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Dienstag, 10. Januar 1928.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
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habe.
| eines bloßen Gerüchtes willen ist man nicht davor zurückgeschreckt, der Vollstreckungsbehörde unerhörte Leichtfertigkeit vorzuwerfen, die Urteilsfähigkeit der Richter anmzweffeln, und alles nur zu dem Zweck, sich eine Waffe für den Kampf gegen die Todesstrafe zu schmieden. Man sollte doch endlich aufhören, mit solchen unbrauchbaren Mitteln zu arbeiten.
Auf ungefähr der gleichen Linie liegen auch die ungezählten Falschmeldungen über das Reichsschulgesetz, das auch in dieser Woche sowohl den Interfraktionellen Ausschuß der Regierungsparteien wie den Bildungsausschuß beschäftigen wird. Wenn falsche Behauptungen auch noch so oft wiederholt werden, so werden sie deswegen nicht wahrer. Alles, aber auch alles, was bisher über bindende Abmachungen des Zentrums mit dm Deutschnationalen oder der Deutschen Volkspartei gesagt oder geschriebm worden ist, trifft nicht zu. Erst die Beratungen, die Anfang der Woche beginnen, haben zu zeigen, wie weit die gegenseitigen Auffaffungen auseinanderklaffen und ob die Möglichkeit besteht, die divergierenden Meinungen auf eine einheitliche Basis zusammenzubringen.
Ernste Mahnung vr. Brauns’.
Rede des Reichsarbeiksminifiers in Ravensburg.
Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man uns:
- Obwohl die Plenarverhandlungen des Reichstags und des Preußischen Landtags noch nicht beginnen, so erwacht dennoch das parlamentarisch« Loben in dieser Woche. Zahlreiche Ausschüsse der beiden Parlamente halten «Ätzungen ab, um den Beratunzsstoff für die Vollversammlungen vorzubereiten. Für den Reichstag kommt insbesondere der Reichshaushaltsausschuß, der Rechtsausschuß und der Bildungsausschuß in Betracht. Der Haushaltsausschuß hat sich im wesentlichen mit dem Etat für 1928 zu befassen Das parlamentarisch Ungewöhnliche dabei ist, daß die erste Lesung im Plenum noch gar nicht stattgefunden hat, sondern beim Wiederzusammentritt des Reichstags nachgeholt werden muß. Als vor den Feiertagen der Entwurf des Etats an den Ausschuß verwiesen wurde, machte in der Plenar- Versammlung ein Redner der Bayerischen Dolks- partei darauf aufmerksam, daß er einem Vorgehen, eine Vorlage an den Ausschuß ohne erste Lesung zu überweisen, nur unter der Bedingung zustimmen könne, daß dadurch kern P r ä z e d e n z f a ll für später geschaffen werde. Man darf wohl erwarten, daß diese Forderung in Zukunft respektiert wird, denn andernfalls müßte man schwer« Bedenken gegen eine Regelung erhoben, wie ste jetzt beim Etat Platz gegriffen hat. Zu einer ernst- hafteren Debatte im Plenum wird es voraussichtlich nur wegen des Reichswehretats kommen, der stets das Streitobjekt ergibt. Denn es werden ja nicht nur kalte Ziffern unter die Lupe genommen, sondern alles, was die Lobredner
Amerika ist überrascht.
Die Aufnahme der Note Briands in Amerika.
Havas meldet aus Washington, der französische Botschafter habe Staatssekretär Kellog die Note Briands Betreffend das Abkommen zur Aechtuug des Krieges überreicht. Eine furje Prüfung der Note habe die Persönlichkeiten des Staatsdepartements zu der offiziösen Meinungsäußerung ver- anlatzt, daß ein Vertrag, der die Aechtung des Krieges auf ein angreifendes Land beschränkt, viel weniger Bedeutung haben würde, als der ursprüngliche Vorschlag Briands und der erste Vor- schlag Kelloggs.
Der Washingtoner Berichterstafter des „Petit Parisien" meldet als weitere offiziöse Aeußerung, daß eine derartige Formel außerdem die erste Ungelegenheit mit sich bringen würde, eine vorherige
Die Reichsresorm.
Zu Dr. Luthers Duudesgründung.
Zu dem hier schon am Sonntag veröffentlichten Aufruf des Bundes zur Erneuerung des Reiches schreibt die „Germania":
Der frühere Reichskanzler Dr. Luther, der den Vorsitz des neuen Bundes übernimmt, hat der Presse nähere Mitteilungen über Ziel, Zweck und Ausgaben der von ihm geführten Organisation gemacht. Geschaffen werden soll „eine a l l g e m e ine Volksüberzeugung über die Reuge« ft a Itu n g des Reiche s". Es schwebt denen, die geistig hinter der Gründung stehen, der Gedanke vor, „eine", wie Dr. Lutter sagte, „für alle tragbare Lösung zu suchen". Es handle sich um die „große Vorbereitung der inneren Verständigung". Die Führer wollen, weil sie meinen, daß „alle Wünsche nicht befriedigt werden können", die verschiedenen Kräfte und Strömungen über die Frage des Reichsbaues in ernstesten Gesprächen miteinander ab- und ausgleichen und ste auf „eine gemeinsame Grundlinie" einigen. Diese sehr allgemeinen Grundsätze, die an sich nichts Neues dar- stellen, sind leider nicht näher konkretisiert worden, weil, wie Dr. Luther betonte, er „die Arbeit nicht
Die „Chicago Tribüne" berichtet ans dem Haag, daß ein europäischer Friedenskongreß wahrscheinlich im Februar im Haag abgehalten werden würde, der sich mit der Frage der Revffion der Friedens- verträge befassen würde. Den Vorsitz werde Professor Walter Schücking führen, der zusammen mit dem ftanzösischen Abgeordneten und ehemaligen Marineminister Borel diesen Kongreß angeregt
* Sevemg itn Flugzeug nach Barcelona unterwegs. Wie aus Marseille berichtet wird, ist der frühere preußische Innenminister Severing am Sonntag aus Genf im Verkehrsflugzeug in Marseille eingetroffen. Er beabsichtigt im Flugzeug nach Barcelona weiterzustiegen.
* Dr. Stresemaml« Befinde». Wie wir auf Er- kennend, versucht, selbst die Fäden in die Hand zu I kundigung erfahren, sind aöe Gerüchte unrichtig, bekommen, und einen panpazifistischen Gewerk- I die davon wissen wollen, daß es sich bei der Er- schaftskonoreß zu organisieren. Diese Versuche, im I krankung Dr. Sftesemanns um eine Miittelohrent- Jahre 1926 unternommen, führten zu keinen Re- I zündung oder eine Nierenentzündung handele. Rich- sultaten. Aber die Australier hatten den Anst.ch I tig ist vielmehr, daß Reichsminister Dr. Stresemann zur Einberufung eines Pazific-Kongresses gegeben, I an einem Bronchialkatarrh erkrankt ist, der den die Russen dann erfolareicher aufnahmen. I allerdings recht hartnäckig auftritt, sodaß die Schon 1924 hatten sie einen Kongreß der Trans- I Krankheit immerhin noch acht bis zehn Tage dauern Portarbeiter des Stillen Ozeans organisieren kön- I dürfte.
nen. Im Frühjahr 1927 gelang es ihnen, auf der I
Woge des Südchinesischen Vormarsches einen Pazi- I DlL ÖCUtfcfaflOlttÖfifchC $1006. fickongreß nach Kanton einzuberufen und auch zu- I .' ' u
stände zu bringen. Der revolutionäre Auftrieb, I Der Leiter des Internaftonalen Arbeitsamtes der von China damals ausging, war der Hinder- I in Genf, Albert Thomas, hielt in Bordeaux gründ dieser Konferenz und förderte die Ab- I eine Rede, in der er nach einem Hinweis auf die sichten der Rusten günstig. Allerdings kamen ihr« I bevorstehenden Wahlen in vielen Ländern Euro- Teilnehmer gerade zu dem Zeitpunkt nach Kanton, | P«3 und Amerika, ausführte, die öffentliche Mei- als die Kuomintang ihre Schwenkung gegen die ming in Deutschland habe in den letzten Jahren Kommunisten machte, so daß die Konferenz nach beträchtliche Fortschritte gewacht. Gute Deobach. H an kau verlegt werden mußte. Vertreten waren: ter seien der Ansicht, daß die Sache ter Republik China, Sowjetunion, Japan, Java, Korea, Frank- u"d des Frieden» gewonnen werten könne. Aber reich, USA. und England. Aus Latein-Amerika die Schlacht dauere an. Rach dem Dawesvlan und und den Philipinnen waren wegen der chinesischen nachLocarno habe Deutschland auf die Befreiung Wirren keine Vertreter erschienen und die des Nnken Rheinufers gehofft. 1935 wurde die Be- Australler waren von der Regierung an der Aus- freiung zur Pflicht werden und zwar ohne Nutzen reffe verhindert worden. Gegenleistung. Eine weitere zwischen
_ _ „ _ I Deutschland und Frankreich schwebende heikle
Das Losungswort dieser Konferenz war: Unab« I Frage sei die der Reparationen.
hangigkeif der unterdrückten Völker vom Welt- Die Ziffer von 132 Milliarden bleibe rechtlich Imperialismus. Damit schwenkte sie in die Front der Betrag des Guthabens bei Deuffchland. Es
ein, die von der Komintern in der „Liga gegen I gebe jedoch keinen Fachmann, ter der Ansicht fei,
koloniale Unterdrückung" geschaffen worden stt. I daß eine derartige Zahlung geleistet werden
Beide arbeiten am selben Ziel, an der Revolu- I könne. Es sei wichtig, daß man schon jetzt im
tionierung der farbigen und kolonialen Welt. I Hinblick auf die Orientierung der französischen Po»
Die PaMc-Konferenz führte wohlberechnet nicht IiHf ?.er Tarnung des Generalagenten für die Re- zur Schaffung einer neuen Internationale, sondern
nur zur Errichtung eines ständigen Sekretariats, I öer ^epora-
das feine Wirksamkeit über die ganze farbige Welt, 1«"” J***'tTT^r mV?!n “<=; An?ho°n 2tuftrafien unb erffrpcff I öcrinfctQiittcrtcn 6 d) u (b c n
. , r) . i unj) jjer Begehungen zu Amerika von neuem
Mr die internationale Gewerkschaftsbewegung I aufgeworfen werden.
hat also eine gewisse Sphärenteilung sich ergeben. I
Z>er I. G. B. dominiert in den alten Industrie- I * Einigung über die Regierungsbildung in D«m- landern Europas und kämpft noch um die jüngeren I zig. Aus Danzig wird gemeldet: Die Derhand- europarschen Industriestaaten, ist jedoch hart be- I hingen zwischen Sozialdemokraten, Zentrum und drangt von der Prosintern. Diese hingegen domi- I Liberalen haben zu einer Einigung und Bildung ™ert unbeschrankt m Rußland, Asien und den Kolo- einer Regierungskoalition geführt. Man hofft, daß nren und kämpft einerseits mit dem I. G. B., an« I die Wahl der Senatoren in einer ter nächsten öererfette mit den nordamerikanischen Gewerkschaf- Sitzungen des Volkstages statftinden kann, lieber ten, bie eine eigene panamerikanische Gewerk- I die Personenfrage ist bisher noch kein Beschluß qe- schaftszentrale anstreben. 1 faßt.
Definierung dessen notwendig zu machen, was man unter Angriffskrieg zu verstehen hat. Die Meinung, die in den amerikanischen politischen Kreisen vorherrsche, sei, daß es sehr schwierig sei — um nicht mehr zu sagen — zu einer derartigen Definierung zu gelangen. Eine Abschrift der Note Briands ist übrigens, wie Havas aus London meldet, dem englischen Außenministerium überreicht worden.
Der „New Pork Heralb" veröffentlicht folgende Mitteilung aus Washington: Die französische Antwort auf die amerikanischen Gegenvorschläge be- treffenb die Erklärung zur Aechtung des Krie .es hat das Staatsdepartement einigermaßen überrascht, wo man der Ansicht ist, daß diese Antwort überaus stark "besuchten ^entS I Wrnb^Xung W ® ®Wter
sprach Reichsarbeitsminister Dr. Brauns. Ein- gangs streifte der Redner das Nachlassen des poli- J1“*’ TW- Wgn glaubt, ba^ die ■ t
tischen Interesses und des volftischen Eifers. Cs I wüsche Note ^vollkommen neu e Dors chlage ei..■ liege einmal an unserem Wahlsystem, das zu I und aus diesem Grünte ist man in autonfi eiten große Wahlkreise geschaffen habe und an das Diel- I Kreisen der Ansicht, daß sie schwer annehm listensnstem gebunden sei. Dadurch habe die Wäh- I ° ar leteiL lerschast mit dem Abgeordneten zu wenig Fühlung. Man wähle heute weniger die Abgeordneten als die Partei. Für die Zukunft und besonders für eine demokratische Verfassung müßte dieses
Wahlgesetz reformiert werden. Zum
Schluß sprach Dr. Brauns noch der Dermal- tungsreform das Wort. Nicht durch Schlagworte sei diese Frage zu lösen, man wolle nicht aus dem ganzen Reiche eine Regierung Aller in Berlin machen, man wolle aber aut) keine neue Main- linie, sondern bett wirklich nationalen Staat.
Das Revarationsproblem trete erneut in den
Die Wirkung dieser pesfimisftschen Auffassung sucht der Pariser „Matin" durch eine offenbar inspirierte Erklärung abzuschwächen. Er schreibt: Staatssekretär Kellogg hat nach Auskunft an offizieller Stelle bisher dem ftanzösffchen Botschafter keine Erklärung dieser Art abgegeben. Es scheint auch sicher zu sein, daß er die Presse über seine Absichten informiert hat. Die amerikanische Regierung wird wahrscheinlich in dem Text, den sie Frankreich betreff erb ter. Nichtangriffspakt Vorschlägen bürfte, eine Fassung wählen, bie Frank- Borbergrunb. Hierin liege die schwierige aßenpo- I S&L
Mische Lage Deutschlands. Wir müßten danach I Völkerbund bringt. Was die beftifftz
streben, daß wir in Mitteleurova durch Derständi- I &ie. Erklärung betreffend tee ^e^tung des gung der Staaten zur Wegräumung der vielen I Krieges gegeben inerten soll, schemt es, daß sie durch den Versailler Vertrag errichteten Schranken I uut der bet ftanzösischen Regierung uberemjtunmt. kämen. Zur wirtschaftlichen Lage über- 1
gehenb, sagte ber Minister: Wir seien noch nicht | (Eilt CUTOpOl|u)Ct ^TlCÖCrtSHOllQtCB. über bett Berg, unb bas wesentliche babel sei, daß wir alles, was wir erreichten, mit fremdem Selbe erreicht hätten. Das bebeute, baß wir viele Zinsen zahlen müßten, daß wir alle sparsamer leben und daß die Unternehmergewinne geringer sein müßten.
von vornherein dadurch gefährden wolle, daß er sich selber zu konkret ausbrücke".
Nach den Ausführungen von Dr. Luther gehen die Führer ter Bewegung offenbar vom Wirt- fchaftlichen aus. Verschiedene Ströme haben sich in diesem Bund vereinigt. Industrie, Handel, Landwirtschaft, Handwerk, Wissenschaft und Beamtentum sind an der Entstehung beteiligt. Die ersten Anfänge liegen ungefähr zwei Jahre zurück. Eine vom wirtschaftlichen Standpunkt auf die Verbesserung des Reichswesens hinzielende Gruppe
^chuburg gesammelt. Eine zweite I und Gegner der Reichswehr unb des Reichswehr- ""s Treffen zusammen, bis den I Ministers auf bem Herzen haben, pflegt bei ber
™ ®er^nn‘)£n nahesteht. Spater mundete rn I Etatsberatung vorgebracht zu werten.
fiamTroTte' S”Ä,"'S.™ A D-r eirafred>tMu,l»ui wird, wie di-d-r, UN- Deutsch-Hannoveranern von den Deutschnationalen I fjn?.e.r Dr""K a'b l^setne'Arbeiten^sortteden" ftj« bis zu den Sozialdemokraten reichte. Es bildeten
ftcj lockere unb festere Gruppen mit bem gleichen I Vorwurfe, weiche von ter Linkspresse gegen die Ziel. Die unter dem Aufruf des neuen Bundes 1 r ^ugestaltung des StrafreAtes erhoben »erben, stehenden Namen find nicht ausgeipählt worden I Ln^...,nrl^en hinfällig. Die
vom politischen, rvirffchaftlichen ober organisatori- I Vrofessors Kahl. die,er in aller
scheu Standpunkt aus. Es soll lediglich die Per- I anerkannten Autorität in Straftechtssachen, sönlichkeit sein, die sich an der Arbeit des bürgt schon allem dafür, daß sogenannte real- Bundes beteiligt. Deshalb fei auch vermieten wor- "°nure mittelalterliche Bestimmungen in dem Ge- den, die ausgesprochenen Parteiführer zur Unter- I 'p$ "einen Platz ,inten werden.
zeschnung des Aufrufs aufzufordern. I Bekanntlich ist tee Todesstrafe am meisten
Wie schon gesagt, geht die Argumentatton vom I umstritten, besonders die Liga für Menschenrechte Wirtschaftlichen aus, weil, wie Dr. Luther hervor- I glaubt, sich mit aller Gewalt gegen die Hinrichtt.ng hob, unser nationales Schicksal von der Wirtschafts- I von Mördern wehren zu müssen. Als neuester gestaltung abhänge. Verwiesen wird dabei ebenso Bew-sts für die Grausamkeit und Unmenschsichkett sehr auf die Passivität der industriellen Lage, als der Todesstrafe wurde jetzt ber Fall Iabnkowski auch auf die Not ber landwirtschaftlichen Kreise I herangeholt, ber sein Stiefkind ermordet hat unb unb auf die Belastung, bie burch die Auslands- I deswegen zum Tode verurteilt unb hingeinchtet anleihen entstanden ist. Daraus ergäbe sich b.c I worden ist. Vor einigen Tagen tauchte plötzlich Notwendigkeit einer geregelteren, klareren, ein- I die Behauvinng auf, die Großmutter des Kindes fächeren und zielfesteren Verwaltung mit ' einer bade ein Geständnis abgelegt. Der Hingerichtete planmäßigen Begrenzung der offentiidjen Aus- I fei unschuldig gewesen. Doch es stellte sich bald gaben und ber Suche nach dem billigsten unb er» I heraus, daß alles nur Dorfklatsch war. Die folgreichsten Weg. Vom wirtschaftlichen Denken I Großmutter hat überhaupt nichts gestanden. Um geht die Argumentation ins Politische. Der Bund will zwar, ebenfalls nach den Ausführungen von I _ . _
Dr. Luther, weder den politischen Stellen vorgrei- (V fen, noch in ihre Tätigkeit eingreifen, er will aber durch die „Stärkermachung der zusam.! ^ terePtunnpn Vnfür trefrpn * Vor- I Die Jndustrieokisierung halb- und völlig kolo-
nppinnpfsn sffpirhsiitfnrrtmonf0« .^barcke der I nialer Gebiete und die Entstehung großer weißer in Kleiniakeiten erfchnnft ld) n-Ur I und farbiger Arbeitermassen in außereuropäischen
torw fSn erfmi±m Ländern, insbesondere während des letzten Iahr-
wiirts' getrieben wird Es foH Tine"ßöfima6 oefn°rht öehnts, eröffneten ber Gewerkschaftsbewegung euro-
werten um ihre AusMruna PäiW» Gepräges neue ungeahnte Wirtschasts-
w°rtlickeTT;tett7n mKnL wl « Möglichkeiten. Es ist nun kein Zweifel, fonbern
fen unT bi? bereits bestehenden Wäne nicht der innere Bedinaung daß der^G.B. (Internationale Vergessenheit anheimfallen zu lassen Gewerkschaftsbund) diese wabrenb und nach tem
Dabei wird gewiß in erster Linie an die vielen Kriege entstantenen Gewerkschaften mcht an sich bereits vorhandenen Broschüren gedacht die zum SU Ziehen vermochte; denn er konnte dem kolo- Thema Reich und Länder geschrieben worben sinb unb Rasseproblem, vor das er hier
Der Bund hat einen Arbeits ausschuß gebil-' stellt war nicht gerecht werben Beladen mft ter bet, der die verschiedenartigen Anschauungen prü- [tarf„D?ü Engländern beeinflußten Vorstellung fen soll. Nach Dr. Luther soll geschicktlick Ge. Ueberlegenheit ber weißen unb ebenso belastet
worbenes nicht zerstört, sondern in ten Un ter der kolonialfreundlichen Politik Zahlreich^ Ge-
Reichsorganisierung eingebaut werden. Eg soll auf I 2DJJen' konnte er auf die Forderungen nach Gleich- feinen Fall em Weg gegangen werden, ber alles I ffellung mft den Weißen unb Aufhebung ter kolozentralisiert, vielmehr soll Bodenständigkeit Herrschaft, wie sie von diesen Gewerkschaften nicht nur am Leben erhalten, sondern so gar auf« I "hoben wurden, nicht eingehen.
gefriicht werden. Der Aufruf vermeidet aus I Hingegen witterten die Russen sofort Me diesen Gründen wohl auch irgendein Bekenntnis I Möglichkeiten, die ihnen in der erwachenden Ar- Aum Einheitsstaat auf der einen Seite und zum | beiterberoegung ber kolonialen Welt und ber LSn- reinen Föderativstaat auf ber anderen Seite, lieber I ber asiatischer Hochkultur gegeben waren. Sie die Art der Zusammenarbeit nut den offiziellen I kannten keine Rassenunterschiede unb sie waren ge- Stellen hat man bislang nur wenig gehört. Ge- I schmeidig genug, den Nationalismus, der sagt wurde, baß der Bund der Regierung ge- I überall diese neuen Gewerkschaften beseelt, in genüber ?e i n e Verantwortung besitzt, sondern daß I Rechnung zu stellen, wobei sie ihre eigenen Natio- fetne Arbeit in bem verfassungsmäßigen Recht be- I nalitätenpolitik propaganbistisch aufs beste au Begrüntet sei, an ber Gestaltung unseres ösfent- I werten verstanden. Moskau wurde das Zentrum lichen Lebens aktiv mitzuwirken. Natürlich werde I ber kolonialen unb farbigen Gewerk- mit den verantwortlichen Stellen Verbindung ge« I schastsbewegung. ebenso, wie es sich als Hort ter halten werden. I vom kolonialen Imperialismus des Westens unter-
Heber die Organisation im einzelnen konnte I drückten Völker unb Rassen aufspielt. Die von hier Abschließendes noch nicht mitgeteilt werden. Der I aus gelösten Energien find heute weltbewegende Vorstand ist noch nicht endgültig gebildet und die I Mächte; ohne sie wäre der Vormarsch des chinesi- Arbeitsweife nur in allgemeinen Umrissen festge- I fchen ©übens nie vonstatten gegangen; sie organf» legt. I fieren bie Massen Ostasiens unb dös rapide wach-
* sende Proletariat Afrikas und sie sind der stärkste
Der Aufruf ist, wie wir aus dem jetzt vorfie- I Trumpf, den Moskau noch in ter Hand hält.
Renten Gesamtverzeichnis ersehen, auch von Kom- I Schon 1922 erwog der II. Kongreß ber Pro- merzienrat Ferdinand Neitzert, Fulda, unter- I sintern eine Konferenz ber pazifistffchen Gewerk- zeichnet. _| schaffen. Aber es wurde 1927, bis ein solcher Kongreß zustande kam. Mittlerweile hatte aber die Profintern allenthalben Fuß gefaßt, in Indien, in Indonesien, Ostasien und Pazifik, hatte sie ihre Fäden gesponnen. Es verdient, vermerkt zu werden, daß bie australischen Gewerkschaften, sowohl deren radikale, wie auch gemäßigte Richtung, die Bedeutung ter Arbeiterbewegung des Pazifik er«