Fuldaer Leitung
Zlutzpiraten auf dem Jangtse
Rund um die Woche
ein'
nicht aus
lieber Orgelmann. Du hast mir einen guten
wie wird das Wetter?
Kein Haus ohne Zuldaer Zeitung. I nicht zu solchen Mitteln zu greifen. Nein, ich
Er Und rool- den
Städte verhindern will, Staaten im Staate zu werden. Indessen braucht man zu diesem Zwecke doch
sein Lied, weckt hohe Gefühle und gewöhnliche. Spät am Abend aber trinkt er sich einen Schnaps und philosophiert. Der Mann im Monde.
GotterdienNordnung.
! Kapelle de, St Josephsheim. Sonntag, morgens 8 Uhr Amt und Predigt mit Kommunion des Gesellen- Det Srfebfiof,tapeöe: Sonntag 6% Uhr hl. Messe mit Ansprache und Kommunionausteilung.
M 279.
Sonntag, 4. Dezember 1927.
^Aussichten bis Sonntag abend: Zunächst keine roe* sentliche Aenderung.__________________________________
Ist das nicht aus ~r-- -------m -
Mann. Kind, bring ihm noch einen Groschen. Es ist doch kein Vergnügen, in dem Wetter Musik zu
2. »la ft
♦{41 Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda
Schopenhauer ...
Nun fängt er drüben wieder an. Aus dem Durcheinander seiner Motive schließe ich, daß er eine Ouvertüre spielt. Und ich träume von dem Stück, das die Weltgeschichte nun anhebt. Wahrhaftig, es bedarf keines Drehorglers, um melancholisch zu werden. Seit Versailles ist das politische Wetter schwül. Von Zeit zu Zeit rasen Gewitterwolken hoch. Die Dächer ducken sich, die Bäume zittern vor Angst, die Katzen schleichen mit gesenkten Schwänzen und die Spaziergänger flüchten zu geschützten Stellen. Schwarz steht der Himmel über Litauen, dunkel auch über der Adria. Aber bisher hat es sich dann immer wieder zerstreut. Diesesmal aber sieht es ernst aus. Tröste dich, mein Gemüt, ist doch auch der große Alliierte einmal wieder aus seiner Reserve herausgetreten. Am Spieltisch sitzen nicht nur Poincare, Mussolini, Chamberlain, Pil- sudski und Stalin, nein, da sitzt auch die unsichtbare Macht, die z B. Vratianu, den ungekrönten Herrscher von Rumänien, plötzlich abberufen hat. Er war.eine wichtige Figur. Meine Herren, die Karten müssen neu gemischt werden. Sviel nur weiter, *..... ' Ge-
___________Götterdämmerung
Montag, 5. Dezember, 19% Uhr. 3ony spielt aus
frankfurter Over.
Samstag, 3. Dez., 19% Uhr. Der Freischütz^
Sonntag, 4. Dezember. 17% Uhr. Gotterdam _ w z« < a m / qntiM in
Zweiter Adventssonntag.
„Selig, wer sich an mir nicht ärgert." Ev.
* Aufhebung des Sichtvermerks Zwischen Deutschland und England. Wie der amtliche englische Funkdienst meldet, ist die amtliche Mtteilung über eine deutsch-englische Vereinbarung zur gegenseitigen Anhebung des Sichtvermerkszwanges tn den nächsten Tagen zu erwarten.
I ..»FEäS-m Bergleuten gelang es, sich in Sicherheit M bnn gen. Ob Menschenleben zu beklagen sind, laßt sich bisher noch nicht sagen. Die ®r“benn^rel! kämpften den Brand. — Auf der Kleophas-Grube ief in den Boden I in Za lenze wurde ein Bergmann durch herab- rste Zeichen für I stürzende Gesteinsmassen tödlich verletzt.
r' - E-yen । | uurz sttzirischer Schnellzug entgleist. Ein sibi
rischer Schnellzug entgleiste auf der Fahrt von Wladiwostok nach Moskau unweit der Station Urulga infolge eines Zusammenstoßes mit einem Transportwagen. Von den Passagieren wurde niemand verletzt. Der Zugführer wurde
Das Hochdruckgebiet hat sich etwas südostwärts vorgelagert und liegt jetzt mit seinem Kern über Polen. Un- ter dem Einfluß östlicher Winde werden auch m unserm Geltet die Temperatur sich an den nächsten Tagen um den Gefrierpunkt halten. Leichte Fröste sind vielfach zu
verehrten Herren Oberbürgermeister. Die ganze Sache ist sehr ernst. Mag sein, daß innenpolitische Gründe dabei eine Rolle spielen und daß man die
hatte eine glänzende militärische Karriere gemacht. In Frontstellungen im Gardekorps und Kommandos im Großen Generalstab und im Kriegsministerium gewann der geistig außerordentlich bewegliche Äewenfeld das besondere Wohlgefallen des Ehemaligen Kaisers, den er fast stets auf seinen Fahrten auf der „Hohenzollern" begleitete. 1908 erhielt er das stets als besondere Auszeichnung geltende Kommando über das 10. Armeekorps in Hannover und ein Jahr später den Befehl über das Gardekorps, den er bis zu seiner Verabschiedung im Jahre 1913 innehatte. Während des Krieges war er stellvertretender Kommandierender General des Gardekorps. Mit dem Tode Loewen- selds wird der Kreis der Generale der alten Armee um eine ihrer markantesten Persönlichkeiten ärmer. Die Zahl der Anekdoten, die sich um den kleinen, wohlbeleibten General ranken, ist Legion. Seine besondere Vorliebe war es, bei Besichtigungen durch unvorhergesehene Zwischenfragen die Offiziere in Verlegenheit zu bringen. Wer in folgen Situationen seinen Mann stand, der hatte bei „Sally" gewonnenes Spiel. So erzählt man sich die Geschichte von dem Leutnant, der davon gehört
Der Drehorgler und Schopenhauer. - Die verbündeten und der große Alliierle. - Der Feldzug der oberbürgermeister. — Die Arbeitslosen. — Der „fröhliche Weinberg" und der Lhristusfilm.
um das Weihnachtsfest und eine Bedeutung, der wird zu dieser Unterschiebung sein deutliches „Nein" sagen und diesem Nein auch Nachdruck zu geben wissen.
danken gegeben. Der alte Gott ist noch da. lenkt die Herzen der Könige wie Wasserbäche, wenn die Ministerpräsidenten ganz klug sein len, dann lacht er. Und erlaubt sich wohl
_____________________ - „ . , Scherz, einen der Herren zum Rendez-vous in der hatte, daß Loewenfeld gelegentlich bei Rekrulenbe- I Ewigkeit zu bestellen. Kind, bring dem Orgelmann sichtigungen den Rekrutenleutnant danach frage, nod) ^hn Pfennig.
welche von seinen Leuten Strümpfe und welche Nun spielt er" einen Marsch. Ich sehe dabek Fußlappen trügen. Zur Sicherheit ließ der ge» I ejnc merkwürdige Kolonne antreten. Statt der wandte Leutnant am Tage der Besichtigung seine Pickelhauben tragen sie Zylinder. Die Bügelfalte Rekruten auf dem einen Fuß Fußlappen, auf dem jst prächtig, tadellos der Frack. Sie stellen sich im anderen einen Strumpf anziehen. Als nun Loe- I $a(bfrei5 auf, neigen den Kopf wie Stiere zum wenfeld seine gefürchtete Frage stellte und Stich- Angriff und stürmen nun vor gegen ein dunkles
Proben machen ließ, zogen die Rekruten je nachdem ungeheuer, an dem ich nur eine goldene Uhrkette
Ihr Leutnant geantwortet hatte: „Fußlappen, blitzen sehe. Aha, das ist ja Dr. Schacht, und die
Exzellenz ober „Strümpfe Exzellenz" den linken Kolonne, das sind die Könige der Zukunft, unsere
oder den rechten Stiefel aus. Loewenfeld war des ~ ....
Lobes voll. Wirklich herzlich aber hat er gelacht, als ihm am Abend beim Liebesmahl im Kasino in vorgerückter Stunde das Wunder erklärt wurde.
Dann muß also da, wo man sich am Heiligen ärgert, d. h., an ihm Anstoß nimmt, etwas nicht in' Ordnung sein. Man fühlt förmlich, wie Chri- . - 6. «rfmans
«us der Herr dieses Wort mit einer gewissen Be- I ®'n Schnaps
tonung sagt, deutlich nach einer Richtung zeigend, I gßieber UJlufif braußen. Aber diesmal sind es der er schon begann, ttn Wege zu stehen. Und die I teine sßfä(5er Man merkt, da stellt keine mensch- verstand ihn wohl damals schon. I Ii(f)e Zunge den Blasebalg. Da variiert kein mensch-
Man braucht in der Vorweihnachtszeit nur ein- 1 uches Herz den Rhythmus. Natürlich: das ist mal auf die Straße zu gehen, um sich die Läden an- eine Drehorgel. Ich wohne in einem Krankenhaus lufefjen, man braucht nur den Anzeigenteil der I unfj f,nne darüber nach, wie sich diese lustige Weise Zeitungen aufzuschlagen, um zu wissen, daß auch seltsam reimt zu den Seufzern der Leidenden, heute Christus der Herr gar vielen im Wege steht. Nun, vielleicht fehlt dem Orgelmann selber ein Beweis dafür ist der „Weihnachtsmann", den man j Pein, aber Musik macht er dennoch.
erfunden hat, um das Christkind totschweigen zu Uebrigens haben diese Gassenhauer, die frü- fÖnnen. Eigentlich ists eine Schande, daß sich ein I her einmal klassische Kunst waren, einen eigen« kultiviertes Volk diesen banalen Opa hat auf- I tümlichen Reiz. Indem sie sich ständig roieder- chwätzen und sich dafür das alle Kinderherzen mit I holen und also ganz monoton werden, bekommen ftommseligen Jubel erfüllende Christkind hat ab- f,e etwas Ueberzeitliches. Das beruhigt und macht kaufen lassen. Mögen sich die, die mit dem Christ- I zugleich melancholisch. Legt sich dazu ein rechter sind nichts glauben anfangen zu können, mit ihrem Winternebel auf Bäume und Mauern, und tropft Weihnachtsmann weiter behelfen; wem es Ernst ist I es allerwegen, als sollte sich die ganze Welt in eine ‘ " ..... ' ‘' der I Tropfsteinhöhle verwandeln, so fängt man unroill-
™" 1 kiirlich an zu philosophieren. Diese abgerissenen Walzer und Märsche scheinen nur einige vom Sturm hergewehte Stücke des ungeheueren Klageliedes zu fein, das irgendwo einsam von einer
* General Alfred von Loewenfeld t. In sei- I Schicksalsfrau endlos ins Universum hinausgeheult ner Berliner Wohnung verstarb am Donnerstag I wird. Ach, alter Orgelmann. Mach dich weg. Ob im achtzigsten Lebensjahre der ehemalige kaiserliche I auf einem Bein oder auf zweien. Ob gehumpelt Flügeladjutant und kommandierende General des I oder gegangen. Hier hast bu einen Groschen. Du Gardekorps Alfted von Loewenfeld. Die „Vossi- | stammst von einem alten Klageweib ab ober von sche Zeitung" schreibt zu diesem Todesfall: General von Loewenfeld, der wegen seines betont arischen Aussehens und nicht zuletzt um seines beißenden Witzes willen in der ganzen alten Armee unter dem' Namen „Sally" Loewenfeld bekannt war.
Die britische Admiralität teilt mit, daß am vergangenen Mittwoch 3 0 beroaffnete Banö • t e n in sechs Booten einen Angriff auf den brüt scheu Dampfer „©iangtang" unterhalb von 3b
, schang ausführten. Der zweite Ingenieur, ber am Abend. I Quartiermeister und eine andere Persönlichkeit
halte Dr. Schacht für viel zu verantwortungsbe- wurden «etötet ^r Kapitän des ^fe^wurde wußt und gescheit, als daß ich ihm zutraute, ohne I gefangen genommen. Der brtnw jnarine sehr gewichtige Gründe das Ansehen der deutschen | kommandeur setzte sich wegen ber Entsendung Währung M erschüttern. Auch teile ich seine An- zweier Expeditionen gegen die Banditen mit dem sicht daß^wir alles tun müssen, um unsere nationale I chinesischen General Bangsen i" Verbindung. Zwe U-ft 7u"in« sich I-Idsi -ud-nd-n britische K°n°n-nb°°,<
y, mttchCn Ick sage nichts gegen internationale I gangen, wo der Uebersall stattgesunoen yar.
Anleihen "aber ich meine, es dürfe die Existenz eines Panditen fordern, wie aus Schanghai gemeldet $S V»t Varauf begrünttet werdest. Leroiß wird für Die Rmlaffuna bes ^"|)oß<1arI 0 r es ist ein heikles Thema unb, auch Dr. Mulert | ein Losegeld In Hohe von 100 OW Douar. bringt ernste Gründe vor. Ich meine aber, man sollte solche Auseinandersetzungen mehr im kleinen Kreise von Fachleuten halten unb bas Geschwätz ber ganzen Welt ba nicht so heranlassen. Em Volk in unserer Lage muß einig sein. Es kann sich einen Stierkampf ber Oberbürgermeister gegen die Reichsbank nicht leisten. Und nun ist der Drehorgler noch ein paar Häuser weiter, und mir scheint, er spielt jetzt einen sehr berühmten Hochzeitsmarsch.
machen. ,, ,, „ ..
Don einem Hochzeitsfeste sehe ich allerdings nichts. Wohl aber liegt vor mir eine Wiese, auf ber bie letzten Regenwürmer nun tief in ben Boden gekrochen sind. Das ist das sicher^ 22.^7' ben beginnenben Winter, lieber bte Wiese gehen, etwas traurig, viele, viele Arbeiter. Sie sind vom nahen Gerüst herabgestiegen, benn mit bem Frost schließt für sie bte Saison. Scharen von Schlossern, Zimmerleuten, Tischlern, Schmieden, Klempern, Elektrotechnikern, bazu von ben Arber- tern ber Ziegeleien unb Steinbrüche folgen ihnen. I getötet. „
ftÄSlÄÄÄ wm -««»en infflem «es stoMraaims IHM. auch im Winter raucht. Unb hier ist ein Streik Sterbefälle vom 25. 11.—2. 12. 27.
unb bort ist ein Streik. Alles geht über die graue I Hausangestellte Josephine Brühler aus Erles-
Wiese der Arbeitslosigkeit. Drehorgelmann, laß ii yausange^ ^bara Rausch,
das mit dem Hochzeitsmarsch. Kmb, sag ihm, er ÄS 1 2. TO. 28 T. 27. 11. Invalidin soll etwas anderes einstellen. I Christine Wiegand aus Uffhausen, 34 3. 16 Tg- Ehefrau
Nun kommt eine tolle Weise, als wollte der I Maria Baier, geb. Bärtig, Metiers, 37 3. 4 M. 5 T., Mann zum „Fröhlichen Weinberg" auffpielen. Und • 1 Ehefrau Bertel Heß, geb. Kaspf, 26 3. 3 TO. 9 X zs. mich faßt des Daseins ganzer Jammer. Die Fistn- 11. Lieselotte Grösch l M 17 1. 29 11. Eheftau Chn- „buf rie geht wieder zuviel aufs Geschäft. Sie stine Budenz, geb-Büttner Elters 58 3 10 TO 20 T findig. am Sott, -nd da-ift firchwar S
wenn man dieses Volk kennt. Es fallt gewiß auf I muts6eriber ^arl Ferdinand Struth, 60 I. 4 TO. 21 T. Kitsck und Sentimentalität herein, aber es kommt I Maschinenmeister Valentin Joseph Seiler, 65 I. 9 TO, auch zu so ernsten und schönen Filmen, rote etwa 27 dem Christusfilm. Gewiß, ich habe auch ba meine 1 1
Bebenken. Aber in Berlin z. B. sah man, wie sich bie Massen schier enblos gerabe zu biesem Film drängten. Es waren einfache Leute und vornehme. Vor einer Bühne, die sonst so zweifelhafte Gefühle weckt, saßen sie still, mitleidend, ergriffen. Einige meinten Tränen, und es waren echte Tränen der Andacht, aud) wenn sie vor einem Film gemeint wurden. Ihr Verantwortlichen alle, gebt doch diesem Volke das Gute, das Fromme, bas Schöne. Mißbraucht es boch nicht bes Mammons wegen!
Fern, ganz fern verklingt nun die Melodie bes Orgelmannes. Kind, nun müssen ihm andere Leute schön die Pfennige geben. Von Stadt zieht er und von Dorf zu Dorf. Alles schlingt er in die ungeheuere Musik des Daseins hinein. Immer neue Menschen sieht er und in immer neuen Herbergen zur Heimat schlägt er sein Lager auf. Und er weiß mehr vom Menschenherzen als so mancher Pädagoge. Ihm fehlt es niemals an einem interessierten Publikum. Aus Frohsinn unb Leib webt er
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Frau Jlgenkamp, geborene Freiin von Boyen, rauschte stolz wie rfne Königin in das Gemach, nahm huldvoll den Gruß des Gatten und der Tochter entgegen und ließ sich gleichfalls von Hete das Frühstück bereiten, während sie mit den kostbaren Ringen spielte. Sie schien nicht sonderlich guter Laune zu sein, beschwerte sich über allerhand Unannehmlichkeiten, die ihr gestern widerfah- ven waren. Mit großer Liebenswürdigkeit sagte ihr der Gatte zu, daß er energisch eingreifen würde. Dann zog er die Uhr auf, seufzte auf und meinte: ,Hch kann euch leider nicht länger Gesellschaft leisten. Die unerbittliche Pflicht führt mich ab. Hast du im Laufe des Tages etwas besonderes vor, liebste Ruth?"
Frau Jlgenkamp zuckte die Achseln: „Mir fällt im Augenblicke nichts ein. Sollte ich dich nötig haben, rufe ich dich an."
Der Geheimrat verließ eilig das Gemach. Im Jn- nenhofe des Schlosses traf er mit seinem Sohne Rolf zusammen, der soeben seinem Auto entfliegen war. Daß er unter dem langen Ulster noch den Frack vom Abende vorher trug, merkte der Vater nicht — oder wollte es nicht merken.
„Ranu, woher kommst du denn in aller Herrgottsfrühe?" fragte der Geheimrat.
Rolf verbarg mühsam das Gähnen und erwiderte: „Ich war ja gestern in Essen, um als dein Vetter an einer Aufsichtsratssitzung teilzunehmen . Natü rlich gab es nachher die obligate Abfütterung, die Geschichte zog sich heillos in die Länge, ich hatte nicht die mindeste Lust, bei Nacht und Nebel durch die Gegend zu gondeln und blieb einfach in Essen über Nacht."
Der Vater lächelte verständnisvoll: „Da habt ihr wohl wieder einmal tüchtig Baccarat gespielt, und sie haben dir gehörig die Federn ausgezogen?"
Rolf zuckte die Achseln: „Es war nicht viel los, und meine Kasse war nicht so beschaffen, daß ich mich auf große Sachen einlassen durfte."
aufmerksam. Dann zog er hastig ein Telegramm aus der Tasche: „Es ist mir soeben abgegeben worden unb scheint sehr dringend zu fein."
„Schon gut, lieber Summermann. Lassen Sie die ganze Bescherung nur liegen. Ich will sie gleich durch-
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Der Geheimrat runzelte die Brauen: „Schon wieder einmal abgebrannt? Aber Rolf, wann willst du denn endlich einmal vernünftig werden?"
Auf den Sohn schienen diese Worte sanften Vorwurfs keinen sonderlichen Eindruck zu machen. Lässig griff er an den Hut: „Verzeihe, Papa, ich habe einen Mordshunger. Wir sehen uns ja später noch."
„Schön, laß es aber nicht wieder so spät werden, das bitte ich mir aus!"
Rolf murmelte noch einige Worte, die gerade so gut Zustimmung wie Ablehnung bedeuten konnten und verschwand eilig im Innern des Hauses. Der Vater aber ging zu dem bereitstehenden Auto. Nach kurzer Fahrt stieg er vor dem Haupttore des Verwaltungsgebäudes aus. Bald saß er in seinem Arbeitszimmer, empfing der Reihe nach Direktoren und Sekretäre. Kurz und herrisch traf er seine Anordnungen. Hier verschwand das liebenswürdige Lächeln aus seinem Gesicht, mit dem er sonst alle Welt entzückte.
Die Besprechungen waren fürs erste beendet. Behaglich lehnte sich der Geheimrat zurück und schloß die Augen. Schaute er auf sein an Erfolgen so reiches Leben zurück: die bescheidene Beamtenwohnung in Düsseldorf, die noch bescheidenere Studentenbude in Hannover, das erste mühevolle Ringen, um aus der Tiefe zu des Lebens Sonnenhöhen emporzuklimmen? Damals, als er von den Westfaliawerken trotz seiner Jugend als Oberingenieur angestellt worden war, da wußte er bereits, daß seine Laufbahn erst begann. Aber daß sie ihn so jäh bergauf führen würde, das hatte er freilich nicht erwarten können. Nun, er hatte ja auch seine Ellenbogen gehörig gebrauchen müssen! Nicht überall kam man mit freundlichem Lächeln durch. Dann hieß es, die Zähne zusammenbeißen und entschlossen aufs Ziel loszugehen. Der Starke wird sich sein Schicksal immer selbst schmieden, ohne viel nach anderen zu fragen.
Ein leises Pochen störte ihn in diesen Gedanken. Sein Privatsekretär und Vertrauter Feodor Kummermann schritt fast geräuschlos über den weichen Teppich und legte einige Mappen auf den großen Schreibtisch. Mit einer sanften Stimme, die den Eindruck machte, als wäre sie geölt, machte er den Geheimrat auf das wichtigste
sehen."
Der Sekretär verschwand. Die Depesche lag noch immer uneröffnet auf dem grünen Tuch des Schreibtisches. Unschlüssig griff der Geheimrat danach, doch jedesmal zuckte die ausgestreckte Hand wieder zurück. Unwillkürlich mußte er an die Prophezeiung feines Dieners denken, daß ihm heute noch etwas Unangenehmes bevor- stand. Da huschte wieder sein Allerwettslächeln um feinen Mund. Er war doch kein altes Weib, daß er sich durch solchen Traffch ins Bockshorn jagen lieh! Dom Köhlerglauben der kleinen Leute hatte er sich doch gründlich befreit!
Jetzt öffnete er hastig das Telegramm, feine Blicke flogen über den aufgeklebten Inhalt, schweiften plötzlich zur Unterschrift und blieben darauf fo starr geheftet, als hätten sie etwas ganz Unfaßbares erschaut. Minutenlang verharrte er in dieser für ihn ganz ungewöhnlichen Erstarrung. Wer den Geheimrat Herbert Jlgenkamp in diesem Zustande gesehen hätte, würde ihn wohl kaum wieder erkannt haben. Verschwunden war alle Frische und das satte Behagen. Der Mann, der wie gebrochen in seinem Sessel hockte, schien plötzlich ein lebensmüder Greis geworden zu fein. Immer wieder fuhr er sich mit der bebenden Rechten über die schweißnasse Stirn. Seine Lippen formten abgerissene Worte, die scheinbar keinen Sinn hatten und nur von der furchtba'ren Erregung dieses Menschen Zeugnis gaben.
Wie lange hatte er nun das verhängnisvolle Telegramm in der Hand gehalten? Waren es wirklich erst fünfzehn Minuten? Ihm schien es eine unendliche Zeitspanne zu sein. So sehr er auch nach Fassung rang, es wollte ihm lange nicht gelingen, das seelische Gleichgewicht wiederzufinden.
Endlich aber raffte er sich doch auf. Mit einem Ruck erhob er sich aus dem Sessel, warf das Telegramm auf den Schreibtisch und wanderte nut verschränkten Ar-
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men in feinem Arbeitszimmer auf und nieder. Fieber- hast arbeitete fein Geist, um die neue Lage der Dinge, die ihm mtt wenigen Worten zum Bewutztfein gebracht worden war, nach allen Seiten zu durchdenken.
Ja, um Himmelswillen, war denn etwas so Furcht- bares geschehen, daß ein Mann wie Geheimrat Ilgen- kamp damit nicht fertig werden konnte?
Aus Riga kam das Telegramm. Sein totgeglaubter Stiefsohn Erich teilte ihm mit, daß er nach unsäglichen Strapazen Riga erreicht unb dort auf ein Schiff warten wollte, das ihn endlich zur Heimat brächte. In fpäteften» acht Tagen hoffe er in Herkenhof zu fein.
Das war der Jnhatt des Telegramms, das den Geheimrat in eine fo unbeschreibliche Aufregung versetzt hatte.
Während feines rastlosen Auf- und Abgehens mur- mette er zähneknirschend: „Ich hätte eher an den Einsturz des Himmels als an die Möglichkeit geglaubt. Gewiß, die Auskünfte, die ich einholte, lauteten samt und sonders höchst unbestimmt. Nur Rolfs Chauffeur wollte gesehen haben, daß Erich gefallen war. Auf dieses Zeugnis hin habe ich die Todeserklärung beantragt. Da ich der Erbe feines Bruders war, der nur ein Alter von zwei Stunden erreichte — haha — hätte ich den ganzen Termöllenfchen Anteil an den Westfaliawerken bequem in die Tafche stecken können, unumschränkter Herr eines der größten Werke im rheinisch-westfälischen Industriegebiet fein können. Und nun spielt mir dieser unangenehme Bursche einen solchen Streich! Ist gar nicht tot! Ich werde, um den Schein zu wahren, meinen ganzen Einfluß aufbieten müssen, daß er gerichtlich so rasch als möglich wieder ins Leben gerufen wird. Und der Bengel ist jetzt annähernd dreißig Jahre alt! Wäre er auch nur im entferntesten fo veranlagt wie Rolf, bann hätte es keine Not. Aber er hat die alle Termöllensche Art in höchster Potenz geerbt, und ich kann mich vor ihm wohl in Acht nehmen. Na, es ist ja nur ein Glück, daß er mir meines Bruders Anteil nicht bestreiten kann! Aber das ist ja nur einer von dreien! Bruno Brackenberg hält sich mit Erich zusammen durch dick und dünn!"
--- -- -..... ÄfodfetiuuB folgt.) '