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Für unsere Frauenwelt.

Nr. 290 vom 17. Dez. 1927

Beilage zur Fuldaer Zeitung

St­

eifer Buttermilch

genießen.

Weihnachtskrippen.

Don Wolfgang Greifer-Elbing

Die erste Krippe, von der uns berichtet wird, soll vom heiligen Franziskus im Jahre 1223 aufgebaut und zur Schau gestellt worden fein. Sie muß großen Beifall gefunden haben; denn bald danach hört man, daß Weih­nachtskrippen in allen Kirchen und selbst ,4)on in den Häusern einzelner Familien aufgestellt wurden und zwar zu einer Zeit, als selbst die Sitte des Weihnachtsbaumes noch vollends unbekannt war. Späterhin ist der Weih­nachtskrippenbau nicht nur die Freude und der Eifer der daran interessierten Jugend gewesen, sondern auch Künstler von Ansehen und Ruf gingen ihm nach, und selbst in der zumeist recht mühevollen Heimiunst hat er vielen Erwerb und Verdienst sein müssen.

Die Blütezeit des Krippenbaues liegt im 13. Jahr­hundert und hatte ihren Sitz im oberen Italien. Hier entstanden denn auch wahre Kunst- und Prachtwerke dieser Art und Krippengruppen von hohem Wert und ausgesuchter Kostbarkeit. Man braucht nur einmal durch unser Deutsches Museum in München zu gehen, um in einer seiner Spezialabteilungen ganze Samm­lungen solcher Krippen kennen zu lernen. Da treten zum einfachsten Krippenbau und zu den schlichtesten Nachbildungen des Geschehens in Bethlehem auch schon ungemein reiche Phantasiebeistücke hinzu: Häuser Schlösser, Tore, Brücken, Flußlandschaften, Tiere alle, Art, sogar Löwen und Drachen, und Meirichen aus aller­lei Zonen.

Auch in den Klöstern wurden besonders prächtige Krippen errichtet. Hier mögen auch die ersten Stand­plätze gewesen sein, an denen der Gedanke von Beth­lehem von lebenden Personen gespielt wurde. Immer» hin aber gaben gerade die Klosterkrippen den Anlaß zu den bekannten Christfestspielen des Mittelalters, und wenn bann die Volkskunst noch zu diesem Gedanken hinzuzutreten pflegte, dann gab sie sich eben schon im 14. Jahrhundert doch schon die Mühe, di>! damals von ihr vielfach geübte Holzschneidekunst mit Vorliebe für den Krippenbau in alle feine Spielarten einzu» stellen. Dadurch gewann der Gedanke ungemein an Aus­bau und Boden. In großer Lebenswahrheit hat so auch ein Münchener Handwerksmeister der Holzschnitz- kunst im Jahre 1800 für den Gerbermeister Moser aus Bozen eine Krippe gebaut, und wenn man hört, daß diese damals schon einen Wert von etlichen Hundert Mark gehabt haben soll, so vermag man sich sehr leicht eine Vorstellung davon zu machen, wie köstlich diese Arbeit gewesen sein muß.

Gewiß gab man derartigen Dingen der damallgen Zeit alles, was diese Zeit selber hatte: den Menschen die Kleidung des Mittelalters, in dem man die Krip- pen zu bauen pflegte, der Landschaft die Eigentümlich­keiten der engen und allerengsten Heimat, der Tierwelt das Allernächstliegende, und so kam es gerade in dieser Zeit, daß uns die Krippen, „modernisiert" erscheinen wollen. Das geschichtliche Bild von Bethlehem pflegte

Häuser.

Etwas größer ist die Zahl der Untres oder Zwischen- geriete. In Polen und Ostpreußen ißt man einen Salat, der aus Kalbsbraten, rohem, geräucherten Schinken, Aepfeln, Salzgurken, Kapern, Heringen und viel Kartof­feln besteht und mit Gänseschmalz und Essig angemacht wird. In einigen Gegenden Westpreußens kommt Blut­wurst mit Rosinentunke ober „Schwarzsauer" — das ist Gänsegekröse mit Gänseblut unb Backobst zusammen- gekocht — und in Rußland und Polen Pirocky auf den Weihnachtstisch. Zu Rutz und Frommen aller Leserin- nen sei das Rezept zu der letzteren Speise, einer Art Pastetchen, mitgeteilt. Man macht einen Hefeteig, rollt ihn recht dünn aus, sticht bann mit einer Taste runde Platten davon ab. Auf die Hälfte von diesen Platten wird fe ein Löffel Fischragout und inmitten dieses ein Häufchen kräftig bereiteten Sauerkrautes gelegt. Nun klappt man auf jede mit diesem Füllsel versehene Platte eine der zurückgelassenen, drückt die Ränder der beiden fest zusammen und kocht sie in siedendem Wasser oder bäckt sie in Schmalz braun. Der Einfachheit halber kann man sich, anstatt den Teig selbst zu bereiten, ein Stück Hefe- oder Drotteig beim Bäcker holen lassen. \

Daß man in Norddeutschland Karpfen auf keiner Weihnachtstafel entbehren mag, ist bekannt. Im Westen kochen die Leute sie „grün", manche nennen es auch „blau", je weiter man nach Osten kommt, desto mehr

weihnachtsyerichte.

Bon Hubert D. Stiller, Köln a. Rh.

Weihnachtsmarkt.

Don Emmy Ficus, Frankfurt a. M.

Das ist dein Kinderland. der Weihnachtsmarkt, Den rings die alten Giebelhäuser grenzen. In dessen Bretterbuden Sterne glänzen, So oft sie naht, die liebe Weihnachtszeit... Wie silberhell die Christbaumkugeln funkeln Und Tannenzweige knistern still im Dunkeln Und duften harzig voll von Heimlichkett...

Das ist dein Äinberlanb. Kein Alltag rauscht In diese Welt. Nur tiefe, weiche Glocken Die Freudenbotschaft durch die Lust frohlocken. Die Kunde von der lieben Weihnachtszeit... Der Heimatzauber spinnt dich ein im Runde, Die Kinder fingen hold mit frohem Munde Die Lieder voll der frohen Heimlichkeit...!

Die Frau in der Mche.

f. (Brüne getrocknete Erbsen gelten bei vielen als wohlschmeckender. Den gelben Sorten sagt man nach, daß sie leicht etwas streng schmecken. Die gelben Erbsen kocht man mit Speck und Rauchfleisch zusammen, oder zu Brei, der im Verein mit Sauerkraut eine Delika­teste genannt wird. Grüne Erbsen lchlägt man nach dem Weichkochen durch, verdünnt sie zu einer sämigen Suppe und kocht kleine Griesklötze darin weich und

daß das Wasser die Borsten gerade nur bedeckt. Sie wer­ben bald weiß und rein fein. Darauf läßt man die Bürste in freier Lust mit aufwärts gekehrten Borsten trocknen. Dor dem Hinlegen zum Trocknen spritzt man das Wasser, was an den Borsten ist, gründlich aus, damit die Feuch­tigkeit nicht an die angeleimten Stellen kommt. M. T.

f Rostflecke auf Rickeigeschirr. Die Rostflecke werden erst mit Del eingefettet unb ein bis zwei Tage der Ein­wirkung überlasten. Dann reibt man sie mit rinem m Ammoniak getauchten Lappen ab und putzt mitsch'emm- kreide vorsichtig nach. Sollte dieses Dersahren nichts nutzen so versucht man vorsichttg durch Betupfen mit einer schwachen Salzsäurelösung den Rost zu entfernen. Bei Anwendung von Salzsäure muß aber sofort mit ko­chendem Wasser nachgespült werden. Dann reibt man die Gegenstände trocken.

f Fleckenwasser. Man gießt in eine kleine Weinflasche 8 Gramm reines Benzin unb 250 Gr Weingeist. So- bald sich bas Benzin gelöst hat, fügt man noch 80 Gr. Salmiakgeist hinzu unb schüttelt bie Flasche der besseren Mischung halber ein wenig um. Mit diesem Fleckenwas­ser lasten sich alle möglichen öllgen und harzigen Flecken, z. D. Del, Talg, Harz, Wachs, Stearin, Pech aus den Stoffen entfernen. ® $

f. Schlechte Schreibfedern, das heißt solche, die sich abgeschrieben haben, soll man nach dem Urteil eines Fachmannes nicht gleich fortwerfen. Ost sind sie nur „ermüdet", wie man einen solchen Zustand an vielen Metallen beobachtet hat. Läßt man einer kratzenden Feder einige Tage Ruhe, so wird sie zur Derwunderung wieder ganz ausgezeichnet schreiben.

f. hellfarbige Pelzgarnierungen an Mänteln, Kragen Usw. werden sehr leicht schmutzig. Die Reinigung kann man leicht mit Benzin vornehmen, indem ein reines weißes Tuch damit getränkt und dann der Pelzbesatz, der Lage der Haare entsprechend, abgerieben wird. Es ist hierzu notwendig, daß der Stoff mit einem reinen wei­ßen Tuch verdeckt wird, damit das Benzin den Schmutz nicht dorthin führt. Zuletzt legt man den Pelz in die Sonne, damit er locker wird, klopft ihn tüchtig, bürstet chn aus und entfernt das Schutztuch wieder.

Neue Bücher.

Cs gibt Fragen des guten Benehmens, die selbst den gesellschaftlich Sicheren in Verlegenheit bringen können. Solche Zweifelsfälle klärt bas neue Beyerheft „Der gute Ton von heute". An Stelle langatmiger Beleh­rungen finden Sie knappen, witzigen Tert, überaus zahl- reiche Ausnahmen unb lustige Randzeichnungen. Das Heft gehört in jedes Haus, bas an moderner Lebens­form Anteil nimmt. Jeder Vorwärtssttebende braucht es, um durch Sicherheit in Haltung und Benehmen schon äußerlich als Mensch von Welt und Bildung er­kennbar zu sein. Es ist im Verlag Otto Beyer, Leipzig, erschienen und für Mk. 1.20 in allen einschlä­gigen Geschäften zu haben.

sogar völlig ins Nebensächliche zurückzusinken, die nahe Heimat trat in den Vordergrund; aber indem die Men­schen der damaligen Zeit das Erleben von Bethlehem gerade in ihrer eigenen Weise sahen und liebten, gerade damit bewiesen sie, wie sehr es ihnen innerlich nahe­trat. Es war ihnen nicht das Geschehen aus fernen Jahrhunderten, sondern bas Erleben des Jetzt geworden. Das gab dem Feste der Weihnachtszeit ein geradezu in­times Erschließen der Herzen.

Es könnte nun an dieser Stelle noch recht viel von den Rundkrippen aus neapolitanischer Zeit, von den Auswüchsen des Gedankens durch französische Launen und Manieren, von einzelnen Prachtstücken maurischer Art und vielem anderen erzählt und berichtet werden; bleiben wir aber beim deutschen Krippenbau und ge- fetten wir ihm dir Gedanken der Gegenwart hinzu, so tut er not, daß wir uns ganz und gar in die stillen Reize winter-abendlicher Krippenbaustunden versenken, um durch sie Weihe und Freude in die Familie und in das eigene Herz zu tragen. Vergessen wir aber hierbei auch die singenden und bittenden Krippensungen nicht, wenn sie von Haus zu Haus unb von Tür zu Tür wandern, um mit Krippe und Lichtlein in der Hand ein paar Pfennige der Freude am Weihnachtsfest bil­lig unb willig einzuheimsen; denn auch für sie alle, alle „ist der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stabt Davibs. Und das habt zum Zei­chen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen . . .*

Weihnachtskrippen find Himmelsverkünder.

Wohl an keinem Tage des Jahres wird soviel gesten wie an Weihnachten, und eine vollzählige Aufreihung aller Weihnachtsgerichte dürfte beinahe ein Ding der Unmöglichkeit fein. Eine jede Landschaft, jeder Dolksstamm und jedes Land der Erde hat seine beson- deren Wünsche inbezug auf die Gestaltung des weih­nachtlichen Festmahles. Unbestreitbar dürste jedoch bte Tatsache sein, daß die Auswahl unter den als Weih­nachtsgerichten üblichen Braten eine verhältnismäßig geringe ist. Der unvermeidliche Truthahn hat sich von England aus über die ganze Welt verbreitet, nur in den bürgerlichen Häusern Italiens speist man Lamm­braten mit gerösteten Kastanien und in Deutschland in einigen Gegenden die gerade an Weihnachten sehr teure Gans. Am Rhein läßt man vielfach den Braten aus­fallen unb gibt statt feiner Schinken in rotem Aßmanns-

Gewürze werden dazu genommen. An der polnischen Grenze haben sich die blauen Karpfen allgemach in Karpfen in Bier verwandelt. In Altenburg nimmt man anstatt Bier Wein. Uebrigens sind die Karpfen, daneben auch Aale, jetzt in England als Weihnachts­gericht eingesührt, doch serviert man sie dort stets mit frischem Gurkensalat. In Masuren wird am Christ- abend fast überall eine Schüssel gebackener Maränen, ein fast nur in den masurischen Seen vorkommender kleiner Edelfisch, der nicht mit den „Muränen" zu ver­wechseln ist, verspeist. Auch in den Donauländern feiert man den Christabend durch den Genuß von Fi- schon, indesien ist man dort in der Wahl der Sorten nicht wählerisch, sofern nur in Bratentunke gedämpfte und nachher stark bezuckerte und mit Wein übergossene Aepfel den Gang begleiten.

Die meisten Weihnachtsspeisen liefert aber doch Eng­land. Außer dem schon erwähnten Truthahn und den Fischen ißt man im nebeligen Inf eireiche ein Pie, das mit einem Gemisch aus gehacktem Hammelfleisch, Nie­rentalg, Eiern, Reibbrot, Rosinen und Sucabe gefüllt wirb, sowie last not least, Plumpudding. Don dem letzteren erhallen sogar sämtliche Gefangenen.

Eine gewisse Berühmtheit haben auch die Berliner Mohnpielen — Nudeln mit Mohn gekocht — ohne die man sich vor zwei bis drei Dezennien ein richtiges Berliner Weihnachten überhaupt nicht vorstellen konnte. Eine Variation dieser Speise stellen die Mohnpies der amerikanischen Deutschen, sowie die Mohnknödel der Oesterreicher und Bayern dar. Mehlteig in irgendeiner Farm, mit dieser oder jener Würze, ißt man zu Weih- nachten überall, wo es eine griechisch-katholische Bevölke- rung gibt. In Südrußland unb in ber Krim leihen ihm in poetischer Weise Blumen das Aroma. Man knetet Akazien, Rosen ober Veilchenblütenblätter in den Mehl­teig, rollt ihn aus, läßt ihn in ber Sonne trocknen unb zerstößt ihn im Mörser. Diese Grütze wirb bann in Beuteln aufbewahrt unb zu Weihnachten zu Suppen unb Pudbingen verkocht, bte tatsächlich besonders kalt mit Fruchtsast sehr gut schmecken. Die armen Leute begnügen sich damit, statt ber Blumen Safran zu oer- roenben, ber überhaupt zur Weihnachtszeit in Rußland eine große Rolle spielt. Im Innern genießt man an den Feiertagen Milchreis mit Safran und in den frü­heren Ostseeprovinzen einen nach Art unserer Weih­nachtsstollen geformten Hefekuchen mit Safran, wozu bann Honigmet getrunken wirb.

Zum Schlüsse möge noch bas Weinachtsbesiert kurz erwähnt werben. Eine erste Stelle nimmt barunter das Marzipan ein. Das Königsberger Marzipan in Gestalt kleiner Halbmonde, Herzen und Sterne, mit Zuckerguß und eingemachten Früchten dekoriert, ist wohl bas bekannteste, ihm reiht sich bas mebaillonartig gepreßte ungebackene Lübecker, bas mit Fruchtgelee ge­füllte polnische unb mit Schokolade untermischte Schwei- zer an. Eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Marzipan besitzen die Frankfurter Brenten, ein dunkelbraunes Weihnachtsgebäck. Vergessen dürfen wir auch nicht die Pfefferkuchen, die Thorner Quatre chaines, im Volks- mund Kathrinchen genannt, die glasierten Holländer, die Steinpflaster, die schlesischen Bomben unb wie sie alle sonst noch heißen mögen. Denn wer vermag die Süßigkeiten aufzuzählen, die am Weihnachtsabend die bunten Teller füllen. Wenn der Lichterglanz des Weih­nachtsbaumes auf sie fällt, bann gehören sie eben zum Fest als liebe treue Genossen, denen unser Herz das ganze Jahr über gehört, bis wir sie endlich am heiligen Abend wiederhaben.

Die praktische Hausfrau.

f Richtiges waschen ber Haarbürste. Häufig wundert man sich, daß die Haarbürste so wenig hält. Die Borsten werden weich unb fallen aus. Der Grunb biefes Hebels ist im Waschen ber Bürsten zu suchen. Man reinige eine Haarbürste niemals mit Seife, nehme vielmehr etwas Soda, löse ihn im warmen Wasier auf unb lege nun die Dürste mit den Borsten nach unter in die Flüssigkeit, so­

schmelzt mit brauner Butter.

f. Duttennilchgebäck. In einen

quirlt man 5 Eigelb, Zucker unb Salz nach Geschmack, würzt ben Teig mit ber abgeriebenen Schale einer Zi­trone unb fügt soviel Mehl hinzu, als zu einem lockeren Teig nötig ist. Auf diese Masie werden 30 Gramm Back- pulver gerechnet. Don diesem Teig werden mit einem Löffel kleine Stückchen abgestochen und ht Backfett schön gelb gebacken, mit Zucker bestreut zu Tisch gegeben. Das Gebäck ist sowohl zum Kaffee, als auch zum Kompott zu

Richard Sch

Karlstraße.