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Fuldaer Zeitung

4.

liefert

Im Steinerhaus — J. Mathe» — Buttermarkt 14.

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Ich komme also wie immer!

an ihre Brust. Dann preßte sie einen Kuß

Irma Brackenberg erhob sich von ihrem Platze

vor

bleibt.

Die Hände nieder

sich auf das

dem Schreibtisch ihres Bruders und meinte: „Die Briefe, die du mir diktiertest, sind geschrieben. Hast du sonst noch etwas für mich?"

Lächelnd wandte Bruno aus dem Schaukelstuhl sein Haupt der Schwester zu und gab zur Antwort: „Ich habe dich wahrhaftig lange genug festgehalten. Bald muß es Abend sein. Geh noch ein Weilchen in den Park. Die frische Luft wird dir gut tun. Wenn du mir dann heute Abend noch ein Stündchen vorlesen möchtest, wäre ich dir von Herzen dankbar."

..Aber das ist doch selbstverständlich. Bruno! Meinst du, ich ließe dich im Stich? Bin ich nicht deine Schwe­ster?"

„Wahrhaftig, die Menschen müssen mich um eine solche Schwester beneiden. Mit Schrecken denke ich bar­

ten mit höherer Kultur und größerem Feingefühl zeigt, was wir verloren haben. Es ist daher freu­dig zu begriißen, daß man jetzt eins Samm­lung von Musterentwürfen für wenig Geld haben kann, die ganz im Anschluß an die gute Ueberlieferung, an echte, alte Handwerker­kunst gehalten und für den kleinen ländlichen Mei­ster ohne weiteres als Vorbilder zu gebrauchen find. Und für jeden anderen künstlerisch In­

teressierten ein wertvolles Studienmaterial dar­stellen Die geschmackvolle Mappe mit 150 Grab­malentwürfen auf 21 Blättern ist herausgegeben von der Regierung von Schwaben und Neuburg und zum billigen Preise von drei Mark bei der Regierung, Kammer des Innern, in Augsburg er­hältlich bzw gegen 3,70 Mark Nachnahme von dort beziehbar. Diese Musterentwürfe wurden cm alle Gemeinden und Steinmetzwerkstätten des Be­zirkes verteilt und sollen allgemein zur Einfüh­rung kommen, ein Verfahren, das sich anderswo auch empfiehlt. Der Steinmetzverband soll, wie verlautet, der Bewegung zur Hebung der Grab- malkunst das größte Interesse entgegenbringen in der richtigen Erkenntnis, daß die Verhältnisse nur durch Rückkehr zur einer echten materialgerechten Handwerkskunst gesunden können.

Für jeden Heimatfreund ist diese Sammlung von hohem Reiz, zumal sie nicht nur maßstäbliche Aufnahmen mustergültiger alter Grabsteine zeigt, sondern auch moderne Formen, die in vernünf­tiger, naturgemäßer Weiterentwicklung der alten entstanden sind. Dabei muß ausdrücklich hervor­

gehoben werden, daß es sich keineswegs um pom­pöse, aroßartigs Grabstätten handelt, sondern durch­weg um kleine einfache Steine, die mit äußerster Beschränkung in den Mitteln doch die denkbar größte künstlerische Wirkung verbinden. Außerden werden Grabmale aus Holz u. solche aus Schmiede, eisen vorgeführt schließlich wird auf zwei Tafeln noch mustergültige Schrift gezeigt und eine auf­schlußreiche Deutung der früher häufigen Symbole

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Eintritt frei, Unkosten gebeten.

wäre, dann müßte er die Leitung der Werke in fremde Hände legen. Die technische Seite des Betriebes inter­essiert ihn gar nicht, der kaufmännischen gewinnt er nur so weit Berständnis ab, als er klug die möglichen Ge­winne herausrechnen würde. Ein solcher Mann aber muß jemanden an seiner Seite haben, der so viel Autori­tät besitzt, daß er ihn zu einer anderen Auffassung seiner Pflicht erzieht." Irma, die doch am Anfänge der Un- terhaltung Rolf verteidigte, hatte diese letzten Worte mit unverkennbarer Bitterkeit und Schärfe gesprochen. Sie machte einige rasche Schritte zur Tür hin. Da rief Bruno ihr nach: „Einen Augenblick noch, Schwesterchen! War­um sollen wir die begonnene Unterhaltung nicht zu Ende führen? Deine Worte haben mir ja letzten Ende» in allem recht gegeben. Sie bestätigen, daß du dich um der Firma willen an einen unwürdigen Menschen hinopfern lassen willst. Gibt es denn wirklich keine Lösung? Sonn­ten wir die jahrzehntelange Teilhaberschaft nicht aufkün­digen, weil von unserer Familie niemand mehr da ist, der sie praktisch ausüben kann?"

„.Rein, Bruno, das können und wollen wir nicht! Es wäre undankbar. Unser Baier hatte ja auch kein Inter­esse am Betrieb, er ließ erst Onkel Termöllen, später Dit­tel Ilgenkamp arbeiten und strich die hohen Gewinne ein. Wenn wir heute reiche Leute sind, so verdanken wir das nur den Teilhabern des Vaters. Daran müssen wir jetzt auch denken."

„Trotzdem ist mir der Gedanke unfaßlich, daß du an Rolfs Seite dein Leben verbringen sollst. Ja, wenn es Erich Termöllen wäre! Mit tausend Freuden sagte ich zu dieser Verbindung ja."

Irma wurde bei diesen Worten einen Schein bleicher. Fest preßte sie die Zähne zusammen, um ihrem Gehege kein unbedachtes Wort entschlüpfen zu lassen. Niemals durfte ein Mensch — nicht einmal ihr Bruder, vor dem sie sonst teilte Geheimnisse hatte, erfahren, was Erich Termöllen ihr angetan hatte. Endlich hatte sie sich so weit gefaßt, daß sie ruhig zur Antwort gab:

„Wie tommst du gerade auf Erich Termöllen? Der fontmt doch nie wieder!"

.Ist das wirklich so sicher? Schmachtet nicht noch mancher Kämpfer in russischer Gefangenschaft? Er ist nur als vermißt erklärt worden/ ’ v T ”*r\

Schlimmer als Kunststein sind die Erzeugnisse einer irrenden Maurerphantasie, die sich in letzter Zeit auf den Gräbern des sogenannten kleinen Mannes breit machen: Kopfsteine aus Zement, ber mit weißen oder gelben Kieselsteinen gespickt ist. Manchmal hat sich dann noch oben drauf ein trau­ernder Engel aus weißer Porzellanbiskuitmasse niedergelassen, der das Köpfchen mit der Hand stützt, offenbar im Nachdenken versunken über dies Monstrum von Scheußlichkeit.

Der kleine Meister ist zudem heute vielfach Händler geworden, dem die Freude an der Arbeit, am Gelingen des eigenen Werkes fehlt. Und weil ihm dazu' der Sinn für Qualität fehlt, nur da­durch ist es möglich, daß er sich die ältesten La­denhüter aufhängen läßt, die kein Mensch in der Großstadt mehr loswerden kann. Das Publikum kennt die Verhältnisse ebensowenig, scheut sich auch vor hohen Transportkosten und anderen Un- beguemlichkeiten und nimmt den vorhandenen Schund.

Wie kann man aus dem Wirrwarr dieser Zu­stände herauskommen? Ein Blick auf ältere Zei-

Festrede der Herrn Direktors Steyer:

Der Sinn der Volksvereinsarbeit in der modernen Zeit.

Lied: Im Hochgebirge

an, daß ich dich an einen Mann verlieren könnte. Krüp­pel wie ich sind nun einmal Selbstsüchtlinge."

Irma erwiderte ganz ruhig: „3n dieser Beziehung brauchst du gar keine Befürchtung zu hegen. Onkel Her­bert hat mich seinerzeit zu der Verlobung mit Harry gedrängt. Aus Familiensinn gab ich mein Jawort, weil ich erkannte, daß auf diese Weise der Firma am besten gedient wird. In der letzten Zeit macht sowohl Onkel Herbert als auch Tante Ruth Andeutungen, die durch- aus nicht mißverständlich sind: Sie wünschen lebhaft, daß ich Rolf heiraten soll."

„Was sagt denn Rolf zu diesen Plänen?"

,„Jch treffe ihn selten genug. Kann man es ihm ver­denken, wenn er nach der Plackerei mit den Prüfungen ein wenig ausspannt?"

Mit trübem Lächeln erwiderte der Bruder: „Soweit ich Rolf kenne — viel verkehrt haben wir trotz der nahen Beziehungen unserer Familien nie zusammen — wird diese Ausspannung bei ihm reichlich größer ausfallen, als du dir denkst. Onkel Herbert versorgt ihn ja aus­giebig mit Geld, von Tante Ruth hat er erst recht keinen Einspruch zu befürchten. Warum sollte er sich da also Zügel anlegen? Der Gedanke, daß dieser genußsüch- tige Mensch einmal an der Spitze der Westfaliawerke stehen soll, bereitet mir mitunter geradezu Unbehagen. Ich spreche offen zu dir, weil ich dir von vornherein die Augen öffnen möchte. In einer Ehe mit Rolf wür­dest du die schwersten Enttäuschungen erleben, und davor möchte ich dich bewahren."

,Ich glaube, du beurteilst Rolf ein wenig zu hart. Daß er das Leben mit vollen Zügen genießt, will ich nicht bestreiten. Und gerade darum möchte ich später einmal an seiner Seite stehen. Ich habe während des Krieges in der Buchhalterei der Westfaliawerke gearbeitet und auf diese Weise Einblicke in den Betrieb gewonnen, die mir ein Urteil darüber wohl gestatten. Ich würde meine ganze Tatkraft aufbieten, um auch in Rolf ein größere» Interesse für das Werk zu wecken, mit dem unsere beiden Familien unlöslich verbunden sind. Ich gebe mich aber durchaus keinen Illusionen hin, daß meine Aufgabe leicht fein wird. Wenn Rolf jedoch eine Frau heiratete, die etwa jo wie Tante Ruth geartet

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Ruhig gab sie zur Antwort: „Was soll es zwischen uns gegeben haben, Omama? Wir sprachen ja im Musik­zimmer kaum ein Wort zusammen. Aber freilich, die jäh aufkeimende Hoffnung hatte ihn wohl stark erregt. Man merkte es seinem Spiele an, das aus den Tiefen feiner Seele zu kommen schien."

„Und du wirst mir nach wie vor die schönen Rach- mittagsstunden schenken?"

„Aber, Omama, wie kannst du nur fragen! Schon um deinetwillen möchte ich keine Aenderung eintreten lassen. Und SBruno hat es in den letzten Tagen seiner Anwesenheit bei uns nötiger denn je, daß er aufgeheitert wird, damit (eine zuversichtliche Stimmung erhalten

r. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruck-Oei, Fulda

ihre Haarkrone und raunte: „Möge Gott dir Glück geben, das du im reichsten Maße verdienst!

M 278.

Gamstag, 3. Dezember 1927.

Das Haus Termöllen

Roman von Emil Frank.

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FESTFOLGE:

1. Motto: Der Herr ist mein Hirt

2. Begrüßung durch den Geschäftsführer

3. Lied: Glaube, Hoffnung, Liebe

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Greisin erhob ihre von der Gicht verzogenen empor, ergriff Hetes Haupt und zog es zu

, Des Sohnes Heimkehr

, Wem Gott will rechte Gunst erweisen

, Am deutschen Rhein

jedoch wird um einen freiwilligen Beitrag zur Deckung der

Der Geschäftsführer.

Onkel Herberts Nachforschungen haben doch klar ge­nug" ergeben, daß an Erichs Tode leider nicht zu zweifeln ist Lebte er noch, so hätte er gewiß Mittel und Wege gefunden, eine Nachricht in die Heimat gelangen zu lassen."

„Du ziehst die russischen Verhältnisse nicht in Betracht. Wer nach Sibirien gebracht worden ist und nach beende- tem Kriege kein Geld besah, der wird lange Zeit gebrau- chen, um in die Heimat zurückzukehren. Ein Kerl wie Erich kommt heim, verlaß dich darauf. Ditte versprich mir ein», Irma: Wenn Rols um dich wirbt, dann warte mit der Antwort wenigstens so lange, bis wir den un­umstößlichen Beweis in Händen haben, daß Erich nicht mehr unter den Lebenden ist."

Hoch aufgereckt stand Irma in der Mitte des großen Raumes. In ihren Blicken lohte es heiß auf — doch wie so ganz anders war dieses Feuer als sonst! Das war Haß und Verachtung, was jetzt aus ihren Augen sprühte. Nun verlor sie doch die Selbstbeherrschung, auf die sie sich sonst so viel einbildete. Hestig sprudelte sie hervor: „Erich würde ich nun und nimmer heiraten. Keine Macht der Welt könnte wich dazu bewegen!"

Erstaunt fuhr Bruno auf. So hatte er die Schwester noch nie gehört. Könnte er ihr doch jetzt ins Gesicht schauen, um bester die Gemütsregungen ablesen zu kön­nen ,die sich darin spiegeln! Doch ganz ruhig gab er zur Antwort: „Auch deine große Liebe zu den Unionwerkeu nicht?"

„Nein, auch sie nicht."

„Möchtest du mir nicht sagen, warum gerade Erich dir eine so große Abneigung einflößt? Ich kenne ja meine Schwester, die sonst so streng rechtlich urteilt, gar nicht wieder."

„Laß das, Bruno! Ich kann darüber zu keinem Men­schen reden, auch zu dir nicht! Daß ich aber nicht ohne die triftigsten Gründe so spreche, wie ich es vorhin tat, dafür müßtest du mich doch kennen. Ich gehe jetzt für ein Weilchen in den Park. Bald bin ich wieder bei dir und lese dir vor."

Mit raschen Schritten verließ sie das Gemach des Bruders.

Bruno Brackenberg schüttelte immer wieder erstaunt den Kopf. Tiefgreifendes mußte zwischen diesen beiden

Die Saarfrane.

Im Plenarsitzungssaal des Rsichswirtschaftsra- tes hat auf Veranlassung des Beratungs- und Aufsichtsausschusses des Saarvereins eine Ver­tragsveranstaltung über den Stand der Saarfrage stattgefunden. Die Veranstaltung bezweckte, ein zuverlässiges und zusammenfassendes Bild über den Stand der Saarfrage zu geben.

Oberlandesgerichtsrat Andres (fixierte den Kampf der Saarbevölkerung um den Wiederan­schluß an das Reich. Das tapfere saarländische Volk in seinem zähen Kampf um seine Befreiung haben Anspruch darauf, nichtimSticheg e l ai- s e n zu werden. Die Voraussetzung für eine gluck- liche Lösung aller Saarfragen werde immer eine lebhafte Fühlung der politischen Kreise Deutsch- lands mit den Vertretern der Saarbevölkerung ^Redakteur Scheuer-St. Ingbert (Ztr.) schil­derte die Lage der Saarbevölkerung vom poli­tischen Standpunkt aus. Bei dem herrschenden Regime müsse die Bevölkerung geschlossen vorgehen und bei dem jetzigen Stand von nur fünf politischen Parteien sei diese Ge- schlossenheit einigermaßen erreicht. Alle in Betracht kommenden Stellen sollten den Saar- verein in die Lage versetzen, die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Wirken zu schaffen.

Chefredakteur Braun-Saarbrücken (<->. P. -0.) sprach über die wirtschaftliche, besonders die roh- lenwirtschaftliche Frage. Der lothringische Berg- bau habe einen Vorstoß in das Saargebiet unter- nommen. der den saarländischen Bergbau schwer bedrohe und den Ablatz immer mehr schmalere. Bei der künftigen Zollregelung müsse versucht wer- den, der Saarkohle den Absatz nach Frankreich ach- recht zu erhalten. Nachdem noch Pfarrer Schlich- Saarbrücken (Ztr.) und andere Vertreter der polt- tischen Parteien des Saargebietes gesprochen hat­ten, wurde die Veranstaltung mit kurzen Diskussio­nen geschlossen.

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= Altjüdische Tanzkunst. Den Spuren des altjüdi- schen Tanzes, der ja in der Bibel und auch im fpateren Schrifttum vielfach erwähnt wird, ist das frühere Mit- glied des russischen Hofballets Baruch Agadati in zehn- jährigen Studien in Palästina und Arabien nadjgegan- gen. Die Ergebnisse führt er jetzt aus einer Reise durch Europa und Amerika vor._____________

= Rußland baut Nähmaschinen. Der russische Trust Gosschweimaschina" hat sein Produktionsprogramm für 1926-27, das auf 190 000 Nähmaschinen festgesetzt war­um 5000 überschritten, für 1927-28 plant der Trust die Herstellung von 250 000 Nähmaschinen.

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wie Sanduhr, Mohnkapsel, Schmetterling ufw. ge, gehen. „

Wenn auch nur ein kleiner Teil der vortreff­lichen Anregungen aus dieser Dorbildersammlung Wirklichkeit würde, ja, wenn nur erst einmal au! jedem Friedhof ein paar solcher Steine ausgestellt wären, man sollte doch denken ,daß das gute Bei­spiel die Kraft habe, weiterzuwirken. Gerade am diesen kleinen, belcheidenen Stimmen mag ms« auch ersehen, daß b?e Beschaffung eines Grabmals viel weniger eine Geldfrage als vielmehr ernt Frage des Geschmacks und der Gesinnung ist. Sei anständigen Gesinnung beim Verkäufer wie beim Besteller. Wie mancher halbverstn-pene Stein auf einem stimmungsvollen Dorff zeugt noch heute von dieser vornehmen Gesinnung, die ubei das Grab hinaus ging, wie ma.:cher dieser stum­men letzten Zeugen einer künstlerisch ungleich höhevgestellten Zeit scheint uns Spätgeborenen di, recht vernehmliche Mahnung zuzurufen:

Ihr wandelt auf ©rädern im Sonnenlicht! Ehrt diese Stätte! Schändet sie nicht!

Gerh.Wieganö

Gegr. 1845 Mittelstratze 1 Fernjpr. 445.

Grabmalkunst auf dem Lande.

Von Kreisbaurat Dr.-Jng. Freckmann.

Welcher Heimatfreund hat nicht schon mit Be­trübnis festgestellt, daß die Mehrzahl aller neu­eren Grabdenkmäler auf unseren ländlichen Fried­höfen von einer Geschmacklosigkeit ist, die meist in schneidendem Gegensätze steht zur landschaftlich schönen Lage des Friedhofs selbst! Woran liegt das? Wie kann man diese Verhältnisse bessern? Wir wollen nicht ungerecht sein und nicht gleich den Nachkommen Pietätlosigkeit gegenüber ihren Verstorbenen vorwerfen. Im Gegenteil, mancher mag mit viel Liebe, Sorgfalt und Ueberlegung bei der Auswahl eines Grabsteins zu Werke ge­gangen fern. Und doch dieser betrübende Erfolg, dies niederschmetternde Ergebnis! Ist die Kultur­losigkeit unseres Ehauffeurzeitalters daran schuld, die allgemeine Geschmacksverwilderung der Zeit, ihre Hast und Unrast, ihr kaltblütiger Geschäfts­geist, der selbst vor der Friedhofspforte nicht Halt macht? Liegt die Schuld nur am Besteller und nicht auch beim Fabrikanten, beim Handwerk? Schon der Ausdruck Fabrikant wirkt in diesem Zusammenhang häßlich und stillos, beleuchtet aber die Sachlage. Gewiß ist die fabrikmäßige, serien­weise Herstellung von Grabsteinen keineswegs ein erhebender Gedanke, aber die Tatsachen liegen heute merkwürdigerweise so, daß diese Industrie- Produkte wesentlich besser, geschmacklich einwand- freier sind als die Erzeugnisse des kleinen länd­lichen Meisters. Vor jedem Großstadtfriedhof kann Iman heute gang ausgezeichnete Grabsteine preiswert kaufen. Leider haben diese ihren Weg noch nicht auf das Land gefunden, ja, es scheint vielmehr, als ob hier aller Unrat, alle Kulturlosig­keit über die Provinz, über das platte Land in reichlicher Menge ausgegossen sei. Nicht nur be- !teht keinerlei Auswahl, weil es dem kleinen Mei- ter am Betriebskapital fehlt, nein, schlimmer ist, daß es ihm meistens auch an jeglichem Geschmack fehlt. Es gibt nach unserem Wissen kaum eine brauchbare Zeitschrift für ihn mit guten Vor­bildern. es gibt auch keine Friedhofsordnungen, keine Nftmstkommissionen, denen — wie in den grö- tzeren Städten allgemein — jedes Grabmal erst im Entwurf zur Genehmigung vorzulegen ist. So sind diese kleinen Meister auf dem Lande, die zu­dem sich häufig aus Maurer- und nicht aus Stein- metzkresien rekrutieren, ganz auf sich selbst ange­wiesen, vielleicht noch bart bedrängt durch eine skruppÄlose Konkurrenz — was Wunder, daß sie größtenteils schauerliche Gebilde fabrizieren? Hin- Sitommt der Mangel jeglicher kunsthandwerklicher

eberfieferung. Der Mangel an geeigneten Vor­bildern, besonders in Gegenden, die arm an brauch­baren Natursteinen sind. Hinzukommt die Ver­wendung von Kunststein, dem Surrogat für den edlen Naturstein, ferner die schwarze Glasplatte mit geblasenen Buchstaben, das Surrogat für die dunkle Granit- oder Marmorplatte mit eingemei­ßelten Buchstaben. Zugegeben, daß es heute einige wenige Firmen geben mag, die verhältnismäßig anständige Arbeiten in Kunststein liefern, aber diese Firmen sind nicht auf dem Lande vertreten, dem kleinen Meister fehlt es an den nötigen Ein­richtungen dafür. Deshalb ist der Erfolg meist so beklagenswert: in längstens fünf Jahren schwit­zen diese Kunststeine den Zement durch ihre äußere Hülle hindurch und wirken häßlich und unansehn­lich, während der Naturstein eine schöne Patina annimmt und damit nur noch um so vornehmer wirkt.

Auch ist es oberster Grundsatz, die Einheit­lichkeit des Materials zu wahren. Also bar man nicht in heilen Sandstein rabenschwarze Plat­ten mit protzigen Goldduchstaben einsetzen, nicht in Denkmäler aus dunklem Granit oder Syenit oder Labrador weiße Marmortafeln einlassen.

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