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Anzeiger für die Sfabf Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 4.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und BuchenblStter". Notationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. >: Monatlich« Bezugspreis 1,80 Mk.

Donnerstag, 5. Ianuar 1928.

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Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051

Amerika schlickt kein Son-erbjjnknis mit Frankreich

Im Staatsdepartement in Washington wurde >s abgelehnt, zu den Presseäußerungen über den tznhalt des der französ. Regierung unterbreiteten amerikanischen Entwurfes eines Schiedsgerichtsvertrages Stellung Kl nehmen. Es wurde betont, daß es nicht üblich sei, über schwebende Verhandlungen Informationen auszugeben. In Senatskreisen wurde dem Ver­treter des WTB. erklärt, daß es sich n i ch t, wie in manchen Pariser Meldungen behauptet wird, um - ein amerikanischerAn geb o t eine sAn. ; tikriegsvertrages handele, das Frankreich als unbefriedigend ablehnen könne. Man müsie sich vielmehr die Entwicklung dieser Angelegenheit vor Augen halten und sich klar machen, daß das Ange­bot von B r i a n d komme und das Staatsdeparte­ment nach langem Zögern feinen guten Willen da­durch bekundete, daß es einen Entwurf formulierte, der das Maximum dessen darstellte, was die Vereinigten Staaten zugestehen könnten. Wenn Frankreich das nicht genüge, so sei es jedenfalls dem amerikanischen Senat ebenso recht, wenn kein Der- trag geschlossen werde, denn die Vereinigten Staa­ten gewännen nichts durch solche Verträge, sondern legten sich lediglich Bindungen auf, deren Trag- weite größer sein könnte, als es im Voraus abzu­sehen sei. Das Problem sei also zur Zeit nicht die Annahme eines amerikanischen Angebots, sondern der Bescheid Frankreichs mit dem Schiedsvertrag. Don einem besonder en Freundschaftsvertrag mit Frankreich könne keine Rede sein.

Der Brief KeDogs.

wtb Washington, 3. Ian. ((Fig. Funkm.) In seinem Briefe an die französische Regierung betr. den amerikanisches Gegenvorschlag über einen Anti- Kriegsvertrag schreibt Staatssekretär Kellogg, er habe die Frage sorgfältig erwogen und erwidere im Namen des amerikanischen Volkes von Herzen „die erhabenen Gefühle der Freundschaft*, die Briand veranlaßt hätten, seinen Vorschlag zu machen.

Staatssekretär Kellogg regt dann an, „daß die beiden Regierungen, anstatt sich mit einer zwei­seitigen Erklärung zu begnügen, einen bemerkens­werten Beitrag zum Frieden der Welt leisten könnten, Inder», sie sich zusammenschließen in einer Bemühung, die Zustimmung sämtlicher Hauptmächte der Welt zu einer Erklärung zu erlangen, worin auf den Krieg als Instrument nationaler Politik verzichtet wird. Wenn eine \ derartige Erklärung von den Hauptmächten der Welt zur Durchführung gebracht würde, so würde sie naturgemäß ein eindrucksvolles Beispiel für alle anderen Nationen der Welt sein, und es wäre

wäre denkbar, daß sie diese Nationen dazu brin­gen würde, ihrerseits das gleiche Dokument zu unterschreiben, wodurch eine Vereinbarung, die bisher für Frankreich und Amerika als Vertrags­teilhaber angeregt war, sich

auf alle Mächte der well ausdehnen wurde.

Die Regierung der Vereinigten Staaten ist da­her bereit, mit der französischen Regierung Rat zu pflegen im Hinblick auf den Abschluß eines Ver­trages unter den Hauptmächten der Welt, dessen Unterzeichnung allen Nationen freistehen würde. Wenn die französische Regierung gewillt ist, sich dieser Bemühung anzuschließen und mit den Ver­einigten Staaten und den andern Hauptmächten einen geeigneten Kollektivvertrag einzugehen, werde ich mich freuen, sofort Bespre- thungen im Hinblick auf die Vorbereitung eines Pertragsentwurfes, der den von Briand vorge­schlagenen Richtlinien folgen würde, aufzunehmen, der dann von Frankreich und den Vereinigten Staaten gemeinsam den anderen Nationen der Welt unterbreitet werden würde.*

Brianös wünsche.

wtb Paris, 4. Ian. (Gig. Funkm.) Der diplo­matische Redakteur der Agentur Havas glaubt über den Stand der französisch-amerikanischen Friedenspaktverhandlungen folgende« berichten zu können: Minister Briand erklärt sich in der ge­stern an den französischen Botschafter in Washing­ton übermittelten Antwort auf die jüngsten Anre­gungen der amerikanischen Regierung in der Frage der Erneuerung des Schiedsgerichtsvertrages zwi­schen beiden Landern mit der von Kellogg gege­benen Grundlage einverstanden, wünscht aber eine Präzision hinsichtlich einiger Punkte, besonders für den Fall einer Ablehnung der Ratifizierung durch den amerikanischen Senat sowie hinsichtlich der Be­deutung des Vorbehalts, durch die die Anwendung des Schiedsgerichtsvertrages in dritte Mächte an­gehenden Angelegenheiten ausgeschlossen werde. Was die angeregte Erklärung der A e ch t u n g des Krieges anlangt, so tft der französische Minister des Aeußern über die Aufnahme dieses Vorschlages durch den amerikanischen Kollegen er­freut. Aber wenn, wie Kellogg es in seinem Schreiben anbeutet, das geplante Abkommen nicht nur Frankreich und die Vereinigten Staaten allein binden soll, so wünscht Briand eine eingehende Prüfung der Frage, damit den Rechten und Pflichten kein Abbruch getan werde, die sich für die interessierten Nationen aus dem Völker- bundsstatut und den bestehenden Abkommen ergeben.

Wer verzögert die Rheinlank-Munnlng?

feit erst recht zu der Auffassung Deutschland Angriffsabsichten hege, rungen bekannt werden, wie sie s«

Ul ®nttoiu_. «ernte fei.

sich zum Beispiel in der deutschnationalen „Pommerschen Tagespost" finden, wo es unter anderem heißt: „In der Neusahrsnacht 1813—14 überschritt Blücher mit der schlesischen Armee den Rhein. Noch stehen seit Jahren französische Truppen im Rheinland. Wann gehen wir wieder über den Rhein?"

* Line neue Verhaftung im Elsaß. „Echo de Paris" meldet aus Straßburg, daß die Sicher­heitspolizei den der autonomistischen Bewegung angehörenden Sohn des früheren Unterstaatsfek- retärs für Elsaß-Lothringen, Karl Hauß, ver­haft ei habe.

landes im Auge. Die Franzosen aber haben seht eine Handhabe, darauf hinzuweisen, daß selbst deutsche Politiker die Sicherheit der französischen Ostgrenze nicht für unbedingt gewährleistet halten. Andererseits nmtz aber die französische Oeffentllch- g gelangen, daß , wenn Ausfüh.

Mentalität gewisser französischer Kreise fft n"^>tf)in nicht mehr zu verstehen. Man sollte doch voyl annehmen, daß die Sicherhett Frankreichs garantiert sei durch den Locarno - welchem Deutschland ein Entgegenkom- das kaum noch an Loyalität überboten 'n,„fann. Was aber die Forderung des L'2V L5n.T£tuf finanziellem Gebiete betrifft, so darf £ daran erinnert werden, daß wir durch wiEaM^kommen bis an die Grenze unserer smd »n. Leistungsfähigkeit herangegangen stand brr ■ vMeicht überschritten haben; ein Um- der vollen ^H^bst beim'Beginn der Zahlung Es ist oe-nh^aI*te§tente erkennbar werden dürfte, hin DeuffchloA unerfindlich, nach welcher Richtung soll. nochmals weitere Garantien bieten

Kreffe<wch?vöZ saBer auch verschiedene deutsche wüschen giinirn,;'9 davon freizusprechen, den fran- So war es^ Lest" verschafft zu haben, deutschen Z o'und stens eine Voreiligkeit, daß die oember 19263Lä?2frateon au[ bcr iialistenkonferen, dte^Enen Luxemburger So - Gewährung einerRheinlandräumung mit der Völkerbundes in Slcherhertskontrolle des

Zweifel hatten brachten Ohne

Vorschlag die vorzeitig^

Selbstverständlich handelt er sich bei solchen Auslassungen um weiter nichts, als um leeres Wortgeklüngel der sichinPommern wohl- fühlenden Junker. Die französische Chauvmisten- presse nimmt jedoch die Gelegenheit nur zu gern wahr, wittert sofort Kriegshetze und gibt sich daraufhin Mühe, die Arbeit der verständigungsbe» reiten Politiker zu erschweren. Den Schaden von der gangen Geschichte mutz dann das deutsche Volk tragen.

(Eine amerikanische Stimme.

Aus Rewyork wird gemeldet: Da« demo­kratische Parteiorgan „World* schreibt, das Emp­finden der Mehrheit des amerikanischen Volkes fei, daß Hindenburg im Rechte sei, wenn er darauf bringe, daß das Rheinland in diesem Jahre von den französischen Truppen geräumt werde. Es fei schwer ersichtlich, welche Gründe zugunsten der Verlängerung der Besetzung geltend gemacht wer­den könnten. Vor einigen Monaten hätten Fach und einige andere französische Militaristen an­gebliche geheime Rüstungen Deutsch­lands angeführt. Dieses Argument zerplatzte jedoch, als die Notwendigkeit des Beweises eintrat. Der Beweis sei nicht zu erbringen gewesen, wo­durch offenbar geworden sei, daß der Inhalt sol­cher Behauptungen nur in der Phantasie derer existiere, die sie aufftellten. Die französischen Staatsmänner würden gut daran tun, sich an die Fehler der amerikanischen Nordstaatxn nach dem Bürgerkriege zu erinnern. Der Süden sei bereit gewesen, die Bitterkeit des Krieges zu vergessen, dagegen nicht die Demütigung durch die lange, Be­setzung Frankreich begehe vielleiibt jetzt einen ähnlichen Fehler. Je eher die Räumung er­folge, desto besser sei dies für Europa.

' Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man uns: Reichspräsident v. Hindenburg und Reichs- anzler Dr. Marx haben beim diplomatischen Neuiahrsempfang über die Notwendigkeit der Räu­mung des Rheinlandes äußerst beachtenswerte Worte gesprochen, die ihren Widerhall in jedem deutschen Herzen fanden. Man hätte erwarten können, daß auch die französische Presse dem deutschen Standpuntt gerecht werden würde. Denn was die deutschen Staatsmänner fordern, ist ja nichts weiter, als eine Selbstverständlichkeit. ®e- wisfe französische Blätter kommen jedoch von ihrer chauvinistischen Einstellung nicht los. So nimmt der „Temps" die Neujahrsansprache Hindenburgs zum Anlaß einer neuen Vergiftung des Verhält­nisses zwischen Deutschland und Frankreich. Das genannte Blatt schreibt nämlich, vom deutschen Standpuntte aus, fei es natürlich, daß deutsche Führer darauf bedacht seien, die Räumung beut» scheu Gebietes zu erreichen. Es sei aber auch be- «reiflich, daß die Alliierten ein Recht nicht auf­geben wollten, wenn sie dafür nicht andere Garan­tien bekämen, die sowohl in finanzieller Hinsicht wie vom Standpunkte der Sicherhett der Ostgrenze Frankreichs aus zum mindestens gleichwertig seien. An Deutschland sei es, Vorschläge zu machen. Die Mt Locarno gemachten Erfahrungen hätten bewie- fctt, daß die Besetzung des Rheinlandes für die Entwicklung einer Verständigungspolitik fein Hin-

Deutsche Handelsvertragsarbeiten

gesamte Oeffentlichkeit beginnt erneut nach fast vierjähriger Jntereffelosigkeit dem innerpolitischen Treiben jenes Maß von Aufmerksamkeit entgegen­zubringen, bas der kommenden Machtprobe feit altersher berührt. Bekanntlich wird dort der Prä­sident für die Amtsdauer von vier Jahren nicht vom Volke, fcnbern von einer bestimmten An- die laut 23er-

Hoover, Dawes oder Smith?

Von Dr. Richard Grant.

Nur noch einige Monate trennen die Ver­einigten Staaten von der Präsidentenwahl. In Erwartung dieses bedeutsamen Ereignisses zeigen nicht nur die politischen Parteien und viele Wirb schaftsverbände des Landes deutliche Symptom« fiiberhalter Spannung und Unruhe, sondern bi?

3um Einheitsstaat.

Die Demokraten stellen Anträge.

Die demokratische Reichstagsfraktion hat drei Anträge zur Förderung des Einheitsstaates ein­gebracht. In dem ersten Antrag wird das bald- möglichste Verschwinden der zahlreichen in Deutsch­land vorhandenen Einschlußgeblete (En­klaven) gefordert. Der zweite Antrag ersucht um Einleitung von Verhandlungen der Reichsregie­rung mit dem preußischen Staatsministerium über das'Ausgehen des preußischen Oberver­waltungsgerichts in ein Reichsver­waltungsgericht und ferner um die Eröff­nung von Verhandlungen mit den Regierungen der anderen deutschen Länder mit dem Ziele, deren Zustimmung zum Uebergang der Geschäfte der höchsten Verwaltungsgerichte der Länder auf das Reichsverwaltungsgericht herbeizuführen. Der dritte Sfntrag verlangt, daß dem Reichstag alsbald die Vorlage einer Reichs st ädteordnung u. einer Relchslandgem^lndeordnung unterbreitet wird.

Deutschland und Jugoslavien.

Marinkowstsch über die Beziehungen zu Deutschland.

Im Verlaufe einer Rede über die äußere Poli- ttf im Finanzausschuß des stigosiavischen Abgeord- netenhmiseS erklärte der Minister des Auswär- tigen, MarinkowItsch, über die Beziehungen zu Deutschland:

„Ich bin ein Anhänger aufrichtiger Freund­schaft zu Deuffchland. Ich habe im Maß des Möglichen in diesem Sinne mich betätigt und bin bet Ansicht, daß diese Politik sich in Ueberemstim- mung befindet mit unserer allgemeinen Sage und mit den internationalen Verpflichtungen, die wir eingegangen sind. Indessen darf man nicht eine so rasche Entwicklung erwatten, wie wrr sie vielleicht wünschen würden. Wenn Deuffchland bei der Poli­tik, die eS zur Zett verfolgt, und die wir ebenfalls betreiben müssen, beharrt, so werden sich unsere Beziehungen gewiß im günstigen Smne ent­wickeln im Hinblick auf die Schaffung einer dauechasten Freundschaft, die nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Verwirklichung gemeinsamer Ziele zum Ausdruck kommt."

Welche Aussichten bieten sich nun gegenwär­tig für die einzelnen Präsidentschaftskandidaten? C o o 11 d g e's Verzicht auf die kommende Kan­didatur, den er vor einiger Zeit etlichen republi­kanischen Abgeordneten gegenüber in kategorischer Form äußerte, bürfte immerhin als verbindlich angesehen werden. Dagegen rechnet man in der amerikanischen Oeffentlichkeit stark mit der Mög­lichkeit, daß Coolidge versuchen wird, seinen jetzi­gen Handelssekretär Herbert C. Hoover als Amtsnachfolger vorzuschlagen, haben ihn doch au­ßerdem verschiedene Abordnungen aus den Mis- sissippi-User-Staaten, in denen Hoover als Leiter des Hilfswerkes anläßlich der letzten Ueberschwem- mungen ungemein verehrt wird, in dieser Absicht noch wesentlich bestärkt. Hoover gilt allgemein als einer bcr tüchtigsten Köpfe des jetzigen Kabinetts und wurde 1920 viel als Präsidentschaftsanwärter genannt. Seltsamerweise hat er sowohl namhafte Telle der Großindustrie als auch den „kleinen Mann" für sich. Seine ablehnende Haltung in der Frage der staatlichen Unterstützung landwiri- schaftlicher Betriebe sowie der Prelsiegulleruiig fcheint ihm allerdings — besonde s im mittleren Westen — die Sympathien beträchtlicher Farmer- freife verscherzt zu haben. Neben ihm steht — ebenfalls von den Republikanern vorgesehen — Ge­neral Charles G. Da wes, der gegenwärtige Vize. Präsident und geistige Urheber des nach ihm be­nannten Vertragswerkes, in aussichtsreicher Stel­lung. Ob Dawes wirklich, wie immer wieder be­hauptet wird, den Entwurf einer Modifizierung sei­nes für Deutschland auf die Dauer unerträglichen Wiedergutmachungsplanes fertig ausgearbeitet-bat, steht gegenwärtig noch nicht fest. Bel der engen Verknüpfung des gesamten Reparationsproblems mit der so vielfach kritisierten amerikanischen Hoch- schutzzollpositlk würde dadurch jedenfalls eine rein. liche Scheidung zwischen Dawes (Vertreter der Hochfinanz) und Hoovers Vertreter der GroßiNdu- ftrie) nach außen hin bekundet werden. Durch dte gleichzeitige Anwärterschaft des früheren Gouver­neurs von Illinois, Frank O. L o w d e n, gilt Da- wes zwar vorläufig als gehandikept, da letzterer | sich verpflichtet hat, nicht gegen Lowden auf zu Ire-

zahl Wahlmännern gewählt, fafjung der Gesamtzahl der dem Staate für den Kongreß Anstehenden Senatoren und Slbgeorbneten zugleichen hat. In den Händen des jeweiligen Präsidenten liegt pro forma sowohl die Leitung der amerikanischen Außenpolitik als auch die des Heeres, der Marine und ßuftftreitträfte. Er selbst ernennt bezw. bestätigt alle Bundesbeamten und chließt — allerdings mit „Rat und Einwilligung >es Senats" — Staatsverträge ab. Sein Kabinett etzt sich aus neun Sekretären zusammen die, — das st die Achillesferse der amerikanischen Verfassung . — nur ihm persönlich verpflichtet bleiben, wodurch natürlich jeder Futterkrippenwlrffchast alle Türen geöffnet sind.

Spanien.

Verhaftung bet 3rau be Anamunos.

wtb Paris, 4. Ian. ((Fig. Funkm.) Nach einer Im „Journal* wiedergegebenen Meldung hat die spanische Polizei die Frau des in Frankreich tm Exil lebenden spanischen Schriftstellers de Un> a m u n o in dem Augenblick verhaftet, als sie nach Spanien von einem Bestich bei ihrem Gatten zu- rückkehrte. _____

* Beisetzung bet Mutter bes Reichswehrmini­sters. Die am Neujahrstage im Alter von 82 Jah­ren gestorbene Mutter des Reichswehrministers, Frau Karoline Geßlet, wurde am 4. Ian. in Lindenberg im Allgäu zu Grabe getragen. Hinter dem Sarge schritt in Begleitung des Reichs- wehrministers Rcheisarbeitsminist. Dr. Brauns, der mit Dr. Geßler persönlich befreundet ist. Gerst- kicher Rat und Stadtpfarrer Egger entwarf ein Bild des Wirkens der Enffchlafenen, die ins Fa­miliengrab an die Seite ihres Gatten und ihrer beiden Enkelkinder, der Söhne Geßlers, zur letzten 5RU»e Verstärkung^der indischen Luftstreitkräfte. Die indischen Luffftreitkräfte werden um zwei Geschwa­der vermehrt werden. In zwei Jahren werde sie wahrscheinlich den vorgesehenen Stand errercht haben.

Aus wirtschaftspolitischen Kreisen wird uns ge­trieben.

Das neue Jahr wird auf dem Gebiete des Ab- fdrfuffes von Handelsverträgen die Arbeiten wettet zu führen haben, die im Laufe des vergangenen Jahres mit recht gutem Erfolg erledigt worden sind. Zwar konnte im Sabre 1927 das deutsche Reich noch nicht mit allen Ländern zu einem ver­traglichen Zustande gelangen. Mtt vielen Län­dern ist es erft zu einem provisorischen Abschlutz gekommen. Aber immerhin kann gesagt werden, daß dem deutschen Wirffchaftsleben sowohl durch die endgültigen wie durch die vorläufigen Wirt- febafte- und Handelsverträge die Quelle vieler Dor- teile erschlossen worden ist.

Die mit Iugoslavien geführten Verhand­lungen, die zum Abschluß gebraut werden konnten, sind zwar nicht von überragender Bedeutung, was schon mit Rücksicht auf die ökonomische Leistungs­fähigkeit dieses Landes ohne weiteres in die Augen springt-, aber die deutsche Wirtschaft sieht doch in dem Abschluß dieses Vertrages gute Möglichkeiten für die Entwicklung des Handels mit dem ganzen südöstlichen Europa.

Don wett größerem Werte sind selbstverständlich die Abmachungen, welche mit Frankreich ver­einbart werden konnten. Zwar handelt es st» Her nur um ein Provisorium. Die zahlreichen Po­sitionen des Vertrages machen jedoch ein so um- fassendes Werk aus, daß der später abzuschließende endgültige Wirffchaftsvertrag in wesentlichen Punkten kaum ein anderes Aussehen haben wird. Gerade bei zwei Ländern «wie Frankreich und Deutschland fft es außerordentlich schwierig, allen Wünschen gerecht zu werden. Die Verhandlungs­führer der beiden Parteien wurden von den In­teressenten bestürmt, auf ihre Forderungen und Wünsche Wcksicht zu nehmen und nichts zu unter­zeichnen, was einer bestimmten Gruppe wenn nicht

schädlich, so doch minbeftens unbequem sein könnte. Es ist zu verstehen, daß sowohl manche Kreise der Landwirtschaft, wie zum Beispiel des Weinbaus, und auch der Industrie, mit vielen Teilen beS deuffch-französischen Abkommens nicht einverstan­den sind. Aber das Jahr 1928 wird zeigen ton­nen, daß die Sorgen wahrscheinlich noch großer wären, wenn gar kein vertrag guftanbegetommen

Aehnlich wie mit Frankreich verhält cs sich mit Polen. Der Unterschied besteht nur darin, daß mit diesem Lande die Verhandlungen noch schwe­ben. Am 11. Januar wird sich der deutsche De­legationsführer, Dr. Hermes, wieder nach War­schau begeben, um die Beratungen fortzufuhren. Bei den deuffch-polnffchen Verhandlungen hat es sich gezeigt, daß sehr viel Schaden durch tenben- ziöse Pressenotizen angerichtet werden kann. Be- sonders die polnische Presse hat in der letzten Zett manche Meldung verbreitet, die durchaus auf fal­scher Grundlage beruhte. So ist es nicht richtig, daß die deutsche Regierung keinen Wert auf den Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages mit Polen lege. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Der Ausgleich zwischen den polnischen Wünschen und den Erfordernissen der deuffchen Wirtschaft, insbesondere der Landwirtschaft, macht zwar gro­ßes Kopfzerbrechen, aber schließlich wird man doch zu einer Einigung gelangen, da die Regierungen der beiden Länder davon überzeugt sind, daß ein vertragsloser Zustand auf die Dauer nicht möglich ist.

Weitere Verhandlungen sind im Gange mit U n» g a r n, der Tschechoslowakei und mit G r ie- chenland. Auch in diesen drei Ländern heißt es, den deutschen Industrieerzeugnissen einen Absatz­markt zu schaffen. Es steht zu hoffen, daß die handelspolitischen Arbeiten des Jahres 1928 dem gesamten deutschen Wirtschaftsleben einen erneu­ten Antrieb zu geben vermögen.