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Wissenschaft und Forschung.

---- Bericht der Rockefeller Stiftung. Nach dem Be­richt der Rockefelln-Sttftung betrugen chre Aufwen- düngen im vergangenen Jahr gegen 10 Millionen Dol­lar Sie galten vor allem der Förderung der mebtguti- schen Unterrichts, medizinischer Anstalten und »es Ge­sundheitswesens in den verschiedensten Landern. Be­sondere Aufmerksamkeit wurde der» sBekämpfung des Gelben Fiebers und der Malaria, ferner der broloq,. schen und psychiatrischen Forschung zugewerchet. In zahlreiche Länder wurden Ducher, Zeitschriften und Apparate versandt, eine lange Reche von Strpendwn wurde bewilligt und Studienreisen unterstützt. Von der Stiftung selbst organistert« Untersuchungen waren na­mentlich den Gesundheits- und ErnahrungsverMtnrssen und dem medizinischen Unterricht in den einzelnen Lan­dern, der Biologi, «nb der Anchropologie gewidmet.

Technik und verkehr.

= hundert Jahre Technische Hochschule in Dresden. Die Technische Hochschule in Dresden begeht im nächsten Jahre die Feier ihres hundertjährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß wird eine Ausstellung „D i e T e ch n i sch e Stadt" veranstaltet, welche die Merkmale einer neu- zeitlichen Stadt denen einer Stadt vom Jahre 1828 ge­genüberstellt.

Turnen und Spott.

--- Borussia gegen Spfi. OZ Kassel. Man schreibt uns: Das von der gesamten Fuldaer Sportgemeinde mit Spannung erwartete große Ereignis, die Ent­scheidung um die Mei st er sch aft der Süd­gruppe stsht vor der Türe. Die Reise nach Kastel ist für die Borustenelf ihr schwerster Gang. Die Mannschaft bedarf zum Kampfe auf fremdem Boden der tatkräftig, sten Unterstützung ihrer Freunde und Anhänger, durch deren Anwesenheit auf dem 03er Platz chr der erforder­liche moralische Rückhalt geboten wird. Die Beteili­gung von Mitgliedern des Vereins verspricht außerge- wdhnlich stark zu werden, doch sollten auch alle ver­fügbaren Kräfte aus den Rechen der übrigen Sportbe- Öwerten mobil gemacht werden, damit die Fahrt nach el zu einem besonderen Erlebnis wird. Bei der Reichsbahn find bereits mehrere Hundert Sitzplätze für die Fuldaer Schlachtenbummler vorausbeftelÜ.

Nirchenmusikalisches.

Ette Sacerdos Magnus! Zur Begrüßung des Bi­schofs bei der Firmung von Dr. F. P f e i f f e r, Pfarrer. Verlag Hermann Rauch, Wiesbaden, 1927. Preis 20 Pf. Wie manche Verlegenheit ist schon entstanden, wenn in kurzer Zeit ein Ecce Sacerdos Magnus eingeübt werden sollte und man fand nicht das richtige für seinen Chor. Vorliegende Komposition kommt allen Bedürfnissen entgegen, ob vierstimmiger Männer- oder gemischter oder bloß einstimmiger Chor. Einzelstimmen "sind nicht er­schienen, da jede Stimme leicht ihren Part von der Partitur absingen kann.

J® 255.

Samstag, 5. November 1927.

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-> Fuldaer Zeitung

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Druck der Fuldaer «rtieudruckerel, Fulda

Hits dem Fuldaer Land.

--- Eichenzell. Eine volle Runkelernte konnte feuer ein hiesiger Landwirt buchen. Er zeigte dem schreib« dieser Zeilen eine Eckendörfer Riesenwurzel, He annähernd zwölf Pfund wog. Auf die Frage, wie r das Feld gedüngt habe, antwortete der glückliche Be­rner, er habe dem Boden genügend Kali, Phosphor- pure und Stickstoff zugeführt. Der kluge Landwirt hatte nfo genau das Gesetz des Minimums beachtet, wonach •ine Pflanze nicht zur vollen Entwickelung gelangen ämn, wenn nur einer der genannten Nährstoffe fehlt $>er nicht in der nötigen Menge im Boden vorkommt. Diefes Gesetz ist für unsere ganze Tätigkeit im Ackerbau ton grundlegender Bedeutung. Die Unkenntnis dieses b ungemein einfachen Satzes ist eine der Hauptursachen «er vielen Mißerfolge in unseren bäuerlichen Betrieben, schließlich soll noch rühmend hervorgehoben werden, feß auch die Frau de« Landwirts mit den Gesetzen fer Düngerlehre wohl vertraut war. Mvant seguentes!

---> Schotten. Unter den Schulkindern des Dorfes studinghain sind die Masern so stark verbrei- tet, daß der Schulunterricht zunächst auf 14 Tage voll- mndig ausgesetzt werden mußte. Bisher hat Ne Epi- tarnte einen gutartigen Verlauf genommen.

3 Butzbach. Sn dem benachbarten Dorfe Pohl- löb», das etwa 700 Einwohner zählt, ist feit über Emern Jahr kein einzig er Sterbefall mchr zu »«zeichnen gewesen. Wohl nur wenigen Gemeinden fürsten derart erfreuliche Gesimdheitsvechältnisse de- chieden fein.

= Biedenkopf. Sm Sommerhalbfohr 1927 hoben sich insgesamt 97 5 Fremd e zur Erholung hier auf- tehalten, von denen 25 auf ausländische Staaten ent- fallen, und zwar einer auf die Schweiz, 14 auf die Nie- ferlande, zwei auf Dänemark, einer auf die Freie Stadt vcmzig, drei auf Estland und vier auf Mexiko

Diez a. d. C. An einem Lastapto von hier gntf einer Tvansportfcchrt bei einer abschüssigen ötzlick die Bremse, sodaß da» schwere Fahr- B lisch« na hinab stürzt«. Lenker und auf dem Führersitz tarnen mit dem Schrecken kin auf der Ladung fitzender junger Arbeiter wurde bet dem Sturz jedoch fo srKoer verletzt, ald nach dem Unfall starb.

, «= Idstein. Am Donnerstagmtttag verließen « Extrchua 184 Engländer, 7 Offiziere und 177 dann, Idstein mit Bestimmungsort Wiesbaden. Ein ommando von etwa SO Mann ist noch in der Kaserne, )ch wird deren Abtransport im Laufe der nächsten äge erfolgen. Die als Kantine für die Mannschaften

sschlagnahmte Halle de» Turnverein» von 1844 und äs als Offizierskastno benutzte Bahnhofshotel HM find te jetzt noch nicht freigegeben, doch rechnet man damit i den nächsten Tagen. Wie wir weiter erfahren, bleibt Ee Kaserne al» solche auch weiterhin beschlagnahmt, i fie al» Unterkunft dienen soll für die Truppen, die läter noch auf dem Schießplatz am Rack chre Schieß­bungen abhatten werden.

= Darmstadt. Zu der Nachricht von der Amts- mthebung des Regierungsrats Fuchs Hilt das Ministerium des Innern m Darmstadt mit, Mgienlngsvat Fuchs fei vorläufig feines Dienstes ent- pben worden, da er außerdiensuicher Verfehlungen

beschuldigt werde. Ueber die Art der Verfehlungen könne vorläufig noch nichts gesagt werden. — Entgegen anders lautenden Meldungen wird mitgeteilt, daß sich Fuchs noch auf freiem Fuß befindet. Es ist ledig­lich die Einleitung eines polizeilichen Ermittlungsver­fahrens verfügt worden, bei dem sich bis jetzt neue Verdachtsmomente gegen Regierungsrat Fuchs nicht er­geben haben sollen.

Neues aus Frankfurt.

— Kleine Frankfurter Rundschau. Das Flugzeug „Kolkrabe" der Lufthansa mußte auf dem Fluge von Köln nach Frankfurt a. M. zwischen Ober- und Nieder- höchstadt infolge dichten Nebels eine Notlandung vornehmen. Das Flugzeug überschlug sich, konnte aber

ohne wesentlichen Schaden die Notlandung durchführen. — Wie der „F. G." berichtet, übersteigen die tatsächli­chen Kosten für den Bau der Frankfurter Groß- Markthalle den Voranschlag um nahezu 100 Proz. Während der Voranschlag ca. 13 Mill. Mk. vorsah, steht schon heute fest, daß die Gesamtkosten des Projektes nicht unter 17 Mill. Mk. liegen werden. Da für die ersten Betriebsjahre voraussichtlich ein Defizit von rund 1700 000 entstehen wird, so würden die Gesamtkosten der Großmarkthalle schon hoch in die 19 Millionen hin- einkommen. — Wie das „Stadtblatt der F. Z." berichtet, schreiten die Verhandlungen wegen der Eingemein­dung von Höchst nach Frankfurt rüstig vorwärts. , Dagegen sind die Verhandlungen mit Nied noch immer nicht beendet.

Gottesdienstordnunfl.

Ilaiholisch« Gottesdienst.

tag, fi. November. (Kirchweihfest.) Hulda. ; om. 1. Beichtgelegenheit: Samstag morgens von *'*6 Uhr ab.; nachmittags von 2—3 für Kinder; von */a5—7 und von ’/s8 Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von l/<«6 Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: */»6, 6, ’A7 und 7 Uhr HI. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. 8 Uhr Pfarramt mit Predigt, Kommunion der Männerapostolats und der Kinder beS 8. Schuljahres. VilO Uhr Kathedralamt mit Predigt. •/«!! Uhr Christenlehre für die Jüng­linge. */«12 Uhr letzte hl. Messe mit Predigt. Nach­mittags Vi2 Uhr Andacht zum heiligsten Herzen Jesu. 2 Uhr Vesper und Christenlehre für die Jungfrauen. 4 Uhr Pred. u. Segen. 7 Uhr Andacht in der Marien» kapelle. 3. Werktagsyottesdienste: Jeden Morgen von V»6—Vi7 Uhr halbstündlich hl. Messen mst Austeil, der hl. Kam. V<8 Uhr Pfarrgottesdienst mit hl. Kommunion. 9 Uhr letzte hl. Messe mit Austeilung der hl. Kommunion. Montag abends V,8 Uhr Andacht mit Segen. — Stabt« Pfarrkirche. Gelegenheit zum beichten: Samstag nach- mittags 3—7, 7*/i—8Vi Übt; Sonntag früh 5'/,—7 Uhr. Sonntagsgottesdienste: 5'/« hl. Messe. 6S/« Uhr HI. Messe und Kommunion des Männerapostolates. 8 Uhr erster Schulgottesdienst, Predigi und Kommunion des 8. Schuljahres. 9Vi Uhr Festpredigt, Hochamt und Chor­gesang. 11 Uhr zweiter Schulgottesdienst und Predigt. 9l(« Uhr Christenlehre für die Jünglinge in der Severi« kirche. Nachmittags 1'/, Uhr Christenlehre für die Jungfrauen. Nachmittags 2*/i Uhr Roseukranz-Bruder- schaft. Die hl. Kommunion wird von ö'/e—71/, Uhr, jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8V, und W« Uhr. Werktagsgottesdienste: 6, 6V-, 71/« und 8 Uhr. Mittwoch, Freitag und Samstag morgens 6 Uhr Beicht- gelegeuheit. Frertag nachmittags 5 Uhr Segensandacht. Montag morgens 8 Uhr feierliches Requiem für die Perstorbeuen der Pfarrei. — Pfarrkirche zum heiligen Seift. 7 Uhr Frühmesse. 8 Uhr Hochamt mit Predig. •All Uhr Kindergottesdrenft und Ansprache. Nachmittags 5 Uhr Andacht. Mittwoch, 9. November. 5 Uhr nachmittags Andacht. Beichte: An allen Wochen­tagen eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst, an den Tagen vor Sonn. u. Feiertagen von */i4—6 Uhr abends.

Kommunion-Austeilung: An den Wochentagen vor und nach dem Gottesdienst, an Sonn- und Feiertagen auch im Hochamt. — St. Sturmiur-psarrkirche. 7 Uhr Frühmesse mit Ansprache. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Die hl. Kam. wird um s/«7 Uhr und in der Frühmesse auSgeteilt. Gemeinsame hl. Kom.derFrauen. Nachm. 1 Uhr Christen­lehre. >/,2 Uhr Andacht.—gbielkirche bet Senebiktinerinnen. Sonntags 6 Uhr Konventamt, nachmittags 3 Uhr Vesper; werktags 6 Uhr stille Messe, */.9 Uhr Konventamt, nach- mittags 3 Uhr Vesper. — Severikirche. Vormittags 8 Uhr OberrealfchulaotteSdienst. — Michaelrkirche. Nachmittags 2 Uhr Allerseelen-Andacht. — herz-Iesu- kjeim. 7 Uhr hl. Messe. 9 Uhr Hochamt und Predigt. Nachmittags 2 Uhr Segensandacht. Werktags 7 Uhr hl. Messe. Mittwoch abends 8 Uhr Segensandacht. — Frauenberg. Hl. Messen von 5 bis 7 Uhr. 8 Uhr Bruderschaftsmesse mit Predigt und liturg. Gebeten. 9 Uhr Levitenamt mit Predigt und sakramentalem Segen. Nachmittags 2 Uhr Predigt und Andacht für die Terziaren. — Hriebhofrtapelle am 5ran;oienwälbchen. Sonntag: 6'/. Uhr hl. Messe mit Kommunion-AuSterlung. Werktags: 7V«Ubr HI. Messe m. Kommunion-Austeilunq.— Lehnerz. 81/. Uhr Amt und Predigt. — vieterrhan. 10 Uhr Amt und Predigt.

Evangelischer Gottesdienst.

S o n n t a g, 6. November. (Reformationsfest.) $ulba. Borut. 9*/t Uhr Sup. Ruhl. 11 Uhr Militärgottes, dienst. Abends 6 Uhr Pfarrer Weber. — Srotzenlüber. Vormittags 9*/i Uhr Pfarrer Weber.

Dienstag, 8. November. $nlba. Abends 8 Uhr Kirchenchor.

Mittwoch, 9. November, gulba. Abends 8 Uhr Bibelstunde.

Lvaugel. laudtrkirchl. Gemeinschaft, $ulba, Buttlarftr. 17.

Sonntag, 6. November. Abends 8 Uhr Evangeli. sationsvortrag.

Freitag abends 8V« Uhr: Bibel« und Gebetstunde. Jedermann ist herzlich eingeladen.

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Das Phantom.

Roman von Eduard Adrian Schmanl.

Da öffnete er nach drei Tagen zum ersten Make ganz |e Augen, und sie juchten Borris, der sich soeben über hn neigte. Er sah ihn eine ttetne Weil« an, dann form­te sich fein« Lippen zum Sprechen.

Borris hing an diesen Lippen, die noch immer Häu­te angelaufen waren. Jeden Laut wollte er aus ihnen farauspressen, wenn es sein mußte. Er reichte dem kremden bU Flasche mst dem Branntwein, die dieser gierig an die Lippen setzt« und in mächtigen Schlucken Berte. Dann setzte er sich halb aus und sah bedeutungs- jbfl Borris an.

„Mich sandten Sure Mutt« und Schwest«, Herr, hh soll Tuch Botschaft bringen, Sie mögen zur Stadt lammen, es stünde schlecht. Das ist meine Botschaft."

Er keuchte einmal tief auf chann sank er wieder in das Bett zurück.

Borris starrte vor sich hin. Bor drei Tagen hätte er te Botschaft erfahren sollen, heute hörte er sie. Was wchte in diesen drei Tagen alles geschehen sein! Er ver­achte sein Schicksal. Vielleicht war seine Mutter nun hon tot. Und er hatte fie nicht mehr gesehen. Dies« iedanke quälte ihn unablässig.

Er rannte hinunter und schrie die Knechte cm, nach Pferden und Wagen.

Ein Hasten ües durch das Haus. Alles rannte durch­einander, Borris überschrie mit seiner Stimme alle. In jer nächsten halben Stunde war er fertig, drunten harrte fei leichter Wagen mit vier Pferden bespannt. Sie soll­en hergeben, was sie konnten, und wenn sie zusammen- lrechen würden dabei. Er hoffte so in wenigen Stunden chon in Warschau zu sein.

Borris trat in den Hof und griff nach der langen, Geflochtenen Pettsche. Schon stieg er auf den Wagen, fa trat mühselig und schwer der fremde Mann auf ihn |tt, er nannte sich Karinz, und sagte mit tonloser Stimme:

„Nehmen Sie mich mit, Herr, in die Stadt, ich möchte lerne schon zurück fein."

Borris nickte und bedeutete ihm, er möge sich auf den Sagen rückwärts setzen. Der Fremde kletterte mit Ale- w Hilfe schwer hinauf und blieb rückwärts hocken.

Borris peitschte nun auf die Pferde ein, und der Wagen raste aus dem Schlosse hinaus. Sein Schrei, mit dem er die Pferde anfeuerte, klang noch lange nach.

Hinten hockte Karinz und lächelte vor sich hin. Ein eigenes, hämisches Lächeln. Er spürte, wie die Pferde immer rascher ausgriffen und hörte die Zurufe des Leu- fers Borris. Er lächelte nur und nickte mit dem Kopfe.

Borris sah nichts. Seine Augen waren starr auf den Weg gerichtet, den die Pferde unter den Hufen hatten, und « kannte nur ein Ziest Warschau sobald wie möglich zu erreichen.

Die Pferde waren frisch, fie konnten ihre ganze Kraft hergeben und rasten wie besessene Dämonen durch die wette Steppe. Lus ihren Rüstern, die sich wett öffneten, dampfte der Atem. Und imm« noch sauste die Peitsche wild üb« ihre bebenden Flanken, ihr zorniges Stamp­fen und Schnauben war Borris Freude und Gewißheü, rasch ans Ziel zu kommen.

Nicht ein einziges Mal drehte « sich um. Er wußte Karinz hint« sich und kümm«te sich nicht um ihn. Viel­leicht war der schon wieder in eine Ohnmacht gefallen.

Eine Stunde war verronnen.

Nun begann ein Teil des Waldes, Borris fah ihn In der Fern-, er sah auch, wie sich eine Schar Wölfe in das Dickicht zurückzog, « hörte ihr heiseres Gebell bis hier­her. Und lachte darüb«. Sie würden sich nicht ge­trauen, in die rasenden Pferde zu springen, vor ihren Hufen, die Feuer sprühten, stoben fie gewiß davon.

Wieder hieb er mit der Peitsche auf die Pferde ein und schrie ihnen zu.

Da, im gleichen Augenblicke, fühlte «, wie zwei Schrauben sich um seinen Hals legten. Sie zogen sich zusammen, es schnitt ihm die Luft ab, er fühlte seine Sinne schwinden.

Er versuchte sich herumzuwerfen und sah plötzlich in das teuflisch verzerrte Antlitz Karinz.

Wie ein Dämon, ein Teufel erschien er ihm. Des Fremden Augen brannten in einem unheimlichen Feuer, aus seinem Munde stießen sich grelle Worte. Borris spürte den heißen Atem in seinem Gesichte und fühlte, wie sich die Hönde immer fester um feinen Hals zusam­menschlossen.

„Du bist der letzte der Petrowna", zischte es an sein Ohr. Und eine Welle unendlichen Haffes schlug fühlbar zu ihm herüber. Blitzschnell jagten die Gedanken durch

sein Gehirn: Wer konnte dieser Dämon fein, was wollte er haben, daß er ihm das Leben nahm? Waren die an­deren auch fein« Mordhand zum Opfer gefallen--?

Da blitzte es in der Faust Karinz aüf. Borris ver­suchte sich zu befreien, doch « zog damit nur fester die Schlinge zusammen. Er sah den langen, blitzenden Dolch in der Faust des Mörders und wußte, daß dies die letzte Minute in seinem Leben war.

Roch hielt er krampfhaft di« Zügel, und die Pferde rasten wcchnsinnig dahin.

Da erhob sich die Hand zum Stoße, Borris ließ die Zügel fallen, und die Pferde, plötzlich führerlos gewor­den, der starken Hand, die fie fettete, ledig, rannten wie wahnsinnig ht den Wald hinein. Gerade als fie jäh die Kurve nahmen, glitt der Äahl In Borris Körper. Bor­de selbst wurde zur Sette geschleudert und kollerte über den Bord der Wagens. Der Dolch hatte nicht das Herz getroffen, war nur tief ins Fleisch an der Seite einge­drungen.

Bewußtlos blieb Bords am Waldrande liegen, blut­überströmt, als Beute für die Wölfe, die fich scheu zuerst zurückgezogen hatten.

Der Wagen ijaft indes »eiter, hoch erhoben steht Kadnz, und seine Hände umspannen derb die Leitseile. Er zieht mit ungeheurer Kraft, und es gelingt ihm, das wahnsinnige Tempo der Tiere zu bändigen.

Nun ist er nicht mehr der Kranke, der Schwerverletzte, feine Kraft wuchs ins Riesenhafte, sie verlieh ihm gigan­tische Stärke. Hoch erhoben steht er auf dem Wagen, und die Peitsche fällt unbarmherzig auf die Rücken der Pferde. Sein Mund öffnet sich weit, und gell stößt er die Worte in die Luft:

„Nun ist der letzte Petrowna tot, der Name wird vergessen, ihr verhaßter Blut wird in feiner Ader mehr rinnen---*

Und er lacht, lacht wie ein Irrer. Sein lautes Lachen bringt wie ein Kampfruf in die Wälder, erschreckt fliehen die Vögel und die Tiere des Waldes. Die Pferde bäumen sich ayf und reißen wild an den Strängen. Doch er lacht noch immer und hält mit eiserner Faust die Zügel.

Die geschlagenen Wunden find ihm wieder aufgebro­chen, Blut tropft langsam daraus. Er achtet es nicht. 3mm« weiter jagt er. flammenden Auge».

Dann stößt er einen wilden Schrei aus. Drüben leuch­ten die Kuppeln und Türme von Warschau. Noch einmal greift er scharf in die Zügel. Dann hält Kadnz.

Er fpringt herunter und dreht den Wagen um. Zieht die Riemen am Testränge der Pferde fester und greift zur Pettsche. Hebt fie hoch empor und wild hageln dte Hiebe auf die Tiere nieder. Er lacht dazu, bann sicht er, wie die Pferde wahnfinnig davonstürmeu.

Er breftt sich tun und sieht auf die nahe Stadt. Datb. schreitet er langsam über eine Höhe ihr entgegen. Schrift für Schritt geht er, bleibt zuweilen stehen und steht tot sich hin.

In fetatn Sogen liegt etn seltsam« Glanz. 6te flackern unstet, es ist, als wäre er kein Mensch, sonder» ein fleischgewordeue» Gespenst, M unnatürliches W. sen — — —

Ein Phantom ------

Blutrot versinkt eben die Sonne ht der Ferne htate» der Stadt. Taucht unter ht den ungeheuren, weiten Wäldern. Und es ist, als stünden die Wälder in Brand, als wären fie ein ungeheures, brennendes Meer, das gierig jeden Zoll Blau, der noch verstreut am Himmel flieht, in sich auflauge, und feine Brandfackeln wild tote- der dem Firmament zurückwürfe.

„Blut ist aller — und aller drcht sich um Blut--*

murmelte Karinz, die Augen auf das Schauspiel ge­richtet, dumpf vor sich hin und schreitet weit« der Stadt zu.

Borris lag am Waldrands. Die Nacht war ange­brochen, klar und hell funkelten die Sterne am Himmel. Er lag dort, wie er hingefallen war, reglos. Schwer war feine Betäubung.

Dunkle Schatten kreisten um ihn. Entfernt erst, bani immer näher, enger. Die Wölfe waren der Blutfährte gefolgt, sie witterten das Blut und schlichen nun um ihn herum. Heiseres Bellen und Zischen drang hin und wieder aus dem kreisenden Rudel. Ein mächtiger Geselle machte endlich den Anfang, nachdem sie sich überzeugt hatten daß sich der Mensch nicht mehr rührte. Mit einem ge-' wattigen Sprunge kam er auf Borris Brust zu stehen und seine kalte, feuchte Schnauze suchte den Körper ,b.

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