S4.Zahrg
Nr. 263
Dienstag, 15. November 1927
Besetzung Maas durch die Nankingtruppeu
Zentrum und Einheitsstaat
sie in allen zehn, zwanzig, fünfzig Jahren aufeinander stürzen? Wenn das wirklich so sein sollte, dann müßte man an der Zukunft der Völker verzweifeln. Ich rechne eS mir zur Ehre an, von Deutschland gefordert zu haben, daß eS am Friedenswerk unter Aufrechterhaltung der unterzeichneten Verträge und unter der Bedingung gegenseitiger Loyalität mitarbeitet. Briand forderte dann, daß die politischen Abkommen durch Wirtschaftsabkommen vervollkommnet werden und suchte schließlich zu beweisen, daß der vor zwei Tagen unterzeichnete französisch-südslawische Vertrag auch ein Friedensvertrag fei, der kein anderes Land bedrohe
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
Zentrums'Krsolg bei her hessischen Laubtagsmahl Such bei der Danziger Volkswahl gewinnt das Zentrum Mandate.
Briand über die Außenpolitik.
„Vas deutsche und das französische Volk sind große Völker."
Besetzung Hankaus durch dle Nankingtruppen.
wtb. London, 14. Nov. (Eig. Funkm.). „Daily Ehronicle* berichtet über Newyork: Meldungen aus Schanghai besagen, daß die Nanking-Truppen Hankau gestern am späten Nachmittag, ohne einen Schuß abzufeuern, beseht haben. Die Ausländer seien in Sicherheit hinter Stacheldrahtbarrikaden unter der Deckung der Kriegsschiffgeschütze. Nach einer Meldung Reuters ist die Besetzung Hankaus erst am Dienstag zu erwarten.
In Ergänzung anderer Mitteilungen über die Besprechung in den Zentrumsfraktionen wird uns von preuß. zentrumsparlamentarischer Seite noch mitgeteilt:
Am 10. November hat die angekundlgte große Sitzung der vereinigten Berliner Zentrumsfraktionen zwecks grundlegender Erörterung über den Einheitsstaat stattgefunden. Beide Fraktionen hat- ten ihre Mitglied, für diese Sitzung besonders nach Berlin beordert. Die Leitung lag in Händen des Vorsitzenden der Reichstaqsfraktion von Guerard. Der Reichskanzler und die Minister des Reiches und der Länder waren fast vollzählig erschienen. In vier bochstebenden Referaten verbreiteten sich die für diese Sitzung bestellten Redner über ihr Thema, nämlich die Abgeordneten Dr. Brüning vom Reichstag, Dr. Keß und Dr. Lauscher vom Landtag und der badiscke Kammerpräsident Prof. Baumgartner. Schon die Auswahl der Redner bürgte für erstklassige Leistungen. Das Thema wurde denn auch von den Referenten so erschöpfend behandelt, daß die Versammlung beschloß, ohne jede weitere 'Diskussion die Ausarbeitung eines dem Reichsausschuß der Partei demnächst zu unterbreitenden Programmentwurfes einem Unterausschuß zu übertragen. Diesem gehören an, die Herren von Guerard. Dr. Porsch, Dr. Brunmg,
liberale Partei 4 Sitze (-), Deutscknaft onale Dolkspartei 25 Sitze (33), Deutsch-soziale Partei 1 (7), Fischer 1 (D, Kommunisten 8 <&rye (11), Mieter- und Gläubiger - Parte, 3 (1), Nationalliberale Bürgerpartei 5 (—), Natwnal-Co- zialisten 1 Sitz (—), Polen 3 Sitze (5), Sozialdemokraten 42 (30), Wirtschaftliche 1 Sitz ( ,< Zentrum 18 Sitze (15).
Wahlen zur klnyestelltenversicherung.
Unter stärkster Beteiligung wurde in Berlin zur Anaestelltenversicherung gewählt. Gegenüber 1922, wo nur 53 000 Stimmen abgegeben wurden, zählte man fetzt 138 985 Stimmern Stele ganz unerwartete starke Wahlbeteiligung hat vielfach zu großen technischen Schwierig, keiten geführt. Unter anderem stellte stch vielfach heraus, daß die bis 3 Uhr befristete Walll- iteit nicht ausreichte oder die Wahlumschlage nicht zureichten, sodaß viele Wähler unter Protest die Wahlstätte verließen, da sie unabgefertigt blieben. Die Auszählung der auf 13 Wahllisten vertettr-a Stimmen findet erst in den nächsten Tagen statt. Wie in Berlin war auch im übrigen Reich, soweit die Wahl stattfand, die Wahlbeteiligung über alle Erwartungen stark. So wurden in München 17 000 Wähler gegenüber 9600 bei der letzten Wahl gezählt. In Hamburg, wo auch noch gewählt wird, wurden schon 27 600 Stimmen gegen 11400 bei der vorigen Wahl abgegeben. In Gruben wurden 1164, in Kottbus 1884 Stimmen abgegeben. Wie ein Montagblatt meldet, weist das Berliner Hauvt- wahlamt darauf hin, daß die Beteiligung an der Wahl vorher nicht zu übersehen gewesen wäre. Sollte in den einzelnen Bezirken Proteste gegen die Gültigkeit der Wahl erhoben werden, die sich auf die Tatsache berufen, daß wegen mangelnder Wahlumschläge ein Teil der Wähler nickt mehr zugelassen werden konnte, so seien diese Proteste berechtigt.
In Fulda findet diese Wahl erst am kommenden Sonntag statt.
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wto. Berlin, lö. November. (Eia. Funkm.) Nach den bis heute mittag vorliegenden Meldungen aus 121 Bezirken im Reich entfielen auf den gestrigen Angestelltenwahlen auf den Hauptausschuß 321 Vertrauensmänner und 592 Ersatzmänner, auf die Liste des Afabundes (Sozialisten) 39 Der- trauensmänner und 114 Ersatzmänner, auf die Liste der ®. D. A. 6 Vertrauensmänner und 19 Ersatzmänner. In Berlin wurden 138 985 Stimmumschläge abgegeben. Die Wahlbeteiliaung überstieg die der letzten Wahlen ganz erheblich. Sre dürfte etwa 85—90 Prozent der wahlberechtigten Angestellten betragen. Das genaue Ergebnis für Berlin wird wahrscheinlich erst heute nachmittag festgestellt werden. Gleichzeitig wird man sich auch über die Frage schlüssig werden, ob die, Proteste gegen das Wahlergebnis in Berlin, die besonders wegen des Mangels an vorgeschriebenen Wahlumschläge eingelegt wurden, berechtigt sind ober nicht. Das Gesamtergebnis aus dem Reich wird voraussichtlich erst am 20. Dezember des Jahres vorliegen.
gehandelt. Ich kann ihnen nichts vorwerfen. Ich habe nicht gezweiselt, daß sie dies tun würden und muß, um gerecht und ehrlich zu fein, hinzufügen, daß diejenigen, die die besiegte Nation vertraten, als sie mit mir, dem Vertreter der siegreichen Nation, zusarnmenkamen, um vom Frieden zu sprechen, gezwungen waren, eine Geste zu tun, die einen ganz besonderen Mut 6ebeutete unb eine ernste Sache gegenüber der OeffentKchkeit ihres Landes war, unb das hat auf mich großen Eindruck gemacht.
ner wurde eine groß angelegte Brandstiftung verübt. Der Feuerwehr der britischen Konzession gelang es jedoch, den Brand zu besckränken. In der Chinesenstadt sind indessen neue Brände ausge- brachen. Nach den letzten Meldungen aus fianfau sind die Unruhen im Abflauen. General Hochien erklärte sich von General Tschangsenll hr unabhängig. Gegenwärtig steht er in Verhandlungen mit den Führern von Nanking.
Indien.
Der indische Nationakkonqreß gegen den geplanten verfasiungsausschuß.
wtb. Madras. 14. Nov. (Eig. Funkm.) Alle Parteien des indischen Nationalkongresses nahmen e i n M a n i f e st an, in dem für den Boykott gegenüber den Arbeiten des geplanten Parlament- äusschuffes für die indische Verfassungsreform ein- getreten wird
Der letzte Sonntag hat in den verschiedensten Bezirken Wahlen gebracht, die bei der zur Zeit herrschenden politischen Hochspannung selbstverständlich die größte Beachtung verdienen und auch finden. Die Wahlen zu der Bremer Bürgerschaft brachten bei einer ungemein großen Beteiligung sozialistische Erfolge. Ein gleiches war in dem leider außerhalb des deutschen Reiches gelegenen, aber von der deutschen Politik stark mit beeinflußten Danzig der Fall, wo das Parlament neu gewählt wurde. Auch bei den Wahlen zur Angestelltenversicherung, die vielerorts schon am Sonntag stattfanden, während sie in anderen Bezirken erst am kommenden Sonntag vorgenommen werden, herrschte größte Wahlbeteiligung. In starkem Gegensatz zu diesen Erscheinungen steht die Wahl im Freistaat Hessen, wo nur die Hälfte der Wahlberechtigten zur Wahlurne gegangen ist. Man muß das zurückführen auf die Tatsache, daß von den hessischen Rechtsparteien schon vor etwa Jahresftist eine Volksabstimmung erzwungen worden war, die damals mit großer Energie von den Rechtsparteien vorbereitet wurde. Den Bemühungen der Rechtsparteien war damals ein Erfolg gegen die bis dahin in Hessen bestehende Regierungs-Koalition von Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten nicht beschieden. Es scheinen aber von dieser Aktion her, namentlich im bürgerlichen Lager, Müdigkeitser» febeinungen zurückgeblieben zu sein, die die schlechte Wahlbeteiligung erklären. Aber auch die hessischen Sozialdemokraten haben viel Stimmen verloren. Ein Teil davon ist den Kommunisten zugute gekommen, was sich auch in einem Mandats-Gewinn ausdrückt. Die unter führender Mitwirkung des bekannten Darmstädter Aufwertungsmannes, i Dr. Best, ins Leben gerufene neue Aufwertungspartei hat drei Mandate erhalten. Irgend "ein wesentlicher Einfluß dieser drei Leute auf die Stellungnahme des Landesparlaments In der Auswertungsfrage ist natürlich ausgeschlos» f e n. Die Deutschnationalen haben die drei Mandate ,die die Aufwertungspartei erhielt, verloren und sind damit um die Hälfte ihrer Mandatszahl zurückgegangen.
Hocherfreulich ist das hessische Wahlergebnis für die deutsche Zentrums-Partei. Wenn sie auch unter der allgemeinen Wahlmüdigkeit etwas mitzuleiden hatte, so blieb in ihren Reihen doch diese Ermüdungserscheinung wesentlich geringer als bei den anderen Parteien. Das kommt dadurch zum Ausdruck» daß das Zentrum zwei Mandate gewonnen und damit eine verstärkte Stellung in der kommenden Regierung sich gesichert hat. Der Erfolg ist wohl der ungemein rührigen Tätigkeit der hessischen Zentrumspartei unter ihren bewährten Führern Dr. Nuß und Dr. Bockius zu danken. Der Wahlausgang zeigt aber auch für die Zentrumspartei im allgemeinen, daß die Wähler- fretfe des Zentrums für die verantwortungsbewußte Politik unserer Partei Verständnis haben. Man darf nicht übersehen, daß heute an Stammtischen und anderen Orten,
Dr. Heß, Dr. Lauscher, Profeflor Baumgartner Iustizminister Bolz aus Württemberg und Abg Dr. Bockius aus Hessen, sowie Frau Mimsterral- rat Helene Weber. .
Die ganze Veranstaltung war gedacht als eine Art von erstmaliger Vorbehandlung. Sie ist weil mehr geworden. Man kann heute schon sagen, daß das Zentrum den Einheitsstaat ablehnt und an der föderativen Struktur des deutschen Reiches festhält. Die Zentrumspartei wird sich ebenso wenig von den rein politischen Tendenzen der Linken ins Schlepptau nehmen, noch sich von der so bestechend klingenden Behauptung irgendwie gearteter Wirtschafts- und Interessennerbände, der Einheitsstaat bedeute eine Sparmaßnahme größten Stiles, feine ruhige Ueberlegung beeinträchtigen taffen.
Warum lehnt das Zentrum den Einheitsstaai ab? '.
1. Well der Nachweis, daß durch und mit ihm Geld gespart und die Steuerlast des Volkes gesenkt werden könne, nicht hur nicht zu erbringen ist, sondern weil höchst wahrscheinlich umgekehrt der sog. Einheitsstaat teurer würde, als es der Föderativstaat ist. Die Formusterung, daß Zen- tralifierung gleich Verbilligung fei, ist erfahrungsgemäß ein grober Trugschluß. Der auch vom
In Nantes wurde die Kandidatur Briands für die kommenden Kammerwahlen aufgesteNt. Im Verlauf eines ihm zu Ehren veranstalteten Banketts ergriff Außenminister Briand das Wort zu einer »roßen außenpolttischen Rede. Er erinnerte daran, daß er bereits 1921 in Cannes eine ernste Anstrengung unternommen habe, um in Europa und der Wett einen soliden Frieden zu schaffen. Er habe damals die Grundlage für eine Organisation gelegt, auf der er gehofft habe, ent dauerhaftes Gebäude errichten zu können. Die Ereignisse hätten es damals nicht gestattet. Die Stunde fei verfrüht gewesen. Inzwischen aber sei es ihm gelungen, im Völkerbund das Notwendige zu veranlassen, in der Gewißheit, daß er im Namen der ungeheuren Mehrheit der Franzosen spreche, und dem jetzigen noch beunruhigten Europa sei es gelungen, die Friedensaussichten zu verttesen. Was kann Frankreich jetzt tun, um feiner Vergangenheit treu zu bleiben und die Zukunft, auf die es Anspruch hat, zu haben? Es kann sich nur entschlossen dem Frieden zuwenden und ote Völker auffordern, im Falle eines Konfliktes juristische Verhandlungen zu organisieren. Ich sehe durchaus nicht ein, inwiefern bie Organisierung des Friedens den Mut und die Moral einer Nation herabmindern könnte. Zwei Völker, das deutsche und das französische Volk, haben sich Jahrhunderte lang bekämpft. Nur Blut hat die Seiten der Geschichte gefärbt. Mutzte man weiter Zorn, Haß und Mißverständnis unter Ahnen auftechterhalten? Mußte man sie nicht vielmehr entschlossen einander zusübren und ihnen sagen, sucht doch nicht mehr in den Waffen die Lösung? Ich als Franzose habe das Volk, das gestern unser Feind war, aufgefordert, in den Völkerbund einzutreten. Ich fühle mich dadurch nicht herabgesetzt und habe aych nicht das Gefühl, daß ich Frankreich dadurch herabgewürdigt hätte. Im Völkerbund haben wir Gelegenheit gehabt, uns gemeinsam um die Aufrechterhaltung des Friedens zu bemühen. Ich kann nichts gegen die Haltung der Männer sagen, mit denen ich das Locarnoabkommen unterzeichnet habe, Männer wie Luther und Stresemann, die natürliche Siebe zu ihrem Lande geleitet hat httb die sich um die Interessen ihres Landes gewimmert und erbittert verteidigt haben, haben loyal
wtb. Schanghai, 14. Nov. (Eig. Funkm.). Aus Hankau wird gemeldet: Tausende von führerlosen Soldaten, deren Zahl sich ständig durch das Neu- eintreffen weiterer Truppenteile der geschlagenen Hankau-Armee erhöht, verüben gemeinsam mit Arbeiterbanden Plünderungen. Sie vlun- berten Silberwarengeschäfte und chinesische Banken in der Nähe der britischen Konzession. Fer-
wo auf staatsbürgerliche Beschränktheit spekuliert werden kann, das Zentrum viel angefein- det wird. Dor allen Dingen versuchen die Gegner der Zentrumspartei (meistens sind es gleichzeitig bekannte Katholiken-Feinde) in Wort und Schrift aus dem Auftreten des Reichstagsabgeord- neten Dr. Adam Stegerwald in der Frage der Besoldungsreform Kapital gegen das Zentrum zu schlagen. Die hessischen Wahlen beweisen, daß in den Reihen des Zentrums f e l b st die politische Schulung weit genug fortgeschritten ist, um der- artige Attacken im „unverantwortlichen Sprechsaal" und am Stammtisch richtig einzuschätzen. Wir empfehlen allen Anhängern der Zentrumspartei, vor allen auch denen aus dem Beamten- stände, Stegerwalds Ausführungen noch einmal im Zusammenhang zu lesen. Sie sind jetzt in einem kleinen Schriftchen, erschienen im christlichen Gewerkschaftsverlag — Berlin-Wilmersdorf, Kaiserallee 25, unter dem Titel „Zur Reform der Deamtenbesoldung" herausgegeben worden. Mit einem Vorwort von Adam Stegerwald, in dem er neuerdings mit großer Klarheit zu den Problemen Stellung nimmt und zeigt, daß es ihm um die Erhalt ung des Berufsbeamtentums geht, wenn er die Besoldungsreform als etwas bedeutsameres als eine bloße Lohnbewegung anspricht und sie i n d i e staats- und wirtschafts p-olitischen Zusammenhänge hineinstellt. Zweifellos besteht die Befürchtung, daß diejenigen Leute, die nur an den nächsten Gehaltstag denken, Auffassungen wie sie der Führer der großen christlich-sozialen Gewerkschaftsbewegung, Adam Stegerwald, macht, weder verstehen noch begreifen werden und in der ihnen geeignet erscheinenden Weise auf Ge» finnungsnoffen einwirken, was sich bei mangelhaf- hafter politischer Schulung als parteipolitischer Schaden auswirken kann. Der Wahlausgang in Hessen .soweit er die Zentrumspartei betrifft, zeigt deutlich, daß die Zentrumswähler- schaftsich nicht hat verwirren lassen und der Partei die Treue bewahrt hat, womit sie zum Ausdruck bringt, daß sie es als eine vaterländische Tai ansieht, wenn ohne Rücksicht auf parteipolitische Interessen und ohne Furcht vor demogogifchen Verhetzungen durch engherzige Unteren entern®ruppen nur das Gesamtwohl Richtschnur des Handelns ist und der schweren sozialen, politischen und kulturellen Gefahren einer neuen Inflation mit allen Mitteln entgegengetreten wird, wie es die Zentrumsvartei in den letzten Wochen getan hat. Auch in Danzig hat übrigens die Zentrumspartei gegenüber dem letzten Wahlausgang vorzüglich ab'gefchnitten.
Hessen.
Die Wahlen im Bolksstaat Hessen sind im ganzen Lande ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich schwach und betrug in manchen Orten kaum 30 Prozent. Wahlberechtigt waren 900 343 Personen, von denen 482 531 von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben.
Briand erinnerte dann an die Friedensworte, die er vor der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund gesprochen hat. Staatsmänner irren, wenn sie nur die besonderen Interessen ihres Landes zum Siege führen und nicht auch der Sache der ganzen Menschheit dienen. Ich hätte im Völkerbund schon
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FuldaerZeitung
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schheit dienen. Ich hätte Gelegenheit gehabt, bittere Worte zu sprechen, die dem Frieden nicht gedient hätten. Ich habe es nicht getan, sondern Worte gesprochen, die daS Herz des deutschen Volkes be- rühtten, um begreiflich zu machen, daß, nachdem man sich auf den Schlachtfeldern gegenübergestanden hat, man auch auf dem Felde des Friedens offen und loyal gegenübertteten kann. In der Ge- schichte haben sich das deutsche und das französische Volk oft gegenübergestanden, und auf beiden Seiten hat man denselben Mut und dieselbe Heldenhaftigkeit gezeigt. Das deutsche und das französische Volk sind große Völker; sie haben Sorgüge und Fehler wie alle Völker verschiedenen Charakters. Warum sollen
Das vorl. Gesamtergebnis ift: Dem. 37750 (53 301), S. 157 289 (220108), Z. 85 448 (100 348) D. Vpt. 51638 (73 930), Dntl. 24 013 (43 717), Landb. 61067 (82 742), K. 41160 (33 689), Dolksr. 24 166.
Nach dem amtlichen Ergebnis der hessischen Wahlen stellt sich die Verteilung der Mandate im neuen hessischen Landtag wie folgt.
Sozialdemokraten 24 (26), Zentrum 13 (11), Demokraten 5 (6), Landbund 9 (8), Deutschnationale 3 (6), Kommunisten 6 (4), Deutsche Volksvartei 7 (9), Volksrechtspartei 3 (0).
Die Wahl in Bremen.
Bei der am Sonntag vorgenommenen Wahl zur Bremer Bürgerschaft wurden für die einzelnen Parteien folgende Stimmen abgegeben: Stadtgebiet Bremen: Sozialdemokraten 70 201 (56 815), die bürgerliche ffinbeiHifte, bestehend aus Sn., DVP.. mirtfch. Pt.. Völk. 48 540 (51615). Demokraten 17 291 (18 779). Kommunisten 17 773 (14 426), Haus- und Grundbesitzer 15 344 (12 560). Zentrum 4 039 (3612), Heim und Scholle 1 864 (1 997). Volksrechtspartei 1 062. In Deaefack: Einheitsliste 1545 (1 411), Soz. 1 009 (899), Komm. 128 (161). In Bremerhaven: Soz. 4 866 (4 626), Einb-itsliste 4 950 (5151), Dm. unb Zentrum 1 932 (1579), Komm. 1076 (999). Die Wahlbeteiligung betrug 84.2 Prozent.
Nack dem amtlichen Wahlergebnis setzt sich die neue Bremische Bürgerschaft folgendermaßen zusammen: Sozialdemrokraten 41 Sitze (37), Einheitsliste 29 (33), Demokraten 10 (12) Kommunisten 10 (9), Haus und Grundbesitzer 9 (8), Zentrum 2 (2), Heim und Scholle 1 (1), Volksrechtspartei 0 (0) Sitze.
Die Wahl in Danzig.
Die am Sonntag in Danzig durchgeführtm Dolkstagswahlen, denen in den vergangenen Tagen eine ziemlich lebhafte Propagandatätigkeit seitens der Parteien vorausgegangen tvar, sind ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Die Wablbetei- figung war außerordentlich lebhaft. ES läßt sich ein sehr starkes Anwachsen dersozialdemokra- tischen Stimmen feststellen.
Das vorläufige Gesamtergebnis der Dolkstags- wahlen in Danzig betrug: Sozialdemokratische Partei 56 613 (39 628), Deutschnationale 33 406 (44 581), Zentrum 23251 (20 942), Kommunisten 10940 (14901), Nationalliberale Dürgernartei 7588 (0), Deutsch-Danziger Dolkspartei. Gruvve Blavier, 7393 (7411), Deutsch-Liberale Partei 5665 (11006), Polen 4990 (7189).
Die Wahlbeteiligung betrug etwa 83 Prozent gegen 81 Prozent im Jahre 1923.
Die Zahl der Mandate nach dem vorläufigen Ergebnis beträgt: Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft 2 Sitze (—), Danziger Hausbesitzerpartei 1 (—), Deutsch-Danziger Dolkspartei 5 (6), Deutsch-