^Nijkinunlnltt W M (mit Mstk. Beilage »5 Pig.)
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
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JU.
Donnerstag, 29. Dezember 1927
Nr. 299
Kombinationen über die Neuwahlen
Keine Kursänderung in Oesterreich
Indien.
Anz< ausim
wenig beneidenswerten Lage. Die Partei hat vor
>akt auf das
nischen Regiemng, das dreimotorlge Ford- Flugzeug anzukaufen, mit dem Lindberghs Mutter nach Mexiko geflogen ist, stattgegeben. Im Weißen Hause würde bekanntgegeben, daß die Regierung eine Milderung des Ausfuhrverbots für Flugzeuge und dergleichen nach Mexiko vorbereite.
Aus M a dr a s wird gemeldet: Nach dreistündiger Debatte beschloß der i nd i s che National- k o ng r e ß einstimmig ,den siebengliedrigen Ausschuß des Unter ' ' *
im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. >:
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schastlichen Schwierigkeiten hinzustellen, die Oesterreich durchzumachen hatte. Die Kritiken gingen mit starrer Konsequenz an der Tatsache vorüber, daß auch andere Länder, die keine vorübergehende Beschränkung ihrer Finanzhoheit auf sich nehmen mußten, schwere Wirtschaftskrisen erlebten. Die Schwierigkeiten im Wiederaufbauwerk Oesterreichs waren durchaus keine spezifisch österreichischen — wie hätte es auch anders sein können in einem Lande, das im Kerzen CEutodos liegt. Da nun
wenig beneidenswerten Lage. Die Pa fünf Jahren den Genfer Sanierungsp^ heftigste bekämpft; sie hat es während der folgenden Zett nie Unterlasten, diesen Genfer Pakt immer wieder als die Wurzel aller sozialen und wirt-
• Die Hinterlassenschaft König Ferdinands von Rumänien. Das von dem verstorbenen König Ferdinand hinterlassene Vermögen wird auf rund 387 Millionen Lei geschaßt, das zu gleichen Teilen an fünf Erben geht. Nur die Prinzessin Jleana erhält aufgrund eines Abkommens unter den Erben fünf Millionen Lei mehr als Gegenwert für die Geschenke, die die anderen Kinder König Ferdinands anläßlich ihrer Hochzeit bekamen. Unabhängig von dieser Erbteilung erhält König Michael Schloß Pelesch in Sinai und einige Gebäude in Bukarest.
Die fehlenden Mathematiker.
Vor einigen Jahren ist von beteiligter Seite so nachhaltig vor dem Studium der Mathematik und der Naturwissenschaft gewarnt worden, daß jetzt, allerdings nur für einige wenige Jahre ein stärker Mangel an Mathematikern und Naturwissenschaftlern als Lehrer an den höheren Schulen eingetreten ist. Im „Deutschen Philologenblatt" findet sich unter den Personalnachrichten folgende Notiz aus der Provinz Westfalen:
„W e i b e na u (OR.) Durch Vers, des P.S.K. wurde der pb. Ref. Dr. Bauer am 16. 10. 27 an die ftaatl. Llufb. Hilchenbach vers. Dem Dir. wurde anheimge- stellt, sich selbst Ersatz zu besorgen. Für 141 mathematisch-naturwissenschaftliche Wochenstunden sind jetzt noch 3% Akademiker vorhanden. Der Unterricht wird dadurch ausrechterhalten, daß Mathematik in VI bis U III und in U II teilweise in kombinierten Klassen (mit über 50 Schülern auf der Mittelstufe) von Nichtakademikern erteilt wird, z. T. nebenamtlich von 2 Rektoren der hiesigen Volksschulen, daß Physik- und Chemieklassen von über 50 und 40 Schülern auf Mittel- und Oberstufe existieren und die sämtlichen naturwissenschaftlichen Hebungen (OR.!!) fortgefallen sind. An der Anstalt unterrichten z. Z. 6 angest. Akademiker, 7 Ass., 2 OSch-L. 2 ob. Seminariker, 3 fern. Hilfskräfte, 5 Pfarrer (Relig. Unterr.)." |*
Die „Frankfurter Zeitung" bemerkt hierzu: Infolge der gesetzlichen Vorschrift sind in den letzten Jähren an der „Altersgrenze" von 65 Jahren zahlreiche Mathematiker aus dem Schuldienst ausgemerzt worden, darunter manche tüchtige Kraft im Besitz der vollen Leistungsfähigkeit. In den Provinzialschulkollegien und im Unterrichtsmi- nisterium liegt das vollständige statistische Material das es diesen Behörden ermöglicht hätte, den jetzigen krassen Mangel (der übrigens in wenigen Jahren verschwunden sein wird), vorauszusehen. Pflicht der Unterrichtsverwaltung wäre es dann gewesen, eine entsprechende Korrektur des Altersgrenze-Gesetzes zu verlangen. Es ist doch ein unsinniger Zustand, daß man den Unterricht, wie es die Notiz schildert, Not leiden läßt, während die Männer, die die nötige Arbeit leisten könnten, mit vier Fünfteln chres Gehaltes zwangsweise spazieren gehen.
♦ Deutsche Kohlen- und Koksliefemngen nach Frankreich. (Eig. Funkm.). Die „Journe industrielle" teilt mit, daß die Verhandlungen zwecks Erneuerung der Kölner Abmachung betr. die Kohlen- und Kokslieferung als Reparationsleistungen, die am 31. Dezember ablaufe, zu einer Verständigung geführt hätten, durch die die Abmachung nach erfolgter offizieller.Billigung durch die ftan- zösische und die deutsche Regierung bis zum 31. Januar 1928 verlängert werde.
♦ Die spanisch-portugiesischen Beziehungen. Wie Havas aus Madrid meldet, will „El Debate"mit- .teilen können, daß der Präsident von Portugal im Januar oder Februar General Primo de Rivera einen Besuch abstatten wird.
Sozialisten und Völkerbund.
Außenpolitische Fragen auf dem sozialistischen Par- tettag Frankreichs.
Auf dem außerordentlichen sozialistischen Parteitag in Paris wurden, nachdem bereits der Abgeordnete Zyromski lebhafte Kritik am Versailler Verttag und am Völkerbund geübt hatte, zum Teil auch außenpolitischen Fragen angeschnitten, auf die des näheren Leon Blum und Paul Bon- cour eingingen. Blum bezeichnete als Pfeiler der internationalen sozialistischen Aktton das Genfer Protokoll und die Abrüstung. Sobald die Rheinland- und Saarftagen durch die Räumung liquidiert seien, müßte Frankreich nach dem Beispiel Belgiens die Dienstzeit herabsetzen und die nationale Miliz einführen. Paul Boncour wies darauf hin, daß die Besetzung des linken Rheinufers aufgrund eines Abkommens bestehe, dem Deutschland selber beigetreten sei und das die Räumung abhängig mache von der Organisierung der Sicherheit in der entmilitarisierten Zone mittels der Konttolle eines internationalen Ausschusses. Im übrigen warnte er vor der übereilten Forderung auf Revision der Verträge, weil diese der Funke zu einem neuen Welt- brand werden könne. Man müsse die Zeit arbeiten lassen. Der Völkerbund sei die gegebene Instanz. Wenn der Völkerbund eine Krise durchmache, so liege das nicht an ihm selber, sondern an der Verschiedenheit der in ihm vertretenen Regierungen. Erst toenn die demokratischen oder proletarischen Patteien die Regierungsgewalt übernommen hätten, werde der Völkerbund gerettet sein. Im entgegengesetzten Falle gebe er nicht viel für das Friedenswerk des Döllerbundes. Der Verwirklichung der gewünschten Fortschritte stehe oft die heimliche und zähe Aktion der Kanzleien und Botschaften im Wege, die, anstatt den verantwortlichen Regierungen zu dienen, ihnen bisweilen sogar entgegen arbeiteten.
Das niexrkanissche Petroleum.
Die Deputiertenkammer in Mexiko hat in erster Lesung eine ihr durch Vermittlung des Ministeriums des Innern vom Präsidenten Calles zugegangene Vorlage angenommen, durch die Art. 14 und 15 des neuen mexikanischen Petroleumgesetzes auf Grund der kürzlich vom Obersten Gerichtshof gefällten Entscheidung in Sachen der Mexi- can Oil Company abgeändert werden. Der Abänderungsantrag beseitigt, falls er vom Kongreß angenommen wird, endgültig den Hauptem- wand der Pettoleumgesellschasten gegen das Petroleumgesetz, da die sogenannten fünfzigjährigen Confirmatory Concessions, die die Pettoleumgesell- ichaften für ihre vor dem 1. Mai 1917 erworbenen Rechte erhalten, durch die neue Gesetzesvorlage ^geschafft werden. *
Aus Washington wird gemeldet: Das -»taatsdevartement hat dem Wunsche der mexika-
* Wettere Haussuchungen im Elsaß. Der Mühlhauser Korrespondent den „Temps" berichtet über sechs neue in Mühlhausen und Umgebung vorge- nommme Haussuchungen bei Anhängern der auto- nomistischen Bewegung. In allen Fällen seien Dokumente beschlagnahmt worden und dem Untersuchungsrichter zugeleitet. Die Staatsanwaft- schaft in Sttaßburg habe, so wird ferner gemeldet, in der Wohnung des Korrespondenten der Köl- nischen Zeitung und der Frankfurter Zeitung sowie bei einem Reporter, der vor dem Kriege in den deutschen Kolonien geweilt und kürzlich nach dem Elsaß zurückgekehrt sei, Hans- suchungm vorgenommen. In den Büroräumender „Zukunft" sei alles aus geräumt worden.
Das zur Neige gehende Jahr vollendet zugleich das fünfte Jahr der österreichischen Sanierung, des von Bundeskanzler Dr. Seipel eingelette- ten und von ihm — mit zweijähriger Unterbrechung während der Kanzlerschaft Dr. Ramels — fortgesetzten Wiederaufbauwerkes. Daß die Grundlagen der im Spätherbst 1922 von Dr. Seipel und Dr. Kienbröck aufgestellten Staatsfinanzpolitik unverändert geblieben sind, hat gerade die Erörterung des Bundesvoranschlages für das Jahr 1928, die feit Ende November im Gange ist, gezeigt. Bezeichnend ist jedenfalls die Taffache, daß nicht so sehr das Meritorische des Budgets, sondern das Formale, nämlich dessen rechtzeitige Ver- abschiedung vor Jahresschluß, im Vordergründe der politischen Erörterung steht. Was die Opposition gegen den Budgetentwurf als solchen Vorbringen konnte, ging nicht über den Rahmen der üblichen formalen parlamentarischen Kritik hinaus. Die Finanzpolitik der Mehrheit kann übrigens in den letzten Wochen, die der Vorbereitung der großen Jnvestttionsanleihe gewidmet waren, auf schöne Erfolge zurückblicken. Nach der Reihe haben dieGläu- biger der Völkerbundsanleihe 1923 und die Relief, fchnldgläubiger ihre grundsätzliche Z u ft i m m u ng zur neuen Anleihe erteilt, so daß der Weg zu den ausländischen Finanzmärkten nunmehr geebnet ist. Wie in den letzten Jahren, reserviert auch das Budget für 1928 beträchtliche Summen aus den laufenden Staatseinnahmen für Jnvesti- tionszwecke. Es ist notwendig, auf diese Tatsache hinzuweisen, denn sie zeigt, daß — auch unabhängig vom ausländischen Kapitalzufluß — das Hauptziel der Seipel'schen Mrtschaftspolitik auf die Belebung der Wirffchaftsgebiete gerichtet ist. Die Anleihe wird — ob in einem Teilbeträge oder zum vollen Betrage, steht noch dahin — jedenfalls in den ersten Monaten des folgenden Jahres aufgelegt werden. Der Jahreswechsel findet also Oesterreichs Wirffchaft in einem Stadium langsamen, aber zielbewußten Aufstiegs.
Die sozialdemokratische Opposition befindet sich angesichts dieser Entwicklung in einer
dieser Wiederaufbau geglückt ist, werden Strömungen sichtbar, die für eine Koalition der beiden größten Parteien des Nationalrates Stimmung machen. Der frühere Staatskanzler Dr. R e n n e i hat in den beiden letzten Monaten wiederholt die Jnitiattve m dieser Richtung ergriffen — aber es bleibt ungewiß, wie weit sich seine Bestrebungen mit jenen der heute maßgebenden Gruppe seiner Partei decken, mit anderen Worten: es ist nichl klar, unter welchen Bedingungen die Sozialdemo, tratie ihre Politik der Negation aufgeben würde. Daß es überhaupt zum Aufrollen der Koalitionsfrage kam, ist ein wichtiges Anzeichen dafür, daß auch unter den sozialdemokratischen Massen eine Revision der Auffassung über das Scipel'sche Sanierungswerk vorgeqangen ist. In der richiigen Erkenntnis, daß solche Wandlungen in der Opposition der Vertiefung und Ausbreitung bedürfen, bevor sie diskussionsreif werden, hat Dr. Seipel die Koalitionsfrage bisher als n i ch t aktuelle Angelegenheit behandelt. Er hat damit der inne-. ren Ueberjeugung der weitaus überwiegenden Mehrheit im christsichfozoialen Lager Rechnung getragen, die mit Rücksicht auf den 15. Juli dem Koalitionsgedanken abgeneigt ist. Dazu kommt noch die parteitaktische Erwägung, daß die nach den Aprilwahlen geschaffene Koalition zwischen Christ- lichsozialen, Großdeutschen und Landbündlern sich bisher als durchaus tragfähig erwiesen hat. Die in der dritten Zolltarisnovelle verwirklichten Wünsche der Landbündler waren ebenso eine Belastungsprobe für die Koalition, wie die Beamtenbesoldungsreform, bei welcher sich die Großdeuffchen aus natürlichen Gründen sehr exponieren mußten. Knapp vor Weihnachten ist auch in der Beamtenfrage ein Kompromiß erreicht worden. Wie man sieht, hat sich die parteitaktijche Situation der bestebenden Koalition durchaus verbessert. Don Regierungskrisen, die durch Wochen ein beliebtes Thema der radikalen Opposition waren, ist nichts mehr zu lesen.
Resümierend kann man daher die von Dr. Sei- 1 pel geführte Regierung als fester denn je bezeichnen; ja, man muß darüber hinaus feftftetten, daß Oesterreich auch im kommenden Jahre wohl nur nach Grundlinien Seipel'scher Staatsauffassung verwaltet werden kann und wird.
Das Budgetprovisorium angenommen.
Im Finanzausschuß des Wiener Nationalrates stellten die Mehrheitsparteien den Antrag, sofort in die Beratungen über ein zweimonatiges Budgetproviforium einzutreten, da mit der Erledigung des ordentlichen Budgets nicht mehr zu rechnen fei. Der Antrag wurde angenommen und nach kurzer Debatte gelangte das Bud- getprovisorium zur A n n a b m e.
Zu einer in der Presse aufgetauchten Behauptung, wonach zwischen Reichsaußenminister D r. Stresemann und dem französischen Außenminister Briand bei der letzten Ratstagung in Genf eine Vereinbamng über den deutschen und den ftanzösischen Wahltermin getroffen worden sei, und zwar in dem Sinne, daß es wünschenswert sei, wenn bald nach den französischen Wahlen anfangs Mai auch in Deutschland die politischen Verhältnisse durch eine Neuwahl geklärt würden, bemerkt die Tägl. Rundschau, daß es sich hierbei um reine Kombinationen handele. Von irgendwelchen Vereinbarungen könne schon deshalb nicht die Rede sein, weil die Ansetzung des Neuwahltermins von dem Willen des Reichsaußenministers in keiner Weise abhängig sei. So viel sei sicher, daß der Reichstag unter allen Umständen zusammengehalten werden müsse, bis der Reichshaushaltsplan von 1928 verabschiedet sei.
Die „Var-Partei".
Eine originelle Neugründung. — Und eine zweite Neugründung.
Als erster Wahlaufruf zu den kommenden Reichstagswahlen ist soeben der Ausruf der „Bar- Partei" erschienen. Das Wort „Bar" ist gebildet aus den Anfangsbuchstaben der drei Worte „Beamten, Angestellten und Rentner", hat also weder mit Geld noch mit einem mondänen Schnaps-Aus- schank irgendetwas zu tun. Originell an dem Aufruf dieser Bar-Partei, der gleichzeitig Gründungsund Wahlaufruf ist, ist jedenfalls das eine, daß der deutsche Staatsbürger, sofern er von dieser Partei als Kandidat nominiert zu werden wünscht, bei der Partei ein Gesuch einreichen kann, dem er sein letztes Schulzeugnis, einen kurzen Lebenslauf, ein Lichtbild, ein ärztliches Zeugnis über feinen Gesundheitszustand und einen frei gemachten Briefumschlag für die Rücksendung beilegen muß Das Parteiprogramm selbst im summa summarum derart naiv, daß sich jedes weitere Wort dazu erübrigt.
In diesem Zusammenhänge mag auch nicht unerwähnt bleiben, daß die von den Abgeordneten oon Erliefe, Henning und Wulle geführte Beu tsch- völkische Freiheitspartei am 22. Dezbr. die Gründung eines „Vaterländischen O p - p o s i t i o n s b 1 o ck e s" beschlossen hat, der nach üner parteioffiziösen Verlautbarung „eine große
Reihe vaterländischer Verbände und Gruppen" umfassen soll. Es handelt sich hier anscheinend um den letzten verzweifelten Versuch rechtsradikaler Elemente, die das Lager verlassenden Mannen noch bei der Stange zu halten. Daß dieser Versuch nicht gelingen wird, steht bombenfest. Am 22. Januar 1928 soll die Gründungsversammlung des neuen „überparteilich-vaterländischen" Blockes stattfinden.
Der Ruf nach dem „Reiter".
Schon wiederholt ist in einem gewissen Teil der deutschnationalen Presse, namentlich unter Führung der „Kreuzzeitung" der Ruf nach dem „Retter" erhoben worden. Auch ejtzt ist es diese selbe Zeitung, die in einem Weihnachtsartikel folgendes schreibt:
„Wenn heute in Deutschlands schwerster Zeit alle Patrioten sorgenvoll die Frage immer wieder aussprechen, in die Schiller die erste Szene seines Wilhelm Teil ausklingen läßt: „Wann wird der Retter kommen diesem Lande", dannn richten sich immer wieder die Blicke auf die gewaltige Gestalt des ersten deutschen Kanzlers."
Wieschon früher, so ist auch in diesem Satze ein starker Affront gegen den Reichspräsidenten Hindenburg zu erblicken, den damals gerade die Deutschnatiönalen unter dem Stichwort „der Retter" auf das Schild erhoben. Wenn sie nun immerfort nach einem anderen Retter rufen, so können sie dadurch nur schlecht ihren Aerger darüber verhehlen, daß sie sich in Hindenburg, so wie s i e seine Tätigkeit sich vorstellten, getäuscht haben. Und das ist nur eine Ehrung und Anerkennung für den Reichspräsidenten, ber getreu seinem der Verfassung geleisteten Eide dem Ganzen dient.
Die sluslandanleihen.
Die Täql. Rundschau teilt mit, daß die Beratungsstelle für Ausländsanleihen voraussichtlich am 6. Januar eine Sitzung abhalten werde, auf deren Programm nicht nur die Besprechung der endgültigen Ergebnisse der Rundftage über die kurzfristigen Kommunalschulden stehe, sondern auch die Beschlußfassung über eine Anzahl wichtiger größerer Auslandsanleihevorhaben. Hierbei handele es sich um eine Girozentrale-Anleihe, einige Ausländsanleihen von Großstädten, den Versuch einer gemeinsamen Provinzial-Auslandsanleihe und die Beschaffung von Auslandsgeld für Sttaßen- 6 au.
WDW, Hl I _|_ es zu boyko liieren ,6er eingesetzt wurde, um die Frage zu prüfen ,roie die indische Verfassung in fortschrittlicher Richtung ausgestaltet werden könne. Die Opposition gegen den Ausschuß rührt hauptsächlich da- 1er, daß ihm kein Inder angehört.
3f allen und der Gilbert-V ericht.
Die deutsche Reparationsleistung und die alliierten Schulden.
Aus Rom wird gemeldet: In einer Note des ^Pvpolo d'Italia" zu der im letzten Bericht des Reparationsagenten unterstrichenen Notwendigkeit einer Festsetzung der Gesamthöhe der deutschen Reparationsschuld wird betont, daß der Beschluß der Reparationskommission vom April 1921, aufgrund dessen Deutschland 132 Milliarden Goldmark hatte zahlen müssen, nicht ohne Zustimmung sämtlicher Alliierten umgeändert werden könne. Nach einem Hinweis darauf, daß die Alliierten ihre Schulden an Amerika ohne Deuffchlands Zahlungen nicht begleichen könnten, bemerkt das Blatt weiter, bei der öffentlichen Meinung Italiens würde eine Herabsetzung der deutschen Zahlungen auf keine Schwierigkeiten stoßen, sofern dadurch keine größeren Lasten auf die Italiener gelegt würden. Solange jedoch die Amerikaner auf die Bezahlung der alliierten Kriegsschulden bestünden, habe eine starke Herabsetzung der deutschen Reparattonszahlungen keine Aussicht und man dürfe sich in dieser Hinsicht in Deutschland keinen Illusionen hingeben.
Der König oon Afghanistan in Kairo.
Zu Ehren des Königs von Afghanistan, der in Kairo in Aegypten zu Besuch wellt, fand eine Parade des ägyptischen Heeres statt, bei der König Fuad und der britische Oberkommissar Lord Lloyd rnwcsend waren.
Hungersnot in Schantung.
Reuter meldet aus Peking: Europäer in Schan- hing bestätigen die Meldung der Gesellschaften zur Linderung der Hungersnot, daß vier Millionen der Bevölkerung nahe am Verhungern sind. In 35 Bezirken von den 107 Bezirken der Provinz Schantung sind weniger als 10 Prozent der Ernte eingebracht worden, während in 30 anderen Be- em der Bettag sich zwischen 10 und 40 Prozent
egt. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt bereits von Baumrinde und Spreu. Der schlimmste Puntt ist noch nicht erreicht. Früher wohlhabende Bauern verschleudern ihre Viehbestände für geringfügige Beträge, um auszuwandern. Die Lokalbe- Hörden gebenderDürre unddemHeuschreckew fraß schuld an der Hungersnot. Wie die Europäer erklären, ist sie aber'hauptsächlich auf den Bür. gerfrieg zurückzuführen. Es besteht keine Hoffnung, in China selbst die Geldmittel aufzubringen, um große Massen der Bevölkerung vor dem drohenden Tode zu retten. Hilfe vom Auslande wird dringend gebraucht. Truppen und Banditen verschärfen noch die Notlage im Hunger- bezirk und machen es dabei unmöglich, die großangelegten Hilfsmaßnahmen unter ausländischer Leitung durchzuführen, wie etwa den Bau von Straßen und Kanälen. Aehnliche Verhälttttsse Herr- scheu in Tawingsu im südlichen Tschili, wo nur 20 Prozent der Ernte eingebracht werden konnten
Japan demontiert.
Japanisch-russischer Zwischenfall erledigt.
Der Pressechef des japanischen Auswärtigen Amtes erflärtc zu dem Bericht, wonach Japan versuche, zwischen Tschang Tso-Iin und Dschiang Kai- schek zu vermitteln und gewisse Zugeständnisse für seine Dienste erhalte, diese Behauptung sei vor kurzem von Bucharin ausgestellt worden. Der japanische Botschafter in Moskau sei daher angewiesen worden, gegen diese vollkommen unbegründete Behauptung Einspruch zu erheben. Da Bucharin diese Erklärung zurückgezogen habe, werde der Zwischenfall jetzt für abgeschlossen angesehen.