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Mittwoch, 7. Dezember 1927

Nr. 281.

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deutschen

hat ist selbstverständlich. Die Reichsregierung emgrerse. Dadurch, vay Myer von iu -projeni hat die Besoldungsreform und ihre Fernwirkungen (Gehaltserhöhung dre Rede war, m Magdeburg nicht ausreichend übersehen. Sie meinte, aber von 2a bis 30 Prozent gesprochen wurde, ist hast seht die BesoldungsresormJ endgültig durch- bei dem Reparationsagenten Gilbert der Verdacht gKhNwerden soite,. dLHe nicht späte? störend

In einer großen Vertrauensmännerversammlung her Münfterischen Zentrumspartei sprach am Sonn­tag Reichstagsabgeorösteter Dr. Stegerwald. Er führte unter anderem folgendes aus:

Das deutsche Volk suhlt sich am wenigsten welt­verbunden von allen Völkern der europäischen Groß- | staaten. In Paris, London, Rom und Moskau ist das Gefühl, mit der Welt draußen verbunden zu sein viel lebendiger als bei uns. Dafür sorgt das I Vorhandensein vieler außereuropäischerBe- sLtz u n gen. England liegt eher im britischen Welt­reich als in Europa, Frankreich eher im französi­schen Kolonialreich als in Europa, Holland ist in Europa ein Kleinstaat, in der asiatischen Welt eine Großmacht; Italien reicht über das Mittelmeer hinaus, über Afrika bis zum Roten Meere nach Asien: Rußland vollends fängt in Europa erst an, ' um sich über Zentralasien nach Nord- und Ost- asien auszubreiten. Europa ist also nicht nur das europäische Nebeneinander von zwanzig Ländern. Es ist das Büro Haus, in dem die Zentralen großer Unternehmungen zusammenliegen, die weit über das Bürohaus hinausreichen. Praktisch ist Deutschland an den großen Vorgängen in der Weltpolitik sehr viel mehr interessiert als 99 Pro­zent des deutschen Volles ahnen. Deutschland hat zwar keine Kolonien: die deutschen Beziehungen aber gehen über den Erdball. Deutsche Schiffe fah­ren auf allen Ozeanen der Welt; Deutschlands hat in den verschiedenen Welstellen seine Geschäfts­häuser. Von der Verbundenheit Deutschlands mit der Welt leben 12 bis 15 Millionen Menschen in Deutschland. Die Weltprobleme werden gegenwär­tig nicht mehr entschieden ohne Deutschland. Auch in der Folgezeit dürste Deutschland die Vermittler­rolle zufallen zwischen Kolonial-Jmperialismus und dem Freiheitsanspruch der neuen Völker.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich unter zwei großen zwangsläufigen Hemmungen: dem höhe- renKapitalzins, wie er in kapitalreichen Län­dern gezahlt werden muß; und dem Dawes- Plan. Daneben gibt es in der deutschen Wirtschaft aber auch noch viele Hemmungen, die nicht zwangs­läufig sind, und zwar

1. die überorganisierte Privatwirt­schaft. Wir ersticken in Kartellen und Preiskon- venstonen, von denen die meisten nicht wirtschafts- sördernd, sondern wirtschaftshemmend wirken.

Heber die einstündige Unterredung des russischen Delegierten Litwinows und des englischen Außenministers Chamberlain wurde folgendes von beiden Seiten vereinbartes Com- munique ausgegeben:

„Herr Litwinow hatte Sir Austen Chamber­lain um eine Unterredung gebeten. Cs wurde des­halb eine Zusammenkunft zwischen ihnen tm Hotel Beau Rivage vereinbart. Die Besprechung gab Anlaß zu einem freimütigen Austausch

Die polnische Telegraphenagentur hat folgende Mitteilung über die Besprechung zwischen dem pol­nischen Außenminister Z a l e s k i und dem Reichs­minister Dr. Stresemann verbreitet:

Die Minister hatten im Verlaufe ihrer Unter­redung Gelegenheit, sich über die Stand der deutsch­polnischen Verhandlungen zu unterhalten, die den Abschluß eines deutsch-polnischen Handelsvertrages betreffen und sich günstig entwickeln. Sie haben außerdem die wichtigsten politischen Fragen be­sprochen, die in der gegenwärstgen Ratstagung auf der Tagesordnung stehen und dabei festgestellt, daß zwilchen den Ministern keine Meinun gs- verfchiedenheiten in Bezug auf die Not­wendigkeit zur Fortsetzung der Bemühungen in­nerhalb des Völkerbundes bestehen, um die nor­malen friedlichen Beziehungen in Osteuropa auf­recht zu erhalten. *

Der Genfer Vertreter der sowjetrussifchen Tele­graphenagentur hat über die Besprechung Litwi­nows mit Briand folgendes Telegramm nach Mos­kau gesandt:

Briand versicherte Litwinow, daß das Mißver­ständnis, das durch die Rakowski-Angelegenheit entstanden war, als endgültig beigelegr betrachtet werden und daß von einer Unterbre­chung der Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland keine Rede sein kann. Rach der Ankunft des neuen Botschafters in Paris werden die Ver­handlungen über die Schulden- und über die Kre­ditfrage "wieder ausgenommen, ebenso auch die Ver­handlungen über einen Nichtangriffspakt. Die bei­den Staatsmänner haben auch den polnisch-litaui­schen Konflikt besprochen, wobei beide die Not­wendigkeit der sofortigen Aufhebung des Kriegs­zustandes zwischen Litauen und Polen anerkannt haben. Auch andere Probleme internationaler Art wurden besprochen.

Die Besprechung Litwinows mit Strese­mann hat sich ebenfalls hauptsächlich um die polnisch-litauische Frage gedreht und um die Not- wendigkeiit der Aufhebung des Kriegszustandes zwischen den beiden Ländern: Die Unterredung verlief sehr herzlich und freundschastlich, wobei Litwinow den Standpunkt der Sowjetregierung zum Ausdruck brachte, wie er in ihren beidenNo- tcn an Warschau und Kowno bereits niedergelegt worden ist. In der Besprechung wurde auch fest- gestellt, daß über diese Fragen keine prinzipielle Meinungsverschiedenheit bestehe.

Dem Genfer Vertreter dds W. T. B. wurde I von deutscher Seite diese Darstellung von dem I freundschaftlichen Charakter der deutsch-russischen I Aussprache bestätigt. *

Litwinow hatte auch Besprechungen nnt Wol- I demaras und anschließend daran mit Zaleski. I Von unterrichteter russischer Seite verlautet dar- I über, daß Litwinow Woldemaras gegenüber die I Notwendigkeit der Beendigung des polnisch-litaui- I fchen Kriegszustandes betonte. Was die Wieder- I Herstellung diplomatischer und konsularffcher Be- I ziehungen zwischen Polen und Litauen betrifft, er- I klärte Litwinow, daß diese Frage nur ihre beiden I Länder angehe und infolgedessen die Sowjetregie- I rung sich in diese Frage nicht einmifchen werde. I Er betonte ferner, daß es für Sowsetrußland das I wesentliche Ziel sei, alle Faktoren auszuschalten, I die den Frieden stören könnten. In seiner llnter- I redung mit Zaleski. betonte Litwinow nachdrück- | lich den friedlichen Charakter des Schrittes der Sowjetregierung in Warschau und Kowno und I hestand auf der Wichtigkeit der tatsächlichen Un- I abhängigkeit Litauens und seiner Regierung.

auswärts 0,80 5UL Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

* Die Neuwahlen in Dolen. Aus Warschau wird gemeldet: Durch Erlaß des Staatspräsidenten wurden die Sejmwahlen auf den 4. März 1928 und die Senatswahlen auf den 11. März 1928 festge-

' * Claus Zorn v. Bulach beträgt sich künstighin als loyaler franz. Staatsbürger. Havas meldet aus Straßburg, Claus Zorn v. Bulach habe an den Präfekten des Departements Niederrhein, Bor- rome, folgendes Schreiben gerichtet: Seit bei Ver­haftung Baumanns und Köhlers und angesichts der Motive ihrer Verhaftung sehe ich mich ge- zwungen, mich von meinen früheren Mitarbeiten zu trennen. Ich habe mich getäuscht und bii das Opfer hergelaufener Menschen geworden deren Handlungen ich verurteile und weit von mit weise. Ich bedauere das, was ich getan habe und verzichte formell auf jede politische Tätigkeit, und ich beabsichtige, mich künftig als loyaler französischer Bürger zu verhalten.

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nach haben sich die Ratsmächte einschließlich P o- I len bereits auf eine Regelung des polnisch-litam- schen Streifalles geeignet, wobei Polen bet Aus­hebung des gegenwärtig noch bestehenden Kriegs­zustandes zwischen Polen und Litauen weitgehen­des Entgegenkommen zeigt, auf die sofortige voll­ständige Herstellung normaler diplomati­scher Beziehungen verzichtet und sich mit besonderen polnisch-litauischen Verhandlungen zwecks endgülttger Regelung der polnisch-litaui­schen Beziehungen einverstanden erklärt.

Man hofft, daß Litauen sich mit einer Rechtsverwahrung in Bezug auf das Wilna-Gebiet begnügt. Die vom Rat geplante Regelung, die auch die grundsätzliche Zustimmung Sowjetru^ lands hat, dürfte gegen Ende der Ratstagung auch von Pilfudfki angenommen werden. Das vom Rat geplante Verfahren sieht vor, daß nach der Annahme dieses Verfahrens zwischen Polen und Litauen direkte Verhandlungen ausgenommen und dem Rat bei seiner nächsten Tagung über die in« ! zwischen erzielten Ergebnisse Bericht erstattet wird.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

>: Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk. :«:

Deutschlands heutige Lage

Eine Rede Dr. Stegerwalds.

Kompromiß.

Sowohl im Reichskabinett als auch im inter­fraktionellen Ausschuß wurde an der Regierunas- fassung der Besoldungsreform festgehalten. Was die Frage einer Erhöhung der Invalid enren- t e n anlangt, die das Zentrum in Verbindung mit den Besoldungsverhandlungen verlangt hatte, so wird diese Angelegenheit wahrscheinlich tn der Form erledigt werden, daß das Zentrum eme Entschließung einbringt, wonach die Frage bis zur Beratung des neuen Etats verschoben und die Regierung aufgefordert wird, wenn möglich Mittel " hierfür bereitzustellen. Die Frage der S o n d e r z u l a g e n für die Beamten im be­setzten Gebiet, sowie in Berlin und Hamburg soll gleichfalls in Verbindung mit dem Etat erledigt werden. Die Durchführung der „Lex Brüning , also ber ©entu ng bes Lohnste u erad- zu g e s, wirb als eine Steuerangelegenheit ange« forschen unb von ben Steuersachverständigen ber Fraktionen weiter beraten. Die zweite Lesung ber Besolbungsreform im Ausschuß soll berart be­schleunigt werben, daß die Abstimmung t m Plenum schon am Samstag, spätestens Montag nächster Woche, vorgenommen werden kann.

Eine wichtige Zraktionssitzuny.

Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

Die Mitglieder der Reichstagsfraktion des Zen­trums und der Fraktion der Bayerischen Volkspar­tei fanden sich am Montag nach der Plenarsitzung zur ersten gemeinschaftlichen Sitzung im Zentrums­fraktionszimmer zusammen. Der Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Herr v. Guerard, begrüßte die Mitglieder der Bayerischen Volkspartei namens der Zentrumsfraktion auf das allerherzlichste. Er bezeichnete diesen Augenblick als einen in ber Ge­schichte beiber Parteien bedeutungsvollen Moment, ber noch badurch unterstrichen wirb, baß bie Zu­sammenkunft im alten Zentrumsfraktionszimmer ftattfinbet. lieber bie politische Bedeutung dieses ersten Zusammenkommens soll in diesem Augen­blick nicht gesprochen werden.

Der Gruß, den ber Vorsitzenbe tm Namen ber Zentrumsfraktion an bie Herren ber Bayerischen

Volkspartei unb an ben FArer, Herrn Prälaten Leicht richtete, würbe mit stürmischem Beifall ent« gegengenommen.

Prälat Leicht bankte für die Begrüßung, m- dem er aussprach: „Ich brauche nicht zu versichern, baß es für mich eine Freude tft, btefen Augenblick erlebt zu haben. Ich fühle nuch in diesem Raume, da ich mit den meisten Mitgliedern der Zentrums fraktion eine persönliche, innige Verbindung immer, gepflogen habe, fast wie zu Hause. Ich sehe m bi - ser ersten Zusammenkunft eine Stärkung ber Ser binbung, bie ich immer angestrebt habe. ^cy wünsche von ganzem Herzen, baß ber Beginn ber Arbeitsgemeinschaft ber derben Fraktionen auch sur die Wahrnehmung ber von beiben verfolgten Messen bes katholischen Volkes, wie aber auch zum Segen bes ganzen Vaterlanbes sein möge.

Die Worte bes Abgeorbneten Prälaten Leicht ! würben ebenfalls von den versammelten Mitglie- dem mit herzlichem Beifall ausgenommen.

Die gemeinschaftlichen sachlichen Beratungen wurden bann ausgenommen, die sich um die Besol- bungsoorlage drehten. Für bas Zentrum referler s Herr v. Guerard, für die Bayerische Volkspartei Prälat Leicht. In der weiteren Aussprache ist man zu einem völlig gleichheitlichen Vorgehen der beiden Fraktionen in dieser wichtigen und tn ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung außer- ordentlich weitragenden Angelegenheit gekommen. Schon aus diesem ersten Zusammentreffen ber Mit- «lieber ber beiben Fraktionen bes Reichstags kann man mit Genugtuung feststellen, daß von bem engen Zusammenwirken außerordentlich große, Nutzen für bie gemeinschaftliche politische und par­lamentarische Arbeit zu erwarten ist Das wird man auch tm Lande allerseits sicherlich auf bas wärmste begrüßen. #

Bei ber letzten Vorstandswahl ber Zentrums­fraktion ist bie Wahl des Schriftführers nicht vor- genommen worden. Sie wurde in der Fraktions- I sttzung des Zentrums vom Montag durch Akklama­tion vorgenommen und zwar wurde der Abgeord­nete Schwarz - Frankfurt a. M. einstimmig wiedergewählt. Der Vorsitzende, Herr (Suerart), stellte unter einmütiger Zustimmung der -Ber« I sammelten fest, daß der Abgeordnete Schwarz fett Jahren mit großer Selbstverleugnung dieses Amt bekleidete und daß er dafür sich bett Dank der, ge­samten Fraktion erworben habe. Insbesondere wurde die vorbildliche Art seiner Tätigkeit hervor- gehoben. Abgeordneter Schwarz entsprach ber em. wütigen Bitte ber Fraktion, bas Amt weiter zu führen. Damit ist ber Vorstanb ber Fraktion nun­mehr vollstänbig.

Der stellvertretende russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, hat Dienstag vormittag 11 Uhr mit dem fahrplanmäßi­gen Berliner Zug Genf verlassen.

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wtb. Genf, 6. Dez. ((Big. Funkm.). Der Völ- ferbunbsrat hat in seiner zweiten off ent- l i ch en Si tz un g, aus deren Tagesordnung neben verschiedenen Rechts- und Finanzfragen als wtch- tiafter Punkt die internationale Konferenz zur Aufhebung ber Ein- und Ausfuhrbe­schränkungen steht, einen eingehenden es« I richt des Präsidenten dieser Konferenz, des frühe­ren holländischen Ministerpräsidenten Colyn ent­gegengenommen und bie Vorschläge des Reichs- minifters Dr. Stresemann in seiner Eigenschaft als Berichterstatter für bie Wirtschaftsfragen bebakten los angenommen.

Das Programm 5owjetrutzland§.

Referat Stalins aus dem 15. Parteitag.

wtb. Moskau, 6. Dez. (Eig. Funkm.). Den politischen Bericht des Zentralkomitees auf dem | 15. Parteitag begann Stalin mit beni Hinweis auf die „wachfenden Krifen bes Kap, fa­lls m u s", die aus dem Problem ber neuen Auf-

! teilunq bes Weltmarktes und der Rohstoffquellen entstehen und die Gefahr neuer Krisen m sich bergen. Die gesamte Tätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiet ber Abrüstung beweise, baß ber Völkerbund ein Instrument zur Bemänteln ng neuer Rüstungen und Vorbereitungen für neue

I Kriege fei. Es genüge ,an ben gegenwärtigen I „friedlichen Beziehungen" irgend wo in Albanien ober Litauen, China ober Nordamerika zu ruf- teln, damit wie 1914 das ganze „Friedensgedaude einstürze. Stalin fuhr fort: Wir leben am Vor­abend eines neuen revolutionären

1 Aufstieges in ben Kolonien unb ben Mutter- | länbern. Schon die Existenz ber Sowjetunion un­terhöhlt die Stabilität des Imperialismus. Unsere Aufgabe besteht darin, den Krieg hinaus zu zögern und" alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung fried- licker Beziehungen zu treffen Unsere Politik m der Sch'.ildenfrage beruht auf der Formel: Gibst Du, so gebe ich. Die Aufgaben auf dem ©ebtet ber Außenpolitik finb: Kampf gegen die Vorbe­reitungen neuer imperialistifcher Krisen und gegen Intervent ions-Tenden zen Eng la n d s, Verstärkung der Wehrfähigkeit der Sow­jetunion, Politik des Friedens und der Auf­rechterhaltung friedlicher Beziehungen zu kapitali­stischen Ländern, Ausbau bes Außenhanbels auf Grund der Festigung eines Monopols, Annähe­rung an die sogenannten nicht vollberechtigten Staaten. _____________

1 Anigung derMmWe im pMW-litMen Streit f wird gemeldet: Gutem Vernehmen i ber Ansichten über bie Beziehungen Löschen den l .: L , m Regierungen ber Sowzetumon uno löroßornau

nien. Es zeigte sich indessen, baß es nicht mög­lich war, irgendeine Basis für eine SSerftanbigung im Verlauf ber Unterredung zu erreichen.

Der größte politische Mangel im deutschen Volke ist, daß es die Politik nicht als eine Einheit sieht, ' sondern daß jede Jnteressentengruppe ihr politisches Verhalten an Einzelvorgängen orientiert. Das ist verständlich im Hinblick darauf, daß man in der Vergangenheit dem deuffchen Volke im öffent­lichen Leben größere Aufgaben nicht gezeigt hat. Im alten Obrigkeitsstaat hat eine dünne Ober­schicht die Volksgeschicke geführt, ohne daß das Volk darüber befragt worden wäre. Es ist daher seiner Tagesarbeit nachgegangen; jeder hat die Welt sehen gelernt aus dem Guckloch seiner engeren Interessen. Dann ist das deutsche Volk in allen seinen Schichten überorganisiert. Die ein­zelnen Jnteressentengruppen haben ihre Organisa­tionen, und diese orientieren ihre Mitglieder über die berufiichen und standespolitischen Einzelstagen, ohne daß meist das Ganze gesehen, wird, so reden die Menschen in Deutschland aneinander vor­bei wie beim babylonischen Turmbau.

2. Der zweite große Fehler liegt in der Ueber- vrganisation der Staatswirtschaft in Reich und Ländern und Gemeinden. Durch die Uebervrganisation in der Privatwirffchaft und in der Staatswirffchaft bleiben heute zusammen ~:" bestens 3 bis 4 Milliarden Mark des deu, , Volkseinkommens an verkehrter Stelle hangen, die dem Realeinkommen der produktiv tätigen Kräfte

Die Zentrumsfraktion bes Reichstages beschäf­tigte sich in zwei besonberen Sitzungen vor und nach bem Plenum am Montag mit ber Besol- bungsoorlage. Den Verhanblungen wohn- ten auch ber Reichskanzler Marx u. bie Zentrums­minister bei. Die Fraktion beschäftigte sich mit ber burch bas Scheitern ihrer Vorschläge bezüglich ber Regelung ber Besolbungsvorlage unb gleich­zeitiger Fürsorge für bie Jnvaliben- unb Klein­rentner geschaffenen Lage.

Besonbers bebauert würbe, baß bie sorgfältig ausgearbeiteten unb bas Wohl ber Gesamtheit be- rücksichtigenben Vorschläge bes Zentrums hinsicht­lich einer Vereinfachung ber Staatsver­waltung im Sinn einer Verminberung ber Be­hörden, ebenfalls von anderer Seite Ablehnung fanden. Die Zentrumsfraktion ist sich aber ein­mütig darin, keinen Versuch zu unterlassen, um nach Abschluß bes jetzigen Besoldungswerkes m Verbinbung mit ben fommenben Etatsberatungen unb im Rahmen bes Etats unb feiner Mittel für die Invaliden-, Sozial- und Kleinrentner und bis Werkspensionäre ausreichenbe Beträge zur Ver­fügung zu stellen. Eine Kommission, bie diese ftrage in Verbinbung mit bem Reichsfinanzmms- ster zu prüfen hat, würbe gewählt. Ihr gehören bie Abgeorbneten von Guerard, Brüning u. Ersing an. Das Zentrum wirb bes weiteren daraus brängen, baß bie Nachprüfung auf durch­greifende Ersparnisse in ber Verwaltung sich auch auf andere Dinge, bie nicht in unmittelbarer Der- binbung mit bem Etat stehen, erstrecken. Das gilt insbesondre hinsichtlich bes Postfinanzgesetzes unb der Frage, ob nicht eine engere Verbindung ber Reichspost mit bem Reichstag geschaffen werben muß, um eine nachbrücklichere Kontrolle über bie Ausgaben ber Postoerwaltung herbeizuführen.

vorenthalten werden.

3. Der dritte große Fehler unserer Wirtschaft, der mit dem ersten und zweiten zusammenhangt, ist, daß die richtige Rangordnung in Produk­tion und Konsum fehlt. Für die Erstellung von Wohnungen haben wir kein Geld. Dabei haben wir in den letzten Jahren mehrere Milliarden Mark in die Anschaffung und Unterhaltung von Autos gesteckt; mehr als für ein verarmtes Volk notwendig gewesen wäre. Weiterhin geben wir jährlich 6,5 Milliarden Mark aus für Alkohol und Tabak. Das deutsche Volkseinkommen wird gegen­wärtig jährlich auf 60 Milliarden Mk. geschätzt. 30 Prozent davon entfallen auf öffentliche Abgaben, Alkohol und Tabak. Das ist ein auf die Dauer unmöglicher Zustand.

4. Auch unsere Sozialversicherung ist vielfach zu teuer und zu kompliziert. Sie mutz an vielen Stellen vereinfacht und verbilligt werden. Wenn wir die Dinge so bettachten'und ihnen nach­gehen, dann stellt sich heraus, daß es Möglichkeiten gibt, mit denen sowohl der R e a l l o h n der Ange­stellten, Arbeiter und Beamten bedeutend gehoben werden kann, als auch, daß bei gesteigertem Real­lohn der breiten Massen ein viel breiterer Lebens­raum für einen gesunden Mittelstand da ist.

Zur Frage der Deamtenbesoldung gilt es, dreier­lei herauszustellen:

1. Was unterscheidet mich von der Haltung der Beamten? 2. Was unterscheidet mich von dem Ver­halten der Reichsregierung? 3. Was will ich in der Frage der Beamtenbesoldung?

Die Beamten sehen naturgemäß die Besoldungs­reform als eine Angelegenheit für sich, während sie in Wirklichkeit als ein Teilvorgang tn der großen deutschen Politik gesehen werden muß. Auf die aus Beamtenkreisen auf Mich gerichteten An­griffe gehe ich nicht ein. Sie treffen faft reftloä daneben. Daß man von den Beamten nicht ver­langen kann, sich mit weniger zufrieden zu geben, als ihnen die Reichsregierung angeboten

daß etz? bie6 Besoldnngsresom endgültig durch- bei dem Reparationsagenten Gilbert der Verdacht Panik in Neuyork und in der deuMen Wirtschaft Lrhln {nm? Etfie niAt fDäter störend entstanden, daß Deutschland jetzt seine inneren An- ausgelost hat. An der Neuyorker Börse fielen die fnben Kamvi um bie Revision des Dawesplanes gelegenheiten bereinigen wolle, damit es sich in deuffchen Bonds. Die deutsche Wirtschaft hat meh-

chsreaierung eingreife. Dadurch, daß stüher von 10 Prozent kurzer Zeit nach außen hin als nicht leistungsfähig ’ — • * re .t.rio SU* tnai* ttt Q17Ar*tbuvT-vnr^ ^ITlft'CTlCn f ÖTITTC.

Sö kam der Vorstoß Gilberts, der zunächst eine

____- — Eitjtliimtt 1» M. EM. E IS M.) FuldaerZertung Anzeiger für bie Stadl Fulda unb den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

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