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Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. S.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. :-: Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

Mittwoch, 11. Januar 1928.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colone!) lokal 0,15 JUL, auswärts 0,20 JUC. Reklamezeile: lokal 0,60 5Ut, auswärts 0,80 JUl. Bei Wiederholungen Rabatt.

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55.Zahrg.

30 russische LWsitioussichm werden verbannt.

Die zaristischen Methoden der Bolschewisten.

Das B. T. meldet aus M o s k a u: Die Staats- polrzei ist zur Verschickung zahlreicher führender Persönlichkeiten der Opposition übergegangen. 30 ihrer hervorragendsten Mitglieder haben bereits Befehl zur Abreise erhalten, ohne genaue Angaben ihres Bestimmungsortes. Jedoch ist das ganz un­wirtliche europäische und astatische Rußland in An­spruch genommen worden, von Archangelsk bis Mittelasien und S i b i r i e n. Ein Teil der Verur­teilten ist bereits deportiert. Es besteht nicht mehr der mindeste Zweifel, daß Trotzki, Radek, Rakowski und auch Kamenew und Sinowjew ufw. verbannt werden sollen. Rakowski soll im Gouvernement Wjatka, 500 Kilometer entfernt von der nächsten Bahnstation, untergeöracht werden.

Die Sowjetmachthaber nehmen damit die Pra- ris des Zarenregiments wiederauf und schicken Mißliebige nach 'Sibirien.*

Meldung der Telegraphenagentur der Sow­jetunion. Das Leningrader Kriegsgericht ver-

Die Pariser „Volonte* fordert baldige Ver­handlungen mit Deutschland über die Räumung des besetzten Gebietes. Das Blatt fragt Sollen wir im Rheinland bleiben? Es antwortet mit: Nein, denn das Rheinland gebe Frankreich nur eine künstliche Sicherheit und verhindere die deutsch-französische Verständigung, das sicherste Pfand für den Frieden. Das Rheinland freiwillig räumen? Nein! Das würde heißen, ausschließlich auf das Anwachsen eines problematischen pazifi­stischen Geistes in Deutschland zu rechnen. Was notwendig sei, seien Verhandlungen und zwar noch in diesem Jahre. Das Rheinland sei ein Pfand; man müsse es zurückgeben im Austausch von Pfändern, die von längerer Dauer sein wür­den als die Besetzung, nämlich die Errichtung einer ständigen internationalen Kon - sf o’lle in der entmilitarisierten Zone und Bemühungen Deutschlands um Mobi­lisierung der Obligationen des Dawesplanes und Liquidierung des Finanzpassivums aus dem Kriege.

Die Zukunft des Saargebiets.

Der deutsche Charakter des Saaraebieks gesichert. Rationale Arbeit der deutschen Ientrumspartei.

Auf dem in Trier abgehaltenen Parteitag der Zentrumspartei des Regierungsbezirk Trier betonte der Vorsitzende der Partei des Saargebie­tes, Rechtsanwalt Stegemann -Saarbrücken, der deutsche Charakter des Saargebiets sei erhalten geblieben. Die Rückkehr des Saargebietes zum deutschen Vatsrlande fei gesichert, ganz gleick, ob die Abstimmung heute, oder 1935 erfolge. Aller­dings sei die wirtschaftliche Lage an der Saar ver­zweifelt. Wirksam könne nur die Rückkehr zu

Dr. Luthers Bund.

Der Vorsitzende des Neuen Bundes zur Er­neuerung des Reichs Dr. Luther hat dem Mini­sterpräsidenten Braun einen Besuch gemacht, um den Chef der preußischen Staatsregieruna über die Ziele der Arbeitsgemeinschaft zu unterrichten. Nach der Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin wird eine solche Vorsprache auch bei Dr. Marx er­folgen. Die „D. A. Z." bemerkt noch, daß die Reichsregierung schon seit Wochen über die Vorarbeiten zur Gründung des Bundes lausend unterrichtet wurde.

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Die d eutschnationale Pressestelle schreibt zur Gründung des Bundes zur Erneuerung des Reiches: Die deutsch-nationale Volkspartei be­grüßt den Aufmf des „Bundes zur Erneuerung des Reiches" als einen weiteren Beitrag zur Lö­sung dieser drängendsten aller nationalen Fragen auf das wärmste. Das Kernstück der Erläuterun­gen Dr. Luthers zu dem Bundesprogramm bildet die Beseitigung des unorganischen Nebeneinanders der Zenträlgewalten des Reichs und Preußens. Als Ausweg aus diesem Dualismus hat die deutsch- nationale Volkspartei die Personalunion zwi­schen Reichspräsidenten und preußischem Staats­präsident, sowie der Aemter des preußischen Mini­sterpräsidenten und des Reichskanzlers vorgeschla­gen. Die deutschnationale Partei wird bei der be­vorstehenden Konferenz der Ministerpräsidenten allen Vorschlägen ihre Unterstützung leihen, die als Wegbereiter für das große Programm des „dritten Reichs" gelten dürfen. Sie wird sich keinem Vor­schläge versagen, der geeignet erscheint, Volk und Staat enger zu verbinden und die von der Ge­schichte geprägte deutsche Staatsform sich lebend entwickeln zu lassen.

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In einem Kommentar zu der Meldung von der Konstituierung des Bundes zur Erneuerung des Reiches bemerkt die „Bayrische Staatszei­tung" u. a., daß man, soviel sie urO:rr:chtet sei, in den maßgebenden bayrischen politischen Kreisen dem neuen Bunde als überflüssig ableh­nend gegenüberstehe.

Aus Berliner Zentrumskreisen wird uns ge­schrieben: Man sagt sich mit Recht, daß, wenn die 200 Unterschriften prominenter deutscher Per­sönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft einen ganz bestimmten Luther scheu Plan unterschrieben

urteilte Peter Paukku, der angeklagt war, im Auf­trage des finländischen Geheimdienstes Spionage getrieben zu haben, zum Tode. Es erkannte ferner auf Beschlagnahme seines gesamten Eigen­tums und beschloß, den Zentralvollzugsausschuß der Sowjetunion zu ersuchen, die Oktober-Amnestie auf Paukku nicht anzuwenden. Die gegen die Mitangeklagten Stephan Pankku und Michael Wilki ausgesprochene Todesstrafe wird durch die Amnestie in eine zehnjährige Gefängnisstrafe um­gewandelt. Die übrigen acht Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt. Das Gericht stellte fest, daß Peter Paukku, der schon einmal in der Sowjetunion wegen Spionage zum Tode verur­teilt worden war, nach seiner durch einen Gefan­genenaustausch erfolgten Rückkehr nach Finland abermals einwilligte, im Auftrage des finländischen Geheimdienstes seine Spionagetätigkeit auf dem Boden der Sowjetunion fortzusetzen und daß er Spionageinformationen durch seinen Bruder Ste­phan unnd durch Michael Wilki einzog.

Deutschland helfen. Die kommenden Wahlen im Saargebiet werde das Zentrum führen unter dem Wahrspruch: „Zurück zum Deut­sch e n Reichl".

Präsident K a a s erklärte, daß die deutsche Au­ßenpolitik der Saarfrage besondere Aufmerksamkeit schenken müsse. Bezüglich des Problems: Länder und Reich, können und wird unsere Tendenz nicht sein, den Reichsgedanken abzubauen. „Unter kei­nen Umständen wollen wir", so sagte der Redner, „wieder zurück". Aufgabe des Zentrums wird es auch hier fein, zwischen denen, die voran und de­nen, die rückwärts wollen, zu vermitteln. Das Ne­beneinander im Reich und in Preußen ist auf die Dauer untragbar.

Der flntfcKriegspaftt.

wtb. Paris, 10 .Januar. (Eig. Funkm.). „Pe­tit Parisien" will behaupten können, daß Briand gestern im Verlauf der Unterredung mit dem eng­lischen Botschafter Lord Crewe die Frage des An­tikriegspaktes besprochen hat. England würde sich angesichts der Anregung Kelloggs, ganz allgemein und vorbehaltlos auf jeden Krieg zu verzichten, genau in der gleichen Lage befinden wie Frank­reich. Es werde ebenso wenig wie Frankreich seine Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund besei­tigen können und ebensowenig die Verpflichtungen, die sich für olle die, die sie unterzeichnet hätten, aus dem Abkommen von Locarno ergeben. Ob man wolle oder nicht, nur eine Alternative sei nötig: entweder die eingeleiteten Verhandlungen würden abgebrochen oder man komme zwangsläufig zurück zu der Formel des polnischen Antrages, dessen Wendungen der Brief an Kellogg bereits ausge­nommen habe.

hätten, dieses politisch bedeutsamer sein würde, als die Gründung einer losen Vereinigung von Män­nern, die sich nochnichtausgesprochen haben und Luther selbst noch als die große Sphinx an­staunen. Es wäre ein gewisses moralisches Schwer­gewicht geschaffen, dessen Druck sich auf die öffent­liche Meinung legen würde und diese notwendigen Entwicklungen beschleunigen und in formulierte Ge- setzesvorschläge umwandeln könnte. Aber jetzt?

Doch Dr. Luther wird bereits interpretiert von einer Seite, deren eigene Pläne man ziemlich genau kennt. Und diese Interpretation bedeutet grundsätzliche Uebereinstimmung. Sie kommt von deutschnafionaler Seite, und das ist ver­dächtig. Die Deutschnationalen wollen bekanntlich die Personalunion zwischen dem Reichspräsidentrn, dem Reichskanzler und dem preußischen Minister­präsidenten. Die deutschnationale Pressestelle bringt b'iefen, ihren Programmsatz Herrn Luther in empfeh­lende Erinnerung, und wenn sie dabei dessen Vor­gehen begrüßt, so liegt der Schluß nahe, daß zwischen Luther und dem Grafen Westarp bereits so etwas wie ein provisorisches Ein­vernehmen besteht. Ist diese Vermutung berech­tigt, dann würde auch llar werden, weshalb Dr. Luther die bisherigen Bewegungen für eine Neu­ordnung des Reiches im republikanischen Lager so gänzlich ignoriert hat. Es dürfte also angebracht sein, das Auftreten Luchers recht kritisch zu verfolgen. Sein von ihm eingerichtetes Büro ist längst als der Versuch der Etablierung einer Nebenregierung verdächtigt worden.

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Der frühere Vorsitzende der Fraktion „Arbeits­gemeinschaft" im Preußischen Staatsrat, Frei­herr v. Maltzan, der bislang der deutsch - nationalen Vollspartei angehörte, ist lt. „Tägl. Rundschau" der Deutschen Volkspartei als Mitglied beigetreten.

* Cin amerikanischer Einwanderungsgegner. Aus Washington wird gemeldet: Der Demokrat Blanton Texak hat im Repräsentantenhaus einen Antrag eingebracht, der ein gänzliches Perbot der Einwanderung auf sieben Jahre vorsieht. Nur die mexikanischen und kanadischen Saisonarbeiter sollen davon ausgenommen fein. Weiterhin soll die Lan­dung von Seeleuten, die auf ausländischen Schif­fen tätig sind, beschränkt und eine Registrierung aller Fremden eingeführt werden.

Die Imparität im Freistaate Danzig.

Seit Jahrzehnten führt die Deutsche und die Preußische Zentrumspartei einen unablässigen KamA gegen die allüberall herrschende Imparität, gegen die Zurücksetzung der Katholiken bei Be­setzung der Beamtenstellen und gegen die unter den Nichtkatholiken meist herrschende Auffassung, ka­tholisch sei gleichbedeutend mit Minderwert ig- keit oder doch em Katholik sei weniger zuver­lässig und fähig, er sei mit größter Vorsicht zu ge­nießen. Und man wagt diese bewußte Zurück­setzung und Ausschaltung immer zu verbrämen mit der schönen Phrase, daß man auf die Konfession nicht sehe, daß einzig die Tüchtigkeit und Fähig­keit ausschlaggebend sei. Man scheint sich dabei gar nicht zum Bewußtsein zu bringen, welche Un­verschämtheit man damit den Katholiken an den Kopf wirft, daß man sie einfach zu Dummköpfen stempelt und rundheraus behauptet, die Nichtkatho­liken sind weit, weit fähiger als die Katholiken. Diese Dinge werden nicht eher aufhören, als bis Katholiken und ihre einzige politische Vertretung, die Zentrumspartei, ein weit größeres Maß von Einfluß besitzen, als dies noch heute der Fall ist. Darum ist erstes Erfordernis, fester Zu­sammenschluß aller Katholiken um die ruhmreiche und sturmerprobte Fahne der Zentrumspartei, denn sie müssen sich endüch bewußt werden, daß sie im Kampse für ihre Gleichberechtigung alle an­dern Parteien gegen sich haben, daß sie in ihm al­lein stehen.

Diese Erfahrung haben wir sehr handgreiflich in diesen Zagen wieder in unserem deutschen Dan­zig gemacht, in dem vor einigen Monaten ein libe­raler Führer es wagte das Wort zu schreiben und zu verteidigen: „Das Zentrum präsentiert auch in Danzig feine Rechnung. Es stellte die bei­nahe unglaubliche Forderung auf, daß in jeder Behörde ein Prozentsatz an katholischen Beamten beschäftigt

Ein Abgeordneter schreibt uns:

Es sind wenig erfreuliche Zahlen, die das Stati­stische Reichsamt in „Wirtschaft und Statistik" über die Ehescheidungen im Deutschen Reiche veröffent­licht. Erfreulich an ihnen ist nur der Rückgang der Ehescheidungen seit dem Jahre 1921; dagegen bleibt die Tatsache bestehen, daß gegenüber den Verhältnissen der Vorkriegszeit die Ehescheidungen sich verdoppelt haben. Das ergeben folgende Zahlen: 1913 kamen auf 100 000 Einwohner im damaligen größeren Reichsgebiet 27,9 Eheschei­dungen; im Jahre 1925 dagegen (im heutigen Reichsgebiet) 56,8. 1921 waren es sogar 63,7 Ehe­scheidungen. Im Jahre 1925 wurden in Deutsch­land 35 451 Ehen geschieden gegen 35936 im Jahre 1924. Wieviel zerstörte Hoffnungen, wieviel Fa­milienunglück steckt hinter diesen Zahlen! Sie be­weisen aber auch, wie leichtfertig oft in der heutigen Zeit Ehen geschlossen werden.

Unter dem Reichsdurchschnitt von 56,8 Ehe­scheidungen für das Jahr 1925 liegen folgende Länder: Braunschweig mit-54,8; Thüringen mit 47,5; Bayern mit 39,7; Baden mit 38,4; Mecklen- burg-Strelitz mit 35,4; Württemberg mit 31,5; Hessen mit 30,0, Mecklenburg-Schwerin mit 27,4 und Oldenburg mit 24,8 Ehescheidungen auf 100 000 Einwohner.

Die niedrigsten Ehescheidungsziffern wei­sen aus: Lippe mit 15,3; Schaumburg-Lippe mit 12,5; Waldeck mit 7,2 Ehescheidungen; es handelt sich hier um Länder mit stark ländlichem Charak­ter.

Heber dem Reichsdurchschnitt von 56,8 liegen die Ziffern der Ehescheidungen bei Hamburg mit 168,5; Bremen mit 104,5; Lübeck mit 76,6; Anhalt mit 74,1; Sachsen mit 72,3 und Preußen mit 59,6 Ehescheidungen auf 100 000 Einwohner.

Bemerkenswert ist, daß die Ehescheidungen hn Jahre 1925 gegenüber 1924 in Sachsen, Württem­berg, Braunschweig und Anhalt zugenommen ha­ben, während sonst im Reichsdurchschnitt ein Rück- gang derselben zu verzeichnen ist.

Preußen, daß drei Fünftel der gesamten Be­völkerung umfaßt, zeigt Ehescheidungsziffern, die im großen Ganzen der Reihe der Ehescheidungs- ziffern in den übrigen 18 deutschen Ländern ent­sprechen. Die Reichshauptstadt Berlin steht mit 186,3 Ehescheidungen an der Spitze aller deut­schen Städte! Berlin in Deutschland und der Welt voran! Es folgt dann in weitem Abstand die Pro­vinz Schleswig-Holstein mit 63,2 Ehescheidungen auf 100 000 Einwohner. Alle anderen preußischen Provinzen stehen unter dem Reichsdurchschnitt. Es folgen die Provinz Sachsen mit 54,9; Rheinland mit 52,9; Hessen-Nassau mit 46,3; Branden­burg mit 46,2; Niederschlesien mit 46,0; Pommern mit 45,5; Hannover mit 38,4; Ostpreußen mit 36,5; Westfalen mit 34,6; die Grenzmark Posen und Westpreußen mit 22,3; Oberschlesien mit 16,4 und Hohenzollern mit 13,9 Ehescheidungen auf 100 000 Einwohner.

Im Allgenreinen weisen die mehr katholischen Gebiete Deutschlands wesentlich geringere Ehe­scheidungsziffern aus. Bei der Provinz Rheinland muß beachtet werden, daß sie eine ganze Anzahl größerer Städte umfaßt und nur zu rund zwei Drittel katholische Bevölkerung ausweist. Verhält­nismäßig günstig schließt die Provinz Westfalen ab, zu der weite Teile des hochindustriell entwickel­ten Ruhrgebietes gehören. Wenn in einem so stark inbuftrieatifierten Gebiet mit seiner großen Woh­nungsnot weniger Ehescheidungen vorkommen als zum Beispiel in Niederschlefien, Brandenburg, Pommern und Ostpreußen, wo doch roeitgefjenb

wird, der dem Prozentsatz des katho­lischen Volksteils entspricht". Das wagen die in allerlei Grüppchen gespaltenen und zur Bedeutungslosigkeit herabgesunkenen Liberalen Danzigs zu schreiben, die sich aber dennoch immer als die Allmächtigen aufspielen.

Daß diese Auffassung aber nicht nur bei den Liberalen herrscht, haben wir dieser Tage hand­greiflich erfahren, wo die deutschnationalen Sena­toren ihre Aemter niederlegten und eine Regie­rungskrise herbeiführten, weil nicht ihr Kandidat, sondern ein hervorragender Arzt, der allerdings die Eigenschaft hat, praktizierender Katholik und Zen- trümsmann zu sein, von der Mehrheit des Senats zum Chefarzt der Inneren Abteilung des Städ­tischen Krankenhauses gewählt wurde, der zudem noch von einer Danziger Aerztekornmission neben zwei anderen Aerzten für diesen Posten vorge­schlagen worden war. Nun schien der ganze Blocks­berg nach Danzig versetzt zu sein und alle, gleich­viel" welcher Parteirichtung, fielen über das Zen­trum her, es hatte ungeheuerliche parteipolitische Geschäfte gemacht.

Angesichts dieser Tatsache dürfte es auch die deutsche Oeffentlichkeit interessieren, wie es hier bei uns mit der Parität bestellt ist. Wir dürfen als bekannt voraussetzen, daß es hier im deutschen Osten vor und während des Krieges in dieser Hin­sicht recht traurig aussah. Zwar hat sich nun be­reits manches infolge des ununterbrochenen Kampfes der Zentrumspartei, die seit sieben Jahren ununterbrochen in der Regierung sitzt, geändert, aber es sieht doch noch trostlos aus, und um jede einzelne Stelle, gleichviel, zu welcher Besoldungs­gruppe sie zählt, gibt es ein überaus zähes Ringen, und meist stellen sich alle Parteien dagegen, natür- sich stets unter dem Vorwande der Wahl ausschließ­lich vom Gesichtspunkte der Tüchtigkeit aus. Der Freistaat Danzig zählt 36,76 Prozent Katholiken. Nun sehen wir uns die Jmparitätsstatistik an nach

ländliche Verhältnisse vorherrschen, so wirkt hierbei zweifellos die Religionszugehörigkeit mit. Im all­gemeinen läßt sich feststellen, daß die Ehescheidun­gen auf dem Lande seltener sind als in den Städten. Der katholische VolksteU schneidet im Ganzen fe^r gut ab; das zeigt sich insbesondere bei der Zergliederung der Statistik nach einzelnen Gemeinden in den verschiedenen Ländern und preußischen Provinzen.

Die Statistik über die Gründe der Eheschei­dungen für- das Jahr 1925 ist noch nicht vollstän­dig; es fehlen hierbei noch die Länder Württem­berg, Mecklenburg-Schwerin und Schaumducg- Lippe. Von 34 000 Ehen im übrigen Deutschland wurden geschieden: Rund sechs Zehntel wegen 23er» letzung der ehelichen Pflichten und ehrlosen Ver­haltens im Sinne des § 1568 des B. G. 23. Es folgen dann die Ehescheidungen auf Grund des § 1565 des V. G. 23.: Ehebruch, Doppelehe, widernatürliche Unzucht. Gegenüber die­sen beiden hauptsächlichsten Gruppen treten alle anderen Scheidungsgründe stark in den Hinter­grund. So wurden 0,1 Ehen auf Grund des § 1566 des 23. G. B. (wegen Lebensnachstellung); 4,3 Prozent der Ehescheidungen wegen böslichen Ver­lassens (§ 1567 des 28. G. 23.) und endlich 1,0 nach § 1569 des 23. G. B. wegen Geisteskrank­heit geschieden.

Die absoluten Zahlen sehen wie folgt aus: 20627 Ehen wurden wegen der Verletzung der ehelichen Pflichten; 18 598 Scheidungen wegen Ehebruchs; 49 wegen Lebensnachstellung; 1479 wegen bös­lichen Verlassens und 356 wegen Geisteskrankheit geschieden.

Hinsichtlich der Dauer der Ehen bis zu ihrer Scheidung läßt sich feststellen, daß 79,5 Prozent der geschiedenen Ehen während der ersten 15 Jahre geschieden wurden. Eine Ehedauer bis zu 10 Iah- ren hatten 63,9 Prozent der geschiedenen Ehen. Jene Ehen, die schon im ersten Jahre geschieden wurden, betragen 0,6 Prozent; 35,5 Prozent der geschiednen Ehen hielten ein bis fünf Jahre; 30,8 Prozent der geschiedenen Ehen entfallen auf einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren; 20,5 Prozent Ehen wurden nach fünfzehnjähriger Dauer geschie­den.

Alter schützt vor Torheit nicht! 9,5 Prozent al­ler Ehescheidungen entfalten auf einen ehelichen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren; 6,1 Prozent auf einen solchen von 20 bis 25 Jahren. Nach der „Silbernen Hochzeit" ließen sich noch 4,9 Prozent der Gesamtzahl der geschiedenen Ehepaare scheiden!

Bemerkt sei noch, daß Deutschla»rd mit seiner Ehescheidungsziffer im Jahre 1925 an der Spitz» aller europäisch en Länder steht! „Deutsch- land in der Welt voran"! Das ist in diesem Falle ein trauriger Ruhm! Nach Deutschland (56,8) kommt Frankreich mit 53,6; Dänemark mit 50,6; Belgien mit 38,7; die Niederlande mit 29,0 und Schweden mit 27,1 Ehescheidungen auf 100 000 Einwohner Am günstigsten steht England mit einer Ehescheidungszifser von 5,9 auf 100 000 Einwohner dar!

Auf der ganzen Welt gibt es nur noch zwei Länder, die auf diesem Gebiet Deutschland über­flügelt haben, nämlich Nordamerika mit 152,3 und Japan mit 88 Ehescheidungen auf 100 000 Ein­wohner.

Schlußwort: Wir haben alle Veranlassung, die religiös-sittlichen Grundlagen unteres Volkskörpers zu stärken, die Wohnungsnot zu lindern, die Familien und die Jugend mehr zu schützen. Vergessen wir nicht: Auf einem ge­sunden Familienleben beruht die Kraft un­seres 23olkes.

tWIiföt Stimme zur RheinlM-Mmung.

Die Franzosen wollen Pfänder.

BedenklicheZunahmederEhescheidungw.