Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Ar. 294.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
Donnerstag, 22. Dezember 1927.
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54.Zahrg.
Zur Konferenz des Ministerpräsidenten.
Die für Mitte Januar angesetzte Konferenz der Ministerpräsidenten der deutschen Länder ist inzwischen von der Reichsregierung soweit vorbereitet, daß ein genaues Programm, namentlich hinsichtlich der Einschränkung der öffentlichen Ausgaben vorliegt. Wichtig ist, daß ein Vorschlag unterbreitet wird, wonach Mehrausgaben über den festgelegten Reichshaushalts- plan nur dann vollzogen werden dürfen, wenn für diese Ausgaben eine besondere und gesetzlich festgelegte D eck u n g geschaffen ist. Damit würde endlich einmal der solide Grundsatz: Keine Ausgaben ohne Deckung, wieder zu seinem Rechte kommen. Sehr eingehend wird die Mini- sterpräsidenten-Konferenz sich auch mit Vorschlägen zu befassen haben, die eine Verringerung der allgemeinen Au gaben der Länder und Gemeinden, andererseits aber auch die Möglichkeiten zu einer Verringerung der Steuersätze betreffen. Man wird ferner Vorschläge erörtern, die die volle Uebertra- gung der finanziellen Selbstverantwortlichkeit an die Länder und Gemeinden zum Ziele haben, wobei dann aber durch besondere Bestimmungen Vorsorge getroffen wird, daß ein gewisser Ausgaberahmen nicht überschritten wird. Jedenfalls wird diese kommende Konferenz der Ministerpräsidenten für die Finanzwirtschaft der Länder und Gemeinden, aber auch für die finanziellen Beziehungen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden von außerordentlicher Bedeutung sein.
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wtb. Berlin, 21. Dez. (Eig. Funkm.). Der Termin für die bevorstehende Länderkonferenz bleibt, wie den Blättern mitgeteilt wird, bestehen nämlich der 16. und 17. Januar. Als Gegenstände der Verhandlung sind in Aussicht genommen:
1. Das Verhältnis zwischen Reich und L ä n d ern. Referenten: Staatspräsident Bazille und regierender Bürgermeister Petersen-Hamburg. Korreferenten: Ministerpräsident Braun- Preußen und Ministerpräsident Held-Bayern.
2. Maßnahmen zur Gewährleistung sparsam st er Finanzwirtschaft. Referenten:: Finanzminister Höpker-Aschoff und Finanzminister Tölle-Thüringen.
3. Praktische Verwaltungsreform in Reich und Ländern. Referenten: Innenminister Apel-Sachsen und Innenminister Stützel-Bayern.
50 Millionen für Ostpreußen?
= Berlin, 21. Dez. (Eig. Funkm.) Wie die B. Z. wissen will, kommt für die Kreditgewährung für Ostpreußen, die im heutigen Kabmettsrat unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten zur Tagesordnung steht, die Ausgabe von Pfandbriefen zu einem Zinssatz von etwa 6—7 Prozent in Frage, wobei wahrscheinlich bis zur Gefamthöhe von 50 Millionen Reichsmark gegangen werden soll. Um die MittagssMnde beschäftigt sich das preußische Kabinett noch einmal abschließend mit seinen ostpreußischen Hilfsmaßnahmen. Auch im Reich ist noch eine letzte vorbereitende Besprechung des Kabinetts für den großen Kabinettsrat vorgesehen.
Der Nachtragsetat für 1927.
Aus Anlaß der Annahme des Besoldungsgesetzes ist ein Nachtragsetat für das Jahr 1927 und ein Ergänzungsetat für 1928 notwendig geworden. Das Reichsfinanzministerium hat sich, laut „Berl. Tagebll.", entschlossen, den Nachtragsetat mit dem Ergänzungsetat zu vereinigen. Es fei beabsichtigt, die neue Vorlage noch im Laufe des Januar dem Reichsrat zuzuleiten.
Um den Panzerkreuzer.
Bekanntlich hat der Reichsrat die Bewilligung von Mittellr für den Bau eines Panzerkreuzers abgelehnt, weil wir sparen müssen und Deutschland mit oder ohne den einen Panzerkreuzer militärische Machtmittel in der Außenpolitik nicht anwenden kann. In Rechtskreisen, die für den Bau des Panzerkreuzers find, wird jetzt die Bewilligung der Mittel motiviert mit dem Umstand, daß für Beschäftigung der Kieler Werftarbeiter gesorgt werden müsse. Der Zusammenhang zwischen Rüstung und Rüstungsindustrie tritt hier deutlich zu Tage.
Die Verteilung derHindenburgspende
Erste Sitzung des Kuratoriums unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten.
Unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten von Hindenburg hielt am Dienstag das Kuratorium der Stiftung „Hindenburgfpende" feine erste Sitzung ab. Nach den hierbei gefaßten Beschlüssen sollen die für Kriegsbeschädigte, Kriegerhinterbliebene u. die ihnen Gleichgestellten bestimmten Mittel dergestalt verwendet werden, daß jährlich zum 1. April und zum 2. Oktober Ausschüttungen erfolgen. Die zum 1. April erfolgende soll vorzugsweise besonders bedürftigen kinderreichen Kriegerwitwen zugute kommen. Es werden jährlich insgesamt eine'Million Mark zur Verteilung in Einzelbeträgen von durchweg 200 Mark gelangen. Ein bestimmter, vom Kuratorium alljährlich zu bestimmender Betrag, wird dem Reichspräsidenten zur unmittelbaren Verteilung in besonderen Notfällen zur freien Verfügung gestellt; ebenso hat die Geschäftsstelle der „Hindenburgfpende" zur Befriedigung besonders dringender außerterminlicher Fälle einen jährlich festgesetzten Betrag zur Verfügung.
Von dem aus den Wohlfahrtsmarken ausgekommenen Erlös wurden der Deutschen Nothilfe 800 000 Mark zur Unterstützung von So«
zial-undKle inrentnern freigegeben. Weitere Entschließungen über die aus dem Markenvertrieb aufgekommenen Mittel bleiben vorbehalten, bis das Gesamtergebnis feststeht. Bis Ende dieses Jahres sind somit einschließlich der aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten an Kriegsbeschädigte. Kriegerhinterbliebene usw. ausgeschütteten 300 000 Mark insgesamt 1,1 Millionen Mark zur Auszahlung gelangt. Ausdrücklich wurde als Beschluß festgestellt, daß die Mittel der Hindenburgspende unter keinen Umständen dazu in Anspruch genommen werden dürfen, um Reich, Länder, Gemeinden usw. von den ihnen gesetzlich obliegenden Verpflichtungen gegen die genannten Personenkreise zu entlasten.
Das Kuratorium wählte einen aus den Herren v. Stauß, v. Mendelssohn, Arnhold u. Dr. Karstedt bestehenden Finanzausschuß. Zum ehrenamtlichen Geschäftsführer der Hindenburgspende wurde endgültig Ministerialrat Dr. K a r st e d t (Reichsarbeitsministerium) gewählt.
Die Strafrechtsreform.
Mit den sehr wichtigen Verjährungsbestimmungen hat sich dieser Tage der Reichstagsausschuß für die Strafrechtsreform beschäftigt. Durch die Verjährung erlischt die Strafbarkeit der Tat. Der im Entwurf vorgesehenen Verlängerung der Verjährungsfrist ist von den Vertretern des Zentrums und der Deutschnationalen im Ausschuß widersprochen worden. Schließlich wurde auf Antrag des Zew trums, der Bayrischen Vollspartei und der Dmt- schen Vollspartei die Verjährungsfristen für die Strafbarkeit einer Tat wie folgt bestimmt: 1. dreißig Jahre bei Verbrechen, die mit Todesstrase oder mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe bedroht sind; 2. zwanzig Jahre bei Verbrechen, die mit zeitiger Freiheitsstrafe von mehr als zehn Jahren bedroht sind; 3. zehn Jahre bei den übrigen Verbrechen; vier bis fünf Jahre bei Vergehen, die mit Freiheitsstrafe mit mehr als ein Jahr bedroht sind und 5. zwei Jahre bei den übrigen Vergehen. Die Fristen für die Verjährung von Strafen wurden entsprechend der Regelung beim § 79 über die Verjährung der Strafbarkeit vom Ausschuß beschlossen. —— .. , .
Nach einer Mitteilung des Rechtsausschusses werden am 14. Januar die Mitglieder der Straf- rechtskommission des österreichischen Nationalrates nach Betlin kommen, um mit den Mitgliedern des Reichstagsausschusses die bis jetzt vorberatenen Probleme gemeinsam zu besprechen. Der allgemeine Teil des neuen deutschen Strafgesetzbuches ist durch die Beratungen im Rechtsausschuß im großen und ganzen abgeschlossen. Dieser Abschluß rechftertigt eine noch engere Fühlungnahme mit den österreichischen Parlamentsvertretern, da die Strafrechtsreform in Oesterreich wie in Deutschland möglichst gleichheftlich durchgeführt werden soll. Die "gemeinsame Rechts- Ha s i s, die auf diese Weise entsteht, ist von besonderer Wichtigkeit auch für die Regelung der allgemein politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und Völkern.
Prinz Heinrich und „Berlin".
Aus Berlin wird gemeldet, der Reichswehrminister Geßler habe den Kapitän des Kreuzers „Berlin", Kolbe, empfangen und feinen Bericht über den Besuch des Prinzen Heinrich von Preußen auf dem Kreuzer „Berlin", der in der Presse beanstandet worden war, entgegegengenommen. Das Ergebnis ist, daß Kolbe wieder an Bord des Kreuzers „Berlin" zurückkehren und dessen Kommando übernehmen wird. Von amtlicher Stelle wird hinzugefügt, daß gegen das Verhalten des Kapitäns Kolbe nichts einzuwenden fei.
Wie weiter verlautet, hat Kapitän Kolbe sich darauf berufen, daß er vorher bei seiner vorgesetzten Behörde, der Inspektion für Bildungswesen, angefragt und diese den Besuch genehmigt habe. Es soll sich auch nicht um ein Frühstück im Kreise des Offizierskorps gehandelt haben, vielmehr sollen außer dem Kapitän Kolbe lediglich zwei Offiziere beteiligt gewesen sein. An die bereits angetretene Mannschaft habe der Prinz nur eine ganz kurze, rein private Ansprache ohne jegliche politische Ausführungen gerichtet und ihr Lebewohl gesagt.
Aus dieser amtlichen Mitteilung, die heute über die Berichterstattung des Kapitäns Kolbe beim Reichswehrminister herausgegeben wurde, geht hervor, daß man an der obersten verantwortlichen Stelle in Berlin den Besuch des Prinzen Heinrich an Bord des Kreuzers „Berlin" nicht in der Ordnung findet, und daß, wie es zunächst schien, nicht der Kapitän des Schiffes für die betreffenden Vorgänge verantwortlich zu machen ist, sondern die ihm unmittelbar vorgesetzte Behörde. Offenbar teilt man an der leitenden Stelle des Reichswehrministeriums die Auffassung, daß ein Mitglied der Familie des ehemaligen Kaisers, auch wenn er in der kaiserlichen Marine den Rang eines Großadmirals inne hatte, auf einem Kriegsschiff der deutschen Republik eine zu beanstandende Erscheinung ist. Streng genommen hätte dem Prinzen auch sein persönlichesTaktgefühl den Verzicht auf den Besuch des Schiffes nahelegen und erst recht hätte er sich sagen müssen, daß eine Ansprache an die Mannschaft aus seinem Munde nicht in die (Situation hineinpaßte.
Wie wir noch erfahren, hat sich Kapitän Kolbe mit dem Zuge nach Genua begeben, wo der Kreuzer „Berlin" zur Zeit vor Anker liegt, um das Kommando wieder zu übernehmen. Die vorgesetzte Dienststelle, an die sich der Kapitän wandte ist die Jnspektton des Bildungswesenr in Kiel,' gegen
deren Leiter, den Kapitän zur See Wilfred von Sitten, das Erforderliche veranlaßt wurde.
Der einfache Menschenverstand legt sich nun die Frage vor: warum hat Herr von Sitten nicht sofort die Sache auf seine Kappe genommen?
Der Reichspräsident empfing am Dienstag den Reichswehrminister Dr. Geßler und den Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, zum Vortrag.
London und Gilberts Vorschläge.
wtb. London, 21. D«z. (Eig. Funkm.) Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" schreibt: Mit Recht oder Unrecht wurde gestern in diplomatischen Kreisen vielfach die Ansicht vertreten, daß die bedeutsamsten Vorschläge in dem Bericht des Generalagenten Parker Gilbert hauptsächlich dazu bestimmt seien, die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung der Vereinigten Staaten auf die interalliierten Schulden und die auf den amerikanischen Geldmärkten aufgebrachten Reparationsanleihen zu lenken. In amtlichen Kreisen Washingtons wird das Eintteten des General- agenten für eine Festsetzung der gesamten deutschen Reparationsverpflichtung nicht nur unterstützt, sondern durch die weitere Anregung verstärkt, daß dies während des kommenden Dawesjahres 1927 - 28 gestehen sollte. Andererseits wird der Gedanke, daß die endgültige Regelung der deutschen Verpslichtung mit einer neuen Erwägung der interalliierten Schul- denftlndierungsabkornmen verkuppelt werden sollte im Gegensatz zu Parier Gilbert und der amerikanischen Regierung ebenso nachdrücklich wie bisher v e r w o r f e n.
* Eine Frau führt den Vorsitz im österreichischen Bundesrat. Im Bundesrat in Wien übernahm die erste Delegierte des steyrischen Landtages zum Bundesrat, die Schriftstellerin Frau Olga Rudel- Zeynek, den Vorsitz. Das ist das erste Mal, daß in Oesterreich eine Frau einer gesetzgebenden Körperschaft präsidiert.
* Aufdeckung einer monarchistischen Verschwörung in Odessa. In Odessa ist eine monarckn- stische Organisation entdeckt worden, die sich Leibwache Nikola; Nikolajewitschs nennt. Die Organisation beabsichtigte Anschläge gegenEilenbahnzüge, Svrengung von Eisenbahnstellen sowie terroristische Akte gegen Beamte der Sowjetregierung. Sämtliche Mitglieder der Organisation wurden verhaftet und dem Gericht übergeben.
Die Zreigabevorlage.
wtb. Washingtsn. 21. Dez. (Eig. Funkm.) Die gestern nach kurzer Aussprache mit großer Mehrheit im Repräsentantenhaus angenom--. mene Gesetzesvorlage über die Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Privateigentums sieht eine sofortige Zahlung der Ansprüche amerikanischer Bürger gegen Deutschland bis zu 100000 Dollar vor.' Der Rest soll in Raten gezahlt werden, außer bei Entschädigungen für Tod oder Körperverletzung, die sofort zahlbar sind. Die Vorlage enthält ferner die sofortige Zahlung von 80 Prozent des deutschen Privateigentums, dessen Rest später zahlbar sein soll, sowie die sofortige Zahlung von 50 Prozent der Entschädigung für deutsche Schiffe und Radiostationen. DieRest- »iihlung dieser Entschädigung, die 100 Millionen Dollar nicht übersteigen darf, soll ratenweise erfolgen.
Der Gesetzentwurf geht nunmehr an den Senat, der sich voraussichtlich im Februar mit ihm beschäftigen dürfte.__________________
* Ablehnende Antwort der Reichsbahn zu den Deihnachtswünschen der Eisenbahner. Bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft in Berlin haben am Dienstag Besprechungen zwischen dem Haupt- verwaltungsrat und den Gewerkschaften über eine von den letzteren eingereichte Forderung, den Eisenbahnern eine einmalige Beihilfe zu gewähren, stattgefunden. Die Vertreter der Gewerkschaften begründeten dieses Verlangen mit dem Hinweis darauf, daß die jetzt abgeschlossenen Erhöhungen der Ortslohnzuschläge den Reichsbahnbediensteten so gut wie gar keine finanziellen Vorteile gebracht hätten. Der stellvertretende Generaldirektor Weihrauch gab für die Hauptverwaltung die Erklärung ab, daß aus der allgemeinen finanziellen Lage der Reichsbahn heraus dieser Wu nsch nicht erfüllt wreden könne. Das sei auch schon deshalb nicht möglich, weil das Reich und die Reichspost ihren A r b e i t e r n die gleiche Forderung hätten abschlagen müssen.
Auslandsauftrag in Lokomotiven.
90 Lokomotiven für Südafrika.
Wie der LPD. erfährt, find von der südafrikanischen Eisenbahnverwaltung in Johannesburg bisher 90 Lokomotiven in Auftrag gegeben worden, und zwar sämtliche bei deutschen Firmen. Von dieser Gesamtbestellung hat allein die Firma Henschel u. Sohn G. m. b. H. in Kassel insgesamt 49 Lokomotiven in Auftrag bekommen. Sie wird in ihren eigenen Werkstätten jedoch nur 40 herstellen und die restlichen 9 an ein befreundetes Unternehmen (Maffei?) zur Herstellung weitergeben. Des weiteren sind bei dem Gesamtaufttag von insgesamt 90 Lokomotiven die Krupp A.-G. mit 26, Linke-Hoffmann mit 5, die Hohenzollern A.-G., Düsseldorf mit 6, Schwartzkopf mit 4 Lokomotiven beteiligt. Für die Firma Henschel u. Sohn ist dieser ansehnliche Auslandsauftrag, der dem Werk für längere Zeit eine gute Beschäftigung sichert, um so wertvoller, als es ihr seit langem nicht möglich war, nennenswerte Aufträge hereinzubekommen. Für die gesamte deutsche Lokomo- tiven-Jndustrie ist es jedenfalls ein außergewöhnlicher Erfolg und ein erfreulicher Beweis ihrer Leiftungs- und Wettbewerbsfähigkeit, daß es ihr gelungen ist, den ganzen Auftrag in voller Höhe restlos zugeschlagen zu erhalten und die gesamte äußerst scharfe Auslandskonkurrenz, besonders die Englands und Amerikas, aus dem Felde zu schlagen.
1914 und 1925:
To.
Welt England Frankreich Deutschland Nordamerika
men, die Englands und Deuffchlands wiederum abgenommen. Die Erzeugung von Zink und B l e hat sich in Amerika fast verdoppelt, während sitz in Europa zurückgegangen ist. Vor dem Kriege wurde die Hälfte alles Bleies in Europa gewonnen, heute zwei Drittel in Amerika. Die K u v- ferherstellung ist in Europa ungefähr gleich geblieben, in Chile hat sie sich vervierfacht, in Afrika verfünffacht. Die Z i n n p r o d u k t i o n hat im Ganzen zugenommen, in Europa aber if sie auf die Hälfte gesunken. Von den 240 Milli» nen Unzen Silber der jährlichen Welterzeugung kommen 200 Millionen aus Amerika und die Erzeugung Asiens hat sich verdoppelt, während die europäische Ziffer beträchtlich herunter gegangen ist.
Nun kann man gegen die Verknüpfung dieser Zahlen mit dem Titel dieses Aufsatzes folgendes einwenden. Sie Produktionsziffern betreffen zum allergrößten Teil Rohstoffe. Ursache der europäischen Vorherrschaft in der Weltwirtschaft waren aber in der Vorkriegszeit nicht seine Rohstoffe, sondern seine I n d u st r i e a n l a g en, seine B an« t e n, seine Reedereien, sein K a p i t a l r e i ch- t u m. Sie außerordentliche Zunahme der Rohstoffziffern Außer-Europas beweist also nicht eine Verarmung Europas.
Sieser Einwurf wäre richtig ,wenn die Verschiebung in der Robstoffherstellung in der kapitalisierten' Weltwirffchaft nicht eine Kapitaliibertra- gung an den Rohstofflieferanten zur Folge hat. Selbst das mag der wirtschaftlichen Ueberlegenheit Europas nicht gefährlich werden, solange der Rohstofflieferant wie der Inder noch bis heute dac Gold in Barren in seine Schatzkammern legt, den erzielten Preis für seine Mehrausfuhr, also nicht in lebendiges Kapital verwandelt, sondern tot liegen läßt. Aber selbst in Indien geht diese Periode zu Ende. Ueberall in Uedersee entstehen Banken, deren Funktionen das Flüssighalten bzw. die Verflüssigung des Kapitals ist. Was es aber mit diesem beweglichen Kapital auf sich hat, zeigt fol- gendde, für Europa sehr traurige Tatsache: „Sas Nettoguthaben Europas in Ueberfeegebieten belief sich in der Vorkriegszeit auf 100 000 Ö00 000 Mark, heute dagegen beträgt die Nettoschuld Europas mehr als 30 000 000 000 Mark. Vor dem Kriege war beispielsweise Amerika mit 16 000 000 000 Mark an Europa verschuldet, während heute die Verschuldung Eurovas an die Ver-
1925
64 Mill. To.
32 Prozent
5,5 „
5
20
6,4 „
1914
50 Millionen
43 Prozent
4,5 „
12 „
4 „
3,8 „
Industrialisierung äutzer-Lnropas
Von Dr. A l p h o n s Nobel.
In dem letzten fiskalischen Jahre (von Juli bis Juli reichend) verlieh Amerika an die übrige Welt einen Betrag von 1800 000 000 Dollar, was einem Markbetrag von über 7 Milliarden entspricht. In dem gleichen Zeitraum verkaufte U. S. A. für 700 000 000 Dollar (3 200 000 000 Mark) mehr Waren ans Ausland als es vom Ausland kaufte. Um dieses Mehr an Verkäufen auszugleichen, konnte es fast eine halbe Milliarde Mark an Gold in seine Tresors bringen.
Indien verkaufte in den letzten Jahren für rund XVi Milliarden Rupies (gleich 2,3 Milliarden Mark) mehr ans Ausland, als es von diesem kaufte. Es benutzt dieses Aktivum in seiner Handelsbilanz dazu, noch mehr Gold als Amerika einzuführen. Selbst kleinere Länder Außer-Europas haben ein beträchtliches Aktivum in der, Handelsbilanz, d. h. sie führen mehr aus als sie einführen. Z. B. Holländifch-Indien mst einem Aktivum von einer Mlliarde Mark, Aegypten mit 300 000 000, die Malayische Halbinsel (ohne Straits) mit 709 000 000 und Ceylon mit 160000000 Mark Einfuhrüberschuß.
Ser Goldbestand der Welt soll sich von 1913 bis 1926 um 10 000 000 000 Mark vermehrt haben. Trotzdem hat der Goldbestand Englands fast um 1%" Milliarden abgenommen und der Deutschlands gar um mehr als 2 Milliarden. Dafür aber erhöhte Amerika seinen Bestand um 11 Milliarden und Indien um 5 Milliarden. So hat die außereuropäische Welt nicht nur den Goldzuwachs der Welt sofort aufgesaugt, sondern es auch noch fertiggebracht, Europa einen Teil seines alten Goldes abzunehmen.
Man könnte noch viele Zahlen anführen um das Reichwerden der außereuropäischen Welt au; Kosten Europas zu illustrieren. So zeigt z. B. diese Tabelle den Schiffs bestand der Welt
Japan , .. „ _______,
Noch stärker wird der Kontrast zwischen Vor- kriegszeit und Gegenwart bei Betrachtung irgend welcher Produktionsziffern. Von der Weltproduktion an Kunstfeide entfallen auf Amerika allem 28 Prozent; dasselbe Amerika hat 75 Prozent alle, Kraftwagen der Welt. Seit 1913 ist dis Kohlenproduktion sowohl Deutschlands wi Englands, Rußlands und anderer europäischer Länder zurückgegangen; dagegen hat sich die Kohlenförderung der Vereinigten Staaten, Indiens, Japans, ja selbst Afrikas und Südamerikas gesteigert, sodaß von der reichlichen Milliarde Steinkohlen, die in der ganzen Welt jährlich gefördert werden, nun bedeutend weniger als die Hälfte auf Europa entfällt. Während die Eisenproduk- tion der Welt seit 1913 ungefähr die Gleiche geblieben ist, sind die Anteilsziffern Deutschlands, Rußands und Englands bedeutend zurückgegangen; dagegen hat ein Land wie Japan seine Eisenpro duktion im gleichen Zeitraum versechzehnfacht, uni Indien vervierfacht, selbst Australien verzehnfacht Die Stahlproduktion Amerikas hat zwttcher 1913 und 1926 um 17 Millionen Tonnen zugenom