- far Samisch an den Verhandlungen teilnehmen.

Zu der Konferenz werden etwa 100 Teilnehmer erwartet. Der Reichskanzler wird die Tagung mit einer Ansprache eröffnen; sodann werden die Haupt­referate erstattet. Mittags sind die Teilnehmer Gäste des Reichskanzlers. Am Nachmittag werden entweder die Verhandlungen in Form einer Dis­kussion fortgesetzt oder die Korreferate erftattet. Abends sind die Teilnehmer zum Reichspräsidenten

Dr. Strefemann an die (Engländer.

Sunday Chronicle veröffentlicht einen Artikel Dr. Stresemanns, worin es unter anderem heißt:

Niemand im heutigen Deutschland kämpft f ü r die Wiederherstellung der alten Ord­nung der Dinge. Die Irrtümer und Schwächen dieser alten Ordnung liegen offen zu Tage. Was ober große Telle des Volkes im neuen Deutschland verlangen, ist, daß das, was groß und ehrwürdig im alten Deutschland war, Achtung genieße. Wei­ter heißt es in dem Aufsatz: Für mich bedeutet Locarno einen Zustand dauernden Frie­dens am Rhein, der begründet ist auf der feierlichen Verpflichtung der beiden großen benach­barten Nationen, auf den Gebrauch von Gewalt zu verzichten, eine Verpflichtung, die von anderen Nationen verbürgt wird durch das Versprechen, derjenigen von beiden Nationen, die trotzdem Opfer einer Gewalttat werden sollte, mit den Waffen zu Hilfe zu kommen. Dieser Gottesfriede, der für ein Gebiet geschlossen wurde, das während Iahrhun- rerten von Kriegen verwüstet wurde, kann und sollte zum Grundstein der Zusammenarbeit zwi- chen diesen beiden Mächten beim Werk der För­derung des Friedens werden. Aber eines muß ge­egt werden: Die Vorkämpfe dieser Ideale wer­den schließlich nicht siegreich fein, wenn Jahr für

Der Jahresbericht des Generalagenten für Repa­rationszahlungen liegt nunmehr im Wortlaut auch bei dm politischen und parlamentarischen Stellen vor. Der Bericht hat seine besondere Bedeutung deshalb, weil darin zum ersten Male der Repara­tionsagent sich über den Sachverständigenplan, den sogenanntm Dawesplan, und seine Ausführung durch Dmtschland auseinander setzt. Diese Mittei- lungen werden noch in der kommenden politischen und parlamentarischen Debatte eine große Rolle spielen. Es erscheint uns deshalb notwendig, sie einer breiteren Oefffentlichkeit zu übergeben. Die grundlegenden Jdeengäuge des Planes selbst und die Auswirkungen schildert der Reparationsagent folgendermaßen:

Der Plan entstand vor nahezu vier Jahren, als die Sachverständigen zusammenberufen wurden, um das dringende praktische Problem, das damals vorlag, zu, lösen. Deutschland, war nach einer Jn- flationsperiode ohnegleichen im Begriffe zusam- mmzubrechen. Keinerlei Reparationen wurden be­zahlt; die Aussichten auf künftige Zahlungen schwanden schnell dahin. Bei dem damaligen Zu­stande der Verwirrung und des Durcheinanders war es möglich, bezüglich des Betrages der Repara- tionsverbindlichkeittn Deutschlands zu irgendeiner endgültigen Entscheidung zu gelangen, ohne, wie die Sachverständigen sich ausdrückten, Gefahr zu laufen, einerseits sieauf einen so geringen Be­trag festzusetzen, daß dies für Deutschlands Gläu- btger durchaus unannehmbar und für Deutschland selbst unverantwortlich günstig fein würde", ober andererseits sie willkürlich ohne Berücksichttgung des Wirffchastsüberschusses Deutschlands und so fe;tzusetzen, daß die Einlösung der Verbindlichkeit "Unkontrollierten Geschehnifsm ohne jede mögliche Rücksicht auf Währungsschwierigkeiten" überlassen bleiben würde, dergestalt, daßkünftige Unstabili­tät und künftiges Unheil", herausgefordert wür- den. Demzufolge nahmen die Sachverständigm da­von Abstand, den Gesamtbettag der Reparations- schuld festzusetzen, und beschränkten sich darauf, die Beträge der von Dmtschland alljährlich zu be­wirkenden internen Zahlungen, anfangend mit einem Jahresbetrag von 1000 Millionen Goldmark im ersten Jahre und stufenweise bis zu einem Jahres­betrag von 2 500 Millionen in dem mit dem 1. September 1928 beginnenden fünften oder soge­nannten Normaljahr ansteigend, festzusetzen.

Die Sachverständigen betonten, die schwierigere und einer vorherigen Beantwortung am wenigsten zugängliche Frage bestehe darin, in welchem Um­fang diese internen Zahlungen mit Bestimmtheit Jahr für Jahr zum Nutzen der Gläubigermächte in fremde Valuten übertragen werden könnten. Diese Frage, die als die Transferfrage bekannt geworden ist, hat der Plan dem Transferkomitee zur Lösung anverttaut; dieses Komitee besteht aus fünf Mitgliedern, die Angehörige der alliierten und assoziierten Hauptländer find, mit dem Gene­ralagenten für Reparationszahlungen als er-offi- cio-Präsidenten. Diesem Komitee übertrug der Plan die Verantwortung dafür, einerseits an die Gläu­bigermächte die größtmöglichen Uebertragungen von Reparationszahlungen zu bewirken und andererseits diese Uebertragungen ohne Beeinträchtigung der Stabilität der deutschen Währung vorzunehmen.

Dies hätten sie in der Tat auch nicht voraussehrn können; aber sie habm den Plan gekennzeichnet als dazu bestimmt,eine Regelung herbeizuführen, die sich in ihrer Anwendung auf einen genügend langen Zeitraum erstrecke, um das Vertrauen wie- derherzustellen", und sie hatten die Ueberzeugung. daß ergeeignet fei, ein endgültiges umfassendes Abkommen über alle Reparations- und verwandten Fragen zu erleichtern, sobald die Verhältnisse dies ermöglichen". Noch immer befinden wir uns in der Erprobungszeit. Bevor es möglich ist, die erforderlichen Urteile zu fällen, ist weitere Erfah­rung unerläßlich. Vertrauen im allgemeinen Sinne ist aber bereits wieder hergestellt; der Beweis da­für liegt in mannigfacher Richtung vor. Dieses Vertrauen bildet in der Tat einen der Hauptfak­toren, auf die man sich bei der Herbeiführung einer beiderseitig befriedigenden Regelung, wenn dafür die Zeit gekommen sein wird, wird stützen müssen. Und mit dem Fortschreiten der Zeit und mit der Zunahme der prattischen Erfahrung wird es immer klarer, daß weder das Reparationsproblem, noch die anderen davon abhängenden Probleme ihre endgültige Lösung finden werden, bevor nicht Deutschland eine bestimmte Aufgabe gestellt worden ist, die es unter eigener Verantwortung ohne aus- ländische Ueberwachung und ohne Transferschutz zu erfüllen hat. Dies ist, glaube ich, die hauptsäch­lichste Lehre, die man aus den verflossenen drei Jahren zu ziehen hat; sie sollte allen Beteiligten bei der weiteren Durchführung des Planes stets gegenwärtig fein."

Gleichzeitig forderte der Plan die Reichsregierung und die Reichsbank dazu auf, die Arbeit des Transferkomitees bei der Uebertragung von Gel­dern in jeder in ihrer Macht stehenden angemesse­nen Weise zu erleichtern, einschließlich derjenigen Maßnahmen, die zu einer Kontrolle der Devisen­kurse beitragen würden, und sah gegen irgendwelche verabredeten Finanzmanöver", die vielleicht zwecks Hintertreibung der Uebertragungen unternommen werden sollten, gewisse Sicherungen vor. Er setzte keinerlei allgemeine Kontrolle über Deuffchlands Einnahmen und Ausgaben ein, schuf aber in Ge­stalt der verpfändeten Einnahmen und der Be- iaftung der deutschen Reichsbahn und der deut­schen Industrie besondere Sicherheiten und sah eine gewisse ausländische Beteiligung auf diesen Tätigkeitsgebieten in Deutschland vor.

Der Sachverftändigenplan schuf alfo ein Schutz­system, welches die deutsche Währung vor der Ge­fahr der Unstabilität infolge übermäßiger Reparcr- tionSübertragungen zu bewahren, andererseits die größtmöglichen Uebertragungen für die Gläubiger­mächte sicherzustellen bestimmt war, ohne jedoch gleichzeitig letztere in irgendeine allgemeine Kon­ttolle über Deutschlands Angelegenheiten zu ver­stricken. Der Transferschutz selbst setzt indessen voraus, daß Dmtschland seinerseits alles in sei­ner Macht Stehende tun wird, um die Uebetira- gungen zu erleichtern. Der Plan zielte, mit an» deren Worten, darauf hin, das Reparativnspro- blem gemäß einem Programm, welches, wie die Sachvefftändigen seinerzeit sagten,sich den tat­sächlichen Verhältnissm anpaßt", der Erprobung durch prattischer Erfahrung zu unterwerfen. Für diese Auffassung ist es von grunblegenber Wich­tigkeit, daß die Reichsregierung eine satte Erpro­bung des Planes gestattet, und daß sie, während die Probe vor sich geht, selbst in der Führung ihrer Angelegenheit Vorsicht walten läßt, und ihre Mit­tel und ihren Kredit nicht durch übermäßige Aus­gaben und übertriebene Geld aufnahmen der öffent­lichen Hand vergeudet. Dies war int wesentlichen die These meines Memorandums an die Reichs­regierung vom 20. Oktober 1927; sie bleibt die einzige Grundlage, auf der es möglich ist, das von dem Plane beabsichtigte Transferschutzsystem durch­zuführen. In ihrer Antwortnote auf das Memo­randum hat die Reichsregierung feierliche Zu­sicherungen über ihre Absicht gegeben, alles ,was in ihrer Macht steht, zur Erfüllung ihrer Ver­pflichtungen auf Grund des Planes zu tun, und hat mit gleicher Feierlichkeit erklärt, sie habe die Möglichkeiten des Transfer nicht künstlich be­schränkt und habe auch keinerlei Absicht, dies zu tun. Für die Zukunft geben diese Erklärungen der Reichsregierung eine Grundlage dafür ab, mit der Erprobung durch praktische Effahrung, wie sie von dem Plane gedacht ist, fortzufahren. Es ist ermutigend, daß die Regierung bereits einige Maß­nahmen mit Bezug auf die Finanzreform getroffen hat. Die wirkliche Antwort hängt von den daraus sich ergebenben prattischen Ergebnissen unb von dem Ausmaße ab, in dem es Deutschland gelingt, die so allgemein in die Erscheinung getretenen Tendenzen übermäßigen Geld ausgebens und über­mäßiger Kreditbeanspruchung in ihr Gegenteil zu verkehren. Glücklicherweise ist diese Probe relattv