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Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisbtatt.
54.Zahrg
Donnerstag, 15. Dezember 1927
Nr. 288
wie er sich wehrt. — Dor dem llbichlich der heitzen parlamcntskampagne.
Die Tagesordnung der Länderkonserenz
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Bchldungsresorm und allgemeine Staatspolitik.
Der schwere Kampf um den Ausgleich. — Was das Zentrum wollte und erreicht hat. Worte und Taten der Wirtschaftspartei. — wie Stegerwatd verleumdet wird und
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
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Der Einladung, die der Reichskanzler Dr. Marx an die Ministerpräsidenten der Länder zu der Janucrrkonferenz über Verwaltungsreform gerichtet hat und die den Ländervertretern zugegangen ist, hat laut Berl. Tageblatt der Reichskanzler eine umfangreiche Erläuterung beigefügt, die sich auf alle drei Punkte der Tages-
tionskraft der Landwirtschaft geschwächt. Wer will sich da wundern, wenn die Besoldungsvorlage in landwirtschaftlichen Kreisen keine freundliche Stimmung auszulöfen vermag?
Aehnlich liegen vielfach die Verhältnisse beim M i t t e l st a n d und Handwerk in Stadt und Land. Und wie schwierig ist die Lage der K l e i n- rentner, der Sozialrentner, der Fürsorgeempfänger und dergleichen Volkskreise mehr? .
Die Zentrumsfrakiton kann nicht einfach an derartigen Tatsachen und Notständen achtlos Vorbeigehen; würde sie das tun, dann würde sie unverantwortlich handeln. So und nicht anders liegen die Verhältnisse.
Hinzu kommen die allzu hohen Pension- und Wartegelder, die ein so armes Volk wie das deutsche nicht auch noch erhöhen kann und darf. Pensionen, die bis zu rund 28 000 Mark im Einzelfall betragen, sind Dinge, die man angesichts der heutigen Volksnot nicht einfach vom
ordnung bezieht.
Zu Punkt 1 befaßt sich das Schreiben mit verfassungsrechtlichen Fragen, der Zuständigkeit und Aufgabenverteilung zwischen Reich und Ländern, if die Notwendigkeit einer Aenderung der verfassungsrechtlichen Bestimmungen in den Beziehungen zwischen Reich und Ländern und der Länder unter sich wird hingewiesen. In diesem Zusammenhang deutet der Kanzler auf die finanziellen Schwierigkeiten einzelner Länder hin, die ohne durchgreifende Maßnahmen kaum behoben werden können. Allerdings soll „die historische Eigenart im Rahmen der Möglichkeit gewahrt werden."
Standpunkt der „wohlerworbenen Rechte" aus vertreten und verteidigen kann. Deshalb war es richtig, daß die Zentrumsfraktion beschlossen und beantragt hat, daß, wer mehr als 9600 Mark Pension, also ein Grundgehalt von 12 000 Mark hatte, hierzu keine Zulage mehr erhalten kann und darf. Ohne die Opposition der christlichen Arbeiterführer wäre wieder einmal nach der Parole gehandelt worden: „Wer hat, dem wird gegeben", oder: „Wer nichts hat, braucht auch nichts". Die Rechtsparteien haben ja darum gekämpft, daß die hohen Einkommens- und Pensionsträger noch über die weitgehende Regierungsvorlage hinaus Erhöhungen ihrer Bezüge erhalten sollen.
Angesichts dieser Verhältnisse war es notwendig, dis sozialen Gesichtspunkte stark zu betonen und durch die Zentrumsfraktion eine'Politik weiser Mäßigung in der Befoldungsfrage zu betreiben. Damit diente die Zntrummsfraktion dem Volksganzen und der Beamtenschaft zugleich.
Zu Punkt 2: „M aßnahmen zur Gewährleistung sparsam st er Finanzpolitik" nennt der Reichskanzler Gesetzes- oder Verwattungs- maßnahmen, die sich gegen ein Uebermaß laufender, besonders aber auch einmaliger außerordentlicher Ausgaben richten sollen. Die Stellung des Finanzministers im Ministerkollegium und die Stellung der Regierung gegenüber dem Parlament in Aus-
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
Rach unsäglich mühsamen Verhandlungen mit ihren aufreibenden und aufregenden Kämvfen :st nun endlich die Besoldungsvorlage zur Verabschiedung reif geworden. Von der Zermürbung, die solche seit Monaten und in den letzten Wochen mit stärkster Eindringlichkeit und Nachdrücklichkeit geführten Verhandlungen im Gefolge haben, machen sich Außenstehende doch wohl nicht die richtige Vorstellung. Umso größer ist wohl das Gefühl der Erleichterung innerhalb und außerhalb des Reichstags, daß diese Frage, die so viele Unruhe in unser ganzes politisches und soziales Leben gebracht hat, nunmehr zu einer Erledigung gekommen ist.
Wenn es dahin kam und wenn ein sozusagen glimpfliches Ergebnis dabei erzielt worden ist, das, soweit es bei einem Kompromiß nun einmal möglich ist, allen Beteiligten gerecht zu werden sucht, so ist das ein starker Ersolg der unermüdlichen und kraftvollen Arbeit der Zentrumsfraktion des Reichstags. Was ihre Unterhändler in den letzten Wochen und Tagen in vielstündigen zähen Sitzungen geleistet haben, und was sie in solchen Verhandlungen dann anderen Regierungsparteien an Zugeständnissen gegenüber der Auffassung des Zentrums abrangen, wird in seiner ganzen Bedeutung und Auswirkung erst später zu erkennen sein. Jedenfalls haben sich die Unterhändler des Zentrums den aufrichtigsten Dank nicht nur der Fraktion, sondern auch der Partei verdient, und wir sind sicher, daß dieser Dank, der in der Fraktion schon ausgesprochen wurde, auch das Echo im Lande selbst finden wird.
Zeitweise schien die Situation in der Besoldungsvorlage total verfahren. Da diese Frage nicht isoliert für sich betrachtet werden konnte und durfte, sondern bie gesamt politischen und gesamt wirtschaftlichen Probleme unserer Tage, namentlich auch nach der sozialen Seite hin mit ihren Ausstrahlungen nach der Arbeiterschaft, dem Handel, dem Mittel st and, dem Gewerbe, der Landwirtschaft aufgeworfen worden waren, war man oft genug wegen der Größe der zu bewältigenden Aufgabe und ihrer Schwierigkeiten förmlich mutlos geworden. Mer unverdrossen haben nicht nur die Beamtenvertreter der Fraktion, sondern auch diejenigen Persönlichkeiten und Unterhändler, die die Wahrung der aufgeworfenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen zu beobachten sich angelegen sein ließen, an der Bewältigung des schweren Problems gearbeitet.
Trotz aller Einwendungen und Bedenken, die man im einzelnen haben mag, kann sich das Ergebnis ruhig sehen lassen. Dem Zentrum ist es nämlich gelungen, mit dieser Besoldungsvorlage, die an sich eine Notwendigkeit war und endlich
Zur Beso!-ung§vorlage.
Von Abgeordneten Andre- Stuttgart.
Arif Weihnachten werden die Beamten ihre Be- soldungserhöhrlng voraussichtlich erhalten. Der R e i ch s t ag dürfte die Vorlage mit großer Mehrheit annehmen. Dann wird wieder mehr Ruhe in den Kreisen der Beamten eintreten und mancher Rufer in Streit und Kampf wird erkennen, daß die Haltung der Zentrumsfraktion nie eine beamtenfeindliche oder gegnerische war.
Praktisch liegen die Verhältnisse doch so, daß der vom Zentrum gestellte Reichssinanz- minister Dr. Köhler die Besoldungsvorlage eingebracht und, allen Schwierigkeiten standhaltend, vertreten hat. Die beiden Vorgänger des jetzigen Reichsfinanzministers haben der Beamtenschaft zwar Versprechungen gemacht, aber nichts Wesentliches für sie getan. Die jetzige Besoldungserhöhung brauchte keine so hohe zu sein, wenn insbesondere der frühere demokratische Reichsfinanzminister Dr. Reinhold seine Pflicht gegenüber den Beamten getan und mit einer den damaligen Verhältnissen angemessenen Vorlage vor den Reichstag getreten wäre. Statt dessen wurden die Beamten mit Reden über den Steuer- und Preisabbau vertröstet, während die Preise weiter in die Höhe gingen. Die Erbschaft, die Dr. Köhler vorfand, war also keine angenehme. Trotzdem hat gerade der jetzige, viel kritisierte und angefeindete Finanzminister sein Interesse für die Beamtenschaft durch eine große praktische Tat bestätigt. Diese Tatsache steht fest, und sie kann nicht hinwegdiskutiert werten.
Worin beruhten nun die hauptsächlichsten Schwierigkeiten in der Zentrumsfraktion?
Zunächst darin, daß die Art und Weise bemängelt wurde, wie die Besoldungsvorlage in der bekannten Magdeburger Beamtenversammlung in ihrem wesentlichen Inhalt angekündigt und der breitesten Oeffentlichkeit unterbreitet worden ist. Die Zentrumsfraktion aber hatte zuvor keine Gelegenheit, zu der finanz- und volkswirtschaftlich hochbedeutsamen Vorlage Stellung zu nehmen. Reichsfinanzminister Dr. Köhler kann allerdings geltend machen, daß die in, Berlin vertraulich behandelten Fragen regelmäßig v o r z e i - t i g an die Oeffentlichkeit kommen, und daß er demzufolge den Inhalt der Vorlage wie ein Geheimnis gehütet habe. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, daß im Zeitalter des parlamentarischen Systems mit den bei dieser Frage beliebten Methoden auf die Dauer nichtregiert werden kann. Es kann dem Reichstag nicht zugemutet werden, derartige Fragen einfach k r i t i k l os hin- zunehmen und das zu akzeptieren, was ihm von der Regierung voroeschlagen wird.
Die Beamtenschaft übersieht, daß Vorlagen, welche die Lebensinteressen anderer Volkskreise berühren, oft heftig umstritten sind. Nehmen wir zum Beispiel die Frage der landwirtschaftlichen Schutzzölle. Was wird auf diesem Gebiet nicht alles Mögliche gegen die wichtigsten Interessen der Landwirtschaft zusammengetragen und geredet! Eine kritische Einstellung zur Besoldungsfrage hat deshalb mit einer Gegnerschast gegenüber den Beamten oder dem Berufsbeamtentum an und für sich n i ch t s zu tun.
Es galt, diese Fragen kritisch zu prüfen, ob erstens der ganze Umbau der Besoldungsordnung notwendig war und ob nicht unter Beibehaltung der seitherigen Besoldungsordnung in Form von prozentualen Zuschlägen die Regierungsvorlage hätte übersichtlicher gestaltet und leichter hätte durchgebracht werden können.
Zweitens mußte die Deckungsfrage aufgeworfen und klargestellt werden. Noch jetzt scheint mir diese Frage die kritischste von allen mit der Besoldungsvorlage zusammenhängenden Problemen zu sein. Wehe des Reichstag, der aus lauter Agitationsrücksichten eine M i l I i arden- Vorlage ohne eingehendste Würdigung des Deckungsproblenrs einfach verabschieden würde.
Dis Zentrumsfraktion des Reichstags hat eine nach rein fachlichen Gesichtspunkten eingestellte Politik zu machen. Sie kann nicht dem sozialdemokratischen Beispiel folgen und Anträge einbringen, die eine weitere Milliarde erfordern würden und gleichzeitig Anträge astf Steuerabbau stellen. Eine derartige Haltung ist eine Agitations- aber keine Staats- und Beamtenpolitik.
Drittens war die Auswirkung der Beamtenbesoldungsvorlage auf die Preisentwicklung und die wirtschaftliche Lage der anderen wichtigen Berufs stände zu prüfen.
Tatsächlich stehen künftig die Beamten auch der unteren Gruppen wesentlich besser, als die mit ihnen vergleichbaren Arbeiterschichten. Wie wäre es, wenn einmal der eine oder andere Beamtenvertreter, der nicht genug auf Stegerwald oder Imbusch in letzter Zeit hat schimpfen können, nur einmal einen Monat hindurch als Bergarbeiter bei kargem Lohn unter Tags arbeiten würde oder müßte? Er würde dann erkennen, daß es auf der „anderen Seite" auch wichtige Interessen zu vertreten gibt, die bei einer derartigen Vorlage mit zu Sprache gebracht werden müssen. Die Lage des arbeitenden Volkes ist gekennzeichnet durch die Unsicherheit der Existenz, durch vielfach zu niedrige Löhne und mangelnde Alters- und I n - v a li d e n v e r so r g u ng. Die Beamtenschaft muß diese Tatsachen auch sehen und es ist dann eine Verständigung viel eher möglich.
Die Verschuldung der Landwirtschaft beträgt 12 Milliarden Mark. Schlechte Ernten der etzten Jahre in Verbindung mit einer starken steuerlichen Belastung und vielfach mangelndem »der ungenügendem Schutzzoll haben die Produk-
gabefragen wird untersucht. Der Reichskanzler hält es für notwendig, zu prüfen, ob nicht durch gesetzliche Bindungen grundsätzlicher Art eine Einschränkung der Ausgaben erzielt werden kann. Dabei ist wohl an ein Vetorecht des Finanzministers gedacht, das nur durch eine qualifizierte Parlamentsmchr- heit beseitigt werden kann. ___________
Zu Punkt 3: „Verwaltungsreform im Reich und in den Ländern" verlangt der Kanzler ein einheitliches und gemeinsames Vorgehen. Er spricht von der Notwendigkeit wirtschaftlichen Zusammenschlusses zu Zweckverbänden und hebt hervor, daß die Verwaltungsorganifation den Bedürfnissen der Wirtschaft anzupassen ist. Schließlich enthält die Schrift des Reichskanzlers auch einen Hinweis auf das Enklavenproblem und auf eine verbesserte Grenzziehung unter den Ländern.
Für jeden Punkt find Referenten und Korreferenten bestellt. So sind zu Punkt 1: „Veränderung des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern" der Hamburger Bürgermeister Dr. Petersen und der würstembergische Staatsminister und Staatspräsident Bazille um Uebernahme der Hauptreferate gebeten. Ferner wurde an die Ministerpräsidmten von Preußen und Bayern, Braun und Held, das Ersuchen gerichtet, die Korreferate zu halten. Die Zustimmung der eingeladenen Minister ist zu erwarten.
werden. ..... <_
Erzielt ist nunmehr eine Ueberemstlmmung dahin, daß gesetzliche Bestimmungen hinsichtlich emer Vereinsachung der Verwaltung zum Zwecke der Erzielung von Ersparungen in der öffentlichen Fi- nanzwirtschast geschaffen wurden. Es handelt sich um nichts geringeres, als um einen erneuten Beamten abbau, so zwar, daß auf fünf Jahre hinaus jede dritte frei werdende Stelle nur mit Zustimmung des Finanz Ministers wieder besetzt werden darf. Halbjährlich muß über diese Genehmigung des Finanzministers Rechenschaft dem Reichstage erstattet werden.
Hier handelt es sich gewiß um eine scharfe und einschneidende Bestimmung, die eine Vereinfachung des Beamtenkörpers in weitestem Umfange bezweckt, die aber nach Lage der Dinge unerläßlich ist.
Weiter ist es dem Zentrum gelungen, daß gesetzlich festgelegt wird, daß eine Auswirkung dieser ebenerwähnten Bestimmung auch auf die Länder, Kommunalverbände und Organe des öffent-- lichen Rechts, also Handelskammern, Krankenkassen usw. erfolgt.
Des wetteren sind diese Kommunalverbände und Organe des öffentlichen Rechts gesetzlich verpflichtet worden, die Einstufung der Beamten so vorzunehmen, daß sie nicht in der Form wie in der finanziellen Auswirkung über die entsprechenden Regelungen der Reichsbesoldungsordnung hinausgehen. Diese Bestimmung ist insbesondere wichtig im Hinblick auf den neu zu schaffenden Finanzausgleich, um zu verhüten, daß dann neue Forderungen bezgl. der Verwaltungsausgaben gefielt! werden.
Weitere Forderungen des Zentrums bezogen sich auf eine Erhöhung der Altersgrenze von 63 auf 68 Jahre und auf Anwendung der Besoldungsordnung und ihrer einzelnen Bestimmungen auf die Reichspost. Außerdem hatte das Zentrum eine anderweitige Regelung des Urlaubs ebenfalls mit dem Ziel der Verminderung der Kosten angestrebt. Ferner wünschte das Zenttum eine Pensions-Küitzung bei Einkommen von mehr als 8000 Mark.
Bei diesen letzteren Forderungen konnte das Zentrum gegenüber dem Widerstand der Rechts-
geschasfen werden mußte, den Grundstein einer großzügigen Verwaltungsreform zu legen Und was das Wichtigste ist: Das Zentrum hat es trotz der größten Widerstände,, trotz Schwierigkeiten, 6ie wiederholt die fast völlige Ausnchts- lofigkeit solcher Versuche gegeben erscheinen ließen, zuwege gebracht, daß auch die Rechtsparteien seinen Vorschlägen ht allen wesentlichen Teilen zu stimmt en. Bis es dahin kam, mume freilich eine harte und mühselige Arbeit geleistet
Parteien nicht durchdringen. Namentlich war das Verlangen nach der P e n s i o ns - Kür z u ng. nicht durchzubringen, weil die Recht sp artet en . erklärten, daß sie im Falle ihrer Zustimmung zu dieser Fo^ derung dann aber auch die vom Zentrum nach vieler Mühe erreichte Bestimmung, wonach Pen- sionen für Einkommen über 12 000 Mark ®runb« gehakt nicht erhöht werben dürfen und wonach die Pensionäre überhaupt nicht eingestuft werden sollen, nicht mehr akzeptieren könnte. Dem Zenttum erschien es aber mit Recht wichtiger die Penstons- grenze festzusetzen und an der Nichteinstufung der Pensionäre festzuhalten. ,
Weiter war es auch nicht möglich, die Heraufsetzung der Mtersgrenze von 65 auf 68 -payre zu erreichen, weil geltend gemacht wurde, daß das größte Land, Preußen, unter allen Umstanden an dieser Grenze festhält und somit Schwierigkeiten im Reichsrat zu erwarten gewesen wären. Angesichts der politisch und wirtschaftlich überragenden Bedeutung der übrigen von den Regierungsparteien angenommenen Forderungen des Zentrums konnte schließlich die Zentrumspartei sich damit einverstanden erklären, daß diese kleineren Verstimmungen zunächst nicht einer gesetzlichen Regelung zugesührt werden. Dafür hat aber das Zentrum in einer besonderen Entschließung sich die Geltendmachung aller seiner Ansprüche und Forderungen Vorbehalten, die dann einer späteren Regelung Vorbehalten bleiben sollen. Die Fordemn- gen an sich also wegen der Pensionskürzung, einer anderen Regelung des Urlaubs und der Erhöhung der Altersgrenze werden vom Zentrum durchaus ausrechterhalten. In der Pensionärfrage wird ohnehin eine endgültige Regelung alsbald erfolgen müssen, für die die Vorarbeiten innerhalb der Reichsregierung auch schon ziemlich fertiggei- stellt sind.
Von ganz besonderer Bedeutung ist es dann, daß das Zentrum auch eine Verminderung der Behörden selbst fordert, die durch Zusammenlegung kleinerer Behörden zu einet größeren oder aber durch Auflösung kleinerer Behörden und Ueberführung in größere Organisationen erfolgen soll.
Weiter fordert das Zentrum in Berücksichtigung aller Klagen des Mittelstandes das Verbot der Nebenbeschäftigung für Beamte, namentlich dort, wo es zu einer Konkurrenz für den kaufmännischen und gewerblichen Mittelstand wird.
Durch besondere Kontrollmaßnahmen, wie eine jährliche Nachweisung der Zahl der Beamten und der Art ihrer Einstufung, wird ferner der Volksvertretung ein starkes Mittel in die Hand gegeben, um auf die Innehaltung aller derjenigen Maßnahmen zu bringen, die jetzt zum Zwecke der Erzielung einer Verwaltungsreform geschaffen werden sollen.
Daß es gelungen ist, die Regierungsparteien, namentlich die beiden Rechtsparteien auf diese einheitliche Linie zu bringen, ist in der Tat ein sehr starker und in vielen Stadien dieser wechselvollen Verhandlungen für ganz unmöglich gehaltener Er- folg, den wir der zähen, aber auch klugen, stets der Verantwortung gegenüber der Gesamtheit sich bewußten Politik der Zentrumsfraktion verdanken.
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Eine unmittelbare Verbindung der bringens) notwendigen erweiterten Mrsorge für die Invaliden-, Sozial- und Kleinrentner, namentlich auch für die Werkspensionäre mit der Besoldungsvorlage hat sich aus etats- und staatsrechtlichen Gründen nicht ermöglichen lassen. Dank dem Vorgehen der Zentrumsfraktion des Reichstags ist es aber möglich geworden, doch diesen bedürftigen Kreisen schon zu Weihnachten einen gewissen Aus- gleich zu gewähren Der Reichsfinanzminister hat einen Betrag bis zur Höhe von 25 Millionen Mark zur Verfügung gestellt für einmalige Zuwendungen an die bezeichneten Kreise. Für die Verteilung hat die Zentrumsfraktion genaue Vorschlag« gemacht, worüber hier bereits berichtet wurde. Sicherlich ist das System einmaliger Zuwendungen durchaus nicht empfehlenswert, aber als Notbehelf muß es hingenommen werden, und ist es in diesem Falle durchaus zu begrüßen.
Unabhängig davon wird eine Dauerregelung ber Invalidenrenten im ganzen alsbald erfolgen müssen und die diesbezüglichen Arbeiten sind ebenfalls bank der energischen Arbeit ber Zentrumsfraktion und ihrer Vertreter im sozialpolitt- sehen Ausschuß jetzt in vollem Gang. Man wird zu bem Zwecke ber Beschaffung ber erforberlichen Mittel prüfen müssen, ob größere Abstrei, (jungen an bem freilich schon sehr stark durchgekämmten neuen Etat möglich sind, oder ob durch die Höhersetzung von Einnahmen Mittel gesichert werden können.
Die Verhandlung im Reichstag.
In der Sitzung des Reichstags am Diens- tag, über deren Beginn schon berichtet wurde, gab der Zentrumsabgeordnete Allekotte namens der Zentrumsfraktion des Reichstags zur Besoldungsvorlage folgende Erklärung ab:
Die Zentrumsfraktion des Reichstags ist einmütig der Auffassung, daß eine Erhöhung der Bezüge der Beamten, nachdem diese mehrfach gefordert und in Aussicht gestellt worden ist, nicht mehr länger hinausgeschoben werden kann. Meinungsverschiedenheiten haben sich in der Zentrumsfraktion nur geltend gemacht hinsichtlich des Ausmaßes und der außen- und innenpolitischen Auswirkungen.
Das Gesamtverhältnis zwischen Reich und Ländern harrt noch der Regelung. Der endgültige Finanzausgleich und eine organische Verwaltungsreform stehen noch bevor. Breite Schichten des Volkes haben in den letzten Jahren durch Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und kärgliches Einkommen gelitten. In den Schlüsselindustrien, im Bergbau und in der Großeisenindustrie, werden teilweise noch unverhältnismäßig niedrige Löhne gezahlt, andererseits ist noch eine ungebührlich