Einzelbild herunterladen
 

JVg 6.

Sonntag, 8. Januar 1928.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Actiendruckerei, Fulda

Sturmschäden in Köln und München

Das Unwetter, das am Freitag m Köln gewütet hat, hat an zahlreichen Stellen der Stadt schweren Schaden ungerichtet, sodaß die Feuerwehr wiederholt eingreifen mußte. Zahl­reiche Reklameschilder, Fensterscheiben und derglei­chen wurden zertrümmert. Durch die Heftigkeit des Orkans, wurde eine Mauervom Garten des erzbischöflichen Palais niederge- rissen. An einer anderen Stelle wurde ein 20 Meter hoher Schornstein niedergelegt, der das Dach des Fabrikgebäudes durchschlagen hat. In der Johannisstraße'wurden 40 Meter hohe Leitergerüste wie Streichhölzer fort­geweht. Es wird von der Feuerwehr als ein ungewöhnlich glücklicher Zufall bezeichnet, daß in allen Fällen Personen nicht zu Schaden gekommen sind.

Auch aus München werden Unwettersch'iden gemeldet. Nachdem am Dreikönigstage bereits gegen mittag leichtes Schneetreiben begonnen hatte, setzte am späten Nachmittag ein heftiger Sturm ein, der in München verschiedentlich an den Dächern und den Eartenanlagen Schaden anrichtete. Eine 30 Zentimeter starke Fichte wurde geknickt und Quer über die Straße geworfen, ein großes Aus­lagefenster wurde eingedrückt, Dachschuhbretter, die I wegen Spenglerarbeiten angebracht waren, abge- I rissen und auf die Straße geworfen. An einem anderen Hause wurde ein Blechdach zum größten Teile abgebetft. Die Feuerwehr behob in allen Fällen die Schäden und beseitigte die Gefahr. Per­sonen scheinen nicht zu Schien gekommen zu sein.

* Schwere Naturkatastrophe im Saukasus. In der Republik Adscharien im Kaukasus wurden mehrere Dörfer durch einen Bergrutsch verschüttet. Zahlreiches Vieh ist umgekommen. Die Einwrh- ner haben die von der Katastrophe betroffene Land­schaft verlassen. Der Fluß Adscharistschali, dessen Bett verschüttet wurde, hat die Landstraße über­flutet, wodurch eine im Bau befindliche Wasser- kraftslation gefährdet ist.

Schwieriges Kettungsmanöver.

Bei entern am Freitag nachmittag über dem Bodensee herrschenden sehr starkem Weststurm erlitt der von R o h r s ch a ch nach Friedrichs­hafen befindliche württembergische Dampfer „König Karl", auf dem sich unter anderem 60 Pas­sagiere aus Berlin befanden, auf der Seemitre einen Maschinenschaden, sodaß er den rasen­den Elementen preisgegeben war. Auf feine Notsignale, Kanonenschüsse und Lerrchtraketen, hm, entsandte die Dampfschiflahrtsverwaltung einen Dampfer zu Hilfe. Mittlerweile hatte ein Motortrajektkahn den Dampfer ins Schlepptau ge­nommen. Unweit des Hafens jedoch riß das Drahtseil. Die Friedrichshafener Verwaltung entsandte daher wiederum einen Hilrsdampfer, doch riß das Schleppseil nocymals. Endlich, nach zwei­stündiger Verspätung, konnte das Schiff in den Hafen bugsiert werden.

von Öen Kochschulen.

----- Tod eines Breslauer Universitätsprofessors. Uni« nersitätsprofessor Dr. Ludwig Milch, der Direktor des Mineralogischen Instituts an der Universität Breslau, ist im Alter von 60 Jahren infolge eines Schlaganfalls gestorben.

Hund um die Woche.

Die Kirche in der Karikatur. — Das verdächtige Schweigen über Mexiko. — Lin verkannter deutscher Entdecker. — Gefahren im Sporkwesen. — Bürokratismus. — Wozu die vielen Dienstautor?

Al; vor einiger Zeit das Buch: „Die Kirche in der Karikatur" beschlagnahmt wurde, da ging durch die liberale und die sozialistische Presse ein Schrei der Entrüstung. Schnell hatte man die landläufigen Schlagworte mobil, als da sind: Be­drohte Freiheit der Wissenschaft, Pfaffenherrschaft usw. Dabei brauchte man sich die Publikationen des „Freidenker-Verlages" nur ein wenig anzu- fchauen, um zu wissen, um welche Bestrebungen es dort geht. Titel wie „Thron und Altar ohne Schminke" oder „Glossen auf Gott und seine Stell­vertreter" lassen schon vermuten, wie dort gearbei­tet wird. Interessant ist nur, wie sich die soge­nannte große Presse in solch einer Frage, wo es sich doch um niederträchtigste Angriffe auf die p ro- testantische und katholische Kirche han­delt, verhält. Seien wir uns klar darüber: Nie war die christliche Kirche so einsam wie beute! Nie­mals hat Europa ihr so wenig warmes Interesse entgegengebracht. Wenn jemand uns lobt, wenn er Bischofsworte zitiert, wenn er von unserer Kunst spricht, so werde man doch nie vertrauensselig. Zum Teufel wünschten sie uns alle, wenn sie uns nur nicht noch brauchten. Wir haben uns an allerlei Toleranzgeschwätz so gewöhnt, daß wir an- fangen, die Welt geradezu für tolerant zu halten. Einzelne sind es gewiß, die große Masse des mo­dernen Heidentums ist es aber n i ch t. Das sieht man nicht so sehr aus dem, was sie sagt, sondern aus dem, was sie verschweigt.

Der Heilige Vater sprach jüngst von einem „Komplott des Schweigen s". In der Tat ist es eine stets auffälligere Sache, daß unsere und überhaupt die großen Weltblätter zu den Greueln von Mexiko einfach schweigen. Man muß sich vorstellen, wofiir diese Blätter sonst Raum ha­ben. Spaltenlang berichteten sie darüber, wie bei dem kommenden Schulgesetz die Kirche mit ihrer Vergewaltigungspolitik sich wieder durchleben wolle. Jeden noch so kleinen und unwesentlichen „Uebergreifer" der kirchlichen Autorität prangern sie an und warnen weithin sichtbar davor. Aber zu den Sünden des Staates schweigen sie. Zu den Gewohnheiten des (Talles lispeln sie kein Wort. Obwohl es sich um Greuel handelt, die ausgezeich­net verbürgt sind. Und obwohl es um Verbrechen geht, die zu dem Schauderhastesten gehören, was eine tyrannische Phantasie sich ausmalen tarnt. Man mag sich dazu stellen, wie immer, eines ist klar: Dieses auffallende Schweigen so vieler, die hier reden müßten, läßt vermuten daß diese Vie­len irgendwoher eine geheime Losung empfangen haben. Vor dieser Folgerung kommt niemand vorbei, der hier ursächlich denkt. Das heißt: Es sind internationale Kräfte am Werke, die ihr Zer­störungswerk wider die christlichen Kirchen mit er­neuter Kraft begonnen haben.

Ach, wenn ich nun aufzählen wollte, worüber wir reden müßten immerfort Und worüber wir doch schweigen, so wäre es schwer, ein Ende zu finden. Da las ich zum Beispiel — bisher nur in einer einzigen Zeitung — von dem 72jährigen deutschen Edison und seinem 50jährigen Erfinder-Mar­tyrium. Die allerwichtigsten Erfindungen auf dem

Gebiete des Auto- und Lustschiffwesens verdanken wir ihm. Sogar den Gedanken von dem SEB eiten« raum-Fahrzeug hat er schon gehabt vor 4 Jahr­zehnten. Ganswindt heißt der Erfinder, desien rot« örige Schicksale seinen Ruhm verhindert haben. Jetzt hat er ein Schiff ohne Segel, ohne Motor und ohne Rotor erfunden, will aber diese Erfin­dung nicht herausgeben, ehe ihm Recht gegeben worden ist. Ueber jede Trudel, die über den Ka­nal geschwommen ist, haben wir uns unterhalten. Jeden Boxer haben wir verherrlicht. Modeköm- gtnnen photographieren wir ab in unzähligen Illu­strierten. Aber Männer, wie solch einen Erfinder, die lassen wir in der Dunkelheit. Es ist eine Peti­tion an den Reichstag gerichtet worden, die hof­fentlich dem Manne, der so viel hat leiden müssen, Recht verschafft.

Und reden müßte man über noch etwas. Auch dies fand ich nur in wenigen Zeitungen. Viele Leute meinen, daß reges Sportleben den jungen Mann von selbst vor mancherlei Ausschweifung und vor dem Drang dazu bewahre. Sogar auf der Kanzel hört man solche Ansichten wohl ver­treten. In Wahrheit ist auch das nicht immer rich­tig. Jeb besitze Material zum Beweise des Gegen­teils. Nur wenn Sport bewußt als Askese be­trieben wird, was durchaus denkbar ist, hat er in sexueller Hinsicht gute Wirkungen und auch noch nicht bei federn und bestimmt nicht, ro.mn Ueber- trefbungen dabei sind. Auch das Wort vom gefun­den Sport ist sehr mit Vorsicht aufzunehmen. Vor allem die Uebertreibunnen stärken den jungen Kör­per nicht, sondern schwächen ihn. Gerade, auf die­sem Gebiete ist das Rekordwesen ein Unsinn, und es wäre Zeit, daß sich die Svortorganisationen selbst einmal mit den vielen Klagen, die wir tm Dienste des Volkes gegen den Sport erheben nnis- sen, abgeben.

Ueber noch etwas möchte wenigstens ich nicht schweigen. Man kann mich ja dastir oufhängen. Aber mir kommt vor, daß viele Angestellte des Staates heute sehr viel Auto fahren. Das heißt nicht selten sitzt in dem Dienstauto eine Frau und fährt dienstlich zu ihrem Kaffeeklatsch. Wozu diese vielen Autos, die die Verwaltung so sehr verteu­ern? Wenn wirklich die betreffende Dienststelle von Zeit zu Zeit Dienstfahrten im Auto machen muß, so kann sie ja an irgendeiner Stelle sich eines l e i- h en. Es gibt doch Autoverleihe genug. Mag es etwas kosten, es kostet immer noch nicht so viel, wie ein eigenes Auto mitsamt Chauffeur, und überdies hat der private Besitz seinen Nutzen da­von. Ich gönne ja jedem sein Auto, aber wenn wir schon sparen müssen, dann doch zunächst an Stellen, wo es sich um Luxusausgaben handelt. Schaffte man alle überflüssigen Autos ab, es gäbe schon ein schönes Sümmchen, das man den um ihr Vermögen in der Inflationszeit Gekommenen bil­lig zuwenden könnte. Aber Coudenhove-Kalergi - hat ganz recht, wenn er sagt: „Im heutigen Europa gibt es politische Mächte, aber ohne mo­ralische Autorität." Das ist es. Nächstens noch mehr Verschwiegenes.

Der Mann im Monde.

Katholische Welt.

— Der Katholikentag in Magdeburg. Auf Beschlus, des Zentralkomitees der Generalversammlungen der Ka­tholiken Deutschlands, das gestern in Frankfurt a. M. tagte, findet die diesjährige Vertretertagung der katholi­schen Organisationen mit einem Katholikentag vom 6. bis 9. September in Magdeburg statt. Auf dem letzten Katholikentag in Dortmund hatte das Zentralkomitee be­kanntlich gebeten, ihm bezüglich der Wahl des Ortes der nächstjährigen Generalversammlung freie Hand zu lassen. Die Wahl zwischen M.-Gladbach, Nürnberg und Magde­burg ist zugunsten Magdeburgs ausgefallen. Mehr als die eigenliche große Generalversammlung der deutschen Katholiken wird die Vertretertagung Gelegenheit bieten, die Tagesfragen des katholfichen Lebens mit aller Tiefe und Gründlichkeit zu beraten. Die Diasporakatbolikea werden die Wahl Magdeburgs mit Freuden begrüßen

Kommunalpolitisches.

= Ablehnung des Disziplinarverfahrens gegen Dr. Dollmar. Aus Solingen wird gemeldet: Regierungs­präsident Bergemann in Düsseldorf hat dem Oberbürger­meister Diecke mitgeteilt, daß er die Eröffnung des vom Beigeordneten Dr. Dollmar gegen sich selbst beantragten Disziplinarverfahrens a b l e h n t, weil zu einem solchen Verfahren kein Anlaß vorliege. Dr. Volkmar hotte, wie seinerzeit mitgeteilt, wegen der gegen ihn in der Solinger Eingemeindungsfrage und in Suchen der Ab­fassung, der Niederschrift der städtischen Untersuchungs­kommission erhobenen Angriffe das Disziplinarverfahren gegen sich selbst beantragt.

— Fast 20 Millionen Mark Defizit in Hamburg. Nach einer Meldung des „B. T." aus Hamburg beträgt das einstweilen zu berechnende Defizit im Hamburger Staats­haushalt für 1927 rund 19,5 Millionen Mark.

— Wertsendungen nach Oesterreich. Die Oberpost- birettion Frankfurt a M. teilt mit: „Die österreichische Vostverwaltung beklagt sich andauernd darüber, daß aus Deutschland Wertsendungen häufig in äußerlich so schlech­tem Zustande eingehen, daß Verpackung und Siegel er­neuert werden müssen. Hierdurch tritt nicht nur eine erhebliche Mehrarbeit ein, sondern es entsteht auch die Gefahr, daß die Sendungen ganz oder teilweise in Ver­lust geraten. Es empfiehlt sich daher, Wertsendungen allgemein sorgfältig und dauerhaft zu verpacken, ins­besondere zum Verschluß nur haltbaren Siegellack zu verwenden.

Keife und Wanderung.

= Heiliglandpilgerfahrt! Cs sei noch einmal auf die Pilgerfahrt ausmerksam gemacht, die der Verein vom heiligen Land in Verbindung mit dem deutschen Cciri- tasverband in der Zeit vom 11.—30. April 1928 ver­anstaltet. Meldungen werden möglichst bald an das Caritassekretariat in Fulda, Mutterhaus, erbeten, da der Endtermin der Meldungen für den 15. Januar festgesetzt ist. Die Anmeldungen sind so zahlreich eingelaufen, daß die Plätze 1. und 2. Klasse vollständig ausverkauft sind. Jedoch ist auch bei den Plätzen 3. Klasse für 597 Mark ein Unterschied nur in den Schlas- räumen an Bord. Bezüglich alles übrigen aber herrscht völlige Gleichheit.

löirtschaftliche Kampfbewegungen.

— (Einigung im Arbeitszeitkonflikt bei Krupp. Nach mehrmaligen Verhandlungen zwischen dem Direktorium der Finna Krupp und dem Betriebsrat wurde Freitag nadjmitatg eine Einigung erzielt. Die Firma führt ab Montag, den 9. Januar, die im Schiedsspruch vorge­sehene Arbeitszeit durch, weshalb alle seitens der Ge­werkschaften getroffenen Maßnahmen rückgängig gemocht werden. Die Dettreter des christl. und des deutschen Me­tallarbeiterverbandes erklärten, die beim Arbeitsgericht in Essen anhängig gemachten Klagen zurückzuziehen.

MK . Mik

Kaisers BrushCaramel len

mit den,3 Tannen^

Dieses seit 35 Jahren bewährte Hnetenmittel, köstlich schmeckend, darf über di*» Winterzeif bei Ihnen nicht fehlen I Hann werden Pie verschont sein vor Husten, Heiserkeit. Katarrh. Ver­schleimung. Paket 40 Pfg., Dose 80 Pfa Zu haben in Apotheken. Drogerien und wo Plakate sichtbar

Auf und Umfärben

Herren u Damen Garderoben v aufbugeln IperAnzur, -1 abdampfen ' _ My z5rvi>z enl stauben.’ ft, 4

von

Damen-, Herren-, Kindergarderobe

Kis^st-Pl9ssee< Ar helfen.

Trniiersachen innerhalb 12 SM.

Nur prompte und fachmännische Bedienung bei

Anion Kömpel (Kieferbank) Telephon 810.

Noch nie dagewesen!

Familien - Konzert-Sprechapnaret mit Haube, 2 Türen und rundem Resonanz-Schalltrichter la. Qualität, genau wie Abbildung, in Eiche, Grösse 4i X4.X31 cm, prima Schalldose, st rkes Federwerk, mit 25 cm Plattenteller, mit 2O<) Nadeln und 20 Konzertmus.kstücken

nur Mir. 41- mit extra starkem Piäzisions-

Doppelfeder- schnedcenwerL

1 Jahr Garantie für Laufwerk und Feder. Sämtliche Apparate werden in eigenem Werk fachmännisch her^estelit und vor dem Versand ve- prüil. Wir warnen vor minderwertigen Nndiohmungen Viele Dankschreiben. Pracbtkatalog über alle and. Instrumente gratis u. franko.

Husberg & Comp., Neuenrade Nr. 6 (Westf.)

nur M. 38. mit extra gutem Einfedei - werk

Nur Kurse Zett

Landingsbasse 6.

Fulda Gießen Wetzlar Würzburg Aschaffenburg

Rücksichtslos

herabgesetzte Preise

bei vielen Artikeln Restposten und Einzelpaare

ohne Rücksicht auf den Einkaufspreis bedeutend herabgesetzt

Marktstrasse 17. Bahnhofstrasse 58, Lahnstrasse 37. Markt 10.

sautvwÄHM

NWK

DM

Spezial-Fabrik für Holzbearbeitungs-Maschinen

Klein & Stiefel, Fulda

EWo-rien'ose Antriebe

das Ideal jedes Handwerkers, platz- n. kraftsparend, betriebsicher bester Unfallschutz

Maschinen aller Art für

Schreiner, Wagner, Glaser usw.

Niedere Preise, günst, Lecl'niunge»