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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. 11.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher BezuasprelS 1.80 Mk.

Samstag, 14. Ianuar 1928.

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55.Zahrg.

Englische Nachwahlen.

Die Amtsperiode des konservativen Kabinetts Baldwin in England hat inzrvischen 35 Nachwahlen gezeitigt, wobei die Konservativen 7 Mandate ver- loren haben. 6 davon sind an die Arbeiterpartei entfallen, eines an die Liberalen. Dieses Ergeb­nis gestattet bereits eine gewisse Mutmaßung über die Aussichten, welche diese drei englischen Parteien bei den kommenden Unterhauswahlen haben wer­den. Im Allgemeinen sind die Verschiebungen der Wählerstimmen bei den voraufgegangenen Nach­wahlen größer gewesen als bei derjenigen, die am Dienstag in Northampton stattgefunden hat, wo die Konservativen gegenüber dem Ergebnis von 1924 etwa 1500 Stimmen verloren haben, wovon die Arbeiterpartei und die liberale Partei aber nur rund je 100 Stimmen gewannen, während etwa 1100 Stimmen einem unabhängigen konservativen Kandidaten zufielen. Wenn auch der Kandidat der Arbeiterpartei dieses Mal dadurch, daß er rund 600 Stimmen mehr als der konservative Kan­didat bekam, als Sieger hervorging, so ist die Ver­schiebung im ganzen genommen, doch sehr gering­fügig unb erweckt den Eindruck, daß sich der Zorn gegen das konservative Regiment in letzter Zeir etwas gelegt hat. Nach diesem Wahlresultat zu schließen, ist also gar nicht sicher, daß die konser- vattve Mehrheit des Unterhauses allzu gewaltige Einbußen erleiden wird, wenn auch berücksichtigt werden muß, daß infolge der besonderen Form des englischen Wahlverfahrens, das nur einen Wahlgang kennt und den relativ stärksten Kandi­daten zum Sieger macht, es möglich wird, daß be­reits ganz geringe Verschiebungen zwischen dem Kandidaten mit der höchsten Wahlstimmenziffer einen vollständigen Wandel in der Zusammen- fefjung des Unterhauses zur Folge haben können.

Was ist es eigentlich, was ein großer Teil des englischen Volkes der jetzigen konservativen Re­gierung zum Vorwurf macht? Man darf zunächst nicht vergessen, daß das Zustandekommen des Ka­binetts Baldwin, also der konservative Sieg bei den Oktoberwahlen 1924, seinen eigentlichen Grund in einer wilden Angst vor derRoten Gefahr" hatte. Es war ein Sinowjew-Brief bekannt ge­worden, der höchstwahrscheinlich eine Fälschung darstellt, aus dem gewisse Andeutungen zu entneh­men waren über ein Komplott und über hochver- röfprifAe Propaganda in Armee und Marine. Diese Angst vor einer Dalschewisierung der eng­lischen Politik veranlaßte die panikartige Flucht aus der Arbeiterpartei und auch aus den Reihen der Liberalen, die sich in der Aera Mac Donald mit der Arbeiterpartei verbunden hatten. Von die­ser Angststimmung hat man sich inzwischen erholt, wenn auch das Kabinett Baldwin auf Drängen seiner rechtsradikalen Mitglieder versucht hat, ihr weitere Nahrung zu geben. Der schwerste Vorwurf, den man gegen das Regime Baldwin erhebt, be­steht darin, daß es seine Soarsamkeitsversprechun- gen nicht erfüllt hat. Der Finanzminister im Ka- binett Mac Donald war mit einem Budget von 793 Millionen Pfund ausgekommen. Sein Nachfolger Churchill aber hat trotz seiner Sparsamkeitsver- jsprechungen im Jahre 192526 den Ausgabenetat auf 826 Millionen und im nächstfolgenden Jahr tauf 842 Mill. Pfund erhöhen müssen. Dabei sind an­geblich durch die notwendigen Steuern am meisten diejenigen Landlrezirke getroffen worden, die von -Arbeitslosigkeit und Armut am schlimmsten heim­gesucht würden. Die Arbeitslosigkeit ist ija seit Jahren außerordentlich hoch in England, aber die gewaltigen Streiks in den Bergwerks­distrikten haben die Armut noch erheblich verschlim­mert. Sehr wichtige Haushaltsgegenstände sind auch durch die Schutzzollpolitik Churchills betroffen worden. Am meisten wurde die Aus­gabenerhöhung durch die R ü st u n g s- und Kriegspolitik des Baldwin-Kabi­netts veranlaßt. Dann aber hat auch die völlig systemlose Wirtschaftspolitik den Staatssäckel schwer in Anspruch genommen. Im Sommer 1925 hatte Baldwin, um einen Konflikt in der Bergwerks­industrie zu vermeiden, den Zechenbesitzern Subven­tionen in Höhe von 24 Millionen Pfund zukommen lassen. Er hat die Schwierigkeiten, die damals be­standen, damit aber nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Die Zwischenzeit hätte er dazu benutzen müssen, um die wirtschaftliche Neuorgani- sation der englischen Kohlenproduktion durchzufüh­ren für die eine eigens von der Regierung eingesetzte Kommission wohl überlegte Richtlinien ausgear­beitet hatte. Aber unter dem Druck der Zechen­besitzer und des von durchaus feudalen Anschau­ungen beherrschten rechten Flügels der Konservati­ven. schob Baldwin d'e ganze Arbeit dieser Kom­mission beiseite, so daß der im Jabre 1925 vermie­dene Konflikt in der Bergbauindustrie im nächsten Jahre ausbrach.

Dieser Streik war mit einem allgemeinen Ge­neralstreik der Gewerkschaften eingelestet worden» der aber nach drei Tagen zusammenbrach. Dieses Ereionis hat dem konservativen Kabinett Ver­anlassung gegeben, ein Antigewerkschafts­gesetz auszuarbeiten, das die Befugnisse der Ge­werkschaften sehr beschnitt und vor allem ihre in­nige Verbindung mit der Arbeiterpartei lockerte. Nach mancherlei Kämpfen im Unterbaus ist diese Vorlage Gesetz geworden, aber die Arbeiterpartei hat sich deshalb nicht in eine ausgesvrochene Klas­senkampfstellung gegen das Unternehmertum hin- einbegebrn, sondern auf ihrem nächsten Parteitag einem Wirtschaftsprogramm zugestimmt, dessen Grundgedanken die wirtschaftliche Zusammen- arbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorsieht. Ein sehr interessanter Vorgang, der als die Verwertung einer Erfahrung der Arbeiter­partei aus den letzten Wahlkämpfen und Streitbe- wegnngen anzusprechen ist. Das Verhalten dec Regierungsmehrheit bei den von dem amerikani­

schen Präsidenten einberufenen Se e a b r ü st ungs- k o n f e x e n 5 e n hat in den konservativen Kreisen selber starke Mißstimmung geweckt. Von hierher datiert der Stimmenzuwachs der liberalen Partei. Die Wirkungen ihrer Politik, insbesondere ihrer Außenpolitik, haben in der letzten Zeit zu einer gewissen Kursänderung geführt. Der Außenmini- ster Chamberlain scheint seit einigen Mo­naten eine größere Aktivität zu entfalten, um Frie­densgarantien in möglichst breitem Umfange durch- zusetzen. Es ist möglich, daß das die Chancen der Konservativen Partei wieder verbessert, es ist mög­lich, daß der verhältnismäßig geringe Stimmen­verlust der letzten Nachwahlen in Northampton auf diese Kursänderung bereits zurückzuführen ist.

Zum englischen Jnduslriefrieden.

In London trat die von dem Großindustriellen Sir Alfred Mond angeregte erste Konferenz zwischen Vertretern der englischen Industrie und Vertretern des Generalrates der englischen Gewerkschaften zur Herbeiführung des Jn- dustriefriedens zusammen. lieber das Ergebnis der mehr als vierftündigen Sitzung äußerte sich der Vorsitzende des Gewerkschaftskongresses Ben Turner sehr befriedigt, während der durch seine radikalen Tendenzen bekannte Arbeiterfüh­rer Cook die Konferenz als eine Komödie bezeich­nete. Cook beklagte sich vor allem darüber, daß er von verschiedenen seiner Kollegen auf der Kon­ferenz in schamloser Weise angegriffen worden fei. Offiziell ist über die Sitzung nichts bekannt gege­ben worden.

zu erkannt werden müsse, will das Zentrum aus triftigen Gründen nur eine Schonftist von 5 oder 10 Jahren zu gestehen. Nach Ablauf dieser Frist müsse dann durch Antrag der Erziehungsberechtig­ten die Simultanschule umgewandelt werden können.

In welcher Form dieses Problem gelöst werden wird, kann heute noch nicht gesagt werden. Zunächst wird sich der Bildungsausschuß mit der bereits ge­klärten Materie befassen, der Jnterftaktionelle Aus­schuß der Regierungsparteien wird erst in einigen Tagen wieder zusammentreten, um die letzten Diffe- rmzpunkte aus der Welt zu schaffen.

«

Der Kirchensenat der evangelischen Kirchen der altpreußischen Union erörterte in seiner ersten dies­jährigen Sitzung u. a. auch die Frage der Reichs­schulgesetzgebung. Der Senat hält die baldige Verabschiedung des Gesetzes für dringend notwendig, und setzt sich nachdrücklich für die Erhaltung der evangelischen Schule ein.

Besuch des Königs von Afghanistan in Rom. Der Papst empfing den König von Afghanistan in einer viertelstündigen Audienz. Der König stattete hierauf dem Kardinal Gasparri einen Besuch ab, der den Besuch im Grand Hotel erwiderte. Der Papst verlieh dem König die Kette des Ordens vom Goldenen Sporn, während der König dem Kardinal eine hohe afghanische Ordensauszeich- nung verlieh. Am Nachmittag besuchten der König und die Königin von Afghanistan die St. Peters- Kirche und die vatikanischen Museen.

Graf Westarp gegen vorzeitige Wahlen

Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volks­partei, Gras Westarp, hielt in einer Ver­sammlung des Kreisvereins Kassel eine Rede, in der er den Standpunkt der Deutschnationalen Volkspartei dahin kennzeichnete, daß der Anspruch auf die Räumung des besetzten Gebietes unbedingt und unbegrenzt sei ohne Kompensationen. In der Frage der Kriegsschuld habe dieses Jahr, abgese­hen von der Tannenbergrede des Reichsvräsiden- ten, keine Erfolge gebracht. Artikel 132 des Ver­sailler Vertrages müsse aus der Welt geschafft werden. Bei Erwähnung der Sicherheitsverträge und Nichtang.rifisvakte wandte sich der Redner, ent­schieden gegen ein Ostlocarno und schilderte die Enteignung der Deutschen in Polen, die auch nach der Besitzergreifung von Danzig und Ostpreußen strebte! .

Wir müssen im Sommer, so fuhr der Red­ner fort, eine verhandlungsfähige R e - gterung haben. Das könne nicht erreicht wer­den, wenn vorher gewählt werde. Die jetzige Koalition habe sich aufeinander eingestellt, und

werde sich weiter auseinander einstellen. Die Deutschnationalen seien gewillt, den christlichen Charakter der Simultanschulen nach Möglichkeit zu schützen. Der Redner schloß, die Deutschnatio­nale Völkspartei sei geneigt, vertrauensvoll mit dem Bunde zur Erneuerung des Reiches zusam­menzuarbeiten. Die Deutschnationale Volkspartei lehne aber den Gedanken eines unitarischen Ein­heitsstaates mit Entschiedenheit ab, ebenso die Um­wandlung Preußens in ein Reichsland. Für eine Stärkung der Gewalt des Reichspräsi­denten sei einzutreten und neben dem Absolu­tismus die PsrlaMNtsherxschaft der Parteien zu bekämpfen. Beseitigung bis Dualismus zwischen Reich und Preußen durch Herstellung der Perso­nalunion zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Ministerpräsidenten sei zu erstreben. Der Reichsvräsident müsse gleichzeitig preußischer Staatspräsident sein. Für die Seutfdynationale Völkspartei müsse das Ziel gelten, nach wie vor im Reich und in Preußen mit in der Regierung tätig zu sein.

Fortschritte beim Schulgesetz.

Allmählich darf man wohl sagen, daß das Rau­nen im linksgerichteten Blätterwald übet unüber­windliche Schwierigkeiten, Koalitionskrise, Reichs­tagsauflösung wegen des Schulgesetzes und über all die anderenBefürchtungen" aufhört. Denn an­gesichts des Ergebnisses im Interfraktionellen Aus­schuß der Regierungsparteien dürften die Gegner des Reichsschulgesetzes doch einsehen, daß ihnen die für die parteiattische Agitation hergerichteten Felle bereits zum größten Teil weggeschwommen sind.

In der Hauptsache handelte es sich, tote schon mehrfach betont worden ist, um die Bereinigung von zwei Differenzpunkten, nämlich um die kirch­liche Einsichtnahme in den Religions­unterricht und um die Beibehaltung der Simul­tanschulen in einigen Ländern. Nach den am Mitt­woch von den Vertretern der Regierungsparteien getroffenen Vereinbarungen wird den kirchlichen oberen Stellen das Recht der Einsichtnahme in den Religionsunterricht eingeräumt. Die Deutsche Volks­partei wollte bekanntlich von der geistlichen Schul­aufsicht Überhaupt nichts wissen, weil in ihren Krei­sen die Meinung vertreten war, durch die Bestim­mungen des Entwurfes zum Reichsschulgesetz solle die 'Schulaufsicht der Vergangenheit wieder zu neuem Leben erweckt werden. Wie man sieht, lag dies nicht in der Absicht des Zentrums. In der Zentmmsftaktion vertritt man vielmehr die Auf- fassung, daß ein geordneter Religionsunterricht nur dann gewährleistet ist, wenn die berufenen kirch­lichen Instanzen das Recht der Nachprüfung haben; die alte Schulaufsicht hatte man hierbei jedoch nicht im Auge. Offenbar hat sich die Deutsche Volkspar­tei dies im letzten Moment auch klar gemacht. Das Zentrum hat immer wieder seinen Willen zur Verständigungsbereitschaft betont. Ein Zurückwei­chen von grundsätzlichen Forderungen kam jedoch niemals in Frage. Die Vertreter des Zentrums ließen ja auch bei den Verhandlungen keinen Augen­blick die Vermutung aufkommen, daß sie sich von ihrm Grundsätzen etwas abhandeln lassen tonn­ten. Somit kann gesagt werden, daß durch ein in den Grenzen des prinzipiellen Standpunktes ge­haltenes Entgegenkommen der beiden widerstrri- tenben Anschauungen eine Lösung gefunden wor­den ist, die uns zu beliebigen vermag. Praktisch wird sich bie Einsichtnahme in den Schulunterricht vielleicht derart auswirken, daß die Bischöfe einige Geistliche, die in einer höheren Rangstufe stehen, beauftragen werden, Stichproben an den einzelnen Schulen vorzunehmen.

Noch keine Einigung konnte über die Frage der Simultanschulen erzielt werden. Der Streit dreht sich hier um die Frage, wie lange die Simul­tanschulen in Ländern, wo sie eingeführt sind, be­stehen bleiben sollen. Während die Deutsche Volks­partei hartnäckig bei ihrer Forderung verharrt, daß den Simultanschulen dort, wo sie geschichtlich geworden feien, ein zeitlich unbegrenzter Schutz

wachsende Arbeitslosigkeit.

In der Arbeitslosenversicherung stieg die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsberechtigten vom 15. Dezember bis zum 31. Dezember 1927 von etwa 709 000 auf 1037 000, also um 46.3 v. H. während die Zahl der weiblichen Hauptunterstüt­zungsempfänger nur um 24.4 v. H. zunahm (von 121800 auf 151500). In der Krisenunterstützung stieg die Zahl der männlichen Kauvtunterstützungs» emvfänger von 141000 auf 177 000 oder um 25.4 v. H., die Zahl der weiblichen Hauptunterstützungs­empfänger von 30 400 auf 34 400 oder um rund 13 v. H. _______

* Dr. Wirth in Paris. Der frühere Reichs­kanzler Dr. Wirth ist zu einem Aufenthalt von kürzerer Dauer in Paris eingetroffen. Schon lange beabsichtigte Dr. Wirth, die Beziehungen, die er bei Gelegenheit feiner letzten Amerikareife mit den französischen Teilnehmern am Kongreß bet in« terpartamentarifdjen Union in Was­hington und Otava angeknüpft hatte, wieher auf­zunehmen unb sich zugleich Einblicke in die äugen- blickliche politische Atmosphäre Frankreichs zu ver- schaffen. Irgendwelche offizielle Missionen liegen der Reise Wirths nicht zugrunde.

pariser Nommunisten-Vebatte.

In der französischen Kammer wurde über die Verfolgung der kommunistischen Abge­ordneten verbandelt. Zwei von den fünf ver­folgten kommunistischen Abgeordneten waren zur Sitzung erschienen, um die Sache der Kommunisten zu vertreten. Nach der Sitzung wurden sie beim Verlassen des Saales verhaftet und müssen jetzt die über sie verhängte Strafe verbüßen. Die übrigen Abgeordneten, die verurteilt worden sind, konnte man bis jetzt nicht fassen. Poincare stellte die Vertrauensfrage. Die Kommu­nisten und Sozialisten und auch erhebliche Teile der im Kabinett durch Herriot vertretenen Radikalen stimmten gegen das Kabinett. Es blieb aber in der Mehrheit.

Firm und Flotte.

Aus New Pork wird gemeldet: Die Lichffpiel- beater, in welchen der Film rollt, der das neue FlugzeugmutterschiffSaratoga" auf dem Wege nach dem Stillen Ozean über Panama zeigt, er­hielten gestern abend den Befehl, einige Teile die­ses Filmes herauszuschneiden. Cs handelt sich insbesondere um Fliegeraufnahmen, auf denen das weite für 83 Flugzeuge Raum bietende Deck der Saratoga" zu sehen ist. Die Beamten des Ma­rinedepartements in Washington behaupten, von dem Befehl nichts zu wissen, geben jedoch zu, daß dem Departement solche Flisgeraufnahmen nicht erwünscht sind.

Um Mt Sechtmig bes Krieges.

Kelloggs Antwort auf Briands Vorschlag. kein Sondervertrag zwischen Amerika und Frankreich.

In der von Kellogg nach längerer Besprechung mit Borah verfaßten Antwort an Driand wird . ausgeführt, daß das Staatsdepartement Briands Gegenvorschlag übet einen Kriegsverzichtsvertrag in zwei Punkten nicht zu stimmen könne. Er­stens halte es den gleichzeitigen Abschluß eines solchen Vertrages mit Deutschland, Eng­land, Italien und Japan für eine we­sentliche Bedingung. Das Staatsbcparte- ment verspreche sich keinen Vorteil davon, wenn zunächst nur Amerika und Frankreich diesen Ver­trag unterzeichneten und erst bann den anderen Staaten den Beitritt nahelegen würden, da dieser Weg die Gefahr in sich berge, daß die anderen Staaten mit dem Wortlaut nicht einverstanden fein könnten. Dadurch würde das Vertragswerk erschwert oder ganz unmöglich gemacht.

Zweitens stelle Briands Beschränkung auf einen Angriffskrieg eine fo starke Einengung des ursprünglichen Plans bar, daß dessen Zweck i l l u s 0 r i sch werde. Amerika schlage daher vor, man solle auf der Basis des ursprünglichen Vor- schlages Briands gleichzeitig mit den genannten Staaten in Verhandlungen eintreten.

Der Inhalt der Antwort ist eine weitere Be- ftätigung für die hier immer wieder dargestellts Politik, daß die Regierung der Vereinigten Staa­ten und der Senat keinen Sondervertrag mit Frankreich abschließen und ihm keine Sonderstellung vor den anderen europäischen Großmächten, unter die auch Deutschland zähle, einräumen wolle. Man nimmt in politischen Krei­sen an, daß die Verhandlungen über einen Kriegs- Verzichtsvertrag keine sehr schnellen Fortschritte machen, sondern an Bedeutung hinter den kürz­lich geschilderten Schiedsvertrag zurücktre. ten werden.

Sofortige französische Antwort an Kellogg.

totb. Paris, 13. Jan. (Eig. Funkm.) DerPetit Parisien" will auf Grund von Auskünften an zu- ständiger Stelle mitteilen können, daß die fran­zösische Antwort auf die gestern eingetroffene Note Kellogs wahrscheinlich bereits heute nach Washing­ton telegraphiert und morgen veröffentlicht .verde«'würde. -

rotb. Washington, 13. Jan. (Eig. Funkm.) An. Freitag fährt Präsident Eoolidge mit seiner Gat­tin zum 6. panamerikanischen Kon­greß in Havanna ab, wo Präsident Ma­ch ado am Sonntag abend zu seiner Begrüßung ein Festesten veranstaltet. Am Montag wird Präsi­dent Eoolidge eine Ansprache an den panameri­kanischen Kongreß halten, die jedoch, wie hier ver. sichert wird, keine aktuellen politischen Fragen be­rühren, sondern lediglich die Zusammengehörigkeit der Republiken der westlichen Halbkugel betonen wird. Man hofft, daß diese erste Auslands­reise C 0 0 l i d g c 3, die die Freundschaft der Vereinigten Staaten zu den Schwesterrepubliken bezeugen soll, in Latein-Amerika ein guter Echo finden werde.

Der Heim und der Lutherbund. Nach Blöd termeldungen aus München hat der Vorsitzende des Bundes zur Erneuerung des Reiches, Reichs­kanzler a. D. Dr Luther, während feines Mün­chener Aufenthalts auch eine Unterredung mit Ge­heimrat Dr. Heim gehabt. Dr. Heim soll sich im Gegensatz zu dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held der Neugründung gegenüber nicht ab. lehnend verhalten haben. DieVossische Zei­tung" sagt, daß die Unterstützung des Bundes durch den Bauernführer gesichert sei, und zwar deshalb, weil Heim darin ein Zugeständnis dafür sieht, daß die Weimarer Berfassung allgemein als verbesserungsbedürftig betrachtet werde. Nach derD. A. Z." habe Dr. Heim in der Luther- scheu Gründung eine Art Sammelruf erblickt, den die bayerische Völkspartei nicht überhören dürfe. Ex fordere deshalb die Partei zur Mitarbeit auf.

England über Oesterreichs Wirtschaft. In einem Bericht des Departements für Ueberseeb anbei über die Wirtschaftslage Oesterreichs heißt eS: Oesterreich, das vor ungefähr einem Jahre noch als das kranke Kind EurovaS bezeichnet wurde, be­findet sich jetzt in einem Zustande der G en e- fung, und es scheint keine Gefahr eines plötzlichen Rückfalles zu bestehen. Besonders ist die Erholung der Staatsfinanzen bemerkbar. Ein hohes Lob für den Staatsmann Dr. Seipel.

* Verhaftung eines Attentäters im Belgrade' Parlament. Aus Belgrad wird gemeldet: Di« Parlamentspolizei hat unter aufregenden Umstän> den einen aus Montenegro stammenden Buch^in- bergefeCen namens Djurowitfch, ber mit einem Re­volver bewaffnet einen Anschlag auf bas Leben des montenegrinischen Abgeordneten und früheren montenegrinischen Ministerpräsidenten Andre Ra- dowitsch verüben wollte, ve r h a f t e t. Diuro- witsch, der vorbestraft ist, erklärte, aus persönlichen Gründen gehandelt zu haben.

* Lin deutsches Flugzeug in Straßburg not- gelandet. Wie Havas aus Straßburg berichtet, ist ein deutsches Verkehrsflugzeug ber Linie FrankfurtBasel, bas sich im Nebel verirrt hatte, gegen 3 Uhr nachmittags auf dem Militärfluovlag in StraßdurgNeuborf gelanbet. Nach­dem der Pilot, der allein an Bord mar, die ge­forderten Formalitäten erledigt batte, konnte er feinen Flug nach Basel fortsetzen.