Nr. 290.
Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt
54.Zahrg
Samstag, 17. Dezember 1927
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Iie WeihnlllWserien des Reichstags beginnen.
3tt der Zrage der LohnfteuersenKung wird der unsoziale Vorschlag der Reichsregierung durch einen besseren ersetzt. — Mehrheit für den neuen Vorschlag im sozialpolitischen Ausschuß. — Var Zteuergesetz und Rriegsschädenschlutzgesetz sollen am Samstag verabschiedet werden. — Vie Rriegropsersürsorge — Nachklänge zur Besoldungsreform.
D.D.Z. Berlin, 16. Dez. (Eig. Funkm.). Der Aeltestenrat des Reichstages hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, morgen die letzte Plenarsitzung vor der Weihnachtspause stattfinden zu lassen. Nach der Pause wird ber Reichstag am 12. Januar wieder zusammentreten. Eine Reihe von Ausschüssen wird schon am 11. Januar die Beratungen wieder aufnehmen. Das schon auf der heutigen Tagesordnung stehende L i q u i d a t i» onsschSdenschlußgesetz wird erst morgen in der 1. Lesung erledigt werden. Außerdem wird morgen das Gesetz über die L o h n st e u e r erledigt werden.
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Der Gesetzentwurf, mit dem die Reichsregie- rung den auf eine Beratung der Einkommensteuer für Lohnempfänger abzielenden lex Brüning ent- ?egenkommen wollte, hat in der Zentrumsfraktion -s Reichstages von vornherein stärkste Kritik gefunden, well er in keiner Weise sozialen Gesichtspunkten Rechnung trug. Er hätte den hohen Einkommensempfängern merkbare, den Empfängern kleinerer Einkommen dagegen nur ganz geringe Erleichterungen gebracht. Die Regierung hat anscheinend selbst keine Freude an ihrem Vorschlag gehabt und ist unter Preisgabe ihres Entwurfes auf den Boden eines Antrages getreten, der gemeinsam von Zentrum, den Deutschnationalen und der Deutschen und Bayerischen Dolkspartei eingebracht wurde.
Dieser Antrag bezweckt eine Senkung der Lohnsteuer und zwar um 15 Prozent, jedoch höchstens
a) um 2 Rm. monatlich bei Zahlung des Arbeitslohnes für volle Monate;
b) um 50 Pfg. wöchentlich bei Zahlung des Arbeitslohnes für volle Wochen;
c) um 10 Pfg. täglich bei Zahlung des Arbeitslohnes für volle Arbeitstage;
d) um 5 Pfg. für 2 Stunden bei Zahlung des Arbeitslohnes für je 2 angefangene oder volle Arbeitsstunden.
Die veranlagte Einkommensteuer wird um 15 Prozent herabgesetzt, höchstens jedoch um 24 Reichsmark jährlich, wennn das Einkommen den Betrag von 8000 Mark nicht übersteigt.
Diese Vorschriften finden erstmalig auf den Arbeitslohn Anwendung, der für eine nach dem 31. Dezember 1927 erfolgende Dienstleistung gewährt wird.
Das Gesetz über die Beschränkung der Einnahmen aus der Lohnsteuer vom 3. 9. 1925 (lex Brüning) erhält folgende Fassung:
Uebersteigt das Aufkommen aus der Lohnsteuer im Kalenderjahr 1928 oder in einem späteren Kalenderjahr den Betrag von 1 Milliarde 300 000 Rm., so hat die Reichsregierung einen Gesetzentwurf vorzulegen, der eine Senkung der Lohnsteuer Herbeiführt.
Im Steuerausschuß des Reichstages erklärte Reichsfinanzminister Dr. K ö h l e r, dak die Reichsregierung ständig im Sinne der lex Brüning bestrebt gewesen sei, im geeigneten Zeitpunkt eine Senkung der Lohnsteuer vorzunehmen. Er hoffe, daß nunmehr die Senkunasaktion keine Schwierigkeiten beim Reichsrat finden werde.
Ministerialdirektor Zarden führt aus, daß bei Annahme dieses Antrages ein jährlicher Ausfall an Lohnsteuer von rund 30—35 Millionen Reichsmark für 1928 entstehen würden.
Der Antrag hat bisher die Zustimmung der Deutschen Volkspartei noch nicht ge- funden. *
Im Plenum des Reichstages wurde Donnerstag die zweite Beratung der Novelle zum Reichs- verforgungsgesetz erledigt. Die Vorlage will die Renten entsprechend der Desoldungserhöhung steigern und bringt auch eine Erhöhung der Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenbezüge. Nach kurzer Einzelberatung werden die Aenderungsan- träge der Oppositionsparteien abgelehnt. Das vom Ausschuß gegen den Widerspruch des Reickis- o.rbkitsministers beschlossene Sterbegeld für die Kriegshinterbliebenen wird in namentlicher Äb- stimmuua mit 385 gegen 19,Stimmen angenommen. Die Vorlage wird nach Verlesung langer Schlußerklärungen der Sozialdemokraten und Kommunisten — letztere benutzten die Gelegen- beit dazu, heftige Angriffe gegen die übrigen Parteien zu richten — in zweiter und dritter Lesung angenommen.
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V.D.Z. Berlin, 16. Dez. (Eia. Funkm.). Im Reichstage traten am Freitag Vormittag noch mehrere'Ausschüsse zusammen. U. a. wird der Steueraussch'-ß heute die E n t s ch e i d u n g ü b e r die L o b n st e u e rs e n k u n g treffen. In den Mittaosstunden wird der Aeltestenrat und der Vorstand des Reichstages über den endgültigen G"jchäftsvlan beraten und sich über das von der Wirtlchastlichen Vereinigung eingebrachte Gesetz "schlüssig werden, wonach die Diäten der Abgeordneten nicht erhöht werden sollen.
Das Plenum wird sich am Nachmittag mit der Verlängerung des M i e f e r f ck> u tz g e - s e b e s bis zum 15. Februar 1928 beschäftigen. Außerdem steht das Kraftfahrzeugsteuer- ?esetz und das Kriegsschädenschlußge- etz auf der Tagesordnung. Das Lohnsteuer-
senkungsgefetz kann jedoch erst auf die Tagesordnung der Samstggsitzung gefetzt werden.
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Im Steuerausschuß des Reichstsges wurde am Freitag vormittag, wie uns ein Funktelegramm meldet, der oben mitgeteilte, vom Zentrum, den Deutschnationalen und der Bay. Volkspartei gestellte Antrag angenommen. Dafür stimmte auch die Deutsche Volkspurtei.
Die Anträge der Deutschen Volkspartei und Demokraten auf Auseinanderziehung des Einkommensteuertarifs wurden abgelehnt, ebenso der Antrag der Deutschen Volkspartei auf Sefettigung dec Kapitalertragssteuer.
Ein Antrag der Deutschen Volkspartei auf Berechnung der Einkommensteuer nach dem dreijährigen Durchschnitt wurde gegen Keutschnationale, Demokraten und Deutsche Volkrpartei abge- lehnt. Dagegen wurde mit den Stimmen der Regierungsparteien und der Demokraten eine Entschließung angenommen, die die Regierung auffordert, einen Ausschuß zur Prüfung der Frage der dreijährigen Durchschgittsberechnung einzusetzen. *
Im Preußischen Landtag wurd» am Donnerstag mit der Aussprache über den Etat für das Jahr 1928 begonnen. Es sprachen je ein Redner der sozialdemokratischen, der deutschnstionalen, der Zentrumsfraktion und der Fraktion der Deutschen Volkspartei. Die Aussprache wird am Freitag fortoesetzt.
Am Freitag wurde nach ©rleMgung kleiner Vorlagen die 1. Lesung des Etats fortgesetzt. Zunächst ergreift Ministerpräsident Braun das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er unter anderem über die Flaggenfrage
Ministerpräsident Braun betonte, die preußische Regierung sei fortdauernd bemüht gewesen, in der Frage der Besetzung des Verwaltung S- rateS in der Reichsbahn mit einem preußischen Vertreter das Interesse Preußens zu wahren. Wenn der Reichskanzler erklärt, die Reichsregierung habe sich vergeblich bemüht, einen Posten im Verwaltungsrat für Preußen frei zu bekommen und sie habe damit alles getan, was möglich war, so könne die preußische Staatsregierung diesen Standpunkt nicht billigen. Wenn uns jetzt die Reichsregierung anheim gibt, erneut ein Verfahren beim Staatsgerichtshof zu Beantragen, das doch mindestens eine abermalig« Verzögerung von einem 'halben Jahre bringt, so kann ich nicht annehmen, daß die Reichsregierung alles getan hat, um den preußischen Ansprüchen zur Geltung zu verhelfen. Ich weiß nicht, wie man jetzt noch die Frage aufwerfen kann, ob eine Vollstreckung oder ein Feststellungsurteil vorliegt. Jedenfalls wird die preußische Regierung davon Abstand nehmen, eine derartige Feststellung noch beim Staatsgerichtshof herbeizuführen. Es bleibt also nur noch der Appell an den Reichspräsi- deuten auf Grund des Artikels 19 der Reichsverfassung.
Der R e i ch s r a t hat die vom Reichstag angenommene Besoldungsvorlags einstimmig gebilligt.
Rückblick auf die Abstimmung.
Nach dem nunmehr festgestellten Ergebnis der namentlichen Abstimmungen über das Besoldungsgesetz wie über den sozialdemo- kratischen Antrag bezüglich der Beschränkung der Pensionen auf höchstens 12000 Mark, so daß also alle darüber hinausgehenden Beträge einfach kassiert würden, ergibt sich folgendes Bild:
Die Sozialdemokraten stimmten ge- schlosien mit I a für b e i d e Anträge.
Don den Deutschnatialen stimmten gegen die Besoldungsvorlage der Abgeordnete Dorsch- Hessen. Ferner enthielten sich von den Deutschnationalen bei dieser Abstimmung über die Besoldung die Abgeordneten Haag, Körner und Vogt. Alle anderen Deutschnationalen stimmten dafür.
Bei dem sozialdemokratischen Pensionskürzungs- antrag enthielten sich von den Deutschnationalen die Abgeordneten Dorsch-Hesien, Hense-Thüringen und Vogt.
Dom Zentrum fehlen die Abgeordneten Andre, Dietz (krank), Feilmayr, von Hompel, Dr. Kaas (krank), Dr. Klöckner, Lammers, Röder-Baden, Schlack, Sinn, Dr. Wirth.
Gegen die Besoldungsordnung stimmte vom Zentrum nur der Abgeordnete Imbusch.
Es enthielten sich folgende Zentrumsabgeordneten: Becker-Arnsberg. Dr. Brüning, Dr. Dessauer, Ehrhardt, Ersinn Gerig. Giesbevts, Joos, Dr. Krone-Berlin (der Führer der Windthorst- bünbe), Dr. Roß, Dr. Stegerwald, Tremmel, Wie- ber.
Alle anderen Zentrumsabgeordneten stimmten für die Besoldungsordnung.
Bei der Abstimmung für den sozialdemokratischen Pensions-Kürzungsantrag fehlten vom Zentrum die gleichen Abgeordneten wie oben genannt. F ü r diesen Antrag stimmten die Abgeordneten Becker-Arnsberg und Imbusch. Es enthielten sich bi* Zentrumsabgeordneten Ehrhardt,
Ersing, Giesberts, Knoll, Schönborn, Stegerwald und Tremmel.
Alle anderen Zentrumsabgeordneten lehnten den Antrag ab.
Don der Bayrischen Dolkspartei stimmten g e - gen die Besoldungserhöhung die Abgeordneten Diernreiter, Äerauer, Dr. Horlacher, Dr. Lang. Es fehlten die Abgeordneten Herbert und Merck.
Bei dem sozialdemokatischen Pensionskürzungsantrag enthielt sich von der Bayrischen Dolkspartei der Abgeordnete Emminger. Nicht an der Abstimmung teilgenommen hat hierbei der Abgeordnete Herbert.
Bei den Demokraten stimmten für den sozialdemokratischen Pensionskürzungsantrag die Abgeordneten Bergsträßer, Brodauf, Büll, Dr. Götz, Lemmer, Schneider-Berlin und Ziegler. Es enthielten sich von den Demokraten der Fraktionsvorsitzende Koch-Weser und Dernberg. Es fehlten bei dieser Abstimmung die Abgeordneten Dietrich-Baden, Erkelenz, Dr. Fischer-Köln, Korell, Dr. Ra- schig, Rönnedurg, Schurig Dieselben Abgeordneten fehlten bei der Abstimmung über die Besoldungsordnung. die im übrigen von den Demokraten angenommen wurde
Die Nationalsozialisten stimmten mit ihren wenigen Abgeordneten geschlossen für den sozialdemokratischen Pensionskürzungsantrag Abgeordna- ter Ludendorff hat aber an der Abstimmung nicht teilgenommen.
Reichsschatzwechsel?
Wie die Voss. Ztg. hört, finden zurzeit im Reichsfinanzmmlsterium Erwägungen darüber statt, in welcher Form die Mehrausgaben,^die sich aus der Beamtenbesoldungserhöhung und aus den Ende d. Js. fälligen Beträgen aus der Reichsanleihe-Zlblösungsschuld ergeben, gedeckt werden sollen. In diesem Zusammenhänge werde erstmalig auch an die Ausgabe von Reichsschatzwechseln gedacht. Endgültige Beschlüsse feien jedoch noch nicht gefaßt worden.
Diese Maßnahmen erfordern auch wegen ihrer Gefahren sorgfältigste Prüfung.
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Das Reichskabinett beschäffigte sich mit dem neuen Etat, gegen den in verschiedenen Punkten der Reichsrat Einspruch erhoben hat. Das Kabinett hat sich ferner mit der Frage der Amisbezeichnung besaßt. Es ist anzunehmen, daß die Festsetzung durch den Reichspräsident e n erfolgen werde.
vertagte Schulberatung.
Der Dildungsausschuß des Reichstags hat feine letzte Sitzung vor den Weihnachtsferien abgehalten, ohne daß es zu irgendwelchen Abstimmungen gekommen wäre. Die Pause dauert bis zum 9. Januar. ES ist sehr bedauerlich, daß es nicht gelungen fit, die erste Beratung der Schulvorlage im Ausschuß vor Weihnachten abzuschließen. Unter den noch nicht erledigten Para- graphen befind«! sich einige, bei denen eine Einigung unter den Regierungsparteien erst noch gesucht werden muß. Hierher gehören die Bestimmungen Über die Beaufsichtigung des Religionsunterrichts und über die Anwendung des Gesetzes über die sogenannten Simultanschulländer.
* Die Förderung der amerikanischen Landwirtschaft. Aus Washington wird gemeldet: Senator Borah hat im Senat einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Schaffung einer Bundes- korporativ» zur Förderung der Landwirtschaft bezweckt. Das Kapital dieser Körperschaft soll eine Milliarde Dollar betragen. Die Verwaltung soll dem Staatssekretär im Ackerbauministerium und acht anderen Persönlichkeiten, von denen eine den Titel Generaldirektor fuhrt, obliegen.
vom Völkerbund.
Die Untersuchung der Lage an der polnisch-litau- ischen Grenze.
Der Generalsekretär des Völkerbundes übermittelte dem Rat und den Dölkerbundsmitgliedem ein Schreiben des Direktors des französischen Dienstes beim Völkerbund, in welchem dieser Kenntnis gibt von vier Telegrammen vom 10., 11. und 12. Dezember 1927 betreffend die von französischen, britischen und italienischen Offizieren ein geleitete Untersuchung über die Lage an der polnisch-litauischen Grenze. Wie erinnerlich, haben diese Offiziere festgestellt, daß int ganzen Grenzgebiet Ruhe herrscht und keinerlei Truppenbewegungen von Bedeutung gemeldet wurden. Die Mission dieser Offiziere fit am 12. Dezember zu Ende gegangen.
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Der Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes ist in Genf zur 23. Tagung zusammen» getreten.
* Reichsminister des Aeußern, Dr. Sfrefernenn, ist in Begleitung von Geheimrat Dirksen und Dr. Heide hier eingetroffen. Er wurde am Bahnhof von Oberpräsid'ent Siehr, dem Regierungspräsidenten, Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer, dem Poli- zeipräsidenten und dem Vorsitzenden der Organisationen der Deutschen Volkspartei empfangen.
* Die Abreise des Botschafters Prlttwih und Gaffton nach Amerika. Wie den Blättern mitgeteilt wird, wird der Botschafter von Prittwitz und Gaffron wahrscheinlich in der zweiten Woche des Januar seine Ausreise nach Amerika antreten.
* Zur belgischen Militärreform. Aus Brüssel wird gemeldet: Das Amtsblatt veröffentlicht einen königlichen Erlaß, wodurch eine aus 17 Parlamentariern, sechs Generalen und drei Stabsoffizieren bestehende Gemischte Kommission zur Prü- fung der Reform der militärischen Organisation eingesetzt wird.
Nach dem Rufstand in Ranton.
Aus London wird gemeldet: Rach Nachrichten aus amtlicher Quelle sind die Regierung s- truppen in Kanton wieder Herr der Lage. Die Ordnung ist wieder hergestellt. Es wurde eine Proklamation veröffentlicht, in der die Bevölkerung aufgefordert wird, kommunistische Parteigänger dm Behörden anzuzeigen.
Die Demokraten haben'r eilig.
Obwohl die normale Lebensdauer des gegenwärtigen Reichstags noch ein volles Jahr dauert, haben die Demmokraten bereits ihre Kan- d i d a t f n zu den kommenden Wahlen in einem großen Teil der Wahlkreise aufgestellt. Der demokratische Zeitungsdienst verzeichnet folgende bisher gewählten Spitzenkandidaten:
Ostpreußen: Klempnerobermeffter Bartschat, biheriger Abgeordneter Bartschat. Potsdam I: Chefredakteur Bernhard, bisheriger Abgeordneter Dr. Bergsträßer. Pommern: Gewerkschaftssekretär Lemmer, bisheriger Abgeordneter Lemmer. Breslau: Dr. August Weber. Magdeburg: Professor Dr. Hummel, bisheriger Abgeordneter Dr. Hummel, Thüringen: Dr. Ludwig Haas, bisherige Abgeordnete Frau Dr. Bäumer. Schleswig-Holstein: Ministerpräsident a. D. Tantzen, bisheriger Abgeordneter Graf Bernstorff. Ost-Hannover: Verbandsgeschäftsführer Kaufmann, Süd-Hannover- Braunschweig: Freiherr v. Richthofen, bisheriger Abgeordneter Freiherr von Richthofen. Hesien- Nassau: Reichsfinanzminister a D. Dr. Reinhold, bisheriger Abgeordneter Schücking. Köln-Aachen' Verbandsgeschäftsführer Schaefer. Koblenz-Trier:
Mussolini über außenpolitische Fragen
In einem Mtnisterrat in Rom führte Mussollnk aus:
Was die internationalen Ereignisie betrifft, so waren die beiden letzten Monate ziemlich bewegt. Am 1t. November wurde in Paris der französisch-jugoslawische Freundschastsoertrag unterzeichnet, der schon seit März 1926 paraphiert war. Damals tnrt man Italien nach der Paraphierung ein Abkommen zu Dreien an, was aus Gründen, die auf bet Hand liegen, nicht angenommen werden konnte. Der französisch-jugoslawische Vertrag ist vom internationalen Standpunkt und von b£m des Völkerbundes aus vollkommen korrekt, aber die Auslegung dieses Vertrages, die verantwortliche und unverantwortliche Kreise in Belgrad diesem gaben, rief einige Bewegung in Italien hervor, das indessen nicht feine Kaltblütigkeit verlor. Elf Tage danach unterzeichnete man in TiNma einen Vertrag über ein D e • fensivbündnis zwischen Italien und Albanien. Beide Verträge stehen nicht in dem Verhältnis von Ursache und Wirkung zueinander. Im Zusammenhang mit beiden Verträgen erörterte mrn das Verhältnis zwischen Frankreich und 9talier Sieht man ab von den Phanta- fien vieler Zeitungen, so bleiben zwei Tatsachen, die an eine Klär'ing der Beziehungen beider Länder zu glauben gestatten, nämlich die sehr freundschaftliche Rede Briands und die Unterzeichnffrig des Modus vivendi.
Ich halte eine ausgedehnte herzliche und dauerhafte Entente zwischen Frankreich und Italien für möglich, ja ffir notwendig. Soll sie aber fest fein, so kann sie sich nicht nur auf literarische oder rein gefühlpyiäßige Motive gründen, sondern auf die Beseitig»«ig der Ursachen, die konkrete Rei- bunasslächen auf1*en beiden Ländern bedeuten
könnten. Die diplomatischen Vertretungen werden sich demnächst mit diesen Problemen beschästi- (ien, die weder schwerwiegend, noch unlösbar sind, andern lediglich vorsichtig behandelt werden müssen, wie übrigens alle Probleme der Beziehungen Mischen Völkern. Sobald die Diplomaten ihre notwendige Porarbeit beendet haben werden, wird logischerweise eine Zusammenkunft der verantwortlichen Minister folgen, um feierlich die Vereinbarung zu besiegeln.
Auf dem Gebiet der inneren Politik hat sich seit dem letzten Ministerrat nichts Neues ereignet. Die Nation hat wie immer feit fünf Iabren ihre disziplinierte stille Tätigkeit fortgesetzt. Während sich im Oktober und November allenthalben ein Wiederaufleben der italienischen Volkswirtschaft bemerkbar machte, hat die faschistische Regierung alle Maßnahmen beschlossen, die geeignet sind, die Arbeitslosigkeit zu verringern. Die Auffassung erscheint berechtigt, daß die Arbeitslosigkeit ,die übrigens niemals katastrophalen Charakter angenommen hat, demnächst sinken wird. Angesichts der offenbaren und gänzlichen Unschädlichkeit der noch überlebenden Regungen des Antifaschismps kann das faschistische Regime einen Beweis seiner Kraft geben, indem es sich den Widersachern gegenüber großmütig zeigt, die sich einer solchen Großmut würdig erwiesen haben. In den nächsten Tagen werden von den 600 zu Zwangsaufenthalt Verurteilten. d!e sich noch auf den Infeln befinden, 250 in Freiheit ersetzt werden. Außerdem sollen alle wegen Beleidigung des Ministerpräsidenten Verurteilten in diesem Monat bedingungsweise freigelgssen werden. Die faschistische Revolufion ist ihrer Zu kunft sicher. Sie verteidigt sich durch ihre Gest und ihren Geist, wütet aber nicht, wie man anderswo macht, gegen ihre Widersacher,