nicht leugnen, daß mir der Gedanke gräßlich war, diese Schmutzgeschichte könnte an die Oeffentlichkeit kommen, der gute alte Name Termöllen in den Schmutz gezogen werden. Trotz meines inneren Widerstrebens brachte ich es über mich, das Mädchen zu bitten, von einer Anzeige abzusehen. Das versprach sie mir auch und verlieh mich ' schließlich."
„Und du hast dich wahrscheinlich nicht einmal nach ihrem Namen und ihrer Wohnung erkundigt, um dieser romantischen Geschichte auf den Grund gehen zu könnend Habe ich es erraten?"
„Wozu sollte ich noch weitere Nachforschungen anstel. len und in dem grauenvollen Schmutze herumwühlen, der vor meinen Augen enthüllt worden war! Daß das Kind die reine Wahrheit gesagt hat, darauf hätte ich jeden Eid schwören können."
„Und worauf gründet sich diese deine feste Ueberzeu- gung? Etwa nur auf das unschuldige Gesicht der Anklägerin?"
„Wer in diese Augen geschaut hatte und noch zwei- feite, der glaubte keinem Menschen mehr —".
„Und was geschah dann weiter?"
„Das ergab sich ganz von selbst: Ich reiste auf bei Stelle zu einer Pensionsfreundin, ohne von Erich Abschied genommen zu haben. Seine Briefe gingen uneröffnet zurück und ich trat erst die Heimreise an, als ich bestimmt erfahren hatte, daß Erich zur Front zurückgekehrt war. Inzwischen war Harry angekommen. Allen meinen Stolz raffte ich zusammen, um keinem Menschen die bittere Enttäuschung sehen zu lassen, die mich erfüllte. Ich kam mir entehrt und beschmutzt vor, weil nh einem so verworfenen Menschen wie Erich meine Liebe geschenkt, mich von ihm hatte küssen lassen. Diese traurigste Episode meines Lebens mußte so rasch als möglich abgeschlossen werden. Als mir darum Harry seine Neigung gestand und um meine Hand bat, bedachte ich mich nicht lange. Als Harrys verlobte Braut war ich Erich ein für allemal unerreichbar. Darum willigte ich ein, obgleich mein Herz an dieser Verlobung gänzlich unbeteiligt war. Um so schmerzlicher empfand ich aber auch den Schlag, als Harrys Tod gemeldet wurde. Wenn es Erich einsiel, wieder nach Hause zu kommen, dann blieb mir nichts als die Flucht übrig. Und auch jetzt gedenke ich zu diesem Mittel meine Zuflucht zu nehmen. Meiner Meinung nach wäre es das beste, wenn wir so bald als möglich nach Berlin abreisten."
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Munitionsdepot in die Luft geflogen.
wtb. Paris. 9. Dez. (Eig Funkm.). Nach einer Agenturmeldung aus Bukare st sind infolge einer Explosion in einem Munitionsdepot in Oramtza mehrere Soldaten getötet und eine große Anzahl verletzt worden. Infolge der Explosion entstand ein Brand, dem 40 Häuser zum Opfer fielen.
telmerz. S‘/4 Uhr Amt und Predigt. — vieterrhcm. Uhr Amt und Predigt.
* Schwerer Unfall in einem amerikanischen Elektrizitätswerk. Vier Arbeiter einer Baufirma, die an einem Wasserelektrizitätswerk am Gatineau- Fluß arbeiteten, ertranken dadurch, daß sich ein Sckwimmbaum, auf dem sie arbeiteten, losriß.
* Ueberschwemmunaen in Italien. Aus Cremona melden die Blätter, daß infolge des andauernden starken Nenens alle Flüsse der Umgebung Hochwasser führen und zum Teil schon über die Ufer Getreten sind. Biele Felder stehen unter Wasser und eine Reihe von Häusern mußte geräumt werden. Auch aus Reggio (Kalabrien) werden durch Gewitter hervorgerufene Ueberschwemmun- gen gemeldet. Die Züge erlitten große Versvatun- oen.' In einer Gemeinde in der Nähe von Reggw sind mehrere Häuser infolge Erdrutsches zusammen- gestürzt. wobei zwei Menschen ums Leben kamen.
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EvangelL b r Gottesdienst.
Fulda.
11. Dez. 3. Advent. Borm. 9H Uhr: Pfr. Weber. Uhr: Kindergottesdienst. Abends 6 Uhr: Cup. Ruhl.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer AcNendruckerel. Fulda
X 284.
Samstag, 10. Dezember 1927.
Brief aus Rom.
Von unserer römischen Mitarbeiterin
kardinal Giovanni Lanzano.
Obwohl erst seit fünf Jahren im Hl. Kollegium, zählte Kardinal Bonzano doch zu bekanntesten und angesehensten Kurien - Kardinälen. Und so hat sein am 26. November erfolgter Tod die allgemeinste Teilnahme in ganz Rom erregt, was sich besonders durch die zahllosen Besucher bei seiner zwei Tage ausgestellten Leiche gezeigt hat. Kardinal Bonzano war Missionar und die Miss'ons- arbeit war seine vornehmste Tätigkeit. Nachdem er nicht mehr aktiv in den fernen Msfionsländern, wo er über zehn Jahre geweilt, wirken konnte, widmete er auf seinem Posten als R-'^'or des Kollegs der Propaganda Fide seine 0/ Kraft der Erziehung künftiger Missionäre. H hat ei großartiges geleistet. Biele heutige a ostolische Vikare und Präfekten, unzählige Missionspriester sind aus seiner Schulung hervorgeganger Auch als Apostolischer Delegat in Nordamerika errang et große Erfolge für die katholische Kirche. Heute noch lebt er im Andenken der amerikanischen Katholiken, ja selbst der dortigen Protestanten fort. Milde und versöhnlich in seinem ganzen Auftreten, überaus fein und klug in all seinem Tun und Reden, immer ganz beseelt von der Größe seiner Aufgabe als Vertreter des Katholizismus und vor allen Dingen belebt von einer überaus tiefen Frömmigkeit, wurde Kardinal Bonzano, wo immer ihn das Vertrauen von drei Päpsten hinsandte, der Mittelpunkt für das katholische Leben. Wie viel er als Kardinal hier gearbeitet hat, zeigt am besten die lange Liste der vielen römischen Kongregationen, denen er als Mitglied angehörte, und zwar waren das die Kon- fistorial-Kongegration, die des Konzils, der Propaganda Fide, der außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten, der Seminarien und Universitäten und der orientalischen Kirche. Außerdem war der verstorbene Kardinal Mitglied des obersten Gerichtshofes, der Segnatura Apostolica und der Protektor zahlreicher Orden und Kongregationen, besonders solcher, die sich den Missionen widmen. Die Titelkirche des Verstorbenen war die schöne alte Basilika von Santa Susanna an der via XX Septembre, die zugleich seit einigen Jahren die Nationalkirche der nordamerikanischen Katholiken ist und von den Paukisten pastoriert wird. In Amerika war der Kardinal auch Apostolischer Leksat beim letzten eucharistischen Weltkongreß in Chicago allgemein bekannt geworden. Schon seil längerer Zeit fühlte sich der Kardinal leidend, ohne jedoch seiner Gesundheit allzu viel Beachtung zu schenken. Zuletzt ober mußte er sich eines weit vorgeschrittenen Magenleidens halber in ärztliche Behandlung begeben und suchte zu diesem Zweck die prächtige neu eröffnete Klinik der Kreuzschwe- ftern auf, in welcher er auch wenige Tage nach der schweren Operation sanft verschieden ist. Seine Leichenfeier gestaltete sich zu einer überaus imposanten Trauerfeier, an der 22 Kardinäle, zahlreiche Vertreter der beim Heiligen Stuhle beglaubigten ^Diplomaten und eine ungeheure Volksmenge teilnahmen. Die Aufbewahrung in der Herz-Jesu-Bc' lika der Salesianer war überaus eindrucksvoll ’ ganz nach dem vorgeschriebenen Zeremoniell er geführt. Auf einem hohen Katafalk stand der Sarg, der mit dem roten Kardinalshut bedeckt war. Rings umgaben den Katafalk die tradionel- len 100 hohen gelben Wachskerzen und an jeder Ecke je eine Fackel auf hohem Kandelaber, wie der vorgeschriebene Trauerpomp für einen toten Kar-
Amtswoche: Pfr. Weber.
Bad Salzschlirf.
Vorm. Wi Uhr: Sup. Ruhl.
Schloß Bieber st ein.
Vorm. 9% Uhr: Pfr. Dr. Fritsch.
Fulda.
Dienstag, den 13. Dez., abends 8 Uhr: Kirchenchor.
Mittwoch, den 14. Dez., abends 8 Uhr: Bibelstunde.
Evangelische, landesklchrllche Gemeinschaft, Buttlar st raße 17.
Sonntag, 11. Dez, abends 8 Uhr: Evangelisa- tionsvortrag.
Dienstag abend 81/» Uhr: Bibelstunde.
Jedermann ist herzlich eingeladen.
nacb dem Gottesdienst, an Sonn- und Feiectaaen auch im Hocbamt. — SoDalität Vormitta 3 um 1Z»H' Uhr Gottesdienst. — St Stnrmiur-V arrkirche. b,8 Frühmesse mit -'insprache. Bor und während derselben wird die ht. Kon m n. aus >etei!t. Komm, der Jünalinne und Kinder de^ 7 S-tmljcwres. >/,10 Hochamt mrt Pred. '' 2 Christent ? Adventsandacht. — kldteikirche der Benediktinerinnen- Sonnra s 6 Uhr Konventamt, nachmittags 3 Uhr Vesper; werktags 6 Uhr stille Messe, b-9 Uhr .Konventamt, nach, mitlaas 3 Uhr Vesper. - Severikirch«. Vormittags um 8 Uhr Oberreatschulgottesdienst. — herz-Zesn- sieim. 7 Uhr hl. Messe. 9 Uhr Hochamt und Predigt. Ausnahmsweise um ll/a Uhr nachmittaas Andacht. — Frauenberg Hl. Messen von 5 bis 7 Uhr. 8 Bruderschaftsmesse mit Prediat und liturg. Gebeten, 9 Uhr Lebitenamt mit Predigt. 2 Uhr Predigt und Andacht für die Ter. ziaren nebst Einkleidung und Profeßabnahme. 5 Andacht zu Ebren der unbest. Empfängnis Mariä. — ^rledhofrkap. am rranzo enwäldchen. «onntag: 6V< hl. Messe mit Ansprache und Komm.-Austla. Werktags: Vi8 Uhr hl. Messe
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Standesgenossen anzusehen? Solche Forderungen stellt man an keinen anderen Berufsstand. Der würde sich eine solche Einmischung ganz bestimmt auf das entschiedenste verbitten. Warum denn also das Geschrei, wenn auch die Arbeitnehmer das gleiche tun und über die Reinlichkeit ihrer Standesorganisation wachen? Zudem hatten die Gelben überreichlich Gelegenheit, auch ihrerseits Wabsvorfchlaalisten einzureichen, wenn sie 500 Unterschriften zusammenbrachten. Wo sie es versucht haben, sind sie kläglich gescheitert, indem sie selbst bei dieser verhältnismäßig kleinen Zahl zu Schwindelmanövern ihre Zuflucht nehmen Mußten. Bei den Wahlen zttr Angestelltenversicherung proklamierten sie im Gefühl völliger Ohnmacht von vornherein Wahlenthaltung. Besser konnten sie wirklich nicht ihre völlige Einflußlosiakeit in der Arbeiterschaft demonstrieren. Angesichts dieser Ansichten von einer undemokratifchen Bevorzugung der berufenen Inter efsenvertretungen der Arbeitnehmer zu reden, ist demnach eine irrige Auffassung nicht ganz uninteressierter Kreise. Wenn sie sehen wollten, dann könnten die immer noch vertrauensseligen Unternehmer aus den sozialen Wahlen lernen, wie erbärmlich wenig hinter den großsprecherischen Worten ihrer Schützlinge steckt, wenn sie nraWfrb die B-msu aufs E^emvel machen sollten.
Ms lehren uns die sozialen Wahlen \
Aus Eerverkschaftskreisen wird uns geschrieben: Die sozialen Wahlen, die nunmehr wohl zum größten Teile beendet find, haben wieder einmal gezeigt, daß der Erfolg hier wie bei allen öffent- jjchen Angelegenheiten von der Initiative und der . Tatkraft einiger weniger Führer abhängt. UeberaH da. wo sich ein paar beherzte Männer um eine Idee gruppierten, wurden die Wähler- ; prassen sich ihrer Bedeutung für die Wahl bewußt, - erreichte man eine Wahlbeteilgung bis zu 90 Prozent, während in den anderen Gebieten eine geradezu katastrophale Gleichgültigkeit der Wähler zu beobachten war. Em pauz natürlicher Vorgang, da das Trägheitsgesetz der Natur auch vor den Menschen zumal in ihrer Zusammenfassung nicht Halt macht. So kann man nur aus den Bezirken, wo die Massen aui- aerüttett wurden, aus den Wahlergebnissen tre Gesinnungseinstellung der Wählerschichten und die Zugkraft der in den Wahlparolen zum Ausdruck .< gebrachten Idee herauslesen. Und da darf man mit
Genugtuung feststellen, daß trotz der scheinbar d»m kapitalistisch-sozialistischen Zeitgeiste günstigen At- I moiphären' bei den Arbeitnehmern eine gesunde f und, gemessen an der allgemeinen Stimmung, über den Durchschnitt liegende Tendenz zum dir ist - lich-gewerkschaftlichen Volksgemeinschaftsgedanken vorhanden ist. In weit stärkerem Maße, als man bisher anzunehmen gewohnt war. Der chriftlicl'-gewerkfchaftliche Gemeinschaftsgedanke Hat nur eine'Schwäche, nämlich, daß er sich seiner starken Verwurzelung in der breiten Oeffentlichkeit gar nicht bewußt ist. Auch die abgefchlosie- nen Kompromisse zeigen in ihren Ergebnissen durchweg eine unbegründete Zaghaftigkeit, wo der Wagemut eines sieghaften Selbstbewußtseins viel eher am Platze gewesen wäre. Jedenfalls lehrt uns die Wahl in ganz augenfälliger Weife, daß der -hristlich-gewerkfchaftliche Volksgemeinschafts- gedanke ein frisch-fröhliches Messen mit dem Materialismus unserer Tage nicht zu fürchten braucht, vorausgesetzt, daß die Führer mit Entschlossenste^
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und Zielbewußtsein die Situation zu meistern verstehen. Wenn das überall erkannt wird, dann haben die sozialen Wahlen auch in dieser Hinsichr ihren Zweck erfüllt.
Wenn die „Deutsche Allgemeine Zeitung (525/526/1927) es als sicher nicht im Sinne einer wahren Demokratie gelegen bezeichnet, daß man bei ben Gewerkschaften die Aktivlegitimation zur Einreichung der Wahllisten, die die andern erst beweisen mußten, voraussetzte, so findet sie sich in einem befremdenden Irrtum. Zunächst ist die Handhabung bei den politischen Wahlen nicht anders. Und was soll denn die uferlose Unbegrenztheit in der Einreichung der Listen anders bezwecken, als das Wahlgefchäst durch nicht lebensfähige Eintagsfliegen oder dunkle antisoziale Kräfte zu erschweren. Praktisch kommt daher ganz bestimmt nichts heraus. Höchst inerkwürdig nimmt vs sich bloß aus, daß sich fernstehende Kreise immer wieder als die Kavitolswächter der „armen, unterdrückten" Gelben aufspielen. Man fragt sich, welches Interesse haben diese Fernstehenden, zu denen auch die „Deritsche Allgemeine Zeitung" gehört, daran, den Arbeitern die unerhörte Zumutung zu stellen, gelinde gesagt, Standesunwür- dige und von den Unternehmern Abhängige als
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Das Haus Termöllen.
Roman von Emil Frank.
„Irma, habe doch Vertrauen zu mir! Sprich dich aus, was bedrückt dich! Ich habe dir ja schon gestern meine Meinung über Erich gesagt. Und ich kenne Erich genau. Er ist ja nicht gerade offenherzig. Und doch konnte ich jederzeit in seiner Seele lesen wie in einem aufgeschlagenen Buch —"
„Und gerade Bücher lügen so oft! Das sollst du doch wissen!" unterbrach sie ihn mit tonloser Stimme.
„Zugegeben. Aber Erich lügt nicht! Ich. bin überzeugt, du bist das Opfer böswilliger Verleumder geworden, die dir in ganz bestimmter Absicht Verdächti- gungen gegen Erich einbliesen. Und gerade darum, weil du Erich früher so sehr vertrautest, empfandest du die Enttäuschungen doppelt tief!"
„Wenn es sich nur um Verdächtigungen gehandelt hätte, wäre mein Glaube nicht so schnell zusammengebrochen!"
.Fast du denn Beweise in den Händen?"
„Richt in den Händen. Dafür war Erich viel zu klug, als daß er irgend etwas von sich gegeben hätte, was ihn auch nur im geringsten belasten konnte."
„Und wenn er nun nichts zu verbergen gehabt und darum auch nichts Belastendes hätte aus den Händen geben können? Deine Erregung läßt doch nur den einen Schluß zu, daß es sich um unehrenhafte Dinge handeln muß. Ich wiederhole noch einmal: Erich ist , einer schlechten Tat nicht fähig!"
„Ob man sein Tun schlecht oder unehrenhaft nennen kann, das kommt lediglich auf die Auffassung an. Ich habe leider keine andere Bezeichnung dafür."
„Aber so sage mir doch, was ist denn um des Himmelswillen geschehen?"
Irma schwieg lange Zeit und schien keine Lust zu [ haben, dem Drängen des Bruders nachzugeben. Da sagte Bruno endlich in tiefstem Ernst: „Traust du mir denn im Ernste zu, daß ich mich für einen Menschen einsetzen würde, dessen Ehrenschild nicht spiegelblank ist? Soll ich aber in Zukunft auf Erichs Umgang verzichten, nur weil du mir einige vage Andeutungen gemacht hast? Das widerspricht meiner Auffassung von Gerechtigkeit. Anders aber ist es, wenn ich bestimmt weiß, worum es sich handelt. Selbstverständlich würde Erich lauen, wellen man ihn beschuldigt. Und wenn
er sich nicht restlos zu rechtfertigen vermag, dann müßte ich die alten Beziehungen zu ihm abbrechen. Wir würden das Termöllensche Haus verlassen —"
„Das müssen wir ohnedies tun, sobald Erich heimkehrt. Ich könnte unmöglich mit ihm unter einem Dache leben!"
„Das mag sein! Aber erst muß ich wissen, was geschehen ist!"
„Ich habe bisher darüber zu keinem Menschen ein Wort verlauten lassen. Als mein Glaube an Erich zusammengebrochen war, da war ich selbst wie vernichtet, und als ich den Schlag zu verwinden begann, da kam die Nachricht, daß Erich vermißt sei, die später noch dahin ergänzt wurde, daß man ihn zu den Toten zählen müsse. Da widerstrebte es mir natürlich erst recht, Dinge ans Licht zu zerren, die für ihn so wenig ruhmvoll waren. Jetzt spreche ich zu dir einzig aus dem Grunde, weil ich dich überzeugen muß, daß ich unmöglich mit diesem Manne unter einem Dache leben kann. Ich leugne nicht, daß in meinem Herzen schon früh eine Neigung für ihn aufkeimte, daß ich glücklich darüber war, als ich merkte, daß er mich auch liebte. Mit Freuden hätte ich ihn geheiratet, aber er schien sich nicht entschließen zu können, das bindende Wort zu sprechen!"
Hier unterbrach sie Bruno: „Wenn ich früher auch nur ahnte, daß Erich dich liebte, so weiß ich den Grund für fein Zögern zufällig ganz genau, denn er hat es mir selbst gesagt, er könnte nicht früher heiraten, bis eine klare Abgrenzung seines Pflichtenkreises erfolgt wäre. Erich war ja bei Ausbruch des Krieges kaum vierundzwanzig Jahre alt. Und damals erst mag er sich feiner Neigung zu dir ganz bewußt geworden fein."
„Es ist möglich, daß rein fachliche Gründe ihn am Reden hinderten. Als er bann kurz vor meiner Verlobung mit Harry im Urlaub bei uns war, schien er seine Bedenken doch überwunden zu haben. In einer Stunde, die ich damals für die glücklichste meines Lebens hielt, gestand er mir seine Siebe, ich habe aus meinen Gefühlen zu ihm durchaus kein Hehl gemacht. Aber für die damals so beliebten Kriegstrauungen waren wir wohl beide nicht romantisch genug veranlagt. Wir wollten warten bis nach beendetem Kriege, uns ( dann verloben und heiraten. Da ich ja hier im Ter- I möllenschen Hause wohnte, war es selbstverständlich, daß ich mit Erich oft zusammen war, auch mit ihm ausfuhr
ober -ging. Keinem Menschen tonnte bas auffalten.
i weit alle wußten, in wie engen Beziehungen unsere 1 Familien seit alten Zeiten ftanben. Sicher wird man ! damals geraunt haben, aus der Verlobung scheine nun doch etwas zu werden. Als ich einmal gegen Abend unsere Wohnung aufsuchte, um mich umzukleiden, erwartete mich ein blutjunges Mädchen. Es war ein bildhübsches Geschöpf mit großen blauen Träumer- äugen, die wie die verkörperte Reinheit leuchteten. Wie scheu und verlegen sie war! Tränenperlen hingen an ihren langen Wimpern. Ich fühlte das tiefste Mitleid mit dem hübschen Kinde, denn ich sah es selbst, wie sehr es litt, daß große Bedrängnis es zu mir getrieben hatte. So schloß ich das Mädchen in meine Arme, sprach ihm gut zu und erreichte endlich, daß es Vertrauen faßte und zu sprechen begann.
„Mir erstarrte das Blut schier zu Eis. Denn was ich da zu hören bekam, war so abscheulich, und zeugte von einer so niedrigen Gesinnung, daß ich es erst nicht zu fassen vermochte. Hätte das Gesicht des Mädchens nicht . gar so deutlich seine reine Seele widergespiegelt, ich ' würde ihm nun und nimmer geglaubt haben. Aber besondere Einzelheiten, die es nach mannigfachem Stocken endlich erzählte, ließen leider jeden Zweifel verstummen: Erich hatte sich also an dieses halbwüchsige Mädchen unter falschem Namen herangemacht und ihr seine Liebe erklärt. Natürlich wäre sie erschrocken davon gelaufen. Aber er hätte doch wieder Gelegenheit gefunden, sich ihr zu nähern, und habe fein Ansinnen wiederholt, habe sie schließlich in seine Arme gerissen, bis sie zu schreien begann. Da erst habe er fe laufen lassen. Von dem lieber« fall habe sie nur der Mutter erzählt, die aber hätte von ihr verlangt, den Namen des Mannes festzuftellen. Durch Zufall hätte sie ihn an meiner Seite gesehen. Mich kannte sie, und es war nun nicht schwer, auch den Namen meines Begleiters festzustellen. Nun war sie im Auftrage der Mutter zu mir gekommen um mich zu warnen." —
„Natürlich drohte sie mit dem Gericht, wenn ihr nicht eine" Summe Geldes ausgezahlt werde, nicht wahr?"
„Mit dem Gerichte hat sie allerdings gedroht. Mer Geld forderte sie nicht, sie wollte auch keine» annehmen, als ich es ihr anbot —"
„Warum tatest du das?"
„Aus reinem Mitleid mit dem armen verschüchterten Kinde, dessen mangelhafte Entwicklung eine Folge von Unterernährung zu sein schien." Jrme kämpfte eine Weile mit sich. Sann setzte sie entschlossen hinzu: »Ich will