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Fuldaer Zeitung

Rund um die Woche

ver-

vas Schankstättengesetz

Das grosse

im

HESSE

15. u s-

kein Ende nehmen.

Dieses Wort der Religion darf bei solchen Ge­legenheiten nicht unterdrückt werden. Wirtschafts­kämpfe und politische Auseinandersetzungen haben etwas Schicksalhaftes an sich. Solange die Menschen sind und sein werden, so lange war und wird sein zwischen ihnen der wirtschaftliche Kampf, wo sich eben immer im engen Raume die Interessen stoßen. Soll hier wirklich geholfen werden, so bedarf es einer Macht, die stärker ist als das blinde Schicksal, und diese Macht heißt eben Religion. Indem sie über dieses Tal die ganze Herrlichkeit der Himmel breitet, indem ste dem Wechsel die unverrückbaren Werte des Ewigen geqenüberstellt, fügt sie neue, starke Kräfte ein, die zum Frieden wirken und zur Beherrschung der Leidenschaften. Wie immer man die Lage betrach­ten mag, — ohne diese Kräfte wird es keinen Ausweg geben, und da ist es nun so traurig, daß man im deutschen Vaterlande so manche bedenk- lichen Erscheinungen beobachtet, die auf zunehmen­den Abfall von der Religsion schließen lassen.

Bor mir liegen eine Reihe von Blättern und Schriften, die es sich geradezu zur Aufgabe ge­fetzt haben, die Religion in zynischer Werse zu verhöhnen. Man sollte es nicht für möglich halten, daß man in Deutschland es wagen darf, die Vertreter der Gasse zu bewerfen. Man wühlt geradezu in der Geschichte des Christentums herum, um alle Skandale der Jahrhunderte von neuem hervorzuzerren. Die ganze Kunst der Illu­stration, die inzwischen solche Fortschritte gemacht hat, wird in den Dienst dieser schmutzigen «ache gestellt. Manche dieser Blätter zeigen deutlich, daß sie kommunistischen Ursprungs sind. Ste richten sich zwar vor allem gegen die katholische Kirche, scho­nen aber auch die protestantische nicht. Mochten sie wenigstens das erreichen, daß Katholiken und gläubigen Protestanten die Augen auigehen, da­mit sie erkennen, daß es angesichts solch gemein­samer Gegner'chaft nicht angehen kann, sich ge­genseitig zu befehden. Vielmehr muß man zu- sammenstehen, um die Reste des Heiligen zu ver­teidigen, die sich in unserem Volke noch erhalten haben. Es ist wohl möglich, daß sich auch das breite Volk auf die Dauer dergleichen nicht bieten lassen wird, daß es sedenfalls das Interesse daran verliert. So klagt die „Rote Fahne", Daß einmal eine solche Hetzversammlung nur schwach besucht war. Aber es arbeiten die Dtächte der Finsternis, und das sollten die Kinder des Lichtes heute nicht vergessen.

Ergreifend war es, wie auf der Tagung in (Fffen derChorderArbeiter sang, ein wehl- geschulter Chor, der es ahnen ließ, wieviel Kultur- orbeit in jenen Kreisen geleistet wird. Ueber die Wogen des stürmischen Meeres der Zeit hin, das sich da bei der Behandlung der europäischen Fra­gen der Wirtschaft und der Politik vor dem in­neren Auae endlos ausdehnte, mit all fernen Schrecken und mit all seinen entsetzlichen Vrandun-

gedankenlos erlebt und gedankenlos wieder gesien?

„Bereitet den Weg des Herrn!"

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Actieudruckerel, Fulda

JV» 291.

18. Dezember 1927.

gen und Klippen, klang der Choral der Männer Wie^nsit^grimm'gem Unverstand Wellen sich be­wegen!

Nirgends Rettung, nirgends Landvor des Aurin- winds Schlagen.

Emer ist, der in der Nacht, einer ist, der uns be­wacht.

Christ Kyrie, Christ Kyrie, komm, komm zu um auf der See!

Der Mann im Monde.

wurde, wie schon kurz gemeldet wurde, am Dezember im volkswirtschaftlichen A schuß des Reichstages in Behandlung genom­men. Ein Regierungsvertreter gab einleitend einen Ueberblick über den Inhalt des Gesetzes. An der Hand der Statistik wies der Redner nach, daß Alkoholerzeugung und Alkoholkonsum in Deutsch­land gegenüber der Vorkriegszeit um zirka 40 Prz. zurückgegangen seien.

roeihnachls-PolDOUrri

an den nächsten Sonntagen nachmittags und abends ■

Caf <

er nur wollte! Und heute wollte er wirklich, obgleich ihm Fräulein Brackenberg auch heute noch nicht viel schmackhafter als gestern erschien. Er muhte doch jeden Verdacht, der möglicherweise doch noch in ihr schlum­mern könnte, mit starker Hand zerstören. Und in Dort­mund ließ er sich mit Lu so leicht nicht wieder sehen. Ein Glück, daß der kleine süße Racker bald nach Berlin ab­reiste!

Richtig, das mußte er mit dem Vater auch schon in Ordnung bringen, daß er sich für einige Tage frei machte, um Lus Aufstieg in der verabredeten Weise vor­zubereiten. So wandte er sich mit dem ernstesten Gesicht an den Vater und berichtete ihm von der unbedingten Notwendigkeit, demnächst nach Berlin reifen zu müssen. Der Geheimrat knurrte zwar erst ein wenig über diese blödsinnige Zeitverschwendung, wollte auch den Grund dieser Reise wissen. Doch Rolf redete sich klug heralis und zwinkerte dabei vielsagend mit den Augen. Das , sollte heißen: Du weißt schon, was ich ausführen muß und wirst mit deinem Sohne zufrieden fein.

Geheimrat Jlgenkamp hatte sein Frühstück verzehrt und schickte sich an, das Haus zu verlaffen. Dabei wandte er sich an Rolf: „Nun, möchtest du dich nicht auch wie­der einmal auf den Westfalenwerken sehen lassen? Es wird allmählich Zeit, daß du dich in deinen zukünftigen Wirkungskreis hineinarbeitest!"

Rolf machte sein wehmütigstes Gesicht: „Fürs erste geht es leider nicht. Ich habe Irma gestern versprochen, sie heute morgen zu besuchen und sie zu fragen, ob sie mit Hete und mir zum Konzert fahren will. Sie war übrigens außerordentlich liebenswürdig zu mir!"

„Ritterpflicht geht natürlich vor!" meinte der Geheim­rat ein wenig spöttisch. Aber er freute sich doch, daß Rolf wenigstens in dieser Beziehung bereitwillig auf seine Anregung eingegangen war. Nun, er müßte ja auch geradezu mit dem Dummbeutel geschlagen sein, ließe er sich eine so glänzende Partie entgehen.

Rolf las im Frühstückszimmer die Morgenblätter. Es war noch zu früh für den beabsichtigten Besuch. Da trat Friß Höppner mit seinem öligsten Lächeln ein und über­reichte ihm eine geschlossene Briefkarte. „Von Fräulein Brackenberg" setzte er erläuternd hinzu.

Hastig erbrach er das Schreiben. Sein böses Gewis­sen trieb eine Blutwelle in seine Wangen. Stirnrunzelnd las er die wenigen Zeilen: „Es ist mir leider nicht mög- lich, mit Hete und Dir zum Konzert zu fahren, da ich für Bruno und mich die Vorbereitung für unsere baldige Berliner Reise treffen muß." Das war alles. Wie frostig sie schrieb! Sie hätte ja auch wohl warten können, bis

Fahrrad-Faulstich spricht:

4 Die neuesten Schallplatten bei mir.

7 Mittelstr. 42.

Das Hous Xermöllen

Roman von Emil Frank.

19, ----------

Am folgenden Morgen erschien er fast gleichzeitig mit dem Vater am Frühstückstisch. Nur Frau Ruth fehlte noch Hete übte, wie gewöhnlich, ihr Mundschenkamt beim Vater aus. Auf Rolfs steifen Morgengruß lachte sie ihn fröhlich an und meinte: „Gestern hätten wir dich beinahe in interessanter Gesellschaft abgesaßt. Wir hat­ten auf der Rheinischen Straße in Dortmund eine Auto­panne, blieben mit unserem Wagen vor einem großen Weinlokal liegen und mußten lange warten, bis her Schaden repariert war. Ich ging unter Kaspars Schutz auf dem Westenhellweg spazieren, Irma wartete tm Auto. Da meinte sie, dich in Begleitung einer jungen Dame gesehen zu haben, wie du in die Weinstube em- trateft. Und sie wollte sich nun nicht länger auf der Straße graulen, sondern deinen Spuren folgen. Hatten wir dich getroffen, so würden mir uns wahrscheinlich (gelb von dir geliehen haben, denn ich hatte gar nichts bei mir. Aber Irma fand schließlich doch noch ihre Geld­tasche, und so kommen wir auf deine ritterliche Unter­stützung verzichten." .

Rolf war bei der Erzählung seiner Schwester em furchtbarer Schrecken in die Glieder gefahren. Beinahe hätte er sich verraten. Denn auch der Vater warf ihm einen so erstaunten Blick zu, als erriete er ohne weite­res um wen es sich handelte. Mühsam beherrschte sich Rolf Als er aber gar merkte, daß Hete die Ge­schichte ganz harmlos darstellte, gewann er rasch seine Fassung wieder. Donnerwetter, da hatte er aber wieder einmal Glück gehabt! Wenn Irma ihn im trauten Bei­sammensein mit Lu getroffen hätte! Dann wäre.es mit seinen Aussichten auf ihre Hand em ft" allemal vorüber gewesen. Vielleicht hätte sie sich desGesichtes das sie ,a | schon einmal deutlich genug gesehen hatte, sofort erm- nert und es wären ihr allerhand seltsame Gedanken über I das züchtige Iüngferlein gekommen das sich damals über vermeintliche Gewalttaten beschwerte und heute schön freiwillig an einen Mann schmiegte, den sie doch Nun und nimmer heiraten konnte.

Ja, Rolf Jlgenkamp freute sich seines Glückes und geriet während des Frühstücks, dem er sehr eifrig zu­sprach, in immer luftigere Laune. Wie schön es ftrt) traf, daß er schon gestern für eine Gelegenheit gesorgt hatte, zu Irma schlüpfen zu dürfen! Ei, die sollte es einmal erleben, welch zärtlicher Liebhaber er fein konnte, wenn

vierter Röventsfonntag.

Bereitet den Weg des Herrn" . Ev.

Und nun ents etzt jene heilige Stille, die sich simner auf die letzten Tage vor den Weihnacht legi. Es ist, als hielte die Welt den Atem an. Nach außen hin ist zwar viel Geschäftigkeit mit Ein­käufemachen und Christbaumschleppen und allem, was sonst so dazu gehört. Aber dennoch, da innen ist eine große Ruhe. Der innerste Tabernakel der Seele kann von dem Lärm, der da draußen ist, nicht berührt werden. Seltsam ist das und viel­leicht ist es den meisten unbewußt geblieben. Wenn man es aber einmal weiß, so genießt man den Frieden dieser seltsam glückhaften Ruhe mit doppelter Freude. Man könnte fast sagen, das sei das Weihnachtsgeschenk Gottes. Ein Geschenk allerdings, das wieder eine Mahnung in f schlösse Welche denn? Nun, er läßt uns das Glück des Friedens eine Weile kosten, um uns zu erinnern, wie es sein könnte, — wenn ... ja wenn wir etwas dazu täten, daß es bliebe.

Taten wir etwas dazu seit letzten Weihnach­ten? Und wenn nicht, soll dann diesmal dis Erinnerung auch wieder bloß Erinnerung bleiben,

Ueber dem Streit zwischen der E i s e n i n d u - trie und den Arbeitern liegt einstweilen noch :in geheimnisvolles Dunkel. Es ist zum wenig- ten ungewöhnlich, daß bei so katastrophalen An­drohungen, wie es die Stillegung der Werke ist und die Anullierung von Rohstoffaufträgen, die Börse dennoch gut steht. Ueberhaupt gewöhnt man sich schwer an den Gedanken, daß gerade jetzt ein Kampf ausgetragen werden soll, der Wirtschaft und Staat in der verhängnisvollsten Weife gegen­einander aufbringen muß. Einzelne Aeußerun- gen von Industriellen, wie Krupp von Bohlen, liegen auch vor, die bestimmt nicht aus reiner Kampflust geboren sind. Sehr schwer ist es, hier ganz durchzublicken. Manchmal kommen einem wohl Gedankengänge, die von hier zum Repara­tionsproblem verlaufen, die man aber genau zu formulieren sich hüten wird. Dann wieder über­legt man, wie ohne Zweifel von Amxrika ein furchtbarer Druck auf die deutsche Wirtschaft ausgeübt wird, wie folgerichtig diese Wirtschaft nun darauf hinarbeitet, wenigstens den Druck im Innern, der sich zwangsläufig daraus ergibt, mög­lichst abzuschwächen. Dos heißt auf deutsch, dem Staat das Messer auf die Brust setzen, daß er end­lich die Maßregeln für Verbilligung der Verwaltung trifft, die so lange schon erwo­gen werden. Zwingt man den Staat, nun wieder eine halbe Million Arbeiter, die zur steigenden Ziffer der Arbeitslosen noch hinzukämen, zu er­nähren, so muß er ja zu einer Verbilligung feiner Betriebe schreiten, die weiterhin zur Senkung der Steuer führen müßte. Jedenfalls sollte man sehr vorsichtig im Urteil sein.

Bei dieser Gelegenheit lohnt es sich, zu betrach­ten, wie die Frage der Arbeitszeit und des Ar­beitslohnes innig zusammenhängen mit der Frage der Steuern und der Lebenshaltung überhaupt. Die Summe, die man für irgendeine Ware erhält, muß immer in größeren Zusammen­hängen kalkuliert werden. Ein Bauer in Bra­silien bekommt für ein Schwein zweihundert Pfund etwa 30 Mark, wenn er es verkauft. Das ersetzt ihm nicht nur seine Unkosten, sondern er kann da­von auch noch zurücklegen. Wenn bei uns der Bauer für 200 Pfund den Preis von 140 Mark fordert, so kann er damit wahrscheinlich kaum seine Unkosten decken, und man sieht handgreiflich, welche Unterschiede in der Gefamllage des Landes und seiner Verhältnisse liegen. Es genügt nicht, die Sache nur vom kaufmännischen Gesichtspunkte aus zu sehen, es genügt auch nicht der Gesichts­punkt des Industriellen oder des Bankiers. Noch lange nicht jeder Bankangestellte versteht sich auf kaufmännische Dinge, und muß jeder Industrielle in etwa Kaufmann sein, so doch wieder nicht um­gekehrt.

Immerhin muß man es als ein Ergebnis von großer Tragweite ansehen, wenn der Kartellver­band der Christlichen Gewerkschaften, der am 10. Dezember in Essen seine Jahrestagung hielt, sich zu keinerlei Herausforderungen hinreißen ließ. Diese von mehreren Tausenden von Arbeitern be­suchte Versammlung war tatsächlich das Beispiel einer musterhaften und unter schwersten Umstän­den bewahrten Disziplin. Wenn manche bei uns von Gewerkschaften hören, dann meinen sie, da sei irgendeine halbrevolutionäre Gruppe von Menschen beisammen, die gegen Besitz und Reichtum loswettern und auf dstese Weise ihr Mütchen demagogisch kühlen. Nichts von alledem war in Essen'zu sehen. Jede Rede war gut durchgedacht, knapp und klar in der Form, ruhig und bestimmt im Inhalt. Die Massen aber, die da unten saßen, hörten still und fast andächtig zu, obwohl es um Lohn und Brot ging. Man sah es dem dort weilenden Gaste aus Genf, dem Präsidenten des Internationalen Arbeitsamtes, an, wie ihm diese in ihrer Ruhe gewaltig wirkende deutsche Arbeiterschaft imponierte. Er war geradezu ergifien, als er das Wort nahm und in deutscher Sprache einfach sagte, was das Herz

er sich diesen Bescheid selbst holte! Sollte sie gestern doch etwas gemerkt, Lu gar erkannt haben? Aber dann müßte es Hete doch wissen, denn Irma würde bestimmt eine nette Lamentation angestimmt haben, wenn sie ihn gerade mit diesem Mädchen gesehen hätte. Nein, sie ahnte nichts von seinen Beziehungen zu Lu, und das war an der ganzen Geschichte das ersreulichste.

Aber er wollte sich nicht so ohne weiteres ins Bocks­horn jagen lassen. Trotz ihrer absagenden Zeilen be­suchte er sie noch am Morgen. Hatte sie ihm gestern nicht ausdrücklich erlaubt, jederzeit zu ihr zu kommen, gleichviel ob er aus Freundschaft ober aus anderen Gründen tarn? Er wäre ja ein Narr, wenn er von dieser Erlaubnis nicht ausgiebigsten Gebrauch machte!

Sein Erstaunen wurde aber noch größer, als ihm der alte Kaspar rundheraus erklärte, das gnädige Fräu­lein sei leider so sehr in Anspruch genommen, daß sie keinen Besuch empfangen könnte. Im übrigen erwartete sie jeden Augenblick das Erscheinen des Profesiors, der Brunos Augen untersuchen sollte.

Kopfschüttelnd zog Rolf von bannen. Aus Irma sollte nun ein Mensch klug werben! Reute es sie etwa, daß ste ihm gestern so ohne Zieren bie Erlaubnis zum Wer­ben um ihre Hanb gegeben hatte? Ober wollte sie ihm burch biese Abweisung nur ihren Wert besser begreiflich machen? Vielleicht konnte Hete von Irma erfahren, was ihr Benehmen eigentlich zu bebeuten hatte. Als er nach Hete Ausschau hielt, da war sie bereits längst verschwun­den.

Nun, dann muhte er eben warten! *

„Ja, mein lieber Herr Brackenberg, dieses plötzliche Aufflackern eines wenn auch noch so geringen Teiles der Sehkraft ist ja sehr interessant. Aber da Sie mich um mein ganz offenes und ehrliches Urteil fragen, muß ich Ihnen leider gestehen, daß es fürs erste wohl zu keinen besonders hoffnungsvollen Schlüssen berechtigt. Trotz­dem rohre es selbstverständlich töricht, wenn Sie die von Ihnen beabsichtigte Kur nicht zur Anwendung bringen mürben. Ich selbst werbe Herrn Geheimrat Birsch in Berlin ben Krankheits- unb Kur bericht einfenben unb mein Urteil dahin abgeben, daß möglicherweise eine Be­handlung mit elektrischen Strömen Erfolg versprechen konnte".

So lautete das Urteil, das Professor Klausener nach sorgfältiger Untersuchung fällte. Es mar ja nicht beson­ders hoffnungsvoll. Aber niederschmetternder konnte es mohl nicht fein als jenes, das einst völlige Erblindung festftellte.

Abg. S o l l m a n n legte den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion dar. Danach geht der Entwurf ihr nicht weit genug.

Abg. Ulitzka vom Zentrum legte dar, daß die ethische Seite des Entwurfs wichtiger fei, als die volkswirtschaftliche. Von besonderer Be­deutung sei ein erhöhter Schutz der Äugend. Der Alkoholgenuß müsse weiter zurückgehen, indem die Trinkgelegenheiten eingeschränkt werden müßten. Bei der Konzessionserteilung müsse auf die per­sönliche Qualifikation mehr Wert gelegt werden. Der Redner nahm sodann noch zu einigen Spezial­fragen und Fragen erhöhten Jugendschutzes Stel­lung.

Abg. Rippel (Dsutschn.) sprach die Bereit­willigkeit seiner Fraktion aus, ein gutes Gesetz machen zu wollen. Die Pärkeipolitik müsse hier zurücktreten. Abg. Andre (Zentr.) erkannte an, daß im Alkoholmißbrauch eine der Hauptursachen für die Unterernährung, die Verarmung und Ent­artung gewisser Volkskreise liege. Es frage sich eher, ob und inwieweit mit Polizeimaßnahmen ein Fortschritt gegenüber dem heutigen Zustand erreicht werden könne. Die Frage des Gemeinde­bestimmungsrechts solle zweckmäßigerweise nicht er­neut debattiert werden. Dagegen gelte es, die Bahnhofswirtschaften und Verkaufsbuden auf den Bahnhöfen denselben Bestimmungen zu unterwer­fen, da sie eine Gefahrquelle für die Jugend be­deuten. Dem Borgunwesen könnte dadurch au den Leib gerückt werden, daß Borgtrinkschulden nicht eingeklagt werden könnten. Die Konzesstons- pflicht des Flaschenbierhandels müsse ebenfalls eine eingehende Prüfung erfahren. Der solide boden­ständige Wirtestand müsse erhalten und geschützt, Auswüchse müßten bekämpft werden.

Abg. B i ck e s (Deutsche Volksp.) sprach sich im Sinne der Ausführungen des 916g. Andre aus. Als letzter Redner sprach Abg. M o l l a (Wirtschasts- pärtei). Er betonte, daß die Bestimmung, wo­nach an Personen unter 18 Jahren alkoholische Ge­tränke nicht verabfolgt werden dürften, sich nicht durchführen lasse. Die Wirte könnten das Alter nicht immer feststellen. Ebenso sei das Verbot, ni­kotinhaltige Tabakwaren nicht an Jugendliche ab­geben zu dürfen, unhaltbar.

Wintersport.

WanderungsvorfchlSge des Ski-Llub-Rhon.

SFür Sonntag, ben 18. 12., sind von dmn Rhon-

”• kÄ'W Sw’ÄäW«» bortfetoft Heben unb Anweisungen zmn Skllauf, danach nach Gersfeld unb zurück nach Fulda. Führer 3)err 0^» ^Ah^Fulda 8 20 Uhr, Wanderung nach Schmal­nau^ Sä

elb, 17.15 Uhr zurück nach Fulda. Führer Herr Thor. ^°Ab' Fulda 8.20 Hhr nach Gersfeld Gimmelsberg Hirnmeldunkberg, Rhönhaus Moosbach ^rsfelb 17.15 Hhr, zurück nach Fulda. Führer Herr wau.

= Skisport auf dem Ellenbogen (Rhön). Der Eise- nacher Rhönklubzweigverern hat auch md.e- fern Winter wieher das am Ellenbogen Mischen Frankenheim und Oberweid gelegene Unterkunstshaus der Thüringischen Kultmbaustelle als Skrhutte ge mietet, wodurch nicht nur den Mügliedernd^sRhou klubs, sorckern allen Freunden des Wmters mck Wm tersports Gelegenheit geboten fff, für wenig Gew m einem erstklassigen Gelände Wmlersport zu trei^n Wer auf her Hütte übernachten will, muß sich vorher durch Antwortkarte beim Hüttenwart Elmrich, Ellen- bvgenhütie, Post Oberweid (Rhön) anmelden. Die solid gelernte Hütte enthält außer her Küche und den Rau- men für den Hüttenwart einen großen Aufenthaltsraum

und drei heizbare Strafräume, einen für Damm mit 14 Betten und zwei für Herren nut ^ammen34B Die Zahl der Anmeldungen ist bereits so stark, daß nur noch te der Zeit vom 22. bis 25. Dezember und vom oi Dezember bis 4. Januar einige Betten frei sind. Die Preist für Hebernachtting, Frühkaffee und M'tiag- Aen, betragen für Mitglieder des RHSnklubs Eisenach unb Jugendliche 1,70 Ml., für andere erwachsene Per- fönen 2,50 Mk. Uebernachten kostet für Mitglieder 60 Pfg., für andere 1,10 Mk. Huttengebuhr ohne Hebenrachtung 20 Pfg. st Person.

wie wird das Wetter?

Ein kräftiges Hochdruckgebiet liegt zur Zeit über her Nordsee. Es hat in ganz Deutschland eine lebhafte Nordströmung hervorgerufen, unter deren Einfluß d,e Temperaturen stark zuruckgegangen sind. Auch an den nächsten Tagen wird die kalte Witterung vorherrschen unb es ist mit einer leichten Verstärkung des Frostes zu rechnen. Schneefälle von Bedeutung sind zunächst "'^Aussicht^^für'Sonntag: Anhalten des trockenen Froftroetters.

Der Streif in der Eisenindustrie. - Lohn, Steuer und Lebenshaltung. - Eine Tagung in Essen. - Eine Rede des Präsidenten de» Internationalen Arbeitsamtes. — Religion und Wirtschaft.

ihm eingab. Sein Manuskript, das offenbar eine so ruhige und imponierende Versammlung nicht vor­ausgesetzt hatte, zerknitterte er in den Händen. Nur 1)05 Herz konnte da noch den rechten Ton finden. Der Mann, der so viele Verdienste firr ixe Ar­beiterschaft hat, bewies sich als edler Mensch und vorzüglicher Redner. Von seinem Besuche bet Hindenburg erzählte er, und wie Hindenburg ihm cherzhast gesagt habe: „Nun, Sie haben nur da­mals viel zu schaffen gemacht!", worauf Thomas ihm launig erwiderte: „Ja, und Sie, Exzellenz! . Die Rede ging dann über auf die großen euro= päischen Fragen, und Thomas sagte nachdrücklich, daß die sozialen Gedanken und die Verständigung schneller marschieren müßten Das wurde mit starkem Beifall ausgenommen, und als der Redner zum Schluß ausrief, er, der Sozialist: „Wir brau­chen Menschen, die wie Paulus ein Tabernakel Gottes sind!", da wollte der Sturm des Beifalls

Wenn Bruno Brackenberg an jene Tagp dachte, ging eisiges Erschauern durch seine Seele. Das eine Auge mar ja rettungslos verloren, , da hatte der verwünschte Schrappnellsplitter ganze Arbeit geleistet. Unb Bruno wußte boch auch, baß er es nie mürbe roieber gebrauchen können. Aber bas anbere mar boch scheinbar unverletzt geblieben. Unb bieses eine Auge bilbete Brunos einzige Hoffnung ,bie von Tag zu Tag noch großer wurde, da er unter dem Verband keinerlei Schmerzen oder Beschwer­den verspütte.

Wie fieberhaft sehnte er den Tag herbei, da er fernem dunklen Gefängnis würbe entrinnen bürfen, da ihn wie­her des Lichtes goldener Schimmer umflutete, da er wie­her die Schönheit der Welt unb ihrer Geschöpfe würbe trinken können.

Und dann kam wie ein Sturz aus allen Himmeln jenes niederschmetternde Urteil: völlig blind! Erst hatte er es nicht glauben wollen. Er befand sich ja noch immer in einem völlig verdunkelten Raum und er hätte nur das Aufleuchten der Spiegellampen wahrnehmen müssen. Aber um ihn war unb blieb es schwarze Nacht. Unb so sollte er sein ganzes Leben Einbringen? Konckte es etwas Furchtbareres geben? Wie er damals den Tob herbeisehnte, der ihn aus seinem düsteren Gefängnis erlöste! Gab es nicht der Stunden so viele, wo alles in ihm schrie: Mach doch ein Ende! Du haft auf Gottes lichtdurchfluteter Welt nichts mchr zu suchen. Nachdem man dir bas beste genommen, was bu an körperlichen Gaben besaßest, mußt du den Rest doch als unnützen Plunder von dir werfen.

Und doch, so verzweifelt auch diese seine Stimmung war, etwas hielt ihn fest mit unzerreißbaren Banden. Ein Wesen gab es auf der Welt, bas ihm über alles lieb war, dessen beglückende Nähe er noch gerne einmal verspürt hätte. Unb als er dann daheim so ganz sacht hineinglitt in die Gewohnheiten seines kümmerlichen Lebens, da gehörte zu dem wertvollsten, was ihm der Tag beschette, der Umgang mit Hete. Bittersüß war dieses Glück, mit ungeheuren Opfern mußte es erkauft werden. Aber es verlohnte sich schon um ihretwillen zu kämpfen gegen die heiße Begehrlichkeit, die das geliebte Wefen besitzen wollte, mochte der klügelnde Verstand auch tausendmal sagen: sie ist unb bleibt für dich unerreichbar.

(Fortsetzung folgt.)

Der glückliche Vater. Arzt: „Ich muß Ihnen mit­teilen, daß Sie Vater von Drillingen geworben fmb.“ — Parlamentarier: „Unmöglich! Ich verlange nament- liche Abstimmung." („Daily News".)