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Kuf der Elchfahrte.

Ein Jagdabentener in Sibirien.

Von 53. W. o. Homenburg.

Eine ganze Woche lang unternahmen wir am Bai» tal von unserer Blockhütte aus Streifzüge. In unserer Hoffnung aber, auf Ringelrobben zu stoßen, sahen wir uns getäuscht. Dafür fingen wir, von unserer Lotka aus mit dem Netz fischend, prachtvolle Omule und eine große Salmonide, deren Namen ich nicht kenne, die aber an die Nelina, den weißen Lachs, erinnerte. Mit dem Angelzeug hatten wir dagegen höchst klägliche Er- folge.

Zu hungern brauchten wir ja deshalb nicht. Von Irkutsk her besahen wir noch allerlei Konserven und Zwieback. Enten, Gänse, Birk- sowie Auerwild gab es genug, wie fast überall in Sibirien, bis weit in den hohen Norden hinauf. Vor allem Birkhühner finden sich vielerorts in solchen Mengen, daß man unwillkürlich an eine Schar schilpender Spatzen erinnert wird. Daher kommt es, daß man den kleinen Hahn ebensowenig wie den Auerhahn zur seltenen und wertvollen Beute rechnet. Oft genug gilt er lediglich als Fleischlieserant, der fast stets zur Stell? ist, wenn man ihn braucht. Fleisch brauchten wir jetzt mehr als früher, denn wir hatten von einem Bauernsüger zwei Laiki, ft irische Verbellerhunde, gekauft, mit denen wir den Winter über im Gebirge ein paar Bärenlager auszuheben gedachten. Bären sollte es nur allzuviel hier geben.

Nun waren wir auf einer weiten Wanderung durchs Gebirge nach drei Tagen in das Ouellgebiet der Lena ge. kommen, vielleicht achtzig Wforst von unserem Haupt- lagsr am Baikal entfernt. Hier hatten wir im Neu­schnee die Fährte eines offensichtlich ganz kapitalen El­ches gefunden. Wir wußten, daß allwinterlich einige Rudel Elche aus höher gelegenen Bergsümpfen zutal stiegen. Dieser Einzelgänger aber mußte ein alter Schaufler sein, der erst später zu einem Rudel stoßen würde.

Im Nu hatte uns ein wildes Jagdfieber gepackt. Den Elch, diesen wehrhaften Riesen der sibirischen Urwälder, den größten Recken der weißen Taiga und des schwar­zen Urman, litten wir bislang noch nicht vor die Büchse bekommen können. Jetzt sollte er uns nicht entgehen.

Es war schon zu spät, um die Verfolgung aufzuneh­men. Es ging bereits gegen den späten Nachmittag. Der Himmel hing tief und schneegrau über dem felsigen

* Beim Spiel mit einer Waffe erschossen. In Scheuerfeld hatte sich ein junger Landwirts­sohn im Hofe des elterlichen Grundstückes mit ei­nem Browing eingeschossen. Dann legte er die Waffe mit den Worten ,sie sei ausgeschossen, atü den Tisch der Wohnstube. Ein junger Mann richtete darauf im Scherz die Waffe auf die Schwester des Landwirtssohnes, drückte ab und erschoß das Mäd­chen mit einer zurückgebliebenen Patrone.

* Doppelselbstmord im Eiienbahnzua. Im Eil­zuge auf der Strecke Elberfeld-Köln wurden in einem Abteil der zweiten Klasse ein 25jähriger Mann und ein 22sähriges Mädchen, beide aus Wiesdorf. mit Schußverletzungen aufgefunden. Der junge Mann war bereits tot, das Mädchen starb im Krankenhaus. Anscheinend haben die bei­den Selbstmord verübt .

straft acyen besonders auszuwüylenver Sachbe­arbeiter zu betrauen. Diesem Sachbearbeiter ist — da Preßstrafsachen erfahrungsgemäß in zahl­reichen Fällen auch po l i t i s ch e Bedeutung haben — nach Möglichkeit zugleich ine Bearbeitung der politischen Strafsachen zuzuweisen. Preßstrafsachen bedürfen — zumal im Hinblick auf die kurze Der- jährungsfrist —, besonderer Beschleunig» n g. Strafsachen, welche dieselbe Deröffentlichung be­treffen, sind tunlichst einheitlich zu bearbeiten Wird von einer Staatsanwaltschaft wegen einer Deros- fentlicbung, welche nicht in ihrem Bezirk erschien, ein Verfahren eingeleitet, so hat sie davon der Staatsanwaltschaft des Erscheinungsortes Mittei­lung zu machen. Diese hat dann unverzüglich zu prüfen, ob ihrerseits die Einleitung eines Versah- rens geboten ist oder ob die Uebernahme des bei der anderen Staatsanwaltschaft laufenden Berfab- rens zwecks einheitlicher 2>erforgung zulässig und zweckmäßig ist. Werden die Verfahren aber ge­trennt geführt, so haben sich die beteiligten Be­hörden in Verbindung zu halten.In dreßitraf- sachen von besonderer Bedeutung ist dein Iusttz- m i n i st e r zu berichten und die Veröffentlichung, in der die strafbare Handlung gefunden wird, ber- zufügen. Sachverständige zur Erstattung eines Gut­achten bezeichnet auf Wunsch der Reichsverband der Deutschen Presse. Die Staatsanwaltschaft hat bei Veröffentlichungen strafbaren Inhalts durch geeig­nete Anträge darauf hinzuwirken, daß die Esir- ziehung und Unbrauchbarmachung vom Gericht ausgesprochen wird. Entscheidungen des Kammer- aerichts und der anderen Oberlandesgerichte, in !>enen Fragen des Presierechts erörtert werden, sind, soweit sie von erheblicher Bedeutung sind,

I dem Reichsminister des Innern, dem preußischen Minister des Innern und dem Iustizminister mit­zuteilen.

Ein Verkehrsunfall

ereignete sich heute vormittag kurz vor 12 Uhr an h"r Sttatzenkreiizung bei der Windmühle, als eine aus Hattenhof stammende Frau trotz War- »rungsruf des dort postierten Derkehrsbeamten noch vor einem aus der Frankfurterstrabe kommenden Motorrad die Kreuzung überschreiten wollte. Sie wurde von dem Motorrad angefahren und erlitt

I nicht unerhebliche Verletzungen am Knie und an der Seite. Dem Fahrer des Motorrades trifft keine Schuld an dem Unfall. — Angesichts der wieder­holten Unglücksfälle an Kreuzungspunkten erscheint die Mahnung angezeigt, beim Ueberschreiten dieser Gefahrzonen ganz besonders vorsichtig zu sein und vor allen Dingen etwaige Warnungszeichen des

। Verkehrspolizisten zu beachten.

Naubverfuch.

Montag abenb gegen V-7 Uhr ist in ein von einer ledigen Dame geführtes Kolonmlwarenge- schäst am Avtstor ein maskierter Räuber mit vorgehaltenem Revolver eingedrungen, um die Ladenkasse zu rauben. Da die Ladeninhaberin laut um Hilfe schrie, ist der Räuber geflüchtet, ohne etwas mitgenommen zu haben: Der junge Mensch wird wie folgt beschrieben: Etwa 1,70 Meter groß, etwa 20 Jahre alt, schmal, schlanke gigur, ganz gut gekleidet mit einem grauen Anzug mit langen Hosen (Pfeffer- und salzfarbig), dunklem welchen Filzhut, weißen Kragen und Schlips. — Sachdien­liche Misteilungen, die auf Wunsch vertraulich be- hande't werden, nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.

Fleckviehzüchkeri

Am Mittwoch, den 11. Januar 1928, nachmit­tags .1.30 jUhr findet in der Harmonie , in Fulda eine Generalversammlung der Fleckviehzuchtge- nossenschaft Fulda statt. Im Hinblick auf die Be­deutung der Tagesordnung für die heimische Vieh­zucht «st den Fleckviehzüchtern die Teilnahme an der Versammlung dringend zu empfehlen.

Tal, in dem die junge Lena schäumend über die Gesteine stürzte, manchmal ihren Lauf hemmend, um dann wie­der in reißenden Stromschnellen vorwärts zu schießen.

Wir bauten also unser leichtes Wanderzelt auf und schichteten ringsum den Schnee meterdick über die Zelt­wände, um das Zelt warm zu, halten und uns vor dem Erfrieren zu schützen.

Bald flammte aus trockenem, harzigen Lärchenholz unser Feuer auf, der Kochkessel wurde darüber gehängt und Semjon Pawlowitschs Künsten die Zurichtung un­serer Abendsuppe überlassen.

Jmquill und ich unternahmen indessen eine kleine Streife mit den Hunden, um die Umgebung kennen zu lernen, denn der Mensch weiß nie, mit welchen Zufäl­len er zu rechnen hat. •

Die Schneewolken senkten sich immer tiefer. Es fing an zu schneien, erst in feinen, winzigen Körnchen, dann in großen, dichten Flocken.

Wir zogen die Kragen der Schubas enger um den Hals, marschierten eine Weile längs des Flusses, bis der undurchdringliche Wald sich an dessen Ufer drängte.

Unsere Laikis zerrten ungeduldig an den Riemen. Die Fährte des Schauflers zog einige hundert Meter längs des Ufers hin und bog dann in die Taiga ein. Sollten wir folgen?

Wir konnten uns bei dem immer dichter fallenden Schnee in dem gänzlich unbekannten Gelände leicht oer- irren, und dann hätten wir unsere eigene Spur nicht mehr zurückgefunden. Jmquill schlug vor, am Flusse zu bleiben, der für den Rückweg der sicherste Weigweifer war. Der Schnee riefelte lautlos. Links von uns plät­scherte und schwatzte die Lena. Im Weidicht und Schilf tummelten sich Hunderte von Enten. Plötzlich wurden die Hunde unruhig. Wir koppelten sie los. Sollte der Elch einen Bogen geschlagen haben? Die Hunde jagten davon. Lautlos schritten wir weiter. Bald hörten wir die Hunde kurz Laut geben. Es mußte dort etwas Be­sonderes geben.

Der dicht fallende Schnee gestattete keine weite Sicht. Endlich erkannten wir die Hunde. Auf der Lichtung in der Nähe des Waldrandes lag der Kadaver,eines Rehes. Wir untersuchten kurz. Offensichtlich war es erst gestern von einem Bären gerissen und angeschnitten worden, der sich in den nächsten Tagen zum Winterschlaf einschlagen mußte. '

Wir konnten bamit rechnen, daß der Bär heute nacht zum Luderplatz zurückkehren werde. Kaum aber vor ‘ einer Stunde. In dieser Zeit konnten wir noch die

Bunte Zeitung.

— Vie Verfolgung der Lerch« In Frankreich. 3m Gegensatz zu Deutschland, wo die Lerche als Frühlings­bote und Freund des Landmannes geschützt ist, wird sie. in romanischen Ländern, besonders in Frankreich, ihres zarten Fleisches wegen unbarmherzig verfolgt. Da sie nur wenige Gramm wiegt, sind große Mengen erforder­lich, falls es irgend einem Feinschmecker nach einer Ler­chenpastete gelüftet — Wie nützlich die Lerche ist, zeigt eine Untersuchung, die kürzlich ein englischer Gelehrter über den Mageninhalt von 40 Lerchen machte. Er sand dort zwar 3 Spinnen, 64 Hafer-, 5 Weizen» und 3 Gerstenkörner, andererseits aber auch an Schädlingen 230 Insekten, 156 Insektenlarven und 1114 Samen­körner von Unkrautpflanzen.

— Russische Reger. Man wird erstaunt fein, zu erfahren, daß es im tiefen Rußland Ansiedlungen gibt, in denen Neger leben, deren Vorfahren vor vielen Jahr- hunderten aus dem heißen Afrika in rauhere Klima- gebiete des Nordens an der Grenze Europas und Asiens verschlagen wurden. Selbst in Rußland weiß man we­nig von diesen Menschen, weshalb man jetzt daran ge­hen will, sie zu erforschen. — Ziemlich große Nieder- lassungen in der Provinz Abchasien sind es, in denen diese Neger hausen. Sie wurden vor Jahrhunderten wohl als Sklaven an di« Küste des Schwarzen Meeres geschleppt. Don ihnen ging wegen des harten Klimas der größte Teil zugrunde, abgesehen von der schweren Frohnarbeit, die sie zu leisten hatten. Die Ueberteben- den indes gründeten Familien, es tarn sogar bald zu Mischehen, da die Neger gute Arbeiter und willige und ruhige Menschen waren. Im Kodorfchen Bezirk ge­nießen sie sogar bei den Stock-Kaukasen Ansehen. Die Sprache dieser Leute stellt ein Misch-Maich afrikanisch, gutturalen Gemenges mit dem Dialekt der Kaukasier- Stämme dar. Gewohnheiten und Bräuche will man jetzt studieren. Eine Expedition wird sich bald in das Ko- borgebiet begeben, um zu forschen.

Ein schlechter Scherz. Bei einer Parabe wurde einst die preußische Nationalhymne „Ich bin ein Preuße kennt ihr meine Farben . . ." gespielt Nach Schluß der Parade erklärte der Fürst von Anhalt-Köthen dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV., er finde die preußische Hymne wunderschön und beneide die Preu­ßen darum. „Das ist durchaus nicht nötig", erwiderte der König darauf, „singen Ew. Durchlaucht doch ein- fach: Ich bin ein K ö t h e1 . - /

Zahlen in Bildern.

Don Dr. Karl Sonnenschein, Berkin.

Nein! Dorn Romanischen Cafe zum Guna­part! Das ist nicht der Querschnitt Berlins: Nicht die chineseNhaft bunte Avenue der Friedrichstraße! Nicht das bis zum Wahnsinn rastlos rasende Ma- nolirad über der schwarzen Spree! Nicht die tm- mer wieder mit dem gotischen H beginnende Hilde- brandschrist! .

Dars ich bitten! Berlin liegt anderswo! Die 4,2 Millionenstadt. Einzehntel Preußens! Zwetdnüel Bayerns! Dierfiinftel Sachsens! Der Bevölkerung nach! 250 Millionen Kilogramm Fleischverbrauch! 510 Tonnen Kartoffelverbrauch! Fürs Jahr! 165 höhere Schulen! Ganz Rheinland 172! Dazu 562 Eemeindeschulen mit 236 000 Schulern! 1204 000 Wohnungen! 87 814 Hektar Flache! Dte größte Stadt der Welt! Der Fläche nach! An Devol- kerunq nach New York und London die dritt­größte! Dis 1. Oktober 1920 94 Elnzelgemeinden. ©eitler eine Stadt!

Darf ich bitten! In den letzten drei Wochen haben wir die Zahlen zusammengesucht! Dany haben wir noch drei Tage telephoniert! Schupp Friedhöfe! Aerztekammer! Gefängnis! MagrstratI Jeder gab gütige Auskunft! Allen Dank!

Nun werden die Zahlen zu Bildern. Siebest Bilder der Stadt! ...

Erstes: die Armut! Die auf Krücken geht! Die ohne Hilfe bricht! 3500 Blinde in Berlin! 4100 Taubstumme! Die Stadt unterstützte August 1927 fortlaufend 123200 Menschen. Zu rhnengK hören die Sozialrentner und die Kleinrentner, un- teistützle einmal 37 800. Gab Erwerbslosenhilfe an 26 400 Erwerbslose, ohne Anspruch auf Erwerbs­losenunterstützung, mit 15 500 Angehörigen! Dn Erwcrbsloseni'.ntcrstützung des Reiches und des Landes an 70 000! Gesamtsumme 272 900! Di« Stadt der Unterstützten! So groß ist Magdeburg Elbe! So groß Königsberg Preußen! So groß Vie freie Hansastadt Bremen! Das ist vescheldev gerechnet. Summierung der „Partei". Nicht der Einzelpersonen. Auf die „Partei" kommen tm Durchschnitt drei Menschen. Also dreimal Magde. bürg. Dreimal Königsberg. Dreimal Bremen. Januar 192» sagte das Sprichwort, jeder vrerte Berliner lebe von der Stadt. Der holte die Rente! Der ging stempeln! Dreimal die Woche! Der Stempel wechselt die Farbe. Rot! Blau! Grün! Aber er wiederholt das furchtbare Wort „Arbetts- los".

Zweites: der Winter. Für 1926/27 gab die Stadt als Winterbeihilfe 3 Millionen Zentner Kohlen! Die wurden an Bedürftige ver­teilt. Daß sie nicht frieren sollten. Ich habe heute morgen eine große Kohlenfirma angeläutet. Um Ueberrechnung dieser Zentner in Waggons ge­beten. Nach einer Viertelstunde die Antwort! Das macht 10 000 Waggons! Den Waggon rechnet man auf 21 Meter Länge. Ohne Puffer! Mit Puffern 23 Meter! So mißt der Eisenbahnzug 230 Kilo­meter. Ich schlage Storms Kursbuch nach. Das ist die Strecke Potsdam—Hannover. Ein Güter-

ber Haushaltsplan für 1928 nicht mehr Mittel i in Anspruch nimmt als wie der für 1927. Von Sparsamkeit kann doch nur geredet werden, wenn der SBebarf eine absteigende Linie zeigt. Eine Mitteilung, die auch in der gestrigen Fuldaer I Zeitung stand, zeigt, daß die Haushaltspläne für 1928 durchaus eine Kritik nötig haben. Da wer. den die Summen mitgeteilt, die im Freistaat Hessen und in Hessen-Nassau sürFinanzamtsneu- bauten ausgegeben werden sollen. Eine ganze I Reihe von kleinen Ortschaften werden mit Finanz­ämtern bedacht, die je über !4 Million Mark kosten I sollen. Dabei wird immer wieder von einer Ver­waltungsreform geredet, bei der eine Zu­sammenfassung kleiner Bezirke stattfinden soll. Aber wenn einmal erst in Seligenstadt oder in Corbach Finanzamtspalöste stehen und für den Vorsteher des Finanzamtes in Lauterbach mit einem Kostenaufwand von rund 40 000 Mark eine standesgemäße Wohnung errichtet ist, bann möchte ich wissen, welche Stelle noch in der Lage ist, an der Notwendigkeit dieser Ver­waltungsbehörden Zweifel zu äußern. Wo ein Finanzamts gebäude ist, muß auch ein Fi­nanzamt sein. Gegen diese Logik der Behörden­weisheit werden auch die ener g ischst e Vermal- I tungsreformer nicht ankommen können. Es wäre dringend zu wünschen, wenn unsere Parlamenta- I rier gelegentlich der Beratung dieser Etatsposten, bann auch beim Wehr-Etat, Marine-Etat usw., ein- 1 mal zeigten, daß sie Energie besitzen und dem deutschen Volke klar machen können, daß ihre Tä­tigkeit als Volksboten etwas wert ist, daß sich die Aufwendung lohnt, die für die Parlamentarier ge­macht wird. Das muß für alle Parteien gelten. Die Sparsamkeit ist eine Frage, in der es keine parteipolitischen Unterschiede geben darf.

Marx an Dr. Brauns.

rotb. Berlin, 3. Jan. (Eia Funkm.) Reichs- j kanzler Dr. Marx hat an Reichsarbeitsminister Dr. Brauns anläßlich feines 60. Geburtstages fol­gendes Glückwunschtelegramm gerichtet:

„Zum heutigen Tage möchte ich Ihnen zugleich na­mens der Reicbsregierung die herzlichsten Glück­wünsche zur Vollendung des 60. Lebensjahres bar­bringen. Bei diesem bedeutungsvollen Abschnitt Ihres Lebens ist es mir eine Freude und ein Her­zensbedürfnis, Ihrer unermüdlichen, von vorbild­licher Sachkenntnis, Tatkraft und Weitblick getra­genen Arbeit als Kabinettsmitglied und nament­lich auf dem umfangreichen Arbeitsgebiet Ihres Ministeriums zu gedenken. Sie haben während Ihrer Amtsführung Ihre ganze Fürsorge der werk­tätigen Bevölkeung gewidmet. Die sozialpolitische Gesetzgebung ist entsprechend Ihren Anregungen in den letzten Jahren überaus vertieft und erweitert morden. Wir erhoffen mit Ihnen zuversichtlich, daß durch diese Arbeit die deutsche Volkskraft eine wesentliche Stärkung erfahren und sie damit der gesamten deutschen Volkswirtschaft zugute kommen wird. Die Kulturwelt hat Ihr Werk für die Wohl­fahrt der arbeitenden Klassen als vorbildlich an­erkannt, was Sie cm heutigen Tage mit ganz be­sonderer Befriedigung erfüllen darf. Mit beson­derer Dankbarkeit gedenke ich persönlich Ihrer wertvollen Unterstützung, deren ich mich mährend meiner Amtsführung stets zu erfreuen gehabt habe. Möge der Himmel Ihre mertvolle Arbeitskraft dem deutschen Volke noch lange erhalten."

(Ein Bahnhof niedergebrannt.

wtb. Stralsund. 3. Jan. (Erg. Funkm.) Letzte Nacht brach im Stationsgebäude des Bahnhofes dümmerem Feuer aus, das in kurzer Zeit das ganze Gebäude einäscherte. Das Beamtenhaus konnte gerettet werden. Als Brandursache wird Brandstiftung vermutet.

hat, von dem Film vielleicht etwas enttäuschtfein. 6» ist eben unmöglich, die ganze frische UrlpraNgl,chte)t und die sprühende Lebensfreude einer Operette in einem Kstm einzufangen. Nichtsdestoweniger aber bietet auch - der „Fidele Bauer" auf der Leinwand durch die gute Charakterisierung der Haupttypen der Handlung — der Vater Stephans erscheint allerdings in ferner Tölpel­haftigkeit etwas übertrieben — durch die Dielen malen- schen Bilder aus dem Spreewald und die volkstümliche Operettenmusik mit ihren beliebten Schlagern einen Ge­nuß für Auge und Ohr. — Von dem B e i p r o g r a mm verdient besonders der Kulturfilm, der das mühevolle und qefahrenreiche Leben eines Pelzjägers schildert mnd prächtige Naturbilder aus dem fchnee- und eisbedeckten hohen Norden zeigt, lobende Erwähnung.

= Rhönklub, Zweigverein Fulda. Man schreibt uns: Der Rhönklub unternimmt am 6. Januar feine erste Wanderung, die Heiligdreikönigs Wande­rung Von Station Milseburg fuhrt sie über die Bu- benbaberfteine nach der Klubhütte auf der Maulkuppe. . Hier ist den Wanderfreunden in den schon durchwärm- ten Klubzimmern Gelegenheit geboten ein einfaches Mittagessen einzunehmen. Anschließend findet im Heim eine schlichte Weihnachtsfeier unter dem brennenben Weihnachtsbaum mit Bescherung an den Hüttenwart . statt. Bei Kaffee, Grog unb Glühwein sollen danach einige frohe Stunden verlebt werden. Die Heimfahrt erfolgt gegen 8 Uhr mit Postauto. Wanderung rote Feier sollen für die Teilnehmer Stunden der Freude . und der Erhebung werden, sodaß wohl eine stattliche Anzahl Mitglieder an dieser. Wanderung teilnehmen dürften. Auch Gäste sind herzlich willkommem M,t Rücksicht auf die Wanderung wird die Januar-Monats- Versammlung von Mittwoch, den 4. ^tnuar 1928 auj Mittwoch, den 11. Januar 1928 verlegt. Frisch aus!

Fuwa, den 2. Januar 1928.

Oberrealschule.

Herr Stud.-Rat Dr. Schneider wurde zum Stud.-Rat an einer höheren Lehranstalt in Frank­furt am Main, Herr Stud.-Assessor Dr. Maus zum Stud.-Rat an einer höheren Lehranstalt m I Essen-Ruhr gewählt.

Dom Dostamk Fulda.

In der durch Aufstellung eines neuen Schran- I kes erweiterten Schliehfackanlage find nur | noch wenige Fächer frei. Anträge auf Ueberlassung I eines verschließbaren Msiolungsfaches werden des­halb bald erbeten. Die Gebühr für ein Schließfach gewöhnlicher Größe beträgt vierteljährlich 2,25 Je, für ein großes 3 Jt. Die Schließfachanlage ist werktags van 7 bis 20.30 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 7 bis 20.00 Uhr ununterbrochen zu­gänglich.

ftraffpoffoerbinbung Fulda horas.

Don Mittwoch, den 4. Januar, ab wird an Werk- I tagen versuchsweise eine Kraftpostverbindung zwi­schen Fulda und Horas eingerichtet. Abfahrt ab Horas 6.30 (bis Bahnhof Fulda) und 17.30 (bis Postamt Fulda). Abfahrt ab Fulda Postamt nach Horas 6.10 und 17.15. Fahrpreis: Horas-Post- amt Fulda 20 Pf., Horas Bahnhof Fulda 25 Pia. je Fahrt. Wochenkarten Horas-Postamt Fulda 1,60 M.

Gegen die Straßenverkehrsordnung

haben sich im Monat Dezember vergangenen Jahres 108 Personen vergangen; sie mußten zur Anzeige gebracht werden.

Taubstummengotlesdienst.

Arn 6. Januar «Dreikönigsfest), um 10 Uhr fin­det in der Severikirche durch den Taubstummen­seelsorger von Köln Gottesdienst für die kathol. Taubstummen statt. Vorher ist Gelegenheit zum Sakramentenempfang.

Arbeiterentlasfungen bei der Reichsbahn.

Im Ausgleichbezirk 6 der Reichsbahngesell­schaft, zu der die Werkstätten Kassel. Göttingen, Paderborn, Limburg, Frankfurt a. M., Nied am Main und Darmstadt gehören, wurden, nach einer Meldung der „Volksstimme" am 31. Dezember ge- I mäß Telegrammbrief der Reichshahndirektion Kas- frl, die als geschöstsführende Direktion eingesetzt ist, 755 Werkstättenarbeiter zum 14. Januar gekündigt.

Zu der Anfrage Schmitt-Fulda.

über die Freistellung von der Hauszins« steuer, die wie wir gestern mitteilten, an den vreußischen Finanzminister gerichtet worden ist, schreibt man uns aus sozial-politisch interessierten

I Kreisen: Die Z u st i m m u n a des Finanzministers I zu der Anregung des Abg. Schmitt, Rentenbezüge der Sozial- und Kleinrentner bei der Berechnung des Einkommens zum Zwecke der Hauszinssteuer- neranlagung frei zu lassen, würde vom,sozialen Standpunkt aus sehr zu begrüß en fein. Nach den jetzigen Bestimmungen kann eine Freistellung von der Hauszinssteuer eintreten, wenn das jähr-

I siche Einkommen des Steuerpflichtigen 1200 «M. nicht überschreitet. Nun kommt es häufig vor. daß dieser Betrag bei Sozialrentnern u. Kleinrentnern über-

I schritten wird und zwar deswegen, weil die betref­fenden Personen noch irgendwelche bezahlte Ar­beit leisten, um so zu ihrer Rente noch einioe Mark j hinauszuverdienen. Sie müssen dann Hauszins- steuer bezahlen. Renttwr dagegen, die sich nicht bemühen, durch den Einsatz ihrer letzten Kraft noch etwas zu verdienen, oder die unkontrolli-rkare Ne.

I beneinkünste haben, erreichen die Freistellungs» grenze nicht und w-rden von der Hauszinssteuer fmimütetlt. Die fleißig-m und auf ehrlichen Erwerb bedachten Leute find also benachtüHat. Diese Zu­stände verlangen zw"ifellos eine Korrektur und es scheint, als ob her Vorschlag d»s Herrn Landtags- ahaeorbn»t»n Schmitt einen W->g zeigte. um den jehiaen Mik-stand. der nur geeignet ist, die Sozial­politik in Mißkredit zu bringen, zu beseitigen.

Die Behandlung von Breßstraffachen.

Der preußische Iustizminister hat über die Be- I Handlung von Preßstrafsachen in einer allgemei­nen Verfügung ro’chtiae Bestimmungen heraus» gegeben, denen der Amtliche Preußische Pressedienst u. a. folgendes entnimmt- Bei jeder Staatsanwalt­schaft ist ein mit der Bearbeitung von Preß-

= Renes Theater. Seit Sonntag läuft in dem Neuen Theater der nach der gleichnamigen Operette von Leo Fall gedrehte Film „Der fidele B au er . In dem Film wird die Handlung, die in dem Bühnenstück in vberösterreick und Wien spielt, in den Spreewald und nach Berlin verlegt. Als Folge dieses Milieu­wechsels ergeben sich in dem Film manche Unmöglich­keiten bezro. Unwahrscheinlichkeiten. So wirkt der ka­tholische Theologie studierende Sohn des Spreewald­bauern Reutter in seinem geistlichen Gewand auf dem Snreewälder Volksfest etwas eigenartig und unnatur- lich. Erst recht unglaublich ist es, daß dieser junge Theologe, nachdem er zum Studium der Medizin hin- übergewcchselt ist. auch noch den Duellunfug mitmachen soll. Demgegenüber ist in der Operette die ganze Hand­lung und 'ihr Rahmen lebenswahrer, stilechter und da­durch wirkungsvoller. So wird denn auch mancher Zu­schauer, der den fidelen Bauer auf der Bühne gesehen Hunde zu Semjon Pawlowitsch zurückführen, denn auf dem Ansitz waren sie nicht zu gebrauchen. Wir hatten auch noch Zeit, schnell etwas Warmes zu essen. Unser Hun- ger war zwar in der Aufregung vergessen, aber die warme Suppe tat uns auf dem falten Ansitz recht wohl.

Kaum eine Stunde später waren Jmquill und ich zurück. Wir setzten uns getrennt rechts und links vom Luder an. Der Schnee fiel immer noch, nun aber in feinen, rieselnden Flöckchen. Ein kaum merklicher Wind wehte uns von der Taiga entgegen.

Es begann zu dämmern. Aus der Ferne klang schwach das Heulen eines Wolfes. Eine Stunde ver­ging.

Plötzlich vernahmen wir im Walde erregtes Vogel- gepiepe unb aufgeregtes Flattern: der Herr des Waldes nahte. Am Rande der Taiga erschien eine große, dunkle Gestalt, blieb er stehen und hob windend den Kopf. Wir wagten kaum zu atmen. War es doch unmöglich, so einen sicheren Schuß anzubringen. ___

Warum kam die Bestie nicht näher? Hatte sie etwas stutzig gemacht?

Der Bär rührte sich nicht vom Fleck. Sein Körper schien langsam, wiegend, hin und her zu schwanken. Endlich, nach einer Minute, die nie vorüber zu gehen schien, tat er ein paar plumpe Sätze nach vorn.

Ich ritz die Büchse hoch, zielte kurz zwischen die blin­kenden Seher und riß durch. Der Bär warf sich zur Seite, einen Laut ausstoßend, der wie „ach" oder „och" klang. Dann erhöhte er sich unerwartet unter wütendem Brummen und tappte aus den Hinterbranten auf mich zu, die Unterlippe zurückgezogen, mit angelegten Ge­hören und blutrot leuchtenden Sehern.

Ich hatte eben repetiert und hob das Gewehr. Der Bär war kaum noch fünf Schritte von mir entfernt. Da krachte Imquitts schwere Büchs«. Ich glaubte den Ein­schlag der Kugel zu hören.

Wie vom Schlage gerührt, stürzte die Bestte nieder, streckte sich, schlug zuckend ein paar Mal mit den Brauten und verendete . . .

Am selben Abend noch schärften wir die prachtvolle Decke ab und schleppten das Wildbret unter Pjetrosfs Mithilfe nach dem Zett. Der Petz hatte etwa 400 Pfund gewogen, er war also ein ganz braver, mittlerer Bär.

So geht es oft in der Wildnis. Während der Mensch einem Ziele nachjagt, bietet sich urplötzlich ein anderes und wirft das schönste Programm über den Haufen. Den Schaufler aber gaben wir deshalb doch nicht auf.