Einzelbild herunterladen
 

Umtfatmtt« 10

HM B mreilNNMN iv PI«, vmu ^uu„k

FuldaerZeitung

Anzeiger für die Skadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakl.

55.Zahrg.

Freitag, 6. Januar 1928. .

Rr. S

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und , Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Ac'tiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.>:

Änzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 5U. Reklamezelle: lokal 0,60 JUt auswärts 0,80 JU. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Amerika plant eine ReparatiaMonserenj?

wtb. Rew 3ort, 5. Jan. (Eia. Funkm.). »Journal of Commerce" meldet aus Washington, das Staatsdepartement bereite gegenwärtig einen klaren Plan für eine umfassende Rege­lung der Reporationsfrage und dec interalliierten Schulden vor, der einer für die Mitte dieses Jahres einzuberufenen internationa­len Konferenz vorgelegt werden solle.

♦

In Kommentierung eines Artikels der „Deut­schen Bergwerkszeitung"» in dem von der Not­wendigkeit einer Neuregelung der Reparations­frage die Rede ist, schreibt der Pariser „E x e l - Hör", offenbar beeinflußt:

Für die französische Regierung bleibt die juristische Basis der Reparationen der Lon­doner Zahlungsplan in Höhe von 132 Milliarden Goldmark. Zweifelsohne weiß man in Frankreich sehr gut, daß der Dawesplan nur pro­visorisch ist. In der Tat müßte der Dawesplan mehr als ein Jahrhundert in Kraft klei­den, damit Deutschland seine ganze Schuld be­gleichen kann,; aber die französische Regierung, die durch den Dawesplan mehr erhält, als sie an England und die Vereinigten Staaten schuldet, hat kein Interesse an seiner Revision. Sie wird also nur der Festsetzung der Eesamtschuld durch die Reparationskommission zustimmen, wenn sie Frankreich gle'che Garantien und gleichweriige Vortelle bietet. Niemand kann im Augenblick von der französischen Regierung verlangen, daß sie die Initiative zu einer Revision ergreife oder

daß sie die Initiative anderer Mächte unterstütze Sie wird nur den Konzessionen, die man :n Lon­don, in Washington und natürlich auch in Berlin wünscht, zustimnien, wenn Frankreich die Gewähr hat: 1. daß die. späteren Zahlungen Deutschlands restlos die französischen Zahlungen gegenüber Eng­land und die Vereinigten Staaten decken, 2. daß das französische Schatzamt die genügende Summe überweisen wird, um den Zinsendienst für die inneren Anleihen, die Frankreich für seine Repa­ration ausgenommen hat, zu bestreiten. Jeder Plan, der dieser doppelten Notwendigkeit nicht Rechnung trägt, wäre für Frankreich eine Ent­täuschung und das Parlament und die öffentliche Meinung müßten ihm energisch die Zustimmung versagen.

Der angebliche Schuldenregelungsplan.

wtb Rewyork, 5. Ian. (Eig. Funkm.) Der vom „Journal of Commerce" in feiner Washingtoner Meldung erwähnte Schuldenregelunqsvlan , des Staatsdepartements, über dessen Authentizität übriaens noch nichts feststeht, enthält dem genann­ten Blatt zufolge als Hauptpunkte die Festsetzung einer endgültigen Gesamtsumme der Reparationszahlungen, die beträchtlich niedriger als die Summe der im Dawcsp'an vorgesehenen Zahlungen sein würde, den Verkauf oroßer Beträge von Obligationen nach Frankreich, Berücksichtigung der britischen Ansprüche an Deutschland und Ausgabe neuer deutscher Obliga­tionen zu Händen der Vereinigen Staaten zum Zwecke der Zahlung der interalliierten Schulden an Amerika. Der Man siebt außerdem die Ab­schaffung der Transferkomltees vor.

JeutMM und der

Der Notenwechsel zwischen Washingtz Paris über die Frage des Nichtangriffsvertrages wird in Berliner politischen Kreisen natürlich mit Interesse verfolgt. Den Ausgangspunkt des amerikanischen Standvunktes sieht man in der Tat­sache, daß die Vereinigten Staaten nicht dem Völ­kerbund angehören, aber durch den Kellogg'schen Sorschlag zu einem Modus zu gelangen suchen, r ungefähr den Prinzipien und Zielen des Völ­kerbundes entspricht. In Berliner politischen Kreisen werden diese Bemühungen wie alle Be­strebungen, die dem Ausbau des Friedens gelten, mit Sympathie begrüßt. Es ist anzunehmen, daß auch Deutschland sich ihnen anschließen werde, wenn es dazu eingeladen werden sollte.

' *

In dec Einleitung feiner dem französischen Botschafter in Washington übergebenen Note über Driands Paktvorschlag, deren Inhalt bereits ge­meldet wurde, führte Kellogg noch aus:

Die Vereinigten Staaten begrüßen jede Ge­legenheit, sich mit anderen Regierungen in der Verurteilung des Krieges zu verbinden und aufs neue ihren Glauben an die S ch I e d s - gericksbarkeit zu bekunden. Die Regierung Der USA. ist der festen Ueberzeugung, daß jede internationale Anerkennung der Schiedsgerichts­barkeit und jeder Vertrag, der den Gedanken der Anwendung von Waffengewalt zur Austragung von auf rechtlichem Wege lösbaren Streitigkeiten ablehnt, die Sache des Weltfriedens we­sentlich fördert. Meine Auffassung hierüber findet einen konkreten Ausdruck in dem Entwurf eines Schiedsgerichtsvertrages, den ich in meiner Note vom 28. Dezember 1927 als Ersatz eines Schieds­abkommens von 1908 vorgeschlagen habe. Der vor- geschlageneVertrag «rroeitert den Zweck dieses Ab­kommens und legt die unmißverständliche Entschlos­senheit der beiden Länder fest, jeden Bruch in den freundschaftlichen Beziehungen, die seit so langer Zeit zwischen ihnen bestehen, zu verhindern. An­gesichts der traditionellen Freundschaft zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten, einer Freundschaft, die glücklicherweise nicht von dem Be­stehen einer formellen Verpflichtung abhängt und angesichts des gemeinsamen Wunsches der beiden Nationen, zur Lösung der zwischen ihnen etwa be­stehenden Streitigkeiten niemals zu den Waffen zu greifen, einer Entschlossenheit, die in dem vorerwähnten Entwurf des Schiedsge- richtsvertrages bekundet wird, bin ich der Mei­nung, daß die beiden Regierungen, anstatt sich mit zweiseitigen Erklärungen der von Briand ange­regten Art zu begnügen, einen bemerkenswerten Beitrag zum Weltfrieden leisteten, inbem, sie sich in gemeinsamer Bemühung zusammenschlossen, um_ die Zustimmung aller bedeutenden Mächte der Welt zu einer Erklärung zu er­langen, worin auf den Krieg als ein Instru­ment staatlicher Politik verzichtet wird.

wie Amerika denkt.

Wie aus Washington gemeldet imrd. Nimmt man in Kongreßkreisen die vom Staatsde­partement bekanntgegebene Aufforderung der Re­gierung der Vereinigten Staaten an Frankreich, den Schiedsvertrag zu einem vielseitigen Vertrage an Stelle eines nur zweiseitigen Paktes auszuye- stalten, durchweg beifällig auf. Man begrüßt die Absicht der Regierung, ähnliche Verträge mit London und Tokio abzuschließen, als einen klugen Schritt zur Sicherung des Friedens, und zwar mit dem europäischen Kontinent durch Frank­reich, mit dem britischen Imperium durch England und mit den Gebieten des Pacific durch Japan. Man glaubt, daß selbst, wenn Frankreich zögern sollte, diesen Vorschlag anzunehmen, die ande­ren Mächte doch das aroßzüaiae Anerbieten der

PakimWag.

.........„.en sympathisch aufnehmen ynd ernsthaft erwägen würden.

Im Staatsdepartement wurde erneut betont, daß die Regierung der Vereinigten Staaten Frank­reich die Erweiterung des sog. Rootvertrages von 1908 vorgeschlagen und als Antwort auf den von Briand vorgelegten Entwurf eines Vertrages zur Aechtung des Krieges einen auf alle Länder anwendbaren Schiedsovrtrag überreicht habe, der jedoch nicht anstelle des immer noch gel­tenden erst ein Jahr nach der Kündigung ablau­fenden Bryanvertrages von 1914 treten solle, son­dern eine moderne zur Schlichtung von Streitig­keiten geeignete Form vorsehe. Nach Ansicht des Staatsdepartements würden die übrigen Staaten unbedenklich einem . solchen Vertrage zustimmen können.

Briands Beweggründe.

Der französische Außenminister Briand scheint bre letzten Monate vor den Neuwahlen zur Kammer mit leidenschaftlichen Bemühungen aus­füllen zu wollen, dort noch Erfolge rechtzeitig eintu» heimsen, wo das nationale Gefühl Frankreichs nicht allzusehr engagiert ist. Er verbandelt mit den Ru ssen, er verhandelt mit Mussolini, er hat neuerdings auch den Amerikanern den Vorschlag eines sehr weitgehenden Nichtangriffs­paktes gemacht, der nun jetzt die besondere Auf­merksamkeit der Öffentlichkeit findet. Gerüchte darüber haben schon vor einigen Tagen in ber französischen Presse gestanden. Sie fanden ihre Bestätigung durch das Schreiben des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg an den französischen Bot- schafter Claudel in Washington. Das Briand'sche Angebot ist durch die amerikanische Regierung bis zu einem gewissen Grade bejahend beantwortet worden. Es wird der Gegenvorschlag folgender zwei verschiedener Verträge gemacht:

1. Ter Schiedstrichtsvertrag von 1908, dessen Erneuerung tn diesem Jahre fällig wird, würde eine neue Form erhalten durch Ein­fügung einer Präambel und durch irgendeine Ab- ändening des alten Vorbehaltes betr. Fragen, bre die Sicherheit und Interessen der Unterzeichner berühren. Frankreich und Amerika würden s:ch nach dem neuen Vertrag verpflichten, alle zwischen ihnen entstehenden Differenzen schiedsgerichtlicher Entscheidung zu unterbreiten mit dem Vorbehalt, daß folgende Fragen ausgenommen bleiben: Fra­gen, die sich au3 innerpolitischen Entscheidungen ergeben; Fragen, die eine dritte Macht berühren und Fragen, die sich auf die Anwendung der Mon- roedoktnn beziehen .Möglicherweise bestehen noch andere Vorbehalte.

2. Ein Vertrag, enthaltend eine Erklärung der Unterzeichner, gut ßöfung internationaler Differenzen nicht zum Kriege zu schreiten. Dieser Vertrag würde aber entsprechend einer jüngst von Senator Borah abgegebenen Erklärung nicht einen rein französisch-amerikanischen _ Charakter Ha­ben, sondern anderen Staaten, die zur Unter­zeichnung bereit fein wollten, würde diese freistehen.

In amerikanischen Kreisen ist weiter erklärt worden, daß Staatssekretär Kellogg noch einen per­sönlichen Brief an Briand geschickt habe, worin er seine Ideen preise, und sagt, anderen Nationen werde ein großes Beispiel damit gegeben, wenn die Großmächte mit solchem Antikriegsvertrags­system vorangingen. Inzwischen hat das amerika­nische Staatsdepartement Kelloggs Note an Briand veröffentlicht, sie enthält das, was angeblich in dem persönlichen Brief an Briand hervorgehoben sein sollte.

Veranlaßt war der Schritt Briands, wie schon angedeutet, durch den Umstand, daß der zwischen Frankreich und Amerika im Jahre 1908 abge­schlossene Schiedsvertrag am 2. Februar dieses Jahres ablaufen würde. Amerika hatte anfänglich die einfache Verlängerung dieses Vertrages bis

auf ganz geringe Aenderungen verlangt; aber Briand hielt den Augenblick für gekommen, Er­weiterungen vorzufchlageii. Dabei hat allerdings nicht nur der Wunsch nach Vertiefung des Friedens- Verhältnisses mitaesyrolben, sondern auch die lieber- legung, das durch die Kriegsschuld frage et­was getrübte Verhältnis neu zu arrangieren und allgemein eine bessere Vertrau ensfvhäre zu schaffen. Ein französisches Blatt hatte dieses Moment kon­kretisiert, indem es daran erinnerte^ daß die Ame­rikaner, wenn Frankreich in der Schuldenzahlung nachlässig würde, sich bequeme Sicherheitspf and er verschaffen könnten. Sie brauchten nach demPoin- carö'schen Vorbild des Ruhreinmarsches nur die Antillenkolonit zu besetzen. Mit dem Vorschlag des Verbotes kriegerischer Handlungen hat also wohl Briand eine solche Gemhr beseitigen wollen.

Die amerikanischen Gegenvorschläge werden im Pariser Außenministerium zur Zeit geprüft. Die öffentliche Kritik richtet sich vor allem gegen die Ausweitung des Vertrages auf die übrigen Großmächte. Teilweise sieht man darin eine höfliche Ablehnung der Briandschen Anregung, an­dere sind in ihrem Kommentar weniger pessimistisch und glauben, daß dennoch ein positives Ergebnis erzielt werden könnte, wenn Briand seine Anregung näher präzisierte, wenn er vor allem darauf Hin­weisen würde, daß Kellogos Gegenvorschlag den Völkerbund an die Seite schieben müßte, der übrigens seine Mitglieder unter Umständen zu ge­wissen Kriegsma'>"hmen verpflichtet. Frankreich könne keinerlei Abmachungen einnehen, die mit solchen Verpflichtungen, wie sie der Völkerbund vor­sehe, einmal kollidieren würden. Im übrigen zeigt man sich ziemlich überrascht über die zahlreichen Ausnahmen, die Amerika bei solchem Vertrags­system der schiedsgerichtlichen Entscheidung entziehen möchte. Es würde dabei schließlich jeden positiven Wert verlieren. Frankreich, so wird seine Antwort vorausgezeichnet, wird also wünschen, daß der Antikriegspakt zunächst nur zwischen Frank­reich und den Vereinigten Staaten abgeschlossen werde, mit der Freiheit für alle Völker ähnliche Abmachungen mit Frankreich oder Amerika zu treffen.

Uebrigen? läuft im Juni ds. Js. auch ber tm Jahre 1914 zwilchen England und Amerika abgeschlossene ^-hiedsvertrag ab. Dieser Umstand war wohl ein Grund dafür, daß Kellogg in An­lehnung an den Rat des Senators Borah eine größere GesamtreoMug de? Schiedsvertragssystems mit den europäischen Staaten befürwortete. Für Enoland aber ist ein Anlaß gegeben, die nun zwischen Paris und Washington lausenden Ver­handlungen mit aller Ausmerksamke't zu verfolgen. Man gibt sich in London große Mühe, über die letzten amerikanischen Absichten Endgültiges zu erfahren.

Eine Wendung?

wtb Paris, 5. Ian. (Eig. Funkm.) „Newnork- Heralb" will mitteilen können, daß eine neue Wen- düng in den französisch-amerikanischen Verhandlun­gen insofern eingetreten sei, als Briand gestern dem französischen Botschafter in Washington In­struktionen gegeben habe, in denen er den Wunsch zum Ausdruck bringe, die französisch-amerikani­schen Schiedsgerichtsverhandlungen von den Verhandlungen wegen des A b f ch l u f s es einer allgemeinen internationalen Vereinbarung gegen den Krieg voll­st ä n d i g z u trennen. Briand habe um Ser« t a g u n g der Verhandlungen wegen Aechtung des Krieges ersucht.

Kelloggs Vorschlag alle Welt zur Aechtung des Krieges einzulaben, scheint Briand bedenk­lich gemacht zu haben.

* Rücktritt des Senatspräsider.ken Riedner. Der „Reichsanzeiger" gibt bekastnt, daß der Senais- präsident beim Reichsgericht Riedner auf feinen Antrag unter Gewährung des gesetzlichen Ruhe­gehaltes mit Ablauf des 31. Januar 1928 in den Ruhestand versetzt worden ist.

* Keine Verschwörung in Kalkutta. Zu den im Auslände verbreiteten Meldungen über eine Ver­schwörung in Kalkutta und über im Zusammen­hang damit vorgenommene Verhaftungen, teilt das Reuterbüro mit, daß inLondon keine derartigen Nachrichten aus Indien vorliegen.

Die Lage im Elsaß;

Der kommunistische Abgeordnete Fournier ver­öffentlicht in der „Humanne" einen Bericht über die von ihm im Elsaß angestellte Enquete, indem er die Behauptung aufstellt, daß man in Siraß- burg nicht mehr französisch spreche, sondern überall, auf der Straße, in Hotels, in den Restaurants, <n der Straßenbahn usw. nur noch den elsäfsischen Dialekt höre.

_ *

Der Vorstand der elsässischen Volksvereinigung hat eine Beratung abgehalten, um zu den in den letzten Tagen vorgenommenen Verhaftungen zahlreicher elsässischer Persönlichkeiten Stellung zu nehmen. Bevor ein endgültiger Beschluß gefaßt wird, sollen noch weitere Auskünfte eingeholt wer­den; aber bereits in der Sitzung wurde, wie das „Journal" berichtet, ein starker Protest laut ge­gen die bei verschiedenen Geistlichen am Weih­nachtsoorabend vorgenommenen Haussuchungen.

Wie dem „Journal des D-büts" aus Straßburg gemeldet wird, hat der Präfekt des Departements Niederrhein dem Ministerpräsidenten Poincar« eine Einladung der elsässischen Bürgermeister zur Teilnahme an einem Bankett übermittelt, das sie ibm ru (Ehren 'm Februar oerz-fallen wollen.

Frankreich und Mussolini.

Der Zwischenfall von Szent Gotthard nährt das Mißtrauen.

Die Angelegenheit des Waffentransportes aus Italien, der an der ungarischen Grenze festgestcllt wurde, beschäftigt die Pariser Presse fast allge- mein. Die meisten Blätter erklären, daß Lander der Kleinen Entente und Polen in dieser Frage nicht inkriminiert werden könnten. Sie fordern, wie z. B. der „Matin", daß in den Hauptstädten der Kleinen Entente eine sehr eingehende Unter­suchung eingeleitet werde und stellen tn Aussicht, daß die Angelegenheit in de« kommenden Tagen diplomatische Erörterungen auslösen werde. Der sozialistische „Peuple" schreibt: Der italienische Fa« schismus hat sich ertappen lassen. Die franzos'lcher Behörden wußten sehr wohl von dem Wasfen- schmuggel nach Ungarn und auch, wre man leit wenigstens einem Jahr vorgegangen ist. Ein neuer Semeis bes mussolmischen Pazt- f i 5 m u s, nicht wahr? 1 Man braucht nicht lange nach den Beweggründen der Diktatoren in Rom zu suchen, die seit langem zu den Diktatoren tn Budapest in herzlichen Beziehungen stehen. Die nngariscben Nationalisten verheimlichen keines« wegs ihren Wunsch, Revanche zu üben und Mus­solini hilft ihnen bei der Vorbereitung, well em mit Waffen versebenes Ungarn eine Bedrohung bedeuten würde, die er gegen die Kleine Entente ausspielen könnte. Weder die Tschechoslowakei noch Rumänien noch Südslawien scheinen geneigt zu sein, sich diesen Praktiken zu unterwerfen, tue auf sie direkt angewandt werden. Es wird nicht überraschend sein, wenn die nächste Konferenz der Kleinen Entente sich eingehend mit dieser Ange­legenheit befaßt und sich an den Dolkernaunr wendet, denn hier handelt es sich um eine deut siche Verletzung des Vertrages von Trianon.

„Paris Matinal" erklärt: Italien wie Ungarn streben nach einer Aenderung der Grenzen in Mit­teleuropa auf Kosten der Kleinen En- tente. Dos zwilchen Budapest und Rom fjero jchende Einvernehmen ist für niemanden em Ge- heimnis; allerdings muß man sich wundern, daß man in der Tschechoslowakei soviel Lärm um diese Angelegenheit schlägt. Die führenden Männer m Präg tun ja alles, was sie nur können, um aus dem Zwischenfall eine europöi'che Krise zu ma- eben. Ihr Appell an den Völkerbund hat nur einen Sinn, wenn sie eine Neuregeluna des un- garischen Problems herbeizuführen beabsiätzigen.

B'sher ist beim Völkerbund noch kein Protest wegen der Entdeckung einer Sendung Maschinen­gewehre im Bahnhof Szent Gotthard eingetroffen« In den diplomatifchen Streifen Genfs ist man der Meinung, daß feine der Interessierten Regierun- gen einen Schritt unternehmen wird, bevor das E r g e b n I s d e r U n t e r s u ch u n g, die voraus» sichtlich onaeorbnet wirb, bekannt ist. Es ist da­her verfrüht, von ber Ingangsetzung eines inter­nationalen Apparates zu sprechen.

• Verhaftung von Sowjetangesteklken In Rwa- Anläßlich bes 9. Jahrestages ber Einnahme Rigas durch die Bolschewisten fand in Riga trotz des polizeilichen Verbotes eine kommunistische Der- fammlung statt, bei ber 15 Kommunisten, darunter zwei Angestellte ber Sowjetrussischen Handels- Mission verhaftet wurden.

* Aenderung des Tabaksteuergefehss. Dem Reichswirtschaftsrat liegt zur Zeit der vom Reichs, finanzminifterium eingegangene Entwurf eines Gesetzes zur Abändecung des Tabaksteucrgejetzes vor. Es wurde in der Sitzung der beiden Haupt- ausschüsie am 14. Dezember 1927 einem Arbeits­ausschuß zur Vorberatung überwiesen. Cs ist be­absichtigt, die Beratungen so zu beschleunigen, daß noch im Laufe des Monats Januar bas Gut- achten über ben Gesetzentwurf ben Hauptausjchüs- sen vorgelegt werben kann.

Die Neichsbank am JahresirMmo. Rekordbeanspruchung. — Zunahme de, wechselporte- feuille, um 711,8 THIO. Ulf. — Steigerung des Roten- umlaufe um 524,1 21110. 2Iit

Nach dem Ausweis ber Reichsbonk vom 31. Dezem­ber 1927 hat btt getarnte Kapitalanlage der Bank In Wechseln und Schecks, Lombards und Efsckten um 746 aus 3300,4 Mill. RM zugenommen. Die Zunahme entfällt mit 711 Mill. RM. auf die Bestände an Wech. sein und Schecks, die auf 3128,7 Mill. RM. angewach- len sind. Die Lombardbeftande haben sich um 34,2 Mill. RM auf 78,3 Mill. RM. erhöht, während die Anlage in Effekten mit 93,4 Mill. RM. annähernd unverändert geblieben Ist.

2(n Relchsbanfnoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 124,1 Mill. RM. in den Verkehr ab ge­flossen: im einzelnen erhöhte sich der Umlauf an Reichs­banknoten um 517,7 Mill. RM. auf 4564 Mill. RM., derjenige an Rentenbankscheinen um 6,4 Mill, auf 716,2 Mill. RM, dementsprechend sind die Bestände der Reichs­bank an Rentenbankscheinen auf 23,6 Mill. RM. zurück­gegangen. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf stellte sich unter Einbeziehung von ca. 830 Mill. RM Schei­demünzen und ca. 190 Mill. RM. Prioatbanknoten ouj rund 6300 Mill. RM. gegen rund 5230 Mill. RM Ende 1926. Die fremden Gelder zeigen mit 779,1 Mill. RM. einen Zuwachs um 211,7 Mill. RM.

Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devi­sen insgesamt stiegen um 6,6 Mill. RM. aus 2146 6 Mill. RÄl. und zwar der Bestand an Gold um 4,1 Mill, auf 1864,6 Mill. RM. Die Bestände an deckungs- fähigen Devisen um 2,5 Mill, auf 282,0 Mill. RM. Di- Deckung der Noten durch Gold allein betrug 40,9 Pro­zent, gegen 46,0 Prozent in der Vorwoche und 49,0 Prozent, die durch Gold und deckungsfähige Devisen 47,0 Prozent in ber Vorwoche und 62,9 Prozent End« 1924-