Sonntag, 1. Januar 1928.
Nr. 1.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well im Bild" und Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. ______:>:
FuldaerZertung
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Ein schlechter Berliner Silvester-Scherz
Gerüchte über eine Intrigue gegen das Kabinett Marx.
Die deutschnationale Berliner „Nachtausgabe" verzeichnet Gerüchte, die in parlamentarischen Kreisen umgehen sollen und die von Vorverhandlungen zwischen Reichstagsabgeordneten des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten über die Bildung der Großen Koalition im Reich zu berichten wissen. Der neu bestätigteFüh- ter der Zentrumsfraktion des Reichstages, der Abgeordnete v. Guerard, soll nach dem zitierten Blatt in unverbindlicher Form mit den Sozialdemokraten und den Demokraten Fühlung über die Bildung enkes Kabinetts der Großen Koalition unter seiner Kanzlerschaft genommen haben, und zwar ohne vorherige Beschlußfassung der Zentrumsfraktion. Als weitere Mitglieder eines solchen Kabinetts nennt das Matt den früheren ReichsfinaMminister Hermes als Ernährungs- 'mmifter und den sozialdemokratischen Abgeordneten Md früheren württembergischen Finanzminister lKeil als Reichsfinanzminister. Ferner soll die Sozialdemokratie das Reichsinnenmmisterium und -das Reichsarbeitsministerium besetzen, während das Reichsveäehrsministerium, das Reichswehrministerium und das Reichsjustizministerium zwischen Demokraten, Bayrischer Volkspartei und Wirtschaftspartei aufgeteilt werden sollen, falls die letztere sich anschließen sollte. Obwohl die Kreise, die em derartiges Kabinett vielleicht im Januar ht den Sattel zu heben hoffen, so heißt es in dem Blatt weiter, ohne weiteres mit der Teilnahme des Reichsaußenminister Dr. Stresemann und des Reichswirtschaftsministers Dr. Curtius als Vertreter der Deutschen Vollspartei rechnen, ist vorläufig nichts davon bekannt, daß Dr. Stresemann oder Dr. Curtius etwas von diesen Plänen wissen. Von den unverbindlichen Verhandlungen, die auf sozialdemokratischer Seite von dem Reichstagspräsidenten Lobe geführt würden, sollen, immer nach dem genannten Blatt, weder Reichskanzler Dr. Marx noch der Staatssekretär der Reichskanzlei Dr. Pünder unterrichtet worden sein.
Silnesterscherz . . . aber ein schlechter, so nennt gäbe. Sie schreibt u .a.: Die „Nachtausgabe" brachte unter der Aufsehen erregenden, groß aufgemachten Überschrift „Marx soll durch Intrige gestürzt werden" eine „parlamentarische Jnform-a- tion". Man möchte das ganze für einen Silvesterulk und für einen sehr schlechten halten, wenn diese Mitteilung am 31. Dezember erfolgt wäre. So wird man sich aber damit begnügen müssen, diese ganze mysteriöse Geschichte für einen Aprilscherz int Dezember zu erklären.Mehr ist darüber wirklich nicht zu sagen. An dieser Ge- schichte ist nichts wahr.
Auch das Berl. Tagebl. spricht von einem verfrühten Silvesterscherz und sagt: Es lohnt kaum, ausdrücklich zu sagen, daß die Geschichte frei (unb nicht einmal witzig) erfunden ist.
Zu der parlamentarischen Information der „Nachtausgabe" äußert sich der Vorwärts in noch drastischerer Weise zu den „von A bis Z erfundenen Geschichten" und spricht von einer der Sozialdemokratie angedichteten Rolle.
Von anderen Blättern nehmen nur die Deutsche Allgem. Ztg. und die Börsenzeitung zu der Angelegenheit Stellung. Das erstere Blatt nimmt eine abwartende Haltung ein und erklärt: Das den Deutschnationalen nahestehende Blatt macht unter Nennung verschiedener Namen so präzise An- Sben, daß die Information doch ein gewisses fsehen erregen muß. Es wird interessant sein, festzustellen, was die beteiligten Stellen, insbesondere auch die Deutsch-Nativ na len, zudie- dieser Silvesterüberraschung zu sagen haben. Auch die Börsenzeitung erwartet Aeußerungen der an dieser Angelegenheit Beteiligten und schreibt: Aus parlamentarischen Kreisen wird uns bestätigt, daß in der Tat über derartige Gerüchte gesprochen worden ist.
„Der sterbende Reichstag".
Unter diesem Titel schreibt man dem „Jung- deutschen Pressedienst" (Nr. 39) aus politischen Kreisen das Folgende:
„Die Neuwahlen stehen zweifellos vor der Tür und ber Reichstag wird, allen gegenteiligen Behauptungen -lum Trotz, aller Wahrscheinlichkeit nach über das R e i ch g s ch u l g e s e tz zu Falle kommen. Das Zen- krum hat bindende Zusagen seitens der Sozialdemokratie, daß es mit dieser im neuen Parlament Wünsche erfüllt sieht. Dazu berechn ttgr.das^Zentrum auch die Haltung der Sogialdemokra- m Fragen des preußischen ' Konkordates. Die SeUtm>itionatä Dolkspartei wird alles tun, was in ihrer stacht stxht, um vorzeitige Neuwahlen zu vermeiden. Innerhalb der Partei selbst ist ein schwerer Zwist m “er tfr,aSe „Reich und Länder" entstanden. Es mud nicht gelingen, die gesamte Partei, so wie sie heute ist, wieoer w unfruchtbare Opposition zu zwingen. Da- Fwüicm " sich mindestens ein Drittel der heutigen
Wir geben biefe Darlegungen wieber, lebig» (idi, um em Stimmungsbild über die außerordentlichen Verschiedenartigkeiten der Auffassungen und Meinungen in dieser Frage zu bringen. Wir wollen aber für heute nur feststellen, daß die Aeuße- rung, wonach das Zentrum seitens der Sozialdemokratie bindende Zusagen wegen Berücksichtigung seiner Schulgesetzwünsche im neuen Parlament habe, nicht richtig ist. Das Zentrum hat solche Zusagen niemals erbeten und auch nicht erhalten. Das Zentrum wird vielmehr seine ganze politische und parlamentarische Kraft daransetzen, um n o ch i n d e m g e g e n w ä r t i g e n Re i ch s- t a g das Reichsichulgefetz zur Annahme zu brin
gen zu suchen. Selbstverständlich wird dieses Ziel nicht um jeden Preis vom Zentrum erstrebt. Es wird vielmehr bei gegebener Gelegenheit, die sich ja alsbald Herausstellen wird, zu prüfen haben, ob es seine prinzipiellen und unverzichtbaren Forderungen in der Schulfrage mit dieser gegenwärtigen Koalition durchsetzen kann oder nicht. Welche Entscheidungen sich dann für das Zentrum ergeben, mag man ihm ruhig selbst überlassen.
Die Zentrumspotttik 1927.
In der Nationalliberalen Correspondenz, dem Pressedienst der Deutschen Volkspartei, werden Ausführungen über diese Frage gemacht, die wir des Interesses halber hier wiedergeben, ohne für heute uns in eine Polemik wegen mancher schissen Darstellungen und Auffassungen einlossen zu wollen:
„Durch seine erneute Rochade nach rechts bewies der Zentrumsturm im Januar 1927, daß er sich seine traditionelle Beweglichkeit in vollem Umfange bewahrt und damit die Bünd- nissähigkeit der Partei, sowohl nach rechts wie nach links, für jede vorkommende politische Lage erhalten hat. Wie man zugeben muß, sogar unter erschwerten Verhältnissen. Das Zentrum beherrscht heute die Weimarer Koalition in Preußen und ist auch im Reiche eine ausschlaggebende Partei. Es hat durch seine Rechtspolitik nicht nur dem ihm unbequem gewordenen Reichsbanner innere und äußere Schwierigkeiten gemacht, sondern gleichzeitig die Annäherung mit der Bayerischen Volkspartei in einer Weise vorbereitet, daß man mit dem völligen organisatorisch en Wiederzusammenschluß des politischen Katholizismus in absehbarer Zeit rechnen kann. Vom Standpunkt der reinen Machtpolitik gesehen, ist das Zentrum die glücklichste Partei. Seine seelische Struktur und die in jahrzehntelanger Hebung geschulte Disziplin seiner Wähler ermöglichen es der Parteileitung immer wieder, die auch im Zentrum bestehender) großen wfr.jsckaMcken. (ne'rfen, standes-, und kulturpost- Ui'&n -cgensüt,^, itöciA.iteeu und Sie kraft der Partei auf dem entscheidenden Felde des politischen Schachbretts einzusetzen. Das.Zentrum ist, wie Reichskanzler Marx vor kurzem sagte, weder eine republikanische, noch eine monarchistische Partei, sondern nur eine Verfassung«!. vartei. Als erste aller Parteien hat es auch die Parole ausgegeben, daß es ohne jede Bindung in den Wahlkampf eintritt und seine spätere Ent- frfieibung lediglich von der durch ben Ausfall der Wahlen geschaffenen Lage abhängig macht. Wohin der Zentrumsturm nach den Wahlen rücken wird, kann niemand sagen."
Der Kostenpunkt.
was ist billiger: Republik oder Monarchie?
Der Preußische Zentiumsabgeordnete, Professor G r e b e, setzt sich in der „Deutschen Republik" (Heft Nr. 13) mit dem verschiedentlich erhobenen Einwand auseinander, daß die Republik teurer arbeite als die Monarchie. Er stellt dabei folgendes fest: Der Reichspräsident bezieht ein Gehalt von 60 000 Mark und eine Aufwandentschädigung von 120 000 Mark. Mit einer Reihe von Fonds verfügt er insgesamt über 225 000 Mark. Der Reichs- kanzler und die acht Reichsminister beziehen zusammen 400 000 Mark. Der Reichstag erfordert etwa 6,7 Wllionen Mark. Das sind insgefamt etwa 7,5 Millionen Mark. Die Unkosten der Län- derregierungen berechnet Profesior Grebe mit etwa 13 Millionen Mark, so daß insgesamt für die Reichs- und Länderregierungen f!0 Millionen Mark sich ergeben. Demgegenüber beanspruchte die Monarchie allein für Preußen 22 Millionen, für Bayern 6,8, für Sachsen 4,3, für Württemberg 2,5, für Vaden 1,8 und für Hessen etwa 1,3 Millionen. Allein diese sechs größeren Länder haben allo etwa 39 Millionen für die Fürstenhäuser aufwenden müsien, wobei das Privatvermögen noch nicht berechnet ist. Dazu kommen noch die Ausgaben für die 16 übrigen Fürstenhäuser, die ebenfalls viele Millionen Mark ausmachten.
Gegen -en polnischen Korridor.
Eine engsische Stimme.
Die Londoner Wochenschrift „Nation" schreibt: Der „Korridor", der Ostpreußen von West, preußen trennt, ist unmöglich. Das Problem muß im Interesse ganz Europas gelöst werden. Diele Leute glauben, daß diese Frage am besten vom Völkerbund behandelt würde. Wenn sie aber als eine zu große Belastung des Bundes erscheine, könnten dann nicht Großbritannien und Amerika eine gemeinsame Anstrengung unternehmen, um das zu tun, was nach unser aller Empfindung notwendig ist? — Wir wiinfchen, daß Polen gedeihe und den ihm zustehenden Platz unter den europäischen Nationen einnehme; das aber muß geschehen ohne Schädigung des europäischen Wirtschaftslebens. Wenn nichts unternommen wird, dann kann der Ausbruch eines neuen Krieges nur eine Frage der Zeit fein.
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Der Berichterstatter des „Soir", der eine Reife nach Danzig unternommen hatte, gibt in seinem Blatt eine Unterredung mit einem ungenannten Danziger Bürger wieder, der n. a. nach einem Hinweis auf die 96 Prozent deutscher Bevölkerung Danzigs erklärte, daß, wenn man die
Danziger Bevölkerung gemäß den Grundsätzen Wilsons gefragt hätte, sie das weitere Verbleiben Danzigs bei Deutschland gefordert haben würde. Um den Absichten Polens zu dienen, habe man über Danzig ohne die Zustimmung der Bevölkerung verfügt. Danzig werde sich niemals dareinschicken ,eine polnische Kolonie zu werden. Der Wunsch der Danziger Bevölkerung sei der Wiederanschluß an Deutschland.
Faschismus und Schulkinder.
Der italienische Unterrichtsminister richtete an alle Schulbehörden ein Rundschreiben, in dem er die Lehrkräfte ermahnt, alles aufzubieten, damit sämtliche Kinder in die faschistischen 3u- genborgantfationen eintreten, und zwar die Knaben in die Ballila-Organisation und,die Mädchen in die Organisation der kleinen Italienerinnen. Zu diesem Zweck verlangt der Minister, daß die Lehrer persönlich bei den Eltern der Kinder vorstellig werden, um sie zu überreden, ihre Kinder in die genannten Organisationen eintragen zu lassen. Der Eifer der Lehrer in dieser Hinsicht soll in jährlichen Führungslisten vermerkt werden. Lehrer, die sich zur Führung der Organisation der Ballila nickt eignen sollten, können versetzt werden. Ein Schul - Wohltätigkeitsfonds soll für die Uniform und für die Einschreibegebühr armer Kinder in diese Organisation in Anspruch genommen werden. Endlich sollen sämtliche Schulräume, Turnhallen usw. diesen Organisationen zur Verfügung stehen.
Die fledftung des Krieges.
Amerikanische Antwort auf den französischen Antikriegspakkvorichlag.
wtb. Paris, 31. Dez. (Eig. Funkm.). Dem Ma. tin wird aus Newyork gemeldet, daß Staatssekretär Ke Ilog sich anschickt, den Entwurf einer Antwort vorzulegen, der in besonders freundlicher Form auf den Vorschlag des Abschlusses eines Frie, denspaktes eingeht. Der Entwurf würde die Erneuerung des im Februar ablaufenden französisch-' amerikanischen Schiebsgerichtsvertrages ermöglichen. Er werde bestehen 1. aus der Einleitung, die feierlich die aufrichtige unb vertrauensvoll- Zustimmung der Vereinigten Staaten zu dem Appell Briands betone unb 2. aus mehreren Artikeln, burd, die der beschränkte Rahmen des alten Vertrages erweitert werde.
Bot^ttberoegung in Indien.
Der industrielle und kommerzielle Kongreß Indiens hat einstimmig eine Entschließung angenom- men, die sich für den Boykott der britischen Parlamentskommission für Indien ausspricht.
Schießerei in Schanghai.
In Schanghai tarn es zu einer Schießerei zwischen einer Abteilung europäischer Polizisten unb zwei chinesischen Menschenräubern, die in einem chinesischen Haus verhaftet werden sollten. Em englischer Polizeisergeant wurde tödlich verwundet. Einer der Räuber wurde während des Kampfes erschossen, der andere schwer verwundet.
W MWchast unb die AiegMMscagt.
Das Ergebnis einer Rundfrage.
„Neutrale Komitees und Gelehrte über die Kriegsschuldfraae", so nennt sich ein soeben in Oslo in deutscher Sprache erschienenes Werk. Es gibt die Antworten auf zwei Fragen des amerikanischen Senators Robert L. Owen wieder unb ist herausgegeben von der „Neutralen Kommission Norwegens zur Untersuchung der Kriegsschuld." Man erfährt, daß diese neutrale Kommis- ffon 1.1 ;• 0 1 0 geqr r n d r. j wurde "nd
zwar von veu oret beöeute;tß|ten norwegische» Rechtsgelehrten. Der amerikanische Senator Owen interessiert sich für die Ziele dieser Kommission und bat, zwei Fragen von einer größeren Anzahl von Persönlickkeiten, die als Lehrer des Völkerrechts an den Universitäten neutraler Länder einen Namen haben, beantworten zu lassen. Diese Fragen lauten:
1. Gründen sich die Friedensverträge, die den Weltkrieg abschlossen, in ihren wichtigsten Punkten auf die Voraussetzung, daß eine Machtgruppe die alleinige Verantwortung für den Krieg trägt, wäh- renb die andere Gruppe gor ke Ine solche Verantwortung hat?
Diese Frage ist von sämtlichen Gelehrten bejaht worden.
2. Wenn das der Fall ist, stimmt diese Voraussetzung mit den jetzt vorliegenden Tatsachen derart überein, daß das Gewissen der Menschheit die Friedensverträge ruhig hinnehmen darf als eine gerechte Bestrafung der für den Krieg einzig Ber- antwortlichen?
Hier vertreten alle Gelehrten im wesentlichen den Standpunkt, daß die durch die Friedensverträge erzwungenen Entscheidungen im Widerspruch zu allen Rechtsgrundsätzen stehen, die in der zivilisierten Welt gelten.
Aus diesen Antworten ergibt sich mithin, daß die Kriegsschuldlüge, nach der die Mittelmächte einzig und allein für den Krieg verantwortlich sind, n: H i n f r e ck 4 ’ ?• b a l ♦,<,« r .d *■ ” t c Damit ist ari sich nichts neues gesagt, :>n auch in den Ententeländern haben alle einsichtigen und vernünftigen Politiker sich seit langem nicht mehr der Erkenntnis verschließen können, daß die Behauptungen von der Alleinschuld der Zentralmächte unsinnig sind. Trotzdem ist es bemerkenswert, daß letzt die verschiedensten Autoritäten auf dem Gebie,' des Völkerrechts in ihren Antworten die durch die Friedensverträge erzwungenen Entscheidungen in der Kriegsschuldfrage als im Widerspruch zu allen Rechtsgrundsätzen der zivilisierten Welt stehend bezeichnen. Deutschlands Kampf um die moralische Rechtfertigung wird durch diese neue Veröffentli- chung zweifellos auf das beste unterstützt werden. Daß daraus nicht etwa gefolgert werden kann, die Entente werde nunmehr auf den Kriegsschuldparagraphen des Friedensvertrages verzichten ober "gar die Friedensverträge einer Revision unterziehen, braucht wohl kaum betont zu werden. Don deutscher Seite ist ja immer wieder erklärt worden, daß es sich bei dem Kampf um die Kriegs- schuldlüge um eine moralische Angelegenheit handele, nicht aber etwa um Bemühungen Deutschlands, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen.
Die amerikanischen Zchiffskanonen.
Aus Washington wird gemeldet: Gegen- S»er der Behauptung, daß die britische Regierung e Reichweite der Kanonen auf ihren Linienschiffen nach Abschluß des Washingtoner Abkommens erhöht und dann dagegen protestiert habe, daß die amerikanssche Regierung ein g l e i ch es tue, wurde hn Staatsdepartement betont, diese Darstellung entspreche nicht den Tatsachen. Vielmehr habe die britische Regierung der amerikanischen offiziell mit- geteilt, daß sie die Reichweite ihrer Schiffsartillerie nicht erhöht habe und di« amerikanische Re- aierung habe keinen Anlaß, diese Mitteilung anzuzweifeln. Außerdem habe die britische Regierung nicht gegen die jetzt von der Regierung der Vereinigten Staaten beabsichtigte Erhöhung der Reichweite der Kanonen auf den Linienschiffen Oklahoma und Nevada protestiert.
Parker Gilbert in Amerika.
wtb. Washington, 31. Dez. (Gig. Funkm.) Par- fer Gilbert beabsichtigt, heute ober am Montag mit Mellon und Vertretern des Federal-Reserve Board eine Besprechung abzuhalten. Er wird au- ßerdem auch mit Präsident Eoolidge die Reparationsfrage erörtern.
Briatiö und Italien.
wtb. London, 31. Dez. (Eig. Funkm.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Tele- graph" schreibt: In diplomatischen Kreisen gehen Gerüchte, die nur mit dem größten Vorbehalt rote« bergegeben werden können. Darnach hätte Bri- and während seines jüngsten Aufenthaltes in Genf Bemerkungen gemacht, die von einigen Kreisen als Wink ausgelegt würden, daß Frankreich innerhalb gewisser Grenzen unb gegen eine gewisses Entgelt an anderer Stelle nichts gegen den italienischen Anspruch auf „ein Uebergewicht der In- tereffen" im östlichen Mittelmeer einwenden könnte. Der Berichterstatter hält es jedoch für mög- lich, baß Briand das adriatifche Meer im Sinne hatte.
Die französische Parlamentssession.
wtb. Paris, 31. Dez. (Gig. Funkm.) „Motin" hält es für wahrscheinlich, daß die am 10. Jan. roieberbeginnenbe Parlamentstagung nur non kurzer Dauer fei unb lediglich der Grlebtgung einiger wichtiger Fragen, so b^r Militärgesetze und der Sozialversicherung dienen werde. Die Tagung könne somit am 15. März geschlossen werden. Die Neuwahlen könnten in diesem Falle in der 2. Hälfte des April statt- finden.
vorläufig keine Stabilisierung des ftanzösischen Franken.
wtb. Paris, 31. Dez. (Gig. Funkm.) Wie de, „Matin" mitteilt, soll Ministerpräsident Poincars Journalisten gegenüber erklärt haben, daß dieNach- richten über eine nahe bevorstehende gesetzliche Stabilisierung des Franken jeder Begründung entbehrten.
Die soziafistische Wahlparole.
Aus Paris wirb gemelbet:
Zu den Beschlüssen bes außervrbentlichen sozialistischen Parteitages schreibt der „Temps", bie angenommenen Beschlüsse zeigten eine boktri- nale Meinungsverschiebenheit, bei ab« geholfen werden sollte burch eine Erklärung, bie jeber nach seinem Belieben auslege. Sie zeigten eine vollstänbige Verstäub igung, bie gegen bie nationale Einigung gerichtet fei. All baS sei nichts Neues.
Das „Journal bes Debats" bezeichnet das vom Kongreß angenommene Finanzprogramm alS ausgesprochen revolutionär. Früher, so erklärt bas Blatt, haben bie Sozialisten unb bie Radikalen gemeinsam gekämpft und sich so verbunden, daß das Wahlkartell zum politischen Kartell geworden war. 1928 gehen die Radikalen allein in die Wahlen mit einem revolutionären Wahlprogramm und erllären sich zu einer ephemerischen unb fakultativen Annäherung bereit. MÜ ben Koalitionen, bei denen bie Sozialisten Unterstützungspolitik betreiben, ist es vorbei. Sie wollen bie Führer fein