Anzeiger für die SfaÖt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
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Mtkwoch, 9. November 1927.
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Zeiltsche LaOMOkt unö Vemültungsrejorm.
Um den Abbau der öffentlichen Ausgaben.
Der Reichslandbund begann am Montag in seinem Berliner Bundeshaus eine Führertagung, deren Leitgedanke die Rationalisierung des Berhältnisses von Reich und Ländern ist. Oberregierungsrat Dr. A d a m e tz - Berlin sprach über die verwaltungsrechtliche Möglichkeit im Rahmen der Weimarer Verfassung. Wir könnten uns nicht auf die erdrückenden Lasten der Dawesverpflichtun- gen berufen, solange man uns das Gewicht der zur Zeit herrschenden ungeheuren Mißstände in den öffentlichen Verwaltungen entgegenhalten könne, die nicht zuletzt auf den Kompromißcharakter der Weimarer Verfassung zurückzuführen wären, die die Zuständigkeit so wenig abgrenze, daß die Aufgaben von Reich und Ländern sich dauernd überschneiden. Der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff hat auf dem demokratischen Parteitag in Hamburg erklärt, daß 30 Prozent aller Aufgaben in den Ministerien für den Zuständigkeitsstreit zwischen Reich und Preußen vergeudet werden. Demgegenüber sei eine stärkere Uebertragung von staatlichen Ausgaben an die Selbstverwaltungskörper, das Zusammenfassen aller staatlichen Aufgaben mit Ausnahme der Berg- und Justizverwaltung in einer Mittelinstanz, ferner eine vernünftige Neuabgrenzung der Verwaltungsbezirke und die Zusammenlegung von Landesteilen erforderlich. Der Reichs- finanzminister müsie ein Vetorecht bei parlamentarischen Bewilligungen von neuen Ausgaben für die ein« Deckung nicht vorhanden ist, erhalten. Der folgende Redner, Dr. Kitz- Düsseldorf, untersuchte die verfassungsrechtlichen Möglichkeiten durch Weiterentwicklung der jetzigen Reichsverfassung und verlangte u. a. Beseitigung der nicht mehr existenzberechtigten kleinen Länder und der nicht weniger als 128 Exklaven. Die Verwaltungsreform müsse unbedingt zur größeren Staatseinheit führen, die aber beileibe nicht mit Zentralismus verwechselt werden dürfe. Preußen müsse zum Reichsland werden, an das sich die nicht lebensfähigen kleinen Länder anschliehen könnten. Angesichts der inneren Unmöglichkeit des Parlamentarismus, zum Handeln zu kommen, müßten die maßgebenden unabhängigen Organisationen von Landwirtschaft, Industrie, Handel, Handwerk und Arbeiterschaft sich verbinden, um einen gemeinsamen, konkreten Vorschlag für Verfassungs- und Verwaltungsreformen auszuarbeiten.
Bei einem Empfang im Zusammenhang mit der Reichslandbundführertagung, der gestern statt, fand und an dem auch zahlreiche Vertreter der Reichsregierung und der preußischen Regierung t^ilnahmen, hielt der Präsident des Reichslandbundes Hepp eine Rede über die gegenwärtige Lage der Landwirtschaft und die sich daraus ergebenden Forderungen. Er führte u. a. aus, nichts beleuchte greller die Notlage der Landwirtschaft, als der heutige Stand der Verschuldung. Eine der Hauptforderungen und Lebensnotwendigkeiten der Landwirtschaft, die Verwandlung der kurzfristigen Personalkredite in langfristige Realkredüe, sei bisher nicht erfüllt worden. Der Reichslandbund sei sich bewußt, im Namen der gesamten deutschen Landwirtschaft zu sprechen, wenn er endlich großzügige Maßnahmen zu einer durchgreifenden Umschuldung und einer Zinsverbilligung kor- der«, die die Zinsbelastung auf ein der landwirtschaftlichen Betriebseigenart angepaßtes Maß herabsenkt. Der Reichslandbund sei der Ansicht, daß die für die Umschuldung nötigen Mittel auf dem Wege einer Ernährungsanleihe aufbringbar seien. Auch die Zinsverbilligung sei nur denkbar durch Aufbringung entsprechender Reichsmittel. Ebenso eng wie die' Kreditfrage hänge auch die Frage der Gestaltung der deutschen Handelsvertragspolitik mit dem Problem der Rentabilität der deutschen Landwirtschaft und damit i*er Rentabilität der deutschen Volkswirtschaft zusammen. Mit Sorge sehe die deutsche Landwirtschaft dem bevorstehenden deutsch-polnisch en Handelsvertrag entgegen. Die Abschließung eines Vertrages mit Polen auf Kosten der deutschen Landwirtschaft bedeute die Preisgabe Ostpreußens, das heute schon infolge
Amerika als Gläubigerstaat.
wtb Washington, 8. Nov. (Gig. Funkm.) Nach einer Zusammenstellung des Schatzamtes sind am 15. Dezember folgende Raten fremder Schulden S: von England 92 575 000 Dollar, von der choslowakei 1500000 Dollar, von Belgien 1125 000 Dollar, von Polen 1000 000 Dollar, ferner Beträge von Finnland, Ungarn, Letland, Litauen und Estland, von insgesamt 9 657 400 Doll. Laut „Associated Preß" erwartet das Schatzamt, daßFrankreich nach den Wahlen Vorschläge auf und Umstellung seiner Kriegsschulden unterzeichnen werde, andernfalls müsse es im August 1928 für Kriegsmaterial 400 000 000 Dollar zahlen. Als vorläufig uneinbringlich wurden vom Schatzamt 250 000 000 Dollar von Rußland und 16 000 000 Dollar von Armenien abgeschrieben.
Wahlschatten.
Mehr und mehr stehen die innerpoWschen Er- Brterungen, namentlich aber auch die Sonntags- reden unserer Politiker und Parlamentarier unter dem Zeichen der kommenden Wahlen. So hat nun der Abgeordnete Graf Westarp in einer deutschnationalen Versammlung in Pirmasens sich mit der letzten Kanzlerrede befaßt und dabei abermals fein
seiner Laae jeden Druck, der auf der Landwirtschaft lastet, in verstärktem Maße zu spüren habe. Der Reichslandbund warne noch emmal in letzter Stunde, einem Exportoptimismus, der eigentlich durch die Erfahrungen der letzten Jahre insbesondere auch durch die Erfahrungen mit dem deutschitalienischen Handelsverträge und in allerletzter Zeit mit dem deutsch-französischen Vertrage grundsätzlich widerlegt sein sollte, die Lebensinteressen der Landwirtschaft zu opfern. Neben der Handelsvertragspolitik stelle die wachsende Belastung durch die öffentliche Hand eine der schwersten Gefährdungen der landwirtschaftlichen Betriebsbilanz dar. Die heute beinahe allerseits betonte Notwendigkeit einer Revision unserer außenpolitischen Verpflichtungen werde auf große Schwierigkeiten stoßen, solange für öffentliche Zwecke das dreifache an Belastung auf der deutschen Wirt- schäft liege. Wir könnten daher weder an einem klaren Steuersystem herumkommen, das in der Loge sei, jedem die schweren steuerlichen Lasten klar vor Augen zu führen, noch könnten wir uns vor der Notwendigkeit einer Reform der Verwaltung im Sinne der Rationalisierung verschließen. Auch die Gestaltung des Verhältnisses des Reiches zu den Ländern und zu Preußen harre der Lösung. Dem Grundgedanken des Steuervereinheitlichungsgesetzes stimme der Reichslandbund zu, allerdings mit der Forderung, daß bei seiner praktischen Anwendung ehre Milderung der Realsteuern die Folge sei.
Zum Gilbert-Memorandum.
Das amerikanische „Journal of Commerce", das dem Memorandum Parker GUberts mehrere Artikel widmet, führt aus, in amerikanischen Finanzkreisen erblicke man in der ständigen Erörterung der deutschen Schwierigkeiten die Gefahr einer Krise, die entweder zur Wiederaufrollung der Frage des Dawesplanes oder zur Unterbindung weiterer deutscher A n l e ih e n in Amerika führen könne.
„Newyork Times" schreibt, die deutsche Regierung bestreite allerdings einige Zahlen und Folge- rungen in Gilberts Memorandum. Im übrigen fei es anzuerkennen, daß die deutsche Regierung ihre Bereitwilligkeit zur Ermöglichung der Transferoperationen erneut betonte. Dies fei ein Erfolg, mit dem alle zufrieden fein könnten.
„Newyork World" ist der Ansicht, daß es selbst bei größter Sparsamkeit für die deutsche Regierung keine leichte Aufgabe fein werde, die Maximalzahlungen zu leisten. Unter diesen Umständen sei es nur verständlich, daß die großen Posten für die Entschädigung der durch den Krieg geschädigten Deutschen und für die Erhöhung der Beamtenge- hälter die Kritik Gilberts berausforderten.
„Baltimore Sun" schreibt: Es war vorauszusehen, daß gewisse deutsche Kreise ihren Unwillen über diese Kritik der deutschen Finanzpolitik äußern würden. Dies ist aber unwichtig geaenüher den Bemühungen Schachts und der deutschen Regierung, den taktvollen Hinweisen des Reparationsagenten auf halbem Wege entgegenzukommen.
„Journal of Eommerce" behauptet, daß die Ausführungen Gilberts mit der Ansicht des Staatsdepartements übereinstimmten, die sich bereits kürzlich in der Verzögerung der Preußenanleihe kundgetan hätte.
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Der amerikanisch« Schatzsekretär Mellon erklärte in einer Pressekonferenz über das Memorandum des Reparationsagenten: Das Memorandum spricht für sich selb st. Die Kritik Parker Gilberts ist in erster Linie gegen staatliche und kommunale Anleihen zu unproduktiven Zwecken gerichtet. Es liegt in Deutschlands eigenstem Interesse, so sparsam wie möglich zu wirtschaften, damit es sich gegen den Vorwurf schützen kann, nicht alle erforderlichen und möglichen Anstrengungen zur Erfüllung feiner Verpflichtungen gemacht zu haben.
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Der Reichspräsident empfing am Montag den Außenminister Dr. Stresemann zum Vortrag.
Bedauern ausgesprochen, daß das Zentrum «s ablehne, mit einer Koalktiousvarole rn den nächsten Wahlkampf zu gehen. Westarp meint, daß die Mitte nur mit den Deutschnati'onalen und nicht mit der Sozialdemokratie feste RegierungsverhW- nisse schaffen kann. Zu gleicher Zett wird kn der „Kreuzzeitung" erneut die Wahlparole Schwarz - weiß-rot ausgegeben. Das Bemühen des Grafen Westarp, das Zentrum zu einer Parole mit den Deuffchnationalen zu bringen, andererseits diese von der „Kreuzzeitung" ausgegebenen Wahlparole Schwarz-weiß-rot, lassen sich, worüber die Zentrumspresse keine Zweifel offen läßt, keinesfalls vereinbaren. Da auch die Deutsch« Volkspartei diese Wahlparole Schwarz-weiß-rot als ungeeignet ab- lehnt, würden die Deuffchnattonalen, wenn sie der 'Taktik der „Kreuzzeitung" folgten, (foltert fein. Weil die Deuffchnationalen nach allem, was man bisher erlebt hat, mit einer Wahlparole Schwarz- weiß-rot den Kampf gegen den heutigen Staat proklamieren würden, könnte die Aufstellung einer solchen Parole nur die klare Scheidung der Geister begünsttgen. *
Der Jungdeutsche Orden Braunschweig-Hannover hat eine Mitteilung erlassen, aus der sich ergibt, daß auf dem deutsch- nationalen Parteitag des Landesverbandes West
falen-Ost ein Vertreter des Jungdeutschen Ordens erklärt habe, die Jungdeutschen würden jede zukünftige Kandidatenlffte ablehnen, die den Namen Hugenberg enthielte. Eine ähnliche Erklärung sei auch von einem Vertteter der wesffälischen Landbund-Mitglieder abgegeben worden. Auch von anderer Seite, und zwar aus ben eigenen Reihen der Deuffchnationalen, wird, wie aus verschiedenen Mitteilungen sich ergibt, sehr stark gegen eine erneute Kandidatur Hugenbergs, des in der In- flationszeit in den Besitz großer Berliner Zeitungsunternehmungen gelangten Industriellen, Stellung genommen. Es ist ausfallend, daß in der deuffch- nationalen Presse von all diesen Dingen auch nicht ein Sterbenswörtchen zu hören ist.
Die „betrogenen" Sparer!
In Braunschweig tritt bei den kommenden Wahlen erstmals die „Volksrechtspartei" auf; ihr Spitzenkandidat ist Oberkirchenrat Dr. B r e n ft.
In einer Versammlung in Wolfenbüttel wurde jede Listenverbindung mit anderen Parteien abgelehnt. Die eine Gruppe wollte sich mit den Rechtsparteien, die andere mit der Linken verbinden. Die Verbindung mit der Rechten wurde in Rücksicht auf Kirchen- und Schulfragen gefordert.
Oberkirchenrat Dr. Brenst erwiderte:
Mit den Parteien, von denen wir uns losgemacht haben, können wir uns nicht verbinden. Auch mit der Sozialdemokratie könne eine Listenverbindung nicht emgegangen werden. Da sei es schon richtiger, die Stimmen der Dolksrechtspartei fielen unter den Tisch. (Eine Listenverbindung mit den Rechtsparteien sei für ihn untragbar.'
Das ist ja eine „glorreiche Politik"! Mit einer , solchen Haltung, bei der die Stimmen der Sparer unter den Tisch fallen, werden es dieselben in Deutschland nicht weit bringen. An solchem Wortradikalismus sieht man, wohin derartig einseitig eingestellte Kreise die Wählerschaft führen: „u n t e r b e n Tisch"! Mit den Stimmzetteln werden auch die aufgestellten extremen Forderungen „unter den Tisch" kommen! Darum mehr Besonnenheit! Sonst werden die Sparer von ihrer eigenen Partei geschädigt werden!
• Die ftommuistenbekämpfung in Frankreich. Der Sekretär der Dritten Internationale für die lateinischen Länder, der Schweizer Humbert Droz, der am ketzten Samstag in Paris verhaftet wurde, wurde wegen Ueberschreitung des gegen ihn ausgesprochenen Ausweisungsbefehls zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt.
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Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben:
Es liegen nunmehr eine Reihe von Stimmen großer Beamtengruppen zu den bekannten Vorgängen vor, die sich um den Reparationsägenten und dessen Eingreifen in die Reichs- finanzpolittk beschäftigen. Aus einer ganzen Reihe von Stimmen ist deutlich ein gewisser Unterton zu erkennen, der dem Finanzminister nicht eben wohl will. Und wenn gelegentlich noch besonders betont wird, daß er dem Zentrum angehöre, so glaubt man doppelt eine gewisse parteiliche Kritik zu spüren. Demgegenüber muß festge- stellt werden, daß es nichts Ungerechteres gibt, als in solchen Fällen gerade diese Gesichtspunkte besonders zu unterstreichen und daraus für die Partei des Finanzministers unliebsame Schlüsse zu ziehen. Es dürste doch allgemein bekannt fein, daß In einer so wichtigen Frage von einer per» f ö n 11 cf; en Politik des Finanzministers überhaupt nicht gesprochen werden kann. Die Gesamthaftung trägt das Kabinett, und man kann nur von einer Gesamtverantwortung sprechen. Man kennt die Parteien, die die Regierung bilden, und gegen sie und nicht gegen eine einzelne Persönlichkeit und ihre Partei kann sich also die Kritik richten. Es kommt bei so großen Vorlagen auf den Geist der Vorlage an, und der dürfte doch bei der Köhler'schen klar fein.
Wir sind die letzten, die keine Kritik vertragen würden, aber es ist unerträglich, wenn die Gesa m t h a f t u n g des Kabinetts nicht deutlich genug hervorgehoben wird. In dieser Form kann das Zentrum seinen Part natürlich tragen unb wird ihn auch tragen. Würde der Finanzminister ein Deuffchnationaler fein, fo würde dies feilens des Zentrums mit genau derselben Loyalität erfolgen. Und man darf wohl noch weiter gehen und sagen: wenn die Vorlage von einem Deutsch- ncitionalen ober Volksparteiler eingebracht worden wäre, so würde sie im Grunde genau so ausgesehen haben.
Man kann natürlich Ne Erregtheit In manchen Beamtenkreisen verstehen, und niemand mehr als die Koalitionsparteien bedauern manches; ober es wird immer wieder vergessen, wie eng stn Grund« genommen doch unser Spielraum ist und wie fest gewisse Ausgaben und ihre Höhe liegen. Niemals hat ein Volk mit einem Etat rechnen müssen, der in seinem Wesen so zwangsläufig und so wenig variabel ist selbst beim besten Willen. Auch die Opposition würde das alles im Grunde nicht haben anders machen können.
Es hat daher gar keinen Zweck, wenn immer wieder der Versuch gemacht wird, parteipolstiiche Erwägungen mit einfließen zu lassen und Möglichkeiten zu erörtern, die angeblich nur deshalb nicht vorhanden feien, weil eben ein Zentrumsminister an der Spitze des Ministeriums stehe. Es liegt auch im Jnteresie der Beamten, möglichst objektiv zu bleiben. Bisher ist das ja auch im allgemeinen der Fall, und man kann erfreu- sagen, daß die Erörterungen über die diesmalig« Besoldunssreform sich unter relativ
5legqpten§ „kommender Mann".
Von Dr. Ernst Linke.
Der Besuch König Fuads in London gatt vornehmlich der endgültigen Regelung des englisch-ägyptischen Verhältnisses. Ziel der ägyptischen Regierung war vor allem die Be- feitigung gewisser Vorbehalte in der ägyptischen Souveränitätsfrage, die England seiner Zeit bei der Unabhängigkeitserklärung ins Treffer geführt hatte. Bildete doch hauptsächlich der Verbleib englischer Besatzungstruppen im Lande „zum Schutze der Reichsverkehrsstraßen" eine ständige Quelle von Aergernissen und unliebsamen Mei- nungsverfchiedenheiten; aber auch Teile der Zivilverwaltung in Kairo, Suez und Alexandria würben nach Aufhebung des englischen Protektorats von London oft genug in ihrer Bewegungs- uvb Handlungsfreiheit empfindlich gehemmt.
Während nun der König in England weilte tagten die Führer der ägyptischen Freiheitsbewegung (Nationalistenpartei) im Hause ihres vor einiger Zeit verstorbenen Führers Zaghlul Pascha, um 'Ne Frage der Nachfolge zu klären. Zur engeren Wahl standen Fatih Allah Pascha Barakat, Khamst Pascha und Mustafa el Nahas Pa- s ch a. Die Abstimmung ergab eine absolute Stimmenmehrheit für Nahas P a s ch a. Da die Ratio- natlften zurzeit als stärkste Partei im ägyptischen Parlaent sitzen gilt die Wahl Paschas zum Kammerpräsidenten als gesichert. Dieser „kommend^ Mann", auf dessen Schultern in nächster Zeit di» Souveränität Aegyptens taffächlich ruhen wird, hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Er stammt aus der kleinen Orffchast Samanud unweit des Nildeltas, studierte in Kairo und wirkte dort bis 1904 als rühriger Anwalt. Dann bekleidete er bis zum Jahre 1919 das Amt eines Richters am Eingeborenengericht. Nach Kriegsende schloß er sich der Wafd-(Unabhängigkeits-)bewegung an und wurde bald einer ihrer glühendsten Anhänger. Er ging ganz tn den Bestrebungen dieser Partei auf und zählte zu den vertrautesten politischen Freunden ZagNuls. Gemeinsam mit diesem großzügigen Organisator wanderte er, von den englischen Behörden verurteilt, in Ne Verbannung nach den MahS-Jnseln.
Als dn Juni 1923 im Anschluß an die bedeutsamen Konzessionen der Londoner Regierung vom Frühjahr 1922 Englands ägyptische Politik ein völlig verändertes Aussehen gewann, kehrte Mustafa el Nahas mit Zaghlul in die Heimat zurück. Die
null VesMungsrchrlll.
annehmbaren Umständen abspielt. Man hat diesmal keine eigentliche parlamentarische Semei« gogie in dieser Frage, wenigstens nicht im Pars lament, well man einsieht, daß das Objekt dazu nicht geeignet ist. Es gibt keine parlamentarische Gruppe, die glaubt, sich erlauben zu können, einfach den Interessierten Beamten bei dev Desoldungsreform um den Mund zu reden, well die anderen dann doch das Nötige tun mür« ben.
Die Zelten sind in jeder Beziehung vorüber und werden auch fürs erste nicht wieder kommen, in denen es möglich war, um eine Besoldungsreform einen frisch-fröhlichen Partei politischen Kampf zu führen. Die Zwangslage unseres gesamten Finanzwesens verhindert das, und das Auftreten des Reparattonsagenten, das unglücklicherweise in Ne Beamtenbesoldungsresorm hineinfuhr, ist bet mahnendste Beweis dafür, daß es hier um größere Dinge als partelpoli, tische geht, und daß man im Interesse des Wohles der Gesamtheit, vornehmlich aber im Interesfe der Beamten selbst, auch nur denScha11en parteipolitischer Betrachtungsweise ausschalten müßte l
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Der Preußisch« Landtag, der am kommenden Montag, den 14. November, wieder zu einer Plenarsitzung Zusammentritt, wird die dafür in Aussicht genommene zweite Lesung der Besoldungsordnung voraussichllich noch nicht stattfinden lassen können, weil die Ausschußberatungen bis dahin noch nicht abgeschloffen sein werden. Cs sind daher nur kleiner« Vorlagen auf die Tagesordnung gesetzt, u. a. die Ausschußanträge für die Unwetterschäden und die zweite Beratung des Denkmalschutzgesetzes.
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In einer von dem Gauverband Stettin der Deutschen Volkspartei einberufenen öffentlichen Beamtenversammlung teilte, wie die „Tägliche Rundschau" meldet, Reichstagsabgeordneter M o - rath mit, daß es zwischen den Regierungsparteien am Freitag hinsichtlich Beamtenbesoldungsreform zu stellenden Anträge zu einer Einigung gekommen fei. In der Frage der Wohnungsgeldzuschüffe werde man unter anderem fordern, daß diese an alle ledigen Beamten über 45 Jahre in voller Höhe gezahlt werden. Bezüglich der unehelichen Kinder werde man für Beibehaltung des bisherigen Zustandes eintreten. Man werde ferner beantragen, daß in das Gesetz eine Bestimmung eingefügt wird, die die Einbeziehung der Bezüge aller Ruhestandsbeamten und Hinterbliebenen in etwa künftige Besoldunaserhöbungen garantiere. Ueber die tatsächliche Erhöhung der Einkommen äußerte sich der Redner dahingehend, daß man übertriebene Forderungen angesichts der Gesamtlage des Reicher, nicht stellen dürfe. Sollte die Opposition aber im Reichstage aus agitatorischen Gründen sehr weitgehende Anträge stellen, so werde man in Preußen, wo sich diese Opposition in der Regie, rung befindet, genau dieselben Anträae stellen.