Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
Donnerstag, 3. November 1927
der
Gilberts aufgeworfen worden find, auch die Einsetzung eines Reichskommissars für Reparationsfragen zur Erörterung steht. Wenn in der Presse auch bereits der Name des früheren Staatssekretärs Bergmann genannt wird, der bekanntlich vor einiger Zeit im Zusammenhang mit der Reparationsfrage durch fein Buch „Der Weg der Reparationen" in die Oeffentlichkeit getreten ist, so dürften solche bestimmten Angaben den Tatsachen doch noch vorauseilen. Die Personenfrage kann überhaupt erst eine Rolle spielen, wenn eine Entscheidung über die Einrichtung dieses Postens getroffen worden ist. Im Augenblick aber befindet sich diese Frage noch durchaus im Stadium der Erwägungen der zuständigen Stellen. In unterrichteten Kreisen weist man allerdings darauf hin, daß die Einsetzung eines solchen Kommissars insofern von Vorteil sein würde, als die sachliche Bearbeitung der Reparationsfragen, namentlich was die Verhandlungen mit dem Reparationsagenten anlangt, von dem Wechsel der parlamentarischen Kabinette im größeren Maße als bisher unabhängig gemacht und eine solche Persönlichkeit für die 'deutschen Interessen von Nutzen sein würde. Unter diesem Gesichtspunkt gilt es auch nicht als ausgeschlossen, daß das Kabinett morgen bereits zu einer grundsätzlichen Entscheidung kommt.
Wie die „Kreuzzeitung" von unterrichteter Seite hört, hat der ehemalige Kaiser seine Zu- stimmung zu der Verheiratung der Prinzessin Viktoria zu Schaumburg-Lippe mit Herrn Zouir kow nicht gegeben.
1927 (600,5 Millionen Goldrubel gegen 574,3 am am 1. Juni l. I. Der Umlauf von Kassa-bons betrug 421 Millionen gegen 396 im Juni, der Umlauf an Silbermünzen 9 Millionen, Bronzemünzen 3 Millionen, Kleinmünzen des Papierumlaufes 4,5 Millionen.
Infolge Neuemission von 15 Millionen Tscher- wonetz hat die Zunahme des Gesamtumlauses im Juli insgesamt 41 Millionen Rubel betragen. Die Zahlen 'weisen auf eine langsam fortschreitende, jedoch keinesfalls katastrophale Inflation hin, welche das im Inlands zu beobachtende Emvorschnellen des Dollarkurses nicht rechtfertigen würde.
Im allgemeinen ist an Hand der angeführten Daten ersichtlich, daß die wirtschaftliche und Finanzlage Sowjetrußlands unzwei'elhast eine gewisse Stabilisation erreicht hat, die natürlich ebensoweit von der realen Bedürfnisbefriedigung wie von der Katastrophenansage entfernt bleibt.
Der Finanzboykott Sowjetrußlands, der nach Abbruch der englisch-russischen Beziehungen erwartet wurde, ist nicht einaetroffen. Die Gesamtwirtschafts-
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,80 Mk.
aufzuziehen.
wieder parlamentsarbeit.
VDZ. Berlin, 2. Nov (Eig. Funkm.) Nach mehrtägiger Pause nahmen die Ausschüsse des Reichstages am Mittwoch ihre Beratungen wieder auf. Der Haushaltsausschuß setzte die all- gemeine Aussprache über die Finanz- und Wirtschaftslage, die mit der Beratung der Besoldungsvorlage verbunden worden ist, vormittags fort. Abg. Lucke (Wirtschaftl. Vereinig.) kritisierte den Optimismus des Reichsfinanzministers und des Reichswirtschaftsministers. In dem Ueberhand- nehmen von Ausländsanleihen erblickte er eine Gefahr für die Wirtschaft, namentlich für den Mittelstand. Er befürchtet für ihn aus der Anleihewirtschaft der Gemeinden und aus den Desoldungs- erhöhungen neue steuerliche Belastungen. Deshalb fordert der Redner, daß der Dewilligungsfreudig- kett, besonders der Stadtverordneten., Einhalt geboten werde. Abg. Lucke stimmt zwar dem Reichs- bankpräsidenten zu, daß eine neue Inflation nicht zu befürchten sei. Man rechne aber mit einer schweren T e u er u n g und mit einer Verelendung der großen Maße. Deshalb müße mit der gegenwärtigen Finanzpolitik Schluß gemacht und die Initiative wieder der freien Wirtschaft überlassen werden. Den Konzernen und Trusten müsse Einhalt geboten werden.
Nach einer Meldung des „B. T." haben nunmehr sämtliche Länder zu den neuen Richtlinien über die Aufnahme von Ausländsanleihen ihre Zustimmung gegeben.
Dr. Marx In M.-Gladbach.
Reichskanzler Marx hielt am Montag vor zahlreichem Publikum in M.-Gladbach einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über die „Erziehung zrr m Staat". Hauptaufgabe der staatsbürgerlichen Erziehungsarbeit, so erklärte der Kanzler,'sei die Vermittlung und Vertiefung unanfechtbar"r Erkenntnisse über die realen Staatsnotwendigkeiten, die jenseits der Diskussion stehen. Politischer Kampf müsse sein, aber er muffe sich auf der Achtung vor der gegnerischen Ueberzeugung gründen. Der Reichskanzler sprach die Erwartung aus, daß das deutsche Volk diese zum Ideal der Volksgemeinschaft führende innere Erneueruna, eine wahrhaft staatsbürgerliche Einstellung sich erkämpfen werde.
Der Zlagenstreit.
Jr. Stresemnn über bie roirtlWidje Lage
Sehr ernste Betrachtungen über den deutschen Luxus.
läge Sowjetrußlands hat sich daher im Vergleiche zu früher kaum verschlechtert.
Um Erlangung neuer Auslandskredite kämpft die gegenwärtige Regierung ebenso schwer wie noch vor Jahresfrist.
Man merkt im allgemeinen, daß auch England keinesfalls auf eine wirtschaftliche Erniedrigung Rußlands lossteuert. Mindestens verfolgt es dieselbe weder sichtbar noch scheinbar fonfequent. Chamberlain hat denn auch bei Beantwortung der an ihn am 8. Juli im britischen Unterhause gestellten Interpellation ausdrücklich erklärt, daß die Regierung Englands die diplomatischen Beziehungen zwar abgebrochen hat, jedoch an eine Einschränkung oder Erschwerung der privaten Handelsbeziehungen nicht denke.
Zur Bekräftigung obiger Ausführungen des Ministers hat der Präsident des Board os Träde im Parlament erklärt, daß der Handelsaustausch zwischen Großbritannien und Rußland innerhalb des ersten Monates nach Abbruch seiner diplomati- j scheu Beziehungen 1132000 Pfund betragen habe.
Die Wahl im Zreistaat Hessen.
Montag nachmittag fand die Prüfung mb Festsetzung der Wahlvorschläge für d i e Landtagswahl statt. Der Vorsitzende des Wahlausschusses teilte die Wahloorschläge mit. Sie wurden in folgender Reihenfolge verlesen und erscheinen auch so auf dem Wahlzettel: 1. Sozialdemokratische Partei, 2. Zentrum, 3. Demokratische Partei, 4. Hessischer Landbund und Rhein- hessische Landliste, 5. Deutschnationale Volkspartei, 6. Kommunistische Partei. 7. Deutsche Volkspartei. 8. Volksrechtspartei (Reichspartei für Aufwertung). Die Wahlvorschläge der Demokraten, des Hejsi- schen Landbundes und der Deutschnationalen sind provinziell gegliedert, die übrigen sind Land- listen. Alle Vorschläge wurden in Ordnung befunden
Zehn Znhre Bolschewismus
Die gegenwärtige Wirtschaftslage Rußlands.
Von einer prominenten neutralen Seite i wird über die gegenwärtige Wirtschaftslage in Rußland nachfolgende recht interessante I nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch bedeutsame Darlegung zur Verfügung gestellt.
Die meist aus englischen Quellen verbreiteten Nachrichten betreffend einen bevorstehenden Wirtschaftszusammenbruch der Sowjet-Union scheinen im allgemeinen durchaus tendenziöser Natur zu ein. Sie dienen Propagandazwecken, wobei der Wunsch ersichtlich Vater des Gedankens sein dürfte.
Die Wahrheit liegt auch hier in der Mitte. Die gegenwärtige Wirtschaftslage Sowjets-Rußlands dürfte ebenso weit von einer Katastrophe wie von einem Wiederaufschwung entfernt sein. Die Sowjetregierung hat zwar unzweifelhaft mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, doch erscheinen dieselben nur insofern größer, als in anderen Ländern, als dies durch den Landescharakter sowie die Folgen der Kriegsniederlage nebst darauf folgender Revolution bedingt ist.
Soeben ist Rußland in eine neue Getreidekampagne eingetreten. Nach Schätzung vom 1. Juli des letzten Jahres stelle sich der voraussichtliche Ernteertrag an Weizen auf 3,4, Wintergetreide 3,3, Sommergetreide 3,2, Roggen 3,1, Hafer 3,2, Grütze 3,0, Mais ,4, Sonnenblumen 3,3. Zur Aufklärung möge dienen, daß laut der Sowjetsstatistik eine fünfgradige Fruchtbarkeitsskala eingefühn erscheint, wobei die Zahl 5 eine vorzügliche, die Zahl 1 eine schlechte Ernteschätzung zu bedeuten hat.
Das Ernteergebnis wäre daher auf dem Gesamteren! des europäischen Staates in durchweg allen Getreidearten über mittelgut.
Sehr gut gefiel die Ernte im sogenannten „Schwarzerdegürtel'" Zentralrußlands, ferner in der Ukraine aus. In Sibirien ist die Ernte mittelmäßig, in Zentralasien unter mittelmäßig ausgefallen.
Die Ergiebigkeit per Diessaftne ist für russische Verhältnisse normal. Sie beträgt für Roggen 54, für Wintergetreide 55 Pud — 900 Kilogramm.
Die Zunahme der Getreideproduktion in Rußland steigert nch im allgemeinen nur dank Vergrößerung des bebauten Areals, ntd)t aber im Wege technisch agrikultureller Fortschritte. Die Ergiebigkeit pro Diessatine bleibt gleich und im Vergleich zum übrigen Europa durchweg gering.
Rußland dürfte angesichts des diesjährigen Ernteergebnisses während der kommenden Getreidekampagne wieder über 900 Millionen Pud Ausfuhrgetreide verfügen und zwar trotz Wachsens des eigenen ländlichen und städtischen Konsums.
Der faktische Erfolg dürfte natürlich auch heute weit hinter der angeführten Ziffer zurückblciben. Im Exportjahre 1926/27 wurden aus Rußland 187 Millionen Pud Getreide, um 26 Millionen mehr als im Vorjahre ausgeführt. Hiervon erhielten Deutschland 21 Prozent, Holland und England 15 Prozent, Italien 10 Prozent, Frankreich 8 Prozent.
Das Ergebnis der russischen Getreideernte wirft bereits einen Schatten auf den Internationalen Getreidemarkt voraus. Durch diese verhältnismäßig gute, jedenfalls aber zureichende Ernte erscheinen in mancher Hinsicht die Pläne des kanadischen Getreidemonopols durchkreuzt, welcher durch Anknüpfung von Beziehungen mit Argentinien ernste Versuche zur Beherrschung des Weltgetreidemarktes unternommen hatte. Wir bemerken daher in den letzten Tagen ein stärkeres Sinken des Weltgetreidepreises.
Der auswärtige Handelsumsatz Rußlands über feine sämtlichen Grenzen weist in den ersten Dreivierteljahren 1926 auf 27 Cie Gesamtsumme von 1069 000 000 Rubel auf (um 6 Millionen mehr als im Vorjahre.) Davon entfielen auf den Export 572 Millionen, auf Einfuhr 479 Millionen. Die Handelsbilanz gestaltete sich somit um 74 Millionen Rubel aktiv, während sie im Vorjahre um '4,96 Millionen passiv gewesen war. Im Vergleich 8u den ersten Drei Quartalen 1925/26 hat die Ausfuhr um 20 Prozent zugenommen.
De größte russische Wirtschaftsheimsuchirng, der Hunger nach Industrieprodukten und die Unfähigkeit, die eigene Industrie zur Befriedigung dieses Hungers heranzuziehen, dauern auch im Benchts- jahre weiter an.
Auch die geänderten Pläne des So.'marchoz werden daran kaum etwas zu ändern vermögen. Die Studien-Enquete betreffs einer Herabminderung der Produktionskosten hat bewiesen, daß eine derartige Herabminderung nur auf Kosten des Re- severekapitals der Unternehmungen zu erreichen wäre und daß die industrielle Produktion aber mit einer Erhöhung dieser Kosten zu rechnen hat. Als Grund hierfür wurde die Aufbrauchung der Reserven, die bereits oeralterte maschinelle Einrichtung sowie die Lohnhöhe angeführt.
In Berücksichtigung obiger Tatsachen hat der Sownarchoz (Rat für Volkswirtschaftsgestaltung) für das kommende Jahr nur eine 17prozentige Produktionssteigerung in Aussicht genommen, was zur Stillegung des Warenhungers und Herabminderung der Einkaufspreise keinesfalls hinreicht. Aber der Sownarchoz selbst zweifelt an dem Erreichen der von ihm erhofften Produktivnssteierung, da m einer Reihe von Unternehmungen die Erzeugung bereits die Grenze technischer Leistungsfähigkeit überschritten hat, wobei es durchweg an Kapital für eine Modernisierung oder auch nur Erweiterung fehlt.
Laut Kassenberichtes des Narkomfim (Finanz- kommisjariats) betrug der Geldumlauf am 1. Juli
von den Hohenzollern.
Wie der Demokratische Zeitungsdienst erführt haben sich zwischen dem p r e u ß i s ch en Staat uni dem ehemaligen Königshaus bei der Abwicklung des Auseinandersetzungsvertrages Differenzen ergeben, die wahrscheinlich nur schiedsgericht- l i ch gelöst werden können, nachdem schrfftliche Verhandlungen nicht zu einem Ergebnis geführt haben. Es handelt sich um preußische Rückforderungen von an das Reich ab geführten Vermögens- fteuem im Betrage von etwa 340 000 Mark und um Rückforderung von Zuschüssen für den Unterhalt des Königshauses in Höhe von 471500 Mark.
Anläßlich des Jahresessens der Ressource der Dresdener Kaufmannschaft, das traditionsgemäß am Reformationstage in Dresden stattfin- det, führte Reichsaußenminister Dr. Stresemann folgendes aus:
Wenn auch die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahren eine günstige geworden sei und wenn wir heute auf einen Tiefstand der Erwerbslosenziffer zurückblicken könnten, wie er selbst in Vorkriegszeiten nicht erreicht worden sei, so dürfe doch kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Entwicklung erhebliche Gefahren in sich berge, weniger Gefahren für die Gegenwart, als Gefahren für die Zukunft. Wir brauchten die Milliarden, die in Gestalt von Auslandskrediten in unsere Wirtschaft geflossen seien und die Tatsache, daß durch diese Kredite das Schicksal anderer Nationen mit der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands verbunden werde, sei zu begrüßen. Aber nur die Milliarden, die hundertprozentig für produktive Zwecke Verwendung fänden, seien eine gerechtfertigte Kapitalanlage» während nichtproduktive Ausländsanleihen eine schwere Belastung für uns bedeuteten. Dr. Stre- femann wandte sich dann unter lebhaftem Beifall gegen die Art und Weise, in der sich deutsche Lebensvitalität gegenwärtig Ausdruck verschaffe. Das Uebermaß an Festen, Bauten usw. entspreche nicht unserer tatsächlichen Lage und erwecke im Ausland den Eindruck, wie wenn das deutsche Volk, das den Krieg verloren habe, sich dies leisten könne. Dies fei eine große wirtschaftliche _ und politische Gefahr für uns, der mit allen Mitteln entgegengetreten werden müsse. Dr. Stresemann wies darauf hin, wie groß der Unterschied Zwischen dem Sein des deutschen Volkes, das durch angestrengte Arbeit gekennzeichnet sei und dem Schein der Sorgenlosigkeit und des Lebensgenusses sei, der sich leider in Deutschland mehr und mehr zeige. Es sei bedauerlich, daß man im Auslande geneigt sei, mehr nach dem Schein zu urteilen, namentlich in denjenigen Kreisen des Auslandes, die mit der Behauptung gegen Deutschland arbeiten, daß das deutsche Volk absichtlich über seine Verhältnisse lebe, um die Unmöglichkeit der Erfüllung seiner Verpflichtungen darzutun.
Dr. Stresemann mies im weiteren Verlauf seiner Darlegungen auf die Notwendigkeit der von der Reichsregierung erstrebten Verwaltungsreform hin. Ein Volk könne nicht den größten Krieg der Weltgeschichte verlieren und sich bann ein Durcheinander und Nebeneinander von Behörden leisten, wie es in Deutschland der Fall sei. Der schroffe Gegensatz zwilchen der Rationalisierung der Wirtschaft und der Verwaltung sei ein Schulbeismel dafür, daß die von der Regierung beaonnene Reform der Verwalt'mg berechtigt sei. Dr. Stresemann zitierte die Meinung eines Lokomotivführers am Liftdenkmal in Leipzig, in welcher der Wunsch ausgesprochen sei, daß der Deutschen Reichsbahn bald auch die Vereinheitlichung des Reiches folgen müsse. „Wir können und wollen kein Land zwingen, seine Selbständigkeit aufzugeben", so fuhr Dr. Stresemann fort, „aber wer den Weg zum V-'che findet, dem darf er nicht verwehrt werden. *:r brauchen die Vereinheitlichung der rroattung aus den verschiedensten Gründen, nicht zuletzt, um unsere wirtschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten zu erhallen. Wir können nicht der optimistischen Auffassung leben, daß wir als Volk auf die Dauer in den Behältnissen leben wie jetzt, wenn wir nicht den Mut aufbringen, entscheidende Schritte in dieser Beziehung zu tun. Nur wenn wir uns des Ernstes der Sage, in der wir leben, bewußt werden, wenn wir die Gefahren, die unserer wirtschaftlichen Zukunftsentwicklung drohen, erkennen, wenn wir die Zeichen, die im Ueberwinden des Importes gegenüber dem Export liegen ,verstehen und für die Abänderung der bestehenden Verhältnisse sorgen, wird unsere ietzige relativ gute Sage sich aufrecht erhalten lassen."
Die Reparationsfraoe.
In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß das Reichskabinett nach der Rückkehr des Reichskanzlers voraussichtlich schon Mittwoch nachmittag eine Sitzung abhalfen wird. Die Tagesordnung umfaßt die mit dem Revarationsproblem zusammenhängenden, augenblicklich aktuellen Fragen. Dabei ist anzunehmen, daß außer den sachlichen Problemen, die durch die Denkschrift Parker
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Wobei England in Rußland für 862000 und Ruß, land in England für 270 000 Pfund Einkäufe getätigt haben. Diese Ziffern beweisen, daß der Handelsverkehr beider Länder kaum irgendeine Änderung aufweift und sich für Rußland weiterhin günstig gestaltet hat.
Letzteres ist seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber englischen Firmen pünktlich nachgekonunm.
Der Vertrag zwischen dem sowjetistischen Naphta- truft und der Standard-Oil-Company entwickelt sich trotz abfälliger Kritik, die er hervorrief, sowie trotz aller Rekriminationen des englisch - holländischen Konzerns für Rußland günstig, schon deshalb, weil er sich hauptsächlich auf dem Kleinasiatischen und Ostmittelmeer-Naphtamarkte auswirkt, woselbst das das russische Petroleum schon aus geographischen Gründen die führende Rolle inne hat.
Alles dies bestätigt, daß die sowjetrussische Wirtschaftslage, obgleich unzweifelhaft schwierig und ge- spannt, doch keinesfalls in naher Zukunft irgendeiner Katastrophe zuzusteuern scheint.
Die österreichischen Sozialisten.
Eine Entschließung.
Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs nahm einstimmig eine Entschließung an, in der betont wird, daß die Sozialdemokratie wiederholt erklärt hat, daß sie jederzeit zu ernsten Verhandlungen über eine Ab - r ü ft u n g bereit fei. Mit den bürgerlichen Parteien sei keine Koalition möglich, solange diese glaubten, die Sozialdemokratie von dem den Interessen der Arbeiterklasse entsprechenden Anteil an der Staatsmacht ausschließen zu können. Der Parteitag warnt die Bauernschaft, sich gegen die Arbeiterklasse mißbrauchen zu lassen. Die Sozialdemokratie erstrebe teine Diktaturder Arbeiter über die Bauern, sondern das Bündnis der Arbeiter und Bauern gegen Grobkapitalismus und Großgrundbesitz. Zum Schluß werden die Arbeiter aufgefordert, keine Demonstrationen ohne Beschluß der Gesamtheit und keinen Streik in lebenswichtigen Betrieben ohne Zustimmung der Gewerkschaften durchzuführen.
In einer weiteren Erklärung des Parteitages wird das „Komitee zur Förderung der internationalen Gewerkschaftseinheit" als kommunistische Keimzelle und die Zugehörigkeit zu diesem Komitee mit der Mitgliedschaft der Sozialdemokratischen Partei als unvereinbar bezeichnet.
Ferner beschloß der Parteitag, am 12. November Demonstrationen der ganzen Arbeiterschaft in Oesterreich abzuhalten, in denen gegen den Faschismus und für die Republik Stellung genommen werden soll.
• llm Maltzans Nachfolger. Reichsminifter Dr. Stresemann ist gemeinsam mit dem Botschaftsrat Dr. v. Prittwitz und Gaffton von Dresden in Berlin eingetroffen. Wie Wir von unterrichteter parlamentarischer Seite erfahren, kann es bis zur Ernennung des Botschaftsrat v. Prittwitz (bisher in Rom) zum Botschafter in Washington noch einige Tage dauern. Die Verhandlungen mit Herrn v. Prittwitz selbst dürften jedoch im wesent- sichen bereits abgeschlossen fein, sodaß nur noch das Agreement abgewartet zu werden braucht.
♦ Die Auflösung der Kattowitzer Stadtverordnetenversammlung. Die „Voss. Ztg." meldet aus Breslau: Die Auflösung der Kattowitzer Stadtverordnetenversammlung durch den Kattowitzer Woiwoden wttd wahrscheinlich von neuem die Min- decheitenfrage in Polnisch-Oberschlesien zur internationalen Diskussion stellen. Der Vorsitzende des Deutschen Dolksbundes, Seymabgeordneter Ulitsch. kündigt an, daß die Deutschen berechtigt seien, dem Auflösungsbeschluß gegenüber an die Minder- heitsschutzbe stimmung en des Genfer Abkommens zu appellieren, und daß \v das auch tun werden.
Wie dem „B. T." gemeldet Wirb, hat das Hotel Adlon aus Anlaß der Anwesenheit des ehemaligen Kronprinzen von Korea neben der japanischen die schwarz-weiß-rote Handelsflagge, nicht aber die verfassungsmäßigen schwarz- rot-goldenen Farben gehW. Bekanntlich hieß es in der offiziellen Mitteilung von dem zwischen den Hotelbefitzerverein und dem Reichsaußenminffter Dr. Stresemann sowie dem preußischen Staatsfekr. Dr. Weismann gettoffenen Abkommen, daß die Reichsflaggen dann gehißt würden, wenn sich die Notwendigkeit ergeben sollte, eine ftemde Staatsfahne
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