Anzeiger für die Sfabf Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatl
Nr. 9.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
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Donnerstag, 12. Januar 1928.
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55.Zahrg
Die Aechtung der Krieges.
Aus Berliner Zentrumskreisen wird uns ge- Hrieben:
Es verlohnt sich, den Vorschlag Driands an die« Vereinigten Staaten, jeden Krieg zwischen beiden Ländern in Acht und Bann zu erklären, ein wenig in seiner moralpsyckiokogischen Bedeutung zu betrachten. Es hat sich in der Auffassung der Politiker ein Gesinnungswandel vollzogen. Das berühmte Mahnwort: „Wenn du den Frieden er- haltm willst, so rüste zum Kriege!" steht nicht mehr unangefeindet da. Abgelehnt wird es seit langem in pazifistischen Kreisen, aber daß der Außenministers eines Landes, wie Frankreich, das der „Gloire" des Siegers durch Jahrhunderte hindurch Begeisterung und demütigen Weihrauch gespendet hatte, heute in aller Form den Krieg zwischen Amerika und Frankreich mit einem moralischen Verdikt Wegen will, das ist ein Fortschritt in der Haltung eines Franzosen, der immerhin bemerkenswert ist. Natürlich gibt es diplomatische Ueberlegungen, natürlich gibt es ein politisches Kalkül, das bei solchem Vorschlag mitgesprochen hat, und auch ist zu bedenken, daß dieser Vorschlag noch sehr begrenzt gemeint war, noch nicht absolut, d. h. für alle Länder, mit denen Frankreich zu tun hat, gelten sollte. Aber trotzdem, in der Wahl dieses besonderen Ausspruchs liegt mehr als nur Politik, es liegt zum mindesten die Tatsache enthalten, daß er überhaupt gewählt werden konnte. „Aech- tung des Krieges", das ist ein moralischer Urteilsspruch, das ist ein gesellschaftliches Verdikt, das ist ein Zerschlagen von traditionellen kastenmäßigen Anschauungen, das ist der Entrüstungswiderspruch gegen einen Ehrenkodex, der bisher unter Nationen gültig war. Das ist der Anbruch einer Divlomatie, die sich selbst moralisch verurteilt, wenn sie nicht mehr weiter kann, wenn sie eben zu dem Mittel des Krieges greifen muß.
Nicht nur die Franzosen haben den Krieg und den Sieg gefeiert, haben um den Schlachtenruhm Lorbeerkränze gewunden. In den anderen Ländern Europas galten tüchtige Heerführer nicht minder als gesellschaftliche Größen und moralische Kapazitäten. Sie waren eben die Repräsentanten der Niachtgeltung eines Staates, die Schützer der Ehre einer Nation, die letzte Zuflucht eines in seiner Ehre verletzten obcr_ vermeintlich verletzten Landes, sie waren die Männer, die in die Bresche springen mußten, wenn die geistige Unzulänglichkeit der Politiker Situationen geschaffen hatten, wo sie sich nur noch durch den Appell an die Ehre der Nation glaubten rehabilitieren zu können. Und nichtswürdig ist die Nation, so sang Schiller, die nicht ihr Wes setzt an ihre Ehre. Von Schiller stammt auch der Vers: „Auch der Krieg hat seine Ehre, der Beweger des Menschengeschicks. Mir gefällt ein lebendiges Leben und ein ewiges Schwingen und Schwanken und Schweben auf der steigenden fallenden Woge, des Glücks!" Briand gegen Schiller, Briand gegen die gesellschaftlich-moralischen Auffassungen ganzer Jahrhunderte, ganzer Jahrtausend. Briand gegen den Sinn des französischen Nationalruses, der Marseillaise.
Was werden die Soldaten, was werden die Offiziere gegen ein solches morallsches Verdikt sagen? Wo sind die Soldaten, wo sind die Offiziere, die heute nicht in ihrem Berufe einen gewissen Selbstzweck sähen, die nicht Soldaten oder Offiziere sind um des Berufes willen, für die nicht der Sinn ihres Berufes letzten Endes darin besteht, für ihre Nation Krieg zu führen. Es ist allerdings auffallend, wieviele Mllitärs gerade in den Wen Jahren sich in die vorderste Linie der Friedensbewegungen gestellt haben. Ja, sogar solche Soldaten, die früher geradezu berüchtigt waren wegen ihres schneidigen Äuftretens! Das mag daran liegen, daß sie von der Grausig- keit des modernen Krieges überwältigtwor-- den sind. Das wird aber auch darin seinen Grund haben, daß sich die moralische und gesellschaftliche Grundlage für das frühere Ansehen des Offiziersstandes geändert hat. Solange der Offizier sich lediglich als das ausführende Organ seines Königs von Gottes Gnaden, als Repräsentant der königlichen Souveränität fühlte, mochte er das Bewußtsein einer besonderen Standesherrlichkeit in sich tragen. Ein Bewußtsein, das auch in demokratischen Staaten gewiß nicht zu leiden brauchte, wo an Stelle der Souveränität des Monarchen die des Volkes trat. Inzwischen aber ist es nicht mehr die Erkenntnis von nur Wenigen, daß die letzten Mo- tive der Kriege mit Idealismus nirgendwo mehr etwas zu tun haben, daß sie aus wirt- fchaftlicher Konkurrenz entstehen, daß rei- uer Geschäftsmaterialismus, wenn nicht die Un- fähigkest der berufenen Staatspolitiker sie bedingen. Es gibt wohl wenige Offiziere mehr, die sich über die Verschiebung dieser moralischen Derufsgrund-- lage keine bitteren Gedanken machen. Und wenn sie konsequent denken, so werden sie das Ihrige tun müssen, damit die Politik eines Landes sich von plutokratischen Einslüssen und kapitalistischen Geschäftsinteressen möglichst fteihält. Es gibt keinen Offizier, der etwas auf sich hält und sich dann von einer großkapitalistischen Geschäftsfirma als Schutzmarke anstellen ließe. Aber noch in einer anderen Hinsicht hat sich der moralksche Boden für den Offiziersstand, verschoben. Der moderne Offizier ist in einem Kriege nicht mehr wie früher ganz auf seinen Mut und seine Geschicklichkeit gestellt,' sondern er ist weit mehr abhängig von der Fähigkeft der Industrie seines Landes, konkurrenzfähiges Kriegsmaterial zu liefern. Der moderne Krieg ist ein Materialkrieg geworden, und er ist nicht nur ein Krieg zwischen den Heeren, sondern ein Krieg zwischen den Völkern, ein Krieg auch gegen die Wehrlosen, die Greise, die Frauen, die Kinder. Der moderne Fliegeroffizier wird hmausgeschickt, um Städte und Dörfer mit giftigen Gasen zu ver-
Eine Enzyklika über Ne wahre Einheit der Kirche.
Gewisse Mrchenvereinheitlichungs-Tendenzen sind vom katholischen Standpunkt aus nicht annehmbar.
Der Papst hat eine Enzyklika über die Einigung der Kirchen veröffentlicht. Der Papst erkennt in der Enzyklika zunächst die gegenwärtige allgemeine Tendenz an, die auf eine größere internationale Einigung der Volker hinstrebt, bedauert jedoch, daß einige Menschen diese Einigungsbestrebungen von der Politik auch auf die R)e l i g i o n übertragen wollen, indem sie die wahre Religion in dem Glauben, daß alle Religionen gut und lobenswert seien, vereinigen mit den falschen Religionen. In der Enzyklika heißt es nach einer Meldung des WTB. weiter:
Viele Leute begünstigen unter der Vorgabe, das Beste zu suchen, die falsche religiöse Einheit der Christen. Es sind dies insbesondere diejenigen, die sich Pan-Cristen nennen und die die Grundlage der katholischen Religion zu erschüttern bestrebt sind. Auf diese so gefährlichen Machenschaften lenkt der Heilige Vater die Aufmerksamkeit der Bischöfe, damit sie das Volk warnen, und er stellt die Grundsätze der wahren religiösen Einheit, die man loben muß, klar. Goft der Schöpfer ist zugleich derOffenbarer der wahren Religion, für die er seine Kirche auf Erden gründete. Die menschliche Kreatur soll an die Offenbarung glauben, der Lehre Gottes gehorchen und der Kirche angehören, ober nicht jener, die aufgerichtet wurde von denjenigen, die im Irrtum waren, sondern jener Kirche, die von Christus gewollt und begründet wurde, das beißt der katholisch-apostolisch-römischen Kirche. Diejenigen, die sich getrennt haben, leugnen die Einheit des Glaubens und der Regierung der wahren Kirche Christi. Sie wollen die Einigung aufgrund sehr weniger Punkte, der grundlegenden Glaubenspunkte wie sie sagen, wobei jeder die Meinungen bewahren soll, deretwegen sie sich einst von der Kirche trennten. Mes hieße die von Gott offenbarte Wahrheit zu menschlichen Verhandlungen und Reglementierungen herabziehen, die dann verraten werden würden und denen die römische Kirche stets Widerstand entgegengesetzt hat. Diese Kirche legt die vollständig« und für die ganze Welt klare evangelische Lehre vor, denn Gott hat nicht für wenige Menschen, sondern für d i e ganze
Dummheit oder
Die Kommuniften bezichtigen De
Die beiden schrecklichen Explosionen, die sich in der Reickshauvtstadt kurz nacheinander ereigneten, geben, wie nicht anders zu erwarten, das Hauptgesprächs-Thema für die Berliner ab. Wie es bet derartiaen Vorkommnissen üblich ist, will jeder seine Weisheit über Erplosionsstoff und Explosionsgefahren an den Mann bringen. Diese Art non Debatten ist weiter nicht schädlich, wenn sie sich im Rabmen des allgemeinen Biertisch-Gespräches hält. Wird jedoch das Gebiet der Politik betreten, so fängt die Geschichte schon an, verfänglicher zu werden. Und wenn dann sogar noch die beiden Exvlosionskatastrophen in 'Verbindung gebracht werden mit angeblichen Kriegsrüstungen Deutschlands, dann ist es höchste Zeit, ein solch gefährliches Treiben mit aller nur denkbaren Offenheit an den Pranger zu stellen.
Von der kommunistischen „Roten Fahne" ist man in Bezug auf Verleumdungen Deutschlands an allerhand Schauergeschichten gewöhnt. Auf jeden einzelnen Hetzversuch verlohnt es sich garnicht einzugehen. In der Nr. 8 des genannten Blattes vom 10. Januar werden jedoch Behauptungen auf- gestellt, die, wenn sie unwiderfvrochen bleiben sollten, großes Unheil anrichten könnten. Die „Rote Fahne" nimmt die Farbenproduktion in Deutschland zum Anlaß, darauf zu verweisen, daß in Zusammenhang mit dieser FabrikaUon in Deutschland immer mehr die Industrie ausgebaut werde, welche die G i f t g a s b o m b e in das „feindliche Land" bineintragen wird, d. h. die Flugzeugindustrie. Die für den Bau von Flugzeugen bisher noch geltenden einschränkenden Bestimmungen würden in absehbarer Zeit gänzlich fallen. Deutschland verfüge dann neben einer wachsenden Flug»
Welt gesprochen. Sicherlich ist es ein gutes Werk, die Nächstenliebe unter den Christen zu fördern, aber ohne Schädigung des Glaubens, auf dem die Nächstenliebe aufge- baut ist, können die Jünger Christi nicht über die Wahrheit ihres Glaubens untereinander Meinungsverschiedenheiten haben. Kurz, es ist nicht möglich, sich eine christliche Gemeinschaft unter den Gläubigen vorzustellen, von denen es jedem frei» steht, in Glaubensangelegenheiten seine eigene Auffassung zu haben.
Die Enzyklika erläutert dies mit zahlreichen Beispielen betreffend die besonders vom Protestantismus geleugneten Punkte und erklärt dann: Aus dieser Meinungsverschiedenheit folgt Gleichgültigkeit, das heißt Vernachlässigung der Religion und sodann der Modernismus, der die dogmatische Wahrheit nicht als absolute Wahrheit, sondern als relativ und deshalb den veränderlichen Zeitumständen und verschiedenen Einstellungender Völker unterworfen betrachtet. Man kann zwischen Dogmen keinen Unterschied machen, als wenn die einen verbindlich und die anderen der f r e i en Annahme durch die Gläubigen überlassen wären, denn man muß an alle aus dem gleichen Grunde glauben, nämlich aufgrund der Autorität Gottes, der die Offenbarung gegeben hat. Deshalb kann die Glaubensgewissenhest bei dem einen und dem anderen der offenbarten Dogmen nicht geringer sein, auch wenn manches in neuerer Zeit ausdrücklich klargelegt und feierlich feftgelegt wurde, wie dies beim Primat und der Unfehlbar- te'rt des Papstes der Fall mar.
Die Enzyklika widerlegt sodann verfchiedene von Nichtkatholiken für ihre Vereinigungsbestrebungen geltend gemachten Argumente. Sie legt ihre Auffassung von der wahren Einheit der Kirche dar und betont, diese Einheit könne nur gefördert werden, indem für die Rückkehr der Abgetrennten zur römischen Kirche, der einzigen und wahren Kirche Christi, gesorgt werde. Zum Schluß wird der Wunsch ausgesprochen, daß alle, die in Irrlehren befanaen sind, endlich in die Arme des Nachfolgers Petki zurückkehren.
Bölkerverhetzung.
ttschland der Kriegsvorbereitung.
zeugslotte über gewaltige Produktionsmöglichkeiten von chemischen Kampfstoffen, besonders von Giftgasen und Sprengstoffen. Wörtlich heißt es dann weiter:
„Das jüngst abgeschlossene Kartell des deutschen und französischen Chemie-Trustes und auch die laufenden Verhandlungen der deuffchen Chemie-Magnaten mit dem englischen Chemiekapital legen bar, daß die deutsch. Chemie-Imperialisten gewillt sind, ihre Produktion bei einem kommenden Krieg gegen die Sowjet-Union zur Verfügung zu stellen. Die Imperialisten rüsten mit aller Macht für das nächste Morden mit Giftgasen."
In einer unverantwortlicheren Weise, als es hier geschieht, kann mit den Interessen eines Volkes nicht gespielt werden. Während in Deutschland alle Bemühungen der maßgebenden Kreise darauf hinauslaufen, gute Beziehungen zwischen allen Völkern herzustellen und zu unterhalten, unternimmt es das kommunistische Organ, den deutschen führenden Instanzen zu unterstellen, sie seien damit beschäftigt, Kriegsvorbereitungen gegen Sowjetrußland zu treffen. Ausgerechnet gegen Rußland, dessen diplomatische Vertretung wir in England und in China übernommen haben. Die „Rote Fahne" soll Ihre Leser für so dumm halten, wie sie will. Wenn sie jedoch glaubt, Giftsamen ausftreuen zu können, aus dem sie das Aufkeimsn einer Weltrevolution erwartet, so muß man ihr zeigen, daß sie auf dem Holzwege ist. Gegen die Absicht, schwere politische Gefahren heraufzubeschwören, ist die Bahn des gesetzlichen Einschreitens frei. Der Langmut der deutschen Richter gegen die lanbes» verraterische Tätigkeit ber „Roten Fahne" wirb eines Tages auch ihr Enbe erreicht haben.
seuchen, eine Ausgabe, deren ehrenvoller Charatter sicherlich zweifelhaft ist, wenn nicht überragende Nationalinteressen den edleren Zweck handgreiflich zu machen vermögen.
Briand hat das Wort von der Aechtung des Krieges in einem offiziellen politischen Schriftstück ausgesprochen, er hat damit den Krieg fast dem organisierten Mord gleich gestellt. Noch wird man in diesem Vorgang den Kniff eines geriebenen Diplomaten schauen wollen. Und doch: Das Wort steht da und wird die Runde machen. Die Amerikaner propagieren es, obwohl sie rüsten. Es kann aber nicht mehr lange dauern, bis diese Gegensätzlichkeit von Denken und Handeln sich auflöst nach Maßgabe des Urteils, das in der geschilderten Entwicklung der Kriegsmechanik bereits präjudiziert ist.
Japan und der Paktvorschlag.
Aus Tokio wird gemeldet:
Der Botschafter der Vereinigten Staaten hat dem japanischen Minister des Auswärtigen offiziell die Vorschläge Kelloggs über den Vertrag zur Aechtung des Krieges überreicht, lieber die Hal- tun Japans zu diesen Vorschlägen wird nichts verlautbart, aber man glaubt allgemein, daß Japan einem mehrseitigen Vertrag gegen den Krieg.
vorausgesetzt, daß gewiße Einschränkungen gemacht werden, günstig gesinnt ist. da es den aufrichtigen Wunsch hat, seine Heeres- und Marineausgaben einzuschränken.
Die russische Massenverbannung.
Zu der Nachricht über die Verbannung von Oppositionsfüfuern in Rußland erfährt die D.A.Z. von gut unterrichteter Seite, daß allerdings die Regierung von Moskau entschlossen sei, mit den schärfsten Mitteln gegen alle Mitglieder der Opposition vorzugehen, die hartnäckig an ihrer opposi- tionellen Tätigkeit fe st hielten, ober bereit Verhalten keine Gewähr für bas Aufgeben ihrer bisherigen politischen Tätigkest gebe. Dagegen könne keine Rebe boomt sein, baß bie Moskauer Regierung im Bausch unb Bogen gegen bie Opposition vorgehe. Die Moskauer Regierung habe keine Ver- anlassung. gegen bie Mitglieder bet Opposition, die öffentlich ihre politischen Forberungen zurückgezogen hätten, in gleicher Weise vorzugehen. Sie, Maßnahmen ber Regierung richteten sich baher nur gegen bie Mitglieber ber Opposition, bie man als unzuverlässige Elemente aus bem Moskauer j Gebiet entfernen woll».
Ans dem Reichstag.
VDZ. Berlin, 11. Jan. (Gig. Funkm.). Im Reichstag begann am Mittwochvormittag der Haushaltsausschuß bie Beratung bes (Etats für 192 8. Auf ber Tagesorbnung steht zunächst ber Haushalt ber Reichsschuld, ferner die Etats für Versorgung- unb Ruhegehälter unb für bas Reichsjustizministerium. Für ben Nachmittag sind auch ber W ohnun gsausfchuß, ber bie Aen- berung ber Mieterschutzgesetze weiter beraten will, unb ber Ausschuß für bie Entschabigungs- gesetze, ber bas Knegsschäbenschlußgesetz bero« ten soll, einberufen.
Der bayerische Landtag.
Aus München wirb gemeldet: Der Landtag in München nahm nach den Weihnachtsferien feine Tätigkeit wieder auf. Bei ber Beratung bes Etats bes Staatsministeriums bes Innern kritisierte ber sozialbemokratische Redner, baß an ber Spitze bes bayerischen Derwaltungsgerichtshofes immer noch Dr. v. Kahr amtiere. Der Redner erklärte, daß bie Sozialbemokraten bie Politik bes Ministeriums bes Inneren ablebnien unb gegen bie Bewilligung bes Gehalts bes Ministers stimmen würden.
Wie ber Landesdienst des Süddeutschen Kor» respondenzbüros erfährt, hat sich ber bayerisch« Ministerrat mit ber Vorlage über bie Vereinfachung ber Staatsverwaltung in ab- fchließenber Form beschäftigt. Es fanb noch ein» Sitzung ber Koalitionsparteien statt, in ber zu ben selben Angelegenheit Stellung genommen würbe. Es kann bemnach bomit gerechnet werden, daß bie bebeutfame Vorlage in ben allernächsten Tagen bem bayerisch enLanbtag zugehen wird.
polnisch-litauischer Grenzstrett.
wch. Warschau, 11. Ian. (Eiq. Funkm.). M« „Kurjer Warszawski" aus Wilna meldet, fand nach ber letzten Schießerei an ber polnisch-litauischen Grenze zwischen je einem Vertreter ber polnischen unb ber litauischen Grenzwache eine Zusammenkunft statt. Hierbei forberte ber li- tauifrf’e Vertreter, daß bie Grenzpftihle über ben Assanise» hinausgerückt werben, ba btefes Gewässer noch zu Litauen gebärt. Der polnische Dffhier ver, weigerte bie Ausführung, unb künbigte an, baß im Falle bes Umschlagens ober Wegrückens ber Grenzpfähle bie polnischen Grenzschutzsolbaten reagieren würben. Der litauische Vertreter bleibt ieböch babei, daß bie litauische Grenzwache bie Grenzvfähle versetzen werbe. Angesichts dieser litauischen Verhaltens hot man auf polnischer Seit« beschlossen, in bem Gebiet bes Assanisee einen be fonberen Grenzposten aufzustellen.
* Der Herr ReichsvrSsident hat dem Präsidenten ber Reichsbank und Frau Schacht seine herzlichsten Glückwünsche zur Silber nen Hochzeit ausgesprochen.
* Deutsche Diplomaten beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident empfing am Mittwoch ben neuen deuffchen Gesandten im Haag, Graf von Zech-Burchersroda sowie den deuffchenGe- fanbten in Budapest, von Schön.
* Der Herr Reichskanzler empfing den neuernannten deutschen Botschafter in Washington, Herrn v. Prittwitz und Eaffron, der sich am 12.d. M. auf seinen Posten begeben wird.
♦ Das Befinden des Reichsaußenministers. Wie ben Blättern mitgeteilt wird, geht es dem Reichsaußenminister Dr. Sftesemann gesundheitlich be- deutend besser. Er hofft, Ende nächster Woche seine Dienstgeschäfte wieder aufnehmen zu können.
* Der angebliche Erlaß des Generals Guillau- mat. (Eig. Funkm.). Zu dem angeblichen Erlaß des Generals Guillaumat klüglich einer strafferen Gestaltung des Verhältnisses zwischen dem Militär und der Bevöllerung in den besetzten Gebieten, welcher von den Morgenblättern veröffentlicht wird, wird den Blättern mitgeteilt, daß die Rheinlandkommission dem Reichskommissariat erklärt bat, eine derartige Verfügung des Generals existiere nicht.
• Der Steg der englischen Arbeiterpartei über die Konservativen. Bei der Nachwahl zum Unterhaus In Northampton erhielt ber Arbeiter- parteUer Malone 15156 Stimmen, der Konservative Renton 14 554, bei Liberale Morgan 9 575 unb ber unabhängige Konservative Hailwood 1090 Stimmen. Das Ergebnis stellt einen Sieg ber Arbeiterpartei über die Konservativen bar.
• Die neue Tagung des schwedischen Reichstags. Der schwedische Reichstag hat seine neue Tagung begonnen. Die Erste Kammer wählte für bie jetzige Tagung ben Konservativen Graf H. Hamilwn und die Zweite Kammer ben Sozialdemokraten B. Erikson zu Präsidenten.
wirtschaftliche ttampfbewegimgen.
— Arbeitszeitkonflikl im Ruhrbergbau. Verschiedene Zechenverwaltungen u. a. die zu der Vereinigten Stahlwerke A.-G. gehörigen, im Dortmunder Revier gelegenen Zechen Minister Stein und Scharnhofft sind, wie der „Vorwärts" meldet, an die Betriebsräte mit dem Ersuchen herangetreten, sich einverstanden zu erklären, daß aufgrund bes § 3 der Arbeitszeitverordnung vom 16. 7. 1927 Ueberarbeit angeordnet wird. Zweimal in der Woche soll eine vierte Schicht (2 Stunden mehr) verfahren werden. Der Deutsche Bergarbeiterverband hat die Belegschaften angewiesen, das Ueberarbeitverlangen der Zechenverwaltungen abzulehnen-