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Fuldaer Zeitung

Rund um das

ftrereude Erde,

wenn Gott

l

Karlstraße 1/3.

Fernruf 263, 264, 265

C3

nicht erschüt-

bedacht sein. Und dann haben Jlgenkamps ich nicht weniger liebe als dich! Jeder

doppelt hart. Ihr möchte ich so gerne jede ersparen! Ihr Glaube an den Vater soll

ein Kind, das

Streich, der

„Nun, Hete, ich hörte ja bereits von Fritz, tm HSt- test gestern den heimgekehrten Erich sogleich in Ctmufana

Die letzten Worte der Greisin weckten ihn aus seinen Gedanken. Fragend schaute er sie an.

„Ist denn etwas Besonderes geschehen, was dir Grund zu solchen Sorgen gibt? Verhehle nichts, Großmama!"

Wieder ergriff sie seine Hände und streichelte sie zärtlich. Sie schien nach passenden Worten zu suchen. Endlich reckte sie sich auf, schaute ihm voll in die Augen und sagte leise:

„Wenn ich dich nicht so genau kennen würde, wenn meine alten Augen nicht selbst sähen, daß du unverändert heimgekehrt bist, würde ich meine Sorgen für mich be­halten haben. So aber weiß ich, du wirst Frieden halten, und ich bitte dich herzlich darum! Schon um der Familienehre willen mußt du auf friedlichen Ausgleich

tert werden. Sie mußt du schonen um jeden Preis. Ver­sprich mir, Erich, daß du alles tun willst, was in deinen Kräften steht, um mit deinem Stiefvater im Frieden auszukommen!"

Wie feierliches Geloben klang die Antwort des Heim- gekehrten: „Großmama, aus tiefstem Herzen verspreche ich dir das! Es hätte deiner Mahnung gar nicht bedurft, denn die Gründe, die du anführtest, erkenne ich voll und ganz an: Die Familienehre sowohl als auch Hete müssen unter allen Umständen geschonk werden. Beide sind mir zu hoch und zu hehr, als daß ich fie antasten ließe. Aber nun kannst du mir gewiß näher erörtern, was dich zu deinen sorgenden Gedanken treibt!"

„Ach, Erich, ich alte Frau, die ich an meinen Roll­stuhl gefesselt bin, an deren Ohr die Dinge der Außen­welt, und gingen sie mich auch noch so nahe an, nur gedämpft und wie aus weiter Ferne bringen, bin nur auf Vermutungen und Schlüsse angewiesen. Wer sollte mich auch genau aufklären? Hete, Irma und Bruno, die vertraut bei mir verkehren, wissen davon noch we­niger als ich selbst. Und die anderen werden sich hüten, mich in ihre Geheimnisse einzuweihen. Aber eines weiß ich: die Jlgenkamps — Hete selbstverständlich ausgenom­men! — bauen ihres Hauses Glanz auf Lug und Trug

auf, und das sind gar unsichere Fundamente, die eines guten Tages einsinken müssen. Weiht du auch, wie man Irma von dir trennte?"

Erregt sprang Erich auf. Mühsamer als sonst schien er sein künstliches Bein nachzuschleppen. Es zuckte und wetterleuchtete in seinem markigen Gesicht. Nach gerau­mer Zeit blieb er vor der Großmutter stehen und bat: „Laß diese vergangenen Geschichten begraben fein! Ich kann nicht daran denken, ohne daß nicht die unendliche Bitterkeit in mir aufquillt, die ich damals verkostete. Seit ich Irma in Berlin sah, glaube ich ja selbst mehr und mehr, daß sie das Opfer eines schlauen Anschlages geworden ist. Aber ein ungeklärter Rest bleibt doch zu­rück. Irma kannte mich, sie hatte mir unzweideutig ein Recht auf ihr Herz eingeräumt. Mein Vertrauen zu ihr war unerschütterlich. Sie aber schien mir weniger geglaubt zu haben. Und darüber kann ich nicht hinweg­kommen — fürs erste wenigstens nicht. Ich stehe den hiesigen Verhältnissen noch zu ftemd gegenüber, muß mich erst in der Heimat wieder einleben und zu den Personen in ihr Fühlung nehmen. Und bann noch eins: Ich bin als Krüppel heimgekehrt! Der Gebanke baran hat in biefen brei bitteren Jahren an mir gerissen unb gezerrt, baß ich es keinem Menschen — auch bir nicht — beschreiben kann. Ich besitze kein Recht mehr auf Irmas Hand unb Herz. Unb selbst wenn es anders wäre, würde ich keinen Gebrauch davon machen. Oder meinst du, ich wollte mich mit kargen Mitleidsbrocken abspeisen lassen, sollte stets unb ftänbig in bem beäng­stigenden Gedanken leben, daß bort, wo ich eines Frauenherzens ganz reiche Siebe erwarte, mir höchstens Mitleib zu teil wirb? Nein, Großmama, bas wäre für mich viel schrecklicher als bie Einsamkeit, die jetzt mein Los fein wird."

Frau von Termöllen hatte keinen Blick von ihrem Enkel gewandt. Während er so erregt sprach, meinte sie leise Stimmen zu vernehmen, die ihr freundlich zu- raunten: Er liebt sie ja noch genau so innig wie einst! Nichts hat sich daran geändert! Und du weißt doch, wie es um Irma steht. Zwei Herzen, die ein Mißverständnis voneinander trennte, streben erneut die Vereinigung an. Gib ihnen nur Zeit! Mische dich nicht darein, mit dei­nen alten Fingern könntest du sonst leicht das Gespinst

L8s ---------

,Zch bringe dich zu Großmama! Seit acht Tagen sprechen wir ja kaum noch von etwas anderem als von dir. Schade, daß Bruno und Irma nicht zu Hause sind! Das gäbe eine Feierstunde, in der unsere Herzen höher schlügen."

So plauderte Hete unterwegs.

Erich aber erzählte, daß er die Brackenberg-Ge­schwister bereits in Berlin getroffen hätte. Ruhig sprach er auch über Irma, und ein frohes Lächeln huschte um feinen Mund. O, fie wollte schon sehen, bah fie bie bei­den lieben Menschen roieber zusammenführte.

Rieke nahm bie beiben Ankommenden in Empfang, schlug vor heller Freude die Hände über dem Kopf zu­sammen und war so laut, daß auch die Greisin schließlich darauf aufmerksam werden mußte. Wie im Triumph führte Hete den Heimgekehrten in Frau von Termöllen freundliches Gemach. Freudig wirbelte das junge Mäd­chen darin hin und her und rief: „Ich will doch gleich in Mietens Reich und ihr helfen, daß sie ein ordent­liches Abendbrot zustande bringt."

Erich hatte die Hand der Greisin geküßt. Sie aber zog ihn in Überwallender Zärtlichkeit an ihre Brust, streichelte mit zitternden Händen feinen Haarschopf unb flüsterte einmal ums anbere: ,ß, baß bu nur roieber ba bist! Daß ich bich vor meinem Tobe noch einmal sehen barf. Nun mag mich ber Herr nur heimholen! Alt genug bin ich geworden. Und ich brauche auch nicht mehr zu fürchten, baß bas, was bie Termöllen unb Bra­ckenberg in jahrzehntelanger Arbeit unb mühsamem Fleiß hier aufbauten, durch Leichtsinn unb Schlimmeres jugrunbe gerichtet wirb."

Längst saß Erich an ihrer Seite. Lächelnd schaute er prf) in dem wohlvertrauten Raume um. Hier war seine itterengfte Heimat gewesen, die Großmutter hatte ihm bie Elternliebe zu ersetzen versucht, und wer wäre wohl befter dazu imstande geroefen?. _

Wissenschaft und Forschung.

= Lin Grab aus den punischen Kriegen wurde bei 6a ft ar a in der römischen Provinz Pesaro freigelegt. Das etwa 100 Quadratfuß große rechteckige Grab ist von einer drei Fuß dicken Mauer umgeben. Es handelt sich um bas Grab von Legionären, die in der berühm­ten Schlacht bei Metaurus gegen Hasdrubal fielen. In der Nachbarschaft fand man zahlreiche Marmorplatten, bearbeitete Marmorsteine unb eine geflügelte Sieges» jöttin aus Bronze.

zerreißen, besten feine gäben bem irdischen Auge kaum sichtbar sind, das aber doch noch zu einem starken Netz werden muß.

Hetes (Eintreten überhob sie der Notwendigkeit einet Antwort, und sie war herzlich ftoh darüber. Hete aber war in einer so freudigen Stimmung, daß Erichs Ernst nicht lange stand zu halten vermochte. Während er zwischen der Großmutter und Hete am festlich gedeckten Tisch saß, ergriff er mehr als einmal Hetes Hand unb meinte lächelnd: „Das ist nun wieder einmal so echte deutsche behagliche Häuslichkeit, die ich jahrelang schwer vermißte. Jetzt, Hetelein, mußt du mir sie von Zeit zu Zeit spenden, dann wird es schon wieder hell in mei­nem Herzen werden."

„Aber das versteht sich doch ganz von selbst!" erwi­derte Hete eifrig und setzte dann hinzu: „Du hast also Irma und Bruno in Berlin getroffen? Erzähle doch: wie geht es Bruno? Was sagt Irma von seinem Zu­stande?" Erwartungsheiß schaute sie ihn dabei an. Ihre Wangen glühten und in ihren Blicken war ein so selt­sames Scheinen. Wäre es möglich, daß dieses lieb reizende Mädchen einem armen Blinden fein Herz ge schenkt haben könnte? Aber er hörte es doch aus jeden Worte, las es aus ihren Blicken. Das war viel mehr als Freundschaft, mehr als geschwisterliche Kamerad­schaft, die ja zwischen ihr unb Bruno schon längst be­standen. Das war bie tiefe Siebe eines edlen Mädchens, . das nicht daran fragte, ob der Mann, dem fie ihre Zu­neigung schenkte, ein armer hilfloser Krüppel war. Wollte sich da in seinem Herzen nicht etwas wie Pleil regen, daß Bruno ein Glück zuteil wurde, dem er ftn immer entsagen mußte Ein trübes Lächeln huschte um seinen Mund. Als ob er Bruno nicht bester kannte. Der denkt in diesen Dingen genau so wie er, wird scho­nungslos eine Liebe aus dem Herzen reißen, wenn bie Erfüllung feiner Sehnsucht dem geliebten Mädchen Opfer auferlegte. Möchte bie Kunst der Aerzte ihm wenigstens etwas von seinem Augenlicht wiedergeben, damit er „ich! auf ein Glück zu verzichten braucht, das er Überreich verdient!

M 297.

Sonntag, 25. Dezember 1927.

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda

Das Martyrium Sübtirols.

In Mühlbach im Pustertale hat ein Schuldirek­tor auf Anordnung der italienischen Behörde den deutschen Schulkindern den deutschen Katechismus abnehmen müssen; das gleiche geschah in den Gemeinden Rodeneck, Vals und Franzensfeste. Fer­ner wird uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt, daß in einem Orte des Bozener Unterlandes Be­fehl erteilt worden ist, daß nicht nur deutsche Pre­digt verboten stt, sondern auch das deutsche Rosen­kranzgebet von nun an zu unterlassen ist! Die deutschen Anschriften an der Kirchentür mußten ent­fernt werden. Das himmelschreiende Unrecht gegen unsere deutschen Glaubensbrüder in Südtirol hat einen Grad erreicht, der die öffentliche Meinung der ganzen zivilisierten Welt zur entschiedenen Stel­lungnahme veranlassen sollte.

Unerträglich ist den Italienern, daß deutsche Kinder noch immer in ihrer Muttersprache Reli­gionsunterricht erhalten. Man ist also noch nicht damit zufrieden, daß man die europäische Kultur einfach mit den Füßen tritt und deutschen Kindern den deutschen Unterricht in der Schule vorenthält und Lehrer wie Lehrerinnen, die Privatunterricht in der Muttersprache erteilten, verurteilt. Nun soll auch der Kampf gegen den Religionsunterricht in deutscher Sprache begonnen werden. So schreibt Giarratanna in der „Provincia di Bolzano", daß „der Küraß der italienischen Bildung, mit welcher Italien die Südtiroler umgeben will, ein gefähr­liches Lob durch den deutschen Religionsunterricht erhalte",---„überhaupt sei es ein Skandal,

daß es noch Geistliche gebe, die des Italienischen unkundig seien; der Umstand, daß sie bisher noch nicht Italienisch könnten, sei ein Beweis für ihre Feindlichkeit gegen Italien; darum dürfe diesen deutschen Geistlichen niemals der Religionsunter­richt in deutscher Sprache überlassen werden." Der Höchstkommandierende der „Provincia di Bolzano" Giarratana, schließt mit der Bemerkung seine Aus­führungen, daß es noch viel zu tun gebe! Der Südtiroler Klerus wird wissen, was die kirchliche Lehre, die die Muttersprache von jeher geschützt hat, vorschreibt und sich von Faschisten nicht ein» schüchtern lassen.

Der Name der deutschen Gemeinde im Bozener Unterlande ist bekannt, soll aber nicht veröffentlicht werden, um unsere ohnehin schon schwer leidende Elaubensbrüder vor Schädigungen zu verschonen!

Der bekannte Südtiroler Pater Jnnerkof- l e r, der zugleich Obmann des Andreas-Hofer- Bundes ist, hat während des Wiener Aufenthaltes der beiden deutschen Staatsmänner an diese ein Bittgesuch gerichtet, das auf die letzten Unter­drückungsmaßnahmen der fafchistischen Regierung Bezug nimmt und mit den Worten schließt: „Hel­fen Sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, die­sem barbarischen Verbrechen Einhalt zu tun!" . !■ ■

gegen Hetes Vater geführt wirb, trifft ihr weiches Herz Enttäuschung

Das Haus Termöllen

Roman von Erni! Frank. _

quickend jeder noch so kurze Glückwunsch, weil die innere Seele daran Anteil hat.

Herr, schenk uns dm Glauben der Weihnacht, damit wir deine Liebe verstehen^ ... Und nun, Kindchen, geh wieder an dem Spiel. Setz dem neues Hütchen auf oder fahr mit dem Schlitten aus. Und spiel dich durchs Leben, fall nie vom Schaukelpferdchen, wenn es später auch einmal kräftiger schaukelt als in sorgloser Kindheit. Und wenn es weit abtreibt in Fährnis und Nacht, dann chau zurück dahin, wo einst das Bäumchen Mi­enen hundert Kerzm brannte^ wo der Stern über >er Krippe stand, wo der Engel das Gloria m ercelsis in den Lüften trug, wo die Hirten mit den Schäslein den weißen Sandweg zogen, schcm zu­rück und denk der Mutter, die dir einst vom Chrlst- kind erzählt hat, damals, einst .... wo du gläubig wärest upd glücklich ...

Der Mann im Monde.

Aus verlorenem Sonnenland

Reise- und Jagdbilder aus Deutsch-Ost­afrika von Rektor Rudolf Sendke mit einem Vorwort von Gouverneur z. D. Schnee.

Ein Buch für die deutsche Jugend und für jedto Erwachsenen. — 254 Seiten. i?reis gebunden 3,80 Mk.

Verlag der Fuldaer Actiendruckerei Fulda

Reife und Wanderung.

— Welches Land Hal bie meisten Hotels? Statistische Erhebungen haben ergeben, baß Italien bie meisten Hotels hat, nämlich 175 484. Deutschland steht mit 166 084 an zweiter Stelle, worauf die Schweiz mit 104 611 folgt.

Die gut eingerichtete Küche gehört zum behaglichen Helm

Vollständige Küchenansstattimgen hauswirtschaftliche Maschinen, Nickel-, täfel- und Kochgeschirre, Bestecke, Messingwaren, Flur- und Wandgarderoben.

Ci W G. m. b. H. Fulda.

Theater und Musik.

— Die Bühnensestspiele Bayreuth 1928 bringen „Tri- ftan unb Isolde" am 19., 28. Juli, 6., 10., 18. August, !,Parsisal" am 20., 29. Juli, 7., 9 19. August und „Der Ring bes Nibelungen" am 22. bis 26 Suh, 1. bis 5., 12 bis 16. August. Eintrittskarten (numerierte Sitz- plätze) sind von der Verwaltung der Bühnens estspiett (Telegrammadresse: Festspiele Greuth) und den durch Aushang kenntlich gemachten Vorverkaufsstellen in t ten größeren Städten zu beziehen. Der Preis der Emtrill.-- karte beträgt 30 Rm. für leben Platz unb Abend. (Ge­gen Patronatsschein 25 Rm.)

Viel fällt für die Gäste ab, wenn Gott mit her Menschheit Hochzeit hält. Und Weihnachten ist ein richtiges Hochzeitssest, an dem Gott sich vermählt mit seiner in Adventssehnsucht harrenden Menschheit. Und groß ist die Freude im Himmel und auf Erden. Engel musizieren unter den Ster­nen der Mitternacht, und fromme Hirtenlieder mischen sich drein. Ja, und viel fällt ab für die Gäste, die sich heute in Scharen einstellen. Christ­kindchen kommt, und Christkindchen schüttet, aus an schönen Gaben, was immer dein Herz erfreut. Ein ganzer Regen von Pfeffernüssen, vergoldeten Früchten, zierlichem Marzipan, kostbarem Backwerk, silbernen Fäden, und all die hübschen Sachen, die aus den Schauläden heraus plötzlich auf den Familientisch gezaubert wurden. Und es ist ein Schmausen und Knuspern, ein Naschen und ein Lutschen, die Kleinen sind an der Arbeit und die Großen, und das Herdfeuer brennt in der warmen Stube. Alle Griesgrame machen heute ein ftöh- liches Gesicht, alle Schwiegermütter lachen und alle Pärchen denken, es könnte immer so bleiben. Gewiß, es fällt immer viel ab für die armselige, einmal ein richttges

WeihnaKtssest. I

sich von neuem in die härtesten Kämpfe zu Die Fragen in der Eisenindustrie, die Drohungen des Krieges, die Unsumme von Intrige und gegen­seitiger Verfolgung, das alles ist doch wie em großes Tier, das man für diese Tage an die Kette gelegt hat, um es morgen wieder loszulassen, die­ses böse, geifernde, zähnefletschende Ungeheuer. Und es könnte doch so schön sein auf der Welt. Es könnte doch die Liebe herrschen Es konnte doch jeden Tag Weihnacht sein. Ist Liebe nicht besser als Haß? Ist Schenken nicht besser als Nehmen? Blüht nicht der ganze Mensch auf, wenn er hebt. Betrügen wir uns nicht selber Tag für Tag um diese unsere edelste Kraft? Denk über die Liebe nach, wenn Du heute beim warmen Feuer sitzt unb am Abend vielleicht noch einmal den Christbaum anzündest. Dein Töchterlein geht ans Klavier und spielt ein paar Melodien. Die Kleinen sehen von ihren Spielfachen auf. Ach, am Ende ist schon ein Loch in der Arche Noah, und mancher Hirte-hat schon ein Bein gebrochen und auch die Puppe hat vielleicht schon verrentte Glieder. Aber wo nun alle singen, und wo es so recht gemütlich ist, wo auch der Vater einmal zu Hanse bleiben kann und wo die Mutter sich ein freies Stündlein macht, wie schön und wohlig ist doch alles, und wie soll man in des Lebens Not die Liebe feiern, die Eltern und Kinder zusammenschließt. Mag das Ungeheuer da draußen ruhig an feiner Kette bleiben. Wir brauchen nicht zähnefletschend mit einander zu ver­kehren. Wir können Menschen fein, überall, und immer mag sich unser Antlitz in Liebe verklären.

Menschheit, sinne nach. Suche hinter das Ge­heimnis zu kommen, das dunkel und herrlich hinter der Schönheit dieser Tage märtet. Wie kommt es doch, daß da so plötzlich eine Liebe aufwacht mitten in der verzweifelnden Wett? Wer spricht denn da im Herzen der Tausende, die heute geben, während sie sonst von diesem seligen Gefühl kaum etwas wissen? Wer ist der Verborgene, der dieses Brünn- leinJahr für Jahr wieder stießen läßt, dieses Brünn­lein der Liebe in den Herzen der Menschen? Und wie heißen die Zauberworte, mit denen er die Menschheit betört, denn es ist doch eine Betörung im irdischen Sinne, daß man etwas wegschenkt, was man selber noch gut gebrauchen könnte, daß man sich eines Fremden erbarmt, der morgen seine Straße zieht, daß man auf einmal Tücher über die Tische der Arbeit breitet, um sie für Schmuck und Geschenke herzurichten?

Gewiß hast Du eine Krippe in deinem Zimmer und sei es auch nur eine mit dürftigem Pappstück­lein zusammengellebte. So zünde das bunte Weih­nachtslicht davor ait und nimm dein Kind und sage zu ihm: Das ist der Heiland der Wett. Er ist der ewige Sohn Gottes. Es gibt niemanden, der grö­ßer und erhabener wäre. Siehst du, und er liegt in einem atmen Stall und in einer Krippe au Stroh. Verstehst du? Man kann reich sein, vbwvh man in einer elenden Hütte haust. Man kann innerlich ganz glücklich sein, göttlich glücklich, auch wenn man von den Menschen vor die Tore ihrer Städte gewiesen wird. Man kann stark fein, auch wenn man schwach ist wie ein Kind. Das ist das Geheimnis des Lebens. Man muß es in der Seele haben. . . Und dieses Geheimnis des inneren Glückes, das ist es, was dieses Kindlein uns vor allem schenken will. Das hatten die Menschen da­mals vergessen, wie sie es auch heute wieder ver­gessen haben. Ahnst du nun, woher der überirdische Ton stammt, der durch dieses schöne Erdenfest heimlich durchllingt? Verstehst du nun, was es um die heilige Weihe ist, die sich über alles breitet, was heute die Menschen tun? Ach, so reich ist alles heute, so herrlich jedes Heine Geschenk, so er«

Fest arrangiert.

Dieser Tag ist wirklich zum Frommwerden. Wäre das nur immer so. Käme die Religion immer mit Pfeffernüssen und vergoldeten Früch­ten, mit Spielsachen und Tannenbäumen, den Herren Pfarrern könnte man Glück wünschen. Hätten alle immer eine so offene Hand wie heute, es ließe sich zur Not in dem Jammertal aus- hatten. Es gäbe Schuh und Strümpstein für die armen Kinder, es gäbe etwas Holz oder Kohle für bie kalten Wohnungen, es hätte die Liebe das Regiment. Mit all dem. Streit, unter den Kon­fessionen und politischen Zänkereien nähme es em schnelles Ende. Man äße zusammen Pfefferkuchen, und wer wollte unter dem Christbaum streiten? Jeder hätte nur den einen Gedanken, wie er nämlich ein Kind glücklich machen, wie er den Menschen-- brüder beschenken könnte, und jede harte For­derung ginge unter in diesem Willen nur alles herzugeben, nur immer zu schenken und wieder zu schenken und ein fröhlich Lied dabei zu fingen.

Man läßt sich heute sogar das Läuten der Kirchenglocken gefallen. Das gehört ja einfach da­zu. Selbst zur Weihnachtsmusik auf dem Gram­mophon will man doch die Glocken nicht entbehren. Sogar eine Weihnachtsmette darf im Programm nicht fehlen. Sage nicht, es fei diese Mette für so viele kaum mehr als die Weihnachtsgans, zu der man sich ein lyrisches Vor- oder Nachspiel bereite. Nein, die Leute sind in der Kirche ganz andächtig. Es gibt am Weihnachtstage in diesem Sinne nicht Heiden und Christen. Alles ist wenigstens fromm gestimmt, denn es gehört einmal dazu. Selbst das schöne Evangelium wird in mancher Familie heute noch gelesen, wo man sonst an andere Texte ge­wöhnt ist und vielleicht viele Jluustrierte erst weg- räumen muß, um das vergessene Eottesbüchlein wieder hervor zu suchen.

Mein Gott, und das sind alles zusammen nur so ein paar irdische Splitter, die von der großen, göttlichen Festfreude dieses Tages abfallen. Wie reich und tief muß diese Freude sein, daß selbst der kümmerliche Goldregen, der von ihr so nebenbei verstreut wird, noch so verschwenderisch erscheint in seiner Fülle und Mannigfaltigkeit. Ihr Menschen alle, die ihr heute unter dem Segen dieses Gold­regens steht, so sinnt doch einen Augenblick nach über das Wunder, das sich da unter unfern Augen begibt. Bettachtet die Welt, wie böse sie ist bis auf den heutigen Tag. Ueberlegt, wie diese lachende Menschheit nach den Feiertagen hingehen wird, um

meiner He/m»,

fr* dlas gute UiMonSsrau

aus der

Unionbrauerei Fulda, G. m. b. H. Fulda

Einzige Brauerei des Kreises Fulda. Flaschenbier■ Vertriebi Georg Ruppel, Flaschenbierhandlung, Kanalstr.8, telephonisch zu erreichen unter Nr.22. Aug. Ullrich, Flaschenbierhandlung, Nikolausstraöe 14 und die durch unsere Plakate bezeichneten Verkaufsstellen.

Amtliche Selmiltmchmgen Fulda.

In das Genossenschastsregister ist heute bei der Ge­nossenschaft: Welkerser Darlehnskassenverem e. G. m. b. h. in Welkers (Nr. 20 d. Reg.) folgendes eingetragen roorden: , ,

Durch Beschluß der Generalversammlung vom 20. November 1927 sind folgende Paragraphen der Satzung geändert bezw. ergänzt roorden: Paragraph 15 '(Zinsfestsetzung) Paragraph 19, Paragraph 23. Paragraph 28 (Festsetzung der Rechnervergutung Paragraph 3, Paragraph 6. Paragraph 21 (Beitritt juristischer Personen und Generalversammlung.

Fulda, den 16. Dezember 1927.

Amtsgericht, Abi. 5.

In unser Handelsregister ist eingetragen.

Am 20. Dezember 1927 in Abteilung A unter Nr. 540 die Firma: hessischer Lack- u.Farbenvertrieb Dr Siegfried Rosenthal in Fulda und als deren Inhaber de, Kaufmann Dr. Siegfried Rosenthal in Friedberg (Hef sen). Dem Kaufmann Meier Nußbaum und dessen Ehe- frau Ida geb. Stern in Fulda ist Einzelprokura erteilt.

Am 21. Dezember 1927, Abteilung B Nr 9 bei der Firma: Brauerei Tivoli G. m. b. h. in Fulda: Die Li­quidation ist beendet.

Fulda, den 21. Dezember 1927.

Amtsgericht, Abt. 5.

3« Frühjahrsbestellung! Es naht wieder die Zeit, wo der Landwirt den Düngungsplan für die im Frühjahr zu bestellenden Feldftüchte aufstellen muß. Bekannilich stad Kall, Stickstoff und Phosphorsäure die Kernnährstoffe, die alle Kulturpflanzen benötigen, und nur diese Volldüngung sichert Höchsterträge bei der Ernte. Es versäume daher kein Landwirt, den Halm- wie Hackftüchten außer Stickstoff und Phosphorsäure die wichtigsten Kalidüngungssalze zr verabreichen, denn bekanntlich wird durch die Kalidüngung ein besonderes schweres und gehaltreiches Korn erzielt, sowie dem Lagergetreide vorgebeugt. Auch sind die reich­lich mit Kali versorgten Pflanzen widerstandsfähiger gegen die Angriffe pflanzlicher und tierischer Schädlinge als nach Kali hungernde Kulturen.

Schriftleiter: Dr. phll. Johannes Kramer,