Fuldaer Zeitung
Begebenheiten aus aller Welt
Der scharlachrote Nordsüd -Sxpretz
mit 20 Drillmgsqeburten an Der optge, es folgte ~ • ref)- xnK(f,
mit 19. S«n„o»«r mit 14, vstpr.uh-n Schl- -°,-n | nd auch m - n Wg«
mit 12 Drillingsgeburten. Man kann sagen , da ß matz g uno neuzem m au «
tm allgemeinen auf 100 Emzelgeburten eine Zwi.- pa^etTl)em zwischen zwei Abteilen durchgehendem Nng-9-d-rt MML T-ppich, n.m-mlch- ,N-»N°'-E°«d»s n°ch
hier stürmisch gefeiert.
in Verdun", erklärt der deutsche Generalstabschef.
Im Steinerhaus — J. Mathes — Buttermarkt 14.
Geschenke an Generaldirektoren.
Die „Frankfurter Jeitung" veröffentlicht einen Brief, der ihr vcm einer angesehenen Firma des hessen-nassaui- chen Bezirks zugegangen fft, in dem es unter Bezugnahme auf ein Preisblatt einer Berliner Firma, in dem u. a. „Geschenke für Generaldirektoren, Direktoren, Prokurfften usw. bis Rm. 100 000 per Stück" angeboten werden, u. a. heißt: „Es ist eine bekannte Erscheinung, daß man Kunden kleine Geschenke macht, die durch dauernden Gebrauch den Geber als Lieferanten ur irgendwelche Waren dem Gebraucher immer wieder ins Gedächtnis rufen; gegen solche Reklame wendet auch niemand etwas ein. Hier scheint aber bod)_ die Sache etwas anders zu liegen, und von Reklame dürfte doch wohl bei Geschenken im Werte von 1000 Mark keine Rede mehr sein können; das sind glatte Bestechun- ungen, und wie gang und gäbe das schon geworden sein muß, geht daraus hervor, daß die Berliner Firma solche Gegenstände listenmäßig führt. Es ist mir bekannt, daß in gewissen Branchen bei größeren Abschlüssen an die Angestellten, die Einfluß auf die Vergebung großer Aufträge haben, Schmiergelder in erheblicher Höhe gezahlt werden. Anderwärts wird es nicht besser sein. Reu ist also die Sache nicht, aber mit solcher Deutlichkeit wie hier ist ste mir noch nicht vor Augen gekommen."
* Zwillings- und Drillingsgeburlen. Unter den Mehrlingsgeburten sind die Geburten von Vierlingen am feltesten. Durchschnittlich kommen in Deuffchland jährlich nur ein oder zwei solcher „freudiger Ereignisse" vor. Seit 1921 verzeichnet die Statistik mir neun derartige Fälle. Etwas häufiger sind schon die Drillingsgeburten. In Preußen stand die Rheinprovinz im Jahre 1925 mit 20 Drillinasgeburten an der Spitze, es folgte
* Drei Jahre Gefängnis für den Gründer der Veltfrauenloge. Der Gründer der Weltfrauenloge, Friedrich Woob, wurde wegen fortgesetzten Betrugs zu drei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von rund 12 Monaten Untersuchungshaft verurteilt. Woob hatte seinen Frauenverband nur zu dem Zwecke gegründet, um die Mitglieder um größere oder kleinere Geldbeträge zu beschwindeln. Aehn- lichen Zwecken diente auch sein Auftreten als Manager der Hungerschau „Tatjane, die Hungerkünstlerin in der Luft". Der Haftbefehl wurde auf. recht erhalten und eine Bewährungsfrist vorläufig
getrennt worden. ■
* Die Anrede „Frau Lehrerin" wird gewünscht. Der Allgemeine Deutsche Lehrer innenverein hat an den Bund Deutscher Frauenvereine die Bitte gerichtet, der Bund möge bei allen Reichs- und Landesbehörden beantragen, im amtlichen Verkehr mit beamteten und andern Frauen sich der in den großen Frauenorganiiationen allgemein emaefuhr- ten Einheitsanrede „Frau" zu bedienen. Beson-
abgelehnt.
* Jnfani Fernando de "Bourbon vor den Schranken des Gerichts. Das Strafgericht in M e l u n hat in einem gegen die zwei Spanier, Jnfant Fernando de Bourbon und Graf de Dri- coin, angestrengten Prozeß das Urteil gefällt. Die gegen beide erhobene Anklage wegen Mietens eines Automobils, ohne über die Mittel zu verfügen, wurde fallen gelasien, da der Vermieter des Automobils schadlos gehalten wurde. Graf Oricain wurde wegen Paßfälschung und Vergehens
Die Mitropa hat, wie aus Berlin gemeldet wird, neue Schlaf- und Speisewagen bauen lassen, die in den nächsten Tagen als besonderer Schlaf- und Speisewagenzug in den Wintersportverkehr Berlin—Thur eingestellt werden sollen, ber, nickt nur für Deutschland, sondern durch eine Zroeigsuh- rung von Amsterdam nach Frankfurt a M. auch für Holland, England und Skandinavien tm Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Wintersvrele in St. Moritz eine beson- dere Bedeutung für die internationale Repräsentanz des deutschen Eisenbahnverkehrs hat. 3m Gegensatz zu dem bisherigen unauffälligen Dunkel- - "grün ist der neue Zug in leuchtendem Ro t - gehalten und mit Goldlinien abgesetzt. Die neuen irrt Innern fphr ^mPfT=
oben; jedes Abteil besitzt fließendes warmes und kaltes Wasser und ein besonders gebautes Sicherheitsschloß, das dem Schaffner nur das Oeffnen eines schmalen Sprechspaltes, nicht aber die Entriegelung der Tür gestattet. Jeder Wagen enthal! Schlafabtefle, die nach Wahl als erste oder zweite Klasse (mit einem oder zwei Betten) benützt wer- den können. Der neue Speisewagen ist einfach und zweckentsprechend in sehr guter Holzarbeit ausgestattet. An die Stelle der losen Stühle sind Klappsitze getreten. Der Zugang zur Speisewagenküche ist von den Zugängen der Reisenden völlig
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Samstag, 17. Dezember 1927.
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Verdun!
Der kämmende französische Grotzfilm.
Don Dr. Hans Waal.
Vor einigen Zett lief der Film vom -'Weltkrieg", gestützt auf sorgfältiges deutsches Kriegsakten- und Bildermaterial, über die Leinwand zahlreicher deutscher Lichtspielhäuser. (Auch in Fulda wurde er gezeigt und seine Vorzüge und Schwächen namhaft gemacht. Ä. Schriftl.) Kürzlich kam nun die Kunde von einem ähnlichen Mo- numentalfilm, den der Franzose Leon P o i r i er in seiner Heimat deht, ohne daß man bisher nähere Einzelheiten darüber erfuhr, weil diese nur spärlich und langsam durchsickerten. Der Name „V e r d u n", den dieser Film tragen wird, schließt für jeden Franzosen ein gerüttelt Maß von Schicksal und düsteren Erinnerungen in sich. Bei Verdun verbluteten Hunderttausende deutscher und französischer Soldaten auf engem Raum. Hier stieg zum erstenmal das große Grauen aus den Kasematten heißumkämpfter Forts, aus den von wochenlangem Eisenhagel zerwühlten Trichterfeldern, unterlag zum erstenmal der Mensch dem Material in mörderischer Schlacht. Dies alles sucht Poirier zu einem gigantischen Massenerlebnis zusammenzuballen, wobei ihm alle nur erdenklichen Hilfsmittel — Divisioe kämpfender Truppen, das historische Kampfgelände, neueste Produktionsmethoden — zur Verfügung stehen. Zum Kriegführen gehört nach Montecucculi bekanntlich Geld und nochmals Geld, zur Anlage eines solchen Monumentalfilms allerdings ebenfalls. Nun, Poirier fand glücklicherweise einen französischen Millionär, der das Unternehmen mit Hilfe kleinerer staatlicher Subventionen finanziert. Der Kostenanschlag beträgt 12 Millionen Francs.
Der Film soll bereits an sämtliche Kulturstaaten mit Ausnahme Deutschlands und der Vereinigten Staaten verkauft worden sein, doch handelt es (ich bei diesen beiden Ländern nicht um eine gründ- ätzliche Ablehnung des Films an sich, sondern lediglich um noch schwebende Preisdifferenzen.
Marschall Petain ist inzwischen vor Verdun mit seinem Stabe gefilmt worden. Man hat einige besonders geglückte Rekonstruktionen der halbzer- fchossenen Forts von Vaux und Douaumont ebenfalls an Ort und Stelle auf genommen; einige Szenen, die in Deutschland spielen, können mit Erlaubnis deutscher Behörden in Berlin gekurbelt werden. Im Januar 1928 soll auf dem inzwischen naturgetreu in Kriegszustand versetzten Schlachtfeld ein großangelegter nächtlicher Sturmangriff gefilmt werden, wobei dann mehrere Divisionen mit zahlreichen Geschützen, Minenwerfern und Maschinengewehren in Tätigkeit treten sollen. Kurz, ein gewaltiger Apparat wird dort in Bewegung gesetzt, um die ganze Größe dieses furchtbaren Ringens in Lehm und Beton lebenswahr darzustellen. Auf dieser 24 Kilometer breiten Front fielen nicht weniger als 400 000 Franzosen. „Läme de France" (Die Seele Frankreichs) nennen die französischen Frontsoldaten noch heute dieses blutgetränkte Kampffeld vor Verdun, und es gibt wohl roenigerunter ihnen, die es nicht wieder mit magischer "Gewalt dorthin gezogen.
Im Film erscheint zuerst das düstere Panorama von Verdun wie eine pastorale Landschaft» über der sich ein heftiges Unwetter zusammenzieht. Dann tobt und brüllt die Schlacht. Deutsche Stahlhelme tauchen auf. Gestalten springen aus zerschossenen Gräben, stürmen dem sicheren Tod entgegen. Bilder aus dem deutschen ' viptquartier, von französischer Hand gekurbelt >lgen. Der Fall von Douaumont, Vaux und Tiftaumont wird
getroffen, und während er stirbt, zerflattert ihm das rauchende Verdun, die Siegespalme, wie eine Fata Morgana, bis ihm das Äuge bricht . .. .
Da der Film sich, soweit bis jetzt bekannt, von chauvinistischen Verhetzungen frei hält und nichts weiter sein will als ein erschütterndes Erlebnis des großen Krieges, so wird man ihm wohl auch in Deutschland mit Interesse entgegen sehen. Denn auch für uns bedeutet „Verdun" — ein Schicksal!
gegen eine gegen ihn erlassene Ausweisungsverfügung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. In- fant ds Bourbon wurde, obwohl in diesem Prozeß freigesprochen, in Haft behalten, weil gegen ihn noch ein Verfahren wegen Ausgabe ungedeckter Checks schwebt.
♦ Lilidbergh in Mexiko gelandet. Lindbergh ist auf seinem Fluge Washmgton-Mexcko am^Mittwoch um 14.39 Uhr (amerikanischer Zett) m Mexiko, unter dem Jubel einer ungezählten Menschenmenge, auf dem Flugplatz in Mexiko gelandet Tml- fenbe durchbrachen bei der Landung die Polizei* kette, um Lindbergh zu begrüßen. Der FlugLmd- berghs hat insgesamt 27 Stunden 10 ftthnuten gedauert. Präsident Coolidge hat an Lmdbergh telegraphiert, der Flug nach Mexiko werde zur Festigung der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder wesentlich beitragen.
fern ist darauf hinzuwirken, daß von allen amtli^en . Formularen die Unterscheidung ,,Fr°u » .,Fr°u- lCin» Me^Devölkerungsber^gung in .Frankreich. Nach einer amtlichen Statistik Attcn^erteb SU1927 1849745 geqen 190 712 im gleichen Zeit- ®Ä47ÄSr6e,rt I‘,be5”‘w °ul 136 867 gegen 160 303 belauft.
Landwirtschaft und presse.
Der Universität Berlin ist ein Institut für Zei- tungstunbe angegliedert, 'm 'etzig^n Wmte. femefter im Oberkur us das Thema a n d wirk I To ft und Presse" in einem Vortragszyklus bandest. Der erste Vortrag, den Herr Dors- d o r f f Leiter der Prefseabteilung des Reichsver-
Ke;bgt»SbÄ "'S
ner der Bedeutung der Landwirtschaft entsprechen den Weise zum Ausdruck kommen.
Dagegen spiele in der Wirtschaftspolitik der Kamvf der Landwirtschaft um eine gerechte Wertung ^ihrer Stellung in der Volkswirtschaft m der großstädtischen Presse eine breite, leider meist eine negative Rolle. Dies wachse zum Unglück der Landwirtschaft aus, die aber an dieser Tatsache felbft einen gewichtigen Anteil von Schuld trage, da sie tm allgemeinen der Großmacht Presse viel A roenia Beachtung schenke. Es liege zwar m bet Eigenart der Masse der bäuerlichen Bevölkerung, daß sie von der Presse zwangsläufig weniger halte wie dies andere Berufsstände die weniger schwere körperliche Arbeit leisten müssen, zu tun pflegen. Ursachen für eine mangelhafte Vertretung landwirtschaftlicher Belange sei aber auch tm Journalismus selbst zu finden, da man unter den Jour- nalisten verhältnismäßig wenige .antrifft, die gründliche Kenntnisse von landwirtschaftlichen ^^Her?Borsdorff wies zum Schluß insbesondere auch noch auf die Beziehungen des Landwirts zu den Zeitungen im Inseratenteil hm. Ge rade durch diese geschäftlichen Zusammenhänge ge- winnen der Zahl der Mitglieder nach weit schwa- Acre Berufe eine bedeutsame Stellung in der öffentlichen Meinung. Immerhin könne man in den letzten Jahren erfreuliche Fortschritte v^zeich- nen, die für die wachsende Erkenntnis der Bedeu- tung der Presse innerhalb der Landwirtschaft sprechen. In diesem Zusammenhang fei vor allem die verstärkte Pressetätigkeit, die tue deutschen Bauernvereine in Tageszeitungen uno Zeitschriften entfalten, hervorzuheben.
♦ (Eine Fischerflokke vom Sturm überrascht. Ein furchtbarer Sturm überfiel eine Fischerflotte an de, Fjnnmarkenküste. Ein Boot mit drei Mann Besatzung ging unter. Die Besatzung ertrank. 3n Fischereihäfen hat der Sturm schweren Schaden angerfdjtet.
* Das Empfangsgebäude der Lufthansa tn Travemünde niebergebrannt. Am Donnerstagabend brannte bas erst int letzten Sommer aus Holz erbaute neue Empfangsgebäube bet Lufthansa auf dem Priwall völlig nieder. Auch der größte Teil der Einrichtung ist bett Flammen zum Opfer gefallen. Die Enfftehungsursache bes Branbes ist noch unbekannt.__,
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Gewaltige deutsche Reserven liegen hier in Ruhestellung (als wenn wir sie je besessen hätten!) In grausigem Spiel von Sturm und Gegenstoß zerreiben sich dann zwei Heere in Dreck und Blut. Umsonst der Heldenmut deutscher Regimenter — Verdun trotzt ihrem wütenden Anlauf. Symbolisch fällt zum Schluß ein deutscher Offizier, der ,In acht Tagen sind wir I gleichsam alle Tüchtigkeit des deutschen Heeres in sich verkörpert, von einer krepierenden Granate
Das Haus Xermöllen.
Roman von Emil Frank.
18] ---------
Sie sann ein Weilchen nach und gab schließlich zur Antwort: „Erichs wegen brauchte ich wirklich nicht auf Beschleunigung zu drängen. Jetzt, wo ich von seiner Unschuld völlig überzeugt bin, traue ich mir wohl die Kraft zu, ihm frei und offen meinen Irrtum einzugestehen — das heißt, wenn er mich danach fragt! Wenn er überhaupt noch etwas von mir wissen will. Aber alles das kommt früh genug, wenn wir aus Berlin heimkehren. Es wäre mir nämlich Rolfs wegen lieb, wenn ich ihm fürs erste nicht zu begegnen brauchte. Du kannst dir denken, wie schwer es mir sein würde, ihm gegenüber Unbesan- genheir heucheln zu müffyt, während ich ihm am liebsten ins Gesicht schrie, was ich von ihm denke."
„Und warum willst du ihm dein Wissen verhehlen?"
„Ich nehme einzig und allein Rücksicht aus Hete, ihr möchte ich so gerne jede Enttäuschung, jedes Leid ersparen."
„Habe Dank, Irma, daß du der Schwester nicht nachträgst, was der Bruder an dir fehlte! Und vertraue nur ruhig auf die Zukunft. Es kann nicht immer düster bleiben. Einmal bricht der Morgen an!"
Hatte er diese tröstenden Worte nur zu Irma gesprochen? Oder waren sie auch an seine Adresse gerichtet? Hete, wenn für mich die Nacht aufhörte! Wenn ich mich wieder baden könnte im himmlischen Licht! Nein, dann würde ich meine Gefühle nicht mehr Niederkämpfen! Frei träte ich vor dich hin und offenbarte dir meines Herzens Sehnen und Verlangen. Und wenn sie mein sein wollte! Wäre ein solches Glück wohl noch zu fassen?
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Rolf Jlgenkampf fühlte sich in seiner Weinnische sehr behaglich. Daß Lu sein Bekenntnis von seiner nahen Verlobung und Hochzeit nicht weiter tragisch auffaßte, erhöhte noch seine gute Stimmung. Aber dann sagte er sich wieder: es wäre doch besser, wenn das Mädchen für einige Zeit aus dieser Gegend verschwände — wenigstens so lange, bis Irma Brackenberg unlöslich an ihn gebunden war. Dann hatte er nichts mehr zu befürchten.
Zärtlich beugte er sich zu dem zierlichen Persönchen nieder, streichelte ihr feines Kindergesicht und fragte: „Hast du für nächsten Winter schon ein Engagement? Nach den Sommerferien geht doch der Theaterzauber wieder los.
„Tja, mein lieber Rolf, die Geschichte fängt mir allmählich an unheimlich zu werden. Hier habe ich es mit dem Direktor gründlich verdorben, und um ein andere» Engagement habe ich mich wohl reichlich spät bemüht. Wenn ich nichts anderes finde, werde ich notgedrungen wieder zu den kleineren Rollen heruntersteigen müssen, mit denen ich im vorigen Jahre debütierte. Ich kann nicht behaupten, daß mir dieser glänzende Mißerfolg besonder» angenehm wäre. Ich kann mir dadurch meine ganze Laufbahn verpfuschen. Na, so lange ich dich habe, ist mir um die Zukunft nicht bange."
Rolf hatte ein recht unangenehmes Gefühl. Was dachte sich denn diese kleine Krabbe eigentlich? Sollte er dieses Spiel auch jetzt noch fortsetzen, wo er sich anschickte, glücklicher Bräutigam zu werden? Das könnte ihm gerade passen! Er war nicht ein ^beliebiger Doktor juris ober Referendar, sondern der Sohn des Geheimrats Ilgen- kamp! Und feine Erkorene war eine Brackenberg! Da würde man wohl in der ganzen Gegend von der bevorstehenden Verlobung raunen, ihn um fein fabelhaftes Glück beneiden, das ihm diesen Goldfisch ins Netz führte. Neid aber hat scharfe Augen. Endlich kam ihm ein ret- tenber Gedanke: „Höre einmal, bu bist um beinen Aufstieg besorgt, möchtest gerne eine Herrscherin im Reiche der Kunst werden. Ist es nicht so?"
„Ja, Rolf, ich fühle es, in mir steckt eine große Schauspielerin. Die Kunst ist mir heilig, in ihr möchte ich emporsteigen zur Sonnenhöhe des Ruhmes. Das ist mein höchstes Ziel!" Sie hatte diese Worte mit Nachdruck gesprochen.
„Ich glaube, ich kann dir dazu verhelfen. Hier ist natürlich nichts zu machen. Du müßtest schon nach Berlin gehen."
„Stell dir das bloß nicht gar so einfach vor, mein Lieber! Berlin bedeutet einen Gipfel — ich meine selbstverständlich nur für die Rollenträgerinnen von Bedeutung! — und wer den einmal erklommen hat, steigt freiwillig nicht wieder herunter!“
„Nein, auf dem gewöhnlichen Wege sollst du auch nicht emporsteigen, das ist doch zu umständlich. Mir ist da ein genialer Gedanke gekommen: Wofür siehst du so bezau- bernb kindlich aus? Wofür hast du diesen verrückten russischen Namen? Ich kenne in Berlin einen jungen Kritiker von großem Ruf, den müssen wir zunächst einfangen. Er ist ein Schwärmer von reinstem Wasser. So weit ich ihn kenne, wird er von deinem Anblick entzückt sein. Und bann brauchen wir uns nur ein schönes unb rührende« Märchen auszudenken, unb bie Sache ist gemacht!"
Lu sann ein Weilchen nach. Der Gebanke, der Enge der Heimat entfliehen, von der Mutter endlich loskommen zu können, begeifterte sie. Dann sprach sie lächelnd: „Aufs Märchensinnen verstehe ich mich meisterlich! Dein Fräulein Brackenberg war einfach baff. Unb bu brauchst beinen Geist gar nicht anzustrengen, mein Feldzugsplan ist fix und fertig: Ich bin ein vertriebenes Mädchen aus dem Baltikum. Eltern und Geschwister hat man umge- bracht, ich bin auf ganz romantische Art entkommen. Du hast mich irgendwo getroffen, als mir das Wasser bis an .den Hals stieg, ich ittchts mehr zu nagen und zu beißen 'hatte. Und bei dBnen Bemühungen, mich irgendwo unterzubringen hätt-st bu entdeckt, daß ich trotz meiner Jugend — ich zähle selbstverständlich erst knapp 15 Jahre, bas bitte ich mir aus» — ein starkes Talent fürs Theater besäße. Das ist ein« Geschichte, bie Hand unb Fuß hat. Verlaß dich darauf, ich bringe deinen schwärmerischen Kritiker schnell genug dahin, daß er sich irgend eine Rolle von mir oorbetlamirfen läßt. Natürlich muß es eine recht schmalzige sein, etwa von Schiller ober Kleist mit viel Pathos unb Gefühl unb engelgleicher Unschuld, daß ich mich recht in Szene setzen kann. Das andere findet sich bann von selbst. Denke bir einmal bie Sensation an: Eine Schauspielerin von knapp 15 Jahren mit so romantischer Vergangenheit in einer tragischen Rolle von einiger Bedeutung! Alle Zeitschriften brächten mein Bild, der Film würbe sich um mich reißen, ich wäre mit einem Schlage berühmt! Mir schwindelt es, wenn ich an diese Zukunftsmöglichkeiten denke! Die Idee ist einfach unbezahlbar!!"
So geschah es auch. Sie versuchten den vorzüglichen Wein, und Irma leerte in ihrer Erregung das Glas rasch. Dabei arbeiteten ihr« Gedanken unausgesetzt: Wie sollst du dich jetzt verhalt«»? Selbstverständlich darfst du hier
unter keinen Umständen Aussehen erregen. Das Dt|t ou dieser Prachihete schon schuldig, die eine Bloßstellung bes Brubers hart empfinden würde. Und dann: was hätte es auch für einen Zweck, das glücklich liebende Paar zu stören! Genügt es nicht vollkommen, daß ich genau in ihre Karten schaue? Mögen sie sich doch über mich luftig machen! Sie haben mir trotzdem einen unbezahlbaren Dienst erwiesen, haben mich vor einer großen Torheit bewahrt. Denn daß ich unter diesen Umständen Rolfs Frau nicht werden kann, ist doch ganz selbstverständlich.
Der Chauffeur kam und meldete, daß der Wagen zur Abfahrt bereit stände. Irma zahlte unb verließ mit Hete das Weinlokal. Als ste auf Haus Terrnöllen ankamen, sah Irma in des Bruders Arbeitszimmer noch Licht. Nur ein Weilchen schwankte ste. Dann trat sie beherzt bei ihm ein und erzählte ihm alles. Bruno schüttelte bei ihrem Bericht immer erstaunter den Kopf unb meinte schließlich: „Krumme Wege waren sonst gewiß nicht nach meinem Sinn — nach deinem auch nicht, Schwesterlein! Und Lauschen hat mir nie recht gefallen mögen. Aber diesmal hat das Schicksal dich selbst an jenen Ort geführt, wo bu in so kurzer Zeit völlige Klarheit über bie vergangenen Dinge erhieltest. Hältst du es unter diesen Umständen noch für notwendig, unsere Abreise nach Berlin zu beschleunigen?"
„Siehst du wohl, daß ich von deinem Zauberkram auch etwas verstehe? Aber eines befürchte ich: wenn deine Erwartungen sich erfüllen und dein Bild in größeren Zeitschriften erscheint, wird man es hier natürlich auch zu sehen bekommen, und dann ist der Schwindel aufgedeckt!"
„Davor bin ich gar nicht bange. Bevor ich soweit bin, hat man mich hier längst vergessen, zumal ich in Berlin selbstverständlich unter einem anderen Namen auftreten würde. Bin ich erst berühmt, so brauche ich nach einem kleinen Skandal nicht viel zu fragen."
Rolf gab sich schließlich damit zufrieden. Es wäre doch peinlich für ihn gewesen, wenn er in eine solche Geschichte verwickelt würde. Sie vereinbarten, wann sie nach Berlin fahren wollten, entwarfen bis in alle Einzelheiten den listigen Plan und tränten noch manchen Kelch auf fein Gelingen. Viel zu früh machte die Poli> zeistünde ihrem gemütlichen Beisammensein ein Ende.