Stuckfabrik
Brähler & Nüchter
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Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer AcNendruckerei. Fulda
M 5.
Frettag, «. Januar 1928.
Vie hi. vreikönige.
Don Dr. G ö r g e - Obernkirchen.
Im Volksmund heißt das Fest des 6. Januar Hl. Dreikönig, und fo wird der Gedanke nahegelegt, als sei das Fest ein Heiligenfest. Dem ist jedoch nicht fo. Der 6. Januar ist vielmehr ausschließlich ein Fest des Herrn. Erst spät haben bfe hl. Dreikönige Kultusbedeutung erlangt. Legenden, Er- z-'-hlüngen und Dichtungen haben ihn angebahnt, die Phantasie des Volkes, die sie mit dem Herrscherglanz wirklicher Könige umgab und von Hof und Reichtum begleitet sein ließ, haben sie heute fast ausschließlich in den Vordergrund des Festes gedrängt.
Rach der hl. Schrift, die nicht von Königen, sondern von Magiern spricht, waren diese die ersten Vertreter des Heidentums, die dem neugeborenen Heiland ihre Huldigung darbrachten. Ueber ihre persönlichen Verhältnisse erfahren wir fast nichts. Sie kommen, wie es heißt, aus dem Morgenlande, was auf Babylonien oder Persien hinzuweisen scheint. Hier bildeten die Magier eine besondere Priesterkaste, den gelehrten Stand. Der Astronomie und Mathematik gelten ihre Forschungen. In der Dreizahl treten sie schon vor uns hin in Bildern der ältesten Katakomben, aber diese Dreizahl hat man nur erschlossen aus der Dreizahl der Geschenke, die in der hl. Schrift erwähnt wird. Wenn man so auch schon in den Katakomben auf die Bilder der Magier stößt, so ist damit nicht auch sofort ihre Verehrung in der damaligen Zeit schon gegeben, was sie andeuten, ist die Berufung auch der Heiden zum Evangelium Christi, und die ständige Mahnung, sich dieser Berufung würdig zu erweisen. Die ganze altchristliche Literatur weiß noch nichts Näheres über die Maaier zu berichten, auch steht dort nirgends, daß es Könige gewesen seien. Erst das 12. Jahrhundert weiß darüber allerhand zu berichten. Durch den Reichskanzler Reinold von Dassel waren ihre Gebeine, die bis dahin in Mailand geruht hatten ,1164 nach Köln überführt worden. Die Legende fr*te schon ihre Ranken um sie gewunden. In der kleben Kirche St. Eustorgius bei Mailand befanden sich die Gebeine, die man den hl. Dreikönigen zuschrieb.
Es hatte sich auch ein Fälscher gefunden, der in einem Bericht die Schicksale der Gebeine des Näheren darlegte. Danach soll der hl. Eustorgius (315 bis 331) die Gebeine von einem Kaiser aus Konstantinopel erhalten haben, auch die Namen der , drei Könige werden zum erstenmale jeßt genannt: Kaspar, Melchior, Balthasar, was jedoch auch freie Erfindung ist. Die Kaiserin Helena soll zuerst die Gebeine gefunden haben. Der ganze Bericht stellt sich jedoch dar als eine Fälschung des 11. Iahrh. So scheint man also von Königen nicht sprechen zu können; auch an den Bildern der Katakomben ist von königlichen Emblemen noch nichts zu merken. Wir können aber uns klarlegen, wie die Könios» würde der Magier zustande gekommen ist. Im Ps. 71 heißt es: „die Könige von Tarsis und Arabien und Saba werden Geschenke bat bringen". An diesen Psalm hat man einfach eine Angleichung gemacht.
Zunächst ist hier wie überall, wenn es sich um Leaenden des frühen Mittelalters handelt, daß der Heiligenkult nicht von der Echtheit der materiellen Gegenstände abhängt, an die er sich knüpft. Die Maaier sind zu verehren, weil sie besonders begnadet waren, als Erstlinge der Heidenwelt durch Gottes wunderbare Führung den neugeborenen Eottkönia ihre Huldigung darzubringen, weil sie uns ein Beispiel dafür sind, daß auch wir nicht zurückschrecken sollen, Ovfer zu bringen, wenn Gott es verlangt: und endlich: der Glaube ist kein Einsehen und Wissen, er verlangt Opfer des Intellekts und vor dem Kinde bringen die Weisen dieses Opfer, daß sie trotz der äußeren Armut und Schwachheit
des Kindes doch in ihm an den König und Hern» glauben.
Es wird zwar manchem schwer sein, darauf verzichten zu müssen, daß die Weisen keine Könige ge. wesen sind, besonders wenn er in Gemälden und Krippendarstellungen all die Pracht des orientalischen Königtums dargestellt sieht, aber es ist zu bedenken, daß die Legenden es lieben, die Gottheit Christi auf alle erdenkliche Art sich offenbaren zu lassen und das schlicht Natürliche mit dem Glanz und der Pracht des orientalischen Hoflebens zu umgeben. Geschichtlicher Sinn, der sich an den Bericht der hl. Schrift hält, wird aber gerade an dem Gegensatz zwischen der Größe und der äußeren Un- auffälligfeit sich erbauen. Worin die Legenden recht haben, und was sie herausheben wollen, ist das eine: der neugeborene Heiland ist für alle gesandt, an alle ergeht die Aufforderung, an ihn zu glauben und ihm alles zu Füßen zu legen. So stehen die Weisen, auch wenn sie nicht Könige waren, auch wenn die Reliquien in dem kostbarsten Dreikönigsschrein zu Köln unecht sind, vor uns als leuchtendes Beispiel, als Heilige des Himmels, und eifern uns immer wieder zur Nachahmung an.
Technik und Verkehr.
= Rationalisierungsbestrebungen bei der Reichsbahn. Das Lochkartenoerfahren, das, von Amerika übernommen, schon in den verschiedensten Großbetrieben Deutschlands, Großbanken usw., seit Jahren mit gutem Erfolg zu Abrechnungszwecken, Statistik usw. angewendet wird, wird seit einiger Zeit auch in einzelnen Reichsbahndirektionsbezirken erprobt. Dom 1. Januar 1928 ab wird ein neuer Versuch damit in den Reichsbahndirektionsbezirken Frankfurt a. M. und Mainz, die zum Ver- kehrskontrollbezirk Darmstadt gehören, gemacht. Wenn die dadurch erhofften Zwecke, wie genauere und schnellere Erfassung der Güterverkchrseinnahmen sowie Er- sparung an Personal, erreicht werden sollten, wird geplant, das Lochkartenverfahren im ganzen deuffchen Reichsbahnbereich einzuführen.
— Elektrische Scheinwerfer auf Bahnübergängen. Verschiedene Reichsbahndirektionen sind jetzt dazu übergegangen, gefährliche Bahnübergänge mit guter elektrischer Beleuchtung zu versehen, um Verkehrsunfällen beim Kreuzen der Gleise nach Möglichkeit vorzubeugen. Die Scheinwerfer sind genau auf die Mitte der Schranken eingestellt, sodaß sie schon aus weiter Entfernung wahrzunehmen find.
als Grundlage dienen wird, soll reichhaltiger und vollständiger fein als alle ausländischen naturge- schichtlichen Museen.
* Zur Verteilung der Hindenburgspende. Die Geschäftsführung der Hmdenburgspende teilt mit, daß die nächste Ausschüttung aus der Hindenbuxg- spende am 1. April, und zwar vorzugsweise Jut kinderreiche Kriegerwitwen, stattfindet. Im Interesse der Antragsteller liegt es, von unmittelbaren Anträgen an die Hindenburgspende Abstand zu nehmen und sich nur an die Hauptfürsorgestellen oder die Hauptversorgungsämter zu wenden.
♦ Ein raffinierter Kassendiebstahl. Ein rafft, ntater Raubüberfall wurde in dem Büro einer1 Koblenzer Firma verübt, bei dem einem jungen Mann 800 Mark Bargeld in die Hände fie.en. Der Täter, der mst den Verhältnissen bei der Firma genau vertraut war, rief zunächst telephonisch, an und erkundigte sich, ob der Firmeninhaber anwesend sei. Als ihm diefes verneint wurde, erschien er kurze Zeit später im Büro und hier verstand er es, das anwesende Düromädel zu entfernen. 3n deren Abwesenheit eignete er sich den Kassenschlüssel an und stahl eine Geldkasette, m der sich 800 Mark Bargeld, eine Reihe allerdings protestierter Wechsel und mehrere Schecks befanden. Der Täter ist flüchtig. In einem Brwf schickte er tags darauf dem Fmneninhaber den Kassenschlussel und 300 Mark zurück und entschuldigte seinen Der- trauensbruch damit, daß er dringend Geld benötigt habe.
* was Ist das Vohnenfest? InberRheingegend wird am Vorabend des Dreikönigsfestes an manchen Orten noch das lustige Bohnenfest gefeiert. Sie Hausfrau hat für diesen Abend einen Kuchen gebacken und in dessen Teig eine Bohne versenkt. Des Abends zerschneidet der Hausherr in Anwesenheit der Familie und der Gäste den Kuchen und macht ein Stück mehr, als Personen da sind. Wer in seinem Stück die Bohne findet, ist Bohnenkönig und muß sich einen Hofstaat bilden. Bon diesem muß er sich den ganzen Abend bedienen lassen, was zu viel Scherz Anlaß gibt, besonders da auch ein Hofnarr ernannt ist.
«aihslische weit.
= Born ß. D. Der Kartellverband der kathollschen Studentenvereine Deutschlands hatte, wie damals an dieser Stelle mitqeteilt, im letzten Wintersemester zum ersten Mal in Rhöndorf eine Schulungstagung für ferne Fuchsmajore veranstaltet und zwar für alle ge- meinschaftlich. Die damals erfolgreich begonnene Arbeit wurde kürzlich in der Weise fortgesetzt, daß der Ver- band die Erzieher feines Nachwuchses in kleineren Gruppen von 12 bis 15 Teilnehmern zu mehrtägigem Zu- fammenleben unter Leitung je eines älteren, meist aus den Kreisen der Stubentenfeelforger genommenen Alten Herren und eines jüngeren Alten Herrn zusammenfaßte. Die Tagungen fanden, jeweils für die in der Nähe gelegenen Hochschulen, statt in Biesdorf bei Berlin, Bühl in Baden, München, München-Gladbach, Neisse, Paderborn und Bad Soden und bearbeiteten in Vorträgen und Aussprachen einheitlich bas Thema: „Das Berufsethos der katholischen Jung- akademikers unserer Tage und feine Stärkung durch die Korporation". Daneben suchte man besonders dringliche praktische Fragen aus der grundsätzlichen Einstellung des K. D. heraus zu lösen. Die Zusammenfassung der Teilnehmer zu Heineren Gruppen ermöglichte ein geschlosseneres Zusammenarbeiten und damit ein intensiveres Eindringen in den zur Behandlung gestellten Stoff, sodaß die Deran- ftaltungen als innerer Gewinn für die Fuchsmajore und damit für den ganzen K. B. bezeichnet werden fön. nen. Sie werden fortgesetzt werden. Der K. V. zählte am 15. Dezember 1927 875 Füchse, 1121 aktive Burschen, 1014 ortsanfäiftge und 755 auswärtige Inaktive, ins» gesamt also 3765 studierende Mitglieder. Durch Teilung zweier altbewährter Vereine, die beide bereits ihr goldenes Jubiläum begehen konnten, der Borussia in Kö- ntgsberg, Pr. und der Alemannia in Tübingen entftan* den in diesem Semester die jungen Korporationen Tannenberg und Rechberg. Somit zählt der K. V. 91 Korporationen.
Explosions-Katastrophe in Berlin.
Bisher sechs Todesopfer festgestellt. — Zahlreiche verletzte.
In der Nacht zum Donnerstag erfolgte in Berlin in den Kellerräumen des Hauses Landsberger Mee 116 eine heftige Explosion, die die Kellerräume vollständig zerstörte und auch den ersten und einen Teil des zweiten Stockwerks in Mitleidenschaft zog. Im Anschluß an die Explosion entstand ein größerer Brand, zu dessen Bekämpftmq mehrere Züge der Feuerwehr anrückten. Mehrere Personen wurden getötet, etwa 10 Schwerverletzte wurden geborgen; eine große Anzahl von Personen soll noch unter den Trümmern liegen.
Nach einer Funkmeldung konnten trotz der von allen beteiligten Feuerwehren und Rettungsmannschaften unter Einsatz aller Kräfte und Nichtachtung der eigenen Lebensgefahr fortgesetzten Aufräumungsarbeiten bis Donnerstag vormittag 8.30 Uhr noch keine weiteren genaueren Feststellungen über die Zahl der bei dem Explosionsunglück verletzten bezw. getöteten Hausbewohner gemacht werden. Auch von den Toten konnten vis jetzt nur eine 48jährige und eine 67jährige Frau identifiziert werden. Die ärztliche Untersuchung der 15 Verletzten hat glücklicherweise ergeben, daß die Verwundungen — es handelt sich im wesentlichen um Gesichts- und Beinverletzungen — nicht allzu schwer zu sein scheinen.
Nach den bis Donnerstag 11 Uhr vorliegenden Feststellungen sind bei dem Explosionsunglück in der Landsbergerallee leider sechs Todesopfer zu beklage», und zwar außer den bereits gemeldeten Frauen der 47 Jahre alte Wilhelm Scheithauer und seine 33 Jahre alte Ehefrau Bertha.
* Eine bestialische Mutter. Die Strafkammer in Thorn verhandelte dieser Tage gegen die 40- jährige Arbeiterfrau Josefa Balcerzak, die Ende April vorigen Jahres ihrer in zartem Alter stehenden Tochter Arme und Deine gebrochen und sie mit solcher Gewalt ins Gesicht geschlagen hat, daß die Zähne herausfielen. Die Angeklagte wurde von den Sachverständigen als völlig normal und für die Tat verantwortlich bezeichnet. Sie Zeigte keine Reue und legte im einförmigen Tonfall ein Geständnis ab. Sie sei arbeitslos gewesen und habe sich des Kindes entledigen wollen. Das vermeint
lich tote Kind habe sie dann an einem Gutshause niedergelegt. Aerztlichen Bemühungen ist es dann gelungen, das Kind wieder ins Leben zurückzurufen. Es befindet sich in einem orthopädischen Institut und ist zeitlebens ein bedauernswerter Krüppel. Der Staatsanwalt beantragte zehn Jahre Zuchthaus das Gericht erkannte auf s e chs I a h re Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust.
♦ Das Bonner Münster erhält seine ursprüngliche Gestalt. Das Bonner Münster, kreuzförmige Basilika mit 94 Meter hohem Turm, eine der schönsten Kirchen aus spätromantischer Zeit im Rheinland, wurde im letzten Vieftel des vorigen Jahrhundefts umfassend restauriert, wobei an dem Westchor, der aus dem 12. Jahrhundeft stammt, manche Stilwidrigkeiten angebracht wurden. Der Bonner Münsterbauverein wird nunmehr denW est- chor umgestalten und ihn dem übrigen, in seiner Ursprünglichkeit erhalten gebliebenen'Bau anpassen. An d en Arbeiten haben sich außer Bonner Kreisen auch Provinz und Staat finanziell beteiligt.
(Ein deutscher Gelehrter in Mexiko.
Der deutsche Botaniker Karl Reiche hat seine fast zweijährige Forschungsreise durch Mexiko zum Studium der doftigen Pflanzenwelt vor kurzem abgeschlossen. Auf seinen Reisen kreuz und quer durch das Land hat der fast siebzigjährige Gelehrte eine nahezu vollständige Sammlung aller im sogenannten „Tal von Mexiko" vorkommenden Pslanzen zusammengestellt, daneben auch eine ganze Anzahl noch unbekannter Arten bestimmt. Die Ergebnisse seiner Forschungen beabsichtigt Reiche in einem umfangreichen Werke unter dem Titel: „Botanische Landeskunde Mexikos" zusammen zu fassen, das in etwa ein bis anderthalb Jahren erscheinen und nach dem Urteile der mexikanischen Presse grundlegend für die Pflanzenkunde Mittelamerikas werden dürste. Die Arbeiten des Gelehrten wurden durch finanzielle Beihilfen deutscher wissenschaftlicher Gesellschaften und der mexikanischen Landesuniversität ermöglicht. Reiche gilt als der beste Kenner des „Tales von Mexiko"; nur der einheimische Naturforscher Urbina kann , sich ihm vielleicht noch an die Seite stellen. Reiches Pflanzensammlung, die dem geplanten Werk
! am besten, daß heutzutage unser deutsches Geld durchaus keine Sicherheit gewährt. Um wieviel ist die Mark in den letzten Tagen gefallen? Wird sie nicht noch weiter sinken? Biele behaupten es. Wenn das geschähe, stände ich mit ein paar elenden Papierlappen da und könnte mir den Mund wischen. Dienst um Dienst, Herr Geheimrat! Geben Sir mir eine Abfindung in gutem ausländischen Geld, fo sollen Sie auch in Zukunft Ruhe vor mir haben!"
Kichernd gab sie zur Antwort: „Es wird mir eine große Freude fein, Sie als Ueberbringer der schönen Devisen begrüßen zu können!"
Diese Forderung war Herbeft Jlgenkarnp sichtlich unangenehm. Was heute Auslandsvaluta bedeutete, wußte er besser, als diese Frau, die solche wirtschaftliche Fragen wohl nur ahnte. Mit Auslandswechseln ist ihr nicht gedient, sonst würde er sich nicht lange sträuben. Aber in Devisen auszahlen? Daß er ein Narr wäre!
Vielleicht gelingt es ihm doch noch, sie auf den Leim zu locken! Mit feinem gewinnendsten Lächeln erwiderte er: „Ich hätte Ihnen so viel Klughett wahrhaftig nicht zugetraut, für gewöhnlich verstehen gerade die Frauen von diesen Dingen herzlich wenig. Aber Sie haben vollkommen recht, wenn Sie sich auf diese Weise sichern wollen, und ich bin nicht abgeneigt, Ihren Wunsch zu erfüllen. Leider habe ich keine fremden Devisen bei mir und kann sie im Augenblicke auch nicht beschaffen, da sie in meinem Tresor wohl verwahrt liegen. Morgen in aller Frühe muß ich für einige Wochen verreisen. Meine Nerven sind völlig zusammengebrochen. Wenn meine Kur, der ich mich unterziehen will, Erfolg haben soll, muß ich vor Ihnen Ruhe haben. Ich stelle Ihnen eine Bescheinigung aus, daß Sie nach meiner Rückkehr aus dem Bade eine bestimmte Summe in Gulden ober Dollar gezahlt erhalten. Safür’ unterschreiben Sie einen von mir entworfenen Revers. Wir tauschen nur unsere Scheine aus, bann gehen wir beibe ganz sicher. Wieviel wollen Sie benn haben?"
„Ist es Ihnen aber auch wirklich ernst mit Ihrem Vorschlag?"
• „Meinen Sie, ich wäre zum Scherzen sonderlich aufgelegt?"
Wein-Müller
Pfandhausstrasse 5
„Ich mürbe mich mit einer Jahresrente von tausend hollänbischen (Bulben zufrieben geben. Das ist boch gewiß bescheiden!"
Der Geheimrat starfte Frau Phillipp an wie ein Wundertier. Was das Weib sich wohl einbildete! Dann müßte er ja ein Kapital von 25 000 Gulden zur Verfügung stellen! Daß er ein Narr wäre!
Dann aber schmunzelte er in sich hinein. Wenn fein Plan gelang, daß sie den von ihm entworfenen Revers unterschrieb, bann kostete ihn der Spaß nicht einen Cent! Und sie sollte es bann nur versuchen, noch einmal Gelb von ihm zu erpressen! Er würbe ihr schon die Wege weisen.
„Tjaja, liebe Frau Phillipp, bas ist selbst für einen Mann in meinen Derhästnissen ein gewaltiges Stück Gelb. Wenn Sie ahnten, wie schwer es ist, heutzutage hochwertige Valuta zu bekommen! Aber um enblich Ruhe vor Ihnen zu haben, gehe ich auf Ihren Wunsch ein. Geben Sie nur Papier und Tinte, dann machen wir das Geschäft gleich in Ordnung."
Behaglich schmunzelnd schaute er ihr nach, als sie mit eiligen Trippelschritten im Nebenzimmer verschwand. Der Sieg, den er über die raffinierte Frau errungen hatte, ließ ihn alle feine Sorgen vergessen. Er fühlte sich nun wieder kerngesund, glaubte felsenfest an fein Glück.
Vorsichtig stellte er nach ihrer Rückkehr folgenden Schein aus: „Ich verpflichte mich, Frau Margareta Phillipp in Dortmund die Summe von fünfundzwanzigtau- fenb Gulden nach meiner Rückkehr aus dem Bade in holländischen Devisen zu zahlen."
Dann schrieb er auf ein anderes Blatt: „Ich Endesunterzeichnete versichere hiermit, daß das älteste Kind des Geheimrats Herbert Jlgenkarnp und feiner Frau Hermine verwitwete von Termöllen geborene Klentze lebend zur Welt gekommen ist und erst drei Stunden nach dem Hinscheiden der Mutter starb."
Zunächst schob er ihr den zuletzt geschriebenen Schein zu und meinte freundlich: „Das können Sie doch unbedenklich unterschreiben, nicht wahr?"
„Warum nicht, Herr Geheimrat! Sobald ich bas Geld in Händen habe, bin ich dazu bereit — nicht früher und nicht später!"
Müller-Weine
Schaumweine. Spirituosen, Punsche und Liköre Rot-, Weiss- und Süd-Weine.
Doll innerem Grimm nagte Herbeft Jlgenkarnp an seiner Unterlippe. War denn dieses Weib närrisch? Meinte sie wirklich, er wollte ihr eine so große Summme opfern? Aber er zog es vor, diese Gedanken für sich zu behalten. Statt besten gab er sich die erdenklichste Mühe, sie zu einer anderen Ansicht zu bekehren. Er, der im Anfänge der Verhandlung so eilig war, schien jetzt Zeit in Hülle und Fülle zu haben. Die Frau aber schüttelte nur immer wieder lächelnd den Kopf und sagte: „Wenn Ich diesen Schein unterschreibe, binde ich mir selbst Hände und Füße. Sie haben dann, was Sie zu Ihrer Sicherheit nötig haben: meine Erklärung, die ich so leicht nicht umstoßen kann — ich aber habe nichts!"
Heftig brauste Jlgenkarnp auf: „Meine Unterschrif- ten gelten an der Börse als bares Geld! Meinen Sie, ich wollte meinen guten Namen aufs Spiel setzen und meine eigene Unterschrift verleugnen? Das wäre ja lächerlich!"
„Regen Sie sich nur wieder auf, Herr Geheimrat! Sie können mir heute die gewünschten Gulden nicht begaffen, ich gebe Ihnen darum auch heute noch nicht die gewünschte Erklärung. Segen Sie mir die Gulden auf den Tisch, so unterschreibe ich sofoft.
Erregt fuhr Jlgenkarnp über die schweißnasse Stirn und meinte stöhnend: ,Ich habe Ihnen schon gesagt, daß ich hier in Dortmund bas Gelb nicht beschaffen kann, baß es in meinem Tresor in Herkenhof liegt. Da ich morgen abreife, ist es mir ganz unmöglich, vorher noch einmal zu Ihnen zu kommen —"
„Auf vier ober sechs Wochen kommt es mir nicht an. So lange will ich ja wohl warten!"
„Unb ich soll weiter in ber qualvollen Unruhe leben, baß Sie roieber anberen Sinnes werben unb unser Geheimnis verraten? Das ist nuefträglichl Ich halte es nicht länger aus!"
Frau Phillipp klopfte ihm begütigend auf die Schulter: „Immer ruhig, Herr Geheimrat! So lange mir nicht von anderer Seite fünfundzwanzig tausend Gulden geboten werden, — und das ist wohl gänzlich ausgeschlossen!! —, schweige ich!"
(Fortsetzung folgt) J .
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Das Haus Termöllen.
Roman von Emil Frank.
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Aber er ließ von solchen Gedanken natürlich nichts merken, sondern meinte kühl: „Sie haben sich möglicherweise etwas aufbinden lasten. Und dann kommt es ja nur auf Sie an, Frau Phillipp. Solange Sie schweigen, kann uns beiden fein Mensch etwas anhaben, nicht wahr?"
„Versteht sich, versteht sich! Aber wenn mich nun mal die Not mürbe machte! Wenn ich nicht mehr ein unb aus wüßte!"
„Nun, in solchen Fällen haben Sie mich immer ganz vorzüglich zu finden gewußt."
„Gewiß, ich muß doch leben! Aber wenn Sie nun nicht mehr da sind! Dann hat unser beiderseitiges Geheimnis nicht den mindesten Wert für mich. Uno ob Ihre Erben es sich auch etwas kosten lasten würden, um mein Schweigen zu erkaufen, ist doch fraglich! Herr von Termöllen zum Beispiel könnte höchstens daran interessiert fein, daß die Geschichte ruchbar wird, denn bann hat er einen doppelt so großen Anteil an den Westfaliawerken als heute."
Traurig genug, daß das Weib recht hat! dachte der Geheimrat. Und in diesem Augenblick fiel ihm ein, daß gerade Erich den Bries gefunden haben konnte, ber ihm so unschätzbare Waffen in die Hand drückte. Er wäre ja ein Narr, wenn er sie nicht gebrauchte unb handelte es sich zehnmal um seinen Stiefvater! Hier mußte er vorbeugen um jeden Preis.
Vorsichtig begann er jetzt zu reden: „Hören Sie mich einmal an, Frau Phillipp, wir können die Geschichte doch in Güte regeln. Ich verstehe recht gut, baß Sie sich Sorge um Ihre Zukunft machen unb will sie sicher stellen. 'Wie viel verlangen Sie?"
Frau Philipp sann angestrengt nach. Jetzt war nicht Zeit, sich dem beseligenden Gefühle hinzugeben, daß sie diesen überschlauen Mann doch mürbe gemacht hatte! Sie mußte das Eisen schmieden, solange es heiß war.
Zögernd, als scheue sie sich, ihre Forderung aus- -usprechen. hob sie an au reden: „Sie wissen es ja