Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Donnerstag, 3. November 1927

der

Gilberts aufgeworfen worden find, auch die Ein­setzung eines Reichskommissars für Reparations­fragen zur Erörterung steht. Wenn in der Presse auch bereits der Name des früheren Staatssekre­tärs Bergmann genannt wird, der bekanntlich vor einiger Zeit im Zusammenhang mit der Re­parationsfrage durch fein Buch „Der Weg der Reparationen" in die Oeffentlichkeit getreten ist, so dürften solche bestimmten Angaben den Tatsa­chen doch noch vorauseilen. Die Personenfrage kann überhaupt erst eine Rolle spielen, wenn eine Entscheidung über die Einrichtung dieses Postens getroffen worden ist. Im Augenblick aber befin­det sich diese Frage noch durchaus im Stadium der Erwägungen der zuständigen Stellen. In unter­richteten Kreisen weist man allerdings darauf hin, daß die Einsetzung eines solchen Kommissars in­sofern von Vorteil sein würde, als die sachliche Be­arbeitung der Reparationsfragen, namentlich was die Verhandlungen mit dem Reparationsagenten anlangt, von dem Wechsel der parlamentarischen Kabinette im größeren Maße als bisher unab­hängig gemacht und eine solche Persönlichkeit für die 'deutschen Interessen von Nutzen sein würde. Unter diesem Gesichtspunkt gilt es auch nicht als ausgeschlossen, daß das Kabinett morgen bereits zu einer grundsätzlichen Entscheidung kommt.

Wie die „Kreuzzeitung" von unterrichteter Seite hört, hat der ehemalige Kaiser seine Zu- stimmung zu der Verheiratung der Prinzessin Viktoria zu Schaumburg-Lippe mit Herrn Zouir kow nicht gegeben.

1927 (600,5 Millionen Goldrubel gegen 574,3 am am 1. Juni l. I. Der Umlauf von Kassa-bons be­trug 421 Millionen gegen 396 im Juni, der Um­lauf an Silbermünzen 9 Millionen, Bronzemünzen 3 Millionen, Kleinmünzen des Papierumlaufes 4,5 Millionen.

Infolge Neuemission von 15 Millionen Tscher- wonetz hat die Zunahme des Gesamtumlauses im Juli insgesamt 41 Millionen Rubel betragen. Die Zahlen 'weisen auf eine langsam fortschreitende, jedoch keinesfalls katastrophale Inflation hin, welche das im Inlands zu beobachtende Emvorschnellen des Dollarkurses nicht rechtfertigen würde.

Im allgemeinen ist an Hand der angeführten Daten ersichtlich, daß die wirtschaftliche und Finanz­lage Sowjetrußlands unzwei'elhast eine gewisse Sta­bilisation erreicht hat, die natürlich ebensoweit von der realen Bedürfnisbefriedigung wie von der Ka­tastrophenansage entfernt bleibt.

Der Finanzboykott Sowjetrußlands, der nach Abbruch der englisch-russischen Beziehungen erwartet wurde, ist nicht einaetroffen. Die Gesamtwirtschafts-

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.

aufzuziehen.

wieder parlamentsarbeit.

VDZ. Berlin, 2. Nov (Eig. Funkm.) Nach mehrtägiger Pause nahmen die Ausschüsse des Reichstages am Mittwoch ihre Beratungen wieder auf. Der Haushaltsausschuß setzte die all- gemeine Aussprache über die Finanz- und Wirt­schaftslage, die mit der Beratung der Besoldungs­vorlage verbunden worden ist, vormittags fort. Abg. Lucke (Wirtschaftl. Vereinig.) kritisierte den Optimismus des Reichsfinanzministers und des Reichswirtschaftsministers. In dem Ueberhand- nehmen von Ausländsanleihen erblickte er eine Gefahr für die Wirtschaft, namentlich für den Mit­telstand. Er befürchtet für ihn aus der Anleihe­wirtschaft der Gemeinden und aus den Desoldungs- erhöhungen neue steuerliche Belastungen. Deshalb fordert der Redner, daß der Dewilligungsfreudig- kett, besonders der Stadtverordneten., Einhalt ge­boten werde. Abg. Lucke stimmt zwar dem Reichs- bankpräsidenten zu, daß eine neue Inflation nicht zu befürchten sei. Man rechne aber mit einer schweren T e u er u n g und mit einer Ver­elendung der großen Maße. Deshalb müße mit der gegenwärtigen Finanzpolitik Schluß gemacht und die Initiative wieder der freien Wirtschaft über­lassen werden. Den Konzernen und Trusten müsse Einhalt geboten werden.

Nach einer Meldung des „B. T." haben nun­mehr sämtliche Länder zu den neuen Richtlinien über die Aufnahme von Ausländsanleihen ihre Zustimmung gegeben.

Dr. Marx In M.-Gladbach.

Reichskanzler Marx hielt am Montag vor zahl­reichem Publikum in M.-Gladbach einen mit leb­haftem Beifall aufgenommenen Vortrag über die „Erziehung zrr m Staat". Hauptaufgabe der staatsbürgerlichen Erziehungsarbeit, so erklärte der Kanzler,'sei die Vermittlung und Vertiefung unanfechtbar"r Erkenntnisse über die realen Staatsnotwendigkeiten, die jenseits der Diskussion stehen. Politischer Kampf müsse sein, aber er muffe sich auf der Achtung vor der gegnerischen Ueberzeugung gründen. Der Reichs­kanzler sprach die Erwartung aus, daß das deutsche Volk diese zum Ideal der Volksgemeinschaft füh­rende innere Erneueruna, eine wahrhaft staats­bürgerliche Einstellung sich erkämpfen werde.

Der Zlagenstreit.

Jr. Stresemnn über bie roirtlWidje Lage

Sehr ernste Betrachtungen über den deutschen Luxus.

läge Sowjetrußlands hat sich daher im Vergleiche zu früher kaum verschlechtert.

Um Erlangung neuer Auslandskredite kämpft die gegenwärtige Regierung ebenso schwer wie noch vor Jahresfrist.

Man merkt im allgemeinen, daß auch England keinesfalls auf eine wirtschaftliche Erniedrigung Rußlands lossteuert. Mindestens verfolgt es die­selbe weder sichtbar noch scheinbar fonfequent. Chamberlain hat denn auch bei Beantwortung der an ihn am 8. Juli im britischen Unterhause ge­stellten Interpellation ausdrücklich erklärt, daß die Regierung Englands die diplomatischen Beziehun­gen zwar abgebrochen hat, jedoch an eine Ein­schränkung oder Erschwerung der privaten Handels­beziehungen nicht denke.

Zur Bekräftigung obiger Ausführungen des Ministers hat der Präsident des Board os Träde im Parlament erklärt, daß der Handelsaustausch zwischen Großbritannien und Rußland innerhalb des ersten Monates nach Abbruch seiner diplomati- j scheu Beziehungen 1132000 Pfund betragen habe.

Die Wahl im Zreistaat Hessen.

Montag nachmittag fand die Prüfung mb Festsetzung der Wahlvorschläge für d i e Landtagswahl statt. Der Vorsitzende des Wahlausschusses teilte die Wahloorschläge mit. Sie wurden in folgender Reihenfolge verlesen und er­scheinen auch so auf dem Wahlzettel: 1. Sozialde­mokratische Partei, 2. Zentrum, 3. Demokra­tische Partei, 4. Hessischer Landbund und Rhein- hessische Landliste, 5. Deutschnationale Volkspartei, 6. Kommunistische Partei. 7. Deutsche Volkspartei. 8. Volksrechtspartei (Reichspartei für Aufwertung). Die Wahlvorschläge der Demokraten, des Hejsi- schen Landbundes und der Deutschnationalen sind provinziell gegliedert, die übrigen sind Land- listen. Alle Vorschläge wurden in Ordnung be­funden

Zehn Znhre Bolschewismus

Die gegenwärtige Wirtschaftslage Rußlands.

Von einer prominenten neutralen Seite i wird über die gegenwärtige Wirtschaftslage in Rußland nachfolgende recht interessante I nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch bedeutsame Darlegung zur Verfügung ge­stellt.

Die meist aus englischen Quellen verbreiteten Nachrichten betreffend einen bevorstehenden Wirt­schaftszusammenbruch der Sowjet-Union scheinen im allgemeinen durchaus tendenziöser Natur zu ein. Sie dienen Propagandazwecken, wobei der Wunsch ersichtlich Vater des Gedankens sein dürfte.

Die Wahrheit liegt auch hier in der Mitte. Die gegenwärtige Wirtschaftslage Sowjets-Rußlands dürfte ebenso weit von einer Katastrophe wie von einem Wiederaufschwung entfernt sein. Die Sow­jetregierung hat zwar unzweifelhaft mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, doch erscheinen die­selben nur insofern größer, als in anderen Län­dern, als dies durch den Landescharakter sowie die Folgen der Kriegsniederlage nebst darauf folgen­der Revolution bedingt ist.

Soeben ist Rußland in eine neue Getreidekam­pagne eingetreten. Nach Schätzung vom 1. Juli des letzten Jahres stelle sich der voraussichtliche Ernteertrag an Weizen auf 3,4, Wintergetreide 3,3, Sommergetreide 3,2, Roggen 3,1, Hafer 3,2, Grütze 3,0, Mais ,4, Sonnenblumen 3,3. Zur Aufklä­rung möge dienen, daß laut der Sowjetsstatistik eine fünfgradige Fruchtbarkeitsskala eingefühn er­scheint, wobei die Zahl 5 eine vorzügliche, die Zahl 1 eine schlechte Ernteschätzung zu bedeuten hat.

Das Ernteergebnis wäre daher auf dem Gesamt­eren! des europäischen Staates in durchweg allen Getreidearten über mittelgut.

Sehr gut gefiel die Ernte im sogenannten „Schwarzerdegürtel'" Zentralrußlands, ferner in der Ukraine aus. In Sibirien ist die Ernte mittel­mäßig, in Zentralasien unter mittelmäßig ausge­fallen.

Die Ergiebigkeit per Diessaftne ist für russische Verhältnisse normal. Sie beträgt für Roggen 54, für Wintergetreide 55 Pud — 900 Kilogramm.

Die Zunahme der Getreideproduktion in Ruß­land steigert nch im allgemeinen nur dank Vergrö­ßerung des bebauten Areals, ntd)t aber im Wege technisch agrikultureller Fortschritte. Die Ergiebig­keit pro Diessatine bleibt gleich und im Vergleich zum übrigen Europa durchweg gering.

Rußland dürfte angesichts des diesjährigen Ernteergebnisses während der kommenden Getreide­kampagne wieder über 900 Millionen Pud Aus­fuhrgetreide verfügen und zwar trotz Wachsens des eigenen ländlichen und städtischen Konsums.

Der faktische Erfolg dürfte natürlich auch heute weit hinter der angeführten Ziffer zurückblciben. Im Exportjahre 1926/27 wurden aus Rußland 187 Millionen Pud Getreide, um 26 Millionen mehr als im Vorjahre ausgeführt. Hiervon er­hielten Deutschland 21 Prozent, Holland und Eng­land 15 Prozent, Italien 10 Prozent, Frankreich 8 Prozent.

Das Ergebnis der russischen Getreideernte wirft bereits einen Schatten auf den Internationalen Getreidemarkt voraus. Durch diese verhältnis­mäßig gute, jedenfalls aber zureichende Ernte er­scheinen in mancher Hinsicht die Pläne des kanadi­schen Getreidemonopols durchkreuzt, welcher durch Anknüpfung von Beziehungen mit Argentinien ernste Versuche zur Beherrschung des Weltgetreide­marktes unternommen hatte. Wir bemerken da­her in den letzten Tagen ein stärkeres Sinken des Weltgetreidepreises.

Der auswärtige Handelsumsatz Rußlands über feine sämtlichen Grenzen weist in den ersten Drei­vierteljahren 1926 auf 27 Cie Gesamtsumme von 1069 000 000 Rubel auf (um 6 Millionen mehr als im Vorjahre.) Davon entfielen auf den Ex­port 572 Millionen, auf Einfuhr 479 Millionen. Die Handelsbilanz gestaltete sich somit um 74 Mil­lionen Rubel aktiv, während sie im Vorjahre um '4,96 Millionen passiv gewesen war. Im Vergleich 8u den ersten Drei Quartalen 1925/26 hat die Ausfuhr um 20 Prozent zugenommen.

De größte russische Wirtschaftsheimsuchirng, der Hunger nach Industrieprodukten und die Unfähig­keit, die eigene Industrie zur Befriedigung dieses Hungers heranzuziehen, dauern auch im Benchts- jahre weiter an.

Auch die geänderten Pläne des So.'marchoz werden daran kaum etwas zu ändern vermögen. Die Studien-Enquete betreffs einer Herabminde­rung der Produktionskosten hat bewiesen, daß eine derartige Herabminderung nur auf Kosten des Re- severekapitals der Unternehmungen zu erreichen wäre und daß die industrielle Produktion aber mit einer Erhöhung dieser Kosten zu rechnen hat. Als Grund hierfür wurde die Aufbrauchung der Reserven, die bereits oeralterte maschinelle Ein­richtung sowie die Lohnhöhe angeführt.

In Berücksichtigung obiger Tatsachen hat der Sownarchoz (Rat für Volkswirtschaftsgestaltung) für das kommende Jahr nur eine 17prozentige Pro­duktionssteigerung in Aussicht genommen, was zur Stillegung des Warenhungers und Herabminde­rung der Einkaufspreise keinesfalls hinreicht. Aber der Sownarchoz selbst zweifelt an dem Erreichen der von ihm erhofften Produktivnssteierung, da m einer Reihe von Unternehmungen die Erzeu­gung bereits die Grenze technischer Leistungsfähig­keit überschritten hat, wobei es durchweg an Kapi­tal für eine Modernisierung oder auch nur Er­weiterung fehlt.

Laut Kassenberichtes des Narkomfim (Finanz- kommisjariats) betrug der Geldumlauf am 1. Juli

von den Hohenzollern.

Wie der Demokratische Zeitungsdienst erführt haben sich zwischen dem p r e u ß i s ch en Staat uni dem ehemaligen Königshaus bei der Abwicklung des Auseinandersetzungsvertrages Differenzen ergeben, die wahrscheinlich nur schiedsgericht- l i ch gelöst werden können, nachdem schrfftliche Verhandlungen nicht zu einem Ergebnis geführt haben. Es handelt sich um preußische Rückforde­rungen von an das Reich ab geführten Vermögens- fteuem im Betrage von etwa 340 000 Mark und um Rückforderung von Zuschüssen für den Un­terhalt des Königshauses in Höhe von 471500 Mark.

Anläßlich des Jahresessens der Ressource der Dresdener Kaufmannschaft, das traditions­gemäß am Reformationstage in Dresden stattfin- det, führte Reichsaußenminister Dr. Stresemann folgendes aus:

Wenn auch die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahren eine günstige geworden sei und wenn wir heute auf einen Tiefstand der Er­werbslosenziffer zurückblicken könnten, wie er selbst in Vorkriegszeiten nicht erreicht worden sei, so dürfe doch kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Entwicklung erhebliche Gefahren in sich berge, weniger Gefahren für die Gegenwart, als Gefahren für die Zukunft. Wir brauchten die Milliarden, die in Gestalt von Auslandskredi­ten in unsere Wirtschaft geflossen seien und die Tatsache, daß durch diese Kredite das Schicksal an­derer Nationen mit der wirtschaftlichen Entwick­lung Deutschlands verbunden werde, sei zu begrü­ßen. Aber nur die Milliarden, die hundertpro­zentig für produktive Zwecke Verwendung fänden, seien eine gerechtfertigte Kapitalanlage» während nichtproduktive Ausländsanleihen eine schwere Belastung für uns bedeuteten. Dr. Stre- femann wandte sich dann unter lebhaftem Beifall gegen die Art und Weise, in der sich deutsche Le­bensvitalität gegenwärtig Ausdruck verschaffe. Das Uebermaß an Festen, Bauten usw. entspreche nicht unserer tatsächlichen Lage und erwecke im Ausland den Eindruck, wie wenn das deutsche Volk, das den Krieg verloren habe, sich dies leisten könne. Dies fei eine große wirtschaftliche _ und politische Gefahr für uns, der mit allen Mit­teln entgegengetreten werden müsse. Dr. Strese­mann wies darauf hin, wie groß der Unterschied Zwischen dem Sein des deutschen Volkes, das durch angestrengte Arbeit gekennzeichnet sei und dem Schein der Sorgenlosigkeit und des Le­bensgenusses sei, der sich leider in Deutschland mehr und mehr zeige. Es sei bedauerlich, daß man im Auslande geneigt sei, mehr nach dem Schein zu urteilen, namentlich in denjenigen Kreisen des Auslandes, die mit der Behauptung gegen Deutschland arbeiten, daß das deutsche Volk absichtlich über seine Verhältnisse lebe, um die Un­möglichkeit der Erfüllung seiner Verpflichtungen darzutun.

Dr. Stresemann mies im weiteren Verlauf sei­ner Darlegungen auf die Notwendigkeit der von der Reichsregierung erstrebten Verwaltungs­reform hin. Ein Volk könne nicht den größ­ten Krieg der Weltgeschichte verlie­ren und sich bann ein Durcheinander und Neben­einander von Behörden leisten, wie es in Deutsch­land der Fall sei. Der schroffe Gegensatz zwilchen der Rationalisierung der Wirtschaft und der Verwaltung sei ein Schulbeismel da­für, daß die von der Regierung beaonnene Reform der Verwalt'mg berechtigt sei. Dr. Stresemann zitierte die Meinung eines Lokomotivführers am Liftdenkmal in Leipzig, in welcher der Wunsch ausgesprochen sei, daß der Deutschen Reichsbahn bald auch die Vereinheitlichung des Reiches fol­gen müsse. „Wir können und wollen kein Land zwingen, seine Selbständigkeit aufzugeben", so fuhr Dr. Stresemann fort, „aber wer den Weg zum V-'che findet, dem darf er nicht verwehrt wer­den. *:r brauchen die Vereinheitlichung der rroattung aus den verschiedensten Gründen, nicht zuletzt, um unsere wirtschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten zu erhallen. Wir können nicht der optimistischen Auffassung leben, daß wir als Volk auf die Dauer in den Behältnissen leben wie jetzt, wenn wir nicht den Mut aufbringen, entscheidende Schritte in dieser Beziehung zu tun. Nur wenn wir uns des Ernstes der Sage, in der wir leben, bewußt werden, wenn wir die Gefah­ren, die unserer wirtschaftlichen Zukunftsentwick­lung drohen, erkennen, wenn wir die Zeichen, die im Ueberwinden des Importes gegenüber dem Export liegen ,verstehen und für die Abänderung der bestehenden Verhältnisse sorgen, wird unsere ietzige relativ gute Sage sich aufrecht erhalten las­sen."

Die Reparationsfraoe.

In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß das Reichskabinett nach der Rückkehr des Reichs­kanzlers voraussichtlich schon Mittwoch nach­mittag eine Sitzung abhalfen wird. Die Tagesord­nung umfaßt die mit dem Revarationsproblem zu­sammenhängenden, augenblicklich aktuellen Fra­gen. Dabei ist anzunehmen, daß außer den sachli­chen Problemen, die durch die Denkschrift Parker

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUl

auswärts 0,20 5Ut. Reklamezeile-, lokal 0,60 JO 54. iflOtCL

auswärts 0,80 5Ut. Bei Wiederholungen Rabatt. -J > 55

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051

Wobei England in Rußland für 862000 und Ruß, land in England für 270 000 Pfund Einkäufe getätigt haben. Diese Ziffern beweisen, daß der Handelsverkehr beider Länder kaum irgendeine Än­derung aufweift und sich für Rußland weiterhin günstig gestaltet hat.

Letzteres ist seinen Zahlungsverpflichtungen gegen­über englischen Firmen pünktlich nachgekonunm.

Der Vertrag zwischen dem sowjetistischen Naphta- truft und der Standard-Oil-Company entwickelt sich trotz abfälliger Kritik, die er hervorrief, sowie trotz aller Rekriminationen des englisch - holländischen Konzerns für Rußland günstig, schon deshalb, weil er sich hauptsächlich auf dem Kleinasiatischen und Ostmittelmeer-Naphtamarkte auswirkt, woselbst das das russische Petroleum schon aus geographischen Gründen die führende Rolle inne hat.

Alles dies bestätigt, daß die sowjetrussische Wirt­schaftslage, obgleich unzweifelhaft schwierig und ge- spannt, doch keinesfalls in naher Zukunft irgend­einer Katastrophe zuzusteuern scheint.

Die österreichischen Sozialisten.

Eine Entschließung.

Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs nahm einstimmig eine Entschließung an, in der betont wird, daß die Sozialdemokratie wiederholt erklärt hat, daß sie jederzeit zu ern­sten Verhandlungen über eine Ab - r ü ft u n g bereit fei. Mit den bürgerlichen Par­teien sei keine Koalition möglich, solange diese glaubten, die Sozialdemokratie von dem den Inte­ressen der Arbeiterklasse entsprechenden Anteil an der Staatsmacht ausschließen zu können. Der Par­teitag warnt die Bauernschaft, sich gegen die Ar­beiterklasse mißbrauchen zu lassen. Die Sozialdemo­kratie erstrebe teine Diktaturder Arbeiter über die Bauern, sondern das Bündnis der Ar­beiter und Bauern gegen Grobkapitalismus und Großgrundbesitz. Zum Schluß werden die Arbeiter aufgefordert, keine Demonstrationen ohne Beschluß der Gesamtheit und keinen Streik in lebenswich­tigen Betrieben ohne Zustimmung der Gewerkschaf­ten durchzuführen.

In einer weiteren Erklärung des Parteitages wird das „Komitee zur Förderung der inter­nationalen Gewerkschaftseinheit" als kommuni­stische Keimzelle und die Zugehörigkeit zu diesem Komitee mit der Mitgliedschaft der Sozialdemokra­tischen Partei als unvereinbar bezeichnet.

Ferner beschloß der Parteitag, am 12. Novem­ber Demonstrationen der ganzen Arbeiter­schaft in Oesterreich abzuhalten, in denen gegen den Faschismus und für die Republik Stellung genommen werden soll.

• llm Maltzans Nachfolger. Reichsminifter Dr. Stresemann ist gemeinsam mit dem Botschaftsrat Dr. v. Prittwitz und Gaffton von Dresden in Berlin eingetroffen. Wie Wir von unterrichteter parlamentarischer Seite erfahren, kann es bis zur Ernennung des Botschaftsrat v. Prittwitz (bisher in Rom) zum Botschafter in Washington noch einige Tage dauern. Die Verhandlungen mit Herrn v. Prittwitz selbst dürften jedoch im wesent- sichen bereits abgeschlossen fein, sodaß nur noch das Agreement abgewartet zu werden braucht.

♦ Die Auflösung der Kattowitzer Stadtverord­netenversammlung. Die „Voss. Ztg." meldet aus Breslau: Die Auflösung der Kattowitzer Stadt­verordnetenversammlung durch den Kattowitzer Woiwoden wttd wahrscheinlich von neuem die Min- decheitenfrage in Polnisch-Oberschlesien zur inter­nationalen Diskussion stellen. Der Vorsitzende des Deutschen Dolksbundes, Seymabgeordneter Ulitsch. kündigt an, daß die Deutschen berechtigt seien, dem Auflösungsbeschluß gegenüber an die Minder- heitsschutzbe stimmung en des Genfer Abkommens zu appellieren, und daß \v das auch tun werden.

Wie dem „B. T." gemeldet Wirb, hat das Hotel Adlon aus Anlaß der Anwesenheit des ehemaligen Kronprinzen von Korea neben der japanischen die schwarz-weiß-rote Handels­flagge, nicht aber die verfassungsmäßigen schwarz- rot-goldenen Farben gehW. Bekanntlich hieß es in der offiziellen Mitteilung von dem zwischen den Hotelbefitzerverein und dem Reichsaußenminffter Dr. Stresemann sowie dem preußischen Staatsfekr. Dr. Weismann gettoffenen Abkommen, daß die Reichs­flaggen dann gehißt würden, wenn sich die Not­wendigkeit ergeben sollte, eine ftemde Staatsfahne

x» । Nnselünnlnitt 10 M. (mit Wstr. Vellage 15 Piss.'

uldaerZertung