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Beilage zur Fuldaer Zeitung

Für unsere Frauenwelt.

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Novembertag.

Von Olga Fricke.

Spricht der Mann:Der Tag ist kurz, Grau, feucht und kalt die Luft Vorbei der weiche, schöne Sommerduft. Nebelwolken-von Leid ziehen umher. Nehmen den Atem, drücken so schwer!"

Spricht das Kind:Mutter, jetzt ist die schönste Zeit! Nicht wahr, die Nebel sind der Feen Kleid? Den ganzen Tag ziehen sie über die Welt, Sammeln die Märchen auf Flur und Feld. Mutter, wie schön ist doch die Welt!"

ttindesdank.

Von R. Sylvester- Neustadt.

Diele Eltern gefallen sich gar zu gern in Klagen über den Undank ihrer Kinder, ohne einmal ernstlich darüber nachzudenken, ob sie auch Kindesdank v e r - dient haben. Kindesdank ist der edelste Lohn, den fintier ihren Eltern für alle Erziehermühe geben kön­nen und zugleich das schönste Zeugnis für eine gute Erziehung. Wenn Eltern über Undank ihrer Kinder zu klagen haben, so sind sie an diesem Unglück in den mei­sten Fällen selbst schuld: sie haben dieselben nicht zu Dank erzogen. Wer das Glück hat, Kinder zu besitzen, hat auch die heilige Pflicht, diese wahrhaft menschlich zu erziehen. Dazu gehört aber mehr, als viele Eltern glauben. Kinder nur Großfüttern, das tun ja auch die Tiere. Die Erziehung des kleinen Men­schen muß in allem von Liebe durchdrungen sein rnti daran lassen es eben viele Eltern gar sehr fehlen: sei es, daß ihnen die rechte Erkenntnis für chr hohes Amt mangelt, oder, daß sie nicht genug Gewissen und Gemüt besitzen.

Notgedrungen nux kommen sie ihren Erziehungs, pflichten nach als bestes Hilfsmittel ihrer etterlichen Autorität gilt ihnen die Prügelstrafe. Ms kalte Rech­ner sehnen sie nur die Zeit herbei, bis ihre ungezogenen Kinder flügge werden. Und bei Wahl eines Berufes entscheidet nicht der Wunsch und die Anlage des jungen Erdenbürgers, sondern der kategorische Wille der Eltern: die Kinder müssen einfach lernen, was die Eltern wol­len, selbst wenn ihnen jedermann prophezeien könnte, daß sie einem verfehlten Leben entgegengehen. Wer könnte es solchen Kindern verargen, wenn sie späterhin keine Dankesschuld für ihre Eltern empfinden. Nur zu bald wird ihnen mit dem wachsenden Verstände klar, wie lieblos und egoistisch sie von denen, die ihnen am nächsten stehen sollten, in den goldenen Kindertagen be­handelt worden sind. Kaleidoskopartig ziehen in ihrer Erinnerung nur zu viele Bilder vorüber, die weder Liebe noch Dankesschuld für die Eltern zu wecken ver­mögen. Manchem jungen Menschen wird es nicht leicht, die Eltern zu verurteilen, ja nicht wenige vielleicht las­sen sich die angeborene Liebe und Ehrfurcht für Vater und Mutter selbst durch so trübe Erinnerungen nicht er­töten. Aber andere wieder fiihlen sich schon frühe für ihre ersten Erzieher erkallet und werdenundankbare Kinder!"

Das sollten alle Eltern, denen am Kindesdank viel gelegen ist, wohl bcherzigen! Wenn die ffkhe der wich­tige, hehre Bund ist, als der sie seit altersher gilt, so dürfen Eltern auch niemals vergessen, daß Kinder das höchste Gut sind, was sie besitzen und daß diese Him­melsgabe mit aller Liebe und Gewissenhaftigkeit gehegt und gepflegt werden muß. Eltern, die von ihren er­habenen Crzieherpflichten wahrhaft durchdrungen sind, bewähren sich weder als unvernünftige Prügeler, noch als kalte Rechner, betrachten vielmehr alle Mühe und Sorgfalt um ihre Lieblinge ganz als heilige Pflicht und finden dabei auch ihren höchsten Lebensgenuß. Und Gott sei Dank, walten solche Eltern noch recht zahl­reich in Palast und Hütte. Das sind die, welche Kin­desdank und Liebe erziehen und verdienen. Sie brau­chen um dieses köslliche Gut auch nicht zu sorgen und zu klagen.

Die Nähmaschine.

Von E. K e m m e l - Kaiserslautern.

Solange die Nähmaschine läuft, kommt es der Haus­frau nicht in den Sinn, daß sie auch einmal gründlich gereinigt werden muß und doch sollte es mindestens zweimal im Jahre geschehen, da Stoffafern und Appre­tur mit Del eine erhebliche Hemmung sein können. Zur Reinigung benötigt man gutes Petroleum, einige Lei­nenläppchen, da diese die wenigsten Stoffafern ablassen oder Hühner-, Gänsefedern ufm. Man geht dann in derselben Weise vor wie beim Einölen und reinigt auch die Gelenke des Tretgestells. Danach setzt man die Ma- schine ungefähr drei bis vier Minuten dauernd in Be- roegung, damit sich das Petroleum genügend verteilen kann. Nun löse man den Riemen zwischen Hand- und Schwungrad und lege die Maschine zurück. Nun wäre es am einfachsten, die Maschinenteile auseinanderzu­schrauben und die Teile mit dem Leinenläppchen abzu- reiben. Wenn sich Schwierigkeiten einstellen, ist es rat­sam die Reinigung nur von außen vorzunehmen. Zur Reinigung der Ritzen und Fugen benutze man die Gänsefeder, während die anderen Teile mit dem Leinen­lappen abgerieben werden müffen. Nur wer die Näh- maschine getreulich pflegt, kann von chr gute Leistungen erwarten. _________

Gegen Schimmeln der Wäsche.

Von Magda T r o 11 - Misdroy.

Schimmel entsteht fast immer durch warme Feuchtig­keit, darum achte eine jebe Hausfrau darauf, daß sie die unsaubere Wüsche ja nicht in feuchtem Zustand beiseite legt. Unsaubere Wäsche muß stets in einem sehr trocke­nen Raume verwahrt werden. Auch längeres Stehen von Wäsche in Seifenbrühe, mit Sodazufatz, fördert Schimmelbildung. Sehr häufig steht man die kleinen schmutzig-braunen Schimmelpilze als Rostflecke an und behandelt sie dann entsprechend. Dadurch wird die Wäsche natürlich sehr geschädigt, da die Entfernungs­mittel für Rostflecke scharfe sind Md leicht die Gewebe- faser angreifen.

Ist nun Wäsche in geringem Maße von Schimmel befallen, kann man dieses Uebel durch gründliches Wa­schen wieder vollkommen beseitigen. Haben die Pilze aber überhand genommen, ist jedes Mittel vergeblich. Die Gewebefaser ist jetzt bereits brüchig geworden und zerreißt durch das Waschen vollständig. Nicht veraltete Schimmelflecke werden durch gutes Auskochen befettigt, auch das Einlegen in Ehlorwasser Hilst hier gut.

Ws allerbestes Mittel gegen Schimmelpilze kann man die Rasenbleiche ansprechen. Leider ist dieses gute Mittel für viele Hausfrauen ein Ding der Unmöglich­keit.

Ist Schimmetbildung einmal sehr stark aufgetreten, mischt man drei Teile Kochsalz und ein Teil pulverisier­ten Salmiak und verrührt beides mit abgekochtem Was­ser zu einem Brei, den man auf die fleckigen Stellen aufträgt. Das betr. Wäschestück wird darauf in die freie Luft gehängt und dort eine Zeitlang gelassen. Es folgt ein Waschen mit reichlich Seife und mehrfaches Spülen. Dieses Mittel ist aber nur für weiße Wäsche anwendbar.

Bunte Wäsche legt man am besten in Buttermilch, läßt sie darin 24 Stunden liegen und wäscht sie mit Seife gut nach. Mehrfaches Spülen muß auch in die- fern Falle folgen.

Aus dem Frauenleben.

f. 190 weibliche Arbeiksrichler. Nach Inkrafttreten des Arbeitsgerichtsgesetzes, das Frauen in gleicher Welle wie Männer zur Mitwirkung in den Reichsarbeitsge­richten herangezogen wissen will, sind nunmehr die Er­nennungen zu den verschiedenen Gerichten, Arbeits-, Landesarbetts- und Reichsarbeitsgericht abgeschlossen. Danach sind 190 weibliche Arbeitsrichter ernannt. 172 sind aus dem Verbände der weiblichen Handels- und Bureauangestellten, 18 aus den gemischten' Verbänden

hervorgegangen. Im Reichs arbeitsgericht hat als einzige Frau die Vorsitzende des Verbandes der weib­lichen Handels- und Bureauangestellten, Katharina Müller, ihren Sitz.

Die Frau als Hausarzt

f. Ein wirksames Mittel gegen chronischen Schnup­fen besteht aus einer Mischung von 1 Teil Salicylsäure und 4 Teilen gebrannter Magnesia. Die Substanzen müssen aufs feinste pulverisiert werden. Das Präparat ist alle 23 Stunden prisenweise zu schnupfen. Der schleimig-wässerigen Absonderung wird durch dieses Mittel bald Einhalt geboten. Haben sich aber Schleim­klümpchen in der Nase angehäuft, so sind diese vor dem Gebrauch des Schnupfpulvers durch Spülungen mit lauwarmer einprozentiger Kochsalzlösung zu entfernen.

f. Das Ausspülen des Mundes muß jedem Kind als tägliche Pflicht anerzogen werden. Es kann mit reinem lauen Wasser jeden Morgen vorgenommen werden. Zei­gen sich Erkältungserscheinungen, so setzt man dem Wasser etwas Kochsalz oder auch Zitronen­säure zu. Ebenso wirksam ist Salbeitee. Dieser nützt feiner zusammenziehenden Wirkung wegen besonders nach überstandenen Halsentzündungen. Wohlgemerkt, er wird nur zum Gurgeln, nicht zum Trinken benutzt.

Die Frau in der Nüche.

f. Gedämpfter Zander. Zander wird geschuppt, ge­waschen, abgetrocknet, in Mehl gewälzt, gesalzen, mit ganz wenig feingemahlenem Pfeffer bestreut und in reichlicher Butter von allen Seiten schön hochgelb ge­backen, dann, wenn er beinahe gar ist, gibt man noch einige feingeschnittene Zwiebelscheiben hinzu, läßt diese hellgelb werden, gibt den Saft einer Zitrone oder einen Eßlöffel Weinessig zu und zuletzt etwas gute Fleisch­brühe, oder heißes Wasser, in dem etwas Fleischextrakt aufgeföft ist. Beim Anrichten wild der Fisch mtt etwas feingewiegter Petersilie beftreut. Die Sauce kann auch noch mit einigen Kapern gewürzt werden und wird sehr heiß dem Fisch gereicht.

praktische winke.

f. Seidenreste von Schirmbezügen, Rockfutter, die Reste einer seidenen Bluse können, wenn sie zu keinem anderen Zwecke verwendet werden, als Staublappen dienen. Alle feinen Polituren werden am besten mit Seide abgestäubt.

f. Das Auflöten der Konservenbüchsen ist im Haus­halt ost dann erwünscht, wenn dieselben anderweitig verwendet werden sollen; man erreicht das sehr leicht, wenn man die glühende Einlage eines Bügeleisens auf die Büchse [egt.

f. Weißseidene Blusen, die unter den Armen durch Schweihflecke verdorben sind, müssen an diesen Stellen mit einer starken Lösung von venetianischer Seife abge­sehen werden. Man benutzt dazu einen Schwamm und muß sehr vorsichtig sein, damit der Stoff oder die Farbe nicht leidet. Ist der Schweißfleck entfernt, so reibe man., ebenfalls mit einem Schwamm, die Stelle nach.

Neue Frauenbücher.

Die Frau, die ein hauchzartes Seidentüchlein im Außentäschchen trägt und sich dann in ein graues Baum­wolltuch schneuzt, wird sicher nicht viel Sinn für gute Wäsche haben. Hat man gar einmal Gelegenheit, in den Wäscheschrank einer Frau zu blicken, so kann man auf den Grund ihres Wesens schauen. Stöße zarter oder handfester Leibwäsche, schimmernder Damaste, Lei­nentücher sind herzerfreuend.Aber teuer!" werfen Sie ein. Der einfachste Ausweg ist der: Lernen Sie, alles selbst zu arbeiten!Beyers großes Lehrbuch der Wäsche" (150.170. Tausend) soeben in völlig neuer Bearbeitung erschienen, ist für 5 Mark überall erhältlich (Bezugsuellennachweis gern durch den Ver­lag Otto Beyer, Leipzig, Weststraße, Beyerhaus.) Es

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Nr. 256 vom 6. Nov. 1927.

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ßanifiusffimtnen (Druck und Verlag: Päpstliche Kanisiusdruckerei, Freiburg, Schweiz und Konstanz, Ba­ben. Redaktion V. Schwaller). Jahresabonnement 2,60 Mk. Diese mit Illustrationen reich versehene Zeit schrift für das katholische Volk verdient weiteste Unter­stützung und Verbreitung. Sie erscheint monatlich ein­mal und ihre zeitgemäßen Bestrebungen haben zu wie­derholten Malen den Segen des Heiligen Vaters er­halten. Inhalt der Nooembernummer: Seine Gnaden Bischof Aurelius Bacciarini am Bahnhof zu Freiburg. Die Anbetung in der Kapelle des Kanisiusrverkes. Ich sage euch: machet euch Freunde! Der hl. Kanisius

Die sechslausendste Sedutt.

Diese Rekordzohl ist soeben von der Hebamme Doktor Barbara Washington Hinck, Birth Assi­stant in Manitowoc-New ©ort, U. <5- A erreicht worden. Keine Universität in den Staaten hat ihr gratuliert, und keine Stadt hat ihr das Ehren­bürgerrecht verstehen. Trotzdem sie vielleicht mehr für die Mitmenschen getan hat als viele der großen ^Berühmtheiten".

Sie wundern sich, daß ich kein KapotthütLen trage und daß ich nicht Tag und Nacht mit Der ominösen kleinen, braunen Ledertasche herumrerne. Ich habe längst schon meinen Selbsffahrer mit Allwetterverdeck, und mein Instrumentenkoffer ist von der Größe eines kleinen Kleiderschrankes.

Und wisien Sie, mein liebes Fräulein Bericht- erstatterin, was es bedeutet, sechstausend Kinder auf die Welt zu bringen, die man doch alle ein wenig lieb gewinnt? Und haben Sie überhaupt eine Ahnung, was die Mutter alles von einem wissen wollen? Ob das Kind liegen soll oder sitzen, ob es schneien darf oder schlafen muß?

Eines aber sage ich jeder Mutter: .Geben Sie dem Kind recht bald Kathreiners Malzkaffee und trinken Sie ihn bitte auch!' Ich selber bin von Jugend auf an ihn gewöhnt und trinke jeden Morgen meine zwei, drei Taffen; nachmittags wieder, und manchmal auch abends nach dem Essen. Er schmeckt sehr, sehr gut und erhält mich frisch und elastisch. Ja, ich möchte fast sagen, der Kathreiner erhält mir die .gute Laune', die ich für meine Arbeit wirklich nötig brauche.

Die Gesundheit, meine Beste, ist unser kostbarstes, nie wieder zu ersetzendes Gut. Jeder muß sie sich erhalten, und jeder kann sie sich erhalten. Denn 12 Tassen Kathreiners Malzkaffee kokten nvr 5 Mennige. Allo bitte!"

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Frauenfriedenskirche in Frankfurt.

Zur Grundsteinlegung im November 1927.

Der Entwurf der Frauenfriedenskirche von Her- kommsr macht mit sämtlichen anderen eingereichten Plänen augenblicklich die Runde durch verschiedene deutsche Städte, wo sie öffentlich ausgestellt werden. Die ZeitschriftBauwettbewerbe" (herausgegeben von Professor Neumeister und E. Deines, Karlsruhe, Selbst­verlag) hat einen großen Teil der Pläne veröffentlicht. Diele Augen ruhen bang auf ihnen. Auch hn August- hest desFrauenland" (Köln, Roonstrahe 36) findet sich eine Abbildung des Herkommerfchen Entwurfs. Da fragen sich wohl viele Betrachterinnen:Dachte ich mir den Ausdruck unseres Heldendankes, unserer Frisdens- fehnfucht s o?" Schwer wollen sich manche Augen in die schmucklose, gewaltige Linienführung hineinsehen. Wo sind die gewohnten emporstrebenden Sitzen? Wo die barock geschwungenen Linien? Die gehören doch einfach zum Gotteshaus? Und doch spürt wohl jeder bei längerem Hinschauen: Dieser Bay trägt deutlich das Gepräge unserer ringenden harten Zeit. Seine Linien sind geboren aus heiligem Aufschwung und heißer Liebe zum deutschen Volke, die das Streben von Hunderttau­senden von Frauenherzen zu nimmermüden Bauopfern einten.

Jedes Kunstwerk, ganz besonders ein Getienkbau, ragt in die Zukunft hinüber; es überlebt Geschlechter, Kulturen und Staatsformen und kündet den Willen und die Schöpferkräfte feiner Erbauer. So wie wir jetzt die lebenden Zeugen vergangener Jahrhunderte betrachten, werden einst zukünftige Geschlechter zu Fü­ßen der Frauenfriedenskirche stehen und sprechen: Dies wollten und konnten katholische Frauen in der Zeit der größten Not ihres Vaterlandes und Volkes!

So ehrten diese Frauen die Helden des Weltkrieges, f o flehten sie um den Frieden, f o sorgten sie für das religiöse Bedürfnis ihrer Frankfurter Volksgenossen.

Katholisches Dogma ist die Voraussetzung, katholischer Gotteskutt und die Widmung der Frauenfriedens­kirche sind der geistige Inhalt des Kunstwerkes. Dieser Inhalt hat durch Prof. Herkommers künftterische Er­

findungskraft inden BaustoffenunfererZeit, in Stahl und Beton, in Holz und Glas seinen entschei­denden Ausdruck geformt: hehr, wie das geistige Rin­gen unseres Frauentums, herb, wie die bittere Not und Armut unseres Volkes.

So manche Kirche der schnellgewachsenen Großstädte der letzten Jahrzehnte will Zeugnis geben von dem Gotteseffer und Opferwillen ihrer Stifter. Jedoch ihr Baumeister fand keine eigene Form dafür und entlehnte diese den Mappen längstvergangener Künsttergeschlech- ter; er wählte und mischte aus dem, was andere Völker und andere Zeiten geschaffen: griechische Gebälke, byzan- "llche Kuppeln, Renaissance-Grundrisse und barocke Altäre hauste solch ein Pseudokünstler zusammen. So entftanb eine ganze Schar von unlebendigen Bauten in unseren Großstatitstraßen, die, jeder eigenen Gefühls­weise, jedes selbständigen Inhalts beraubt, die Aus­drucksmittel vergangener Zeiten nachäfften: Zeiten, deren Geist und Leben dem modernen Deutschen völlig fremd geworden sind. Das sind beredte Zeugen aus Deutschlands wirtschaftlicher und technischer Glanzzeit, die in der Kunst mit fremden Federn ihre innerliche Kulturarmut bedecken mußte. Wir wollen die armen Baudenker und Baukünstler ob ihrer Unkraft nicht schel­ten! Weil das 19. Jahrhundert eine eigene Kultur zu bilden nicht fähig war, erhofften fast alle Künstler und Denker der Zeit, die ohnmächtige Lebenskraft der beut« fchen Kunst durch den Anschluß an die Antike, die Go- thik oder etwa die Renaissance zu neuer Entfaltung zu bringen. In der Baukunst leider ohne Erfolg! Und den Äugen des Publikums drängten diese Pseudoschöp- fer ihre Sehweise auf. Das degradierte und vermiß- bildete unser Schönheitsgefühl. Heute beginnen aber Laien wie Fachleute, sich auf Zweck und Gestalt der Baukunst zu besinnen. Das Buch von Bruno Taut Die neue Wohnung" hat auch vielen Frauen dafür die Augen geöffnet. Weniger bekannt ist leider der vorzüg­liche, scharfdurchdachte Aussatz von Prof. LillDas Problem der christlichen Kunst" im Januarheft 1925 der Monatsschrift "Die christliche Kunst" (München), der nicht nur den berufenen Pflegern der Kirchenkunst, son­dern allen verantwortlich fühlenden Freunden deutscher Kultur viele neue und doch uralte Folgerungen aus katholischer Gesinnung aufzeigt. Es ist darum erfreulich.

daß der Katholikentag in Dortmund 1927 diesen Kritiker christlicher Kunst zu Worte kommen ließ.

Schon durch den Standort muß ein Bauwerk be­stimmt werden. Im Frankfurter Stadtteil Bockenheim liegt der Bauplatz, aus dem die Opferstätte für die See­len der gefallenen Krieger emporwachsen soll, in einem modernen Arbeiterviertel. Dem Frankfurter Arbeiter soll die Kirche übergeben werden. Was sollte wohl der Frankfurter Arbeiter, dessen ganzes Denken und Schaf­fen im Berus auf Zweckmäßigkeit eingestellt ist, der den Anblick moderner Fabrik- und Markthallen, also stren­ger Zweckbauten, gewohnt fft, mit den Zierraten der Gothik und des Barock anzufangen wissen, die heute noch im Kirchenbau leider so überaus beliebt sind? Re­den sie seine Sprache? Wissen sie von seiner Not? Drücken sie feine Empfindungen aus? Fühlt er sich heimisch in ihnen?

"Andere Zeiten bringen andere Menschen und andere Ausdrucksformen. Und stets stand auch der Kirchenbau mitten im Wandel der Zetten, von der altchristlichen Basilika an bis zum jesuitischen Barock- und Rokokobau. Dann hörte der Anschluß der Kirchenbaukunst an die Zeitbedingungen gänzlich auf. Warum sollte er heute erstarrt bleiben und nicht mehr für die innere Struktur unserer Zeit zeugen wollen? Wären nicht die Bischöfe und anderen geistlichen Bauherren vergangener Zeiten äußerst modern gewesen, so hätte nie ein neuer Baustil den zur Zeit bestehenden umgestürzt, dann gäbe es bei­spielsweise heute keine romanischen und gotischen Dome in der Welt, sondern nur altchristliche Basiliken.

Der moderne Mensch stellt bestimmte Ansprüche an stimmunggebende Raumbilder, an allseitige Sichtbar­keit des Altars, an Belichtung, Beheizung, Akustik, die der gotische Mensch und später etwa der absolutistisch regierte Untertan in seinem Gottesdienst nicht kannte. Alles dies hat Prof. Herkommer berücksichtigt. Aus die­sen Ansprüchen heraus arbeitete und gestaltete der Va­ter der modernsten Baukunst, Otto Wagner in Wien, an feinem künstlerischen Lebenswerk. Und dieses Ver­ständnis für dieKirche für Menschen von heute" fand er bei dem Hochw. Herrn Kardinal Piffl. Dieser weihte 1906 das Hochaltarbild von Otto Wagners Kirche der Anstalt am Steinhof bei Wien. Aus Joseph Lux' Mo­

nographie über Otto Wagner (Delphinverlag, Mün­chen 1914, S. 76 ff.) fei folgendes über diese Kirche an­geführt, die zum erstenmal mit der Gewohnheithisto­rischer Stile" brach:Dieser Bau ist der erste erfolgreiche Versuch, die Kirche künstlerisch dem modernen Leben an« zupassen und die psychischen Machtmittel einer Zeit wie­der in den Dienst des Glaubens zu stellen. Wer glaubt, daß das mystffch-religiöfe Moment in uns nur von dem Halbdunkel schlecht ventilierter, feuchtkalter Kirchen­räume genährt wird, ist durch Wagners Bau glänzend widerlegt. Ein gemütvolles Gotteshaus ist entftanben, wo die symbolischen Werke der Kunst und der Malerei ungehemmt ihre erhebende Wirkung ausftrafjlen kön­nen; eine selige Heiterkeit strömt auf den Besucher ein und leitet ihn zu einer Andacht, die mehr von Freude als von der Furcht weiß." Während der Einweihungs­rede wandte sich Kardinal Piffl unter einem plötzlichen Antrieb an Otto Wagner und sprach:Ich danke ganz besonders für die Einladung, weil mir Gelegenheit ge­boten wurde, jenes kirchliche Monumentalwerk kennen­zulernen, über das ich so oft von unberufener Seite dis­kutieren gehört habe. Ich kann nur das eine sagen, daß ich, als ich die Kirche betrat, förmlich gepackt wurde von der Monumentalität des Baues; es überwältigte mich das Gefühl: das ist wirklich ein heiliger Ort, von dem gesagt wird: hier ziehe deine Schuhe aus, hier lasse alle weltlichen Gedanken draußen! Ich werde stets ein Verteidiger fein dieser Kirche, die so monumental wirkt, die von selbst spricht, die ein Gotteshaus ist!"

Diesem erlauchten Verteidiger modernster Kirchen­kunst mögen die katholischen Frauen sich anschließen! Nicht spielerische Feinschmeckerei, nicht kraftlose Nach­ahmerei, nicht archäologischer Formenschwall derHi­storiker", haben die Frauenfriedenskirche gestattet. Dies Werk, das für die Nachwelt den lebendigen Zeu­gen des Geistes der heutigen kacholifchen, deutschen Frauenwelt schafft, soll den Stempel tragen von herber Armut und hehrer Anmut. Das fei die Farmei, in der wirmit Gott" bauen wollen! Unti nimmer möge der Opfermut und die Gebefreudigkeit der Er­bauerinnen natfjlaffen, bis der letzte Hammerschlag ge­fallen und alles für den Empfang des Allerhöchsten würdw vorbereitet ist. Dr. Lotte Mühle.